Was ihr wollt..

Was ihr wollt..

Die Pferdezucht im Wandel, wie oft habe ich diese Diskussion im Internet verfolgt. Erst kürzlich habe ich ein Gespräch rund um die Lipizzaner verfolgt. Ist die Zucht im Wandel oder sind es die Pferdefreunde, die der Zucht unter Diktat stellen? Ein paar kritische Gedanken dazu heute in meinem Blog.

Die Züchter züchten für den Sport?

Wie viele Reiter sind heute Freizeitreiter und möchten lediglich eine gute Zeit mit ihrem Pferd verbringen. Zeit, die auch sinnvoll verbracht werden soll; Zeit, in der wir gemeinsam Etwas lernen wollen. In der Statistik finden wir tatsächlich weit mehr Freizeitreiter, als Reiter, bei denen der sportliche Erfolg an erster Stelle steht. Ist es also tatsächlich der Sport, der hier den Ton angibt, oder warum sind die zahlreichen Freizeitreiter für die Zucht so „unscheinbar“ oder überhörbar?

Der Lipizzaner hat keinen Gang?

Erst kürzlich habe ich folgendes Statement in einer Diskussion auf Facebook gelesen. Ja wer gibt denn vor, was ein „Gang“ ist und was nicht? Als ich meinen Conversano Aquileja in Piber das erste Mal gesehen habe, wurde ich gleich darauf hingewiesen, dass dieses Pferd nur sehr wenig Schubkraft habe. „Ja, wunderbar“, war mein Gedanke, schließlich war ich ja gerade auf der Suche nach einem Pferd, das über mehr Tragkraft verfügte. Wenn ich die Bewegungen meines Lipizzaners mit den Bewegungen meiner Trakehnerstute vergleiche, dann lassen sich Bewertungen aus zwei verschiedenen Blickwinkeln feststellen. Nach dem Motto; Jedem das, was ihm gefällt. In meiner Brust schlagen zwei Herzen; Ich bin mit Trakehnern aufgewachsen, ihre Bewegungen, ihre Ausstrahlung – das alles fasziniert mich heute noch, da von Klein an liebgewonnen. Und ich habe auch die Entwicklung verfolgt, dass die Gänge der Pferde immer spektakulärer und eindrucksvoller wurden. Mit der Trakehner Brille könnte ich die Bewegungen meines Lipizzaners vielleicht sogar als „nicht spektakulär“ bezeichnen. Dies vielleicht auf den ersten Blick. Seine Bewegungen sind jedoch ruhig und korrekt. Braucht es immer strampelnde Vorderbeine in der Luft, um uns den Atem zu rauben? Mitnichten. Heute würde ich sagen, dass mich mein Lipizzaner in der Bewegung durch seine simple Korrektheit, durch die Einfachheit und das enorme Taktgefühl verzaubert. Es ist so einfach und ehrlich, ohne Tohuwabohu. Die Frage stellt sich also vielleicht nicht, ob diese oder jene Pferderasse „keinen Gang“ hätte, sondern aus welcher Perspektive und zu welchem Zweck heraus das jeweilige Pferd bewertet wird.

Zurück zum Ursprung

Genetische Untersuchungen bei Spanischen Pferden haben gezeigt: Da sind plötzlich auch Spuren sehr bekannter Warmblüter  Deckhengste versteckt im spanischen Blut. Ich habe auch schon gehört, dass für den Gang Traber in die Zucht mit einbezogen wurden. Wieso, frage ich mich, können wir nicht eine wunderbare Rasse mit all ihren positiven Eigenschaften so belassen, wie sie ist? Warum müssen wir überall etwas nach dem Motto „More of the same“ in Punkto Warmblut hinzufügen? Warum müssen wir uns in der Zucht ständig einem sportlichen Ideal annähern? Das gilt freilich nicht nur für das spanische Pferd, diese Frage lässt sich mittlerweile leider über sehr viele Rassen stülpen.

Zweckentfremdet

Erst vor kurzem wurde ich in einem Gespräch stutzig. Gesucht wurde nach einem Dressurpferd, gerne im iberischen Typ, aber bitte wenn möglich nicht mit diesen iberischen Gängen. Also im Grunde ein Warmblüter in spanischer Lackierung. Ich kann diese Entwicklung wirklich nicht nachvollziehen, ich finde es sehr bedauerlich, wenn Pferde „umlackiert“ werden, vielleicht eine ganze Rasse in ihrem ursprünglichen Ideal eines Tages nicht mehr existiert, nur weil eine Barockpferderasse in sportlicher Verkleidung gewünscht war.

Ich freue mich, dass sich so viele Menschen ein Pferd leisten können, ich spüre aber (auch ganz unabhängig vom Pferdesport) eine große Entwicklung in eine Richtung, die Bent Branderup in seinen Theorievorträgen ganz gut beschreibt:

Viele Reiter wissen nicht, was sie wollen, aber sie wollen es jetzt

Das oben genannte Zitat bezog sich in erster Linie nicht auf die Zucht, lässt sich aber auch hier sehr gut verwenden.

Was sind denn die Vorzüge einer bestimmten Pferderasse überhaupt? Jedes Pferd, jede Rasse hat ihre Vorzüge und Besonderheiten. Warum also einen exotischen Cocktail mischen, der eine vergleichsweise kurze Saison „in“ ist, gleichzeitig verbrauchen und vermischen wir aber die Zutaten?

Ich wünsche mir, dass sich nicht sämtliche Pferderassen dem sportlichen Ideal annähern. Ich wünsche mir, dass ursprüngliche Pferderassen erhalten bleiben. Ich wünsche mir, dass sich Reiter, die drauf und dran sind ein Pferd zu kaufen ihre eigenen Wünsche und Ziele genau analysieren und somit vielleicht sogar überrascht sind, dass ihre Wünsche und Ziele nicht deckungsgleich sind, mit der begehrten Pferderasse. Ich wünsche mir, dass sich Reiter bereits beim Pferdekauf mit der Frage beschäftigen: Was will ich?

Einige Rassen sind vielleicht auch nicht so populär und vielleicht wird es sie auch nicht mehr lange geben. Wenn mich meine Stute Pina mit ihrer Intelligenz, ihrer Feinheit und ihrem feinen Wesen beeindruckt, dann stimmt es mich traurig, denn ihre Rasse – das Przedswit ist beinahe schon in Vergessenheit geraten, ja die Rasse gehört sogar zu den „als gefährdete Rasse“ geförderten Tiere in Österreich. Ist diese Entwicklung jedoch die Zukunft für weitere Pferderassen? Ich fürchte es, wenn wir weiterhin „more of the same“ wollen und von der Zucht fordern.

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Hauptsache: Reiten

Hauptsache: Reiten

Worum geht es beim Reiten? Um Zeit schön zu verbringen. Dies sollte aber sowohl für den Reiter, als auch für das Pferd gelten! Und zwar ohne Kompromisse!

Der Mensch, der auszog um Reiter zu werden

1986 ist es wohl passiert. Damals wurde ich von einem heftigen Virus befallen. Die Diagnose: Pferd. Ich träumte von Pferden, von sanften Fellnasen, vom Gefühl einem Pferd die Mähne zu kraulen. Kinder-Mädchen-Kitsch würde man heute sagen. Vielleicht brauchen wir aber alle noch ein bisschen von diesem „Glitzer“ wenn es um das Zusammensein mit dem Pferd geht.

Auf seinen Seminaren erinnert uns Bent Branderup immer wieder daran, dass es nur um eines geht – um Zeit schön mit seinem Pferd zu verbringen. Zeit kann aber nicht einfach irgendwie verbracht werden. Da gibt es doch immer was zu tun und schließlich hat man das Pferd ja für die Ausübung seines Hobbys gekauft, oder nicht?

Anfang Mai war ich beim Pfernetzt Event in Fulda. Ein toller Event, daran denke ich immer wieder gerne zurück. Während ich in Deutschland genetzwerkt habe, hat sich meine Stute Pina auf der Koppel so richtig ausgetobt. Die Weiden wurden abends geöffnet und es ging so richtig rund.

Freunde aus dem Stall haben Pina beim Galoppieren und Buckeln gefilmt. Ich habe mich bei diesem Anblick riesig über die gewonnene Bewegungskompetenz und vor allem Freude von Pina gefreut. Pina hat einen Beckenschiefstand, einige Wirbel am Schweif sind schief zusammengewachsen. Ursache dafür ist wohl ein Unfall, den sich Pina in jungen Pferdejahren zugezogen hat. Ihr Handicap bedeutet eine besonnene und wohl überlegte Herangehensweise in der Ausbildung.

Hummeln sollten rein physikalisch nicht fliegen können. Und Pina laut Tierarzt eigentlich nicht versammeln. Doch sie kann. Und wie.

Zurück zu jenem Wochenende Anfang Mai. Pina tobend mit ihren besten Freundinnen Tabby und Beti. Irgendwann im wilden Bockspringen ist es wohl passiert und Pina ist auf der Koppel ausgerutscht. Für viele Pferde kein Problem, für Pina, die sehr flexibel und überbeweglich in der Wirbelsäule ist war es dann doch eine große Sache. Nach zwei Wochen und mehreren Diagnosen, wobei Pina auf beiden Hinterbeinen stark lahmte, stand dann fest: Ischias eingeklemmt, Nerv beleidigt. Schmerzmittel, Ruhe und schonender Wiederaufbau, der Pina mental viel zu langsam ging.

Hat es mich in der Zeit gestört, nicht zu reiten? Ja klar, ich bin so gerne mit Pina zusammen und ich fühle so gerne ihre Bewegungen unter mir. Natürlich habe ich sie vermisst, aber es geht nicht immer ums Reiten.

Anfang August haben wir wieder ein wenig Arbeit in den Sattel mitgenommen. Pina schien motiviert, Pausen quittiert sie mit depressiven Verstimmungen. Aber es wäre auch nicht typisch Pina, wenn sie nicht wieder ein wenig über ihre Grenze ginge. Die Folge war sofort spürbar. Der Rücken war empfindlich. Lahm war Pina hier zwar nicht, aber es war mir erneut eine Lehre nicht ganz auf Pinas „Tatendrang“ zu hören und einen Weg zu finden, der Pina ausreichend schonte, gleichzeitig aber mental für die notwendige Zufriedenheit sorgen konnte.

Was für ein Glück, dass es in der Akademischen Reitkunst eine solche Bandbreite an Möglichkeiten gibt, mit dem Pferd vom Boden aus zu arbeiten.

Abgesehen von einer schonenden Gymnastizierung ist es für mich aktuell eine Herausforderung, Pina nicht zu langweilen. Im Gegenteil: Auf unserem Stundenplan steht Begeisterung!

Warum man sich als Mensch nur auf dem Pferd begeistern kann, kann ich nur sehr schwer nachvollziehen.

Muss es denn immer Reiten sein?

In der Ausbildung meiner Pferde gab es immer wieder Phasen, die uns aus mentalen oder physischen Tatsachen aufn den Boden der Tatsachen geholt haben.

Heute passiert es mir, dass ich mich manchmal mit diesem Boden der Tatsachen unbeliebt mache. Dann, wenn ich den Finger in die Wunde lege und nachfrage, warum denn ein Pferd ausschließlich vom Sattel „wieder aufgebaut“ werden müsse.

Immer wieder lerne ich in meiner täglichen Arbeit Pferde kennen, die sichtlich Mühe haben korrekt eine Kreislinie zu laufen, oder sich generell korrekt zu bewegen.

Trageerschöpfung ist nicht in aller Munde, sie ist auf vielen Rücken. Und hat längst nicht nur mit dem Rücken zu tun oder wirkt sich nicht nur auf den Pferderücken aus.

Ja, manchmal mache ich mich unbeliebt. Ja, ich bin sehr gerne für meine Schüler da und versuche auch manchmal Herzenswünsche zu erfüllen. Aber meine Verpflichtung bezieht sich doch nicht nur auf den zweibeinigen Schüler.

Auf der anderen Seite beobachte ich auch viele Menschen, die vielleicht zu wenig reiten – oder anders gesagt – das Pferd zu wenig bewegen. Das ist auch ein wahrnehmbares Phänomen, dem dieser Beitrag allerdings nicht gewidmet ist. Da im Internet aber gerne verschiedene Sichtweisen diskutiert werden, wollte ich diesen Aspekt nicht unberücksichtigt lassen.

Natürlich reite ich meine Pferde gerne. Natürlich verbringe ich wahnsinnig gerne Zeit im Sattel. Natürlich war das auch einer der Gründe, warum mich wohl das Pferdevirus gepackt hat. Aber sicherlich nicht der einzige.

Reiter und Spaziergänger

Dass man das Pferd reiten kann ist aber oft das wichtigste Prinzip in der Pferdebehandlung. Ich hatte mal eine Diskussion mit meinem Tierarzt bezüglich meiner Fuchsstute Tabby. Sie war „fühlig“ und daher nicht ganz taktklar. „Da müssen Eisen rauf“ meinte der Tierarzt. Ich protestierte und wir diskutierten sämtliche Pro und Contras. Mein Tierarzt war völlig überrascht zu hören, dass es mir in diesem Augenblick ja nicht wichtig war, sofort und morgen wieder in den Sattel zu steigen.

Letztlich haben wir damals die Hufbearbeitung optimiert. Tabby war seitdem keinen Tag mehr lahm und hat auch nie wieder Probleme in Punkto „Fühligkeit“ gehabt. Unser Paddock Trail ist quasi wirklich der „Härtetest“ für Pferdehufe, da es auch ein paar steinige Stellen gibt. Tabby hatte damit niemals ein Problem. Und die vier Wochen, die ich damals nicht im Sattel verbracht hatte, die rufe ich mir heute immer wieder mal gerne in Erinnerung, denn die hatten wir schön gestaltet.

Es geht also nicht immer ums Reiten. Manchmal muss man für eine gewisse Zeit absteigen. Wir wollen ja auch möglichst lange eine gute Zeit mit unserem Pferd verbringen. Und dafür lohnt es sich, manchmal auch zum „Spaziergänger“ zu werden.

Tu Gutes und sprich darüber..

Tu Gutes und sprich darüber..

Wie war das nochmal? Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten? Muss das so sein? Und haben wir die Nachrichten nicht auch selbst ein bisschen in der Hand?

Es war 1999, als ich zu Beginn meines Studiums der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften folgendes Erfolgskonzept der größten österreichischen Tageszeitung im Fach „Mediengeschichte“ serviert bekam. „Blut-Busen-Babys“. Ein Mix dieser drei Komponenten macht also ein Printmedium zur Nummer eins. Bad news are good news – diese Philosophie kannte aber bereits der Stammtischphilosoph. Das war also nichts Neues.

Immer negative Schlagzeilen

Natürlich nutze ich soziale Medien. Ich veröffentliche seit mehr als drei Jahren jeden Mittwoch einen Beitrag auf dieser Seite. Natürlich habe ich auch einige Meinungsbeiträge geschrieben, natürlich gab es darin auch mal Kritik. Und natürlich habe ich auch nichts gegen Kritik per se.

In letzter Zeit wird mir Kritik aber zu laut, zu aggressiv, zu viel. Es gibt da Events im Pferdebereich, die scheinbar einem Match unter Ausbildern gleichen. Es gibt unterschiedliche Zugänge zu Reitweisen und unterschiedliche Auffassungen. Es gibt Ritte, die das Urteilsvermögen von Richtern und Reitern in Frage stellen. Die Kritik dazu ist aber nicht neu.

Eigentlich gab und gibt es rund ums Pferd immer viel zu kritisieren. Hat das was geändert? Vielleicht in der Schweiz, siehe Schlaufzügelverbot.

Ich denke immer häufiger über die Frage nach, ob das „Finger in die Wunde“ legen tatsächlich nutzt oder mehr Schaden anrichtet. Meine kurze Conclusio: So lange sich ein zahlender Kunde findet, gibt es auch für etwas einen Markt. Und so lange wird es auch Dinge geben, die nicht unbedingt Pro Pferd sind. Ich heiße das natürlich keinesfalls gut!

Bringt es etwas, unter dem Codewort „Blickschulung“ ständig seinen Blick für das Negative zu schulen?
Wie heißt es doch so Schön im „Kleinen Prinzen“?

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Antoine de Saint-Exupéry

Ja sicherlich, vermutlich werden unsere Augen geschult. Aber irgendwie scrolle ich mich immer wieder durch Beiträge und Argumentationen, die im Herzen weh tun. Ganz abseits nämlich, ob eine Kritik fachlich berechtigt ist oder nicht – ich frage mich, ob wir mit dieser Vehemenz, mit dieser Aggression auch tatsächlich „Face to Face“ kommunizieren würden. Bringen wir in dieser Qualität Botschaften tatsächlich rüber? Wollen wir überhaupt verstanden werden?

In meinem Studium habe ich mich letztlich auf Journalismus und PR spezialisiert.

Und in so ziemlich jedem PR Buch wird mal über den Satz philosophiert:

Tu gutes und sprich darüber

Ja, warum gilt denn das in der Pferdewelt nicht?

Ich habe in letzter Zeit so viel Kritik gelesen – vieles davon sicherlich berechtigt.

  • Ich bin mir nur aus Sicht der Kommunikationswissenschaft nicht so sicher, ob dergestalt dargebrachte Kritik tatsächlich a la longue etwas zu ändern vermag.
  • Ich komme nicht umhin, mir daher auch vermehrt Gedanken zu machen über die Dinge, die positiv verlaufen. Denn läuft es tatsächlich so schlecht?
  • Man stelle sich vor, Menschen, die sich für Pferde und für das Reiten interessieren, bekommen ständig nur Bilder präsentiert, die wiederum die „Pferde Community“ verurteilt und nicht sonderlich goutiert. Wie soll man sich denn da zurecht finden, wenn negative Beispiele überwiegen? Dann weiß man lediglich, was man nicht lernen will – aber wo findet man das Gute?
  • Ich habe daher für mich beschlossen keine „Shitstorms“ zu kommentieren.
  • Ich möchte mich auch an keinen Blickschulungen im Internet beteiligen.
  • Ich möchte offen sein und bleiben!
  • Ich möchte mich auch in der Reiterwelt an keiner „Hast du die/das/den gesehen Diskussionen beteiligen“.
  • Ich möchte gutes tun und darüber sprechen.

Und hier kommt es….

Im heurigen Jahr gab es nämlich nicht nur Schlechtes:

Jänner 2017

Meine Stute Pina zaubert einer sehr lieben Schülerin von mir Tränen der Freude ins Gesicht, als ich sie in der Handarbeit einmal eine Piaffe spüren lasse. Für mich gibt es in Punkto Hankenbiegung noch viel zu tun, ich kann halt auch nicht aus meiner Haut. Was ich durch die Freude meiner Schülerin aber auch für mich mitnehme: Pina ist ja nicht selbstverständlich. Manchmal verliert man den Blick dafür. Ich freue mich riesig dafür, dass Pina nicht nur mir so viel Freude bereitet. Gänsehaut.

Februar 2017

Stichwort Gänsehaut: Es ist eiskalt in ganz Europa. Nicht nur ich sehne den Frühling herbei. Kein einziger meiner Schüler sagt einen Termin wegen der Kälte ab. „Ich bin ja nur eine halbe Stunde draußen, das schaffen wir schon“, höre ich oft in diesen Tagen. Ich freue mich riesig über so viel Engagement – gleichzeitig bin ich meinen beheizbaren Fußsohlen riesig dankbar. Schließlich beginnen meine Tage meist um 8 Uhr morgens mit der ersten Stunde und enden erst um 20:00 Uhr.

März 2017

Beim Christofer Dahlgren Kurs geht es darum, das Pferd im Training „happy“ zu machen. Ich bekomme nach dem Kurs zahlreiche schöne Feedbacks und Anfragen beim nächsten Mal als Teilnehmer dabei sein zu können. Und irgendwie kommen kaum „Lektionen-Fragen“ aus dem Publikum. Wir alle wollen motivierte Pferde 🙂

April 2017

Ich bin als Referent beim „Ponymaster“ von Martin und Uschi Haller dabei. Eine Ausbildung für angehende Reitlehrer, die besonders Kindern einen pferdegerechten und bewussten Umgang mit Ponys und Pferden vermitteln soll. Aber es gibt noch weitere, tolle Sachen in Punkto Nachwuchs: eine Schülerin von mir bietet klasse Lerntrainings mit Pferden für Kinder und Jugendliche, in Deutschland wäre ich gerne noch mal „klein“ bei Yvonne Heynckes`Ponyhof.

Mai 2017

„Pfernetzt“ läuft zum ersten Mal in Fulda und ist ein klasse Event. Genau SO stelle ich mir den Austausch unter Pferdeleuten vor. Aus dem Publikum spürt man – egal welchen Vortrag man besucht Interesse, Offenheit, Freude am Austausch – und unter uns Referenten und Speakern sieht die Sache genauso aus! Ich verstehe diese riesige Differenz zwischen Netz und Realität nicht. In der Realität sprechen wir also noch anders miteinander! Gut so. Und gemeinsam mit Bent Branderup zeigen sich auch die Meister der Akademischen Reitkunst, sowie die Hofreitschule Bückeburg bei „Fair zum Pferd“ – einem ganz tollen Event, organisiert vom Team Moorhof rund um Marius Schneider in Lüdinghausen.

Juni 2017

Ich bin bereits zum zweiten Mal heuer in der Schweiz bei meinen „Graubündner“ Schülern. Und wie immer gibt es Troubles bei der Zugfahrt, dafür aber umso schönere Fortschritte meiner Schüler. Alle fokussiert, alle voll bei der Sache. Besonders freut mich die Geduld, die manche Schüler an den Tag legen, dabei immer das Wohl des Pferdes im Vordergrund.

Worüber ich mich freue…

Es gibt so viele Dinge, die ich hier erzählen kann. Schüler, die wiederum selbst Trainer sind und deren Austausch ich extrem bereichernd finde. Stichwort „Positive Verstärkung“ 😉 Schüler, die nach mehr als 50 Jahren Pferdeerfahrung das Thema Bodenarbeit komplett neu für sich entdecken und keinen Termin verpassen. Ich freue mich über das Jubiläum „Das erste Jahr komplett lahmfrei“, den ersten stressfreien Ausritt, die erste Haltparade an der Longe – so viele schöne Erlebnisse, die ich begleiten darf. Ich freue mich, wenn sich Geduld bezahlt macht und Pferd und Reiter zum Team werden. Es gibt wirklich viel Grund zur Freude in der Pferdewelt.

Vielleicht sollten wir das öfter auch mal teilen 😉

 

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Alles verstanden?

Alles verstanden?

Von der Kunst sich mitzuteilen

Kommunikation ist doch eh so einfach: Es gibt einen Sender und einen Empfänger. Eine Nachricht und eine Reaktion darauf. Eine simple Formel?

Gesagt = verstanden?

Lässt sich Kommunikation auf diese einfache Formel herunter brechen? Nein. Gesagt heißt nicht unbedingt gehört und aufgenommen. Gehört bedeutet nicht ungleich verstanden. Und selbst wenn etwas verstanden wurde, muss das Gegenüber nicht gleich damit einverstanden sein.

Beim Reden kommen die Leute zusammen…

So besagt es ein Österreichisches Sprichwort. Aber ist das auch auf Reiter umzusetzen? Kommunikation lässt sich oftmals mit einem unüberwindbaren Hindernisparcours umschreiben.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Zwei ganz unterschiedliche Reiter diskutieren über das Vorwärts-abwärts. Beide haben ganz unterschiedliche Lehren studiert, orientieren sich an Trainern unterschiedlicher Sparten und haben grundsätzlich unterschiedliche Ziele.

Das erste große Hindernis: gegensätzliche Philosophien prallen aufeinander. Wollen beide überhaupt miteinander reden? Der erste große Graben, den es also zu überwinden gilt. Die Bereitschaft ist vorhanden und weiter geht es zum nächsten Sprung. Der Steilsprung im Kommunikationsparcours wäre die Frage, ob beide Empfänger überhaupt auf Empfang geschaltet sind: Wollen ist die eine Sache, aber ein Empfänger könnte rasch abgelenkt sein oder müde. Oder man schweift im Zuhören mit den Gedanken ab.

Nehmen wir an, beide Reiter sprechen dieselbe Sprache, beide hören akustisch die gleichen Worte. Aber kann Reiter 1 fachlich den Ausführungen von Reiter 2 folgen? Versteht er die gleichen Begriffe und Zusammenhänge?

Zwischen den Zeilen…

..passiert noch viel mehr. Denn wir senden natürlich nicht nur Worte, ein Großteil unserer Kommunikation passiert auf einer anderen Ebene. Wir können zwar verbal unsere Zustimmung kund tun, unsere Körpersprache vermittelt aber klar und deutlich Ablehnung. Neben der Stimmlage kommen eben auch Mimik und Gestik dazu. Wie wird etwas gesagt? Quasselt Reiter 1 unseren Reiter 2 komplett nieder, oder setzt er Akzente und Pausen, damit sein Gegenüber auch wirklich dem gesamten Vortrag folgen kann?

Eine Faustregel besagt: Nur 20 Prozent der Inhalte sind überhaupt verbale Kommunikation. Ganze 80 Prozent an nonverbaler Kommunikation senden wir bewusst oder ganz und gar unbewusst an unser Gegenüber.

Interpretation

Wir senden also eine Botschaft und unser Gesprächspartner wird diese bewerten. Er vergleicht mit bereits vorhandenem Wissen und muss nun abwägen, wie und wo die neue Information eingeordnet werden kann. Eigene Überzeugungen spielen nun auch eine ganz große Rolle. Und einiges an dieser Interpretationsarbeit geschieht ebenso unbewusst – ob wir wollen oder nicht.

Vielleicht entstehen schon beim Zuhören Widerstände und ein Gefühl des Unwohlseins.

Die Sache mit der Stillen Post.

Einige kennen das Spiel von der Stillen Post. Aufgrund von eigener Interpretation, Missverständnissen und Empfangsschwierigkeiten kommt am Ende einer Kommunikationskette meist etwas ganz anderes heraus, als vom ursprünglichen Sender beabsichtigt.

Das ist schon auf einer zwischenmenschlichen Ebene oft ärgerlich genug – wie schwierig wird es dann zwischen Mensch und Pferd. Wir werden niemals Pferd sprechen. Und unser Pferd wird auch kaum der menschlichen Sprache mächtig sein.

Wir müssen eine gemeinsame Kommunikation entwickeln. Als „Vortragender“ oder „Pädagoge“ unseres Pferdes müssen wir unseren Vortrag somit umso klarer strukturieren.
Was möchte ich von meinem Pferd. Welche Antwort erwarte ich mir. Wie kann ich die Botschaft rüber bringen? Ich muss sicher stellen, dass mir mein Pferd überhaupt zuhören möchte!

Die Stolperfallen noch einmal zusammengefasst:

  • Wir haben Kommunikation, die nicht angekommen ist
  • Wir haben empfangene Kommunikation, die wir überhaupt nie gesendet habe. Gerade unser Körper kann beispielsweise zum Kruppeherein in der Bodenarbeit einladen wollen, gleichzeitig das Pferd aber ganz unbeabsichtigt ins Rückwärts schicken. Daher sollte jedem Reiter seine Einwirkung durch den Körper – und diese Einwirkung hört eben niemals auf – egal ob wir vor, neben, hinter oder auf dem Pferd sind.

Der kleinste gemeinsame Nenner..

…wäre dann der Anteil von übereinstimmender Kommunikation. Diese beträgt im menschlichen Alltag lediglich 12 Prozent. 12 Prozent! Das muss man sich doch mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie groß mag der Prozentsatz nun in der Kommunikation zwischen Pferd und Mensch sein? Ich sehe zum Glück sehr viele Paare, wo die Kommunikation wirklich wunderbar funktioniert und immer harmonischer wird.

Ich treffe Menschen, die sich unbewusst und ungewollt gesendeter Signale immer bewusster werden.

Das ist ein großer Pluspunkt.

Aber ich treffe auch Menschen, die überfordert sind mit einer Flut an Informationen. Menschen, die Aussagen möglicherweise im Sinne der Stillen Post interpretieren. Erst neulich traf ich ein Pferd – für mich ein eindeutiger Reha Fall. Ein Pferd, das nach ernsthafter Erkrankung nun wieder Kraft sammeln muss, um vielleicht wieder zum Reitpferd zu werden. Das ist meine Sicht.

Eine andere Sicht bzw. Empfehlung war: Mehr Reiten, um Muskeln zu fördern. Vielleicht war das aber auch gar nicht die Botschaft, die die Besitzerin empfangen hatte. Vielleicht wurde die Botschaft und der Hinweis, nun mit der Gymnastizierung zu beginnen, sofort als Empfehlung für gerittenes Training interpretiert.

Manchmal können wir nur mutmaßen, warum Botschaften wie verstanden werden. Aber eines ist ganz klar:

  • Wir können uns laufend bemühen, sowohl unseren Empfänger ganz neutral und ohne gleich zu bewerten einzuschalten.
  • Wir können uns bemühen, unser Gegenüber zu motivieren uns zuzuhören
  • Wir können zu Jemand werden, dem man gerne zuhört
  • Wir können daran feilen unsere Botschaften so klar wie nur möglich zu machen
  • Wir können die Arbeit an unserer Kommunikation mit Freude verbessern.

 

Denn wer nach und nach versucht, seine Botschaft wirklich gut rüber zu bringen, der hat ein Pferd das nicht nur versteht, sondern auch mit dem gemeinsamen Ziel einverstanden ist.

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Aller Anfang ist schwer…

Aller Anfang ist schwer…

Faszination Akademische Reitkunst. Immer mehr Menschen sehnen sich nach einer durchdachten Gymnastizierung für das Pferd, an ein Zusammensein ohne Spannung, an eine gute Zeit mit dem Pferd. Aber wie fängt man an? Wie kommt man zur Akademischen Reitkunst?

Wer beginnt?

Am Anfang stellt sich schon öfter die Frage nach der Ausgangsbasis. In einem meiner letzten Blogeinträge habe ich über das Lernen geschrieben. Dabei sind wir alle persönlich ja ganz unterschiedliche Lerntypen: wir sind geprägt durch die Summe unserer Erfahrungen.

Ein Reiter also, der sich und sein junges Pferd auf einen neuen Pfad begeben möchte, wird ganz anderes an die Sache herangehen als ein „Umsteiger“, dem es vielleicht auch schwerer fällt alte Muster und Angewohnheiten zu durchbrechen.

Meine ersten Schritte…

Oft wird man nach seinen ersten Schritten in der Akademischen Reitkunst befragt oder warum man dazu gekommen war. Meine Kurfassung: ich war mit den gängigen Methoden nicht mehr zufrieden und meine Stute „Barilla“ auch nicht. Wir hatten vorne gegenhalten und hinten kräftig treiben nicht nur mental satt – auch körperlich war es so weit gekommen, dass mein gerade 10-jähriges Pferd für ein Jahr auf die Koppel zur Reha geschickt wurde.

Als ich meine Freundin Eva zum ersten Mal auf ihrem „Anton“ am durchhängenden Zügel in einer Piaffe sah, wusste ich: das will ich auch. Dabei ging es viel weniger um die Piaffe. Ich sah die Leichtigkeit, diese wunderbare Selbsthaltung und eben kein Gewicht auf der Hand. Meine Hände sehnten sich nach Leichtigkeit und einer guten Verbindung ohne eine gefühlte „Tonne“ in der Hand zu haben.

Alles aufgeben was bisher war?

Was danach kam? 20 Jahre Reiterfahrung über den Haufen werfen? Und so ging es nicht nur mir. Diese Worte habe ich mehrmals im Gespräch über den Weg zur Reitkunst gehört. Alles Wissen galt es nun zu überdenken und zu hinterfragen. Ich kam dahinter, dass Reiten und „Die Stille Post“ sehr zusammenhängen.

Prinzipiell sind viele Informationen, die uns Reitlehrer gegeben haben, die wir gelesen oder gesehen haben nicht falsch. Aber voller Lücken.

Wenn also wieder in einem Forum oder einer Diskussion auf Facebook die Frage aufkommt, was denn das Besondere an der Akademischen Reitkunst ist, dann würde ich gerne sagen:

Die Akademische Reitkunst ist etwas Besonderes, da sie uns erklärt wie wir Pferde reiten müssen und warum. Wir lernen Lektionen, aber in allererster Linie lernen wir deren Inhalt und warum wir diese Inhalte unseren Pferden näher bringen sollen. Wir lernen Kommunikation.

Das Interesse ist geweckt…

Nun geht es also an die Praxis. Wenn Kinder eine Zweitsprache lernen sollen, dann müssen sie ihre Muttersprache oder Erstsprache gut beherrschen. So ähnlich ist das auch mit uns Reitern. Unser Interesse, unsere Begeisterung für Neues ist entfacht. Bevor wir an die praktische Umsetzung gehen ist die theoretische Grundlage Voraussetzung. Die Vokabel also für den praktischen Unterricht.

Die Vokabeleinführung gibt es in Bent Branderups Buch „Akademische Reitkunst“.

Weiteren Theorieunterricht kann man online erwerben:

http://www.bentbranderupshop.com/videos

Hier gibt es auch immer wieder Fragen nach der perfekten Reihenfolge:

ich würde sagen, sehr schön zu verfolgen ist die Entwicklung von Bents Hengst „Swan“ in dessen „Diary“ wir die gesamte Grundausbildung verfolgen können.

Für den Anfang sehr zu empfehlen sind dann die Videos über „Stellning and bending“, „Longework“ und „Groundwork“.

Es geht nichts über die Praxis

Theoretisches Wissen ist die eine Sache. Wir kommen aber nicht ohne die Praxis aus, ohne das Spüren und Analysieren des Gefühlten. Am besten also sucht man sich Hilfe und Unterstützung direkt vor Ort.

Um ein qualitativ hochwertiges Ausbildungsniveau zu gewährleisten, wurde von Bent Branderup der Lizenzierte Branderup ® Trainer eingeführt. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der Unterricht dem neuesten Stand im Entwicklungsprozess der Akademischen Reitkunst entspricht.

Als lizenzierter Bent Branderup ® Trainer investiere ich daher neben meinem eigenen reiterlichen Fortkommen auch sehr viel Zeit in meine weitere Entwicklung als Lehrer und Trainer. Meine Schüler profitieren damit von einem lebhaften Diskurs und dem laufenden Wissensaustausch einer speziellen Gemeinschaft innerhalb der Ritterschaft.

Eine Liste aller lizenzierten Branderup ® Trainer gibt es unter folgendem Link.

Die Sache mit dem Tellerrand…

In keiner Sache sind wir so sprunghaft wie beim Reiten. Ich habe viele Jahre lang Geige gespielt. Ich habe dabei folgende Erfahrung gemacht: wer sich für das Musikinstrument entschieden hat, der hat es auch durchgezogen. Beim Reiten steht uns oftmals der eigene Ehrgeiz möglicherweise im Weg. Wir sagen offen heraus, dass wir nicht an einen magischen Knopf beim Reiten glauben. Aber unterbewusst? Unterbewusst werden wir manchmal auch gerne zu Methodenhoppern, wenn sich nicht schnell ein gutes Ergebnis einstellt.

Wie lange dauert die Akademische Reitkunst?

Wie lange lernen dauert? Nun, es hört nie auf – aber die ersten Erfolge stellen sich rasch ein, wenn mit Konsequenz geübt wird. Wir können das Ergebnis mit einer Diät vergleichen. Wer zwischendurch immer wieder nascht, der wird keinen sichtbaren Erfolg feststellen können.

Daher macht es das Lernen der Akademischen Reitkunst als „Umsteiger“ oft schwer. Wir fallen gerne in alte Muster zurück oder haben das notwendige Vertrauen auch einfach noch nicht gefunden.

Ich will nicht sagen, dass es nur den EINEN Weg gibt. Aber ich will sagen, dass wir als Lernende alle die Demut aufbringen müssen um uns als das zu sehen, was wir sind. In erster Linie eben Lernende. Und als Lernender muss man Inhalte aufnehmen, verdauen, analysieren und abwägen.

Ich glaube, dass man für den Blick über den Tellerrand nach dem Motto: „Ich pick mal hier, ich pick mal da“, die Erfahrung haben muss ein gesamtes System zu kennen, um es tatsächlich bewerten zu können.

Wir würden nie zwei Bücher zusammenwerfen und einfach Zitate da und dort für ein neues Werk rauspicken – vor allem nicht ohne den Zusammenhang zu kennen. Wer die Akademische Reitkunst kennen lernen möchte, sollte also offen für Neues sein und gleichzeitig auch ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen mitbringen. Vor allem da wir viele Schritte ganz minimalistisch erarbeiten und oft das Große Ganze nicht gleich sichtbar sein kann.

Bleib offen

Was den Reiter dann weiter ausmacht? Offen zu bleiben. Ich bin sehr von der Akademischen Reitkunst überzeugt, ich bin so froh über den gelebten Austausch mit meinen Trainerkollegen – jeder hat ein offenes Ohr und am meisten lernen wir durch unsere „Versuch und Irrtum“ – Wege. Und hier wird Wissen auf eine sehr wertschätzende Art geteilt, die ich anderswo nur selten gefunden habe.

Trotzdem heißt es: Wachsam bleiben, auch andere machen nicht alles falsch! „Akademisch“ heißt schließlich Forschen und Hinterfragen. Und eine Reitkunst, die sich ganz polemisch als Religion versteht, kann keine Wissenschaft mehr sein.

Wir sollten also immer Lernend und Hinterfragend bleiben – und diesen schönen und wertschätzenden Umgang miteinander auch in der Diskussion mit anderen Reitkulturen mitbringen.

Dafür brauchen wir aber zunächst eine gesunde Basis und das Eingeständnis: es geht nicht darum ständig Recht zu haben!

Suchtfaktor

Achtung! Reitkunst macht süchtig. Ich sage das nur so als Warnung. Aber ich glaube keine Sucht ist für unsere geistige und körperliche Entwicklung so gesund wie die Reitkunst.
Werden wir also süchtig, dann Reiten wir Einfach 😉

Man lernt nie aus

Man lernt nie aus

Hört das Lernen jemals auf? Während sich die einen über Meilensteine und Zeugnisse freuen, möchten andere niemals aufhören zu tüfteln und zu entwickeln. Welcher Typ bist du?

Professoren des Lebens….

Als ich fünf Jahre alt war, besuchte ich die musikalische Früherziehung. Ich kann mich hier nicht mehr genau an den Inhalt erinnern. Wenig später jedenfalls bekam ich meine erste Violine geschenkt. Ausgepackt und drauf losgefiedelt…dachte ich. Enttäuscht legte ich das glänzende Instrument in den Kasten zurück.

Ein paar Tage später lernte ich meinen Professor kennen. Es stellte sich heraus, dass ich mich – nachdem ich die Technik durch mühsame Kleinarbeit gelernt hatte – komplett auf mein Gehör verlassen konnte, wenn es darum ging ein neues Konzert einzustudieren.

Rückblickend würde ich sagen: vermutlich habe ich in punkto Violine wirklich ordentlich Talent mitgebracht. Während andere Schüler meines Professors viele Stunden akribisch getüftelt und geübt haben, habe ich mich auf mein Gehör verlassen und drauf gegeigt.

Eines Tages hatte ich eine Beethoven-Sonate zu spielen. Lustlos ließ ich meine Finger über die Saiten gleiten. Irgendwie war das wohl ganz brav „heruntergestrichen“. Zufrieden war mein guter Professor jedenfalls ganz und gar nicht. Ich war mitten in der Pubertät und natürlich ob der Kritik genervt. Bitte, jeder Ton war da, ich habe mit dem Bogen keinen Blödsinn gemacht. Alles war doch da. Sogar Pausen habe ich eingehalten (ich gebe zu, für jemand der sich beharrlich weigerte Noten zu lesen, war das schon eine Leistung).

Kopfschüttelnd nahm mein Professor meine Erwiderung: „Aber ich kann es doch. War doch fehlerfrei“ zur Kenntnis und konterte: „Man lernt nie aus. Man kann immer was verbessern. In einem Leben wird man es noch nicht vollständig können“.

Und hier schlägt sich die Brücke zur Reitkunst. Viele Jahre später. Ich lausche einem der ersten Theorieseminare von Bent Branderup in Österreich und höre plötzlich:

„Ein Leben reicht nicht aus, um Reiten zu lernen“. (Bent Branderup)

Wer lernt wie Reiten? In vielen Sportarten gibt es Einteilungen. Vom Basislevel bis zum Fortgeschrittenen. Klar, auch beim Reiten gibt es beispielsweise verschiedene Turnierklassen, die auf das Können Rückschlüsse geben können. Bedenklich wird es aber, wenn die Reiter aus den Königsklassen nicht auf ihren „Krachern“ sondern auf anderen braven, ruhigen Pferden in die Ehrenrunde reiten müssen, oder gar nicht daran teilnehmen können.

„Zwei Geister müssen wollen, was zwei Körper können“. Irgendwo driften dann diese Geister aber scheinbar bei einer Siegerehrung auseinander.

Lernen mit allen Sinnen

Es gibt verschiedene Lerntypen:

Der auditive Lerntyp

Lerninhalte laut aussprechen, vom Band hören, Selbstgespräche fürs Auswendiglernen und absolute Ruhe beim Lernen – diese Strategien kommen diesem Lerntyp am ehesten entgegen. Demnach lernt der auditive Lerntyp gut im Dialog und durch die Begleitung eines Coaches.

Der visuelle Lerntyp

Lesen und Lernen durch Beobachten. Der visuelle Lerntyp hat in punkto Reiten einen Vorteil, wenn das Auge gut geschult ist. Auch aus der Reitliteratur kann er sich viel mitnehmen.

Lernen durch Gespräche

Wie gut, dass Reiter prinzipiell ein geselliges Volk sind. Hier wird gerne diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht, Fragen gestellt und Antworten geliefert. Dieser Lerntyp tut sich im Gespräch leicht. Als Lernender ohne Begleitung durch einen fachkundigen Trainer, kann sich dieser Lerntyp aber auch schwer tun: schließlich kann man sich nur auf die Inhalte aus den Diskussionen verlassen – wenn der Erfahrungsschatz aber selbst noch nicht so groß ist, werden solche Lerntypen möglicherweise gerne zu „Trainerhoppern“.

Lernen durch Bewegung

Learning by doing. Der motorische Lerntyp ist kein Pauschaltourist, sondern ein Entdecker. Bewegung und Lernen durch Beobachtung kommen hier entgegen. Eine „tragende Rolle“ als Lehrmeister nimmt hier natürlich auch das Pferd ein – nicht immer zu seinem Vorteil – vor allem wenn es selbst seine Bewegungskompetenz als Reittier schulen müsste.

Prinzipiell lernen wir mit allen Sinnen. Wenn wir wollen. Wir dürfen eigentlich nie aufhören Lernende zu sein, Reisende zu sein. Wir haben einen Schatz an Büchern, hinterlassen von den Alten Meistern. Wir haben Trainer, die sich komplett auf Bewegungskompetenz von Mensch oder Pferd fokussieren, wir haben die Möglichkeit viele Reiter und Vorbilder zu vergleichen, von ihnen zu lernen. Und wir haben die Möglichkeit uns permanent mit anderen Lernenden auszutauschen.

Die Kehrseite der unendlichen Möglichkeiten: Wie ist es mit dem Erkennen falscher Lehrinhalte? Wann ist ein Ratschlag gut – und wenn er wirklich gut ist, passt er für mich, für mein Pferd?

Wenn es nichts mehr zu entdecken gibt?

Die Summe meiner Erfahrungen und Gefühle machte Musik letztlich lebendig, hauchte ihr eine besondere Note ein. Und die Summe meiner Erfahrungen mit den Pferden prägt auch mein reiterliches Fortkommen. Ein Pferd auszubilden macht noch keinen Experten, schließlich sind Pferde auch nicht gleich.

Wie viele Reiter glauben, sie sind bereits am Ziel? Wenn wir ständig auf unserer Reise bleiben, dann REITEN WIR EINFACH. Und: Ein Leben reicht nicht aus, um Reiten zu lernen. Wir sollten dieses Leben daher unbedingt so gut wie möglich nutzen, dann reiten wir EINFACH.

Ich widme diesen Text meinem lieben Professor Franz Diethard, der mir beigebracht hat, dass Talent zwar möglicherweise für den ersten Schritt reicht, aber Leidenschaft und Begeisterung, die zu Fleiß führen, unser Tun erst melodisch machen.

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