Mein „kleiner“ Lipizzaner Conversano Aquileja aka „Konrad“ wird im kommenden Jahr fünf Jahre alt. Ende Mai 2018 hat sich Konrad in der Box verlegt. Er hatte eine tiefe Wunde unterhalb des Karpalgelenks, diese musste genäht und geklammert werden. Erst Mitte Juli durfte Konrad wieder auf die Koppel zu seinen Freunden. Die Freude war natürlich groß, beim Toben und Spielen schlug sich Konrad ein Hämatom an der oberflächlichen Beugesehne, auch die tiefe Beugesehne hatte etwas von dem großen Bluterguss abbekommen. Erneute Ruhe und Schonung. 

In dieser Zeit habe ich irrsinnig viel über Konrad und unsere Beziehung gelernt. 

Konrad hat sich während der gesamten Rekonvaleszenz mustergültig verhalten. Er hat mir immer zugehört, mir immer vertraut, selbst wenn die lange Zeit des Schrittspazierens äußerst langweilig war. Er ging auf die geforderte Ruhe und Geduld so brav ein, dafür habe ich mir ständig etwas Neues einfallen lassen, um ihn bei Laune zu halten.

Eine große Stütze war natürlich auch sein bester spanischer Freund „Idolo“. Die beiden hatten während der Sommermonate tagsüber am befestigten Trail Auslauf, die heißen Sommertage haben aber die „Hitzigkeit“ der beiden Schimmel gebremst, tagsüber wanderte man dann bevorzugt in eine Box, was das spätere Projekt „Offenstall Diätgruppe für Barocke Typen“ vorangetrieben hat. 

Ende August zogen dann drei Herren in eben diese Diät Gruppe. Neben den beiden Schimmeln wurde der braune Warmblut/Iberer Mix „Picasso“ zum Glücksbringer der Truppe, Konrad wurde indes Chef der Partie. Eine erneute Schall-Untersuchung an den Sehnen gab großartige Entwarnung: Alles war gut verheilt; Die Anweisung vom Tierarzt lautete: „Reite am ersten Hufschlag, wo der Boden schön fest ist und setze Belastungsreize im Trab“. 

Na bravo. Da Konrad unheimlich stolz ist, wenn ich auf seinem Rücken Platz nehme habe ich immer wieder an der Aufstiegshilfe aufsteigen und absteigen geübt. Mal sind wir auch ganz mutig eine Runde durch die Halle gestapft, aber von Reiten war bislang natürlich nicht wirklich die Rede. Schließlich entscheiden die Wachstumsfugen über den Reifegrad eines Pferdes- und letzte Studien zu diesem Thema zeigen: Regelmässiges Reiten vor dem 5. bzw. 6. Lebensjahr ist zu überdenken. Aber selbst wenn die Wachstumsfugen geschlossen sind, ist zu Vorsicht zu raten, wenn der Gelenkknorpel erst mangelhaft ausgebildet ist. 

Wie gesagt – von wirklichem Reiten war noch nicht die Rede. Also habe ich mich dafür entschlossen die vom Tierarzt vorgegebenen Belastungsreize am Boden zu setzen. Wir haben also brav unsere Runden am ersten Hufschlag absolviert – und zwar am Langzügel. Für Konrad war es überhaupt kein Problem die Hilfen aus der Bodenarbeit, zuerst in den Crossover und dann in die Langzügelposition zu übertragen. Nach wie vor hatte ich allerdings mit meiner Feinabstimmung von Lob und vorwärtstreibenden Stimmhilfen meine Tücken. Dafür klappen Vollbremsungen auf „brav“ ganz hervorragend. 

Zusätzlich zur Langzügelarbeit haben wir uns in der Handarbeit gespielt. Und einmal in der Woche durfte sich Konrad wie ein Held fühlen, wenn ich den Schulungssattel auf seinen Rücken gelegt habe und für ein paar Minuten ein paar Runden in der Halle marschiert bin. Irgendwann war uns dann die Halle zu öde und wir sind einfach mal eine Runde auf dem Viereck gelaufen – Konrad zeigt sich bei jedem Ausbildungsschritt immer aufgeschlossen, neugierig und extrem mutig. Ich habe nie das Gefühl auf einer Remonte zu sitzen, mein junges Pferd zeigt sich ausbalanciert und im Gleichgewicht.

Mitte Oktober kam es dann zu unserer ersten großen Ausfahrt. Beim Kurs mit Bent Branderup in Ainring rund um die Parade hat Konrad gleich mal gezeigt, dass er Hankenbiegung im Blut hat. Mein kleiner Lipizzaner war bei seinem „ersten Mal“ auswärts und großer Kurs ausnehmend brav. Ich denke er hat an diesem Tag nicht nur erneut mein Herz erobert. In der ersten Einheit haben wir unsere Bodenarbeit gezeigt, in der zweiten Einheit unsere Kommunikation mit größerer Distanz an der Longe auf die Prüfung gestellt und in der dritten Einheit an allen Dingen gefeilt. Daneben haben wir zwischen den Einheiten mal „eben so“ einen Satteltest absolviert und neue Freundschaften (natürlich mit spanischen Schimmeln) geschlossen.

Eine Woche später war Konrad dann auch für zwei Einheiten beim Kurs mit Christofer Dahlgren mit dabei. In vertrauter Umgebung war Zuhören und „Angeben“ natürlich noch einfacher. Sehr spannend waren hier auch nochmal die Inputs von Christofer, die wir in den nächsten Wochen natürlich als Hausübung betrachtet haben. Wir haben uns hier mit Tempounterschieden im Trab und Galopp gespielt und einer Verfeinerung der Hilfengebung, die Konrads Eigenverantwortung bei der Einhaltung eines bestimmten Tempos in Trab oder Galopp fördern soll. 

Konrad hat alle Kurse so wunderbar absolviert, er war immer bei mir mental und physisch in Balance. 

Diese Erfahrung unterstreicht für mich persönlich nicht nur die Besonderheit der Lipizzaner, sondern auch die besonders gute Aufzucht in Piber. Hat man das Herz eines Lipizzaner erobert, (oder eher umgekehrt, man verfällt diesen besonderen Wesen einfach) passieren unglaubliche Dinge. Und so kam es zu einer völlig überraschenden Vergrößerung unserer Lipizzaner Familie Ende November. 

Da schaut „Konrad“ nicht schlecht. Er hat einen kleinen Bruder bekommen.

Eigentlich wollten wir ja „nur schauen“. Aber Maestoso Amena 47 eroberte im Hand- und Hufumdrehen unser Herz. Ende November wurde er also aus Piber von der Hengstation Wilhelm, wo er bis zuletzt die spätherbstlichen Tage rund um das Gestüt bergauf bergab mit seinen Freunden genießen konnte in die Pferdeklinik gebracht. 

Um auch diesem Pferd ein möglichst schönes Leben mit Freunden auf der Koppel (so wie er es von Kindesbeinen an kennt) zu ermöglichen ist eine Kastration leider unumgänglich. Ich bin sehr froh am „Horse Resort am Sonnenhof“ einen Platz für all meine Pferde gefunden zu haben, der mit seinem Paddock-Trail, 24 Stunden Heu, ausreichend Bewegungsmöglichkeit und einem großen Sozialverband in der Herde seinesgleichen sucht. 

„Amena“ wie er in Piber gerufen wurde, kam also Ende November in die Klinik zur Kastration. Dort hat er sich ebenso wie Konrad mustergültig und brav verhalten. Auch die zweite Hängerfahrt ganz alleine zum Sonnenhof hat er ebenso mit Bravour geschafft. Ruhig stieg er aus dem Hänger und erkundet seitdem seine neue Umgebung und lernt nun seine neuen Freunde kennen. 

Im Sommer 2018 habe ich Konrads „Stubalm“ besichtigt, dort wo die Lipizzanerbuben ihre Trittsicherheit, Ausgeglichenheit, Kondition und „Härte“ bekommen. Dort wo sie Pferd sein können und eine gute Kommunikation lernen. Damals haben wir die Verkaufspferde gekrault und liebkost. Wer hätte damals gedacht, das genau eines dieser ganz besonderen Pferde noch heuer bei uns einziehen sollte? 

Ich freue mich über weitere Lipizzaner Updates und hoffe ich bin ein wenig „ansteckend“ – mit meiner Begeisterung für diese wunderbaren Pferde! 

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