Die Sache mit der Trainerlizenz

Die Sache mit der Trainerlizenz


Wie sagte Henry Ford so schön:

Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg. 

Unter diesem Motto bin ich persönlich in mein heuriges Jahr gestartet. 

Seit 2012 gibt es eine Gruppe ausgewählter Persönlichkeiten, eine Gruppe rund um Bent Branderup, die sich der Pädagogik verschrieben hat – die Rede ist von den lizenzierten Bent Branderup Trainern. 

Was ist ein Bent Branderup ® Trainer? 

Zunächst gibt es mal die Ritterschaft der Akademischen Reitkunst. Diese wurde 1997 von Bent gegründet und hat vor allem ein Ziel: Forschen, Wissen vertiefen und durch Praxis und Theorie verbreitern und verbreiten. Reiten als Kulturgut wird gepflegt und mit neuem Wissen aus Pädagogik, Psychologie, Bewegungslehre, Medizin und vielem mehr kombiniert.

Und der Name? Ritter kommt von Reiter. In der Ritterschaft haben wir also nicht mit Ritterspielen zu tun, sondern mit einer Reiterzunft oder „Gilde“ an Professionisten, die ihr Handwerk verstehen. 

Einige Mitglieder der Ritterschaft haben aber nicht nur ihre Leidenschaft, sondern auch ihre Berufung in der Akademischen Reitkunst gefunden. Sie arbeiten hauptberuflich mit Pferden und wurden nun von Bent Branderup eingeladen, unter seinem Namen und Gütesiegel zu unterrichten. 

Das bedeutet: Um ein lizenzierter Bent Branderup Trainer zu sein muss man Mitglied der Ritterschaft sowie jahrelanger Schüler von Bent Branderup sein. Die Trainer haben ihre pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt und sind somit ein verlässlicher und vertrauensvoller Partner wenn es um die Ausbildung von Mensch und Pferd geht. 

Die Lizenz ist für ein Jahr gültig und unterliegt ein paar Auflagen: 

Zweimal im Jahr müssen wir als Trainer unsere Arbeit vor Bent präsentieren, außerdem zeigen wir unsere Arbeit als Trainer im Rahmen eines Kurses wenn wir einen Schüler vor Bent und Publikum unterrichten – oder einen zusätzlichen Vortrag für alle Teilnehmer halten. 

Mehr über die die lizenzierten Bent Branderup ® findest du unter folgendem Link

Warum bin ich dabei? 


Zuallererst: Weil ich meinen Beruf liebe und Menschen mit ihren Pferden gerne eine Begleitung auf ihrem Weg zur Reitkunst biete. Das kann ich aber nicht alleine – Reitkunst ist keine Sache die man aus einem Buch lernen kann. Wie sagt Udo Bürger: Gehen lernt man nur, wenn man geht. Aber jeder geht eben anders? Die einen rollen mehr über den Ballen ab, andere laufen vermehrt auf der Ferse. Pferdeausbildung ist eine so individuelle, fast schon intime Sache geworden, da bin ich einfach froh, dass ich über ein Netzwerk verfüge und auf das Wissen vieler einzelner Trainer zurückgreifen kann. 

In meiner Kundenkartei sind mittlerweile viele hunderte Namen abgespeichert – wenn ich nun zusätzlich zu meinen eigenen Erfahrungen mit meinen Kunden, die Erfahrungen meiner Kollegen zusammen zähle, dann sind wir einfach Mehr. 

Als ich 2015 der Gruppe der lizenzierten Trainer beitreten durfte, war das natürlich eine sehr schöne Bestätigung meiner Arbeit. Aber darüber hinaus freue ich mich ein bis zweimal im Jahr viele Trainer zu treffen, deren Arbeit ich ebenso sehr schätze und überzeugt davon bin, dass auch meine Schüler von den besonderen Qualitäten meiner Kollegen profitieren. 

Zusammen sind wir mehr…

In den letzten Jahren habe ich einige Kurse mit  dem Belgier Jossy Reynvoet und dem Schweden Christofer Dahlgren organisiert. Beide bringen vor allem für Horsemanship und Beziehungspflege ein großes Potpourri an Know-how mit. Während sich Jossy vor allem auf die gebisslose Reitkunst spezialisiert hat, liegt Christofer vor allem eines am Herzen: Ein energiegeladenes aber mental entspanntes Pferd, das Spaß hat an einer gemeinsamen Arbeit. 

Im heurigen Jahr freue ich mich auf Hanna Engström aus Schweden. Ihr Thema ist der Reitersitz, dem sie ihre ganze Leidenschaft widmet. Kein Kurs mit Hanna ist wiederholbar, immer wieder hat sie ein noch feineres Detail gefunden, eine bessere Erklärung, ein ausgeschmücktes Bild im Kopf der Teilnehmer, mit dem wir mehr Achtsamkeit für unseren Körper entwickeln können. 

Wer Anfang März dabei sein möchte – klickt folgenden Link für mehr Infos. 

Annika Keller aus Deutschland ist in Punkto Biomechanik eine Wucht. Die Physiotherapeutin und Ostheopatin hat gemeinsam mit Bent Branderup die „Logik hinter den Biegungen – Gustav Steinbrecht neu erklärt“ – verfasst und findet ebenso wie Hanna ständig ein neues Detail. Ihren Augen entgeht nichts und mit gefühlvoller Pädagogik macht sie komplizierte Zusammenhänge fühlbar und umsetzbar. Ende Oktober begrüßen wir sie bei uns am Sonnenhof und ich freue mich, dass wir neben der reiterlichen Praxis auch einige Massagegriffe gezeigt bekommen. 

wer Ende Oktober dabei sein möchte – klickt folgenden Link für mehr Infos

Mit wem ich 2020 zusammen arbeiten möchte? 

Die Liste ist lang. Fix geplant ist eine Kurswiederholung mit Mr. Play Smile and Practise Christofer Dahlgren zum Thema Versammlung. Stine Larsen aus Norwegen und ich sind gerade mitten am Tüfteln bezüglich eines Termins fürs kommende Jahr oder 2020. Stine ist Pferdetherapeutin mit Schwerpunkt Cranio Sakraler Therapie, Ostheopathie und Physiotherapie. Auf der letzten Sommerakademie hat sie uns mit ihrer Begeisterung für Biomechanik angesteckt. 

Auch Marius Schneider, seines Zeichens Meister der Akademischen Reitkunst und ebenso ausgebildeter Physiotherapeut wäre ein toller Gast für 2020 auf dem Horse Resort am Sonnenhof. Marius habe ich bereits auf vielen Kursen erlebt. Selbst wenn ich nicht aktiv mit eigenem Pferd teilgenommen habe, so integriert Marius das Publikum stets so, dass Theorie und Praxis ineinander übergehen. Ich bin wirklich nicht gut im Stillsitzen, aber bei Marius Kursen schaue ich einfach riesig gerne zu. 

Die meisten von uns waren bereits als Kinder von Pferden fasziniert. Hätten wir doch damals eine Trainerin wie Yvonne Heynckes gehabt – wir hätten sämtliche Träume auf dem Rücken der Pferde leben können. Aber was heißt da hätte…Yvonne unterrichtet auch uns Große – und sorgt bei Mensch und Pferd für Spaß und Losgelassenheit. Bei aller Detailverliebtheit die die Akademische Reitkunst mit sich bringt, darf man die Freude am Tüfteln nicht verlieren – und dabei könnte uns Yvonne weiterhelfen!

Celina Harich und ich haben beim letzten Trainertreffen quasi mehrere Nächte durchgequatscht. Die Themen gingen nie aus – und als wir auf der Fahrt zum Flughafen noch diverse Reha-Fälle besprochen haben, schien die restliche Zeit für Austausch wieder einmal deutlich zu kurz. Celina hat sich auch in Punkto Ostheopathie intensiv gebildet, sie war lange Zeit in Kooperation mit Hanna Engström in Gotland tätig. Ich würde mich sehr über eine Zusammenarbeit mit Celina freuen. 

Kristina Winholz und ich haben bereits einen gemeinsamen Termin gefunden. Ich freue mich riesig darauf Kristinas Arbeit mit ihren Pferden live zu sehen. Am letzten August Wochenende 2019 freue ich mich schon ihre Schüler kennen zu lernen, wenn ich bei ihr einen Tageskurs gebe und am Tag danach einen praxisnahen Austausch mit Kristina selbst genießen darf. Vielleicht können wir einen solchen Austausch auch bald bei uns in Graz wiederholen! 

Im letzten Jahr waren Schüler von mir bei Michelle Wolf in Dänemark als Praktikanten (also als Working Students).  Michelles Adresse kann ich allen wärmstens empfehlen, die nicht mit eigenem Pferd weit reisen wollen, trotzdem aber viel über die Akademische Reitkunst lernen möchten. Auch bei Yvonne Heynckes war eine meiner Schülerinnen zu Besuch und Dörte Bialluch vaz Pinto kommt auch regelmässig nach Österreich zum Unterricht. 

Mit Maja Caspersen habe ich im heurigen Jahr mal öfter konferiert über Skype. Bei der Sommerakademie hatten wir eine gemeinsame Einheit mit Janna Behrens um etwas „Bewegung und Fantasie“ in die Bude zu bringen. Marion van de Klundert aus Holland hatte ich auch mal an der „Strippe“ um ein paar Fragen rund um mein eigenes Reiten zu klären. 


Fantasie, anständig Formulieren und Selbstvertrauen, das sind übrigens meine Lieblingsthemen, wenn es um die Ausbildung von Pferden geht. 

Letztlich konnte ich in den vergangen Jahren auch im Rahmen der Akademischen Buchserie viele Kollegen besser kennen lernen und den wertvollen Austausch mit allen genießen. 

Ja, ich gestehe, für mich sind es die Kollegen, die einer gemeinsamen Reitkunst Form, Balance, Takt Losgelassenheit und Schwung einhauchen. Manchmal haben wir ein unterschiedliches Tempo, aber wir finden uns in der Mitte und dann reden wir drüber 🙂 

Reiten wir im Team, dann Reiten wir Einfach 


Akademischer Pole Dance

Akademischer Pole Dance

Pole Dance und Akademische Reitkunst? Nein da liegt kein Tippfehler vor. Am zweiten Fortbildungstag bei Hanna Engström hielten wir uns quasi gegenseitig die Stange. Nach einer Theorieeinheit und Demonstration zur Einführung von Hanna Engström wagten Viktoria und ich uns an die Garrocha. Viktoria sattelte dafür Chaval, ich übte mich zunächst auf Indio mit der Garrocha. 

Die Garrocha stammt aus der Gebrauchsreiterei. Sie wird eingesetzt, um Rinder aus der Herde zu separieren.  Bei Hanna haben wir eine einfache Garrocha aus Holz benutzt, in einer Länge von ungefähr 3 Metern 70. 

Natürlich waren diesmal keine Rinder im Spiel, es ging einerseits um die Verbesserung unseres Sitzes, andererseits um die Gymnastizierung des Pferdes, bei der die Garrocha wertvolle Dienste leisten kann. 

Das Thema ist und bleibt der korrekte Zirkel. Ich werde zunächst mit der Handhabe der Garrocha auf Indio vertraut gemacht. Anfangs hält Hanna noch das Ende der Garrocha und leitet mich an. Ich soll wieder Stabilität in meinem Drei-Punkte-Sitz finden. Mit der Garrocha fühlen sich versale und traversale Bewegungen, also Schulterherein, Kruppeherein und Renvers auf dem Zirkel ganz natürlich an. Ganz spielerisch beschäftigen wir uns nun mit der korrekten Platzierung der Hinterbeine auf dem Zirkel. Ziel ist es außerdem meine Sekundären Hilfen zwischen den Zügeln auf ein Minimum zu reduzieren. Auch meine Unterschenkel benutze ich nicht. Hanna weist mich an, mich in der Leiste zu öffnen und der Schulterbewegung des Pferdes zu folgen – so wird die innere Schulter von Indio im Travers leichter. Wir verkleinern und vergrößern den Zirkel und schon wiederholen wir die Übungen im Trab. Öffne ich bei einem Handwechsel meine innere Leiste, bekomme ich im Gegenzug sofort die korrekte Rotation und Biegung im Brustkorb. Von Hanna gibt es natürlich wieder viele nützliche Bilder, die das neue Sitzerlebnis fühlbar und umsetzbar machen. Dabei habe ich nicht wirklich das Gefühl, das Pferd zu „arbeiten“. 

Spielerisch „erarbeiten“ wir uns einen sanften Zugang zum Mittelpunkt des Zirkels. Dort liegt unser gesamter Fokus. Durch die Garrocha kann ich für mich persönlich noch besser empfinden, wie sich die Arbeit um den Pilaren für ein Pferd anfühlen könnte. 

Später in meiner zweiten Einheit auf Flamenco wiederhole ich die Basics die mir Indio beigebracht hat. Indio, ein sehr strenger Lehrmeister, der in Punkto Schulterführung noch mehr von meinem Sitz angesprochen werden möchte, als von den Zügeln hat mich bestens auf den kleinen, wendigen Flamenco vorbereitet. Hanna möchte nun, dass ich die Garrocha mittig fasse und in der Luft vor dem Pferd halte. So weise ich Flamenco den Weg. In unserer Fantasie treiben wir ein Rind durch die Halle, separieren es von seiner Herde und bewegen es von A nach B. Dabei verwende ich spielerisch Schulterherein, Kruppeherein und Renvers. Flamenco ist mit mir sehr zufrieden. Ich freue mich über die sehr gelungenen Einheiten, man kann die Garrocha nicht festhalten und einfach darum zirkeln. Verspannungen im eigenen Körper sind sofort fühlbar . 

Am nächsten Tag wiederhole ich auf Flamenco und Indio die Garrocha Basis. Auf Indio stelle ich mir einen Ritt mit Garrocha vor, ohne diese mitzuführen. Ich fühle mich selbst ohne Garrocha mit dem Zirkelzentrum viel besser verbunden. Wendungen, Versammlung, und das Leichtermachen aus der Leiste machen die Sache absolut rund. Später auf Flamenco kommt die Garrocha wieder hinzu und wir üben uns spielerisch in den verschiedenen Wendungen. Hannas Tipp an den “alten Portugiesen” auf dem Pferd zu denken, der einfach Platz nimmt und sich über komplizierte Wendungen nicht den Kopf zerbricht zeigt Wirkung. Manchmal muss man sich auch einfach etwas trauen. Eine Sache, die gerade unter den Tüftlern in der Akademischen Reitkunst oftmals zu kurz kommt. Vor lauter Spüren-Denken-Fühlen-Körper sortieren-Hilfen sortieren kommt Spontaneität oftmals zu kurz. Ich bin über die engen und gesetzten Wendungen, die der kleine Flamenco unter mir locker schafft überrascht. Flamenco ist eher überrascht, dass ich seine Fähigkeiten angezweifelt habe. Am Ende der Einheit brummelt – oder eher qietscht er zufrieden. Schön, wenn wir gemeinsam Spaß hatten. 

Gemeinsam Spaß – das ist mir auch für alle Daheimgebliebenen wichtig. Da mein Vater erst kürzlich an der Schulter operiert wurde ist er aktuell etwas bewegungseingeschränkt. Ich schildere Hanna die Situation und sie entwickelt prompt ein Coaching Programm für Rudi und Pina. Ich halte meinen Arm wie in einer Schlinge und bekomme alle möglichen Sitz-Inputs aus ihrem Sitzprogramm, Teil 1. Gemeinsam erkunden wir, welche Übungen zielführend sein könnten, um wieder zurück zur alten Form zu kommen. Ich selbst habe Hannas Sitzbasis noch nicht am eigenen Leib erfahren, es ist sehr spannend Bewegungsübungen im Sattel durchzuführen. Mal fühle ich mich wie ein Spieß beim Barbecue, mal wie ein Schweizer Messer, mal wie eine Ente mit ausgestrecktem Hintern oder in der berühmten Titanic Pose. Hannas Assoziationen klingen lustig, gehen aber richtig unter die Haut. Der Efffekt ist sofort spürbar. Mal fühlt man sich im Sattel leichter, mal tiefer und besser gesetzt, mal werden die Schambeinknochen, mal die Sitzbeinhöcker deutlicher spürbar. Eine ungemein spannende Angelegenheit – wieder etwas für die Tüftler unter uns 😉 

Freitag ist dann unser letzter Tag, bevor es auf eine hoffentlich stressfreie Heimreise geht. In der ersten Einheit wiederhole ich mit Indio einige Sitzübungen, die das Bewusstsein des Reiters für seinen Körper verbessern sollen. Ich bin überrascht wie leicht sich nach wenigen Minuten einzelne Körperteile besser wahrnehmen lassen. 

Danach steht noch etwas Action am Programm. Flamenco und ich tanzen um Hanna und die Garrocha – die beiden haben sich in der Mitte des Zirkels als Pilar platziert. Auf einem sehr kleinen Zirkel wird sofort spürbar, wenn ich das äußere Hinterbein im Schulterherein verliere oder Flamenco auf die Schulter fallen sollte. Flamenco nimmt jede Herausforderung von Hanna motiviert an. Handwechsel versal, traversal oder renversal – alles kein Problem. Die korrekte Handhabe der Garrocha ist mir erstaunlich schnell vertraut geworden. War die Stange vor zwei Tagen noch schwer wirklich an einem fixen Punkt im Zirkel zu positionieren läuft es nun wie geschmiert. Wir wagen unser Programm mit Seitengängen auf dem Zirkel, Handwechsel und – Stichwort “Leiste” – neue Biegungsrichtung, Erleichterung der neuen inneren und äußeren Schulter zunächst im Schritt, dann im Trab und zum krönenden Abschluss sogar im Galopp. 

Flamenco bedankt sich für meine gute Mitarbeit (ich habe versucht möglcihst wenig zu stören) mit seinem fröhlichen “Jauchzer” als ich absteige. 

Was bedeutet es wirklich im Sattel Platz zu nehmen? Was meinte Antoine de Pluvinel seinen Anspruch, das Pferd ausschließlich aus der Hüfte heraus zu dirigieren.Diesen Leitsatz verstehe ich durch die Tage bei Hanna neuerlich ein Stück besser. 

Ich bin heuer bereits zum dritten Mal bei Hanna Engström vor Weihnachten. Ich habe einen Kurs von Hanna in Österreich als Theorieteilnehmer besucht und einen weiteren Kurs organisiert und mitgeritten. Was ich an Hanna so wertvoll finde ist, dass es immer etwas Neues gibt, Hanna wird nicht müde den Sitz bis ins letzte Detail zu erforschen und die Hilfengebung noch feiner für das Pferd zu machen. Sie erinnert ihre Schüler immer wieder ohne Erwartungen ans Pferd und ohne Erwartungen an den eigenen Körper an die Sache zu gehen. Ein wunderbarer Zugang. Das Lernen ohne sich dabei unwohl fühlen zu müssen steht im Vordergrund. Für jeden Wunsch und jeden Schüler hat sie ein passendes Rezept in der Schublade. 

Ich freue mich bereits riesig Hanna erneut im März 2019 bei uns am “Horse Resort am Sonnenhof” begrüßen zu können. 

Möchtet ihr dabei sein? Dann klickt diesen Link und seid dabei!

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Aller guten Dinge sind 3 

Aller guten Dinge sind 3 

Seit drei Jahren verbringe ich nun die letzte Woche vor Weihnachten bei meiner geschätzten Kollegin Hanna Engström auf Gotland zur Fortbildung. Die mentale „Auszeit“ und Ruhe vor Weihnachten wurde durch eine gelinde gesagt beschwerliche Anreise zwar erschwert, letztlich sind meine liebe Kollegin und Freundin Viktoria Portugal und ich aber auf Gotland angekommen. 

Nach einem stärkenden Café trafen wir unsere Pferde. Für meinen ersten Ritt sattelte ich Flamenco, Viktoria startete mit Chaval.

Flamenco kannte ich bereits aus dem Vorjahr, damals haben wir viel mit seiner Mobilität gespielt. Für die erste Einheit war es allerdings mein Wunsch – trotz mangelnder Mobilität seitens diverser Airlines – erstmal wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen.
Ich war eigentlich recht überrascht beim ersten Check durch Hanna wenige Verspannungen in meinem Körper zu finden. Zunächst ging es natürlich darum ein Gefühl für Flamencos und meinen Körper herzustellen, um dann anschließend meine Wirbelsäule, Stück für Stück zu bearbeiten.
Ich fühlte mich überraschend wohl und stabil. Hanna hat sowohl Viktoria, als auch mich darin angeleitet, mehr in unsere Mitte auf dem Pferd zu kommen. Mal haben wir mehr Gewicht auf die Vorderseite des Oberschenkels genommen, mal mehr Gewicht aufs Schambein gelegt, um dann nach und nach in unserer Vorstellung “Eier” in den Sattel zu legen.

Ziel der ersten Einheit war es, mehr Bewusstsein für die drei Punkte – also das magische Dreieck zwischen den zwei Sitzbeinknochen und dem Schambein zu entwickeln. Obwohl wir quasi “gefühlsmässig” mehr mit Hüften, Sitzknochen und Schambein beschäftigt waren, gewann ich durch diese Arbeit – man könnte sagen – pro gelegtem Ei – mehr Stabilität in meiner Brustwirbelsäule. Eine einfache Übung (Ausdrehen und Eindrehen meiner Handgelenke) brachte mir mehr Verbindung zwischen meinen Ellenbogen und dem Rippenbogen und somit konnte ich mich auch im Brustbein/ Schultergürtel und Schlüsselbein deutlich mehr öffnen. 

Viktorias erste Aufgabe – nur mal am Schambein Platz zu nehmen und danach langsam die Sitzknochen vom Gefühl her hinzuzufügen. Für uns beide galt es gleichmässig auf den Sitzbeinknochen Platz zu nehmen und nicht das Gewicht mehr nach innen oder nach außen zu nehmen. Auch Viktoria suchte die “Mitte” zwischen Schambein und Steißbein. Bauch vor-für etwas mehr Vorwärts und Bauch zurück für etwas mehr Versammlung war die nächste Aufgabe. Dabei sollte Chaval gleichmässig bei seiner Reiterin bleiben. Sich selbst in der Mitte und dabei den Fokus nicht zu verlieren war dann ein schönes erstes Ergebnis der ersten Einheit. 

Nach einer kurzen Pause ging es dann am Nachmittag weiter. Unsere Wegbegleiter und vierbeinigen Coaches waren diesmal De Vito und Indio. 

Indios Botschaft an mich an diesem Tag: Man muss nicht immer alles managen, ich habe mir nach dieser Einheit sehr viele Gedanken gemacht über die Quantität und Qualität der Sekundären Hilfengebung allgemein und meinerseits. Soweit die Denkaufgabe, die mir Indio an diesem Tag aufgegeben hatte. Gerade nach unserer strapaziösen Anreise tat ich mir schwer, keine Erwartungen zu hegen, einfach mal zu sein und einfach mal gewisse Dinge in meinem Sitz auszuprobieren, ohne mir Sorgen über die perfekte Formgebung des Pferdes zu machen. Hanna gibt mir in dieser zweiten Einheit eine Menge zu fühlen. Wieder spielen wir uns mit der Balance und wechseln zwischen Entlastung und einer langsamen Steigerung von Belastung sowie der damit verbundenen Ansprache der Hinterbeine. 

Von den Hinterbeinen zu den Schultern – einerseits waren meine Schultern in der zweiten Einheit bereits sehr locker – andererseits haben wir durch Unterstützung meines Sitzes an Indios Schulterfreiheit gearbeitet. Und wieder einmal zeigt sich – je besser die Balance zwischen den Schultern, umso schöner wird die Formgebung von Indio unter mir. 

Verstehen lernen

Die Tage bei Hanna Engström waren wieder gefüllt mit viel Inspiration und Austausch. Wie immer habe ich viel zu viel Lesestoff eingepackt. Beim Überfliegen einiger Zeilen aus „Vollendete Reitkunst“ von Udo Bürger wurde mir wieder bewusst, wie wichtig der offene Austausch und Umgang unter Pferdemenschen ist. Dort liest sich eine Zeile erst nach einer praktischen Einheit auf dem Pferd, angeleitet durch Hanna ganz anders. Viele Begriffe aus der Reitkunst werden oft ganz unterschiedlich interpretiert. Jeder Reiter hat seine eigene Wahrnehmung, was er als aufrecht oder losgelassen oder entspannt erlebt.

Die Zeit vor Weihnachten bzw. rund um den Jahreswechsel lässt uns noch einmal innehalten und dankbar sein. Ich bin sehr dankbar, dass ich in der Akademischen Reitkunst eine Welt mit vielen Reiterinnen und Reitern gefunden habe, die gefüllt ist  mit unterschiedlichen Interpretationen und Sichtweisen. Eine Zeile aus diverser alter Reitliteratur mag sich trocken und nüchtern lesen – mit den unterschiedlichsten Erfahrungen gefüllt – seien es die meiner Kollegen oder meine eigenen, fühlt sich das zuerst Gelesene ganz anderes an.

Vieles aus der Theorie habe ich erst dann verstanden, wenn ich es mit den Erklärungen und dem Gespürten aus der Praxis verbinden konnte.

Daher wünsche ich allen Leserinnen und Lesern zum Jahresbeginn eines: Viel Lesestoff, viel Praxis rund ums Pferd und eine offene und tolerante Gruppe Gleichgesinnter, mit der sich der Austausch für alle Beteiligten lohnt.

Stichwort Austausch – nächste Woche gibt´s mehr von der Fortbildung bei Hanna zu lesen. Wir haben uns dort auch dem Pole Dance gewidmet. Bleibt gespannt 😉

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PS: Wer Hanna Engström einmal live erleben und von ihren vielen Anregungen und Tipps profitieren möchte, hat Anfang März die Gelegenheit dazu. Dann kommt Hanna zu uns aufs „Horse Resort am Sonnenhof“. Weitere Infos gibt es unter folgendem Link.

Von Zen, den Stoikern und Geduld

Von Zen, den Stoikern und Geduld

Wenn einer eine Reise tut, dann tut er sie bekanntlich nicht alleine. Auch 2018 hatte ich für mich eine kleine “Auszeit” auf der schwedischen Insel Gotland kurz vor Weihnachten geplant. Diese Reise ist in den letzten Jahren quasi schon zur Tradition geworden.
Die Insel, die himmlische Ruhe bei meiner lieben Kollegin Hanna Engström, einmal keinen Straßenlärm, die unglaubliche Helligkeit der Sterne, die Möglichkeit sich komplett zu erden und das vergangene Jahr auszuatmen und für das neue Jahr tief Luft zu holen – das ist eine Möglichkeit, die ich nicht mehr missen möchte. Der Terminkalender war heuer sehr voll und wird es – was mich natürlich sehr freut – auch im kommenden Jahr sein. 

An dieser Stelle sei gesagt – Ich freue mich sehr über die vielen Anfragen, die mich heuer erreicht haben.
Alle Termine für 2019 sind vergeben und die letzten Lücken im Terminkalender werden gefüllt – für 2020 freue ich mich daher über eure Anfragen und Wünsche. 

Auch für meine liebe Kollegin Viktoria Portugal gab es heuer viel zu tun. Daher auch der Entschluss mich heuer auf die kleine “Auszeit” und Weiterbildung nach Gotland zu begleiten. 

Sonntag, 16. Dezember 2018, pünktlich um 09:30 bin ich am Grazer Flughafen. Der Wecker ging bereits um 4 Uhr morgens, da ich es mir nicht nehmen wollte bei meinen Pferden Pina, Tabby, Konrad und Amena noch ein letztes Mal vor der Reise nach dem Rechten zu sehen. 

Pünktlich starten wir in Graz und ich freue mich in Wien auf ein Wiedersehen mit meiner lieben Kollegin und Freundin Viktoria. Eine Stunde später sieht die Lage ganz anders aus. Kurz vor dem Abflug nehmen wir noch einen Imbiss zu uns. Wien-typisch gibt es Würstel – also Frankfurter. Logisch, dass ich da an meine Anreise von 2017 nach Gotland denken muss. Damals wartete ich in meinem Flieger stundenlang auf eine Starterlaubnis in Frankfurt. Ich kam damals zu spät in Stockholm an, verpasste meinen Flieger nach Visby – und – hatte natürlich schlechte Laune. 

Als wir nun am Flughafen in Wien erfahren, dass unsere Maschine nicht starten kann, da sie einfach nicht da ist – der Flieger hängt nämlich in Frankfurt fest, ahnen wir Übles. Macht ja nichts, denkt man sich bei der Airline und bucht uns einfach nach Frankfurt um. Wir erinnern uns – Frankfurter – Erfahrungen mit Frankfurt – ach ist doch alles Wurst.
Wir schieben sämtliche Bedenken beiseite und besteigen also den Flug nach Frankfurt. Zwei Plätze gehen sich in der vollen Maschine noch aus. Als wir noch scherzend und lachend einsteigen, ziehen wir die Aufmerksamkeit der Flugbegleiter auf uns. Wir schildern unseren Plan – anstelle der gebuchten Wien-Stockholm Direktverbindung lassen wir uns auf das vorgeschlagene Abenteuer: Wien- Frankfurt-Stockholm ein. Die Flugbegleiter sind da weniger optimistisch, was unseren Weiterflug nach Stockholm anbelangt. Und sie sollten Recht behalten.

Delay – das Unwort des Jahres 2018

In Frankfurt landen wir natürlich verspätet. Da dort bereits Chaos herrscht, hebt das Flugzeug in Wien mit mehr als einer Stunde Verspätung ab. Als wir in Frankfurt landen ist der Flieger nach Stockholm zwar NOCH da, aber das Gate schon geschlossen. Dafür gibt es bereits eine lange Schlange am Lufthansa Infopoint. Die gute Laune ist noch nicht verflogen. Wir heitern uns mit Musik in der Warteschlange auf, versuchen sogar einen “Last Christmas” Flashmob zu starten. Mit mässigem Erfolg – eine Dame vor uns ist die einzige, die sich selbst gerade noch unter Kontrolle hat und daher nicht mit uns und einem sympathischen Pärchen, das ebenso ein paar Umleitungsflüge hinter sich hat zur Christmas Hymne anstimmt. 

Nach mehr als zwei Stunden Warteschlange sind wir euphorisch dran. 

Folgende Optionen werden uns vorgeschlagen: Entweder zurück nach Wien oder eine Nacht in Frankfurt im Hotel (das wie sich später herausstellt eine halbstündige Busfahrt entfernt vom Flughafen liegt). Wir entscheiden uns für Bus und Hotel. Allerdings hat man dort bereits keine Übernachtungspakete mehr vorrätig. Wir sind nun bereits lange unterwegs, neben einer erfrischenden Dusche wäre erfrischende Kleidung auch ganz nett – wird aber restlos überbewertet. 

Abendessen, Frühstück, Busfahrt, zwei Stunden Sicherheitskontrolle später sitzen wir sämtliche Duty Free Parfumproben später endlich im Flieger auf dem Weg nach Stockholm. Noch immer guter Dinger kommen wir dort an mit dem Hinweis, unser Gepäck doch bitte am Förderband abzuholen. Täten wir ja gerne. Aber es ist nicht da. Also gleich mal zur Info der SAS Fluggesellschaft. Dort erklärt man uns, mit viel Glück wäre das Gepäck bereits durchgecheckt. 

Wir also weiter nach einem Spießrutenlauf zum Gate, wo es noch lustiger wird. Der letzte Flug nach Visby hat – Überraschung – Delay. Na gut, so eine längere Wartezeit soll nicht ungenutzt bleiben, also machen sich Inspektor Eichinger und Portugal mal auf die Suche nach dem Gepäck. In Stockholm ist es nicht. In Frankfurt ist man sich nicht sicher, ob das Gepäck überhaupt jemals dort angekommen ist. Die am Telefon freundlichen Lufthansa Mitarbeiter teilen uns mit, dass das Gepäck möglicherweise überhaupt erst Freitag in Visby eintrifft.

Gut, dann können wir gemeinsam nach Hause reisen – unser Gepäck und wir – falls wir es überhaupt je nach Visby schaffen. Man schlägt uns die Option zur Heimreise vor. Mittlerweile etwas zermürbt von fast 36 Stunden unterwegs – oder eher zäh unterwegs in sämtlichen Warteschlangen und unsicher, ob wir es überhaupt Weihnachten rechtzeitig zurück schaffen – schließlich liegt immer wieder mal auf den Flughäfen Schnee. Völlig überraschend. Im Winter. Nun ja, spätestens jetzt mutmaßen wir, wie der Song “All I want for Christmas is you” entstanden ist. Sicherlich auf einer misslungenen Reise. 

Bitte warten – hold the line…..

Wir telefonieren also mehrfach mit den Hotlines von AUA und Lufthansa. Dort fühlt sich plötzlich niemand mehr zuständig. Bei der AUA sind wir eine Angelegenheit der Lufthansa, schließlich hat die uns ja in Frankfurt stranden lassen. Für die Lufthansa sind wir ein AUA Fall, schließlich haben wir ja dort gebucht. Jeder rät uns mit den Vorgesetzten zu sprechen – mit mäßigem Erfolg. Inzwischen erfahren wir zumindest wo unser Gepäck ist. In Visby. Die Österreicher unter uns verstehen nun den Schmäh: Bist du ein Koffer kommst du ans Ziel. Wir verpassen unseres jedenfalls um Haaresbreite. Durch Empfehlung der Lufthansa haben wir unseren ohnehin mit Delay behafteten Flug nach Visby gecancelt – schließlich könne man uns nur umbuchen, wenn wir den letzten Flug stornieren. Da sitzen wir nun also in Stockholm, ohne Weiterflug, ohne Möglichkeit nach Hause zu kommen. Es sei denn wir spendieren uns mal ein One Way Ticket zum Spottpreis von über 500 Euro. 

Spendiert hat uns letztlich die SAS eine Nacht – im Hotel. Diesmal ohne Bus, dafür aber mit Zahnbürste (Halleluja) und wir bekommen wieder einen Flug nach Visby. Den aber eben erst am nächsten Tag, da die letzte Maschine für Montag leider in Streik getreten ist. 

Wir überlegen auch schon einen Sitzstreik am Flughafen. Dienstag Morgen geschieht jedenfalls das Unglaubliche. In Stockholm kommt man mit den völlig überraschenden Witterungsbedingungen zurecht. Eine Formation an Schneepflügen räumt das Rollfeld und wir können endlich nach fast schon drei Tagen Reise den Flug nach Visby antreten. 

Warum erzähle ich diese Geschichte und was hat es mit Pferden zu tun? 

Mit Pferden läuft auch nicht immer alles nach Plan. Manchmal haben wir quasi schon Wochen oder Tage im Voraus „gebucht“ – pardon geplant, was wir gerne mit unseren Pferden unternehmen möchten. Wir sind als Ausbilder unserer Pferde gefragt zu sehen, zu koordinieren, zu überlegen, welche Ausbildungsschritte nach und nach am Stundenplan stehen. Sehr oft läuft alles am Schnürchen, aber manchmal gibt es eben auch bei unseren Pferden einen Delay. 

Sein oder nicht sein – Akzeptieren oder nicht Akzeptieren das ist hier die Frage. Vor einem Jahr konnte ich meine Verspätung aus Frankfurt nur sehr schlecht akzeptieren. Im heurigen Jahr war ich wirklich gelassen. Woran das liegt? 

Am Meditieren, das ich leider nicht so oft wie ich es mir vornehme schaffe? Am wunderbaren Geschenk meines Partners, letztes Jahr zu Weihnachten – ein Buch über die Weisheit der Stoiker für den täglichen Gebrauch? Oder durch meine Lehrmeister – meine Pferde, die mir seit Jahren eben genaues Feedback darüber geben, was möglich ist und was eben nicht. Was dran ist am Stundenplan und was eben nicht. 

Gewisse Dinge kann man nicht ändern. Gewisse Dinge lassen sich Jetzt und Hier einfach nicht verkrampft feststellen. Natürlich wären wir lieber direkt am Sonntag wie geplant bei Hanna angekommen. Natürlich hätten wir einige Schritte auf unserer Reise nach Gotland lieber nicht eingeschlagen. Aber letztlich waren wir trotz einiger Umwege und Hindernisse da. Und ebenso geht es uns mit unseren Pferden. Irgendwann sind wir dann da – oder anders gesagt:  Ein Leben reicht nicht aus, um Reiten zu lernen. Eine Feststellung, die uns auch wieder in Gotland bewusst wurde. Es gibt immer ein neues Detail zu entdecken. Wenn etwas nicht klappt, dann können wir bei unserm Pferd keine Serviceline anrufen. Wir können für unsere reiterlichen Fehler nur uns selbst verantwortlich machen. Wenn wir uns auf dieses Abenteuer einlassen, dann werden wir einige Verzögerungen, Verspätungen und Ausfälle zu beklagen haben bzw. in Kauf nehmen müssen. Aber gerade daraus werden wir doch schlau. 

Im Übrigen: Was sind schon 48 Stunden Reisezeit, gegen eine unendlich lange Reise auf dem Weg zur Reitkunst.

Ich habe gelernt in der Winterzeit den Frankfurter Flughafen zu meiden. Sollte ich jemals wieder im Dezember dort stranden – dann habe ich aus der Vergangenheit nichts gelernt. 😉 

Bleiben wir Stoisch, dann reiten wir Einfach 😉 

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Jahresrückblick 2018

Jahresrückblick 2018

2018 ist bald Geschichte. Wieder ist viel passiert, wieder habe ich viel über mich selbst gelernt. Das meiste haben mir auch heuer meine Pferde beigebracht – aber natürlich auch viele liebe Kollegen, deren Unterstützung ich sehr schätze. Aber schauen wir doch einmal zurück, was heuer passiert ist: 

Von Kälte, Sonnenstrahlen und Freudenspendern

Jänner: Die erste Reise des heurigen Jahres führt mich – fast schon traditionell – seit 2015 nach Dänemark zum Treffen der lizenzierten Bent Branderup Trainer. Wir haben dort viele Ideen und Projekte besprochen – natürlich stand auch unser Buchprojekt an der Tagesordnung: Mittlerweile gibt es ja schon drei Bände und Band vier ist auch gerade in der finalen Bearbeitung. Neben Beziehungspflege/ Horsemanship haben wir Groundwork/ Bodenarbeit Longieren/ Longework und jetzt eben Band vier zum Thema Einreiten (Riding the horse in) bereits umgesetzt. 

Nach den kühlen Trainertagen tanke ich Wärme und Energie in La Palma. Nach den frostigen Temperaturen im Jänner freue ich mich auf ein wenig Sonne in Spanien. Allerdings bin ich freilich nicht zum Urlauben in Spanien. Natürlich geht es auch hier um Unterricht und Begleitung: Im Artikel „Von einsamen Wölfen und Sonnenstrahlen“ könnt ihr meinen Bericht nachlesen. 

Februar: Die Enttäuschung. Ich hatte gehofft den eisigen Temperaturen zu entkommen und bereits im Februar dem Frühling entgegen zu blicken. Mitnichten. Ende Februar unterrichte ich bei Minus 18 Grad einen Wochenendkurs und meine Heizdecke segnet das Zeitliche. Im absolut passenden Moment muss das Ding den Geist aufgeben. Meine Schüler sind jedoch an Motivation nicht zu überbieten. Das hält nicht nur innerlich warm. 

März: Im März komme ich kaum zum Verschnaufen. Der Kalender ist voll. Im Reiters Resort im Burgenland in Österreich werden Lipizzaner gezüchtet. Es ist Anfang März noch immer klirrend kalt, aber meine Begeisterung für Lipizzaner hält mich auch an diesem Wochenende warm. Besonders stolz bin ich auf meine Schülerin Julia Kiegerl, die mich in Punkto Unterricht unterstützt. Gerade beim mobilen Unterricht gibt es Grenzen – ich kann nicht alle Anfragen annehmen, so hat Julia einige Schüler auf dem Weg zur Akademischen Reitkunst begleitet. Am Kurs im Burgenland zeigen sie nun ihr Können und ich bin tief beeindruckt von der schönen Arbeit die Julias Schüler zeigen! Eine Woche später steht ein Kurs in Kärnten am Programm. Auch hier freue ich mich über die Fortschritte meiner Schüler. Zwei Wochen später steht der nächste Kurs in Niederösterreich im Kalender . Der März stand quasi unter dem Zeichen der Österreich Kurse! 

Sitz, Platz, Bent Kurs

April: Es geht ab in die Schweiz und zum ersten Mal ohne Komplikationen in Punkto Reise. In der Schweiz hat sich eine kleine Gruppe Gleichgesinnter gefunden, die zusammen lernt und gemeinsame Fortschritte mit Freude teilt. Ich freue mich sehr auf alte und neue Gesichter. 

2019 bin ich bei Najat Zinbi/ Silvio Pfister in der Schweiz zu folgenden Terminen: 6. und 7. April, 8. und 9. Juni und 21. und 22. September!

Eine Woche später gibt es wieder einen Österreich Kurs – diesmal ist ein sympathischer Pferde-Senior unter den vierbeinigen Teilnehmern. Bei endlich angenehmen Frühlingstemperaturen freue ich mich besonders, wenn Pferdebesitzer auch mit ihren „Oldies“ neu durchstarten um Körper und Geist ihres Pferdes vital und gesund zu halten. 

Ein weiteres Highlight im April ist der Kurs mit Hanna Engström am Horse Resort „am Sonnenhof“ in Hart bei Graz. Hanns Kursbericht könnt ihr hier nachlesen

Hanna kommt übrigens am 2. und 3. März 2019  erneut zu uns! Zuschauertickets sind noch zu haben. Wir beschäftigen uns natürlich wieder mit dem Reitersitz! 

Im Mai stehen bei mir Kurse in Bratislava und in Niederösterreich an. Außerdem kommen meine lieben Schüler Viktoria Portugal und Jasmin Soyal als Woschenschüler Ende Mai auf den Sonnenhof. Stichwort Besuch: Auch Jossy Reynvoet war wieder zu Besuch in Österreich.  Nach einem Trainingstag am Sonnenhof haben wir Zwischenstation am Barockpferdehof Schoderlee gemacht und im Waldviertel einen Kurs arrangiert. Natürlich gibt es eine Nachlese

Juni: Bent Branderup kommt für einen Wochenendkurs an den Sonnenhof in Hart bei Graz. Wir haben wieder fast 80 Zuschauer vor Ort und freuen uns über das große Interesse an der Akademischen Reitkunst. Ich bin natürlich besonders stolz über die bestandene Wappenträgerprüfung meiner Schülerin Viktoria Portugal. Zu Tränen rührt mich meine liebe Stute Pina, die mich durch den Kurs trägt, als würden wir ständig an Feinheiten feilen. Mitnichten, denn Pina ist eigentlich mehr mit meinem Vater in Wald und Wiese unterwegs und springt an diesem Kurs für den verletzten „Konrad“ ein. Nach dem Kurs gönne ich mir mal Urlaub und fliege nach Sardinien, bevor es auf den nächsten Wochenendkurs in die Schweiz geht. 

Drei Teile Kursrückschau auf den Kurs mit Bent Branderup gibt es hier: 

Teil 1
Teil 2
Teil 3 

Im kommenden Jahr freuen wir uns auf Bent Branderup am letzten Juni Wochenende 2019 in Graz. 

Und endlich ist es Sommer…Reisezeit mit Hindernissen

Juli: Ab geht es zum ersten Kurs nach Tschechien, wo ich unheimlich viele interessierte neue Schüler treffe. Bei hitzigen Sommertemperaturen halten wir ohne Schatten fleissig durch und verbringen einen schönen Sommerabend mit vielen Gesprächen rund um die Akademische Reitkunst und Pferde am romantischen Lagerfeuer mit selbst gemachten Mojitos. So könnte wahrlich jedes Wochenende sein. Ende Juli geht es dann noch in die Schweiz zu einem spannenden Kurs, organisiert von Markus Eschbach. Ein schönes Feedback hat Vanessa Paladin geschrieben: https://wege-zur-reitkunst.ch/kursbericht-anna-eichinger/

Im kommenden Jahr sind erneut Kurse bei Markus Eschbach geplant, nämlich am 27. und 28. April und 23. und 24. November 2019 

Abgesehen von einigen Komplikationen bei der Heimreise (ich strande mit tausenden, weiteren Passagieren in Frankfurt beim Umsteigen) habe ich auch hier tolle Pferdeleute kennen gelernt. 

August ist immer Zeit der Sommerakademie. Diesmal sind meine Schüler Viktoria Portugal und Sonja Grätz erstmalig mit dabei. Wir haben wunderbare Tage in Dänemark, lernen neue Kollegen kennen und lachen mit liebgewonnenen Pferdemenschen. Mein Leben fühlt sich an dieser Stelle echt „rund“ an 🙂  Abgerundet wird der August durch Kurse in Niederösterreich und Kärnten. 

Im September nehme ich mir zwei Wochen Zeit für Kreatives. Die einen meinen ich sollte mal Urlaub machen, für mich fühlt es sich aber nicht nach Arbeit an, schließlich bin ich den ganzen Tag von meinen Zwei- und vierbeinigen Lieben umgeben! Mehr wird noch nicht verraten 😉 

Wenn einer eine Reise tut…dann ist es mit der Schweiz 2018 eher kompliziert. Nach einer nicht wirklich ruhigen Nacht, mehreren Behinderungen, Busfahrten und mehrmals Umsteigen komme ich quasi etwas gerädert in Graubünden an. Meine Schüler sind bester Laune und das ist ansteckend. Eine Woche später verbringe ich mit Meditation im Stift Zwettel in Niederösterreich. Was für ein krasser Kontrast! 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu…

Der Oktober ist quasi Kursmonat des Jahres. zuerst gebe ich einen Wochenendkurs in Tulln, alle Einheiten werden diesmal auch filmisch festgehalten und stehen den Schülern im Anschluss an die Trainingseinheiten zur Verfügung. Ich bekomme tolles Feedback für diesen Service, schließlich kann es im Eifer des Trainings schon mal passieren, dass man sich nicht jedes Wort und jedes Bild merken kann! Das herbstliche Kaiserwetter birgt einen Nachteil: Man verkühlt sich leicht. Und so fahre ich mit dem schlimmsten Schnupfen und Husten des Jahres 2018 eine Woche später mit meinem Conversano Aquileja aka Konrad nach Ainring auf unseren allerersten Kurs – und das auch noch auswärts. Konrad zeigt sich von seiner besten Seite und macht am Kurs alles alleine, während ich mit Schnäuzen und Atmen beschäftigt bin. Zauberlipizzaner 🙂 

Kursnachlese Teil 1
Kursnachlese Teil 2

Eine Woche später reite ich Tabby beim Kurs mit Christofer Dahlgren: Kursschwerpunkt sind Rhythmus, Takt und Tempo – und eine riesige Portion Spaß. Nachzulesen in folgendem Artikel

Im November gilt es nochmal: Vollgas. Zwischen den letzten Wochenendkursen in Kärnten, und Niederösterreich bleibt noch Zeit für einen Besuch in Piber. Immer schlecht, wenn man „nur“ schauen will. Und dann kam noch der „Maestoso Amena“, der künftig unsere Lipizzaner Familie verstärken wird. 

Der Dezember lässt das heurige, extrem schnelllebige Jahr ausklingen. Ich freue mich, wenn es nun ruhiger wird. Fast schon traditionell gibt es eine vorweihnachtliche Reise zu meiner lieben Kollegin Hanna Engström, bei der ich die Woche vor Weihnachten verbringe und mich rund um das Thema „Reitersitz“ fortbilde.

Und dann heißt es erstmal Urlaub, Weihnachten, Zeit mit den geliebten Zwei- und Vierbeinern genießen

Ich freue mich auf ein ereignisreiches Jahr 2019 mit allen Lesern, Schülern, Pferden, Kollegen und Wegbegleitern,

 

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Projekt LebensPferd

Projekt LebensPferd

Über 60 Pferde befinden sich in der Obhut des Aktiven Tierschutz Steiermark. Neben älteren Pferden, die dort ihren wohlverdienten Ruhestand genießen dürfen, finden allerdings auch immer wieder Pferde durch finanzielle Probleme, veränderte Lebenssituationen der Vorbesitzer oder andere Umstände den Weg zum Aktiven Tierschutz Steiermark.

Pferde, die es eigentlich verdient haben, noch Vieles in ihrem Leben zu entdecken, Spaß zu haben und schöne, spannende Ausritte zu genießen, anstatt zwischen den anderen Senioren dahinzudümpeln und sich zu langweilen!

 

„Kea“ ist also seit 23. November auf dem Sonnenhof zu Hause und besucht hier die Schule bei Julia Kiegerl und mir.

Bislang haben wir uns viel mit der Basis am Boden beschäftigt. Kea macht mir und Julia Kiegerl die Arbeit ungemein einfach. Sie ist immer lieb und motiviert, lernt super schnell und freut sich sehr über Lob.

Sich über Lob tatsächlich freuen zu können – das ist für viele Pferde auch keine einfache Sache. Zu hoch sind die Erwartungen der Menschen, zu viele Forderungen, zu unklar formuliert, zu wenig Lob generell.

Kea zeigt sich uns gegenüber allerdings sehr aufgeschlossen.

Wie schon gesagt kam sie über das Projekt LebensPferd zu uns:

Projekt LebensPferd – was ist das?

Der Aktive Tierschutz Steiermark – Tierschutzhaus Arche Noah hat dieses Projekt im heurigen Jahr ins Leben gerufen. Dass Katzen oder Hunde über den Tierschutz vermittelt werden ist bekannt. Beim Projekt Lebenspferd geht es nun um etwas größere Vierbeiner, die sich freuen, Zeit gemeinsam mit „ihrem“ Menschen schön zu verbringen. 

Viele Pferde landen aus den unterschiedlichsten Gründen beim Aktiven Tierschutz. Jedes Pferd hat seine Geschichte – und natürlich wird jedes Pferd ordentlich versorgt. Aber Pferde brauchen nicht nur ordnungsgemäße Obsorge – sie freuen sich über die Zeit, die sie mit Menschen verbringen können, sie möchten gerne eine Aufgabe.
Hier denke ich gerne an die Erfahrung mit meiner Stute Barilla zurück:

2006 wurde meiner Stute Barilla vom Tierarzt möglichst viel Bewegung auf der Weide bzw. Koppel „verschrieben“, dazu kam natürlich eine längere Reitpause.

Das war lange bevor wir die Akademische Reitkunst für uns entdeckten. Ich besuchte Barilla natürlich regelmässig, aber ich hatte zunehmend den Eindruck, dass sie unter Langeweile und Eintönigkeit litt. Und das, obwohl wir mit der Reiterei nicht auf einen grünen Zweig gekommen waren.

Den Pferden aus dem Projekt LebensPferd geht es vielleicht ähnlich. Auch sie freuen sich über Ansprache und Kommunikation.

Das Projekt LebensPferd bringt also zuerst einmal Trainer und Pferde zusammen.
Das erste Pferd, das durch dieses Projekt ein neues Heim gefunden hat, war die Fuchsstute „Wakanda“ – ihre Geschichte kann man hier nachlesen. Nachdem Kea den Sonnenhof kennen gelernt hat, geht es nun an die Arbeit. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit „beschnuppern“ wir uns. Kea geht brav mit auf die Koppel oder in die Halle. Am ersten Tag war sie ein wenig nervös in der neuen Umgebung.  Nach zwei Tagen weiß Kea aber schon über alle Abläufe im Stall Bescheid. Wir lassen sie langsam ankommen, erkunden alle Ecken und Winkel des Sonnenhof.

Kea lässt sich überall anfassen, putzen und auch der Wasserschlauch ist für sie nicht bedrohlich. Obwohl wir uns noch nicht kennen zeigt sie sofort ihr offenes Wesen. Sie ist allen Menschen gegenüber äußerst höflich.

Kea lernt dann wenige Tages später die Basis der Bodenarbeit kennen. Dazu gehört gemeinsames Angehen und Halten, das Beibehalten einer parallelen Führposition, die Entwicklung einer bestimmten „Synchronität“. Haben wir dieses Ziel einmal erreicht, geht es weiter mit der Gymnastik. Aktuell lernt Kea die sekundären Hilfen kennen, das heißt, den inneren und den äußeren Schenkel, den inneren und äußeren Zügel. Diese Hilfen bringen Julia und ich der gelehrigen Stute in der Bodenarbeit bei. Das heißt wir bewegen uns rückwärts vor dem Pferd her, die Gerte wird wie ein verlängerter Arm zeigend benutzt. Bei dieser Arbeit zeigt sie sich super gelehrig und konzentriert, vor der Gerte fürchtet sie sich nicht. Nach wenigen Tagen versteht Kea schon viele Grundbegriffe der Akademischen Bodenarbeit. Mit ihrer charmanten Art und ihrer Intelligenz hat sie uns natürlich sofort für sich gewonnen.

Wir werden weiterhin für euch Keas Ausbildung und ihre Entwicklung dokumentieren. Es wäre wunderbar, wenn Kea im Anschluss an ihre Ausbildung auf diesem Weg einen Menschen findet, der gemeinsam mit ihr Freude an Bewegung, Spaziergängen und gemeinsamen Lernen hat. Kea lernt gerne, also hätte sie – so denken wir – auch gerne jemand an ihrer Seite, der Spaß daran hat, ein Puzzle zur Reitkunst zusammen zu setzen! Ich freue mich sehr, dass wir Kea auf dem Weg zu „ihrem Menschen“ unterstützen dürfen!

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