Mobilität, Stabilität und Kraft

Mobilität, Stabilität und Kraft

Mobilität, Stabilität und Kraft sind wichtige Komponenten in der Ausbildung und im Training meiner Pferde. Für mein eigenes Training hatte ich – zugegeben –  in den letzten Jahren aber wenig Muse und Begeisterung. Laufen gehen ohne Pony dabei ist einfach nicht meins. Grundsätzlich bewege ich mich sehr viel, an manchen Tagen gehe ich im Unterricht 11 Kilometer mit. Trotzdem – mir fehlte so ein wenig die Freude an der Bewegung. Angeregt durch Annika Kellers Equestrian Movement Konzept wollte ich abseits vom Reiten wieder etwas finden, wo Bewegung Spaß macht und das Training sinnvoll ist. Daher geht es heute einmal primär um die Fitness des Reiters.

Fündig wurde ich auf meiner Suche bei Anna Urbas und Revolution Fitness. Ihr Motto: Entfessle deine Stärke. Das Interview mit Anna ist auch eine spannende Anregung für das Training mit dem Pferd.

Anna, warum sind Mobilität, Stabilität und Kraft so wichtige Komponenten?

Anna Urbas: Das ist wie bei einem Haus: Die Beweglichkeit (Mobility) ist das Fundament. Wenn wir für unsere Beweglichkeit nichts tun, nimmt sie immer mehr ab, wir entwickeln Fehlstellungen, einseitige Abnutzungen der Gelenke und fühlen uns steif und unwohl.

Ist das Fundament eines Hauses nicht fest gebaut, läufst du immer Gefahr, dass es in sich zusammenfällt. Deshalb muss die Basis stimmen, sonst kannst du keine stabilen Wände drauf bauen.

(Tiefen-)Stabilität (Stability) ist wie der Mörtel, der alle Ziegelsteine zusammenhält. Bei Stability trainierst du die tiefliegenden Muskeln rund um deine Gelenke, die dich im Bedarfsfall vor Verletzungen schützen und die Rumpfmuskulatur. Diese tiefen Muskelschichten kannst du nicht willentlich anspannen – das passiert in einem Bruchteil einer Sekunde, lange bevor die Skelettmuskulatur, das sind die Muskeln, die direkt unter der Haut sind, reagieren können. Je besser die Stützmuskulatur trainiert ist, desto besser bist du geschützt Verletzungen in Alltag, Beruf und Sport. Als Beispiel: Ist die Mitte nicht gestärkt, ist das erste, was du spürst Kreuzweh – der Klassiker, wer kennt das heutzutage nicht?! Stability trainiert aber auch die Koordination und das Balancegefühl. Das heißt, die Verbindung meiner Nervenbahnen zum Bewegungsapparat wird schneller – wie bei einer LTE-Verbindung. Je schneller die Verbindung, desto schneller kann ich reagieren. Im Winter macht das dann den Unterschied aus, ob ich auf der Eisplatte ausrutsche, oder mich drüberretten kann.

Die schlanke Taille gibt‘s da noch obendrauf. 🙂

Wenn also mal die Grundvoraussetzungen stimmen, brauche ich noch ein Dach über dem Kopf. Der letzte wichtige Baustein ist also Kraft (Strength). Ein wirklich zielführendes Krafttraining, das mir was fürs Leben bringt, mir Alltag, Beruf und meine Hobbies erleichtert, wird mir keine trägen, dicken Muskeln anzüchten. Krafttraining klingt immer so nach Arnold Schwarzenegger, aber da gibt es so viele Nuancen, dass dieses Vorurteil absolut unbegründet ist.

Mir geht es beim Krafttraining darum, für jede Situation, die sich mir stellen könnte, gerüstet zu sein. Ich möchte bei der Gartenarbeit ohne Probleme die großen Säcke Blumenerde tragen können, ich möchte einen großen Futtersack stemmen können – alles mit Leichtigkeit und einem guten Gefühl. Gerade für Frauen ist Krafttraining besonders wichtig. Es erhöht nämlich auch die Knochendichte und hat positive Auswirkungen auf den Hormonhaushalt. Abgesehen davon kann so ein Krafttraining auch sehr spielerisch gestaltet sein!

Warum verlernen wir eigentlich so ursprüngliche Bewegungskompetenzen, die uns als Kinder noch so leicht gefallen sind?

Anna Urbas: Als Kind bist du ständig herumgetollt, auf Bäume gekraxelt und hast am Boden gespielt. Das Stillsitzen auf Stühlen wird uns erst anerzogen. Spätestens mit dem Schuleintritt sitzen wir immer mehr und mehr und das wirkt sich natürlich auf unseren Bewegungsapparat aus. Wir werden mit zunehmendem Alter immer unbeweglicher, aber auch gleichzeitig unsicherer in Bezug auf unsere körperliche Leistungsfähigkeit. Ein kleines Kind denkt nicht viel darüber nach, ob es auf der Mauer balancieren kann, oder ob es runterfallen könnte – es hüpft einfach rauf und macht das. Wir Erwachsenen eiern rum. „Könnte ja gefährlich sein. Was, wenn ich runterfalle? Das ist zu hoch, ich trau mich nicht,…“ Damit schränken wir uns zusätzlich ein. Es muss ja keine Mauer sein, es reicht ja ein abschüssiger Waldweg mit feuchtem Laub und wir werden unsicher und vertrauen unserem Tritt nicht. Kinder machen einfach.

Für ein Kleinkind ist es auch selbstverständlich, mit kerzengeradem Rücken in der Hocke zu sitzen oder mit perfekter Körperspannung etwas Schweres vom Boden aufzuheben. Als Erwachsener wird oft schon ein heruntergefallener Kuli zur reinsten Plagerei für den Rücken. Aber genau zu dieser unbeschwerten, körperlich starken Leichtigkeit sollten wir alle wieder hin dürfen.

Viele verbinden Training mit großen körperlichen Anstrengungen, mangelnder Begeisterung, Überwindung des Schweinehunds. Wie kann man sicher stellen, dass man wieder Freude an der Bewegung hat?

Anna Urbas: Ich muss ja gestehen, dass mir das Fitnessstudio auch nie Spaß gemacht hat! Ist doch kein Wunder, wenn einem das Herumhampeln an komplizierten Gerätschaften, die dich einengen und so nichts mit den Bewegungen im echten Leben zu tun haben, nicht gefällt. Für mich war das immer stink fad! Ich bin sehr verspielt und genauso wünsche ich mir auch das Training. So macht‘s auch dem Schweinehund Spaß, wenn er immer etwas Neues machen darf. Die Variation hat aber einen ganz pragmatischen Grundgedanken – der Körper will von ganz vielen verschiedenen Winkeln aus gefördert werden. Natürlich trotzdem mit Blick aufs große Ganze bei der Trainingsplanung, aber viel Freiraum für Variation, um das Maximum rauszuholen. Eines meiner Mitglieder, eine Dame Mitte 40, hat das mal so schön formuliert: „Ich muss nicht zum Sport, ich darf mit meinem Freunden spielen gehen.“

Also im Vordergrund sichtbar ist das spielerische Krafttraining, im Hintergrund die ausgefeilte Trainingsplanung, damit du auch deine individuellen Ziele erreichst. Die gesteckten Ziele überprüfe ich natürlich auch regelmäßig, damit der Erfolg auch für jeden sichtbar wird.

Was sind heute in Punkto Mobilität, Stabiliät und Kraft die größten Stolpersteine – also woran hapert es den meisten Leuten?

Anna Urbas: Naja, Nichtstun ist natürlich am schlimmsten. Alleine regelmäßiges Spazierengehen, die Stiege statt dem Lift, so oft wie möglich barfuß gehen und, zumindest zu Hause, auch mal am Boden sitzen bringt schon viel an Lebensqualität.

Je weniger man sich bewegt, desto steifer und eingerosteter wird man. Aber auch die Muskulatur nimmt ab, wenn du sie nicht benutzt. Eine trainierte Muskulatur ist aber lebensnotwendig, um uns vor Verletzungen zu schützen. Je mehr wir uns in Watte packen und schonen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns etwas passiert – ohne Sport nehmen neben der Beweglickeit auch Balance und Stabilität ab.

Wie viel Training braucht man tatsächlich um die drei oben genannten Komponenten zu verbessern?

Anna Urbas: Eigentlich gar nicht viel. Mit zwei bis drei Trainings pro Woche erreicht man sehr, sehr viel. Was langfristig zum Erfolg führt, ist die Regelmäßigkeit.

Manchmal sorgen sich gerade Frauen, wenn sie „Kraft“ hören, dass dies das falsche Training für sie wäre. Sind diese Befürchtungen berechtigt?

Anna Urbas: Da gibt es so viele Vorurteile! Ich betreibe seit Jahren Krafttraining und bin trotzdem schlank bzw. Genau deswegen schlank. Je besser die Muskulatur trainiert ist, desto höher ist nämlich der Kalorienverbrauch. Mit regelmäßigem Training schmilzt also das Körperfett wie Eis an der Sonne. Was noch dazu kommt, ist, dass Muskeln eine höhere Dichte haben, als Körperfett und so die Kleidung viel besser sitzt. Die meisten haben ja doch die knackige Bikinifigur als Ziel, aber an der führt kein Weg am Krafttraining vorbei. Körperfett schwabbelt, Muskeln sind straff.

Für mich persönlich ist es aber viel wichtiger, leistungsfähig zu sein. Ich möchte im Alter superfit sein, alles machen können, worauf ich Lust habe und so rumhüpfen wie ein Jungspund. Es sieht ganz danach aus, als ob ich das auch erreichen werde. 🙂

Vor allem finde ich es wichtig, mich wohlzufühlen. Sport gibt mir Selbstvertrauen – ich kann alles, ich schaffe alles. Ich fühle mich wohl im Bikini, ich kann Eis auch essen, nicht nur anschauen, mein Immunsystem ist tiptop beinander und ich bin ruhig, gelassen und ausgeglichen.

Wer möchte das nicht?!

Vielen Dank für das nette Gespräch und vor allem – das aufschlussreiche Training. Mehr über Anna Urbas und ihr Training findet ihr hier auf ihrer Website

The story about academic collaboration…the Cavesal ®

The story about academic collaboration…the Cavesal ®

„Being together in harmony“. „I want my horse that it feels safe and comfortable while being with me“.
If you ask riders, what they expect about being with horses, they all long for one similar goal: Togetherness in harmony. So people are interested in learning more about body-language, horsemanship, improving the relationship and to use soft tools. If riders think about soft tools they often think about the possibility of riding the horse bitless.
And so did Jossy Reynvoet.
My dear colleague from Belgium not only teaches about bitless art of riding and bodylanguage in many countries in Europe – he is also the inventor of the Cavesal ® and the Cavemore.

Anna: Jossy, why did you invent those bitless bridles? 

Jossy: I have already been for many years into horses  and horsemanship before I started my journey in the Academic Art of Riding by Bent Branderup. When I organized our first clinic with Bent in Belgium, I rode with a rope halter with ropes above it. We had rings and loops on the rope halter. During that clinic I discovered together with Bent that this tool had some disadvantages not only for the correct shape of the spine of the horse but also regarding how to support the horse in collection. At that time Bent and I met – let`s say on the same crossroad because he also was inspired and wanted to try to ride his PRE „Cara“ bitless.

We came to the conclusion to try to combine a hackamore with a cavesson. That was the hour of birth for the Cavemore. On the picture above  you can see that it was still a model constructed with the material of the rope halter. If you invent  something there is always a progress, and a will to improve. So the cavemore got its leather „jacket“. Bent had his reasons why he suggested not to produce the cavemore with the material of the rope halter, and I had my arguments why I did not want too much iron (like the chain in the noseband that is used for cavessons) on the cavemore. After the clinic with Bent I started to practice with a hackamore and a cavesson combining. One month later, we met again at Bent`s place and he then gave the name to our new invention: the cavemore.

Anna: Sounds like a happy end – but what made you go on. The Cavemore is a nice tool, why did you continue with your research to improve the bitless riding? 

Jossy: Well, what made me go on, was that I missed a little bit the „practical side“ of the Cavemore. I was used to do everything as a horsemanship trainer with my rope halter. I could tie my horse, I could lead it, I could ride. But of course – I could not influence the shape of the spine like I could with the cavesson. But still watching people train their horses with the cavesson (with the iron chain in it) I figured out, that it was not always such a nice tool – specially when people do not have a developed a good feeling in their hand. I wondered if we could find a tool that would make a perfect match – that combines the practical part and still is a very fine tool, specially for people that are still learning how to handle and train their horse.

During summer academy where we meet a lot of people that can inspire you while exchanging thoughts and experiences I had a walk with my wife and one colleague. I talked about the possibility to use reins from below to control the horses shoulders while you are working with a direct rein. So you would have reins on the rings of the noseband and reins below which can keep the shoulder straight and prevent the horse falling to the inside (making the circle smaller) if you ask for bending and the horse tends to overbend.

So the cavesal was born like a butterfly. It changed from the rope halter into a leather suit, got two rings below on the chin of the horse, and two rings on the noseband – and there it was. My Idea was to combine the function of the bosal with the cavesson – and again we combined the name of those two and called it Cavesal ®

Anna: The cavesal is not a tool like a halter that you can buy in every shop around the corner for every horse. You invented it for the individual horse and you recommend your pupils to learn a little bit about measurements? 

Jossy: Yes, that was also a very long journey. By the use of trying, fail and error we had then the perfect measurements. The Noseband should not rotate too much, it should not be too loose but on the other hand it should not be too tight. Of course there is no way that it should disturb the breathing system of the horse. I was observing a lot, when the noseband was too low, for some horses it was a problem to breath in a relaxed way, but when I thought the solution was to put it higher, I saw horses pressing lower and upper jaw together and twisting the teeth. They would not relax also. So I went back to my books, studied the anatomy and biomechanics, talked to experts and veterinarians to find the best solution. The saliva was the Problem. The horse produces saliva but sometimes it can not swallow the saliva in a relaxed way. The saliva makes the mouth wet, but it should not be too wet. When there is too much pressure – mentally and physically horses tend to produce way too much saliva, you can see a white foam around the mouth like lipstick. All those things happen when the noseband is too tight and the horse wants to get rid of it by using all its pressure against. This can happen with or without a bit. So you have to check on your horse – on every individual horse if the noseband is too low or too high and if it is too close to the cheekbones.

We have also produced a new film where you can learn more about the measurements:

What is your answer to the question: „But I heard that the mouth has to be wet?“ 

Jossy: It is always a matter of quantity. Horses in nature – not ridden and under normal circumstances – they would not be that wet in the mouth, they would not produce that foam. I want my horse to have a calm head, calm mouth, soft eyes and movable ears.

If we want to work and succeed with shaping and balancing the horse it is important to have tools that fit perfectly.

Anna: Recently I read a citation on facebook saying that the noise of the metal of the bits in the mouth of a horse sound like music.

Jossy: If we truly believe that we can work the shape of the horse out of the hindquarters, then in my opinion this is a misquotation. I undestand it is important to teach your horse a soft hand, to follow the hand, to teach the riders hand how to give and of course also to teach the horse not to go against pressure. If you have to mess with the horses head, then you do not have a problem with the head – you have a problem with the hindlegs, or your seat, or the momentum of the back.

Anna: Every horse reacts different to bitless bridles. I think people agree to give their horses time to get used to a bit, but sometimes they forget that horses need also time to get used to a cavemore or a Cavesal ®. I can only share my experiences: My mare Pina who is doing a nice job with her hind-legs was very soft with the Cavemore, it helped her a lot to search for my giving hand. With a bit she was always very skeptical and more behind the hand. My chestnut mare Tabby with her from nature very wide hind-legs needed more time to give the bitless possibility a chance. The better I was able to take influence on the hind-legs, the better we were able to communicate while riding bitless. Bitless bridles are no magic problem solvers – you still have to ride, to train and to exercise the hind-legs of the horse.

Jossy: Yes, the conformation of the horse and time will tell. Horses  have to get used to the bitless riding too. It takes with some horses a few days, sometimes it takes more time. On the other hand, I meet horses with a bit and they are after five years still not used to it.

I must admit I am still experimenting new things. And I am still working on improving Cavemore and Cavesal. My goal is to be together with a calm and relaxed horse, the super goal will be to ride even without a bridle 😉

Anna: Last question – why did you recently protect the name „Cavesal“ ®?

Jossy: The Cavesal ® was presented in 2014 for the first time in Europe and shortly after that I had to learn that the name „Cavesal“ had been put on other products too. It is important for me that people know how the cavesal has been developed, why it nowadays looks like it is, what is its function and how you can measure it for your horse. Also because it is  my passion and my „baby“ I developed for the wellbeing for the horse. When I see a horse stressed because something is disturbing him on the head – it is my job to find out how we can solve this problem. That is my service I want to give to my students and my four legged clients.

Anna: Thank you Jossy for this nice conversation. It is always a pleasure to talk with you – and so it will also be a pleasure meeting you again in May in Niederösterreich, where you will give your next Austrian clinic.

The interview with Jossy made it for me clear agin – why I like to be in a group of trainers selected by Bent Branderup. The collaboration, discussions and exchange of experiences can be something very special – and it can improve tools, riding aids, pedagogic skills and so much more.

But it is a treasure that in days of commerce and profit also has to be protected.

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PS: More about Jossys next clinic in Austria you will find under the following Link

 

 

Awareness and your inner journey

Awareness and your inner journey

Hanna Engström is coming to Graz! For the first time ever, Hanna, the „seat expert“ in the Academic Art of Riding is giving a clinic in the South of Austria.

If you are new to the Academic Art of Riding and you do not know Hanna at all – no problem – Hanna is introducing herself and her program for spectators and riders in the following interview:

What is special about your seat program in a view words? 

Hanna: The seat program is an individual inner journey in body awareness to understand the movements of yourself and your horse.

8 different riders and their horses are going to participate at the clinic. They all wrote an introduction about themselves that you can read on my Facebook page. What they have in common: Nobody is worried about a beautiful shape of the seat, they talk about back problems, or problems balancing the horse, problems with overflexibilty while they gain for stability. 

Why do so many riders suffer from back problems? 

Hanna: Well, there are still riders without any back problems 😉 But most riders come to me because they want me to allay their back pain. That is my specialty. It is interesting and also fun to find out together with the rider to solve seat problems in a way that they are much more comfortable and want to continue riding.

First we have to define the problem. There is of course the possibility that you recently suffered a trauma, in most cases riders suffer from sitting too much while doing their office work. Riding and being stiff after office does not fit quite good together. We have to find out if your muscles – especially the small muscles close to the spine – are stiff because of the lack of movability or because the muscles try to protect a special area in your body and block the pain. In all cases we have to find a better balance regarding the muscles.

How do you „find“ the problem together with the rider? What is the magic about your program? 

Hanna: I am working mostly though body awareness. If you have a problem and you feel any pain, the normal reaction is that you are not very eager to look deeply into it. You rather forget the problem and the pain or get some painkillers. But that tactic does not solve the problem. Most riders do not feel any pain while riding. That is also one way of painkilling. Then it is worse when you get off the horse and maybe you regret the ride. Through body awareness, going through my  seat program and finding out how to make the normal riding easier and smoother you can find a new way to approach the seat and ride. I have several more programs where I put the students on the horseback to learn more about the real character of the problem. Either if we discover a mental or a physical problem – most of them have their cause in an imbalance. What do we do then? We do the same with the rider as we would to it with the horse: We straigthen up the rider like we bring the horse to straightness.

We know that horses are individuals and so are our riders. I can not guarantee, that I can solve your back problem and the next person will be happy with the same program. I am just someone that knows how to ask the body the right questions. So there is no certain and fixed way. Individual body awareness is the magic ingredient I use.

How are you going to start our clinic? 

Hanna: First we have to listen to our riders and their wishes. Sometimes wishes are very similar and together we can create a special topic for the weekend that we of course discuss also in theory and in the practical part – also with the whole audience that everybody has the chance to work with his body. I often ask people if they recognize themselves in the riders. Of course everybody is very welcome to mention something and to ask questions.

What are the most common seat problems people face? 

Hanna: Well, that is a mental and physical conflict. The brain thinks how the rider should sit, but the body maybe needs another way to do it, to feel better. Sometimes we do not listen to our body that explains quite well how it needs to move to feel comfortable. That ignorance could create a lot of pain mentally and physically.

But many riders care a lot about the aesthetics. They want to sit in a special shape. 

Hanna: Therefore I really like the Academic Art of Riding. Looking good comes as a bonus when you have found a good function of the seat. It is all about minimizing the aids that we give to the horse. Also our body wants us to minimize the effort. First we have too see why for example the shoulder of the rider is not in the correct place right from the beginning. We always focus on the center of mass and on improvement of the balance. If the center of mass is in balance, we can work on the secondary aids (shoulder or legs are secondary aids). The symptoms are always disappearing when the main fundament of the rider is put in the right place.

I got some questions from riders who are still working their youngsters from the ground. If they do not yet ride, is a seat clinic still a good recommendation to attend?

Hanna: Thank you for the good question. In my opinion everything is about riding. When I am walking and working on the ground I also think about riding. Now I have the chance to educate my balance in movement, the schooling of the movement with my body together with the horse. I am also very fond of combining groundwork with the seat program – everything we do should lead to good riding!

Click me for more about the clinic

You want to listen to Hanna? Here you can find my podcast episode with Hanna

Die Reiterhand kann niemals biegen

Die Reiterhand kann niemals biegen

Für die Feinen Hilfen Ausgabe Nr. 20 habe ich ein Interview mit Bent Branderup und Annika Keller rund um das Thema „Biegen“ geführt. Den gesamten Artikel gibt es in meinem Blog zum Nachlesen:

„Die Logik hinter den Biegungen“: so heißt die neue Übersetzung des Gymnasiums des Pferdes von Gustav Steinbrecht durch Bent Branderup und Annika Keller. Steinbrecht wurde 1880 in der Nähe von Magdeburg geboren. Bis zu seinem Tod blieb er im Sattel tätig – und galt bereits zu seiner Zeit als Verfechter der Hohen Schule und Reitkunst als „altmodisch“.

Gustav Steinbrechts Ideen und Ausbildungsgrundsätze sind aber selbst heute noch moderner denn je. Feine Hilfen-Autorin Anna Eichinger traf die Autoren zum Interview.

Feine Hilfen: Ist es für den Reiter von heute schwer Steinbrecht zu verstehen – oder was ist das Ziel eurer Überarbeitung?

Bent Branderup: Ich würde sogar sagen es ist leichter, da die heutigen Pferdeleute über viel mehr Bildung und Wissensdurst verfügen als viele Reiter damals. Zwar hatten die Leute zu Steinbrechts Zeit mehr Pferdeerfahrung, aber es gab schon das Phänomen der „Stillen Post“. Dabei werden Nachrichten von Mensch zu Mensch weitergegeben, allerdings geht dabei etwas vom Inhalt verloren. Wenn wir heute „Stille Post“ mit dem Namen Anna spielen, dann kommt vermutlich am Ende auch wieder „Anna“ heraus, weil der Name sehr einfach zu verstehen ist. Wollen wir aber einen russischen Namen und dazu noch vielleicht die russischen Buchstaben aufschreiben und weitergeben, dann wird das Endergebnis wohl anders aussehen. Der frühere Reiter hatte also vielleicht mehr praktische Erfahrung, das heißt aber noch nicht dass er den Inhalt auch wirklich verstanden hat, da wurde damals auch viel experimentiert.

Annika Keller: Wir möchten in unserem Buch für die Reiter unserer Zeit noch einmal unter die Pferdehaut schauen und erfassen, was biomechanisch in welchem Moment des Biegens passiert. Was ist überhaupt an Bewegung möglich? Diese Frage muss unbedingt gekoppelt sein von der Analyse: „Auch wenn es möglich ist – ist es überhaupt gesund?“ Beispielsweise ist ein Überbiegen im Pferd möglich. Das Pferd lässt dann aber, wenn es sich nach links überbiegt, den Brustkorb nach rechts sinken. Das ist möglich, aber für das Reiten nicht gesund. Wir müssen uns der biomechanischen Prozesse bewusst werden.

Feine Hilfen: Sind Biegungen eigentlich überhaupt gesund?

Branderup: Alle Muskeln sind in Biegen oder Beugen und Strecken involviert. Ein Körper, der weder das eine noch das andere kann, wird steif. Es geht also um die Gymnastizierung des Pferdes – und ein geschmeidiges Pferd hat auch ohne Reiter eine längere Bewegungs- und damit Lebensqualität.

Keller: Wenn Biegungen dem Pferd korrekt beigebracht werden, dann führen sie dazu, dass sich die Schiefe im Pferdekörper reduziert und die Balance gleichmäßig verbessert. Das betrifft, wie Bent schon sagte, auch das „Privatleben“ des Pferdes. Dennoch müssen wir uns beim Biegen immer vor Augen halten, dass wir sämtliche Übungen fast ausschließlich für unsere Arbeit brauchen, wenn wir eben auch auf dem Pferd sitzen möchten.

Feine Hilfen: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade – aber ich meine nicht das Schnelle“. Hier spricht Steinbrecht explizit eine Warnung aus, um Missinterpretationen entgegenzuwirken. Hätte es mehr solcher Warnungen im Original gebraucht?

Branderup: Bleiben wir gleich bei den Biegungen: Auch da gibt es ein zu viel, ein Verbiegen. Das ist aber auch ganz verschieden von Pferd zu Pferd. Ist es flachrippig oder eher rundrippig? Das rundrippige Pferd scheint viel mehr gebogen als das flachrippige. Der Hang in der Hüfte wird bei einem rundrippigen Pferd allerdings stärker ausfallen. Ein weiteres Thema: Schwung. Je nach Pferdetyp, aber auch nach Ausbildungsgrad wird er verschieden ausfallen. Ohne Rumpfmuskulatur kein Schwung – auch nicht mit Reitergewicht. Und so gab es auch beim Schwung eine stille Post, die zu Spannung führte. Wobei sich beide Begriffe in der Reiterei gegenseitig ausschließen müssten! Wenn man an Musik denkt, wird Schwung auch ganz anders interpretiert als in der Reiterei, genauso ist das mit Tempo und Takt – als Reiter können wir einen Dreivierteltakt in verschiedenen Tempos haben, als Musiker nicht.

Keller: Viele Reiter stoßen sich an Steinbrechts Schilderungen zum Schenkelgehorsam, Stichwort Sporn. Wenn man genau liest, wie sehr Steinbrecht zur Vorsicht im Umgang mit dem jungen Pferd mahnt, wird klar, dass Worte aus der Vergangenheit einen gänzlich anderen Effekt auf die Leser von heute haben. Umso vorsichtiger muss man auch Anweisungen und Handlungsempfehlungen zur Biomechanik lesen.

Feine Hilfen: Was war euer größtes Aha-Erlebnis durch Steinbrecht?

Branderup: Manchmal war es so, dass ich durch Steinbrecht einen Satz bei Guérinière besser verstanden habe und umgekehrt. Als ich bei Egon von Neindorff gelernt habe, war natürlich Steinbrecht mein „Mitreiter“ auf meinem Knabstrupper Hengst Hugin. Von Neindorff war ein direkter Erbe von Steinbrecht, der ihn für mich in meiner Lehrzeit sehr lebendig gemacht hat. Meine Arbeit mit Stellung und Biegung entspringt also der Lehre Steinbrechts und hätte dieser Baucher nie erwähnt, hätte ich mich auch nicht mit diesem Thema beschäftigt.

Keller: Der Teil in dem Steinbrecht über die Schulparade schreibt, dass das Pferd erst dann auf den Hanken ist, wenn es das mehrere Sekunden lang aushält – da habe ich mein Gefühl aus der Praxis wieder gefunden. Aha-Erlebnisse kommen manchmal sogar nach der Praxis, wenn man die Theorie noch einmal fein säuberlich studiert.

Feine Hilfen: Stichwort Baucher, Stichwort Über- oder Verbiegen. Das wird der akademischen Reitkunst manchmal vorgeworfen – berechtigterweise?

Branderup: Ich habe viele Jahre den Unterschied zwischen Verbiegen und Biegen studiert. Die Brustkorbrotationsrichtung dreht beim verbogenen Pferd nach außen, dabei kommt die äußere Schulter tiefer. Ein Pferd mit starker, aber korrekter Biegung hebt den Brustkorb außen hoch und wird in der Schulter leichter. Die Menge an Biegung muss aus der inneren Hüfte, die nach vorne-unten schwingt kommen. Auf die individuellen Fähigkeiten des Pferdes einzugehen, bedeutet im Einzelfall den Hals anfangs außen vermehrt zu dehnen, um gewisse Fähigkeiten überhaupt zu entwickeln. Letztlich kann nur ein nach vorne arbeitendes Hinterbein die Hüfte des Pferdes, die Biegung und die Rotation des Brustkorbs positiv beeinflussen. Als Schüler von Egon von Neindorff und Nuno Oliveira habe ich somit Steinbrechts und Bauchers Erbe aufgearbeitet. Speziell bei Oliveira gab es Pferde mit einem entsprechenden Krankheitsbild – Pferde mit steifer und kurzer Halsmuskulatur, die durch diese Dehnungsarbeit profitiert haben.

Gefährlich wird es aber, wenn man Methoden unbedarft verwendet, also wenn kein Bedarf besteht. Das Verständnis für die korrekte Biegung ist ja auch bei mir mit der Zeit gewachsen, ich will nicht behaupten, dass ich es von Anfang an richtig gemacht habe.

Keller: Wir müssen aufpassen, dass alle Lehrenden auch Lernende sein dürfen. Natürlich wünschen wir uns kein Überbiegen, aber beim Finden des Mittelwegs müssen ja auch Irrtümer passieren dürfen, damit man auch lernen kann. Wir müssen finde ich, davon Abstand nehmen, ständig Endprodukte zu erwarten.

Branderup: Diese Erwartungshaltung kommt dem Lernen eben auch nicht entgegen. Hand und Sitz sowie sämtliche weitere Hilfengebung kann das Pferd nur auffordern sich zu biegen, tun muss es aber die Muskulatur des Pferdes. Erzwungene Biegungen werden aber immer falsch – und da ist möglicherweise oft die Erwartungshaltung im Weg.

Feine Hilfen: Was kann man gegen einen losen Hals machen, wenn der Hals gebogen ist, der Rest des Körpers aber nicht in der Biegung mitkommt?

Keller: Das Pferd muss so weit im Hals gerade gestellt werden, bis die Biegung des Halses zur Körperbiegung passt. Wenn im Rumpf bisher gar keine Biegung vorhanden war, dann darf ein stärkeres Einwirken am Kopf, was mit einer übermäßigen Halsbiegung korrespondiert, nicht die Lösung sein, weil sich das Pferd über das zu starke Biegen des sehr beweglichen Halses einen Ausweg sucht.

Branderup: Spürbar wird das Phänomen, wenn die Parade im Hals verloren geht und sich nicht über die weitere Wirbelsäule überträgt. Das gleiche gilt bei einem zu steifen Hals, wo eine Parade das Pferd auf die Schultern drückt und nicht auf die Hanken wirkt.

Feine Hilfen: Und was soll korrekterweise bei der Parade in der Biegung passieren?

Branderup: Die Parade ist nicht das, was die Hand macht, sondern das, was das Pferd macht. Wir wollen das Pferd auffordern, die Hanken zu biegen, ohne den Vorgriff der Hinterhand zu verlieren. Daher ist die anfängliche Ausbildung und Formgebung der Wirbelsäule ja so wichtig, sonst wird man das Pferd durch die Einwirkung der Reiterhand aus der Biegung werfen oder das Pferd sogar auf die Schultern drücken.

Keller: Wir unterscheiden weiter zwischen horizontaler und vertikaler Biegung, sowie der Beugung der Gelenke. Mir persönlich ist es wichtig, die Qualität der Biegung durch Paraden in Bewegung zu überprüfen. Messbar wird das durch den Bewegungsfluss, den Vorgriff und die Analyse, wo Last gut aufgenommen wird und wo das Pferd versucht auszuweichen. Auch Takt und Rhythmus spielen hier eine große Rolle.

Feine Hilfen: Seht ihr viele verbogene Pferde und woran könnte das liegen?

Branderup: Wir sehen verbogene und durch die natürliche Schiefe ungebogene Pferde. Das eine sind Fehler, die im Lauf der Ausbildung entstanden sind und ungebogene, junge Pferde, die Biegungen überhaupt erst lernen müssen.

Keller: Ich sehe im Unterricht sowohl verbogene, als auch steif gerittene Pferde – und beides liegt wohl daran, dass wir eben lernen (müssen).

Feine Hilfen: Die HDV 12 rät, junge Pferde nur ein Jahr lang geradeaus vorwärts gehen zu lassen. Was meint ihr dazu?

Branderup: Was heißt gerade? Gerade im flachen Gelände – da stimme ich zu, so haben wir das auch viele Jahre auf Island gemacht, um die Pferde auf langen Ritten an den Reiter zu gewöhnen – aber nur in kurzen Dosen. In unseren modernen Hallen mit vier Kurven geht das aber nicht, man muss ja schließlich durch die Ecken. Und unphysiologisch ein Jahr lang auf den Schultern durch die Ecken zu reiten halte ich für keinen guten Ratschlag, denn die meisten Pferde würden wohl ein Jahr lang auf die Schultern fallen und steif werden. Wenn man aber in der Zeit zurückdenkt, machte der Ratschlag ja für das Gelände und die Gebrauchsreiterei durchaus Sinn, allerdings wurde hier in kurzen Reprisen gearbeitet.

Keller: Lange gerade Strecken können Vorwärtsdrang des Pferdes fördern. Im begrenzten Viereck muss man darauf achten, das Pferd nicht zu versteifen und schon vorzeitig Gelenke und Rücken zu verschleißen.

Feine Hilfen: Was sind die häufigsten Fehler beim Biegen aus der Sicht des Reiters?

Branderup: Zwischen Genick und Hals entsteht oft ein Zickzack: Der Hals ist nach links gebogen, die Stellung im Genick aber nach rechts. Dann gibt es das Verwerfen im Genick, oder wenn die Position des Kopfes und Brustkorbs nicht übereinstimmen, auch das sind häufige Fehler. Alle fehlerhaften Biegungen werden durch die Reiterhand ausgelöst. Prinzipiell muss die Biegung aus der Tätigkeit der inneren Hüfte des Pferdes kommen. An sich Fehler, die schwer vermeidbar sind, da wir ja irgendwo anfangen müssen und nicht alle Pferde von vornherein von hinten gearbeitet werden können. Daher können wir in der Bodenarbeit dem Pferd einen guten Weg zur Biegung am Kappzaum zeigen.

Keller: Stärkeres Einwirken mit der Hand kann einfach keine Rumpfbiegung auslösen. Der Reiter hat das korrekte Einwirken wahrlich in der Hand, oder eben nicht!

Feine Hilfen: Abgesehen von der Hand, welche häufigen Fehler passieren im Sitz?

Branderup: Der Mensch versucht, das Pferd nach links zu stellen, sitzt aber nach rechts. Es gibt nur eine Wirbelsäule, der wir Mitteilungen geben können, wenn sich Sitz und Hand widersprechen hat das Auswirkungen auf Schwung, Form, Statik….

Keller: Immer, wenn der Reiter das Pferd quasi von sich weg schiebt, beispielsweise im Linkstravers stark nach rechts sitzt, dann läuft das Pferd der Biegung davon, anstelle sie durch den Sitz zu empfangen. Die meisten Pferde machen im Grunde nichts falsch, sie reagieren nur auf das, was wir falsch machen!

Feine Hilfen: Vielen Dank für das Gespräch!

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Monsier Guérinière und die Reiterhand- Teil 2

Monsier Guérinière und die Reiterhand- Teil 2

Was hat die Hand beim Reiten eigentlich zu tun? Kannten die Alten Meister bereits die natürliche Schiefe und wie war es mit einhändiger versus beidhändiger Zügelführung. Im zweiten Teil unseres fiktiven Interviews mit François Robichon de la Guérinière (1688-1751) gehen wir dieser Fragen auf den Grund.

In unserem letzten Gespräch war ein Grundsatz, dass der Reiter die Wirkung beider Zügel in einer Zügelhand spüren soll. Wie unterscheiden Sie einhändiges und beidhändiges Reiten? 

Guérinière: Mit geteilten Zügeln reiten bedeutet, den rechten Zügel in die rechte Hand und den klinken Zügel in die Linke Hand zu nehmen. Mit geteilten Zügeln  reitet man Pferde, die es noch nicht gewöhnt sind, einhändig geritten zu werden. Auch benutzt man sie bei Pferden, die sich widersetzen oder anderen Probleme in der Ausbildung haben, die mit einer Hand nicht gelöst werden können. Es gibt drei Arten die Zügel zu halten, nämlich in beiden Händen geteilt, gleich lang in der linken Hand oder einen kürzer als den anderen wenn man das Pferd auf einer Hand arbeitet. 

Damit meinen Sie die Biegung, ist diese auf beiden Händen gleichmässig möglich? Sie erwähnten Schwierigkeiten bei der Ausbildung? 

Guérinière: Nach meiner Erfahrung nach ist es für das Pferd weit schwieriger sich nach rechts, als nach links zu biegen. Die meisten Pferde sind von Natur aus steifer auf der rechten Seite. Beim einhändigen Reiten hält der Reiter die Zügel in der linken Hand – auch dieses Konzept vermag die Schwierigkeit nach rechts in der Biegung zu unterstreichen. Da die Zügel durch den kleinen Finger geteilt werden, wirkt der linke Zügel, der unter dem kleinen Finger liegt stärker als der rechte Zügel, der unter dem Ringfinger hindurchgeht. Da Sie heute aber mehr zum Vergnügen als zu einem bestimmten Zweck reiten, goutiere ich den Wechsel der Zügelhand sehr, man hat heute den Luxus, dass man nicht mehr unbedingt in der linken Hand einhändig führen muss. Zu meiner Zeit gab es also nur wenige Reiter, die den rechten Zügel gut zu benutzen verstanden, die linke Hand wurde auch meist tiefer getragen. Egal ob man den rechten oder linken Zügel als inneren Zügel annimmt, man muss immer das Gefühl des äußeren Zügels behalten, die Biegung muss aus dem Widerrist, sie sagen heute auch Halsbasis dazu heraus entstehen und nicht vom Ende der Nase, da ansonsten eine unschöne Stellung zustande kommt.

Wo würden Sie die korrekte Lage der Hand beschreiben? 

Guérinière: Das kommt ganz darauf an, wie hoch das Pferd eigentlich den Kopf trägt. Bei Pferden, die den Kopf tief halten, rate ich dazu die Hand etwas höher zu nehmen, als gewöhnlich, um das Pferd wieder aufzurichten. Pferde, die die Nase wegstrecken verlangen im Gegenzug dazu nach einer etwas tiefer gehaltenen Hand. Ich betone allerdings, dass sich ein jeder Reiter auch mit der Beschaffenheit des Gebisses, welches er seinem Pferd zumutet auseinander setzen muss. Schließlich wirkt eine hohe oder tiefe Hand ganz anders auf beispielsweise eine Kinnkette.

Was ist die größte Herausforderung für die Reiterhand? 

Guérinière: Zweifelsohne, das Nachgeben. Auch eine sehr leichte Hand kann aber das Problem entwickeln, die Verbindung zum Pferdemaul zu verlieren.

Weich ist die Hand, wenn sie die Wirkung des Mundstücks ein wenig fühlt, ohne das Pferd fest zu halten. eine leichte, weiche und stetige Hand hält das Pferd in vollendeter Anlehnung.

Wichtig ist: wenn man mit der Hand nachgegeben hat, also zur leichten Hand gewechselt hat, muss man sanft den Kontakt mit dem Pferdemaul suchen und aufnehmen, um nach und nach die Anlehnung des Mundstückes in der Hand zu fühlen. Dies nennt man eine weiche Hand haben. Nun verhält man das Pferd immer mehr und geht zu einer stärkeren Anlehnung über, reitet als mit stetiger Hand, bevor man wieder sanft nachlässt und das Gefühl für das Mundstück in der Hand verringert und danach zur leichten Hand übergeht. 

Ich beobachte immer wieder, dass es für Reiter sehr schwer ist nachzugeben – also beim Nachgeben eine Mitte zu finden. Entweder schafft es der Reiter nicht loszulassen oder der Zügel wird quasi hingeworfen, das Pferd fällt dann auf die Vorhand ins Leere? 

Guérinière: Vielleicht kann hier meine Faustregel behilflich sein, dass die weiche Hand immer vor der stetigen Hand kommen muss und auch wieder nach der stetigen Hand zum Einsatz kommen muss. Nie darf man plötzlich nachgeben oder das Pferd im Maul festhalten, denn sonst würde der Reiter auf Dauer das Pferdemaul verderben und das Pferd zum Kofpschlagen bringen. Wenn man das Pferd aber schon auf die Vorhand gebracht hat, dann darf man nicht noch einmal nachgeben oder die Hand sinken lassen. Das Nachgeben zur richtigen Zeit ist die beste Überprüfung der Hilfen, bleibt das Pferd dann im Rahmen, den wir ihm gegeben haben, dann haben wir die Sache gut gemacht. Den richtigen Zeitpunkt zu treffen, das ist allerdings eine große Sache von Gefühl, eine Fähigkeit, die lange Schulung beim Reiter bedarf.

 

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Monsier Guérinière und die Reiterhand -Teil 1 

Monsier Guérinière und die Reiterhand -Teil 1 

Was hat die Hand beim Reiten eigentlich zu tun? Ein Mysterium der Reitkunst, wobei ein großer Meister der Vergangenheit hier etwas Licht ins Dunkle bringen kann. Die Rede ist von François Robichon de la Guérinière (1688-1751).

In seinem Werk beschreibt er ausführlich alles über Hand- und Zügelwirkung. Wie würde eine Reitstunde oder ein Interview mit ihm wohl heute aussehen?

Wie muss denn eine Reiterhand überhaupt beschaffen sein? 

Guérinière: Der Herr von Brouè und der Herzog von Newcastle beschreiben eine gute Hand als leicht, weich und stetig.

Das sagt sich so einfach – wo schlummern denn die  meisten Tücken, auf dem Weg zu einer leichten, weichen und stetigen Hand? 

Guérinière: Ja, Sie haben recht. Die Vollkommenheit der Hand hängt ja freilich nicht alleine von der Hand alleine ab, sondern auch vom Sitz des Reiters. Wenn der Reiter nicht im Gleichgewicht sitzt und auf dem Pferd zu Schwanken droht, dann kommt natürlich auch die Hand aus der Position, wo sie sich befinden sollte. Sie verliert also Funktionalität und der Reiter, der die Kontrolle über den Sitz wieder erlangen zu trachtet, ist mit seiner Körperhaltung beschäftigt, aber nicht mehr mit der korrekten Wirkung der Hand.

Die modernen Reitvorschriften besagen, dass Zügelhilfen immer eine Anwendung in Verbindung mit entsprechenden Gewichts- und Schenkelhilfen finden muss? 

Guérinière: Das hat heute auch noch Gültigkeit. Die Schenkelhilfen müssen auch mit der Hand übereinstimmen, weil sonst die Wirkung der Hand nie genau sein kann.

In der Fachsprache nennt man dies, mit Hand und Schenkeln übereinstimmen, was die Vollkommenheit aller Hilfen bedeutet. Die Hand muss immer zuerst wirken, und die Schenkel müssen diese Bewegung begleiten, denn es ist ein Hauptgrundsatz sowohl der natürlichen wie auch der künstlichen Gänge, dass der Kopf und die Schultern des Pferdes zuerst gehen müssen. Da das Pferd vier Bewegungsrichtungen hat, nämlich vorwärts, rückwärts, nach rechts und nach links, muss auch die Zügelhand viererlei Wirkungen hervorbringen, nämlich Nachgeben, Anhalten, Wenden nach rechts und Wenden nach links.

Bleiben wir bei den Parallelen der heutigen, modernen Reiterei. Hier werden die Zügelhilfen als nachgebend, annehmend, aushaltend, verwahrend und seitwärtsweisend beschrieben. Eine Definition, der Sie auch zustimmen würden? 

Guérinière: Ja, die erste Wirkung ist eindeutig mit der Hand nachzugeben, um das Pferd überhaupt vorwärts gehen zu lassen. Das Anhalten des Pferdes mit der Hand, erfolgt, indem man die Hand dem Körper nähert und die Zügel mit etwas aufgedrehten Fingernägeln annimmt. Diese Hilfe verwende ich nicht nur um ein Pferd anzuhalten, sondern auch um es zu parieren, mittels einer halben Parade aufmerksam zu machen oder auch rückwärts gehen zu lassen. Wichtig ist jedoch bei dieser Hilfe nicht zu stark in die Steigbügel zu treten, sondern man muss mit der Bewegung des Pferdes mitgehen und dabei die Schultern etwas nach hinten nehmen.

Die dritte Wirkung der Hand ist die Wendung nach rechts. Man führt die Hand auf die rechte Seite und hält die Nägel etwas aufwärts, damit der äußere, also der linke Zügel, der hierbei wirken muss, etwas früher wirken kann.

Die vierte Wirkung oder die Wendung nach links erfolgt, indem man die Hand auf die linke Seite führt und hierbei die Nägel etwas nach unten dreht, damit der äußere Zügel in diesem Fall der rechte, der den Druck gegen den Hals ausübt, einwirken kann.

Wie sieht es mit der Erarbeitung von Stellung und Biegung aus? 

Guérinière: Wir gehen davon aus, dass wir ein Pferd in der Reitbahn arbeiten, um es weiter auszubilden. Der innere Zügel muss nun etwas verkürzt werden, somit kann der Reiter den Kopf etwas leichter nach innen zu stellen. Ich muss betonen, dass nur ein Pferd, das gebogen ist in die Reitbahn gehört. Der innere Zügel darf allerdings nicht zu stark verkürzt werden.

Der innere Zügel soll also etwas kürzer, aber doch nicht zu stark verkürzt werden? 

Guérinière: Das ist korrekt, denn wie bereits beschrieben gehört zu unseren Zielen in der Ausbildung die Erarbeitung einer korrekten Biegung. Ist das Pferd in der Reitbahn gebogen, dann verlangt es bereits die mathematische Betrachtung des Pferdes auf einem gebogenen Zirkel, dass der innere Zügel etwas kürzer ist als der äußere. Schließlich beschreitet das innere Beinpaar des Pferdes auch einen kleineren Zirkel als das äußere Beinpaar. Wird der innere Zügel jedoch zu kurz gefasst, kommt es zu einer falschen Anlehnung, möglicherweise zu einem Verkürze des äußeren Zirkels. Grundsätzlich muss man in der Zügelhand immer die Wirkung beider Zügel fühlen müssen.

Die Wirkung beider Zügel in einer Zügelhand bedeutet jedoch, dass die Zügel nicht beidhändig, sondern einhändig geführt werden.

Mehr dazu im zweiten Teil des Interviews…..