„Der Geregelte Takt ist nebst der Zwanglosigkeit die Grundlage von Gleichgewicht und Haltung und steht als solcher am Anfang jeder Ausbildung“. (Waldemar Seunig)
„Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ – das sagte Gustav Steinbrecht und mahnte sogleich ein: Ich meine nicht das Schnelle.
Die bekannte Skala der Ausbildung stellt Tempo und Takt gerne an den Beginn der Ausbildung. Das Fundament oder die Basisschule des jungen Pferdes wird in der Akademischen Reitkunst definiert durch: Balance, Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Tempo, Takt und Schwung. Keines dieser Elemente kann für sich alleine betrachtet werden. So steht Balance nicht nur für physische Balance, sondern auch psychische. Ohne Balance keine Losgelassenheit, ohne Losgelassenheit wiederum keine Durchlässigkeit und so weiter…

Was ist aber nun Takt?

Takt hilft uns, mehrere Komponenten in der Reitkunst zu definieren. Zum einen steht Takt in enger Beziehung mit dem Tempo. Tempo wird als Maß für die Geschwindigkeit definiert.
Waldemar Seuning nennt hier in seinem Buch „Von der Koppel zur Kapriole“ ein schönes Beispiel, um auch den Unterschied zwischen Tempo und Takt herauszukitzeln:
Zwei Pferde galoppieren nebeneinander eine bestimmte Strecke in der gleichen Zeit. Beide legen die Strecke mit derselben Geschwindigkeit zurück. Der Zuschauer kann somit ein gleichmässiges Tempo beider Pferde beobachten. Wenn wir uns aber auf die Sprünge der beiden Pferde konzentrieren, zählen wir beim einen Pferd in der festgelegten Strecke 500 Sprünge, beim zweiten Pferd zählen wir 400 Sprünge. Beide Pferde legen ein gleichmässiges Tempo zurück, aber unterscheiden sich jedoch im Takt.

Wozu braucht man Takt?

Zum einen hilft uns der Takt die entsprechende Gangart zu bezeichnen. In den Grundgangarten zählen wir im Schritt einen klaren Viertakt, einen Zweitakt im Trab und einen Dreiertakt im Galopp. In den geschulten Gangarten kann sich der Takt aber auch ändern – so wird mit steigender Versammlung der Schulschritt auch schon mal zu einem Zweitakt. Auf einem Foto scheint das Pferd in der Piaffe, bewegt sich aber tatsächlich mit dem Schwung des Schrittes in einem Zweitakt vorwärts.
Der Takt ist der Gradmesser der Gleichmässigkeit und Reinheit der Gangart. Hier kann der Reiter die Qualität des Bewegungsrhythmus überprüfen. Wenn das Gleichmaß der Bewegung verloren geht, verliert das Pferd seinen korrekten und sauberen Takt.  Ein sauberer Takt gibt hier beispielsweise auch Aufschluss über die Qualität des Rückenschwungs. Eine zu feste Hand kann schon mal den Rückenschwung des Pferdes blockieren und somit die Wirbelsäule in ihrer dreidimensionalen Schwingung beeinträchtigen. Der Reiter bringt sein Pferd somit aus der Balance, darunter leiden auch Losgelassenheit,  Durchlässigkeit, Schwung usw. Wieder schließt sich der Kreis und macht deutlich, dass die einzelnen Meilensteine der Ausbildung immer ineinander greifen und sich gegenseitig beeinflussen.
Ein unsauberer Takt ganz ohne Reiter ist auch ein Warnzeichen. Lahmheiten kann man somit nicht nur sehen, sondern auch hören.
„Der Takt kann zu langsam sein, wenn sich die Tritte zwar in gleichmässigen, aber zu lange dauernden Abständen folgen. Der Takt kann zu eilig sein, wenn die gleichmässigen Abstände der Tritte zu rasch aufeinander folgen.“ (Waldemar Sehnig) .
Am Tempo kann man mit einem Pferd arbeiten das gehorsam ist und mitmacht, durchlässig und losgelassen ist. Sie können es mal zu Vorwärts-abwärts formen, wobei das Pferd sich dehnt und die Schritte verlängert, oder Sie können das Pferd aufwärts formen, wobei es sich zusammen stellt und die Schritte verkürzt und zur Versammlung. Jedes Pferd hat hier andere Fähigkeiten. Das eine kann leichter verstärken, das andere leichter versammeln. Genau in diesem Grenzbereich liegt das Gleichgewicht des einzelnen Pferdes, weswegen auch das Grundtempo bei jedem Pferd individuell geritten werden sollte. Dieses Grundtempo wird sich im Lauf der Ausbildung verändern.

Und das Tempo?

Ist das Pferd durchlässig und losgelassen kann am Tempo gearbeitet werden. Der Reiter kann sein Pferd vorwärts-abwärts formen und dabei die Tritte verlängern, das Pferd kann aber auch zu mehr Versammlung aufgefordert werden, wobei der Takt hier gesteigert wird. Das Pferd fußt mit zunehmender Versammlung schneller ab, ist aber nicht schneller unterwegs. So bleibt in der Stützbeinphase das diagonale Beinpaar nicht so lange am Boden und fußt rascher wieder ab.
Wie heißt es immer so schön: Es gibt nur ein Pferd, das sich wie das Pferd aus dem Lehrbuch verhält – und das steht im Lehrbuch drin. Demnach gibt es auch kein einheitliches Tempo, das für alle Pferde empfohlen werden kann. Das jeweilige Grundtempo muss für jedes Pferd individuell geritten werden.
„Um ein gleichmässiges Tempo zu erzielen, ist es ebenfalls notwendig individuell vorzugehen. Grundsatz aber muss unbedingt das Vorwärtsreiten sein, das aber nicht mit schnell verwechselt werden darf. Vorwärts heißt nicht, mit raschen und ungeregelten Tritten davon zu eilen, sondern in ruhigem und gleichmäßigem Tempo Raumgewinn zu erzielen. Es wird daher notwendig sein, phlegmatische und zur Trägheit neigende Pferde immer wieder zu ermahnen, um den Drang nach vorwärts zu wecken. Vorher ist es aber erforderlich genau festzustellen, ob es sich bei den betreffenden Pferden tatsächlich um Trägheit, oder um Schwäche handelt. Pferde mit eiligen Tritten sollen durch Beruhigen unterstützt werden das Gleichgewicht zu finden und erst dann können durch vortreibende Hilfen auch wieder allmählich raumgreifende Bewegungen erzielt werden. (Alois Podhajsky).
Als kleine Faustregel gilt: Verstärkungen sollten wir also in einem niedrigeren Takt reiten, um das Pferd in der Bewegung nicht zum Eilen zu verleiten. In der Versammlung kann der Takt erhöht werden, um ein Absterben des Motors zu verhindern.
„Achten Sie stets sorgfältig auf einen sauberen Takt in allen Gangarten, wenn sie ihr Pferd gesund erhalten möchten“. (Bent Branderup)

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