Was sieht mein Pferd eigentlich in mir – bin ich Freund, Feind, jemand der ständig etwas fordert,oder auch mal loben kann?
Jemand der sich drauf setzt und irgendwas will, könnte die kurze Antwort sein. Warum ist es notwendig, uns mit pädagogischen Ansätzen zu beschäftigen? Vor allem, damit wir weg von dem irgendwas kommen – schließlich wollen wir ja etwas ganz Bestimmtes von unserem Pferd.

Viel zu oft wird dem Pferd die Schuld gegeben, wenn eine Sache mal nicht so klappt. Wenn ich eines durch meine Pferde gelernt habe, dann ist es wirklich Demut. Demut vor der Leistung der Pferde, denn schließlich können Sie bereits alles, was wir auf Knopfdruck abrufen möchten ohnehin von Natur aus. Wir müssen unseren Pferden nichts Neues beibringen – wir können Ihnen aber Hilfen verständlich machen, die –  egal ob vom Boden oder vom Sattel aus immer das Gleiche bedeuten müssen.  Wer ein guter Pädagoge für sein Pferd sein möchte sollte sich auch mit sich selbst auseinander setzen und sich fragen: Wie kommuniziere ich eigentlich mit meinem Pferd? Ich habe hier ein paar Merksätze zusammen gestellt, die bei der Kommunikation mit Reiter und Pferd hilfreich sein können.

Heute gibt`s mal die ersten 5 Punkte: 

1. Verständnis kommt zuerst!

Wer mit seinem Pferd arbeiten will, muss die Welt aus der Perspektive des Pferdes verstehen. Auch dann, wenn man selbst mit dieser Wahrnehmung mal nicht übereinstimmt oder eine Reaktion emotional unpassend oder irrational findet (Warum gibt es heute die klassischen Hallenschreckgespenster und gestern waren sie unsichtbar?). Erst, wenn man seine Pferd versteht, kann man an die gemeinsame Arbeit gehen.

Wir haben alle mal schlechte Tage. Wer bei starkem Fön unter Kopfschmerzen leidet, könnte sich die Frage stellen, ob des dem Pferd nicht mal ähnlich geht.

Auch Pferde dürfen mal schlechte Tage haben!

2. Denke zukunftsorientiert, suche nach Lösungen, fokussiere auf die Stärken des Pferdes und sei konkret!

Nur allzu gerne neigen wir dazu, uns auf Probleme und Schwächen zu konzentrieren, in der Vergangenheit zu weilen und Ursachen zu suchen (Wenn ich nur wüsste, warum der Seitengang nicht klappt, vielleicht liegt es ja am Sattel?). Dabei bleibt man aber oft sehr vage und hat auch sehr unklare Ziele vor Augen. (Ich merke, der Seitengang klappt nicht, ich will ihn aber reiten). Die Trainingseinheit zielt aber darauf ab, mit entsprechenden Lösungen ein besseres Gelingen in der Zukunft vorzubereiten, indem man die Fähigkeiten des Pferdes nutzt, um so gewünschte Ergebnisse zu erzielen. Bleiben wir beim Beispiel Seitengang: Das Pferd hat bereits an der Hand gelernt unterzutreten, diese Fähigkeit kann ich mir zu Nutze machen, vom Boden oder vom Sattel aus wird das innere Hinterbein verstärkt zum Schwerpunkt geholt. Vielleicht fußt es dann stark am Schwerpunkt vorbei, vielleicht kommt das äußere Hinterbein nicht mit, vielleicht rotiert aber auch der Brustkorb in die falsche Richtung – es geht also darum, das Problem als Ganzes zu betrachten, um so auch die richtige Ursache für das Scheitern zu definieren! Am Beispiel des Schulter Herein gesagt: Wir haben also ein Pferd, das gelernt hat, sein inneres Hinterbein zum Schwerpunkt zu setzen, es schiebt sich aber seitlich von mir weg, da das äußere Hinterbein ausfällt – es fehlt also der äußere begrenzende Schenkel, oder aber man hat zu viel Seitwärts verlangt…wir sehen also: Klare Ursachenforschung, klare Rückmeldung und klare Zielvorgabe zur Korrektur! Und by the way: Das Ziel ist es nicht, die perfekte Lektion zu reiten, sondern den Inhalt!

3. Säge keinen Ast ab, ohne davor  eine Leiter parat zu stellen!

Leicht gesagt, mit der leichten Verbindung zwischen Pferdemaul und Zügelhand. In vielen Reitschulen oder in vielen Reitstunden konnte ich beobachten wie Kommandos einfach „hinausgepfeffert“ werden. Es bringt nichts zu sagen: „Deine Schenkel klopfen, du musst die Beine schon mal ruhig halten“. Wir haben Pferde, die durch ihr enormes Bewegungspotenzial und ihre Schubkraft nicht mehr sofort bequem zu sitzen sind. Für den Schüler muss es also auch einen klaren Weg geben, wie man die Tragkraft eines Pferdes erarbeiten kann – und das funktioniert nicht, indem man einmal einen Zauberknopf drückt – man muss sich die Leiter, oder auch die Skala der Ausbildung Schritt für Schritt erarbeiten – und das geht eben  mit einem einzigen Kommando – und dadurch dann
plötzlich und auf einmal alles anders machen zu wollen – nicht!

4. Das Gefühl hat immer Recht!

Der Reiter hat ein unangenehmes Sitzgefühl, das Pferd weigert sich zum Mitmachen oder kommt an seine Grenzen. Selbst wenn eine Sache vom Boden aus ganz gut aussieht: Wenn es sich unbequem anfühlt, dann ist es unbequem. Gleiches beim Pferd: Wenn die Grenzen für eine Lektion erreicht sind, dann hat das Pferd immer Recht, Überforderung wirkt hier im schlimmsten Fall nachhaltig! 

5. Probleme müssen sichtbar und erkennbar sein!

Beschreibungen sind oft ungenau und irreführend: Ein totales Desaster kann in Wirklichkeit eine leichte Unbeholfenheit sein. Es ist wichtig, unsere Pferde immer wieder auch vom Boden aus zu arbeiten – gerade wenn das „Spüren“ noch nicht in „Mark und Bein“ übergegangen ist. Kontrolle vom Boden zeigt uns genau, wie gleichmäßig beispielsweise die Hinterbeine zum Schwerpunkt fußen, wir bekommen ein Gefühl, ob das Pferd über die Vorderbeine hinaus schiebt, oder an Tragkraft gewinnt. Ich selbst habe begonnen Unklarheiten nach dem Training in einem Tagebuch festzuhalten und zu dokumentieren.
Wer Gefühle in Worte bringt, bringt auch die Lösung in klare Worte!

In diesem Sinne: REITEN wir EINFACH 🙂

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