Die Pferdezucht im Wandel, wie oft habe ich diese Diskussion im Internet verfolgt. Erst kürzlich habe ich ein Gespräch rund um die Lipizzaner verfolgt. Ist die Zucht im Wandel oder sind es die Pferdefreunde, die der Zucht unter Diktat stellen? Ein paar kritische Gedanken dazu heute in meinem Blog.

Die Züchter züchten für den Sport?

Wie viele Reiter sind heute Freizeitreiter und möchten lediglich eine gute Zeit mit ihrem Pferd verbringen. Zeit, die auch sinnvoll verbracht werden soll; Zeit, in der wir gemeinsam Etwas lernen wollen. In der Statistik finden wir tatsächlich weit mehr Freizeitreiter, als Reiter, bei denen der sportliche Erfolg an erster Stelle steht. Ist es also tatsächlich der Sport, der hier den Ton angibt, oder warum sind die zahlreichen Freizeitreiter für die Zucht so „unscheinbar“ oder überhörbar?

Der Lipizzaner hat keinen Gang?

Erst kürzlich habe ich folgendes Statement in einer Diskussion auf Facebook gelesen. Ja wer gibt denn vor, was ein „Gang“ ist und was nicht? Als ich meinen Conversano Aquileja in Piber das erste Mal gesehen habe, wurde ich gleich darauf hingewiesen, dass dieses Pferd nur sehr wenig Schubkraft habe. „Ja, wunderbar“, war mein Gedanke, schließlich war ich ja gerade auf der Suche nach einem Pferd, das über mehr Tragkraft verfügte. Wenn ich die Bewegungen meines Lipizzaners mit den Bewegungen meiner Trakehnerstute vergleiche, dann lassen sich Bewertungen aus zwei verschiedenen Blickwinkeln feststellen. Nach dem Motto; Jedem das, was ihm gefällt. In meiner Brust schlagen zwei Herzen; Ich bin mit Trakehnern aufgewachsen, ihre Bewegungen, ihre Ausstrahlung – das alles fasziniert mich heute noch, da von Klein an liebgewonnen. Und ich habe auch die Entwicklung verfolgt, dass die Gänge der Pferde immer spektakulärer und eindrucksvoller wurden. Mit der Trakehner Brille könnte ich die Bewegungen meines Lipizzaners vielleicht sogar als „nicht spektakulär“ bezeichnen. Dies vielleicht auf den ersten Blick. Seine Bewegungen sind jedoch ruhig und korrekt. Braucht es immer strampelnde Vorderbeine in der Luft, um uns den Atem zu rauben? Mitnichten. Heute würde ich sagen, dass mich mein Lipizzaner in der Bewegung durch seine simple Korrektheit, durch die Einfachheit und das enorme Taktgefühl verzaubert. Es ist so einfach und ehrlich, ohne Tohuwabohu. Die Frage stellt sich also vielleicht nicht, ob diese oder jene Pferderasse „keinen Gang“ hätte, sondern aus welcher Perspektive und zu welchem Zweck heraus das jeweilige Pferd bewertet wird.

Zurück zum Ursprung

Genetische Untersuchungen bei Spanischen Pferden haben gezeigt: Da sind plötzlich auch Spuren sehr bekannter Warmblüter  Deckhengste versteckt im spanischen Blut. Ich habe auch schon gehört, dass für den Gang Traber in die Zucht mit einbezogen wurden. Wieso, frage ich mich, können wir nicht eine wunderbare Rasse mit all ihren positiven Eigenschaften so belassen, wie sie ist? Warum müssen wir überall etwas nach dem Motto „More of the same“ in Punkto Warmblut hinzufügen? Warum müssen wir uns in der Zucht ständig einem sportlichen Ideal annähern? Das gilt freilich nicht nur für das spanische Pferd, diese Frage lässt sich mittlerweile leider über sehr viele Rassen stülpen.

Zweckentfremdet

Erst vor kurzem wurde ich in einem Gespräch stutzig. Gesucht wurde nach einem Dressurpferd, gerne im iberischen Typ, aber bitte wenn möglich nicht mit diesen iberischen Gängen. Also im Grunde ein Warmblüter in spanischer Lackierung. Ich kann diese Entwicklung wirklich nicht nachvollziehen, ich finde es sehr bedauerlich, wenn Pferde „umlackiert“ werden, vielleicht eine ganze Rasse in ihrem ursprünglichen Ideal eines Tages nicht mehr existiert, nur weil eine Barockpferderasse in sportlicher Verkleidung gewünscht war.

Ich freue mich, dass sich so viele Menschen ein Pferd leisten können, ich spüre aber (auch ganz unabhängig vom Pferdesport) eine große Entwicklung in eine Richtung, die Bent Branderup in seinen Theorievorträgen ganz gut beschreibt:

Viele Reiter wissen nicht, was sie wollen, aber sie wollen es jetzt

Das oben genannte Zitat bezog sich in erster Linie nicht auf die Zucht, lässt sich aber auch hier sehr gut verwenden.

Was sind denn die Vorzüge einer bestimmten Pferderasse überhaupt? Jedes Pferd, jede Rasse hat ihre Vorzüge und Besonderheiten. Warum also einen exotischen Cocktail mischen, der eine vergleichsweise kurze Saison „in“ ist, gleichzeitig verbrauchen und vermischen wir aber die Zutaten?

Ich wünsche mir, dass sich nicht sämtliche Pferderassen dem sportlichen Ideal annähern. Ich wünsche mir, dass ursprüngliche Pferderassen erhalten bleiben. Ich wünsche mir, dass sich Reiter, die drauf und dran sind ein Pferd zu kaufen ihre eigenen Wünsche und Ziele genau analysieren und somit vielleicht sogar überrascht sind, dass ihre Wünsche und Ziele nicht deckungsgleich sind, mit der begehrten Pferderasse. Ich wünsche mir, dass sich Reiter bereits beim Pferdekauf mit der Frage beschäftigen: Was will ich?

Einige Rassen sind vielleicht auch nicht so populär und vielleicht wird es sie auch nicht mehr lange geben. Wenn mich meine Stute Pina mit ihrer Intelligenz, ihrer Feinheit und ihrem feinen Wesen beeindruckt, dann stimmt es mich traurig, denn ihre Rasse – das Przedswit ist beinahe schon in Vergessenheit geraten, ja die Rasse gehört sogar zu den „als gefährdete Rasse“ geförderten Tiere in Österreich. Ist diese Entwicklung jedoch die Zukunft für weitere Pferderassen? Ich fürchte es, wenn wir weiterhin „more of the same“ wollen und von der Zucht fordern.

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