Es ist wieder einmal Zeit für ein Update aus dem Hause Conversano Aquileja aka „Konrad“. Im November gab es das letzte Update von Konrad im Blog – und seitdem hat sich viel getan. Vor allem in meinem Kopf. 

Der Zauber der Alm 

Gestern war ich auf der Stubalm ganz in der Nähe von Graz. Dort, auf den scheinbar grenzenlosen Weiden wachsen die Junghengste auf, gewinnen an Kraft, Ausdauer, Trittsicherheit. Wenn so eine Herde aus dem Nebel heraus über die Alm galoppiert, dann bedeutet das Gänsehaut. 

Ich sehe diesen Pferden zu und bin so unheimlich dankbar, dass auch mein Konrad eine solche Kindheit hatte. Er konnte stundenlang mit seinen Kollegen spielen, fressen, toben, Mähne kraulen, Touristen und Wanderer beobachten, Almgewitter, Kühe und das Spektakel beim Almabtrieb runden die mentale Gelassenheit eines solchen Lipizzaners schon ab. 

Daheim haben wir einen großen Paddock Trail und mit anderen Ställen vergleichsweise große Herden und viel Platz für Pferde. Mit der Alm der Piber Pferde ist das natürlich nicht zu vergleichen.

Wer die Hengste auf der Stubalm erlebt hat, wird vielleicht ein wenig wehmütig, bei dem Gedanken, dass diese Zeit ein Ablaufdatum hat. Die einen Pferde werden verkauft, die anderen kommen nach Wien in die Spanische Hofreitschule. Wie hat mein Konrad im letzten Jahr diese Umstellung verkraftet? 

Ich muss sagen erstaunlich gut. Er hat am Sonnenhof rasch viele Pferdefreunde gefunden, Konrad ist ein unheimlich sozialer Typ. Wird ein Pferd in der Herde bedrängt, getrieben oder kommt es zu einer Keilerei geht Konrad schon auch mal dazwischen, ohne viel Körpereinsatz. Seine Präsenz und ein Blick reichen aus – und schon ist Ruhe. Dieses Verhalten hat mich oft zum Grübeln gebracht: Habe ich tatsächlich einen mittlerweile 4-jährigen vor mir, oder schlummert da eine alte Seele in diesem Körper? 

Der Zauber miteinander 

Auf dem Stundenplan stand seit dem letzten Winter Bodenarbeit, Longenarbeit, manchmal ein bisschen Handarbeit (wobei ich mir ja unbedingt ein kleineres Pferd dafür gewünscht hatte. Konrad ist im Winter auf 1,57 m gewachsen, macht mir also einhändig geführt erneut das Leben schwer…) und Gewöhnung an diverse gruselige Gegenstände, Geräusche sowie viele Spaziergänge durch den Wald. 

Mein Fazit und das Spiel mit der Energie 

Freunde fürs Leben: Links PRE Idolo, rechts Konrad

Konrad lernt unheimlich schnell und wenn er einmal etwas verstanden hat, dann wird er bei zu vielen Wiederholungen unleidig. Wozu eigentlich? Er weiß ja schließlich alles.

Wirkliche „Denkarbeit“ und „Pitzelei“ meinerseits muss Konrad also nur einmal in der Woche über sich ergehen lassen. Dann feilen wir an kleinen Details, die ich mir durch meine Begeisterung oftmals selbst eingebrockt habe. Da Konrad so schnell und rasch versteht, habe ich natürlich vieles sehr emotional gelobt. Überhaupt ein Punkt, der mir sehr wichtig ist. Emotion. 

Konrad hat mich so oft positiv überrascht, da er sich immer sehr bemüht hatte, meine Anfragen sofort zu verstehen und umzusetzen. Auf „halber Strecke“ bin ich quasi mit Lob schon ausgerastet. Trotzdem kann er es gut nehmen, wenn ich dann weiter an Details arbeiten möchte. Nur, wenn etwas verstanden und gespeichert ist, dann lautet seine Devise eindeutig: Das sitzt, also bitte auf zur nächsten Aufgabe. 

Energie

Freilich, wir sind hier noch nicht perfekt unterwegs, wichtig ist mir aber die Freude an der Bewegung und sich auszuprobieren.

Im Frühjahr spielen wir einfach so mit Energie. Wir laufen nebeneinander, starten und stoppen manchmal ganz rasant nebeneinander. Aus dieser Idee heraus entwickelt Konrad ein Gespür für Hankenbiegung, er bleibt manchmal einfach in einer Schulparade stehen, die wir aktuell in einer schönen Formgebung erarbeiten wollen. Der Spielerische Ansatz, wobei alles erlaubt und nichts verboten ist hat uns dabei extrem geholfen. Überhaupt: Energie zu spiegeln und Energie auf einem bestimmten Niveau zu erhalten, war auch eine unserer Lieblingsübungen. 

Ich habe mir viele Gedanken über das Treiben und Vorwärts gemacht. Konrad erinnert mich in so vielen Punkten an meinen ersten Trakehner Kobold, so dass auch in dieser Hinsicht Erinnerungen wach wurden: Kobold habe ich im Alleingang vor 23 Jahren angeritten. Anreiten  bedeutete damals: Longieren, Übergänge üben und dann irgendwann hopp aufs Pferd. Das größte Problem war nicht das Aufsteigen und Draufbleiben, sondern das Angehen. Kobold stand damals ruhig, er hatte meine treibenden Hilfen vom Boden aus gut verstanden, vom Sattel aus erntete ich eher Unverständnis. Das Interesse meine Beine zu beknabbern war sehr groß, wenn ich ihn versucht habe anzutreiben, passierte genau nichts. Ich habe damals die Gerte zu Hilfe genommen, ein sanftes Antippen damit und schon waren wir rund um die Halle unterwegs und hatten unseren ersten alleinigen „Ritt“ bravourös gemeistert. 

Dieses „Kobold-Phänomen“ konnte ich schon öfter beobachten, auch wenn junge Pferde fast schon Experten in Bodenarbeit, Handarbeit, Longenarbeit etc. sein mögen. Sitzt der Reiter auf dem Pferd und ist kein Assistent zur Stelle, der aus der Bodenarbeitsposition unterstützen kann, dann wundern sich die Pferde über unklare Anweisungen und verstehen nicht, dass sie vorwärts gehen sollen. 

Unser „erstes Mal“ so richtig….

Warum ich diese Geschichte erzähle? Mir geht es nicht darum, die so wichtige Assistenz vom Boden aus beim ersten Reiten zu ersetzen – keineswegs – denn genau so gehe ich bei Konrad und unseren ersten Versuchen drauf zu sitzen ja auch vor. Mir geht es lediglich darum, das Gefühl für Energie zu schulen. Konrad und ich sind also oft Seite an Seite unterwegs. Ich berühre mit meiner flachen Hand die Sattellage. Wir sind beide im Gleichschritt nebeneinander unterwegs. Dann steigere ich meine Energie, ich ändere aber nichts an meiner Schrittfolge. Und plötzlich, nur über die Steigerung meiner Energie habe ich Konrad neben mir aufgefordert zu Traben. Eine wunderbare Sache, die ich – so hoffe ich – später auch in den Sattel mitnehmen kann, um gemeinsam auf einer Energiewelle zu bleiben. 

Die Sache mit der Langeweile

Genau pünktlich eine Woche vor dem Kurs mit Bent Branderup Anfang Juni hat sich Konrad in der Box verlegt. Konrad hatte eine tiefe Wunde unterhalb des Karpalgelenks, er musste also genäht und geklammert werden. Erst Mitte Juli kann Konrad ohne Verband wieder auf die Koppel. In der Zwischenzeit hat sich Konrad wahrlich mustergültig verhalten. Obwohl mein Jungspund nicht mit seinen Freunden auf die große Koppel durfte hat er die Ruhezeit artig ertragen, er war meist gut gelaunt, lediglich die Medikamentengabe ins Maul fand er recht gruselig. 

Konrad ist einfach mutig. Egal was man ihm vor die Nase hält, er findet alles super spannend…

Viel „gearbeitet“ haben wir in der Zeit nicht. Vorrangig geblödelt. Dieses Rumblödeln bestand dann ganz spontan aus einem der ersten „Ritte“. Meine liebe Julia Kiegerl hat für ein paar Runden auf Konrad Platz genommen und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Alles easy, alles selbstverständlich. Konrad war mega stolz auf sich – endlich was Neues, wo er sich großartig fühlen konnte. Heir ist meine ganze Kreativität gefragt, in den nächsten Wochen werden ich mich also auch damit beschäftigen für Konrad bereits bekannte Inhalte dermaßen zu gestalten, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Wir haben die Kenntnisse aus der Bodenarbeit beispielsweise in einen Geschicklichkeitsparcours mitgenommen. Punktgenaue Paraden zum Halten bei Hütchen oder Tonnen, sowie punktgenaue Handwechsel sorgten für Begeisterung. Konrad ist immer motiviert zu glänzen, aber ich muss ihm die richtigen Aufgaben stellen, so dass er eine Herausforderung darin sieht und selbst auch ein wenig stolz auf sich sein kann. 

Weitere Pläne? 

Spaß und positive Energie immer an erste Stelle setzen. Das ist das oberste Gebot. Ich freue mich riesig darüber, dass Konrad so viele Dinge so rasch versteht. Die Herausforderung ist wirklich primär Konrad nicht zu langweilen mit ewig gleichen Abläufen. Daher machen wir auch oft genau „nichts“, sind einfach zusammen – so wie heute – wo ich Konrad erzählen werde, dass ich nun auch „seine“ Alm besichtigt habe. 

 

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