Der Sitz in der Akademischen Reitkunst

Der Sitz in der Akademischen Reitkunst

In der Akademischen Reitkunst legt man großen Wert auf den Sitz. Manche Reiter anderer Reitstile werfen „den Akademikern“ allerdings Sitzfehler vor. Für die Ausgaben der FEINEN HILFEN Nr. 25 wurde ich interviewt, um Missverständnisse aufzuklären.

FEINE HILFEN: Was hat der Sitz in der Akademischen Reitkunst für einen Stellenwert?

Anna Eichinger:Einen sehr großen Stellenwert – nicht umsonst wird der Sitz als primäre Hilfe bezeichnet. Primär deshalb, weil der Reitersitz nie aussetzen kann. Wenn wir auf dem Pferd sitzen, dann wirken wir auch immer ein – ganz unabhängig davon, ob wir jetzt mit der Qualität der Einwirkung zufrieden sind oder nicht. 

Die Art und Weise, wie wir auf dem Pferd sitzen, verrät sehr viel über uns als Mensch im Alltag. Ich denke, jeder Reiter kennt das Gefühl, wenn Großhirn, Kleinhirn und Körperteile versuchen miteinander zu kommunizieren und die Bewegungen in unserem Körper leider ganz anders ankommen, als wir es geplant hatten. 

Um etwas Aufklärung in die Sache mit der Bewegungslegasthenie zu bringen, hilft uns zunächst einmal die Auseinandersetzung mit der Theorie. Weil sich die Frage explizit auf die Akademische Reitkunst bezieht darf ich hier folgende Definitionen näher erläutern:

  1. der physische Sitz
  2. der statische Sitz 
  3. der fühlende Sitz.

Der Reiter folgt den Bewegungen des Pferdes und nimmt darauf Einfluss – das wird als physischer Sitzbezeichnet. Wir müssen uns zunächst also mit den Bewegungsabläufen des Pferdes – insbesondere denen der Wirbelsäule beschäftigen. Die Wirbelsäule schwingt dreidimensional, das heißt im Brustkorb beobachten wir eine Bewegung nach oben und unten, eine seitliche Bewegung sowie eine Rotation. 

Es gibt viele Reiter, die über Rückenschmerzen klagen. Andererseits wird diese dreidimensionale Bewegung der Pferdewirbelsäule eingesetzt, um Menschen mit körperlichen Schwierigkeiten in der Therapie zu helfen. Wie passt das zusammen? 

Stellen wir uns vor, wir sitzen auf dem Pferd und reiten auf der linken Hand. Wenn das linke Hinterbein, also das innere Hinterbein abfußt und nach vorne schwingt, fühlen wir, wie sich unser linker Sitzknochen nach vorne-unten bewegt wird. Das Pferdebein fußt auf und schiebt nach hinten – unser linker Sitzknochen wird nach hinten-oben geführt. Wir können eine sachte Kreisbewegung unserer inneren Hüfte wahrnehmen, die möglichst gleichmäßig und rund ablaufen sollte. Gegengleich spüren wir die Bewegung ebenso in der äußeren Hüfte. Sitzen wir also gegen die Bewegung, dann kommt es unweigerlich zu Verspannungen in der eigenen Hüfte, was sich wiederum auf Becken, Lenden-, Brust-  und Halswirbelsäule des Reiters auswirkt. Nicht anders ergeht es dem Pferd. So gesehen blockiert ein „gegen die Bewegung sitzen“ den korrekten Rückenschwung – manchmal sogar mit voller Absicht, um die Bewegungen des Pferdes noch spektakulärer erscheinen zu lassen. 

Unser Ziel in der Akademischen Reitkunst ist allerdings den mal größeren und mal kleineren Rückenschwung zu fühlen und mit zu gestalten – je nach Versammlungsgrad und Bewegungsrichtung. Womit sich der Kreis zur gezielten Einflussnahme schließt und wobei der Reiter den Bewegungen des Pferdes stetig folgt. 

Der statische Sitzist für die verschiedenen Gleichgewichtsrichtungen zuständig. Unser Ziel in der Akademischen Reitkunst ist es, das Gleichgewicht von Reiter und Pferd in Übereinstimmung zu bringen. In der Bodenarbeit schulen wir daher bereits unser Auge, wenn wir dem Pferd zeigen, wie es korrekt unter seine Masse hin zum Schwerpunkt treten soll. Später, auf dem Pferd, können wir anstelle unseres Auges auch unser Ohr einsetzen. Tritt das Pferd nicht in Richtung Schwerpunkt, sondern daran vorbei, wird es vermutlich nicht nur schwer in der Hand, sondern der Fuß wird auch schwer auf dem Boden aufsetzen. Wir hören und spüren die Erschütterungen, wenn der Schwung nicht korrekt über die Wirbelsäule von der Hinterhand an die Vorhand übertragen wird. 

Was passiert also, wenn wir die Schwingungen des Pferdes verändern, mal zulegen und mal wieder aufnehmen? Hier ist der statische Sitz unser wichtigster Assistent. So können wir beispielsweise unseren Schwerpunkt im Kruppeherein in Richtung innerer Schulter verschieben, um ein wenig zuzulegen und in Richtung innerer Hüfte des Pferdes, um das Kruppeherein ein wenig zu versammeln. 

Jeder hat schon mal in der Reitschule das Kommando gehört: „Sitzen Sie gerade“. Was bedeutet „gerade“ im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt? Diese Anweisung nutzt dem Reiter also relativ wenig, wenn er nicht erfühlen kann, ob die Hinterbeine des Pferdes in Richtung Schwerpunkt unterwegs sind oder daran vorbei treten? 

Der fühlende Sitzist mit Sicherheit eine sehr individuelle Zutat rund um den korrekten Sitz. Wie fühlt sich für Sie Harmonie an? Manchmal höre ich von Schülern die Klage: Ich fühle nichts. Wir sind so sehr darauf programmiert, dass wir Fehler suchen und Fehler erspüren. Wenn dann alles klappt und harmonisch wird, dann ist es doch ein zarter Hauch von Nichts, der uns als Belohnung geschenkt wird. 

Um zu fühlen müssen wir verstehen. Um zu verstehen müssen wir die Theorie studieren: Was wollen wir überhaupt sehen, wie sieht korrekter Rückenschwung aus, wie sollen sich Hinter- und Vorhand bewegen? 


„Nur einem denkenden Reiter kann man einen fühlenden Sitz lehren und der Reiter muss verstehen, was er fühlt.“

Bent Branderup

In der Bodenarbeit schulen wir zunächst unser Gefühl für korrekte Stellung und Biegung, wir erfassen erstmals die dreidimensionale Schwingung der Wirbelsäule des Pferdes. Wir entwickeln ein Gespür dafür, was überwiegt, Rückschub oder Vorgriff. Später nehmen wir dieses geschulte Gefühl mit in den Sattel – oftmals mit einer großen Enttäuschung. Was vom Boden aus so toll geklappt hat, fühlt sich nun vom Sattel aus anders an. Natürlich, denn wir haben das Pferd zwar so weit geschult, aber in der Bodenarbeit noch nichts für unseren physischen und statischen Sitz getan. 

FEINE HILFEN:Vielen AR-Reitern wird vorgeworfen im Stuhlsitz zu reiten. Tatsächlich sieht man oft, dass die Unterschenkel weiter vorn liegen, als etwa bei klassisch-deutschen Dressurreitern. Warum ist das so?

Eichinger:  Zunächst einmal müssen wir uns – auch ohne die gesehenen Bilder von lernenden Schülern zu kennen – über die Definition klar werden: Ist tatsächlich ein Stuhlsitz, ein offener Sitz oder ein geschlossener Sitz gemeint? 

In der Akademischen Reitkunst gib es viele unterschiedliche Pferderassen und Menschen. Oft haben wir das Phänomen, dass sehr große Pferdehüften mit einer enormen Bewegung auf ein kleines, menschliches Becken treffen. Hier passen die Größenverhältnisse nicht optimal zusammen. 

Nehmen wir beispielsweise eine junge Reiterin auf einem Kaltblutpferd. Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk, der Oberschenkel kann sich nur begrenzt aus dem Hüftgelenk bewegen. Die Reiterin versucht trotz alledem den Bewegungen des Pferdes korrekt zu folgen. Ohne Sattel und geeignetes Pad sitzt der Reiter dann zu breit, der Reiter kann tatsächlich in den Stuhlsitz kommen, wenn der Oberschenkel nicht mehr entlasten kann und das Gesäß des Reiters dann zu weit nach hinten  gedrückt wird. Das Hüftgelenk wird dann nach vorne rausgepresst. Wir brauchen in solch einem Fall dann einen Sattel, damit der Oberschenkel besser nach unten gleiten kann; der Sattel würde außerdem den Abstand zwischen Gesäßknochen und Pferderücken auch vergrößern. Manchmal ist es aber auch aufgrund des enormen Größenunterschieds schwierig, einen passenden Sattel zu finden, der den Reiter adäquat platziert. Ich denke, viele Reiter fühlen sich in der Akademischen Reitkunst als Lernende besonders gut aufgehoben, da sie nicht in eine bestimmte Form gezwungen werden, die sie rein physisch noch gar nicht einnehmen können. 

Oder um es auch mit Gustav Steinbrechts Worten zu sagen: 

„Ein eingewurzeltes Vorurteil hat einen so genannten Normalsitz des Reiters festgestellt, nämlich die Körperhaltung, die der Reiter zu Pferde ein für allemal anzunehmen habe. Ich suche in dem Umstand, dass dieser Normalsitz dem Schüler von Anfang an angewiesen und mit Strenge eingeübt wird, den Hauptgrund, weshalb viele junge Reiter von der Reitbahn und dem systematischen Studium der Reitkunst abgeschreckt werden……. Einen Normalsitz zu Pferde, wenn man darunter eine auch nur für die Mehrzahl der Fälle richtige Körperhaltung verstehen will, gibt es gar nicht, denn der Reiter sitzt nur dann richtig zu Pferde, wenn der Schwerpunkt oder vielmehr die Schwerpunktlinie seines Körpers mit der des Pferdes zusammenfällt. Nur dann ist er mit seinem Pferde in vollkommener Harmonie und gleichsam eins mit ihm geworden……Wer einsieht, dass Schönheit und Leichtigkeit des Sitzes nicht von der Körperhaltung des Reiters alleine, sondern ebenso sehr von der guten Haltung und dem geregelten Gang des Pferdes abhängen, der wird es natürlich finden, wenn ich rate, den Schüler, sobald er Sicherheit gewonnen hat, darauf hinzuführen dass er auch auf die Richtung des Pferdes einwirkt, sollte dies auch unter Einbuße an vorschriftsmäßiger Haltung geschehen“.

Gustav Steinbrecht, Das Gymnasium des Pferdes

FEINE HILFEN: Man sieht dich oft ohne Sattel oder im Fellsattel. Was macht das Reiten ohne (Baumsattel) mit deinem Sitz? Hat es ausschließlich positive Effekte oder hättest du Bedenken, wann man nur ohne Sattel reitet?

Eichinger: Ohne Sattel reite ich ausschließlich in unserem Schwimmteich. Ich besitze sowohl Baumsättel, sowie einige Filzsättel und den Bent Branderup Schulungssattel für meine Pferde. Ins Gelände gehe ich ausnahmslos mit einem Baumsattel, für die Arbeit in der Halle und die Arbeit an meinem eigenen Sitz ziehe ich persönlich den Schulungssattel aus diversen Gründen vor. Im Fellsattel hatte ich auch oben beschriebenes Problem, da meine Hüfte eigentlich für meine beiden Stuten zu klein ist. Im Filzsattel konnte ich sowohl die Rotation des Pferdebrustkorbs wie auch meine eigene Bewegung besser erfühlen lernen. Das „Feintuning“ erarbeite ich also sehr gerne im Schulungssattel von Bent Branderup. Ein Sattel kann im Grunde aber nichts in meinem Sitz erzeugen – aber ich greife je nach Bedarf auf Ledersattel mit Baum oder eben den Filzsattel oder den Schulungssattel zurück. Für mich gibt es da kein Dogma. (Anmerkung – zum Zeitpunkt des Interviews gab es den Schulungssattel bei mir im Schrank noch nicht – ich habe diese Angabe daher aktualisiert)

Schülern, die gerne ohne Sattel reiten oder mit einem Pad das Fühlen erlernen wollen, rate ich bei der Auswahl des Pads oder Filzsattels darauf zu achten, dass die Sitzknochen nicht in den langen Rückenmuskel des Pferdes drücken. Nun würde ich mit meinen Schülern daran arbeiten, das Reitergewicht auf den Oberschenkeln zu verteilen.  Wobei wir hier anatomisch gesehen, wieder bei der Rundheit der Rippen versus der Rundheit der Oberschenkel sind. Pferd und Mensch gleichen sich anatomisch eben nicht eins zu eins – es empfiehlt sich also eine geeignete Unterlage zu wählen, die es den Oberschenkeln des Reiters ebenso möglich macht, zwar nahe ans Pferd zu kommen, aber auch gut der „Rundung“ zu folgen. 

FEINE HILFEN: Hat der leichte Sitz für dich eine Bedeutung? 
Eichinger:Ja, natürlich hat der leichte Sitz für mich auch eine Bedeutung. Wenn ich mal einen zügigen, flotten Galopp – und der kann bei meiner blutgeprägten Przedswitstute durchaus sehr rasant ausfallen – wähle, dann galoppiere ich im Gelände natürlich auch mal im leichten Sitz. Wichtig ist mir dabei die Statik. So wie ein Jockey im Rennen und ein Springreiter über dem Sprung mit dem Pferd im Gleichgewicht bleiben – so möchte ich ebenso meinen statischen Sitz nicht verlieren. Wichtig zu ergänzen wäre hier, die Beschaffenheiten des eigenen Sattels, sowie den muskulären Zustand des Pferdes genau im Auge zu behalten. Im schlimmsten Fall könnte das Kopfeisen durch den leichten Sitz nach unten in den Pferderücken gedrückt werden. Die Folge sind Atrophien, die wir leider sehr häufig bei Pferden finden. Der Ausdruck „leichter“ Sitz darf also nicht in die Irre führen, er macht uns nicht leichter, er soll uns lediglich Unterstützung bei der Übereinstimmung der Schwerpunkte von Pferd und Reiter bieten. 

FEINE HILFEN: Wo sitzt du in der Biegung? Außen, innen oder mittig? Und warum? 

Eichinger:In einer korrekten Biegung sitze ich physisch etwas mehr nach innen. Natürlich möchte ich mich zunächst mal auf dem Pferd entspannen und beide Sitzknochen spüren. Dann nehme ich beispielsweise einen Linkssitz ein (Schultern parallel zu Schultern, also kommt die äußere Schulter etwas mehr vor, während ich ebenso die innere Hüfte etwas mehr vornehme als die äußere). Gustav Steinbrecht beschreibt dieses Phänomen mit einem sanften Hang in der inneren Hüfte. Wichtig ist es allerdings, nicht in der Hüfte einzuknicken. Das könnte passieren, wenn das überbogene Pferd den Reiter nach außen setzt, da der Brustkorb innen fälschlicherweise nach oben rotiert und nicht nach unten. In der Reitliteratur findet man hier viele innere Bilder. Steinbrecht erwähnt eben den „Sanften Hang in der inneren Hüfte“, der Herzog von Newcastle schreibt von einem Steigbügelriemen der innen vier Inches länger scheint und Guérinière schreibt ebenso davon, dass der Steigbügel innen länger scheint. 

In korrekter Biegung rotiert der Brustkorb nach innen unten – das heißt die äußere Oberlinie dehnt sich, der äußere Brustkorb kommt außen hoch. Wenn der Reiter dann nach außen sitzt, würde er den Pferdekörper an jenen Stellen, die sich unmittelbar dehnen, belasten. Je nach Größe der Schwingung – anders gesagt je nach Versammlungsgrad – sitze ich in den versalen und traversalen Biegungen entweder mit dem Schwerpunkt im Kruppeherein mehr nach vorne in Richtung innerer Schulter – bei der Versammlung in Richtung innerer Hüfte des Pferdes. ImSchulterherein nehme ich den Schwerpunkt mehr in Richtung Schweif beim Versammeln – beim Vorwärtsschwingen achte ich darauf, nicht zu stark nach innen zu sitzen, da das Pferd sonst vom Schwerpunkt weg tritt. Sitze ich zu stark nach außen, belaste ich den Brustkorb zu stark, die äußere Schulter kann nicht frei werden. Physisch muss der Reiter dann also innen sitzen bleiben, den Schwerpunkt aber der Bewegungsrichtung folgen lassen. 

FEINE HILFEN: Vielen Dank für das Gespräch.

Primäre Hilfe – Körpersprache und Sitz – mehr zum Thema gibt es live bei unserem Sommerkurs mit Bent Branderup am 29. und 30. Juni 2019. Wir haben noch Platz für Zuschauer – Anmeldung unter kurse@einfachreiten.com

Das Megasus Update

Das Megasus Update

Ein Hufschutz – ein Kartenspiel – und die Frage nach dem Warum? 

Erinnert ihr euch noch an meinen Erfahrungsbericht mit den Megasus? Den blitzblau-orangen Hufschutz zum Kleben oder Kletten? Das Feedback meiner Pferde war überwältigend. Umso heftiger war die Nachricht kurz vor Weihnachten: Megasus ist insolvent. Platzt der Traum von der Entwicklung eines Hufschutzes, an den so viele Erwartungen geknüpft waren? 

Kickstarter hauchte dem Konzept des Megasus vor drei Jahren erstmals Leben ein. Ausgerechnet Kickstarter soll die Horserunners erneut vor dem Aus retten? Ich habe mich darüber mit Louisa aus dem Gründerteam von Megasus unterhalten. 

Louisa, wie ist aktuell die Lage? 

Louisa: Nach der Fernsehsendung „zwei Minuten, zwei Millionen“ hatten wir viele Gespräche. Es war aber auch klar, dass wir eine höhere Summe gebraucht hätten, als die von Herrn Haselsteiner avisierten 500.000 Euro. Wir hatten zwar sehr auf eine Lösung gehofft – aber ich musste dann doch Insolvenz anmelden – kurz vor Weihnachten. Das war natürlich extrem bitter!

Ich kenne euer „Mastermind“ Charly seit mehr als 20 Jahren – immer bemüht eine Lösung für die Pferde in Punkto Beschlag zu finden. Als ich die erste Kampagne und den ersten Youtube Film im Internet gesehen habe war ich restlos begeistert und mit mir viele tausende Andere. Provokant gefragt – wie kann bei einer solch großen Unterstützung ein so tolles Produkt Schiffbruch erleiden? 

Louisa: Ein Produkt wie der Megasus kostet viel Geld. Warum das so ist, erkläre ich gleich noch ausführlich. Fakt ist, wir hatten durch die Kickstarter-Kampagne insgesamt rund 151.000 Euro lukriert – also es waren 170.000 US Dollar. Die Werkzeuge alleine kosten allerdings 700.000 Euro, um den Megasus serienmässig auf den Huf zu bringen. 

Warum ist das so aufwendig, wenn ich es mit anderen Hufschuhen oder Klebebeschlägen vergleiche? 

Louisa: Das liegt an den zwei Komponenten des Megasus. Man könnte quasi sagen: Raue Schale, weicher Kern. Sein Herz macht den Megasus so einzigartig. Das heißt, der Megasus ist einerseits mit einer gewissen Härte ausgestattet, andererseits verfügt er über einen optimalen Stoßdämpfer. Das macht ihn einzigartig im Vergleich zur Konkurrenz – einzigartig aber auch in der Herstellung. Zusätzlich ist er durch die individuelle Anpassung der Klips tatsächlich wie ein maßgeschneiderter Turnschuh – und nicht wie ein Produkt von der Stange. Das macht die Unterstützung für den Huf so einzigartig, die Produktion aber eben besonders aufwendig. 

Aufwendig war auch die erste Kickstarter-Kampagne und oft lese ich noch Kommentare auf Facebook, wo kritisiert wird, dass Unterstützer ihr Produkt nicht bekommen hätten? 

Louisa: Ja das ist auch vorgekommen – allerdings wurde uns in dem Fall bei der Kampagne die Adressdaten nicht mitgeteilt – sprich online wurden nicht alle Angaben korrekt eingegeben. In solchen Fällen haben wir natürlich auch nachgefasst, aber trotzdem haben wir auf die Bitte um fehlende Daten nicht immer Antwort bekommen. Das waren aber nur ein paar wenige Kickstarterunterstützer, die allermeisten haben ihren Reward erhalten. Zusätzlich hatten wir auch ein Crowdinvesting von Green Rocket…

Was ist Greenrocket? 

Louisa: Das ist ein Crowdinvesting. Kickstarter ist ja ein Crowdfunding und zwar „reward based“, das bedeutet, dass man sich einen „reward“ aussuchen kann, also eine Belohnung, die man dann, sollte die Erfindung umgesetzt werden, auch bekommt. Beim Crowdinvesting investiert man Geld in eine Idee in Form eines Nachrangdarlehens. Bei positivem Geschäftserfolg erhält man Zinsen, einen Gewinnanteil und einen Anteil an der Unternehmenswertsteigerung. Bei einer Insolvenz wird man allerdings ganz hinten in der Gläubigerliste gereiht, so dass ein hohes Risiko besteht, leer auszugehen. Das sieht man allerdings erst, wenn der Kaufpreis für die Konkursmasse feststeht.

Wie geht es dir, wenn du solche Kommentare liest? 

Louisa: Ich bin riesig dankbar über die vielen Unterstützer, die unseren Weg begleitet haben. Viele haben uns gefragt, warum wir nicht von Anfang an einen Investor genommen haben. Bei unseren Vorgängerprodukten hatten wir bereits Erfahrung mit Investoren gesammelt und dieses Mal sollte es wirklich ein Produkt werden, dass für unsere Pferde gebaut ist und nicht andere Interessen verfolgt werden. So lautete der Auftrag früher, ein Produkt zu bauen, mit dem der Hufschmied gut umgehen kann.– bei Megasus hatten wir von Anfang an eine Mission im Kopf: Nämlich tatsächlich den Umstieg von Eisen auf Barhuf zu ermöglichen oder die Hufeisen zu ersetzen. Wir wollten uns nicht daran orientieren was ein Hufschmied braucht, sondern daran, was ein gesunder Huf braucht. 

Es gab auch Stimmen, die sich enttäuscht zeigten über die Mängel bei der Klettvariante? 

Louisa: Wir haben während der Kickstarter-Kampagne natürlich nicht Däumchen gedreht, sondern weiterentwickelt. Und Kickstarter bedeutet ja auch, dass man nicht ein fertiges Produkt kauft, sondern gemeinsam mit uns etwas entwickelt. Jedes Feedback unserer Kunden war wichtig. 

Leider hatten wir dann den Fall, dass der Lieferant der Klebeverbindung zwischen Klettband und Side-Clip Mängel in der Produktion aufwies. Mal war diese Klebeverbindung super, doch dann gab es immer wieder Chargen mit außerordentlichen Mängeln. Das war wirklich Pech für uns, denn wir mussten viele Side-Clips ersetzen, was viel Geld und Zeit gekostet hat.

Was wir noch gelernt haben? Nicht immer war die gewünschte Klettvariante dann tatsächlich die beste Lösung für das betreffende Pferd. Wie schon gesagt – wir wollten immer das Pferd mit seinen Bedürfnissen in den Vordergrund stellen. Dann kommen freilich die Bedürfnisse des Reiters dazu, der möchte gerne länger ausreiten gehen, vielleicht springen, benötigt Stollen usw.; All das ist mit dem so genannten „Run’n’Fun“ Modell – also der Klebevariante problemlos möglich. Wir hatten eingefleischte Barhuf-Fans, die dann sehr happy waren mit der Run’n’Fun Variante, die mehrere Wochen am Pferd bleiben konnte. Der Vorteil – nach der Demontage des Megasus – man kann sofort barhuf reiten – das ist bei anderen Modellen vielleicht auch nicht immer so easy möglich. Wir haben mit der Zeit eben erst gemerkt, für wen sich welches Modell tatsächlich im Alltag am besten eignet und dementsprechend auch die Produktnamen gewählt. Demnach ist der „Med’n’Rehab“ ein Modell, das vor allem in einer akuten Reha-Phase optimal ist, wenn öfter am Huf was gemacht werden muss – das Pferd aber trotzdem einen Hufschutz braucht. 

Warum sollte man jetzt noch überhaupt in Megasus investieren und euch unterstützen? 

Louisa: Kaiser Wilhelm II. hat in Deutschland zu Carl Benz gesagt, dass er nicht an die Erfindung des Automobils glaube. Pferde seien die Zukunft. Na wenn der Kaiser das sagt, dann hat das Projekt Auto ordentlich Gegenwind, nicht wahr?

Mein Pitch an alle ist daher: Wir brauchen natürlich Durchhaltevermögen. Unsere Mission ist tatsächlich das Eisen abzulösen. Wenn ich Leute gefragt habe, ob sie sich Pferde mit Eisen in 10, 20 oder 30 Jahren vorstellen könnten, dann habe ich meist die Antwort erhalten: Nein – das ist doch nicht die Zukunft. Große Erfindungen – große Veränderungen brauchen ihre Zeit. Wir sind dran. Wir haben uns nicht entmutigen lassen. Wir haben auch jetzt genügend Material aus Langzeitstudien – wir konnten Vorurteile widerlegen und konnten nachweislich zeigen, dass der Megasus weder den Huf einengt noch auf Dauer abhängig macht von einem Hufschutz. Ob man uns unterstützt, das darf zum Glück jeder selbst für sich entscheiden – aber in erster Linie verliere ich auch nicht den Glauben an die Sache durch unser Team, das vom Megasus überzeugt ist und uns auch trotzdem weiter unterstützt – auch wenn wir quasi nicht mehr unter normalen Voraussetzungen miteinander weiterarbeiten konnten. 

Louisa, Team Megasus

Ich muss nochmal fragen – warum soll man euch unterstützen, wenn es doch viele andere klebbare Varianten von Hufschutz gibt oder eben auch Hufschuhe? 

Louisa: weil Megasus der einzige Hufschutz ist, der das Eisen tatsächlich ablösen kann. Es gibt viele klebbare Hufschuhe, die allerdings vom Material zu weich sind. Man kann auch keine Stollen eindrehen, oder auf jedem Terrain unterwegs sein. Möglicherweise ist das Material auch zu hart und dann rutscht das Pferd weg. Es handelt sich durchweg um einkomponentige Produkte, die natürlich in der Herstellung um ein Vielfaches günstiger sind. Der Megasus mit seinen zwei Kunststoffkomponenten ist halt wirklich ein Premiumprodukt mit der Härte des Hufs, aber der Stoßdämpfung für die Gelenke – sowie gutem Grip. Man kann vom Hufeisen nicht unbedingt auf jeden Klebebeschlag umsteigen, weil manche eben zu weich sind. Der Huf stößt dann vom starren Gefühl des „Eingegipst“ seins zu viel zu viel Bewegung im Huf. Das schmerzt, es kommt zu Abszessen. 

Es gibt Lösungen mit Metallkern – dann ist man aber wieder mit Metall unterwegs – alternative Hufbeschläge sind in den letzten Jahren auf 10 Prozent Marktanteil gestiegen. Also alle Alternativen im Vergleich zum Eisen. 90 Prozent der Reiter sind mit Hufeisen unterwegs – und das ist halt unsere Mission – tatsächlich einen machbaren Übergang und Umstieg zu bieten. 

Und vergleichbare Modelle zum Kleben oder Kletten? 

Louisa: Diese haben durch die beweglichen Klipps einen Vorteil nicht, den der Megasus hat: Der Megasus kann jede Hufform abbilden, jeder Clip passt sich individuell an die Begebenheiten an. Durch diese individuelle Anpassbarkeit kann man orthopädisch gut auf die Situation eingehen. Hier sind zwei weitere Begriffe wichtig, nämlich Pronation und Supination. Unter Pronation beschreibt man die Einwärtsdrehung einer Gliedmaße – das ist damit die Gegenbewegung zur Supination. Bei der Pronation des Hufs handelt es sich um eine natürliche Dämpfungsbewegung nach innen – aber es kann auch zuviel sein. Sprich eine Überbewegung wirkt sich schädlich auf Sehnen, Bänder und Gelenke aus. Laufschuhe werden heutzutage auch genau an die individuelle Bewegung angepasst. So werden die meisten Laufschuhe im Außenbereich abgenutzt. Durch mehr Hufschutzüberstand innen haben wir beispielsweise bei deiner Stute Tabby versucht, das Ungleichgewicht der Hufwände auszugleichen. Damit wurde eine Stabilisation der Hufsituation erreicht. Wir wollten somit ein Abkippen nach innen verhindern. Dies passiert bei uns Menschen beispielsweise, wenn wir zu weiche, instabile Schuhe tragen – zum Beispiel bequeme Plastiklatschen im Sommer. Wir kippen dann mit den Füßen über den Schuh hinaus. Der Megasus kann eben hier durch das Clip-System eine orthopädische Verbesserung schaffen. Mittlerweile haben wir nach vielen Tests auch hier zahlreiche Dokumentationen, die den Erfolg dieses Systems bestätigen.

Was habt ihr noch durch eure Dokumentationen herausgefunden? 

Louisa: Eine Frage lautete: Wird der Huf durch den Megasus geweitet? Da können wir jetzt ganz klar sagen – Nein, er bekommt eine ursprüngliche, stabile Hufform, selbst im Dauereinsatz.

Themenwechsel – das liebe Geld. Natürlich hat das Megasus-Probetragen meiner Pferde auch für Interesse gesorgt und viele Fragen erreichten mich auch über Facebook oder direkt Face to Face. Oft wurde hier aber die Preisfrage genannt, wenn es um die Frage ging: Megasus oder eben doch eine andere Variante. War bzw. wäre der Megasus einfach zu teuer? 

Louisa: Wenn man an Preise denkt, haben die Pferdebesitzer das Intervalldenken des Hufeisens im Kopf. Der Megasus durchbricht dieses Denken, weil man nach sechs Wochen Montage in der Regel noch 1-3 Wochen Barhuf weiterreiten kann, weil so viel gesundes Hufhorn nachgewachsen ist. Es kommt natürlich darauf an, wo die Pferde gehalten werden, welcher Untergrund vorhanden ist und wie man reitet. Tester haben berichtet, dass sie – da sie den Megasus mal montiert hatten und dann wieder eine Barhuf-Phase eingelegt hatten – eben auf die gleichen Kosten wie mit einem Hufeisen gekommen wären. Auch Sommer und Winterverhältnisse machen da sicherlich einen Unterschied. Grundsätzlich kostet der Megasus das 1,5 oder 2-fache eines Hufeisens. Allerdings können die Sohlenplatten mehrfach verwendet werden. 

Bei der berittenen Polizei in Houston hat man eine spannende Sache festgestellt – die Pferde wurden auf barhuf umgestellt und einige Pferde, die man eigentlich schon in Pension schicken wollten, konnten sich wieder besser bewegen. 

Für mich ist es eine gewisse Logik, dass ein Eisen Schaden verursachen muss. Ein Orthopäde würde uns Menschen ja auch keinen Eisenschuh bei einem Senkfuß verordnen. Die Frage ist – gebe ich für spätere Behandlungen mehr aus oder lasse ich es gar nicht so weit kommen?  

Ihr wollt nochmal durchstarten mit einer völlig verrückten Idee – noch bevor die Idee konkret präsentiert wurde, gab es schon Postings zu lesen mit dem Tonus: „Die haben es vergeigt, nochmal kriegen die meine Unterstützung nicht“. Was sagst du dazu? 

Louisa: Wir haben versucht mit wenigen Mitteln das Unmögliche zu schaffen. Eine Sache abzulösen, zu der es tausende Jahre keine Alternative gab. Bislang hat das ja auch noch niemand geschafft, das Hufeisen nachhaltig abzulösen. Stillstand bringt uns ja nicht weiter. Es hätte sein können – und wir sind extrem weit gekommen – deswegen stecken wir den Kopf nicht in den Sand und geben nicht auf. Ab heute gibt es auf Kickstarter das lustige Kartenspiel. Das Spiel macht einfach Spaß und du kannst ein Kartenspiel bekommen – oder eben nicht. 

Erzähl mal mehr über das Kartenspiel?

Louisa: Die Mutter meiner Freundin hat jahrelang in einer Sockenfabrik gearbeitet. Irgendwann hat die Firma das Gehalt in Socken bezahlt, als alles eingestellt wurde – also bekam jeder jahrelang quasi Socken verschenkt, die allerdings im Schuh rutschten und eine Rolle gebildet hat. Und dann kam der Hemdhalter. Eine Erfindung, die es wirklich gibt – also ein Elastikband, wie Hosenträger, aber für Socken und Hemd. Und diese verborgene Erfindung (die übrigens von der US Army etabliert wurde, damit auf der Parade auch tatsächlich alles dort sitzt, wo es sitzen soll) – diese Erfindung wurde eben Inspiration für ein Kartenspiel, das Freunde und Familie zusammenbringt und Spaß macht. Konkret geht es darum Paare zu bilden und diese seinen Mitspielern abzujagen. Ein Heidenspaß für eine gesellige Runde. 

Über Kickstarter kann man also ein lustiges Kartenspiel bekommen…

Louisa: …und damit gleichzeitig Megasus unterstützen. Ja genau. 

Das Kartenspiel ist null Risiko. Du hast es – oder du hast es nicht. Du kannst Kartenspielen – oder eben nicht. Und wenn man die Karten bestellt, dann gibt man auch gleichzeitig eine Unterstützung an Megasus. 

„Straps Collapse“ ist ab heute online – wer es mag auch in einer Megasus Edition. 

Megasus ist ja insolvent und wird von einem Masseverwalter betreut. Steht er hinter der aktuellen Idee? 

Louisa: Ja. Denn es kommt so auch wieder frischer Wind in die Verhandlungen. Die Aktion ist freilich mit ihm akkordiert. Ich bin jedenfalls sehr dankbar für die ersten positiven Reaktionen, nachdem wir unseren Newsletter am Wochenende ausgeschickt hatten. Ich bin dankbar, dass nach wie vor so viele Menschen an unser Produkt glauben. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

Straps Collapse zum Spielen findet ihr unter diesem Link

PS: Warum ich dieses Interview mit Louisa geführt habe? Einerseits verfolge ich die Entwicklung von Megasus schon länger. Natürlich habe ich auch die vielen Diskussionen in Social Media verfolgt und wollte nun selbst auch ein paar kritische Fragen stellen. Meine Pferde fanden die Megasus gut, aber die interessieren sich natürlich nicht für wirtschaftliche Fragen, Forschung und Entwicklung. Ich selbst wurde nicht selbst und ständig geboren – aber mit einem Traum. Hätte es nicht eine Hand voll Menschen gegeben, die an mich geglaubt haben – ich hätte es wohl selbst nicht geschafft – schließlich waren mir selbst auch einige: „Das geht nicht“, „Das kannst du nicht“-Hürden in den Weg gelegt. Megasus wird einige Handvoll Menschen mehr brauchen, um tatsächlich weiter in der Umsetzung zu bleiben. Unternehmen und nicht Unterlassen – das habe ich vor ein paar Jahren gelernt 😉 

Gemeinsam Frei

Gemeinsam Frei

Von Pferden können wir eine ganze Menge lernen. Besonders für und über unsere Persönlichkeit. Das haben sich auch Kati Westendorf und Lukas Umbach gedacht – gemeinsam basteln sie an spannenden Projekten, über die sie im aktuellen Blogbeitrag mehr erzählen: 

Wie habt ihr euch kennen gelernt und das gemeinsame Thema geboren?

Bereits vor einigen Jahren stießen wir aufeinander und bemerkten, dass wir ein gutes Team in Sachen Austausch bilden. Wir besuchten uns hin und wieder gegenseitig, schickten einander Nachrichten, Bilder und Videos und schafften eine Basis, auf der wir jederzeit offen und ehrlich kommunizieren konnten, wodurch ein echter Mehrwert füreinander entstand.

Nach einer Weile des Austauschs fanden wir uns regelmäßig in Ideen wieder, die wir gerne zusammen umsetzen wollten. Mittlerweile gab es räumlich 200km mehr Distanz als vorher, weshalb es häufig an der Umsetzung haperte. Wie sich herausstellen sollte, war es damals aber einfach noch nicht an der Zeit, denn die Dinge passieren unserer Meinung nach immer genau dann, wenn die Zeit dafür reif ist und sie in die Welt sollen. So entstand also aus unserer Selbstreflexion und unserem Austausch eine gemeinsame Begeisterung für die Themen Freiarbeit und Persönlichkeitsentwicklung, die uns auf unseren individuellen Wegen schon einige Jahre begleitet hatten.

Warum ist euch Persönlichkeitsentwicklung ein Anliegen?

Die Persönlichkeitsentwicklung in all ihren Facetten begleitet uns alle unser ganzes Leben lang. Jeder Moment, den wir erleben, jede Situation, die wir meistern und jeder Mensch, dem wir begegnen, trägt dazu bei, dass wir uns „weiter“ entwickeln und sich unsere Persönlichkeit anpasst. Häufig läuft dieser fortwährende Prozess unterbewusst ab. Wir sehen eine große Chance darin, sich diese Prozesse (zumindest in Teilen) bewusst zu machen und dadurch in einen besseren Kontakt mit uns selbst und letzten Endes auch unserer Umwelt zu treten. Vielleicht ist die bewusste Persönlichkeitsentwicklung letzten Endes eine Reise zu sich selbst, die uns hilft zu verstehen.

Diese Reise zu sich selbst und in diese tiefe Verbindung zum Pferd gelingt in unseren Augen vor allem durch die Achtsamkeit und deren Präsenz im Zusammensein mit Pferden. Durch die Achtsamkeit werden wir entschleunigt, was in unserer alltäglichen Schnelllebigkeit häufig absolut notwendig ist, um unser Gegenüber überhaupt ehrlich wahrnehmen zu können. Unsere Pferde können uns dabei helfen, den Kontakt zu uns selbst wieder herzustellen, wenn wir mutig genug sind, unseren Ängsten zu begegnen und sie anzunehmen. Es geht nicht um eine Selbstoptimierung oder eine Bewertung seines eigenen seelischen Zustandes, sondern darum, die Wahrnehmung für eigene Bedürfnisse und denen des Pferdes zu schulen und die Kommunikation so liebevoll gestalten zu können, dass Mensch und Pferd ihren Raum bekommen dürfen. Es geht nicht darum, keine Grenzen setzen zu dürfen und es geht auch nicht darum, sich selbst gänzlich aufzuopfern und sämtliche Wünsche über Bord zu werfen. Im Gegenteil.

Kann man euer Thema vergleichen mit Coaching mit Pferd, Managerausbildung und Kommunikationstrainings mit Pferden?

Mittlerweile gibt es in diesen Bereichen so viele verschiedene Ansätze, dass es uns schwer fällt diese Frage abschließend zu beantworten. Mit Sicherheit gibt es Überschneidungen und Parallelen zu anderen Ansätzen. „Gemeinsam Frei“ hebt das Pferd als eigenständiges Individuum mit eigenen Themen und Bedürfnissen hervor, wobei das Pferd nicht bloß spiegelt, auch wenn Pferde ohne jede Frage wahre Meister darin sind zu spiegeln. Außerdem versteht sich unser Thema Gemeinsam Frei nicht als ein striktes System oder ein Ausbildungskonzept, sondern viel mehr als eine Inspiration, aus der sich jedes Paar den Teil herausfiltern darf, den es für sich im Hier und Jetzt gebrauchen kann.

Eure Pferde dürfen ihre Meinung kund tun. Wird das auf Dauer riskant? Wie ist eure Erfahrung damit, wenn ihr auf Pferde stößt, die sehr wenig Ausbildung haben. Pferde wo anderswo die Meinung lauten würde: Der gehört mal ordentlich in eine Horsemanship Ausbildung?

Uns geht es darum, ein Miteinander zu schaffen, dessen Basis nicht erschüttert werden kann. Ein ehrliches Miteinander kann unserer Auffassung nach nur dann entstehen, wenn alle Beteiligten ihre Meinung äußern können und dürfen, wozu auch „Nein“ sagen gehört. Wenn wir dem Pferd zugestehen „Nein“ zu sagen, wird es früher oder später (meistens früher) ein aufrichtiges „JA“ in sich finden. Das ist so viel kraftvoller als jedes antrainierte „Na gut“, das wir es für unser Sein mit Pferden nicht mehr missen wollen würden.

Völlig egal was wir gerade mit unseren Pferden tun. Diese Grundintention ist auf alle „Sparten“ übertragbar. Wichtig hierzu ist natürlich, dass ein großer Baustein für uns die positive Verstärkung und positive Psychologie ist. Unser Anspruch ist es nicht, rein positiv verstärkend zu arbeiten, wenn wir es lerntheoretisch ganz genau nehmen wollen. Für uns sind Emotionen, Glaubenssätze, Energien und alles auf seelischer Ebene deutlich wichtiger als reine Lerntheorie. Dennoch ist es unser Bestreben, möglichst viel mit positiver Verstärkung zu arbeiten und nur so wird das Konzept des „Neins“ auch funktionieren.

Die geläufige Meinung ist häufig, dass Pferde, die „ihren Willen kriegen“ diesen gegen den Menschen nutzen werden. An dieser Stelle schmunzeln wir meist, obwohl wir die menschliche Angst dahinter natürlich hören können. Pferde sind grundsätzlich wohlwollende Wesen, die weder dominant sind, noch unsere Erziehung benötigen, wenn sie einfach Pferd sein dürfen. Natürlich ist es nun so, dass wir Pferde in unsere Welt eingeladen haben und sie keine Möglichkeit hatten diese Einladung abzulehnen. Demnach sind wir selbst und auch unsere Pferde durch äußere Bedingungen mehr oder weniger gebunden, weshalb wir Regeln brauchen, um gemeinsam Sein zu können. Unserer Erfahrung nach ist es viel riskanter einem Pferd keinen Raum für seine Meinung zu geben. Viele Pferde kompensieren über einen viel zu langen Zeitraum, bis sie irgendwann nicht mehr schlucken können, aus solchen Situationen heraus entstehen häufig Unfälle, deren Vorboten der Mensch hätte wahrnehmen können, wenn er dem Pferd seine Stimme gelassen hätte.

Welche Vorbilder in der Pferdewelt habt ihr?

Direkte Vorbilder im klassischen Sinne haben wir wohl keine, jedoch gibt es viele inspirierende Persönlichkeiten, die tolle Ansätze verfolgen. Aus der Pferdewelt empfinden wir beispielsweise Imke Spilker und Linda Tellington Jones als Inspiratoren. Hier könnte man aber auch viele weitere nennen, die uns im Laufe der Zeit persönlich begegnet sind. Außerhalb der Pferdewelt wäre zum Thema Persönlichkeitsentwicklung zum Beispiel noch Laura Malina Seiler zu finden, die zum Beispiel durch ihren Podcast einen wundervollen Mehrwert für Jedermann bietet.

Letztlich ist es jedoch die eigene persönliche Geschichte, die für uns am meisten Inspiration in sich trägt. Unsere Pferde sind hierbei unsere größten Vorbilder in Sachen Achtsamkeit und Verbindung.

Was kann man in Gemeinsam Frei I lesen und was wird den Leser im zweiten Band erwarten?

Wir möchten durch die Persönlichkeitsentwicklung in der Freiarbeit mit Pferden, um die es auch in unserem ersten Buch geht, genau auf all das aufmerksam machen und den Druck herausnehmen. Den Druck, den wir unseren Pferden machen und den wir definitiv auch uns selbst machen, weil wir ständig an uns zweifeln und uns damit ein eigenes Gefängnis bauen. Wir möchten Mut machen, aufwecken und inspirieren. Und ganz besondern möchten wir jedem Einzelnen deutlich machen, dass er sich auf seiner individuellen Reise befindet und ihm nichts und niemand sagen kann, welcher Pfad der richtige ist. Es gibt keine Technik und keine Lektionen, die Heilung und die Lösung bringen. Wir können uns dies nicht von Außen holen, da es lediglich in uns selbst zu finden ist.

Da die Achtsamkeit für uns die Basis für alles tiefergehende darstellt, widmen wir uns in unserem zweiten Buch eben dieser und werden den Leser und Suchenden einladen, unsere Reiseroute anzuschauen und sich hier Inspiration zu holen, die sich für dessen eigenen Weg passend anfühlt. Die Pferde begleiten uns alle natürlich auf dieser Reise zu uns selbst. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

Mehr über Kati und Lukas findet ihr auf ihren Websites:

„Gemeinsam frei – Persönlichkeitsentwicklung in der Freiarbeit mit Pferden“ von Lukas Umbach und Kati Westendorf
gemeinsamfrei.com
lukasumbach.de
equinality.de

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Mobilität, Stabilität und Kraft

Mobilität, Stabilität und Kraft

Mobilität, Stabilität und Kraft sind wichtige Komponenten in der Ausbildung und im Training meiner Pferde. Für mein eigenes Training hatte ich – zugegeben –  in den letzten Jahren aber wenig Muse und Begeisterung. Laufen gehen ohne Pony dabei ist einfach nicht meins. Grundsätzlich bewege ich mich sehr viel, an manchen Tagen gehe ich im Unterricht 11 Kilometer mit. Trotzdem – mir fehlte so ein wenig die Freude an der Bewegung. Angeregt durch Annika Kellers Equestrian Movement Konzept wollte ich abseits vom Reiten wieder etwas finden, wo Bewegung Spaß macht und das Training sinnvoll ist. Daher geht es heute einmal primär um die Fitness des Reiters.

Fündig wurde ich auf meiner Suche bei Anna Urbas und Revolution Fitness. Ihr Motto: Entfessle deine Stärke. Das Interview mit Anna ist auch eine spannende Anregung für das Training mit dem Pferd.

Anna, warum sind Mobilität, Stabilität und Kraft so wichtige Komponenten?

Anna Urbas: Das ist wie bei einem Haus: Die Beweglichkeit (Mobility) ist das Fundament. Wenn wir für unsere Beweglichkeit nichts tun, nimmt sie immer mehr ab, wir entwickeln Fehlstellungen, einseitige Abnutzungen der Gelenke und fühlen uns steif und unwohl.

Ist das Fundament eines Hauses nicht fest gebaut, läufst du immer Gefahr, dass es in sich zusammenfällt. Deshalb muss die Basis stimmen, sonst kannst du keine stabilen Wände drauf bauen.

(Tiefen-)Stabilität (Stability) ist wie der Mörtel, der alle Ziegelsteine zusammenhält. Bei Stability trainierst du die tiefliegenden Muskeln rund um deine Gelenke, die dich im Bedarfsfall vor Verletzungen schützen und die Rumpfmuskulatur. Diese tiefen Muskelschichten kannst du nicht willentlich anspannen – das passiert in einem Bruchteil einer Sekunde, lange bevor die Skelettmuskulatur, das sind die Muskeln, die direkt unter der Haut sind, reagieren können. Je besser die Stützmuskulatur trainiert ist, desto besser bist du geschützt Verletzungen in Alltag, Beruf und Sport. Als Beispiel: Ist die Mitte nicht gestärkt, ist das erste, was du spürst Kreuzweh – der Klassiker, wer kennt das heutzutage nicht?! Stability trainiert aber auch die Koordination und das Balancegefühl. Das heißt, die Verbindung meiner Nervenbahnen zum Bewegungsapparat wird schneller – wie bei einer LTE-Verbindung. Je schneller die Verbindung, desto schneller kann ich reagieren. Im Winter macht das dann den Unterschied aus, ob ich auf der Eisplatte ausrutsche, oder mich drüberretten kann.

Die schlanke Taille gibt‘s da noch obendrauf. 🙂

Wenn also mal die Grundvoraussetzungen stimmen, brauche ich noch ein Dach über dem Kopf. Der letzte wichtige Baustein ist also Kraft (Strength). Ein wirklich zielführendes Krafttraining, das mir was fürs Leben bringt, mir Alltag, Beruf und meine Hobbies erleichtert, wird mir keine trägen, dicken Muskeln anzüchten. Krafttraining klingt immer so nach Arnold Schwarzenegger, aber da gibt es so viele Nuancen, dass dieses Vorurteil absolut unbegründet ist.

Mir geht es beim Krafttraining darum, für jede Situation, die sich mir stellen könnte, gerüstet zu sein. Ich möchte bei der Gartenarbeit ohne Probleme die großen Säcke Blumenerde tragen können, ich möchte einen großen Futtersack stemmen können – alles mit Leichtigkeit und einem guten Gefühl. Gerade für Frauen ist Krafttraining besonders wichtig. Es erhöht nämlich auch die Knochendichte und hat positive Auswirkungen auf den Hormonhaushalt. Abgesehen davon kann so ein Krafttraining auch sehr spielerisch gestaltet sein!

Warum verlernen wir eigentlich so ursprüngliche Bewegungskompetenzen, die uns als Kinder noch so leicht gefallen sind?

Anna Urbas: Als Kind bist du ständig herumgetollt, auf Bäume gekraxelt und hast am Boden gespielt. Das Stillsitzen auf Stühlen wird uns erst anerzogen. Spätestens mit dem Schuleintritt sitzen wir immer mehr und mehr und das wirkt sich natürlich auf unseren Bewegungsapparat aus. Wir werden mit zunehmendem Alter immer unbeweglicher, aber auch gleichzeitig unsicherer in Bezug auf unsere körperliche Leistungsfähigkeit. Ein kleines Kind denkt nicht viel darüber nach, ob es auf der Mauer balancieren kann, oder ob es runterfallen könnte – es hüpft einfach rauf und macht das. Wir Erwachsenen eiern rum. „Könnte ja gefährlich sein. Was, wenn ich runterfalle? Das ist zu hoch, ich trau mich nicht,…“ Damit schränken wir uns zusätzlich ein. Es muss ja keine Mauer sein, es reicht ja ein abschüssiger Waldweg mit feuchtem Laub und wir werden unsicher und vertrauen unserem Tritt nicht. Kinder machen einfach.

Für ein Kleinkind ist es auch selbstverständlich, mit kerzengeradem Rücken in der Hocke zu sitzen oder mit perfekter Körperspannung etwas Schweres vom Boden aufzuheben. Als Erwachsener wird oft schon ein heruntergefallener Kuli zur reinsten Plagerei für den Rücken. Aber genau zu dieser unbeschwerten, körperlich starken Leichtigkeit sollten wir alle wieder hin dürfen.

Viele verbinden Training mit großen körperlichen Anstrengungen, mangelnder Begeisterung, Überwindung des Schweinehunds. Wie kann man sicher stellen, dass man wieder Freude an der Bewegung hat?

Anna Urbas: Ich muss ja gestehen, dass mir das Fitnessstudio auch nie Spaß gemacht hat! Ist doch kein Wunder, wenn einem das Herumhampeln an komplizierten Gerätschaften, die dich einengen und so nichts mit den Bewegungen im echten Leben zu tun haben, nicht gefällt. Für mich war das immer stink fad! Ich bin sehr verspielt und genauso wünsche ich mir auch das Training. So macht‘s auch dem Schweinehund Spaß, wenn er immer etwas Neues machen darf. Die Variation hat aber einen ganz pragmatischen Grundgedanken – der Körper will von ganz vielen verschiedenen Winkeln aus gefördert werden. Natürlich trotzdem mit Blick aufs große Ganze bei der Trainingsplanung, aber viel Freiraum für Variation, um das Maximum rauszuholen. Eines meiner Mitglieder, eine Dame Mitte 40, hat das mal so schön formuliert: „Ich muss nicht zum Sport, ich darf mit meinem Freunden spielen gehen.“

Also im Vordergrund sichtbar ist das spielerische Krafttraining, im Hintergrund die ausgefeilte Trainingsplanung, damit du auch deine individuellen Ziele erreichst. Die gesteckten Ziele überprüfe ich natürlich auch regelmäßig, damit der Erfolg auch für jeden sichtbar wird.

Was sind heute in Punkto Mobilität, Stabiliät und Kraft die größten Stolpersteine – also woran hapert es den meisten Leuten?

Anna Urbas: Naja, Nichtstun ist natürlich am schlimmsten. Alleine regelmäßiges Spazierengehen, die Stiege statt dem Lift, so oft wie möglich barfuß gehen und, zumindest zu Hause, auch mal am Boden sitzen bringt schon viel an Lebensqualität.

Je weniger man sich bewegt, desto steifer und eingerosteter wird man. Aber auch die Muskulatur nimmt ab, wenn du sie nicht benutzt. Eine trainierte Muskulatur ist aber lebensnotwendig, um uns vor Verletzungen zu schützen. Je mehr wir uns in Watte packen und schonen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns etwas passiert – ohne Sport nehmen neben der Beweglickeit auch Balance und Stabilität ab.

Wie viel Training braucht man tatsächlich um die drei oben genannten Komponenten zu verbessern?

Anna Urbas: Eigentlich gar nicht viel. Mit zwei bis drei Trainings pro Woche erreicht man sehr, sehr viel. Was langfristig zum Erfolg führt, ist die Regelmäßigkeit.

Manchmal sorgen sich gerade Frauen, wenn sie „Kraft“ hören, dass dies das falsche Training für sie wäre. Sind diese Befürchtungen berechtigt?

Anna Urbas: Da gibt es so viele Vorurteile! Ich betreibe seit Jahren Krafttraining und bin trotzdem schlank bzw. Genau deswegen schlank. Je besser die Muskulatur trainiert ist, desto höher ist nämlich der Kalorienverbrauch. Mit regelmäßigem Training schmilzt also das Körperfett wie Eis an der Sonne. Was noch dazu kommt, ist, dass Muskeln eine höhere Dichte haben, als Körperfett und so die Kleidung viel besser sitzt. Die meisten haben ja doch die knackige Bikinifigur als Ziel, aber an der führt kein Weg am Krafttraining vorbei. Körperfett schwabbelt, Muskeln sind straff.

Für mich persönlich ist es aber viel wichtiger, leistungsfähig zu sein. Ich möchte im Alter superfit sein, alles machen können, worauf ich Lust habe und so rumhüpfen wie ein Jungspund. Es sieht ganz danach aus, als ob ich das auch erreichen werde. 🙂

Vor allem finde ich es wichtig, mich wohlzufühlen. Sport gibt mir Selbstvertrauen – ich kann alles, ich schaffe alles. Ich fühle mich wohl im Bikini, ich kann Eis auch essen, nicht nur anschauen, mein Immunsystem ist tiptop beinander und ich bin ruhig, gelassen und ausgeglichen.

Wer möchte das nicht?!

Vielen Dank für das nette Gespräch und vor allem – das aufschlussreiche Training. Mehr über Anna Urbas und ihr Training findet ihr hier auf ihrer Website

The story about academic collaboration…the Cavesal ®

The story about academic collaboration…the Cavesal ®

„Being together in harmony“. „I want my horse that it feels safe and comfortable while being with me“.
If you ask riders, what they expect about being with horses, they all long for one similar goal: Togetherness in harmony. So people are interested in learning more about body-language, horsemanship, improving the relationship and to use soft tools. If riders think about soft tools they often think about the possibility of riding the horse bitless.
And so did Jossy Reynvoet.
My dear colleague from Belgium not only teaches about bitless art of riding and bodylanguage in many countries in Europe – he is also the inventor of the Cavesal ® and the Cavemore.

Anna: Jossy, why did you invent those bitless bridles? 

Jossy: I have already been for many years into horses  and horsemanship before I started my journey in the Academic Art of Riding by Bent Branderup. When I organized our first clinic with Bent in Belgium, I rode with a rope halter with ropes above it. We had rings and loops on the rope halter. During that clinic I discovered together with Bent that this tool had some disadvantages not only for the correct shape of the spine of the horse but also regarding how to support the horse in collection. At that time Bent and I met – let`s say on the same crossroad because he also was inspired and wanted to try to ride his PRE „Cara“ bitless.

We came to the conclusion to try to combine a hackamore with a cavesson. That was the hour of birth for the Cavemore. On the picture above  you can see that it was still a model constructed with the material of the rope halter. If you invent  something there is always a progress, and a will to improve. So the cavemore got its leather „jacket“. Bent had his reasons why he suggested not to produce the cavemore with the material of the rope halter, and I had my arguments why I did not want too much iron (like the chain in the noseband that is used for cavessons) on the cavemore. After the clinic with Bent I started to practice with a hackamore and a cavesson combining. One month later, we met again at Bent`s place and he then gave the name to our new invention: the cavemore.

Anna: Sounds like a happy end – but what made you go on. The Cavemore is a nice tool, why did you continue with your research to improve the bitless riding? 

Jossy: Well, what made me go on, was that I missed a little bit the „practical side“ of the Cavemore. I was used to do everything as a horsemanship trainer with my rope halter. I could tie my horse, I could lead it, I could ride. But of course – I could not influence the shape of the spine like I could with the cavesson. But still watching people train their horses with the cavesson (with the iron chain in it) I figured out, that it was not always such a nice tool – specially when people do not have a developed a good feeling in their hand. I wondered if we could find a tool that would make a perfect match – that combines the practical part and still is a very fine tool, specially for people that are still learning how to handle and train their horse.

During summer academy where we meet a lot of people that can inspire you while exchanging thoughts and experiences I had a walk with my wife and one colleague. I talked about the possibility to use reins from below to control the horses shoulders while you are working with a direct rein. So you would have reins on the rings of the noseband and reins below which can keep the shoulder straight and prevent the horse falling to the inside (making the circle smaller) if you ask for bending and the horse tends to overbend.

So the cavesal was born like a butterfly. It changed from the rope halter into a leather suit, got two rings below on the chin of the horse, and two rings on the noseband – and there it was. My Idea was to combine the function of the bosal with the cavesson – and again we combined the name of those two and called it Cavesal ®

Anna: The cavesal is not a tool like a halter that you can buy in every shop around the corner for every horse. You invented it for the individual horse and you recommend your pupils to learn a little bit about measurements? 

Jossy: Yes, that was also a very long journey. By the use of trying, fail and error we had then the perfect measurements. The Noseband should not rotate too much, it should not be too loose but on the other hand it should not be too tight. Of course there is no way that it should disturb the breathing system of the horse. I was observing a lot, when the noseband was too low, for some horses it was a problem to breath in a relaxed way, but when I thought the solution was to put it higher, I saw horses pressing lower and upper jaw together and twisting the teeth. They would not relax also. So I went back to my books, studied the anatomy and biomechanics, talked to experts and veterinarians to find the best solution. The saliva was the Problem. The horse produces saliva but sometimes it can not swallow the saliva in a relaxed way. The saliva makes the mouth wet, but it should not be too wet. When there is too much pressure – mentally and physically horses tend to produce way too much saliva, you can see a white foam around the mouth like lipstick. All those things happen when the noseband is too tight and the horse wants to get rid of it by using all its pressure against. This can happen with or without a bit. So you have to check on your horse – on every individual horse if the noseband is too low or too high and if it is too close to the cheekbones.

We have also produced a new film where you can learn more about the measurements:

What is your answer to the question: „But I heard that the mouth has to be wet?“ 

Jossy: It is always a matter of quantity. Horses in nature – not ridden and under normal circumstances – they would not be that wet in the mouth, they would not produce that foam. I want my horse to have a calm head, calm mouth, soft eyes and movable ears.

If we want to work and succeed with shaping and balancing the horse it is important to have tools that fit perfectly.

Anna: Recently I read a citation on facebook saying that the noise of the metal of the bits in the mouth of a horse sound like music.

Jossy: If we truly believe that we can work the shape of the horse out of the hindquarters, then in my opinion this is a misquotation. I undestand it is important to teach your horse a soft hand, to follow the hand, to teach the riders hand how to give and of course also to teach the horse not to go against pressure. If you have to mess with the horses head, then you do not have a problem with the head – you have a problem with the hindlegs, or your seat, or the momentum of the back.

Anna: Every horse reacts different to bitless bridles. I think people agree to give their horses time to get used to a bit, but sometimes they forget that horses need also time to get used to a cavemore or a Cavesal ®. I can only share my experiences: My mare Pina who is doing a nice job with her hind-legs was very soft with the Cavemore, it helped her a lot to search for my giving hand. With a bit she was always very skeptical and more behind the hand. My chestnut mare Tabby with her from nature very wide hind-legs needed more time to give the bitless possibility a chance. The better I was able to take influence on the hind-legs, the better we were able to communicate while riding bitless. Bitless bridles are no magic problem solvers – you still have to ride, to train and to exercise the hind-legs of the horse.

Jossy: Yes, the conformation of the horse and time will tell. Horses  have to get used to the bitless riding too. It takes with some horses a few days, sometimes it takes more time. On the other hand, I meet horses with a bit and they are after five years still not used to it.

I must admit I am still experimenting new things. And I am still working on improving Cavemore and Cavesal. My goal is to be together with a calm and relaxed horse, the super goal will be to ride even without a bridle 😉

Anna: Last question – why did you recently protect the name „Cavesal“ ®?

Jossy: The Cavesal ® was presented in 2014 for the first time in Europe and shortly after that I had to learn that the name „Cavesal“ had been put on other products too. It is important for me that people know how the cavesal has been developed, why it nowadays looks like it is, what is its function and how you can measure it for your horse. Also because it is  my passion and my „baby“ I developed for the wellbeing for the horse. When I see a horse stressed because something is disturbing him on the head – it is my job to find out how we can solve this problem. That is my service I want to give to my students and my four legged clients.

Anna: Thank you Jossy for this nice conversation. It is always a pleasure to talk with you – and so it will also be a pleasure meeting you again in May in Niederösterreich, where you will give your next Austrian clinic.

The interview with Jossy made it for me clear agin – why I like to be in a group of trainers selected by Bent Branderup. The collaboration, discussions and exchange of experiences can be something very special – and it can improve tools, riding aids, pedagogic skills and so much more.

But it is a treasure that in days of commerce and profit also has to be protected.

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PS: More about Jossys next clinic in Austria you will find under the following Link

 

 

Awareness and your inner journey

Awareness and your inner journey

Hanna Engström is coming to Graz! For the first time ever, Hanna, the „seat expert“ in the Academic Art of Riding is giving a clinic in the South of Austria.

If you are new to the Academic Art of Riding and you do not know Hanna at all – no problem – Hanna is introducing herself and her program for spectators and riders in the following interview:

What is special about your seat program in a view words? 

Hanna: The seat program is an individual inner journey in body awareness to understand the movements of yourself and your horse.

8 different riders and their horses are going to participate at the clinic. They all wrote an introduction about themselves that you can read on my Facebook page. What they have in common: Nobody is worried about a beautiful shape of the seat, they talk about back problems, or problems balancing the horse, problems with overflexibilty while they gain for stability. 

Why do so many riders suffer from back problems? 

Hanna: Well, there are still riders without any back problems 😉 But most riders come to me because they want me to allay their back pain. That is my specialty. It is interesting and also fun to find out together with the rider to solve seat problems in a way that they are much more comfortable and want to continue riding.

First we have to define the problem. There is of course the possibility that you recently suffered a trauma, in most cases riders suffer from sitting too much while doing their office work. Riding and being stiff after office does not fit quite good together. We have to find out if your muscles – especially the small muscles close to the spine – are stiff because of the lack of movability or because the muscles try to protect a special area in your body and block the pain. In all cases we have to find a better balance regarding the muscles.

How do you „find“ the problem together with the rider? What is the magic about your program? 

Hanna: I am working mostly though body awareness. If you have a problem and you feel any pain, the normal reaction is that you are not very eager to look deeply into it. You rather forget the problem and the pain or get some painkillers. But that tactic does not solve the problem. Most riders do not feel any pain while riding. That is also one way of painkilling. Then it is worse when you get off the horse and maybe you regret the ride. Through body awareness, going through my  seat program and finding out how to make the normal riding easier and smoother you can find a new way to approach the seat and ride. I have several more programs where I put the students on the horseback to learn more about the real character of the problem. Either if we discover a mental or a physical problem – most of them have their cause in an imbalance. What do we do then? We do the same with the rider as we would to it with the horse: We straigthen up the rider like we bring the horse to straightness.

We know that horses are individuals and so are our riders. I can not guarantee, that I can solve your back problem and the next person will be happy with the same program. I am just someone that knows how to ask the body the right questions. So there is no certain and fixed way. Individual body awareness is the magic ingredient I use.

How are you going to start our clinic? 

Hanna: First we have to listen to our riders and their wishes. Sometimes wishes are very similar and together we can create a special topic for the weekend that we of course discuss also in theory and in the practical part – also with the whole audience that everybody has the chance to work with his body. I often ask people if they recognize themselves in the riders. Of course everybody is very welcome to mention something and to ask questions.

What are the most common seat problems people face? 

Hanna: Well, that is a mental and physical conflict. The brain thinks how the rider should sit, but the body maybe needs another way to do it, to feel better. Sometimes we do not listen to our body that explains quite well how it needs to move to feel comfortable. That ignorance could create a lot of pain mentally and physically.

But many riders care a lot about the aesthetics. They want to sit in a special shape. 

Hanna: Therefore I really like the Academic Art of Riding. Looking good comes as a bonus when you have found a good function of the seat. It is all about minimizing the aids that we give to the horse. Also our body wants us to minimize the effort. First we have too see why for example the shoulder of the rider is not in the correct place right from the beginning. We always focus on the center of mass and on improvement of the balance. If the center of mass is in balance, we can work on the secondary aids (shoulder or legs are secondary aids). The symptoms are always disappearing when the main fundament of the rider is put in the right place.

I got some questions from riders who are still working their youngsters from the ground. If they do not yet ride, is a seat clinic still a good recommendation to attend?

Hanna: Thank you for the good question. In my opinion everything is about riding. When I am walking and working on the ground I also think about riding. Now I have the chance to educate my balance in movement, the schooling of the movement with my body together with the horse. I am also very fond of combining groundwork with the seat program – everything we do should lead to good riding!

Click me for more about the clinic

You want to listen to Hanna? Here you can find my podcast episode with Hanna

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