Die Dressur ist für das Pferd und nicht das Pferd für die Dressur. Dieser Satz prägte mein Umdenken rund um Pferde maßgeblich – und zwar nicht nur einmal. 

Ich feiere heuer mehr oder weniger ein Jubiläum. Vor zehn Jahren startete ich meine Reise in die Akademische Reitkunst – und seitdem hat sich auch in der Akademischen Reitkunst so einiges getan. 

Es war ein glücklicher Zufall, der mich zum Umdenken brachte. Zuvor verrannte ich mich in eine Sackgasse. Nach einer ziemlich geglückten Ausbildung rund ums Pferd in meiner Jugend war ich plötzlich ratlos. Wer meinen Weg zur Akademischen Reitkunst gerne genau Nachhören möchte – ich habe dazu einen Podcast verfasst. 

Die Dressur für das Pferd – nichts machte mehr Sinn für meine Stute Barilla. Und so tauchten wir gemeinsam in die Akademische Reitkunst. Hinterfragten Schritt für Schritt noch einmal genau, warum wir was eigentlich tun. Mein Pferd dankte es mir. 

Mit dem „heißen Ofen“ Trakehner Tabby habe ich die Dressur nicht nur mental sondern auch physisch nutzen können. Ebenso profitiert hat natürlich meine Przedswit Stute Pina, die tastbare Wirbelbrüche im Schweif und wohl unfallbedingt einen Beckenschiefstand hat. 

Mir fallen noch etliche Beispiele ein: Besonders ans Herz gegangen ist mir die Reise von Blida und Katharina Gerletz, die ihr hier noch einmal nachlesen könnt. 

Wir nutzen also die Dressur unweigerlich für das Pferd – aber gibt es ein Genug? Gibt es ein Limit? 

Immer wieder hat mich auch Bent Branderup nachdenklich gemacht, wenn er über die schwierige Ausbildung seines PREs Cara erzählte. Wir sind hier quasi im selben Boot: Sowohl Tarabaya als auch Cara fußen extrem breitbeinig, werden dadurch schwer in der Vorhand und steif im Hals. 

Durch eine Fehlstellung an den Hufen war Tabby auch seit September 2017 immer wieder lahm. 

Dazu kam durch die Lahmheit natürlich eine Gewichtszunahme und seelische Unausgeglichenheit meines Pferdes. 

Den Winter verbrachten wir also sehr auf der Stelle. Und das meine ich nicht nur wörtlich. Wir haben sehr an der Versammlung gearbeitet – forsches Vorschwingen und damit Tabbys Stärke zur Geltung bringen – ihre raumgreifenden Gänge – das war leider nicht am Stundenplan, aber ab dem Frühjahr möglich, als sich ihr Gesundheitszustand insgesamt besserte. 

Das Unmögliche möglich machen

2014 haben wir von Bent noch ein wenig erfreuliches Feedback auf einem Kurs bekommen. Tabbys Schubkraft war so enorm, der Gang schwankend, die Hüfte so schwer zu stabilisieren. Ich habe schwer geschluckt, als es hieß, mein Pferd würde sich wohl mit Hankenbeugung sehr schwer tun. Ob das je möglich sei? 

Es war möglich. 2015 haben wir Bent dann bei unserem Kurs davon überzeugt, mit dem Verständnis der Schulparade kamen dann noch weitere Möglichkeiten in der Ausbildung meines Pferdes hinzu. Momentan arbeiten wir daran Hankenbeugung von einer statischen Position in die Dynamik mitzunehmen. Daher ist auch die Quantität der Hankenbeugung maßgeblich an der Qualität der Bewegung beteiligt. Ein Thema, das wir kniffelig, tricky und ungemein spannend finden. 

Zurück zum Unmöglichen. Auch ich habe mich damals immer wieder gefragt, ob es meinem Pferd gut tut, so genau an so vielen Details zu üben. Ihr Bewegungskonzept war nun einmal breitbeinig, die auffußenden Gelenke haben gewackelt und sich arg im Sand gedreht – und an schlechten Tagen muss ich die Bewegungsqualität wirklich gewissenhaft überwachen. Ich will und wollte Tabby möglichst lange gesund erhalten – und nur deswegen habe ich detailverliebt an Kleinigkeiten gearbeitet – schließlich lebt man mit einem gesunden Bewegungskonzept besser. 

Steigende Ansprüche

Wir reiten keine Turniere, wir stellen uns mit unserem Können den Ansprüchen der Ritterschaft der Akademischen Reitkunst und dort gibt es auch Meilensteine in Form von Prüfungen auf die man hin trainieren kann. 

Ansprüche, die auch steigen. 

Immer wieder habe ich mich gedanklich dem Spagat stellen müssen. Bin ich ehrgeizig? Habe ich ehrgeizige Ambitionen oder geht es tatsächlich nur ums Dazulernen? Ich habe mich fast schon schlecht gefühlt, als ich dann einen Youngster in mein Vierbeiniges Team geholt habe, der quasi keine körperlichen Herausforderungen in die Ausbildung mitbringt – und mental einfach der absolute Hammer ist. 

Nun war ich mit dem Gedanken konfrontiert, dass hier die Gefahr begraben liegen könnte zu ambitioniert mit diesem talentierten Jungspund umzugehen. Was liegt zwischen Ambition und Ehrgeiz? 

In der Ritterschaft sind die Ansprüche für Prüfungen in den letzten Jahren – nicht zuletzt wegen des steigenden Niveaus im Bereich der Bodenarbeit angehoben worden. Auch das Squire Level wurde angehoben, heute sind Wappenträger (Squire) befähigt, Ringprüfungen abzulegen. Weitere Informationen dazu unter auf der Seite der Ritterschaft

Jedes Pferd kann alles lernen? 

Ja – und auch jeder Mensch. Wenn Zeit keine Rolle spielt. Das wäre jetzt mal die kurze Antwort. Und Zeit kann für oder gegen uns arbeiten. Wenn wir etwas am besten gestern schon haben wollten, dann kann es nicht gut für die mentale und physische Ausbildung des Pferdes sein. Wenn wir uns aber Zeit nehmen, dann kann Zeit bekanntlich alle Wunden heilen. 

In meinen Gedanken um meine eigenen Ambitionen habe ich daher beschlossen: Für meine Pferde spielt Zeit keine Rolle. Das was ich geschenkt bekomme, nehme ich im Hier und Jetzt an. Manchmal muss ich auch den Tatendrang meines Jungspundes bremsen, manchmal muss ich auch bei meinen zwei Damen zusehen, dass ihr Tatendrang ihre körperlichen Fähigkeiten nicht überholt. 

Die Dressur kann also nur für das Pferd sein, wenn Zeit absolut keine Rolle spielt. Wenn wir nicht morgen irgendwo ankommen müssen. Wenn wir zufrieden sind, mit den kleinen Schritten und uns immer wieder überraschen lassen von den Fähigkeiten unserer Pferde – dann ist die Dressur für das Pferd. 

Und dann ist die Dressur natürlich auch etwas für den Menschen, wenn wir Selbstbeherrschung, Geduld, Ausdauer verbessern, Wissen anhäufien unseren Blick für das kleine Detail schulen und uns auch immer wieder über die kleinen Meilensteine freuen lernen. Und wie erst kürzlich gesagt – die Freude nicht verlieren. 

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PS: Nutzen wir die Dressur für uns und unsere Pferde, dann Reiten wir Einfach 😉

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