Wenn einer eine Reise tut, dann tut er sie bekanntlich nicht alleine. Auch 2018 hatte ich für mich eine kleine “Auszeit” auf der schwedischen Insel Gotland kurz vor Weihnachten geplant. Diese Reise ist in den letzten Jahren quasi schon zur Tradition geworden.
Die Insel, die himmlische Ruhe bei meiner lieben Kollegin Hanna Engström, einmal keinen Straßenlärm, die unglaubliche Helligkeit der Sterne, die Möglichkeit sich komplett zu erden und das vergangene Jahr auszuatmen und für das neue Jahr tief Luft zu holen – das ist eine Möglichkeit, die ich nicht mehr missen möchte. Der Terminkalender war heuer sehr voll und wird es – was mich natürlich sehr freut – auch im kommenden Jahr sein. 

An dieser Stelle sei gesagt – Ich freue mich sehr über die vielen Anfragen, die mich heuer erreicht haben.
Alle Termine für 2019 sind vergeben und die letzten Lücken im Terminkalender werden gefüllt – für 2020 freue ich mich daher über eure Anfragen und Wünsche. 

Auch für meine liebe Kollegin Viktoria Portugal gab es heuer viel zu tun. Daher auch der Entschluss mich heuer auf die kleine “Auszeit” und Weiterbildung nach Gotland zu begleiten. 

Sonntag, 16. Dezember 2018, pünktlich um 09:30 bin ich am Grazer Flughafen. Der Wecker ging bereits um 4 Uhr morgens, da ich es mir nicht nehmen wollte bei meinen Pferden Pina, Tabby, Konrad und Amena noch ein letztes Mal vor der Reise nach dem Rechten zu sehen. 

Pünktlich starten wir in Graz und ich freue mich in Wien auf ein Wiedersehen mit meiner lieben Kollegin und Freundin Viktoria. Eine Stunde später sieht die Lage ganz anders aus. Kurz vor dem Abflug nehmen wir noch einen Imbiss zu uns. Wien-typisch gibt es Würstel – also Frankfurter. Logisch, dass ich da an meine Anreise von 2017 nach Gotland denken muss. Damals wartete ich in meinem Flieger stundenlang auf eine Starterlaubnis in Frankfurt. Ich kam damals zu spät in Stockholm an, verpasste meinen Flieger nach Visby – und – hatte natürlich schlechte Laune. 

Als wir nun am Flughafen in Wien erfahren, dass unsere Maschine nicht starten kann, da sie einfach nicht da ist – der Flieger hängt nämlich in Frankfurt fest, ahnen wir Übles. Macht ja nichts, denkt man sich bei der Airline und bucht uns einfach nach Frankfurt um. Wir erinnern uns – Frankfurter – Erfahrungen mit Frankfurt – ach ist doch alles Wurst.
Wir schieben sämtliche Bedenken beiseite und besteigen also den Flug nach Frankfurt. Zwei Plätze gehen sich in der vollen Maschine noch aus. Als wir noch scherzend und lachend einsteigen, ziehen wir die Aufmerksamkeit der Flugbegleiter auf uns. Wir schildern unseren Plan – anstelle der gebuchten Wien-Stockholm Direktverbindung lassen wir uns auf das vorgeschlagene Abenteuer: Wien- Frankfurt-Stockholm ein. Die Flugbegleiter sind da weniger optimistisch, was unseren Weiterflug nach Stockholm anbelangt. Und sie sollten Recht behalten.

Delay – das Unwort des Jahres 2018

In Frankfurt landen wir natürlich verspätet. Da dort bereits Chaos herrscht, hebt das Flugzeug in Wien mit mehr als einer Stunde Verspätung ab. Als wir in Frankfurt landen ist der Flieger nach Stockholm zwar NOCH da, aber das Gate schon geschlossen. Dafür gibt es bereits eine lange Schlange am Lufthansa Infopoint. Die gute Laune ist noch nicht verflogen. Wir heitern uns mit Musik in der Warteschlange auf, versuchen sogar einen “Last Christmas” Flashmob zu starten. Mit mässigem Erfolg – eine Dame vor uns ist die einzige, die sich selbst gerade noch unter Kontrolle hat und daher nicht mit uns und einem sympathischen Pärchen, das ebenso ein paar Umleitungsflüge hinter sich hat zur Christmas Hymne anstimmt. 

Nach mehr als zwei Stunden Warteschlange sind wir euphorisch dran. 

Folgende Optionen werden uns vorgeschlagen: Entweder zurück nach Wien oder eine Nacht in Frankfurt im Hotel (das wie sich später herausstellt eine halbstündige Busfahrt entfernt vom Flughafen liegt). Wir entscheiden uns für Bus und Hotel. Allerdings hat man dort bereits keine Übernachtungspakete mehr vorrätig. Wir sind nun bereits lange unterwegs, neben einer erfrischenden Dusche wäre erfrischende Kleidung auch ganz nett – wird aber restlos überbewertet. 

Abendessen, Frühstück, Busfahrt, zwei Stunden Sicherheitskontrolle später sitzen wir sämtliche Duty Free Parfumproben später endlich im Flieger auf dem Weg nach Stockholm. Noch immer guter Dinger kommen wir dort an mit dem Hinweis, unser Gepäck doch bitte am Förderband abzuholen. Täten wir ja gerne. Aber es ist nicht da. Also gleich mal zur Info der SAS Fluggesellschaft. Dort erklärt man uns, mit viel Glück wäre das Gepäck bereits durchgecheckt. 

Wir also weiter nach einem Spießrutenlauf zum Gate, wo es noch lustiger wird. Der letzte Flug nach Visby hat – Überraschung – Delay. Na gut, so eine längere Wartezeit soll nicht ungenutzt bleiben, also machen sich Inspektor Eichinger und Portugal mal auf die Suche nach dem Gepäck. In Stockholm ist es nicht. In Frankfurt ist man sich nicht sicher, ob das Gepäck überhaupt jemals dort angekommen ist. Die am Telefon freundlichen Lufthansa Mitarbeiter teilen uns mit, dass das Gepäck möglicherweise überhaupt erst Freitag in Visby eintrifft.

Gut, dann können wir gemeinsam nach Hause reisen – unser Gepäck und wir – falls wir es überhaupt je nach Visby schaffen. Man schlägt uns die Option zur Heimreise vor. Mittlerweile etwas zermürbt von fast 36 Stunden unterwegs – oder eher zäh unterwegs in sämtlichen Warteschlangen und unsicher, ob wir es überhaupt Weihnachten rechtzeitig zurück schaffen – schließlich liegt immer wieder mal auf den Flughäfen Schnee. Völlig überraschend. Im Winter. Nun ja, spätestens jetzt mutmaßen wir, wie der Song “All I want for Christmas is you” entstanden ist. Sicherlich auf einer misslungenen Reise. 

Bitte warten – hold the line…..

Wir telefonieren also mehrfach mit den Hotlines von AUA und Lufthansa. Dort fühlt sich plötzlich niemand mehr zuständig. Bei der AUA sind wir eine Angelegenheit der Lufthansa, schließlich hat die uns ja in Frankfurt stranden lassen. Für die Lufthansa sind wir ein AUA Fall, schließlich haben wir ja dort gebucht. Jeder rät uns mit den Vorgesetzten zu sprechen – mit mäßigem Erfolg. Inzwischen erfahren wir zumindest wo unser Gepäck ist. In Visby. Die Österreicher unter uns verstehen nun den Schmäh: Bist du ein Koffer kommst du ans Ziel. Wir verpassen unseres jedenfalls um Haaresbreite. Durch Empfehlung der Lufthansa haben wir unseren ohnehin mit Delay behafteten Flug nach Visby gecancelt – schließlich könne man uns nur umbuchen, wenn wir den letzten Flug stornieren. Da sitzen wir nun also in Stockholm, ohne Weiterflug, ohne Möglichkeit nach Hause zu kommen. Es sei denn wir spendieren uns mal ein One Way Ticket zum Spottpreis von über 500 Euro. 

Spendiert hat uns letztlich die SAS eine Nacht – im Hotel. Diesmal ohne Bus, dafür aber mit Zahnbürste (Halleluja) und wir bekommen wieder einen Flug nach Visby. Den aber eben erst am nächsten Tag, da die letzte Maschine für Montag leider in Streik getreten ist. 

Wir überlegen auch schon einen Sitzstreik am Flughafen. Dienstag Morgen geschieht jedenfalls das Unglaubliche. In Stockholm kommt man mit den völlig überraschenden Witterungsbedingungen zurecht. Eine Formation an Schneepflügen räumt das Rollfeld und wir können endlich nach fast schon drei Tagen Reise den Flug nach Visby antreten. 

Warum erzähle ich diese Geschichte und was hat es mit Pferden zu tun? 

Mit Pferden läuft auch nicht immer alles nach Plan. Manchmal haben wir quasi schon Wochen oder Tage im Voraus „gebucht“ – pardon geplant, was wir gerne mit unseren Pferden unternehmen möchten. Wir sind als Ausbilder unserer Pferde gefragt zu sehen, zu koordinieren, zu überlegen, welche Ausbildungsschritte nach und nach am Stundenplan stehen. Sehr oft läuft alles am Schnürchen, aber manchmal gibt es eben auch bei unseren Pferden einen Delay. 

Sein oder nicht sein – Akzeptieren oder nicht Akzeptieren das ist hier die Frage. Vor einem Jahr konnte ich meine Verspätung aus Frankfurt nur sehr schlecht akzeptieren. Im heurigen Jahr war ich wirklich gelassen. Woran das liegt? 

Am Meditieren, das ich leider nicht so oft wie ich es mir vornehme schaffe? Am wunderbaren Geschenk meines Partners, letztes Jahr zu Weihnachten – ein Buch über die Weisheit der Stoiker für den täglichen Gebrauch? Oder durch meine Lehrmeister – meine Pferde, die mir seit Jahren eben genaues Feedback darüber geben, was möglich ist und was eben nicht. Was dran ist am Stundenplan und was eben nicht. 

Gewisse Dinge kann man nicht ändern. Gewisse Dinge lassen sich Jetzt und Hier einfach nicht verkrampft feststellen. Natürlich wären wir lieber direkt am Sonntag wie geplant bei Hanna angekommen. Natürlich hätten wir einige Schritte auf unserer Reise nach Gotland lieber nicht eingeschlagen. Aber letztlich waren wir trotz einiger Umwege und Hindernisse da. Und ebenso geht es uns mit unseren Pferden. Irgendwann sind wir dann da – oder anders gesagt:  Ein Leben reicht nicht aus, um Reiten zu lernen. Eine Feststellung, die uns auch wieder in Gotland bewusst wurde. Es gibt immer ein neues Detail zu entdecken. Wenn etwas nicht klappt, dann können wir bei unserm Pferd keine Serviceline anrufen. Wir können für unsere reiterlichen Fehler nur uns selbst verantwortlich machen. Wenn wir uns auf dieses Abenteuer einlassen, dann werden wir einige Verzögerungen, Verspätungen und Ausfälle zu beklagen haben bzw. in Kauf nehmen müssen. Aber gerade daraus werden wir doch schlau. 

Im Übrigen: Was sind schon 48 Stunden Reisezeit, gegen eine unendlich lange Reise auf dem Weg zur Reitkunst.

Ich habe gelernt in der Winterzeit den Frankfurter Flughafen zu meiden. Sollte ich jemals wieder im Dezember dort stranden – dann habe ich aus der Vergangenheit nichts gelernt. 😉 

Bleiben wir Stoisch, dann reiten wir Einfach 😉 

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