Die Sommerakademie 2018 hatte es wieder in sich. Aus zahlreichen Ländern Europas kamen Mitglieder nach Dänemark um gemeinsam am Brainpool zu arbeiten, sich auszutauschen, spannenden Vorträgen zu lauschen und vor allem: Eine gute Zeit miteinander zu haben! 

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt”. Friedrich Schillers Gedanken zur „ästhetischen Erziehung des Menschen”

Drei Workshops – ein Gedanke

Maja Caspersen, Janna Behrens und ich hatten bereits im Vorfeld zur Sommerakademie geplant einen „beweglichen“ Workshop in das Programm zu integrieren. 

Maja arbeitete mit Achtsamkeit, wobei sie kleine Bewegungen ins Bewusstsein rückte, Janna forderte die Teilnehmer zum Kizomba Tanzen auf. 

Maja und Janna haben ein besonderes Programm ausgearbeitet – ich bin dankbar Teil dieser Gruppe zu sein.

Ich lud meine Teilnehmer zum Schauspielen ein. 

Wie kann Schauspiel uns Reitern helfen? Nun da gibt es eine ganze Menge. Als ich die Filmschule Wien besuchte, war ich wirklich zuerst sprachlos. Wer glaubt, zu Beginn einer Schauspielausbildung werden Texte gebüffelt – der irrt. Schauspiel zu lernen bedeutet Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper zu entwickeln, Kreativität zu wecken, Bewegung zu spüren, Ausdruck zu schärfen. 

Wie oft hören wir als Reiter, dass wir für Pferde wie Raubtiere wirken. Aber wann sind wir denn Raubtiere, wenn wir in unserem Alltag ein versteinertes „Gut“ auf die Frage, wie es uns geht erwidern. Bloss keine Emotion im alltäglichen Business zulassen. Bloss nicht zeigen, wie es wirklich in uns aussieht. Unsere Pferde entlarven uns natürlich sofort, denn sie können Körper lesen. Durch unseren „verhinderten“ Ausdruck können wir ihnen aber auch oft nicht genau das sagen, was wir sagen möchten. 

Ich möchte euch nun drei Übungen vorstellen, die ich auch im Rahmen der Sommerakademie präsentiert habe. 

Spiegeln von Energie

Bei dieser Übung stellt man sich gegenüber voneinander auf – das heißt also, man braucht dafür unbedingt einen Partner. Die Handflächen werden nun exakt gespiegelt – ohne sich selbst an den Handflächen zu berühren. Jede Bewegung kann gespiegelt werden, die Hand kann sich langsam heben oder senken, oder einen Kreis beschreiben. Wichtig ist, den Augenkontakt zu Beginn nicht zu verlieren und sich gänzlich auf die Energie zwischen den Partnern zu verlassen. Wem dies schon gut gelingt, kann die Augen schließen. Oft ist man sehr überrascht, dass dieses Folgen und Spiegeln von Bewegung auch mit geschlossenen Augen (nach ein wenig Übung) sehr gut funktioniert. 

Was wir bei dieser Übung lernen? 

  • Energie spüren
    • Wer führt? Oft ist man selbst sehr überrascht, dass die Bewegung ohne sich abzusprechen eingeleitet wurde. Wer hat die Führung übernommen, wer ließ sich führen? Oder gab es in der Führungsrolle viel Abwechslung? 
    • Gelingt das Spiegeln auch noch ohne sich anzusehen? Dies ist ja gerade bei der Arbeit mit den Pferden ein großes Thema, da wir sehr intensiv auf unser Pferd schauen, Pferde jedoch mit unserem „Anstarren“ relativ wenig anfangen können. 

Bewegungsraten

So funktioniert`s: Für dieses Spiel brauchen wir mindestens zwei bis vier Teilnehmer. 

Ein oder mehrere Teilnehmer (je nach Gruppengröße) müssen den Raum verlassen. Auf der Sommerakademie haben wir uns dafür entschieden, dass diese kleine Gruppe der größeren Gruppe ein Element aus dem Groundwork Test zeigen muss. In unserem Fall waren vier Personen aus dem Raum gegangen, sie konnten sich überlegen, ob sie Pferd und Mensch darstellen wollten, oder nur als Mensch/ oder nur als Pferd einen Bewegungsablauf zeigen wollten. Der Rest der Gruppe entscheidet sich bereits vorab welche Bewegung er sehen möchte. In unserem Fall war es ein Schulhalt. Je eher die Darsteller dieser Bewegung näher kamen, sie also richtig erraten hatten, umso deutlicher wurden sie positiv bestärkt. 

Was wir bei dieser Übung lernen? 

  • Schult das Teamwork
  • Schult unsere Kreativität
  • Zeigt uns wie sich positives Verstärken anfühlt – einerseits für die Darsteller – denn es kann sehr frustrierend sein kein Feedback zu bekommen, andererseits für die große Gruppe, das Publikum, das Feedback gibt. 

Die Brücke

Dieses Spiel klappt auch nur zu Zweit. Wir stellen uns mit etwas Distanz (2 bis 3 Meter) gegenüber auf. Zwischen uns stellen wir uns eine sehr schmale Brücke vor. Jeder muss die Brücke aus einem sehr dringenden Grund passieren. Nur einer von beiden kann die Brücke passieren – soll heißen: Einer kann vorwärts, der andere MUSS rückwärts. Diese Übung soll uns helfen eine Intention zu behalten. Das Gegenüber darf nicht mit den Händen berührt werden, auch Tritte sind verboten. Ausdruck, Körpereinsatz, Stimme – all das ist erlaubt. 

Bei dieser Übung ist es sehr spannend herauszufinden, wie es sich anfühlt, wenn man sich sehr nahe kommt. Verliert man dann sein eigenes Ziel aus den Augen? Wie fühlt sich diese körperliche Nähe als Druck auch an? Lassen wir uns verunsichern? Es geht bei dem Spiel weniger um Dominanz, als um das Erhalten einer bestimmten Intention. 

Sich nicht auf den Blaubeeren ausruhen…

ja manchmal kann die Sommerakademie schon im internationalen Sprachgefecht neue Worthülsen und Sprichwörter fördern ;-). Gemeint sind natürlich die berühmten Lorbeeren – aber bei über 30 Grad waren wir trotzdem fleissig und haben uns wahrlich nicht ausgeruht. 

Bent Branderup und Kathrin Branderup-Tannous zeigten die Arbeit mit ihren Pferden und wie immer gab es Inspiration, Momente, in denen man sich selbst erkennt, Momente wo man entdeckt – egal ob in Dänemark, Schweden, Norwegen oder Österreich – überall gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Mitgliedern, eine ähnliche Entwicklung, ähnliche Gedanken. Besonders spannend waren Kathrins Erzählungen bezüglich Anspannung und „Schreckmomenten“: Wer kennt das nicht? Das Pferd hat eine besondere „Schreckecke“ in der es immer wieder zusammen zuckt. Kathrin hatte ihre Pferde mit einem Pulsmesser ausgestattet, um auch der emotionalen Anspannung auf die Schliche zu kommen. Ihr Fazit: Wir haben es wie immer in der Hand, wir müssen kreativ sein, wenn wir mit der Anspannung unserer Pferde zurecht kommen und den Pferden mehr Entspannung bieten wollen. 

Donnerstag Nachmittag stand dann noch eine Präsentation von Stine Larsen am Programm. Stine hat die Obduktion einer Pferdevorhand für uns dokumentiert und uns auf eine biomechanische Reise entführt. Besonders spannend ist natürlich auch hier der Austausch, schließlich sitzen ja viele Ostheopathen, Physiotherapeuten oder auch Tierärzte im Publikum, deren Ergänzungen ebenso spannend wie „nachhaltig“ bis in die frühen Abendstunden zum Barbecue reichten. Beim Barbecue wurde Christofer Dahlgren wie immer zum Chorleiter, der die gesamte Ritterschaft dirigierte. Traditionell erheben wir dann das Glas und singen eine schwedische Ode an das Pferd. Den Text können wir übrigens trotz jahrelanger Übung immer noch nicht wirklich gut. Bis in die späten Abendstunden wurde dann diskutiert, geplaudert, gelacht und um das (aus Gründen der extremen Hitze und Trockenheit) nicht vorhandene Lagerfeuer getanzt. 

Freitag wurde es extrem. Der Brainpool hätte ob des hitzigen dänischen Sommers tatsächlich eher einen Pool, als eine heiße Halle gebraucht. Am Vormittag wurden sehr spannende Beispiele aus der Praxis präsentiert. Zwei Quarter Horses wurden live, wie auch per Film präsentiert. Es war schön zu sehen, wie die Arbeit die Vorhandlastigkeit der Pferde, deren Rückenschwung und Lastaufnahme in der Hinterhand verbessern konnte. 

Kathrin Branderup-Tannous und Lucie Klaasen vertieften in ihren Vorträgen das Thema „Vorhand“. Einerseits ging es um korrekte Schwungübertragung, um die Elemente der Akademischen Reitkunst (Balance, Schwung, Tempo, Takt, Losgelassenheit und Durchlässigkeit sowie Versammlung) um das korrekte Anheben des Brustkorbes. Lucie sprach über ihre Erfahrungen mit der Masterson Methode und demonstrierte ein paar Handgriffe am Pferd. 

Besonders stolz war ich natürlich am Samstag, da ich heuer zwei meiner Schüler nach Dänemark mitgebracht hatte. Sonja Grätz und Viktoria Portugal wurden als Wappenträger in die Ritterschaft der Akademischen Reitkunst aufgenommen.

Vielen Dank an CÉLINE RIECK PHOTOGRAPHY – DEDICATED TO HORSES, die uns fotografisch auf der Sommerakademie begleitet hat! (Titelbild, Foto 3 und 5) Foto 1, 2, und und 4: Anna Eichinger und Viktoria Portugal

Es ist immer sehr schön, alte und neue Freunde in Dänemark auf der Sommerakademie zu treffen. Und wie immer kam mit einigen von ihnen der Austausch leider viel zu kurz – umso größer ist d ie Vorfreude auf Dänemark 2019 🙂 

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