Über 60 Pferde befinden sich in der Obhut des Aktiven Tierschutz Steiermark. Neben älteren Pferden, die dort ihren wohlverdienten Ruhestand genießen dürfen, finden allerdings auch immer wieder Pferde durch finanzielle Probleme, veränderte Lebenssituationen der Vorbesitzer oder andere Umstände den Weg zum Aktiven Tierschutz Steiermark.

Pferde, die es eigentlich verdient haben, noch Vieles in ihrem Leben zu entdecken, Spaß zu haben und schöne, spannende Ausritte zu genießen, anstatt zwischen den anderen Senioren dahinzudümpeln und sich zu langweilen!

 

„Kea“ ist also seit 23. November auf dem Sonnenhof zu Hause und besucht hier die Schule bei Julia Kiegerl und mir.

Bislang haben wir uns viel mit der Basis am Boden beschäftigt. Kea macht mir und Julia Kiegerl die Arbeit ungemein einfach. Sie ist immer lieb und motiviert, lernt super schnell und freut sich sehr über Lob.

Sich über Lob tatsächlich freuen zu können – das ist für viele Pferde auch keine einfache Sache. Zu hoch sind die Erwartungen der Menschen, zu viele Forderungen, zu unklar formuliert, zu wenig Lob generell.

Kea zeigt sich uns gegenüber allerdings sehr aufgeschlossen.

Wie schon gesagt kam sie über das Projekt LebensPferd zu uns:

Projekt LebensPferd – was ist das?

Der Aktive Tierschutz Steiermark – Tierschutzhaus Arche Noah hat dieses Projekt im heurigen Jahr ins Leben gerufen. Dass Katzen oder Hunde über den Tierschutz vermittelt werden ist bekannt. Beim Projekt Lebenspferd geht es nun um etwas größere Vierbeiner, die sich freuen, Zeit gemeinsam mit „ihrem“ Menschen schön zu verbringen. 

Viele Pferde landen aus den unterschiedlichsten Gründen beim Aktiven Tierschutz. Jedes Pferd hat seine Geschichte – und natürlich wird jedes Pferd ordentlich versorgt. Aber Pferde brauchen nicht nur ordnungsgemäße Obsorge – sie freuen sich über die Zeit, die sie mit Menschen verbringen können, sie möchten gerne eine Aufgabe.
Hier denke ich gerne an die Erfahrung mit meiner Stute Barilla zurück:

2006 wurde meiner Stute Barilla vom Tierarzt möglichst viel Bewegung auf der Weide bzw. Koppel „verschrieben“, dazu kam natürlich eine längere Reitpause.

Das war lange bevor wir die Akademische Reitkunst für uns entdeckten. Ich besuchte Barilla natürlich regelmässig, aber ich hatte zunehmend den Eindruck, dass sie unter Langeweile und Eintönigkeit litt. Und das, obwohl wir mit der Reiterei nicht auf einen grünen Zweig gekommen waren.

Den Pferden aus dem Projekt LebensPferd geht es vielleicht ähnlich. Auch sie freuen sich über Ansprache und Kommunikation.

Das Projekt LebensPferd bringt also zuerst einmal Trainer und Pferde zusammen.
Das erste Pferd, das durch dieses Projekt ein neues Heim gefunden hat, war die Fuchsstute „Wakanda“ – ihre Geschichte kann man hier nachlesen. Nachdem Kea den Sonnenhof kennen gelernt hat, geht es nun an die Arbeit. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit „beschnuppern“ wir uns. Kea geht brav mit auf die Koppel oder in die Halle. Am ersten Tag war sie ein wenig nervös in der neuen Umgebung.  Nach zwei Tagen weiß Kea aber schon über alle Abläufe im Stall Bescheid. Wir lassen sie langsam ankommen, erkunden alle Ecken und Winkel des Sonnenhof.

Kea lässt sich überall anfassen, putzen und auch der Wasserschlauch ist für sie nicht bedrohlich. Obwohl wir uns noch nicht kennen zeigt sie sofort ihr offenes Wesen. Sie ist allen Menschen gegenüber äußerst höflich.

Kea lernt dann wenige Tages später die Basis der Bodenarbeit kennen. Dazu gehört gemeinsames Angehen und Halten, das Beibehalten einer parallelen Führposition, die Entwicklung einer bestimmten „Synchronität“. Haben wir dieses Ziel einmal erreicht, geht es weiter mit der Gymnastik. Aktuell lernt Kea die sekundären Hilfen kennen, das heißt, den inneren und den äußeren Schenkel, den inneren und äußeren Zügel. Diese Hilfen bringen Julia und ich der gelehrigen Stute in der Bodenarbeit bei. Das heißt wir bewegen uns rückwärts vor dem Pferd her, die Gerte wird wie ein verlängerter Arm zeigend benutzt. Bei dieser Arbeit zeigt sie sich super gelehrig und konzentriert, vor der Gerte fürchtet sie sich nicht. Nach wenigen Tagen versteht Kea schon viele Grundbegriffe der Akademischen Bodenarbeit. Mit ihrer charmanten Art und ihrer Intelligenz hat sie uns natürlich sofort für sich gewonnen.

Wir werden weiterhin für euch Keas Ausbildung und ihre Entwicklung dokumentieren. Es wäre wunderbar, wenn Kea im Anschluss an ihre Ausbildung auf diesem Weg einen Menschen findet, der gemeinsam mit ihr Freude an Bewegung, Spaziergängen und gemeinsamen Lernen hat. Kea lernt gerne, also hätte sie – so denken wir – auch gerne jemand an ihrer Seite, der Spaß daran hat, ein Puzzle zur Reitkunst zusammen zu setzen! Ich freue mich sehr, dass wir Kea auf dem Weg zu „ihrem Menschen“ unterstützen dürfen!

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