Marius Schneider, Meister der Akademischen Reitkunst analysierte vergangenes Wochenende kritisch und motivierend beim Seminar in Simbach am Inn. Wackeldackel im Schritt – dann war Marius zufrieden!

Marius Schneider ist Wiederholungstäter – oder anders gesagt. Der Kurs im Mai in Simbach am Inn fand so viel Anklang, dass gleich zur Fortsetzung gebeten wurde. Samstag Vormittag wurde vom Boden aus gestartet. Wie schon im Mai legte Marius sehr viel Wert auf die korrekte Basisarbeit, vor Stellung und Biegung. So wurde zuerst mal das Distanzverhalten mit den jungen „Grundschülern“ erarbeitet. Die Teilnehmer lernten mit ihrem Körper dem Pferd zu helfen einen Zirkel zu verkleinern und zu vergrößern.

Bevor wir über Lektionen nachdenken, kommt die Kommunikationsarbeit. Diese beinhaltet ebenso in gewünschtem Tempo und Form von A nach B zu kommen. Marius Schneider

Jede Kommunikationsarbeit, wenn sie auf Gymnastik ausgelegt ist, wird dazu beitragen, dem Pferd eine erste Biegung zu geben, betonte Marius. Prompt wurde dies bei einem großen Schwarzwälder Fuchs sichtbar, der an der Longe auf dem Zirkel ohne Einwirkung der Hand am Kappzaum begann sich um den inneren Schenkel zu biegen und fleißig vorwärts zu schreiten. Aus diesem  Beginn ließ sich dann sehr schön Stellung und Biegung auf der gewünschten Linie erarbeiten.

Marius betonte noch einmal die Bedeutung von Wendeübungen und Führübungen, die das Pferd auf die spätere Gymnastik vorbereiten. Wichtig dabei aber auch der Körper des Menschen, denn wie Marius sagt:

Du musst immer im Bewusstsein haben, wie du deine Füße setzt. Den präzisen Plan gibt es aber nicht nur für die eigene Beinarbeit. Wir müssen uns bei der Ausbildung fragen: Welchen Schritt plane ich als nächstes. Wenn die Hilfengebung zum richtigen Zeitpunkt passiert, dann kommt auch automatisch das erste Nachgeben des Pferdes und Suchen zur Hand hin.

Stichwort Hand. Hier hatte Marius ein äußerst scharfes Auge und Gespür. Eine kleine Korrektur der Reiterhand am Kappzaum reichte schon aus, um das Kruppeherein einer jungen, begabten Lipizzaner Stute zu verbessern. Marius ging aber bei seinen Korrekturen nicht nur auf den Reiter ein, er hörte auch genau zu, was die Pferde zu sagen hatten – warum etwa ein Pferd immer wieder mit dem Kopf gegen die führende Reiterhand schlug.

Das Pferd möchte natürlich seinen Kopf und seine Sinnesorgane schützen. Somit kommen wir wieder zurück zur Distanzarbeit. Es ist unsere Nähe und Präsenz am Kopf des Pferdes, die ihm manchmal Unwohlsein bereiten können. Die korrekte Distanz ist also immer allgegenwärtig, daher müssen wir dem Pferd auch die notwendige Freiheit am Kopf geben.

Stichwort Freiheit. Hier analysierte Marius streng die Nickbewegung aller Pferde im Schritt. Seinem scharfen Auge entging dabei nichts; so wurde das Gewicht der Gerte als Auslöser für ungleichmäßiges Mitgehen mit der Hand sofort entlarvt. Marius betonte die Bedeutung der korrekten Nickbewegung für die Schwingung der gesamten Wirbelsäule des Pferdes. Der Reiter müsse also immer mit beiden Händen der Nickbewegung folgen. Findet der „Wackeldackel“ im Pferd nicht statt, dann weist dies auch auf extreme Blockaden in den Kopfgelenken hin.  Für die Reiter mahnte Marius daher auch:

„Verliere nie den Wackeldackel“!

Hier gilt es auch zu überprüfen, ob das menschliche Becken freigelöst von der Reiterhand schwingen kann. Oft schwingt die Hand nach oben und unten mit und gib dem Pferd dann einen anderen Schwung mit.

Weiter ging es mit der Gymnastizierung auf verschiedenen Bahnfiguren. Marius ließ eine Teilnehmerin zuerst Schlangenlinien im Schritt durch die Bahn reiten. Dann wurden allmählich die Bahnfiguren mit den Seitengängen Schulterherein und Kruppeherein kombiniert. Zuerst im Schritt, dann auch im Trab.

„Der Zirkel trainiert die gleichbleibende Form des Pferdes. Der Handwechsel sorgt für Geschmeidigkeit und Durchlässigkeit. Der Handwechsel ist ein wichtiges Element der Grundarbeit. Geht im Handwechsel alles an Formgebung und Durchlässigkeit kaputt? Die Qualität des Handwechsels verrät viel über die vorausgegangene Arbeit. Auch für den Reiter ist das eine gute Schulung der Wahrnehmung der eigenen Händigkeit. Es ist enorm wichtig alle Einzelkomponenten in seiner Arbeit wahrzunehmen und zu überprüfen, um solche Übungen vom Schritt in den Trab mitzunehmen“.

Die Schlangenlinien halfen im Verlauf der Einheit allerdings beim Umbiegen, um die Stellung allmählich auch auf der schlechteren Seite des Pferdes zu verbessern. Kruppeherein wurde zusätzlich auf der Schlangenlinie abgefragt, um das Pferd daran zu hindern sich schwer in die Kurven zu legen.

Das nächste Teilnehmerpaar zeigte zuerst seine Hausübungen in der Bodenarbeit.
Wenn das Pferd nur eine „gute Figur“ machte, wie es Marius ausdrückte – dann verlangte er einmal mehr Kruppeherein um das Körpergefühl des Pferdes für diese Lektion zu schulen. Die Aufgaben waren sorgfältig gemacht, so wurde der Übergang von Bodenarbeit in die von außen geführte Handarbeit gemacht. Zuerst wurde im Stehen das Lösen zwischen den Schultern geübt. Fällt das Pferd mehr auf eine Schulter, kann es helfen seine eigene Körperposition weiter vorne zu finden und mit dem Ellenbogen den äußeren Zügel zu unterstützen. Das korrekte verkleinern und vergrößern des Zirkels wurde in allen Einheiten von Marius überprüft. Auch in der Handarbeit von außen geführt. Alles kein Problem, schließlich hatte Kursorganisatorin Petra ihr Pferd in der Bodenarbeit bereits gut auf die inneren und äußeren Hilfen vorbereitet.

Die inneren und äußeren Hilfen wurden auch beim Fortgeschrittenen Longieren überprüft. Gerades vorwärts schwingen und planes Auffussen wurden  dabei von Marius als Zielsetzung in der Arbeit formuliert. Der sogenannte Ziehharmonika-Effekt kam hier sichtbar zum Vorschein, als mit dem Pferd an der Longe zwischen Dehnungshaltung und Versammlung variiert wurde. Marius gab einige Tipps zur Handhabe der Longe. So soll der Longeur immer eine feine Verbindung fühlen. Eine schlenkernde Longe, die ständig Stöße an den Kappzaum und somit die Nase des Pferdes weitergibt unterbricht die Feinheit in der Hilfengebung. Es wird somit nicht mehr klar, ob das Pferd zur Hand hin sucht. Durch die Hilfengebung des inneren Schenkels (Der eigene Körper dreht sich parallel zum Pferd, Führung der Gerte von unten nach oben in der Schenkellage) möchte man das Gefühl erarbeiten, das Pferd ginge voraus.

Bringe Leben in die Arbeit und schau der Wahrheit ins Gesicht

Marius stellte sich sehr rasch auf die unterschiedlichen Pferdetypen ein. Wir Reiter analysieren unsere Pferde ja auch immer gerne, Marius schaute noch einmal deutlich hin und konnte die Ursache finden, warum das eine Pferd an der Longe auf Hilfengebung hin „motzte“,  das andere Pferd nicht vorwärts laufen wollte in der Distanzarbeit. Den vermeintlich gemütlicheren „Diesel“ ließ Marius länger warmlaufen im Trab und Galopp. Das brachte deutlich Schwung in die Arbeit.

Generell lautete die Empfehlung des  Meisters der Akademischen Reitkunst:

„Bring Leben in die Arbeit. Reite auch mal aus dem Zirkel auf die lange Seite und lass die Zügel lang. Dann schau der Wahrheit ins Gesicht und lasse auch mal Fehler zu. So kann man hineinfühlen, ob ein Übergang gut wird, ob das Pferd weiterhin um den inneren Schenkel  biegt und nach wie vor nach der Reiterhand sucht“.

Jedoch warnte Marius davor Übungen exzessiv zu betreiben, sondern eher den Kern des Problems zu finden. So würden mehrfache Wiederholungen von Traversalen keinen Nutzen stiften. Die genaue Ursache (äußeres Hinterbein arbeitete in konkretem Fall zu wenig) zu finden und daran zu arbeiten. Wechsel zwischen Schulterherein und Kruppeherein auf der Geraden machten die Traversale letztlich auf der Diagonalen zum Kinderspiel.

Für einige Reiter stand am Nachmittag auch noch die Arbeit am Galopp am Programm. Gerade im Galopp mahnte Marius davor die Wackeldackel-Nickbewegung des Pferdes mit der Hand nicht zu stören. Erste Seitengänge und das geradeaus, damit das Pferd besser durchspringt sorgten ganz ohne Handeinwirkung für die Verringerung der Schaukelbewegung.
Das Angaloppieren ließ Marius die Pferde auch mal ganz alleine machen. Direkt aus den halben Tritten wurde der Galopp praktisch ohne Aufwand ganz von selbst angeboten und umso schöner in der Ausstrahlung.

„Wenn man das Pferd auch mal alleine machen lässt, sind die Hinterbeine wesentlich nachgiebiger. Übertreibt der Reiter beim Treiben macht das schnelle Hinterbein die Gelenke oftmals steifer“.

Ich bedanke mich bei Petra Grünleitner und ihrem Team für die perfekte Organisation und den spannenden Samstag!
Ein großes Dankeschön an Marius Schneider für den schönen Austausch und Input!

Lassen wir unsere Pferde öfter mal selbstständig weiterarbeiten, auch wenn die Wahrheit dann den einen oder anderen Fehler aufzeigt – wenn wir analysieren und Ursachen bearbeiten und nicht Symptome verstecken, dann Reiten wir später Einfach 😉

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