Zum zweiten Mal ging „Pfernetzt“ in Fulda über die Bühne. Austausch, Vernetzung und Wiedersehensfreude – eine Rückschau. 

Das Programm

Eine geballte Ladung Wissen und Austausch erwartete auch heuer die Pfernetzt Besucher an der „Fohlenweide“ in Fulda. Ich habe mich sehr auf diese tolle Location gefreut, aber natürlich war auch die Wiedersehensfreude groß. 

Organisiert wurde der Event auch heuer von einer Reihe engagierter Damen. Da ist Petra von der Pferdeflüsterei, Tanja von Tash Horse Experience, Christina von Herzenspferd oder Miri von Mein Faible – alles tolle Frauen mit tollen Projekten. 

Los ging es gleich mal mit einem Aufwärmtraining für Reiter. Das Team von „Functional Training für Reiter“ sorgte dafür, dass Po und Oberschenkelmuskel schon mal kräftig arbeiten mussten. Ausruhen auf dem Allerwertesten? Nein danke, und ich denke dem Gros der Zuschauer ging es wie mir: Ich war heilfroh über die Bewegungsmöglichkeit. 

Beweglich ging es weiter mit Anke Recktenwald. Anke führte in ihrem Vortrag ins Centered Riding ein und gab uns viele spannende Bilder mit. Ich habe meine eigenen Bilder und Gedanken hier sehr oft wieder gefunden und das zeigt auch einmal mehr: Alle Bilder führen nach Rom – oder – zwei Reiter ein Gedanke. Mit viel Humor führte Anke auch praktisch durch den inneren Bildergarten – schließlich denkt der Körper auch mit. 

In vielen praktischen Übungen suchten wir nach unserem Schwerpunkt im Stand. Anke betonte, die stützende Funktion der Knochen um mehr Bewegungsspielraum für Muskeln übrig zu haben. Viele Klassische Anweisungen führen ja zu einer festgehaltenen Position auf dem Pferd. Wir sollen still halten, dabei wäre es oft besser Bewegung zuzulassen – hierbei helfen Bilder, die Bewegung nicht verhindern. 

Gemeinsam forschten wir nach verschiedenen Bewegungsqualitäten. Schon mal als Kind „Pferd“ gespielt? Wie imitieren Kinder den Galopp und wie Erwachsene? 

Aber das waren natürlich nich die einzigen Bilder, die uns Anke zum Ausprobieren präsentierte. Die Pinocchio Nase machte Wendungen einfacher, Marionetten Pferde an den Knien gaben uns eine Vorstellung von sanfter Führung und die Schlüsselbeine zum Lächeln zu bringen – das sorgte auch für ein Lächeln im Gesicht. Bilder, die man verinnerlicht, wirken laut Anke immer optimierend auf den Bewegungsablauf. Mit jeder Wiederholung werden die Bewegungen besser durchdacht. Und ganz wichtig: Nicht immer nur das visualisieren, was man nicht will, sondern unbedingt das visualisieren, was man will! 

Mehr über Ankes Arbeit gibt es unter folgendem Link

Nach der Mittagspause gab es meinen Vortrag bzw. meine Übungseinheit über Schauspielkunst und Reiten. 

Schauspiel für Reiter

Schauspiel lässt uns tatsächlich zu besseren Reitern werden – kurz gesagt – von unserem Pferd wünschen wir uns Balance, Losgelassenheit und Durchlässigkeit. Ich habe fünf Übungen mitgebracht, die uns fürs Reiten helfen sollen besser in unsere Mitte zu finden. 

Einerseits wollen wir einem stressigen Alltag entkommen, wenn wir Zeit mit Pferden verbringen – andererseits lässt sich dieser Alltag ja auch nicht so einfach ausschalten. 

Ein Raumlauf, also das bewusste Aufnehmen des Raums, der anderen Menschen, der Luft, der eigenen Bewegung und Atmung kommen wir an. Ein paar spontane Bewegungsübungen lockern den eigenen Körper und sorgen eben – für Durchlässigkeit. Losgelassenheit kommt durch das Lachen dazu – ein Faktor der für unseren Weg als Ausbilder unserer Pferde unerlässlich ist. 

Wie ist es, wenn man nur wenig Feedback von seinem Reiter bekommt? Kann unser Pferd tatsächlich auch immer verstehen, was wir von ihm wollen? Auch diese Übung sorgte sicherlich für einige AHA-Erlebnisse. 

Innerhalb einer Stunde ein paar Schauspielübungen zu präsentieren – das ist vor allem für die Teilnehmer, die sich nicht kennen eine große Herausforderung. Die schwierigste Übung war hier sicherlich „Die Brücke“ – eine Übung, die unsere Standhaftigkeit testet und unser Durchsetzungsvermögen. Eine Komponente die für viele Reiterinnen besonders unangenehm ist – schließlich geht es ja darum, Zeit schön zu verbringen – man muss sich ja im Alltag ohnehin genug durchsetzen. Schauspielübungen erlauben uns aber in eine andere Rolle zu schlüpfen. Wir müssen nicht wir selbst sein – und wir können mit unserem Körper Gefühle und Einstellungen ausprobieren, die wir uns sonst eher weniger „umhängen“ würden. 

Und für die Praxis ebenso bewährt – manchmal muss man dem Pferd Mut zusprechen, obwohl es selbst am Mut mangelt. Auch hier lässt sich die Schauspielerei für die Reiterei gerne hilfreich kombinieren. 

Zeitgleich gab es Vorträge über die Trageerschöpfung von Karin Kattwinkel und über TTouches für Pferdeseele und Pferdekörper von Anke Recktenwald. Leider habe ich diese beiden Vorträge verpasst – beide hätte ich sehr gerne gesehen. 

Am Nachmittag habe ich mich bereits sehr auf ein Wiedersehen mit Ruth und Yvonne Katzenberger gefreut. Die zwei dynamischen Schwestern aus Bayern stellten ihr Konzept der Pferde-Ergotherapie „Pfergo“ vor.  Dieses Konzept beschäftigt sich mit den Basis-Sinnen – das heißt es spricht das taktive und vestibuläre System sowie die Propriozeption an. 

Pfergo

„Gibt es Probelme in der Wahrnehmungsverarbeitung, können sich gewisse Fähigkeiten des Pferdes, wie etwa Balance, Koordination und Durchlässigkeit nicht im notwendigen Ausmaß entwickeln“. 

Pfergo

Ein Pferdeergotherapeut erkennt, wenn Wahrnehmungsverarbeitung nicht adääquat funktioniert und fördert Pferde ganz entsprechend ihrer Sinne durch gezielte Übungen. 

Mit viel Humor und praktischen Beispielen erklärten Ruth und Yvonne die einzelnen Sinne: 

So ist das taktile System zuständig für die Wahrnehmung in der Oberflächensensiblität das umfasst die gesamte Hautoberfläche. Für die Körperwahrnehmung insgesamt eine wichtige Sache und spürbar für uns Reiter, wenn Pferde vielleicht Probleme  beim An- und Ausziehen von Decken haben oder bei der Anwendung von Fellsprays mit Abwehr reagieren. 

Das propriozeptive System ist quasi die Message Control der einzelnen Glieder und Gelenke zueinander. Steigt das Pferd auf einen Stein, gibt die Propriozeption an das Nervensystem weiter, wie sich die einzelnen Glieder zueinander verhalten müssen, um das Pferd nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Stichwort Gleichgewicht: Auch das vestibuläre System wurde unter die Lupe genommen, es ist notwendig für die Gleichgewichtswahrnehmung des Pferdes. 

Mehr über die spannende Ausbildung gibt es unter folgendem Link

Bei so viel Programm hat man die Qual der Wahl. 

So war es heuer leider nicht möglich, den Vortrag von Angelika Hutmacher zu hören. Ihr Thema: „Gesundes Vorwärts – Verstehen und Lösen von Blockaden mit Aufstellungen“ wäre sicherlich auch sehr spannend gewesen. 

Nach dem Abendessen folgte noch ein bewegender Foto-Vortrag von Simone Hage, die sich mit zwei Koniks und Hunden von Deutschland auf einen Wanderritt nach Dänemark aufgemacht hatte. 

Sonntag starteten wir mit Morgenyoga durch, neben Horse Aikido von Pettra Engeländer und Schönen Pferden bei Lisa Kittler standen noch viele weitere Themenschwerpunkte rund um Bewegung am Programm. 

Spannend war auch der Vortrag von Herdis Hiller rund um das Thema Pflanzenheilkunde für  den Bewegungsapparat. Wie Mariendistel, Brennessel, Yucca, Curcuma und Co dem Pferdekörper gut tun. Dass jede Pflanze ihre eigene Wirkweise und Dauer hat – manche Pflanzen Menschen helfen, für Katzen jedoch giftig sein können und warum man auch gewisse Pflanzen kombinieren sollte – all das rundete den sehr spannenden und sympathisch präsentierten Vortrag ab. 

Ich habe mich sehr gefreut auch heuer bei Pfernetzt dabei gewesen zu sein! 

Ein Highlight ist natürlich das Kennenlernen und der Austausch bzw. das Wiedersehen mit liebgewonnenen Kollegen. 

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