Play-smile and practice. Dieser Slogan wird unmittelbar mit Christofer Dahlgren in Verbindung gebracht. Und wie ich finde, sehr zurecht. Letztes Wochenende waren wir zu Besuch in Ainring bei Salzburg, um einen Tag bei Christofers Kurs zu genießen. Sechs tolle Mensch/Pferdepaare waren beim Kurs mit dabei und ließen sich mehr als ein Lächeln von Christofer entlocken.

Keep it short and simple

Diesem Motto meines Kollegen kann ich nur zustimmen. In der Theorie betonte er, Reiten so einfach wie möglich zu gestalten. Im Training muss alles einfach zu merken und zu wiederholen sein. An oberster Stelle steht für Christofer Entspannung. Er sieht sich immer genau an, wie die Pferde reagieren.

Denkt das Pferd eher langsam, oder antwortet es super schnell auf eine Anfrage seines Reiters? Reagiert das Pferd oder denkt es tatsächlich über eine Frage nach und antwortet dann? Christofer spricht viel über mentale Balance, wenn er dann auch über Leichtigkeit zwischen den Hilfen referiert. Ist das Pferd in mentaler und physischer Balance, dann muss der Reiter gar nicht so viele Fragen an das Pferd stellen. 

Dies zeigte sich auch in der Praxis, wenn Christofer eindeutig: Weniger ist mehr – an viele Paare adressierte. 

„Wenn wir es schaffen, die innere Schulter und das innere Hinterbein anzusprechen, dann fügen wir einfach äußeres Hinterbein und äußere Schulter hinzu. Eine gute Balance zwischen außen und innen – das ist mein größter Fokus wenn ich reite“.

Christofer Dahlgren

6 Elemente

  • Durchlässigkeit
  • Balance
  • Formgebung
  • Tempo 
  • Rhythmus 
  • Schwung

Christofer nimmt in der Theorie jedes der sechs Elemente für sich durch. Ein durchlässiges Pferd ist ein entspanntes Pferd. Umgekehrt – ein Pferd das nicht entspannt ist, ist auch nicht durchlässig. 

Ein leichter Weg, um Durchlässigkeit zu bekommen, führt laut Christofer physisch gesehen über die Kontrolle der Schultern. Wenn man das Pferd zwischen den Schultern bewegen und leicht machen kann, dann ist ein erster Schritt getan, der freilich nicht ohne mentale Losgelassenheit möglich sein wird. Aber Körper und Geist bedingen sich natürlich auch immer gegenseitig. 

„Unser Pferd muss durchlässig sein. Und dabei gibt es keine besondere Qualität oder Quantität von Durchlässigkeit. Entweder das Pferd ist es – oder nicht.“  

Christofer Dahlgren

Verschiedene Arten von Balance 

..beschäftigten uns als nächstes in der Theorie. 

Laterale Balance steht als erstes auf Christofers Stundenplan. Und wieder geht es um die Beweglichkeit zwischen den Schultern – gefolgt von der Hinterhand. Wenn wir zwischen Kruppeherein und Schulterherein die Mitte finden, dann haben wir Balance. Wobei Christofer auch wieder mahnt: „Man kann zwar Kruppeherein reiten, aber ohne gute Balance, wenn diese zwischen den Schultern verloren geht“. 

Je weniger Sekundarhilfen gebraucht werden, umso  mehr Balance besteht. Christofers Hauptaugenmerk in den Seitengängen liegt an der Reduktion. Das heißt wenn er im Kruppeherein weniger Seitwärts möchte, dann sollte daraus kein Schulterherein entstehen. 

„Die meiste Arbeit, die man hat, ist das Pferd nicht zu viel machen zu lassen.  Nicht zu viel mit der Hinterhand rein, nicht zu viel mit der Schulter raus“. 

Christofer Dahlgren

Wieviel soll es denn bitte sein? 

Die Dosis macht überall das Gift. Was Christofer in seinem Vortrag umgehend zur nächsten spannenden Frage führt: 


Wie viel vorwärts-abwärts muss man reiten? Wie viel sollte man aufnehmen? Christofer betont, dass man sich in der Ausbildung auf verschiedene Aspekte konzentrieren muss, um horizontale Balance zu verstehen. Manche Trainer sprechen sich ja vehement gegen das vorwärts-abwärts aus, Christofer betont aber, es kommt aufs WIE an. Zuerst muss man herausfinden, wie gut das Pferd seine Hinterbeine nach vorne schwingen lassen kann. Manche Pferde können gut nach vorne, andere können wiederum sehr leicht mehr Gewicht auf die Hinterhand bringen. Christofer reitet vorwärts abwärts für den „Stretch“, also die Dehnung, dann muss die Hinterhand besser nach vorne kommen. Wenn das Pferd aber nicht die natürliche Veranlagung dafür mitbringt, reicht es nicht, den Kopf einfach fallen zu lassen. Daher analysiert Christofer immer die Biomechanik der Pferdeschultern. Sind die Schultern sehr steil oder weniger steil? Nach der Beschaffenheit der Schultern richtet sich das Maß des Vorwärts-Abwärts – und die Frage, ob man eher mit versammelnden oder der Dehnungshaltung dienlichen Übungen beginnt. 

Von der Dehnungshaltung in die Versammlung? 

Christofer mahnt auch hier zur Vorsicht. Wenn das Pferd in eine gute Dehnungshaltung kommt, dann müssen wir die Zügel freilich auch aufnehmen können. Allerdings wird dieses Aufnehmen bei vielen Pferden gleichgesetzt mit Versammlung. Die Pferde treten mit kürzeren Schritten, wir vermissen dann das vorwärts-aufwärts Gefühl. Für Christofer liegt der Schlüssel zum Erfolg im vorwärts-aufwärts, bei dem die Hinterbeine weiterhin gut in Richtung Schwerpunkt fußen. An diesem Punkt wird Christofer kritisch: Ihm kommen im Unterricht sehr oft Pferde unter, die beim Aufnehmen und versammeln sofort eher „rückwärts“ als „vorwärts“ denken. Für den Reiter bedeutet das, eine gute Balance zwischen vorwärtstreibenden und verhaltenden Hilfen zu finden. 

Die Sache mit den Bahnfiguren

…nimmt Christofer Dahlgren ebenso ernst. In der Basisarbeit ist es ihm wichtig, beim jungen, gerittenen Pferd beim Reiten von Hufschlagfiguren eine bestimmte Exaktheit zu überprüfen. Kann das Pferd, wenn man die Formgebung verändert ein wenig dehnen und ein wenig aufnehmen, ohne Tempo und Rhythmus auf verschiedenen gebogenen und geraden Linien verlieren? Das Tempo verlangsamen, nur weil der Reiter die Zügel aufnimmt, das darf nicht passieren. Das Ziel ist, dass wir das Tempo verändern können, ohne Form und Rhythmus zu verlieren. Diese drei Zutaten sind auch maßgeblich bei der Jungpferdeausbildung – hier variiert Christofer zwischen den Komponenten. 

Es wird nie langweilig

Christofer Dahlgren beim Unterricht zuzusehen. Seine Energie und Dynamik übertragen sich auf Ross und Reiter – seine Pädagogik – alles ganz einfach auf den Punkt zu bringen, gefällt mir (Einfach Reiten ;-)) sehr gut. In der letzten Zeit habe ich festgestellt, dass es sehr in Mode gekommen ist, die  Biomechanik des Pferdes, technische Komponenten in der Reiterei aber auch die gefühlsmässige Seite der Reitkunst möglichst kompliziert und geschwollen auszudrücken. Mich erreichen viele Fragen von Schülern, die sich auf das Gelesene in sozialen Netzwerken beziehen. Wir diskutieren dann miteinander und oft ist mein Gegenüber überrascht, dass der Inhalt letztendlich gar nicht so kompliziert war. 

Ja, den Umgang mit Pferden, Bodenarbeit oder Reiten lernt man nicht in wenigen Stunden. Der Weg darf ruhig lang sein – aber er muss überschaubar sein und darf uns nicht das Gefühl geben unüberwindbar zu sein. Und dafür hat Christofer auch das perfekte Motto: Play-smile-practice. Sollte eigentlich über jeder Reitbahn stehen. Eigentlich 😉 

Christofer kommt übrigens im September 2020 wieder zu uns aufs „Horse Resort am Sonnenhof“ in Hart bei Graz. Wir freuen uns dann auf ein Wiedersehen! 

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