Kann man auch zu positiv/ zu negativ sein? 

Kann man auch zu positiv/ zu negativ sein? 

Irgendwann bin ich auf Facebook über ein Video gestolpert, das mich schwer beeindruckt hat. Da wurde quasi ein Fisch „geklickert“. Der kluge Fisch musste verschiedene Gegenstände bzw, Symbole wieder erkennen. Die Art und Weise, wie das Tier die Herausforderung gemeistert hat, hat mich sehr schwer beeindruckt.

Die Reise in die Vergangenheit

Ich hatte großes Glück Tür an Tür quasi neben einem Trakehnergestüt aufzuwachsen. Die Pferde waren von klein  auf an Menschen gewöhnt, sehr zugänglich, freundlich und neugierig. Keines der Tiere hatte negative Erfahrungen gemacht, sie waren sehr easy zu handeln. Im Teenageralter durften meine Freundin Kati und ich dann auch die jungen Pferde reiten. Gleicht das erste Aufsteigen auf ein Jungtier heute scheinbar einem Staatsakt, war die Sache damals so unspektakulär, dass wir uns auch überhaupt nicht groß Gedanken darüber machten, was es denn eigentlich heißt innerhalb kürzester Zeit mit einem so lieben und gutmütigen Pferd Schritt, Trab und etwas Galopp – freilich auf noch nicht vollendet rund gebogener Linie – zu reiten.

Wir hatten unseren Spaß, Leckerli gab es damals als exotische Besonderheit zu Weihnachten, vielleicht manchmal ein Stück Karotte. So viel zum Thema Lob, wobei ich hier die emotionale Komponente nicht unerwähnt lassen möchte.Selbstverständlich wurde nämlich vieles positiv bestätigt. Waren die Pferde brav, dann wurden sie ausgiebig gekrault, gestreichelt und mit sanften Worten in ihrem Verhalten bestärkt. Irgendwie war alles ganz locker und ich habe in dieser Zeit den Pferden auch irrsinnig viel zu sagen gehabt.

Später als ich diesen – für mich schon sehr behüteten und geschützten Rahmen – verlassen habe, hatten die Pferde auch viele Botschaften für mich. Allerdings habe ich diese nicht mehr so wahrgenommen. Mein Gehör war verstopft von Ambitionen, von Konzentration und Nebengeräuschen, wie einem Studium, Freundschaften, erste berufliche Erfahrungen.

Positiv und negativ – lässt sich das alles in einen Topf werfen?

Ich habe lange gebraucht, um mit Pferden wieder das für mich bekannte Gefühl aus der Kindheit zu entwickeln. Kaum hatte ich meine geschützte Blase verlassen, war in eine andere Stadt gezogen, verstärkte sich bei mir das Gefühl in einer gänzlich anderen Welt der Pferde zu sein. Ich las viel, ich besuchte diverse Veranstaltungen und wunderte mich über Methoden, die man plötzlich benötigte, um Pferde zu erziehen. Ich möchte nichts aus diesen Jahren als gut oder schlecht bewerten – es war mir nur einfach sehr fremd und ich konnte auch irgendwie nicht damit warm werden. Mir fehlte meine Mitte.

Ich lernte zwei so unterschiedliche Seiten kennen. Auf der einen Seite hörte ich: „Endlich haben wir das Pferd geknackt“; man hatte oft den Eindruck, Pferde würden nur 23 Stunden darauf warten, ihrem Menschen eine Stunde lang am Tag das Leben zur Hölle zu machen. Jegliches Nicht-Funktionieren hätte eine klare Absicht. Auf der anderen Seite lernte ich später einen überdeutlich positiven Zugang zum Pferd. Alles, was vom Pferd kommt ist zu loben. Und stehen 500 Kilo auf meinem Fuß, dann war es meine Schuld.

Das ist jetzt eine deutliche Abkürzung meiner Eindrücke, mir geht es auch nicht um eine Bewertung. Ich beobachte aber, dass wir uns selbst in unserer eigenen Mitte so schlecht finden.

Die Mitte finden?

Erinnern wir uns an meine Geschichte aus meiner Kindheit und Jugendzeit. Wo wir an manchen Tagen den Pferden beim Heufressen stundenlang zuhören konnten. Wo stundenlanges Schmusen mit den Fohlen an der Tagesordnung stand. Ja und es war eine Zeit ohne Social Media, es gab in meiner Kindheit auch noch keine Mobiltelefone. Wenn ich mir ansehe, wie mein junger Lipizzaner auf der Alm nahe Piber aufwachsen durfte, so natürlich, so geerdet, so frei, dann bin ich auch froh, dass ich selbst ähnliche Erfahrungen machen konnte. Vom Barfusslaufen durch den Wald, Schwarzbeeren sammeln im Sommer und dem ewigen Konzert der Grillen bei uns draußen. Vielleicht ist es genau diese Erdung, die heute so fehlt, wenn alles in Extreme abdriftet.

Ich habe Menschen erlebt, die die Beschwichtigungssignale ihrer Pferde nicht deuten konnten und deswegen weiter Druck gemacht haben. Ich habe aber auch Menschen erlebt, die trotz durchaus positiver Haltung und ohne Hintergedanken gar nicht gemerkt haben, dass zu viel Futterlob ihre Pferde ebenso unter Druck oder Zugzwang gebracht hat. Ich bin mit Menschen groß geworden, die niemals etwas über Beschwichtigungssignale erzählten, oder auch nicht mit Futter gelobt haben. Weil sie beides nicht mussten. Weil sie einfach mit dem Pferd waren.

Nochmal: Wer hier ein Plädoyer gegen Horsemanship oder positive Verstärkung herauslesen möchte, liegt falsch.

Wenn ich jedoch zunehmend feststelle, dass uns die Signalerkennung in punkto Kommunikation fehlt, dass wir nicht im Hier und Jetzt sein können, dann lautet die Frage nicht, wovon gibt es Zuviel, sondern wovon haben wir Zuwenig.

Zuviel und Zuwenig?

Ich denke, dass wir in unserer schnelllebigen Zeit auch viel zu viel auf uns einprasseln lassen. Wir hören nicht mehr genau hin. Unser Bauch würde uns nämlich schon verraten, was Zuviel und was Zuwenig ist. Wir würden uns auch wieder trauen mit unserem Körper zu sprechen. Ein Grund, warum ich so gerne auch auf Schauspielübungen für Reiter zurückgreife, weil diese uns auch ein wenig mehr in unseren Körper bringen, Bewusstsein schaffen und Achtsamkeit fördern.

Wir müssten dann auch nicht so stark und vehement über die vielen Pros und Contras streiten, die uns in der Reiterwelt scheinbar trennen. Finden wir unsere Mitte, dann sind wir vermutlich auch für die Pferde erträglicher – und das in vielerlei Hinsicht.

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Mehr zu den Schauspielübungen für Reiter gibt es im nächsten Blog….seid gespannt!

 

Und? Bist Du schon perfekt?

Und? Bist Du schon perfekt?

Bist du schon perfekt? 

„Ich möchte den Stall wechseln“, teilt mir eine Schülerin mit. Ich frage interessiert nach dem Warum. Für die Pferde scheint es dort ja zu passen. Aber nicht für die Menschen, so meine Schülerin. Denn der lernende Reiter ist ständig den kritischen Blicken ausgesetzt. Im Internet werden ebenso tagtäglich Bilder von Reitern zerrissen – und auch im täglichen Leben fühlt sich der eine oder andere dem Druck der Perfektion ausgesetzt.

Wann ist man fertig?

Vor ungefähr einem Jahr hatte ich ein Gespräch mit Bent Branderup über die Ausbildung von schwierigen Pferden im Rahmen eines Interview für das Bookazin „Feine Hilfen“. Im Laufe dieses Gesprächs erzählte mir Bent von einem Pferd, das er für eine Kundin ausgebildet hatte. Das Pferd beherrschte einige Dinge schon sehr schön, daher war er natürlich neugierig, als er die Kundin zehn Jahre später erneut traf. Er fragte nach der Entwicklung und wurde jedoch überrascht. Die Reiterin hatte dem Pferd nichts weiter Neues mehr beigebracht. In seinen „Wort zum Sonntag“ zum Abschluss seiner Seminare ermuntert uns Bent auch immer zu einer philosophischen Reise zur Reitkunst – ganz nach dem Motto:

Der Weg ist das Ziel. Wir Reiter sollen doch auch Freude am Weg finden – wenn wir morgen schon da sind, was bleibt uns schließlich bei unserer persönlichen Entwicklung über?

Perfektion und Vorbildwirkung

Die Sache mit der Perfektion. Die Sache mit dem ganz persönlichen Druck.
Immer, wenn bei uns ein Kurs ins Haus steht, dann freuen sich natürlich alle aktiven Reiter vom Wissen meiner Kollegen zu profitieren. Auf der anderen Seite werden Hausübungen überprüft, schließlich haben wir ja auch oft gut ein Jahr an den Vorgaben vom letzten Kurs gefeilt und getüftelt. Somit steigt auch die Aufregung, wir möchten es ja schließlich „gut“ machen. Und im Publikum sitzen dann auch noch Leute, die ja auch schon viel Fachwissen mitbringen und damit durchaus kritisch hinsehen.

Immer wieder stelle ich dann fest, dass die Vorfreude auf den Kurs auch dem Druck der Perfektion  zum Opfer fällt. Dieses Phänomen kenne ich selbst auch. Vielleicht bin ich früher auch oft unbefangener geritten, als ich noch nicht selbst Trainer war. Ich weiß, ich stehe jetzt noch viel stärker „im Fokus“ der Beobachtung, schließlich bin ich diejenige, die den Kurs organisiert, schließlich reiten auch meine Schüler bei dem Kurs mit und sind somit auch „meine Visitenkarten“. Je weiter man in dieser Hinsicht denkt, umso stärker schließt sich die Perfektions-Schlinge und nimmt die Luft zum atmen.

Man kann sein Leben damit verbringen, die perfekte Rosenblüte zu suchen. Und obwohl man sie nicht finden wird, wäre es ein gutes Leben. Japanisches Sprichwort.

In solch einem Momenten rufe ich mir wieder in Erinnerung, warum ich mich für ein Leben mit Pferden und ein Leben als Trainer entschlossen habe. Ich hatte selbst genug von Sackgassen, von Unterricht, der weder auf die psychischen noch physischen Voraussetzungen meines Pferdes und mir Rücksicht genommen hat. Ich möchte verstehen und Verständnis weiter geben. Ich möchte sehen lehren und nicht zu verurteilen. Ich möchte vor allem eines: Wertschätzung für Mensch und Pferd weitergeben und dadurch dem Pferd eine Aufgabe geben, die es verstehen und mit großer Freude (über sich selbst und seine Fähigkeiten) ausüben möchte. Kurz und kitschig, aber unendlich gut: Ich möchte, dass Mensch und Pferd Flügel wachsen. Einfach. Reiten. 

Wenn ich meine Pferde so betrachte, dann wäre es im Sinne der „Lektionenreiterei“ ein Leichtes mit meiner Stute Pina perfekt zu tanzen. Und doch habe ich mich für heuer anders entschieden. Pina hat so viel Spaß daran, meinem Vater zu zeigen, wie korrekter Rückenschwung zu gemeinsamen Wohlbefinden führt – und ich kann mich nun ganz auf meine Fuchsstute „Tabby“ konzentrieren.

Was das mit dem Thema „Vorbildwirkung“ zu tun hat? Nun, mir war es persönlich weniger wichtig, mit Pina nun weiter an Lektionen zu basteln, die wir irgendwo im Rahmen einer öffentlichen Arbeit oder eines Kurses zeigen können – mir war es wichtiger, dass Pina eine gute Zeit hat. Und wer weiß, was noch kommt. Aber wir haben es wahrlich nicht eilig.
Ich möchte also immer im Sinne des Pferdes Entscheidungen treffen – und niemals meinen persönlichen Ehrgeiz vor das Wohlbefinden meiner Pferde zu stellen.

Perfektion und der rote Drache

2009 verliebte ich mich neu. In meine rote Trakehnerstute Tabby, die mich so unendlich an die Pferde erinnert, auf denen ich als Kind reiten lernte. Tabbys breitbeiniges Marschieren, die schwankende Hüfte und die wackelnden Knie- Sprung- und Fesselgelenke negierte ich, schließlich ist Liebe immer stärker als Vernunft. Und schließlich arbeiten wir ja „akademisch“ – da kriegen wir das schon hin.

Als ich Tabby kennen lernte war ich also zutiefst optimistisch. Wir schafften nach drei Jahren gemeinsamer Arbeit den Squire Test und Tabby zeigte mir, wie man eine auch schwierige Hinterhand zur Geschmeidigkeit ausbilden kann. Dabei zeigt(e) sie auch deutlich wann etwas zu viel für sie ist.

Je mehr ich über die Ausbildung von Pferden verstehe, umso öfter ertappe ich mich dabei, überkritisch mit Tabby zu sein. Die Hankenbeugung könnte noch besser sein, die Geschmeidigkeit, die Balance, die Durchlässigkeit. Ich werde manchmal vielleicht sogar ungerecht, übersehe, wenn sich Tabby sehr bemüht, aber halt einfach nicht mehr kann. Und weil Tabby einfach für verschiedene Dinge mehr Zeit braucht, ich aber manchmal das Damoklesschwert der Perfektion über mir spüre, werde ich frustriert. Ich scheitere an der Erwartungshaltung, die ich mir von außen auferlegt habe. 

Ich bespreche die Probleme in Tabbys Ausbildung mit Kollegen, dabei vergesse ich eins bei meiner Schilderung zu erwähnen:

Niemand ist so zuverlässig wie Tabby. Was mein kluger Fuchs einmal weiß, das sitzt. Trakehner halt.

Wenn es drauf ankommt, dann ist Tabby für mich da. Das zeigt sie auch beim Kurs mit Bent Branderup im letzten Juni, wo mein „heißer Ofen“ auswärts sogar für ein anderes Pferd zur Beruhigung in der Halle bleibt.

Tabby passt auf ihre Herde auf, sie ist auch hier sehr zuverlässig.

Perfektion liegt im Auge des Betrachters

Vor zwei Wochen dann der Kurs mit Hanna Engström. Wieder zähle ich Hanna unsere Baustellen auf.  Ich war bereits mehrmals bei Hanna zu Besuch auf Gotland und bin dort ihre Pferde geritten. Jetzt bin ich gespannt, was sie für Tabby und mich bereit hält. Und der erste Satz: Wir kümmern uns nicht um die breitbeinigen Hinterbeine. Interessiert uns nicht. Hanna geht nicht auf die Schwächen meiner Stute ein, wir basteln – natürlich und so habe ich es mir gewünscht an meinem Sitz. Mein Sitz, der Tabby mittlerweile sehr eindeutig sagen kann, wo ich gerne ihre Hinterbeine hätte. Und was passiert, wenn sich der Betrachter ändert, der Fokus ändert und ich mir schlichtweg denke: Sei es drum, wir probieren mal? Das Bewegungskonzept von Tabby ließ sich wunderbar ändern, obwohl wir nicht ständig an den Hinterbeinen meiner Stute „kritisiert“ haben, ließen sich diese zu mehr Stabilität anleiten und dies führte eindeutig zu mehr mentaler Losgelassenheit. Tabby wurde streichelweich und sehr zufrieden.

Die andere Seite von Perfektion

Seit einem Jahr habe ich Conversano Aquileja – oder halt einfacher gesagt – den „Konrad“ in meinem Team. Konrad ist mein Zauberpony. In erster Linie weil er einfach unheimlich lieb ist. Er hat einen ganz zauberhaften Charakter, möchte mir immer gefallen und ist einfach irrsinnig gerne mit seinem Menschen zusammen. Ein „Muss“ hat er noch nie erfahren. Und deswegen geht alles einfach – Spielerisch leicht. Wenn wir mit Energie spielen, dann probiert er sich aus, eine Idee von Levade hier, eine Idee von Schulhalt da, alles überhaupt kein Problem. Ich nehme, was er anbietet und teile seine Freude an der Bewegung. Daher ist Konrad natürlich auch immer motiviert. Und da er sich sonst auch sehr gut benimmt und gut zuhören kann, kennt er nur Lob und keine Kritik.

Seine Einstellung hat mir sehr die Augen geöffnet. Wie reagiert meine Tabby auf mich und wie reagiert Konrad? So ist Konrad in Wahrheit mein bester Lehrmeister, der mich zu einem besseren Pädagogen für Tabby werden lässt. Und umgekehrt könnte ich Konrad niemals die Geschichte mit der Akademischen Reitkunst erzählen, wenn Tabby mir nicht jedes einzelne Wort über die Reitkunst ganz genau erklärt hätte.

Wie man mit sich selbst umgeht

Perfektionismus abzulegen und einfach zu sein. Das ist nicht einfach. Irgendwann spüren wir alle mal etwas Druck „von oben“ oder „von der Seite“. Ich selbst habe mich beim Schreiben dieser Zeilen gefragt: „Kann ich das wirklich schreiben? Das ureigene Thema mit sich selbst so ins Internet packen? Die Tatsache, dass mir mein eigener Perfektionismus auch öfter mal Kummerfalten beschert?“

Ja, ich kann. Und dazu noch ein weiser Rat des Stoikers Epiktet:

„Gott legte dieses Gesetz fest, das besagt: Wenn du etwas Gutes haben möchtest, dann hole es aus dir heraus“.

In diesem Sinne ist dies die beste Zutat wenn wir eines wollen: Einfach. Reiten. 

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Was ihr wollt..

Was ihr wollt..

Die Pferdezucht im Wandel, wie oft habe ich diese Diskussion im Internet verfolgt. Erst kürzlich habe ich ein Gespräch rund um die Lipizzaner verfolgt. Ist die Zucht im Wandel oder sind es die Pferdefreunde, die der Zucht unter Diktat stellen? Ein paar kritische Gedanken dazu heute in meinem Blog.

Die Züchter züchten für den Sport?

Wie viele Reiter sind heute Freizeitreiter und möchten lediglich eine gute Zeit mit ihrem Pferd verbringen. Zeit, die auch sinnvoll verbracht werden soll; Zeit, in der wir gemeinsam Etwas lernen wollen. In der Statistik finden wir tatsächlich weit mehr Freizeitreiter, als Reiter, bei denen der sportliche Erfolg an erster Stelle steht. Ist es also tatsächlich der Sport, der hier den Ton angibt, oder warum sind die zahlreichen Freizeitreiter für die Zucht so „unscheinbar“ oder überhörbar?

Der Lipizzaner hat keinen Gang?

Erst kürzlich habe ich folgendes Statement in einer Diskussion auf Facebook gelesen. Ja wer gibt denn vor, was ein „Gang“ ist und was nicht? Als ich meinen Conversano Aquileja in Piber das erste Mal gesehen habe, wurde ich gleich darauf hingewiesen, dass dieses Pferd nur sehr wenig Schubkraft habe. „Ja, wunderbar“, war mein Gedanke, schließlich war ich ja gerade auf der Suche nach einem Pferd, das über mehr Tragkraft verfügte. Wenn ich die Bewegungen meines Lipizzaners mit den Bewegungen meiner Trakehnerstute vergleiche, dann lassen sich Bewertungen aus zwei verschiedenen Blickwinkeln feststellen. Nach dem Motto; Jedem das, was ihm gefällt. In meiner Brust schlagen zwei Herzen; Ich bin mit Trakehnern aufgewachsen, ihre Bewegungen, ihre Ausstrahlung – das alles fasziniert mich heute noch, da von Klein an liebgewonnen. Und ich habe auch die Entwicklung verfolgt, dass die Gänge der Pferde immer spektakulärer und eindrucksvoller wurden. Mit der Trakehner Brille könnte ich die Bewegungen meines Lipizzaners vielleicht sogar als „nicht spektakulär“ bezeichnen. Dies vielleicht auf den ersten Blick. Seine Bewegungen sind jedoch ruhig und korrekt. Braucht es immer strampelnde Vorderbeine in der Luft, um uns den Atem zu rauben? Mitnichten. Heute würde ich sagen, dass mich mein Lipizzaner in der Bewegung durch seine simple Korrektheit, durch die Einfachheit und das enorme Taktgefühl verzaubert. Es ist so einfach und ehrlich, ohne Tohuwabohu. Die Frage stellt sich also vielleicht nicht, ob diese oder jene Pferderasse „keinen Gang“ hätte, sondern aus welcher Perspektive und zu welchem Zweck heraus das jeweilige Pferd bewertet wird.

Zurück zum Ursprung

Genetische Untersuchungen bei Spanischen Pferden haben gezeigt: Da sind plötzlich auch Spuren sehr bekannter Warmblüter  Deckhengste versteckt im spanischen Blut. Ich habe auch schon gehört, dass für den Gang Traber in die Zucht mit einbezogen wurden. Wieso, frage ich mich, können wir nicht eine wunderbare Rasse mit all ihren positiven Eigenschaften so belassen, wie sie ist? Warum müssen wir überall etwas nach dem Motto „More of the same“ in Punkto Warmblut hinzufügen? Warum müssen wir uns in der Zucht ständig einem sportlichen Ideal annähern? Das gilt freilich nicht nur für das spanische Pferd, diese Frage lässt sich mittlerweile leider über sehr viele Rassen stülpen.

Zweckentfremdet

Erst vor kurzem wurde ich in einem Gespräch stutzig. Gesucht wurde nach einem Dressurpferd, gerne im iberischen Typ, aber bitte wenn möglich nicht mit diesen iberischen Gängen. Also im Grunde ein Warmblüter in spanischer Lackierung. Ich kann diese Entwicklung wirklich nicht nachvollziehen, ich finde es sehr bedauerlich, wenn Pferde „umlackiert“ werden, vielleicht eine ganze Rasse in ihrem ursprünglichen Ideal eines Tages nicht mehr existiert, nur weil eine Barockpferderasse in sportlicher Verkleidung gewünscht war.

Ich freue mich, dass sich so viele Menschen ein Pferd leisten können, ich spüre aber (auch ganz unabhängig vom Pferdesport) eine große Entwicklung in eine Richtung, die Bent Branderup in seinen Theorievorträgen ganz gut beschreibt:

Viele Reiter wissen nicht, was sie wollen, aber sie wollen es jetzt

Das oben genannte Zitat bezog sich in erster Linie nicht auf die Zucht, lässt sich aber auch hier sehr gut verwenden.

Was sind denn die Vorzüge einer bestimmten Pferderasse überhaupt? Jedes Pferd, jede Rasse hat ihre Vorzüge und Besonderheiten. Warum also einen exotischen Cocktail mischen, der eine vergleichsweise kurze Saison „in“ ist, gleichzeitig verbrauchen und vermischen wir aber die Zutaten?

Ich wünsche mir, dass sich nicht sämtliche Pferderassen dem sportlichen Ideal annähern. Ich wünsche mir, dass ursprüngliche Pferderassen erhalten bleiben. Ich wünsche mir, dass sich Reiter, die drauf und dran sind ein Pferd zu kaufen ihre eigenen Wünsche und Ziele genau analysieren und somit vielleicht sogar überrascht sind, dass ihre Wünsche und Ziele nicht deckungsgleich sind, mit der begehrten Pferderasse. Ich wünsche mir, dass sich Reiter bereits beim Pferdekauf mit der Frage beschäftigen: Was will ich?

Einige Rassen sind vielleicht auch nicht so populär und vielleicht wird es sie auch nicht mehr lange geben. Wenn mich meine Stute Pina mit ihrer Intelligenz, ihrer Feinheit und ihrem feinen Wesen beeindruckt, dann stimmt es mich traurig, denn ihre Rasse – das Przedswit ist beinahe schon in Vergessenheit geraten, ja die Rasse gehört sogar zu den „als gefährdete Rasse“ geförderten Tiere in Österreich. Ist diese Entwicklung jedoch die Zukunft für weitere Pferderassen? Ich fürchte es, wenn wir weiterhin „more of the same“ wollen und von der Zucht fordern.

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Hauptsache: Reiten

Hauptsache: Reiten

Worum geht es beim Reiten? Um Zeit schön zu verbringen. Dies sollte aber sowohl für den Reiter, als auch für das Pferd gelten! Und zwar ohne Kompromisse!

Der Mensch, der auszog um Reiter zu werden

1986 ist es wohl passiert. Damals wurde ich von einem heftigen Virus befallen. Die Diagnose: Pferd. Ich träumte von Pferden, von sanften Fellnasen, vom Gefühl einem Pferd die Mähne zu kraulen. Kinder-Mädchen-Kitsch würde man heute sagen. Vielleicht brauchen wir aber alle noch ein bisschen von diesem „Glitzer“ wenn es um das Zusammensein mit dem Pferd geht.

Auf seinen Seminaren erinnert uns Bent Branderup immer wieder daran, dass es nur um eines geht – um Zeit schön mit seinem Pferd zu verbringen. Zeit kann aber nicht einfach irgendwie verbracht werden. Da gibt es doch immer was zu tun und schließlich hat man das Pferd ja für die Ausübung seines Hobbys gekauft, oder nicht?

Anfang Mai war ich beim Pfernetzt Event in Fulda. Ein toller Event, daran denke ich immer wieder gerne zurück. Während ich in Deutschland genetzwerkt habe, hat sich meine Stute Pina auf der Koppel so richtig ausgetobt. Die Weiden wurden abends geöffnet und es ging so richtig rund.

Freunde aus dem Stall haben Pina beim Galoppieren und Buckeln gefilmt. Ich habe mich bei diesem Anblick riesig über die gewonnene Bewegungskompetenz und vor allem Freude von Pina gefreut. Pina hat einen Beckenschiefstand, einige Wirbel am Schweif sind schief zusammengewachsen. Ursache dafür ist wohl ein Unfall, den sich Pina in jungen Pferdejahren zugezogen hat. Ihr Handicap bedeutet eine besonnene und wohl überlegte Herangehensweise in der Ausbildung.

Hummeln sollten rein physikalisch nicht fliegen können. Und Pina laut Tierarzt eigentlich nicht versammeln. Doch sie kann. Und wie.

Zurück zu jenem Wochenende Anfang Mai. Pina tobend mit ihren besten Freundinnen Tabby und Beti. Irgendwann im wilden Bockspringen ist es wohl passiert und Pina ist auf der Koppel ausgerutscht. Für viele Pferde kein Problem, für Pina, die sehr flexibel und überbeweglich in der Wirbelsäule ist war es dann doch eine große Sache. Nach zwei Wochen und mehreren Diagnosen, wobei Pina auf beiden Hinterbeinen stark lahmte, stand dann fest: Ischias eingeklemmt, Nerv beleidigt. Schmerzmittel, Ruhe und schonender Wiederaufbau, der Pina mental viel zu langsam ging.

Hat es mich in der Zeit gestört, nicht zu reiten? Ja klar, ich bin so gerne mit Pina zusammen und ich fühle so gerne ihre Bewegungen unter mir. Natürlich habe ich sie vermisst, aber es geht nicht immer ums Reiten.

Anfang August haben wir wieder ein wenig Arbeit in den Sattel mitgenommen. Pina schien motiviert, Pausen quittiert sie mit depressiven Verstimmungen. Aber es wäre auch nicht typisch Pina, wenn sie nicht wieder ein wenig über ihre Grenze ginge. Die Folge war sofort spürbar. Der Rücken war empfindlich. Lahm war Pina hier zwar nicht, aber es war mir erneut eine Lehre nicht ganz auf Pinas „Tatendrang“ zu hören und einen Weg zu finden, der Pina ausreichend schonte, gleichzeitig aber mental für die notwendige Zufriedenheit sorgen konnte.

Was für ein Glück, dass es in der Akademischen Reitkunst eine solche Bandbreite an Möglichkeiten gibt, mit dem Pferd vom Boden aus zu arbeiten.

Abgesehen von einer schonenden Gymnastizierung ist es für mich aktuell eine Herausforderung, Pina nicht zu langweilen. Im Gegenteil: Auf unserem Stundenplan steht Begeisterung!

Warum man sich als Mensch nur auf dem Pferd begeistern kann, kann ich nur sehr schwer nachvollziehen.

Muss es denn immer Reiten sein?

In der Ausbildung meiner Pferde gab es immer wieder Phasen, die uns aus mentalen oder physischen Tatsachen aufn den Boden der Tatsachen geholt haben.

Heute passiert es mir, dass ich mich manchmal mit diesem Boden der Tatsachen unbeliebt mache. Dann, wenn ich den Finger in die Wunde lege und nachfrage, warum denn ein Pferd ausschließlich vom Sattel „wieder aufgebaut“ werden müsse.

Immer wieder lerne ich in meiner täglichen Arbeit Pferde kennen, die sichtlich Mühe haben korrekt eine Kreislinie zu laufen, oder sich generell korrekt zu bewegen.

Trageerschöpfung ist nicht in aller Munde, sie ist auf vielen Rücken. Und hat längst nicht nur mit dem Rücken zu tun oder wirkt sich nicht nur auf den Pferderücken aus.

Ja, manchmal mache ich mich unbeliebt. Ja, ich bin sehr gerne für meine Schüler da und versuche auch manchmal Herzenswünsche zu erfüllen. Aber meine Verpflichtung bezieht sich doch nicht nur auf den zweibeinigen Schüler.

Auf der anderen Seite beobachte ich auch viele Menschen, die vielleicht zu wenig reiten – oder anders gesagt – das Pferd zu wenig bewegen. Das ist auch ein wahrnehmbares Phänomen, dem dieser Beitrag allerdings nicht gewidmet ist. Da im Internet aber gerne verschiedene Sichtweisen diskutiert werden, wollte ich diesen Aspekt nicht unberücksichtigt lassen.

Natürlich reite ich meine Pferde gerne. Natürlich verbringe ich wahnsinnig gerne Zeit im Sattel. Natürlich war das auch einer der Gründe, warum mich wohl das Pferdevirus gepackt hat. Aber sicherlich nicht der einzige.

Reiter und Spaziergänger

Dass man das Pferd reiten kann ist aber oft das wichtigste Prinzip in der Pferdebehandlung. Ich hatte mal eine Diskussion mit meinem Tierarzt bezüglich meiner Fuchsstute Tabby. Sie war „fühlig“ und daher nicht ganz taktklar. „Da müssen Eisen rauf“ meinte der Tierarzt. Ich protestierte und wir diskutierten sämtliche Pro und Contras. Mein Tierarzt war völlig überrascht zu hören, dass es mir in diesem Augenblick ja nicht wichtig war, sofort und morgen wieder in den Sattel zu steigen.

Letztlich haben wir damals die Hufbearbeitung optimiert. Tabby war seitdem keinen Tag mehr lahm und hat auch nie wieder Probleme in Punkto „Fühligkeit“ gehabt. Unser Paddock Trail ist quasi wirklich der „Härtetest“ für Pferdehufe, da es auch ein paar steinige Stellen gibt. Tabby hatte damit niemals ein Problem. Und die vier Wochen, die ich damals nicht im Sattel verbracht hatte, die rufe ich mir heute immer wieder mal gerne in Erinnerung, denn die hatten wir schön gestaltet.

Es geht also nicht immer ums Reiten. Manchmal muss man für eine gewisse Zeit absteigen. Wir wollen ja auch möglichst lange eine gute Zeit mit unserem Pferd verbringen. Und dafür lohnt es sich, manchmal auch zum „Spaziergänger“ zu werden.

Tu Gutes und sprich darüber..

Tu Gutes und sprich darüber..

Wie war das nochmal? Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten? Muss das so sein? Und haben wir die Nachrichten nicht auch selbst ein bisschen in der Hand?

Es war 1999, als ich zu Beginn meines Studiums der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften folgendes Erfolgskonzept der größten österreichischen Tageszeitung im Fach „Mediengeschichte“ serviert bekam. „Blut-Busen-Babys“. Ein Mix dieser drei Komponenten macht also ein Printmedium zur Nummer eins. Bad news are good news – diese Philosophie kannte aber bereits der Stammtischphilosoph. Das war also nichts Neues.

Immer negative Schlagzeilen

Natürlich nutze ich soziale Medien. Ich veröffentliche seit mehr als drei Jahren jeden Mittwoch einen Beitrag auf dieser Seite. Natürlich habe ich auch einige Meinungsbeiträge geschrieben, natürlich gab es darin auch mal Kritik. Und natürlich habe ich auch nichts gegen Kritik per se.

In letzter Zeit wird mir Kritik aber zu laut, zu aggressiv, zu viel. Es gibt da Events im Pferdebereich, die scheinbar einem Match unter Ausbildern gleichen. Es gibt unterschiedliche Zugänge zu Reitweisen und unterschiedliche Auffassungen. Es gibt Ritte, die das Urteilsvermögen von Richtern und Reitern in Frage stellen. Die Kritik dazu ist aber nicht neu.

Eigentlich gab und gibt es rund ums Pferd immer viel zu kritisieren. Hat das was geändert? Vielleicht in der Schweiz, siehe Schlaufzügelverbot.

Ich denke immer häufiger über die Frage nach, ob das „Finger in die Wunde“ legen tatsächlich nutzt oder mehr Schaden anrichtet. Meine kurze Conclusio: So lange sich ein zahlender Kunde findet, gibt es auch für etwas einen Markt. Und so lange wird es auch Dinge geben, die nicht unbedingt Pro Pferd sind. Ich heiße das natürlich keinesfalls gut!

Bringt es etwas, unter dem Codewort „Blickschulung“ ständig seinen Blick für das Negative zu schulen?
Wie heißt es doch so Schön im „Kleinen Prinzen“?

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Antoine de Saint-Exupéry

Ja sicherlich, vermutlich werden unsere Augen geschult. Aber irgendwie scrolle ich mich immer wieder durch Beiträge und Argumentationen, die im Herzen weh tun. Ganz abseits nämlich, ob eine Kritik fachlich berechtigt ist oder nicht – ich frage mich, ob wir mit dieser Vehemenz, mit dieser Aggression auch tatsächlich „Face to Face“ kommunizieren würden. Bringen wir in dieser Qualität Botschaften tatsächlich rüber? Wollen wir überhaupt verstanden werden?

In meinem Studium habe ich mich letztlich auf Journalismus und PR spezialisiert.

Und in so ziemlich jedem PR Buch wird mal über den Satz philosophiert:

Tu gutes und sprich darüber

Ja, warum gilt denn das in der Pferdewelt nicht?

Ich habe in letzter Zeit so viel Kritik gelesen – vieles davon sicherlich berechtigt.

  • Ich bin mir nur aus Sicht der Kommunikationswissenschaft nicht so sicher, ob dergestalt dargebrachte Kritik tatsächlich a la longue etwas zu ändern vermag.
  • Ich komme nicht umhin, mir daher auch vermehrt Gedanken zu machen über die Dinge, die positiv verlaufen. Denn läuft es tatsächlich so schlecht?
  • Man stelle sich vor, Menschen, die sich für Pferde und für das Reiten interessieren, bekommen ständig nur Bilder präsentiert, die wiederum die „Pferde Community“ verurteilt und nicht sonderlich goutiert. Wie soll man sich denn da zurecht finden, wenn negative Beispiele überwiegen? Dann weiß man lediglich, was man nicht lernen will – aber wo findet man das Gute?
  • Ich habe daher für mich beschlossen keine „Shitstorms“ zu kommentieren.
  • Ich möchte mich auch an keinen Blickschulungen im Internet beteiligen.
  • Ich möchte offen sein und bleiben!
  • Ich möchte mich auch in der Reiterwelt an keiner „Hast du die/das/den gesehen Diskussionen beteiligen“.
  • Ich möchte gutes tun und darüber sprechen.

Und hier kommt es….

Im heurigen Jahr gab es nämlich nicht nur Schlechtes:

Jänner 2017

Meine Stute Pina zaubert einer sehr lieben Schülerin von mir Tränen der Freude ins Gesicht, als ich sie in der Handarbeit einmal eine Piaffe spüren lasse. Für mich gibt es in Punkto Hankenbiegung noch viel zu tun, ich kann halt auch nicht aus meiner Haut. Was ich durch die Freude meiner Schülerin aber auch für mich mitnehme: Pina ist ja nicht selbstverständlich. Manchmal verliert man den Blick dafür. Ich freue mich riesig dafür, dass Pina nicht nur mir so viel Freude bereitet. Gänsehaut.

Februar 2017

Stichwort Gänsehaut: Es ist eiskalt in ganz Europa. Nicht nur ich sehne den Frühling herbei. Kein einziger meiner Schüler sagt einen Termin wegen der Kälte ab. „Ich bin ja nur eine halbe Stunde draußen, das schaffen wir schon“, höre ich oft in diesen Tagen. Ich freue mich riesig über so viel Engagement – gleichzeitig bin ich meinen beheizbaren Fußsohlen riesig dankbar. Schließlich beginnen meine Tage meist um 8 Uhr morgens mit der ersten Stunde und enden erst um 20:00 Uhr.

März 2017

Beim Christofer Dahlgren Kurs geht es darum, das Pferd im Training „happy“ zu machen. Ich bekomme nach dem Kurs zahlreiche schöne Feedbacks und Anfragen beim nächsten Mal als Teilnehmer dabei sein zu können. Und irgendwie kommen kaum „Lektionen-Fragen“ aus dem Publikum. Wir alle wollen motivierte Pferde 🙂

April 2017

Ich bin als Referent beim „Ponymaster“ von Martin und Uschi Haller dabei. Eine Ausbildung für angehende Reitlehrer, die besonders Kindern einen pferdegerechten und bewussten Umgang mit Ponys und Pferden vermitteln soll. Aber es gibt noch weitere, tolle Sachen in Punkto Nachwuchs: eine Schülerin von mir bietet klasse Lerntrainings mit Pferden für Kinder und Jugendliche, in Deutschland wäre ich gerne noch mal „klein“ bei Yvonne Heynckes`Ponyhof.

Mai 2017

„Pfernetzt“ läuft zum ersten Mal in Fulda und ist ein klasse Event. Genau SO stelle ich mir den Austausch unter Pferdeleuten vor. Aus dem Publikum spürt man – egal welchen Vortrag man besucht Interesse, Offenheit, Freude am Austausch – und unter uns Referenten und Speakern sieht die Sache genauso aus! Ich verstehe diese riesige Differenz zwischen Netz und Realität nicht. In der Realität sprechen wir also noch anders miteinander! Gut so. Und gemeinsam mit Bent Branderup zeigen sich auch die Meister der Akademischen Reitkunst, sowie die Hofreitschule Bückeburg bei „Fair zum Pferd“ – einem ganz tollen Event, organisiert vom Team Moorhof rund um Marius Schneider in Lüdinghausen.

Juni 2017

Ich bin bereits zum zweiten Mal heuer in der Schweiz bei meinen „Graubündner“ Schülern. Und wie immer gibt es Troubles bei der Zugfahrt, dafür aber umso schönere Fortschritte meiner Schüler. Alle fokussiert, alle voll bei der Sache. Besonders freut mich die Geduld, die manche Schüler an den Tag legen, dabei immer das Wohl des Pferdes im Vordergrund.

Worüber ich mich freue…

Es gibt so viele Dinge, die ich hier erzählen kann. Schüler, die wiederum selbst Trainer sind und deren Austausch ich extrem bereichernd finde. Stichwort „Positive Verstärkung“ 😉 Schüler, die nach mehr als 50 Jahren Pferdeerfahrung das Thema Bodenarbeit komplett neu für sich entdecken und keinen Termin verpassen. Ich freue mich über das Jubiläum „Das erste Jahr komplett lahmfrei“, den ersten stressfreien Ausritt, die erste Haltparade an der Longe – so viele schöne Erlebnisse, die ich begleiten darf. Ich freue mich, wenn sich Geduld bezahlt macht und Pferd und Reiter zum Team werden. Es gibt wirklich viel Grund zur Freude in der Pferdewelt.

Vielleicht sollten wir das öfter auch mal teilen 😉

 

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Alles verstanden?

Alles verstanden?

Von der Kunst sich mitzuteilen

Kommunikation ist doch eh so einfach: Es gibt einen Sender und einen Empfänger. Eine Nachricht und eine Reaktion darauf. Eine simple Formel?

Gesagt = verstanden?

Lässt sich Kommunikation auf diese einfache Formel herunter brechen? Nein. Gesagt heißt nicht unbedingt gehört und aufgenommen. Gehört bedeutet nicht ungleich verstanden. Und selbst wenn etwas verstanden wurde, muss das Gegenüber nicht gleich damit einverstanden sein.

Beim Reden kommen die Leute zusammen…

So besagt es ein Österreichisches Sprichwort. Aber ist das auch auf Reiter umzusetzen? Kommunikation lässt sich oftmals mit einem unüberwindbaren Hindernisparcours umschreiben.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Zwei ganz unterschiedliche Reiter diskutieren über das Vorwärts-abwärts. Beide haben ganz unterschiedliche Lehren studiert, orientieren sich an Trainern unterschiedlicher Sparten und haben grundsätzlich unterschiedliche Ziele.

Das erste große Hindernis: gegensätzliche Philosophien prallen aufeinander. Wollen beide überhaupt miteinander reden? Der erste große Graben, den es also zu überwinden gilt. Die Bereitschaft ist vorhanden und weiter geht es zum nächsten Sprung. Der Steilsprung im Kommunikationsparcours wäre die Frage, ob beide Empfänger überhaupt auf Empfang geschaltet sind: Wollen ist die eine Sache, aber ein Empfänger könnte rasch abgelenkt sein oder müde. Oder man schweift im Zuhören mit den Gedanken ab.

Nehmen wir an, beide Reiter sprechen dieselbe Sprache, beide hören akustisch die gleichen Worte. Aber kann Reiter 1 fachlich den Ausführungen von Reiter 2 folgen? Versteht er die gleichen Begriffe und Zusammenhänge?

Zwischen den Zeilen…

..passiert noch viel mehr. Denn wir senden natürlich nicht nur Worte, ein Großteil unserer Kommunikation passiert auf einer anderen Ebene. Wir können zwar verbal unsere Zustimmung kund tun, unsere Körpersprache vermittelt aber klar und deutlich Ablehnung. Neben der Stimmlage kommen eben auch Mimik und Gestik dazu. Wie wird etwas gesagt? Quasselt Reiter 1 unseren Reiter 2 komplett nieder, oder setzt er Akzente und Pausen, damit sein Gegenüber auch wirklich dem gesamten Vortrag folgen kann?

Eine Faustregel besagt: Nur 20 Prozent der Inhalte sind überhaupt verbale Kommunikation. Ganze 80 Prozent an nonverbaler Kommunikation senden wir bewusst oder ganz und gar unbewusst an unser Gegenüber.

Interpretation

Wir senden also eine Botschaft und unser Gesprächspartner wird diese bewerten. Er vergleicht mit bereits vorhandenem Wissen und muss nun abwägen, wie und wo die neue Information eingeordnet werden kann. Eigene Überzeugungen spielen nun auch eine ganz große Rolle. Und einiges an dieser Interpretationsarbeit geschieht ebenso unbewusst – ob wir wollen oder nicht.

Vielleicht entstehen schon beim Zuhören Widerstände und ein Gefühl des Unwohlseins.

Die Sache mit der Stillen Post.

Einige kennen das Spiel von der Stillen Post. Aufgrund von eigener Interpretation, Missverständnissen und Empfangsschwierigkeiten kommt am Ende einer Kommunikationskette meist etwas ganz anderes heraus, als vom ursprünglichen Sender beabsichtigt.

Das ist schon auf einer zwischenmenschlichen Ebene oft ärgerlich genug – wie schwierig wird es dann zwischen Mensch und Pferd. Wir werden niemals Pferd sprechen. Und unser Pferd wird auch kaum der menschlichen Sprache mächtig sein.

Wir müssen eine gemeinsame Kommunikation entwickeln. Als „Vortragender“ oder „Pädagoge“ unseres Pferdes müssen wir unseren Vortrag somit umso klarer strukturieren.
Was möchte ich von meinem Pferd. Welche Antwort erwarte ich mir. Wie kann ich die Botschaft rüber bringen? Ich muss sicher stellen, dass mir mein Pferd überhaupt zuhören möchte!

Die Stolperfallen noch einmal zusammengefasst:

  • Wir haben Kommunikation, die nicht angekommen ist
  • Wir haben empfangene Kommunikation, die wir überhaupt nie gesendet habe. Gerade unser Körper kann beispielsweise zum Kruppeherein in der Bodenarbeit einladen wollen, gleichzeitig das Pferd aber ganz unbeabsichtigt ins Rückwärts schicken. Daher sollte jedem Reiter seine Einwirkung durch den Körper – und diese Einwirkung hört eben niemals auf – egal ob wir vor, neben, hinter oder auf dem Pferd sind.

Der kleinste gemeinsame Nenner..

…wäre dann der Anteil von übereinstimmender Kommunikation. Diese beträgt im menschlichen Alltag lediglich 12 Prozent. 12 Prozent! Das muss man sich doch mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie groß mag der Prozentsatz nun in der Kommunikation zwischen Pferd und Mensch sein? Ich sehe zum Glück sehr viele Paare, wo die Kommunikation wirklich wunderbar funktioniert und immer harmonischer wird.

Ich treffe Menschen, die sich unbewusst und ungewollt gesendeter Signale immer bewusster werden.

Das ist ein großer Pluspunkt.

Aber ich treffe auch Menschen, die überfordert sind mit einer Flut an Informationen. Menschen, die Aussagen möglicherweise im Sinne der Stillen Post interpretieren. Erst neulich traf ich ein Pferd – für mich ein eindeutiger Reha Fall. Ein Pferd, das nach ernsthafter Erkrankung nun wieder Kraft sammeln muss, um vielleicht wieder zum Reitpferd zu werden. Das ist meine Sicht.

Eine andere Sicht bzw. Empfehlung war: Mehr Reiten, um Muskeln zu fördern. Vielleicht war das aber auch gar nicht die Botschaft, die die Besitzerin empfangen hatte. Vielleicht wurde die Botschaft und der Hinweis, nun mit der Gymnastizierung zu beginnen, sofort als Empfehlung für gerittenes Training interpretiert.

Manchmal können wir nur mutmaßen, warum Botschaften wie verstanden werden. Aber eines ist ganz klar:

  • Wir können uns laufend bemühen, sowohl unseren Empfänger ganz neutral und ohne gleich zu bewerten einzuschalten.
  • Wir können uns bemühen, unser Gegenüber zu motivieren uns zuzuhören
  • Wir können zu Jemand werden, dem man gerne zuhört
  • Wir können daran feilen unsere Botschaften so klar wie nur möglich zu machen
  • Wir können die Arbeit an unserer Kommunikation mit Freude verbessern.

 

Denn wer nach und nach versucht, seine Botschaft wirklich gut rüber zu bringen, der hat ein Pferd das nicht nur versteht, sondern auch mit dem gemeinsamen Ziel einverstanden ist.

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