Kursbericht Hanna Engström

Kursbericht Hanna Engström

Vier Tage mit Hanna Engström. Das bedeutet einen herzlichen Gruß an Leiste, Schambein und Sitzknochen und ein Feedback aus dem eigenen Körper – inklusive Wahrnehmung gewisser Körperstellen, die sich bislang chronisch verschwiegen zeigten. 

Dass uns unser Körper und unsere Pferde einiges zu sagen haben, das erkundeten wir am ersten Tag einer viertägigen Tour mit Hanna. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Barockpferdehof Schoderlee, wo wir uns darin schulten vorbehaltlos zu lauschen. 

Mit dem Körper zuhören

Was passiert unter uns? Wie bewegt sich unser Pferd? Kann ich die gesamte Wirbelsäule des Pferdes spüren, liegen Teile der Wirbelsäule im Dunkeln oder spüre ich alles gut? Wie ist die Balance wahrnehmbar? Wie ist die Balance zwischen den Schultern verteilt? Kann man als Reiter genau feststellen, auf welcher Schulter mehr Kilo Belastung liegen? Können wir richtig tippen, wo die Zehenspitzen der Vorder- und Hinterbeine auf dem Zirkel hinzeigen, wenn sie in den Sand fußen? Wo schaut das Pferd hin? Nach innen oder nach außen? Wie fühlt sich die Bewegung aus den Hüften an? Rund oder eckig? Mehr nach oben oder nach unten? Mehr nach vorne oder zurück? 

Zunächst ging es einmal darum, vorbehaltlos zu fühlen. Wir Reiter haben ja quasi die Berufskrankheit sofort und immer auf das Pferd einwirken zu wollen, bevor wir überhaupt erkundet haben, was wir beeinflussen möchten. 

Oft steigen wir aufs Pferd und legen gedankenlos voller Eifer los mit Korrekturen, die möglicherweise gar nicht notwendig wären, wenn wir mit unserem eigenen Körper achtsamer umgegangen wären. In den meisten Fällen sitzt der „Fehler“ im Sattel – nicht nur weil er etwas verursacht, sondern weil wir auch unsere eigene Schiefe und Verspanntheit in den Sattel mitnehmen. 

Wenn wir auf unser Pferd hören, dann hören wir auch zwischen den Zeilen Vorschläge. Das Pferd kann uns auch Informationen über unsere Schiefe geben, Informationen, wo im eigenen Körper etwas klemmt und nicht rund läuft. Hier könnten wir durch unsere Atmung einladen, gemeinsam doch etwas mehr in einen bestimmten Körperteil zu atmen. Unser Pferd ist unser bester Coach wenn es darum geht, die Formgebung von Mensch und Pferd zu verbessern. 

Manchmal sitzen wir auch tatsächlich schief – dann kann es hilfreich sein, genau zu beobachten, in welche Richtung der Sattel driftet und uns ganz bewusst gerade zu richten. Auch auf einer Zirkellinie. Ein weiterer Tipp von Hanna, der in den vier Tagen mit ihr immer wieder Erwähnung fand: Sitze ruhig auf drei Punkten zwischen Schambein und beiden Sitzknochen. 

Die Sache mit dem Schambein und der Leiste

Unser Schambein kann so unfassbar viel – es kann unser Pferd tatsächlich zur Mitarbeit aufrufen, wenn der neugierige Jungspund lieber mal aus dem Klassenzimmer schaut. Es kann das Pferd dazu einladen, sich im Widerrist zu heben. Und vom Schambein aus gehts weiter zur menschlichen Leiste. Auch so ein Wunderwerk der Biomechanik – die Leiste macht doch glatt Pferdeschultern leichter und unterstreicht wichtige Mitteilungen in Punkto Stellung und Biegung. 

Mit Conversano Basilika habe ich erstmals Übergänge nur aus der Leiste geritten. Anhalten, wenn das innere Vorderbein gebeugt und gehoben ist und im Stand die innere Schulter mit Hilfe der Leiste leichter machen und so zur Bewegung einladen. Das Wunderwerk der „Leiste“ hatte ich auch bereits bei der Arbeit mit der Garrocha bei Hanna auf Gotland im Dezember 2018 kennen gelernt. 

Was ist schon Zeit? 

Sich wirklich Zeit zu nehmen und in den eigenen Körper zu spüren. Hanna war immer mit großer Geduld bei der Sache. Im Sattel fühlt sich das Hinspüren und Hinhören für viele Reiter an wie eine Ewigkeit – großartige Veränderungen passieren jedoch in Sekundenschnelle. Da reicht es die eigene Wirbelsäule mit der Wirbelsäule des Pferdes gedanklich zu verbinden und schon gibt das Pferd ein zufriedenes Feedback, leckt seine Lippen und findet wie von Zauberhand in die korrekte Biegung. 

Die Köpfe rauchten und einmal mehr bin ich von Hannas schneller und treffsicherer Analyse für Mensch und Pferd begeistert. 

Sitzen wie eine Prinzessin

Am zweiten Kurstag waren wir im Equimotion bei Sandberg/ Mannersdorf in Niederösterreich. Zuerst wurden die Reiter in Punkto Achtsamkeit aufgewärmt – im Zentrum war dabei unser eigener Körperschwerpunkt. 

Den Schwerpunkt bzw. die Ruhe zu finden, das war dann in den Praxiseinheiten wichtiger Bestandteil. Immer wieder brachte Hanna quasi Ruhe in den Sattel. Die Pferde gaben sofort zufriedenes Feedback – Reiter und Pferd fanden Harmonie und Stabilität. 

Einige Reiter hatten den Wunsch auch auf einem flotten Pferd sitzen bleiben zu können. Hanna erinnerte immer wieder an den Drei Punkte Sitz, an die Plattform zwischen Schambein und Sitzbeinknochen, die auch bei höherem Tempo nicht verloren gehen soll. Den einen half das Bild vom sich ausbreitenden Keksteig, den anderen wiederum die Verbindung zum Pferd über das Schambein und anschließend über die Sitzknochen zu suchen und zu behalten. Zur natürlichen Schiefe fiel auf, dass die meisten Pferde auf der rechten Hand deutlich größere Probleme hatten, den Sattel mittig auf dem Rücken platziert zu behalten. 

Sitzen wie eine Prinzessin – das war vor allem beim Thema Versammlung das Motto. Nicht immer ist der Wunsch nach mehr Aktivität aus der Hinterhand der Weisheit letzter Schluss. Die Hinterhand soll versammeln, die Schultern frei und leicht werden. Was aber, wenn die Schultern blockieren? Mit Hannas Hilfe gelang es Teilnehmerin Katharina sowohl vom Boden, als auch vom Sattel aus den Fokus mehr auf eine Unterstützung der Schulterfreiheit aus dem Sitz heraus zu lenken. 

Wer in der Versammlung quasi mehr Aufwand betreibt als sein Pferd – der hat schon verloren. 

Angst vor der Geschwindigkeit

Viele Reiter kennen dieses Thema. Die Angst vor einem höheren Tempo lässt uns im Sattel verspannen. Hanna rät in solch einem Fall das Gefühl mal einfach so zu nehmen wie es ist. 

Es braucht einfach Zeit und den meisten Druck macht man sich ja häufig selbst. Gerade wenn man sich unsicher auf einem Pferd fühlt, kann der tägliche Bewegungscheck – die Analyse, was der Reiter, wie erfühlt immens unterstützen. 

„Macht der Körper einen Vorschlag, in welches Körperteil man genau seinen Atem schicken kann? Dann atme genau dort hin“

Hanna Engström

Hanna regt an, die Bilder von Eleganz und Bequemlichkeit gleichzeitig parat zu halten. 

Dieses Bild konnten wir auch am Wochenende am Kurs in Graz für die Arbeit mit den Nachwuchspferden gut gebrauchen. Vor allem, da wir unsere jungen Pferde häufig vor einer Überbelastung schützen möchten, sitzen wir nicht ordentlich im Sattel. Wir nehmen nicht richtig Platz. Die Folge: Ein übertriebenes Lehnen nach vorne belastet die Vorhand und Schultern noch mehr. Hanna zeigte den aktiven Teilnehmern, wie sie nach und nach aus einem leichteren Sitz deutlich mehr auf die Sitzknochen kommen konnten. Das Wichtigste ist jedoch: Tu nicht zuviel im Sattel. Je ruhiger wir im Sattel auf unserem Dreieck zwischen Schambein und Sitzknochen bleiben, umso zufriedener ist unser Pferd. 

Das Thema Schulterbelastung blieb quasi präsent – jeder Reiter sollte immer wieder angeben, welche Pferdeschulter mehr Gewicht zu tragen hatte – und Hanna fragte hier auch exakt nach einer gefühlsmässigen Kiloangabe. Zu Beginn mögen diese Detailfragen zwar überraschen – aber es zeigte sich immer wieder – die bloße Auseinandersetzung und Achtsamkeit mit kleinen Details verbesserte den Bewegungsablauf von Pferd und/oder Reiter erheblich. 

Bewegung – marsch

Nach zwei Tagen im Auto und den noch frischen Märztemperaturen waren wir Samstag früh auch sehr froh über die Theorieeinheit, die Hanna am Horse Resort am Sonnenhof in der Steiermark recht praktisch ausfallen lies. Jeder Teilnehmer konnte sich bewegen, dabei war es wichtig, ob wir individuell ein schnelles oder langsameres Tempo vorzogen. Schnell zeigte sich – nicht immer ist die ursprüngliche Wahl tatsächlich für uns geeignet. Einige von uns marschierten also rasch, andere wiederum eher langsam. Hanna fügte nach und nach verschiedene Bewegungsvorschläge hinzu. So kann jeder auch mal ausprobieren, wie es ist, wenn wir in schneller oder langsamer Bewegung auch unsere Arme diagonal vorwärts – oder auch mal rückwärts kreisen lassen. Wie sich unsere Balance verschiebt, wenn wir den Schwerpunkt tiefer oder höher nehmen. Wir haben natürlich auch ausprobiert, wie es ist, wenn wir  uns einrollen und wie der Glöckner von Notre Dame unterwegs sind – oder wie es sich anfühlt, wenn wir unsere Arme ausbreiten, unser Brustbein heben und uns richtig nach oben strecken. Wie fühlt sich Balance dann an? Wie sicher sind unsere Bewegungen und welches Bewegungsmuster gefällt uns tatsächlich besonders gut? 

Es ist eine herrliche Sache Bewegungen auszuprobieren und zu testen, wie sich kleine Änderungen im eigenen Körper anfühlen. 

Wie geht es wohl unseren Pferden? 

Eine große Anregung von Hanna ist dabei sich tatsächlich Zeit zu nehmen, alles zu observieren und zu erfühlen. Nicht immer müssen wir sofort eingreifen – nicht immer können wir auch alle Punkte sofort korrigieren. 

Gab es Schmerzpunkte beim Reiten, dann lies Hanna den Schmerz zuerst in der Bewegung ohne Pferd genau erkunden, später gab es dann die richtigen Übungen vom Sattel aus. Und siehe da – mit ein paar Übungen konnten die Schmerzpunkte verbessert, wenn nicht sogar aufgehoben werden. Besonders freue ich mich über die Teilnahme meines Vaters am Kurs. Nach einer Sehnenverletzung an der Schulter inklusive Operation war der Weg zurück in den Sattel kein leichter – die Übungen von und mit Hanna haben erneut geholfen Achtsamkeit und Körperbewusstsein zu stärken – und was mich besonders freut – unsere „Pina“, als vierbeiniger Begleiter nimmt die Verantwortung für ihren Reiter besonders gern war und hilft auch durch ihr Feedback mit, dass sich beide wohl fühlen in der Bewegung. 

Neben den Jungpferden gab es auch besondere Bewegungskonzepte am Kurs. So kann es sein, dass unsere Pferde sehr schmal, wie eine Ballerina zum Schwerpunkt treten oder auch sehr breit. In beiden Fällen haben sowohl Bodenarbeit als auch kreative Arbeit den Pferden geholfen sich besser in ihrem Körper zu koordinieren. Das kann sogar schon über Gedanken erfolgen. Dass es manchmal tatsächlich reicht, das Pferd zu einer Bewegung einzuladen zeigten Austria und Tabby. Austria konnte in der Bodenarbeit erfühlen, wie schön es ist mit der Hinterhand in die Spur der Vorhand zu fußen – meine Tabby versuchte sich an der Garrocha und konnte es manchmal kaum selbst glauben, dass sie ihre Füße auf einem kleinen Zirkel trotzdem gut sortieren kann. 

Sortieren war auch das Stichwort, wenn unsere Pferde mit zu viel Kraft unterwegs waren. Hanna wollte hier in der Arbeit den Pferden auch mehr Bewusstsein geben, wie sie ihren Körper einsetzen, wie Bewegung stattfindet. Diese Idee werde ich in Punkto Versammlung bei meiner Stute Tabby weiter nutzen können. Aber auch für Isländer Sleipnir war das Spiel mit kleineren, sortierten und größeren, raumgreifenden Tritten eine große Hilfe auf dem Weg zur Versammlung. 

Unseren Pferden und uns selbst Mut zu machen – das ist überhaupt ein wichtiges Thema. So wertschätze ich Hannas Einstellung bezüglich Problemdenken sehr. Wer ständig an das Defizit seines Pferdes denkt, der hat quasi ein Handicap. Man kommt nicht voran und wird eher gehemmt. Denken wir lieber an das Gute, an das, was wir schon geschafft haben und wälzen nicht jedes Defizit als großes Problem. Man muss die Dinge einfach nehmen wie sie sind. Dann reiten wir quasi Einfach 😉 

Wenn Pferde glücklich machen

Wenn Pferde glücklich machen

…oder wenn man Pferde glücklich macht!

Ein Zauberpferd aus dem Tierschutzprogramm „Lebenspferd“. Kea hat uns in den letzten Wochen bereichert. Wir wünschen diesem Pferd eine ganz besonders schöne Zukunft!

Ende November 2018 steigt Kea aus dem Hänger. Sie erkundet sofort mutig die Halle am „Horse Resort am Sonnenhof“ und ihre neue Box, teilt uns nach zwei Tagen mit, dass sie genug Eingewöhnung hinter sich hat und nun mit der Herde raus will. Gesagt getan. Kea quietscht zwar laut, wenn sie auf neue Pferde trifft, bleibt aber immer höflich und eher auf Abstand. Generell ist sie sehr vorsichtig. 

In den ersten Tagen „beschnuppern“ wir uns im Team. Meine Kollegin Julia Kiegerl ist mit im „Team Kea“, so verbringen wir die ersten Tage mit Putzen, kleine Blessuren pflegen, ausgiebiger Fell- und vorsichtiger Hufpflege. Kea trägt vorne Megasus Horserunner, hinten ist sie barhuf. Charly Forstner, Chef des Aktiven Tierschutz Steiermark hat uns bereits im Vorfeld über Keas schwierige Hufsituation aufgeklärt. Keas Hufe sind in keinem guten Zustand, hinten links hat Kea Hufkrebs, wenn Charly die Sache – oder anders gesagt die Hufe selbst in die Hand nimmt, dann hilft Kea mit, tapfer lässt sie Spülen, Ausschneiden, Feilen usw. über sich ergehen. 

Anna und Kea from Einfach Reiten Lernen on Vimeo.

Bei den ersten Führübungen wird mir klar: Kea ist blitzgescheit. Sie reagiert so sensibel und fein auf meinen Körper, wie ich es bislang von meinem Nachwuchspferd Conversano Aquileja aka Konrad kenne. 

Kea soll durch das Projekt „Lebenspferd“ ein neues zu Hause finden. Sie wurde sehr lange nicht geritten und bekommt natürlich regelmässig während der Zeit der Ausbildung bei uns die Hufe versorgt. Bald ist sie schon in so guter Balance, dass sie die Hinterhufe länger für uns heben https://www.youtube.com/watch?v=KL1HgDIXbYEkann und dabei nicht ins Wanken kommt. Wir entschließen uns, die ersten 8 Wochen primär vom Boden aus mit Kea zu arbeiten.

Kea versteht die Hilfen irrsinnig schnell. Im Hinterkopf habe ich immer, dass wir ja einen schönen Lebensplatz für sie suchen, wo jemand eine gute Zeit mit ihr verbringen möchte. Für Kea sind die acht Wochen Bodenarbeit quasi Reha.

Sie lernt ihren Körper besser zu spüren, sie verlagert ihren Schwerpunkt mal mehr in Richtung Hinterhand, mal mehr in Richtung Vorhand. Die Arbeit mit dem äußeren oder inneren Hinterbein, sprich Kruppeherein oder Schulterherein ist zu Beginn noch etwas verwirrend, aber Kea gewinnt mit jeder gemeisterten und verstandenen Aufgabe an Selbstvertrauen. Immer wieder habe ich jedoch auch im Kopf: Kea soll ja auch als Reitpferd vermittelt werden – aber in der Ausbildung gibt natürlich das Pferd vor, wie schnell oder langsam etwas passiert.

Mental wäre Kea in jeder Trainingseinheit für neue Aufgaben zu haben. Körperlich müssen wir nach langer Pause zuerst Muskeln, Sehnen und Bänder wieder in Form bringen. Kea geht es nicht schnell genug. Sie möchte gefordert werden.Nach acht Wochen Reha- und Bodenarbeit steigt zuerst Julia in den Sattel, ich bleibe noch als Support am Boden und unterstütze die beiden an der Longe mit allen bereits bekannten Übungen. 

Und dann zeigt unser plüschiges Einhorn, dass es tanzen kann: 

Kea wird uns nun bald verlassen. Wir werden sie vermissen…aber wir freuen uns sehr, denn Kea hat in Punkto „künftiges Zuhause“ wahrlich den Lottosechser gezogen. 

Das Projekt Lebenspferd wurde übrigens 2018 ins Leben gerufen. Martina Klünsner von Tricky Horse war die erste Trainerin, die ein Pferd zu sich in Beritt und Ausbildung genommen hat. Fuchsstute Wakanda wurde nach drei Monaten erfolgreich vermittelt. Ziel des Projekts ist es, Pferden aus dem Tierschutz in ein schönes neues zu Hause zu vermitteln. Das nächste Pferd ist bereits ab März bei Martina zur Ausbildung.  Weitere Infos zum Projekt gibt es hier

Wenn`s nicht weiter geht?

Wenn`s nicht weiter geht?

Ewiger Stillstand, es gibt keinen Fortschritt – was tun, wenn es in der Pferdeausbildung nicht weiter geht. Ein Erfahrungsbericht und ein paar Gedanken. 

Ich sitze mitten in meinem Bürochaos und miste aus. Unterlagen, die ich nicht mehr brauche, Werbung, Unterlagen, die ich nie gebraucht habe, Aufzeichnungen und Notizen. Dazwischen „stolpere“ ich in meiner Zettelwirtschaft auf ein gefaltetes liniertes Blatt. Es ist datiert. März 2013 steht in der ersten Zeile. Trainingsnotizen Tarabaya. Ich überliege die Zeilen. Das, was damals nicht klappte und Kopfzerbrechen bereitete, ist heute absolut in Vergessenheit geraten. Aber beim Lesen der Zeilen entführen mich meine Worte in die Vergangenheit. Ich kann fühlen, wie sehr ich mich damals sorgte, alles richtig zu machen. Ich spüre meine Unzufriedenheit vergangener Tage. Unzufriedenheit, weil man immer wieder das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten. Unzufriedenheit, weil man es doch besser machen könnte. Unzufriedenheit, weil ich ständig das Gefühl hatte, nicht genug zu wissen oder nicht genug zu tun. 

Heute kann ich über diese Zeilen schmunzeln, denn ich weiß, dass wir wenige Wochen später mit Beharrlichkeit und Übung den Takt verbessern konnten. Und was wir in den folgenden Monaten noch geschafft hatten! So ein Rückblick macht dann doch plötzlich Spaß 

Mein Rezept gegen den Stillstand

„Bei dir geht es ja leicht. Du hast Talent“. 

diverse Reiter..

Wer hat diesen Satz schon mal gehört oder gedacht? Sehr oft gehen wir davon aus, dass Kreativität und Brillanz quasi aus dem Nichts erscheinen. Das Schicksal liegt aber nicht in den Sternen und Talent ebenso wenig. Um etwas zu schaffen, liegt viel Arbeit vor uns. Wir werden uns oft fühlen wie Sysyphos. Den schweren Stein ewig auf den Berg rollen, um erneut am Ziel zu scheitern. Die große Gefahr liegt darin aufzugeben, sich am Stillstand zu langweilen, zu fürchten oder den Stillstand eben nicht für sich zu nutzen. 

Wenn wir etwas lernen, dann durchlaufen wir grundsätzlich 3 Stufen, auf dem Weg ein wahrer Meister unseres Fachs zu werden. In der ersten Stufe werden wir gute Handwerker, in der zweiten Stufe nutzen wir unsere Kreativität, in der dritten können wir Handwerk und Kreativität kombinieren. 

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Echt nicht. Viele, hunderte, gar tausende Stunden verbringen spätere Meister voll der Hingabe, wenn sie sich mit „ihrer“ Materie auseinandersetzen. Sei es Sport, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft – was auch immer. 

Zwei Damen – meine Lehrmeister 

Immer wieder bin ich mit meinen zwei Stuten Tabby und Pina an ein bestimmtes Plateau gekommen und musste dann mal gehörig meine grauen Zellen bemühen. 

Was hat mir geholfen? 

  1. Frag Gustav. Sehr oft hat mir Gustav Steinbrecht weitergeholfen. Nein, ihr wollt kein Foto meiner Ausgabe sehen, voller Post It und Notizen zu meinen eigenen Pferden oder Schülerpferden
  2. Wälze die Biomechanik. Manchmal gibt es eine ganz einfache biomechanische Erklärung, warum etwas nicht klappen kann. Selbst, wenn einige Dinge noch nicht funktionieren und es wohl noch länger dauern wird, bis dieses Etappenziel erreicht ist – es ist allemal ein Trost und man kann mit dieser Art von „Stillstand“ auch leichter umgehen, wenn man weiß, warum man gerade an einer Sache scheitert. 
  3. Frag Kollegen. Ich bin froh, Teil einer internationalen Trainergruppe zu sein. Wir arbeiten unausgesprochen und unabhängig voneinander oft in unserer eigenen Reiterei an ähnliche Themen – hier ist der Austausch ungemein hilfreich. Und natürlich organisiere ich Kurse mit Kollegen auch, um guten Unterricht zu bekommen. Auf meinem Computer hängt beispielsweise ein Post It mit einem Zitat von Christofer Dahlgren aus einem Kurs, den wir 2014 organisiert hatten. Dieser ist ein kleiner Leitspruch geworden für mich und meine Fuchsstute. 
  4. Denk an das Gegenteil. Wenn ich darüber nachgedacht hatte, dass es unbedingt eine bestimmte Sache sein müsste, die mir bei einem akuten Problem helfen könnte, habe ich auch oft genau durch das Gegenteil eine Lösung bekommen, wenn der ursprüngliche Plan nicht funktioniert hat. Beispiel: Der äußere Brustkorb sinkt in der Biegung  ab, ich werde vom Pferd außen tiefer hingesetzt. Anstelle auf der inneren Seite unbedingt „tiefer“ sitzen zu wollen, hebe ich außen meinen Sitzknochen an und lade das Pferd ein, mir entgegen zu kommen. Wieder an das Gegenteil denken: Diesmal nehme ich die Belastung deutlich auf die äußere Seite mit, verstärke beim Pferd das Gefühl und nehme den Sitzknochen erst dann wieder ein wenig nach oben. Oder: Ich dachte Versammlung wäre der Schlüssel zur Lösung des spezifischen Problems. Vielleicht war aber Versammlung gar nicht dran, sondern mal ein bisschen mehr Dehnung und ein bisschen frischeres Vorwärts. Vielleicht war es nicht die Arbeit im Viereck dran, sondern Qualitiy Time zu Zweit. 

Einhörner und pädagogische Zauberwesen 

Wir haben alle unsere Grenzen. Wir stoßen an ihnen an, wir merken, es geht nicht weiter.
In jedem seiner Kurse erwähnt Bent Branderup grüne oder gelbe Bereiche und rote, die ganz sicherlich zu meiden sind. Wir fühlen uns wohl bei grün. Gelb ist schon so eine Grenzsache und bei rot, da wollen wir ja natürlich gar nicht ankommen. Ein bisschen eintauchen in den gelben Bereich müssen wir aber, sonst geht natürlich nichts weiter. Das Stimmungsbarometer muss aber bei gelb nicht gleich in den Keller sinken. Natürlich liegt es auf der Hand, dass man sich über Erfolge mehr freut, als über Misserfolge. Dabei sind es aber die Misserfolge aus denen wir tatsächlich etwas lernen.

Mein Lipizzaner Conversano Aquileja aka Konrad ist für mich mein ganz persönliches Einhorn. Er versteht mich scheinbar blind und immer mühelos. Freilich. Er kann gut zuhören. Freilich. Er bringt alle körperlichen Voraussetzungen mit. Und er will. Aber meine klare Sprache ihm gegenüber, meine pädagogischen Fähigkeiten habe ich meinen Stuten zu verdanken. Zwei Pferde, bei denen mental und körperlich nicht immer alles so einfach gelaufen ist. 

Wenn der Frust über den Stillstand groß ist, dann hilft es vielleicht in Erinnerung zu rufen, dass man sich über die selbst genommenen Hürden viel eher freuen kann, als über die Hürden, die das Wunderpferd nahm und einen einfach „mitgenommen“ hat. 

Von Tellerrändern, vom „Wir Gefühl“ und Werten 

Meinen Blog poste ich in sozialen Medien und natürlich verfolge ich ab und an auch, was in diesen vorgeht. So wird natürlich auch das kollektive Wissen auf Facebook angezapft, wenn`s nicht mehr weiter geht. Was in akademischen Gruppen auffällt: Manchmal werden gänzlich „fremde“ Konzepte angeboten – was gerne auch in einer Diskussion ausartet, was nun akademisch sei und was nicht. 

Was ist akademisch? Nun, abgesehen von der Reitlehre, die Bent Branderup unterrichtet – mit der für die Akademische Reitkunst nach Bent Branderup typische Bodenarbeit, Longenarbeit, Handarbeit von außen geführt und dem Crossover – Akademisch bedeutet für mich, dass man sich Gedanken macht, Ziele setzt und Forschungsfragen formuliert. 

Wenn ich also stillstehe, etwas schaffen und lernen möchte, dann formuliere ich meine Forschungsfrage und leite daraus eine passende Hypothese ein. Diese Hypothese kann ich natürlich dann im Selbstversuch überprüfen, empirisch spannender ist die Sache natürlich, wenn es mehr Erfahrungen und Meinungen dazu gibt. 

Wenn also verschiedene Dinge vorgeschlagen werden, die auf den ersten Blick nicht typisch „akademisch“ erscheinen, dann wäre es allerdings der akademische Zugang zu sagen: Spannend, was passiert da, was kann ich daraus lernen? Wie könnte ich eine Hypothese formulieren? Welche Erfahrungswerte anzapfen. 

Eine pauschale Verurteilung a la: Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht, hat mit den Werten der Akademsichen Reitkunst nichts zu tun – es sei denn das Wohl des Pferdes steht zweifelsohne nicht im Vordergrund – bzw. der Grundsatz: Die Dressur für das Pferd und nicht das Pferd für die Dressur findet grobe Missachtung. 

Man muss über verschiedene Methoden nachdenken – aber wie heißt es so schön: zu viele Köche verderben den Brei. Oder anders gesagt: den so viel zitierten und gerühmten Blick über den Tellerrand muss man mit Vorsicht genießen. 

Mit Vorsicht, da man als Reisender oft nur schwer vorhersagen kann, wie das Wetter am Ziel sein wird. Man kennt ohne genaue Planung und Vorbereitung den Weg nicht – und so kann es viellicht auch mit der einen oder anderen Empfehlung für die Pferdeausbildung sein.

Viele (Um)wege führen nach Rom, aber noch viel mehr Wege führen irgendwo anders hin. 

Kathrin Branderup-Tannous

Im Zweifel frage ich also immer nach. Und probiere nicht unbedingt alles selbst aus.

Wenn es nicht weiter geht, dann gehe ich die oben genannten vier Schritte durch – und einen Zusatztipp hab eich auch noch: Manchmal braucht es einfach auch andere Worte, um einen Zusammenhang besser zu verstehen. 

Ich schaue mir Videoaufnahmen von meinen Ritten bei Kursen mit Christofer Dahlgren und Bent Branderup an und komme dahinter, dass beide im Prinzip die gleiche Botschaft an mich hatten. Jeder jedoch mit seinen Worten und vielleicht differenzierten Blickwinkel. Manchmal muss man einfach alles, was schon gesagt wurde, nochmal verdauen, analysieren und hinterfragen. Dann stellt man manchmal schmunzelnd fest: Oh, die Lösung gab es doch schon vor Monaten. Aber ich habe nicht so genau hingehört. 

Wenn`s nicht weiter geht, dann geht es später mit Riesenschritten weiter. 

Alles in Balance?

Alles in Balance?

Es rauscht ein wenig, aber die moderne Technik macht es möglich. Die Verbindung via Skype zwischen Dänemark und Österreich ist quasi in Balance, der Unterricht kann losgehen. Ich sitze auf Tarabaya (Tabby) und habe Bent im Ohr…

Wir analysieren die Bewegungsqualität meiner Fuchsstute an diesem Montag Morgen. Egal welche Themen später folgen, als erstes wird überprüft, wie Tabbys Hinterbeine nach vorne schwingen und wie gut es um die Balance steht. 


„…In der Bewegung sollen die Hinterbeine des Pferdes genau unter den Schwerpunkt fußen, wenn das Pferd gut ausbalanciert ist. Tut es das nicht, dann trägt das Pferd die Hauptlast mit der Schulter und die Schwingungen der Wirbelsäule werden gestört. Seine Muskeln werden sich verkrampfen und die Losgelassenheit in der Form wird unmöglich“.

Bent Branderup, Akademische Reitkunst

Waldemar Seunig schlägt in Punkto Balance in dieselbe Kerbe. Seiner Meinung nach, ist Balance nur dann vorhanden, wenn: 

„…das Pferd zur Schwerlinie tritt. Reiterlich gesprochen geht ein PFerd im Gleichgewicht, wenn es das Tempo oder die Gangart nicht verstärkt oder erhöht, sobald man die Zügel soweit nachlässt, dass gar keine Verbindung zwischen Hand und Maul mehr stattfindet. Es darf im Zügel keine Stütze finden.“ Waldemar Seunig. Von der Koppel zur Kapriole

Waldemar Seunig, Von der Koppel zur Kapriole

Wir streben beim Reiten aber nicht nur nach körperlicher Balance, auch die innere Balance ist wichtig, denn sie bedingt Losgelassenheit und Durchlässigkeit – wenn man es technisch ausdrücken möchte. Wenn das Pferd mental in Balance ist, dann ist es mit uns zufrieden und erfreut sich ebenso an der gemeinsamen Zeit. 

„Im Streben nach Balance liegt der Sinn aller reiterlichen Übungen, es ist Anfang, Weg und Ziel der reiterlichen Grundschule. In der Balance führt der Weg zur Kunst wie zur Leistung. ….Das Pferd soll lernen sich selbst und später den Reiter auszubalancieren. Es genügt nicht über das Wesen der Balance nachzudenken und darüber zu diskutieren. Man muss sie erleben, zuerst am eigenen Körper und dann auf dem Pferde. Wir Menschen sind weit davon entfernt, von Natur aus ohne Selbstschulung gut ausbalanciert zu sein“.

Udo Bürger, Vollendete Reitkunst

Den Sandsack auffangen

Rückblende: Vor einiger Zeit habe ich ein spannendes Training entdeckt, das sich um Mobilität, Stabilität und Kraft dreht. Was mir beim ersten Probetraining gut gefallen hat? Spielerisch haben wir uns an Balance geübt. Es ging einen Hürdenlauf auf und ab. Auf einem schmalen Holzbrett entlang balancieren, oder von Stein zu Stein springen. Das Training gab mir einen aktuellen Statusbericht über meine eigene Balance. Rückwärts mal die Treppe rauf und runter laufen – diesen Tipp hatte ich von meiner lieben Kollegin Annika Keller erhalten, als ich sie zu ihrem Equestrian Movement Konzept interviewte. (Nachhören könnt ihr den Podcast hier). Durch dieses Interview war ich auch motiviert, etwas für meinen Körper zu tun. Auf einer wackeligen Stange zu stehen und einen Sandsack aufzufangen – mich mit der Bewegung des Sackes wieder selbst ins Gleichgewicht zu bringen – das hat mir natürlich auch sehr viel zu Denken gegeben, was unsere Pferde und Balance anbelangt. 

Wer versucht, über ein Cavaletti zu balancieren wird bemerken, dass die Übung umso besser gelingt, je mehr man die Hanken beugt. Andererseits kann es auch mal helfen an Tempo zuzulegen, um die Balance auf zwei Beinen nicht zu verlieren. 

Zurück in den Sattel. Das Ziel bleibt Balance, akribisch arbeiten wir daran, ein gleichmässiges Vorschwingen beider Hinterbeine in Richtung Schwerpunkt zu bekommen. Aber warum tritt eigentlich ein Hinterbein zum Schwerpunkt, das andere nicht? 

„Diese Gehtechnik, die bei allen ungeschulten Tieren, ganz besonders deutlich beim Hund zu sehen ist, entspricht ungefähr dem Auswärtsstellen der Fußspitzen des Menschen, der damit auch seine Standfestigkeit auf Kosten seiner Beweglichkeit und Wendigkeit erhöht. Diese Technik schont die Muskeln auf kosten der Gelenke. Gerittene Pferde setzen oft nur ein Hinterbein als Balancestütze aus der Spur heraus nach außen.“

Udo Bürger, Vollendete Reitkunst

Die gesamte Unterrichtswoche spielen wir also mit der Balance. Aber das Alpha und Omega der Balance bleibt das Vorschwingen der beiden Hinterbeine. Dann und nur dann können wir mit der Balance in verschiedenen Schwungrichtungen spielen. Gemeinsam Tanzen, bis die Musik verstummt. Sobald ich das Gefühl habe ich muss treiben, das Pferd „verhungert“ ist schon wieder was in Punkto Balance passiert. Da fällt mein Pferd mal auf die Schulter, dort ist es ein Hinterbein, das nicht so gut nach vorne kommt. In dieser Woche zeigt sich die Arbeit überhaupt etwas knifflig. Mittwoch haben wir eine schöne freie äußere Schulter auf der rechten Hand, Donnerstag ist die Sache schon wieder andersrum. 

Oder anders gesagt – warum reiten wir all diese Seitengänge? Antoine de Pluvinel verrät es:

„Um gerade zu richten“

Manchmal ist der Vorgriff eines Hinterbeins nur marginal geringer. Ein wahrer „Lügendetektor“ sind die Paraden. Bent lässt mich jeweils auf das innere oder das äußere Hinterbein und dann später auf beide Takte hin versammeln. 

„Aus einer gut gemachten Parade zieht man verschiedene Vorteile: sie vereinigt die Kräfte des Pferdes, verschafft ihm Anlehnung, bringt Kopf und Hanken in die richtige Stellung und macht es leicht in der Hand. So nützlich aber auch die Paraden sind, wenn sie im richtigen Augenblick gegeben werden, ebenso schädlich sind sie, wenn man sie zum falschen Zeitpunkt macht….Die besten Übungen, die ja nur erfunden werden, um die natürlichen Veranlagungen eines Pferdes zu vervollkommnen, wirken sich negativ aus, wenn man sie durch Anwendung zur falschen Zeit missbrauscht“.

Francoise Robichon de la Guérinière, Barockes Reiten

Wenn ein Hinterbein also beim Versammeln schlechter drunter kommt, fahre ich mit dem Thema nicht weiter fort. Es wäre sinnlos, denn das Hintebrein presst gerade in den Boden und kann nicht besser drunter kommen und beugen. Ich lasse das betroffene Hinterbein wieder etwas mehr nach vorne und versuche es von Neuem. Hier ist die Arbeit mit der Schulparade auch eine gute Sache, um herauszufinden, ob das Pferd unsere Paraden versteht und in der Bewegung nicht umsetzen kann, da es an physischen Gegebenheiten scheitert, oder die Pädagogik einfach zu kurz kam. 

Je besser die Balance umso besser kann ich mit den verschiedenen Schwungrichtungen spielen, am Mittwoch nehme ich die Schwingung etwas mehr ins aufwärts mit und habe ein wunderbares Gefühl im Sattel. Donnerstag testen wir, wie die Balance nur aus der Schwerpunktverlagerung in Kruppeherein oder Schulterherein, mal mit mehr oder weniger Versammlung verändert werden kann.

Ich denke in dieser Woche viel über Gleichgewicht nach. Auch über den Themenschwerpunkt und dass Balance ja ein Gleichgewicht zweier Komponenten sein kann. Nach der Versammlung muss also unweigerlich der Test erfolgen, wie gut das Pferd nun vorschwingen kann und im Vorwärts die Balance hält.

„Abschließend sein noch zu bemerken, dass Balance keine reiterliche Lektion ist, welche man als Einzelübung schult und bewertet. Sie gehört wie Losgelassenheit, Haltung und Stil zu den elementaren Grundlagen der Körperbeherrschung. An ihrer Vollkommenheit arbeiten Reiter und Pferd feilend das ganzeLeben, aber nur wenigen ist es vergönnt, sich von aller technischen Erdenschwere zu lösen und wie auf Flügeln getragen zu werden.“                

Udo Bürger. Vollendete Reitkunst     
Zeit spielt keine Rolle

Zeit spielt keine Rolle

Kann man Pferde tatsächlich innerhalb einer halben Stunde im Rahmen einer Show „korrigieren“? Und wie sieht es umgekehrt aus, wenn ein langer Ausbildungsweg verfolgt wird? Ich habe für die Ausgabe der Feinen Hilfen, Nummer 24 mit Bent Branderup über schwierige Pferde rund um die Ausbildung in der Akademischen Reitkunst gesprochen. Fotocredit: Lotte Lekholm

Welches Pferd hat dich in deiner Laufbahn vor besondere Schwierigkeiten gestellt? 

Bent Branderup: Meinem Knabstrupper Hengst „Hugin“ ist das Buch „Akademische Reitkunst“ gewidmet. Er hat mich vor 30 Jahren durch Knochenbrüche in drei Beinen und seine Erblindung völlig neu denken lassen. Durch ihn habe ich gelernt, dass das Pferd nicht für die Reitkunst da ist, sondern die Reitkunst für das Pferd. Mein PRE Hengst „Caradura“ hat mich allerdings vor eine besondere Herausforderung gestellt. „Cara“ ist ein sehr liebes Pferd mit einem extrem tollen Charakter. Leider ist sein Bewegungskonzept aber von Natur aus sehr breitbeinig und ähnelt eher einem Traber, denn einem Spanier. Dazu kam ein sehr tiefer Halsansatz. Cara lief also schwer auf der Vorhand und mit der Hinterhand sehr breit. Erst im Alter von nun elf Jahren ist es mir gelungen, Cara auf die Hanken zu bringen. Das Unglaubliche daran: Cara ist nun mit elf Jahren um fünf Zentimenter gewachsen, da er sich nun im Widerrist um diese fünf Zentimeter leicht aus der Schulter heben kann. Die Aufgabe in der Ausbildung war also die Hinterhand geschmeidig zu machen, sie zu koordinieren und zu einer Funktionalität zu bringen. In dem Moment, wo die Hinterhand ihre Funktionalität bekam, waren auch die Probleme im Hals gelöst, die Gänge des Pferdes wurden eleganter und geschmeidiger. In seiner Ausbildung bin ich einen völlig anderen Weg gegangen, als ich es normalerweise mache und habe völlig anders im Vergleich zu anderen Pferden ausbilden müssen. Auf dieser Reise hatte ich viele Ideen und Überlegungen, beispielsweise bei der Arbeit mit der Schulparade. 

Was war hier neu? 

Bent Branderup: Die Schulparade war zu diesem Zeitpunkt gerade quasi „wiederentdeckt“. Allerdings wurden durch die Arbeit mit der Schulparade auch neue Probleme hinzugefügt. Ziel war es, durch die Schulparade die Gelenke der Hinterhand zu beugen und geschmeidiger zu machen. Mit meinen Frederiksborgern Zarif und Tysson war die Arbeit mit der Schulparade kein Problem, auch Knabstrupper Tableau hat den Weg der Parade über die Wirbelsäule in die Hinterhand gut umsetzen können. Cara allerdings hatte sich über einen „Katzenbuckel“ der Beugung der Gelenke entzogen und blieb erst recht steif in den Gelenken der Hinterhand. Lediglich die Lende wurde aufgewölbt und dabei das Hüftgelenk geöffnet. Damals konnte ich den Fehler noch nicht korrekt zuordnen, somit haben sich sämtliche Probleme zu Beginn dieser Arbeit verschlimmert, daher musste ich weiter denken. Wir haben also die Arbeit mit dem versammelten Schritt, dem Schulschritt hinzugefügt. Dabei konnte ich in aller Ruhe an der fehlenden Geschmeidigkeit der Hinterhand arbeiten und diese mobilisieren. Nach drei Jahren intensiver Handarbeit, die ich aus der Pilarenarbeit entwickelt habe und gelegentlichem Reiten stellten sich erste Erfolge ein. Erst seit Januar diesen Jahres kann ich die Ernte dieser mühevollen Detailarbeit einfahren – oder einreiten, denn plötzlich waren auch aus dem Sattel alle Lektionen, die wir am Boden erarbeitet hatten da. Bis hin zu Piaffe und Galoppwechseln. Wenn das Pferd auf den Hanken ist, ist alles möglich. Bis dahin musste ich aber öfter grübeln. 

Der Weg lief also über die Versammlung – wäre es über vorwärts-reiten nicht auch gegangen? 

Bent Branderup: Cara hat zwar eine starke Schulter und starke Vorderbeine. Er hätte es aushalten können und wäre wohl beim Ausreiten im Gelände nicht verbraucht worden, allerdings gibt es Pferde mit einer ähnlichen Veranlagung und schwacher Schulter und Vorderbeinen. Wichtig ist als Ausbilder stets zu bedenken, dass die ganze Dressur ja ihren Inhalt verliert, wenn weder Pferd noch Mensch daran Freude haben. Mit steigender Ausbildung wuchs auch Cara mental. Er ist viel stolzer den anderen Hengsten gegenüber, als er es früher war. Da war er praktisch der „Underdog“. Jetzt ist er jemand, das war aber seine eigene Vorstellungskraft und Entwicklung. Die Fähigkeit zur besseren Bewegung führt auch zu einer höheren Schätzung des eigenen Ichs. Das ist für Pferde ja ungemein wichtig, dass sie sich korrekt bewegen können, es ist ihre Mitteilung nach außen, ihre Visitenkarte. Ich bin jetzt sehr froh, dass wir diese Mühen auf uns genommen haben, wenn ich sehe, wie stolz und selbstbewusst sich Cara nun präsentiert. 

Hast du dir damals einen Ausbildungsplan zurecht gelegt? 

Bent Branderup: Der Schulschritt war zwar der Schlüssel zu Caras Ausbildung, allerdings hat der Faktor Zeit keine Rolle gespielt. Cara ist für mich Familienmitglied, es war völlig belanglos wie lange es dauert, denn in erster Linie ging es darum, eine gute Zeit miteinander zu haben. Wenn man allerdings Sehnen, Bänder und Muskulatur stärkt und arbeitet, dann muss man sich klar machen, dass man selbst als Profi nichts schnell ändern kann, was die Natur vorgibt. Da nützt es nichts, einen Zeitplan zu setzen, denn lediglich muskuläre Veränderungen kann man ungefähr kalkulieren. Aber ich bin ein unerschütterlicher Optimist. 

Und wie ging der Optimist Bent Branderup bei der Ausbildung konkret vor? 

Bent Branderup: Zuerst haben wir die Bodenarbeit erarbeitet, wo das Pferd die Sekundarhilfen erlernt, dann Longenarbeit ohne und später mit Reiter, wobei das Pferd die Hilfen nun genau kennen lernt. In der Handarbeit fanden wir den Schlüssel, da ich mit der einhändig führenden Hand über dem Widerrist genaue Mitteilungen geben, aber noch viel wichtiger von Cara empfangen konnte. Die zweite Hand bleibt bei dieser Variante frei, somit konnte ich mit der Gerte das Pferd auffordern im Knie und Sprunggelenksbereich mehr zu heben. Bei dieser Hilfe muss man allerdings sehr wohl respektieren, dass ich nicht einfach einen Hinterfuß in die Höhe touchieren kann, denn dann geht die gleichseitige Hüfte ebenso nach oben rauf, was ja kontraproduktiv wäre. Man begnügt sich also täglich mit ein bisschen mehr Beugung, es sind sehr kleine Schritte. Mir ging es nicht um eine ZIrkuslektion, sondern um den mentalen und körperlichen Aufbau meines Pferdes. Wer glaubt, Sehnen und Bänder schnell ausbilden zu können, der hat keine Ahnung. Es ist ein sehr vorsichtiger Prozess. Wenn der Brustkorb in den Schulterblättern festhängt, dann ist es eben nur eine Sache, die zur Leichtigkeit führt. Die Arbeit mit der Hinterhand. Handarbeit von außen geführt ist Pilarenarbeit im Vorwärts. Hier haben mir also die Alten Meister geholfen, denn durch den Schulschritt wurde die Schulparade plötzlich besser und irgendwann konnte die Parade zur Leichtigkeit in der Schulter führen. Der Pferdekopf kann nichts erzeugen, das Pferd kann nicht auf der Zunge hüpfen, die gesamte Wirbelkette muss aus der Hinterhand zu einer idealen Tätigkeit gebracht werden, die sich dann auf Hals und Kopf überträgt. Wenn man bei einem Pferd, das im Hals sehr fest ist, gezwungen ist, nichts in der Hand zu machen, kommen zwar Fehler zu tage die himmelschreiend offen sichtbar sind. Falsche Positionierungen sind aber nur Symptome. Den Kopf deswegen in eine Richtung zu zwingen – davon wird die Sache ja nicht richtig.

Gab es bei Cara auch mental Probleme im Zuge der Ausbildung?

Bent Branderup: Ja, denn mental hatten wir natürlich auch das Problem, dass das Herantasten an Grenzen Stress bereitet. Man muss aus dem grünen Bereich vorsichtig in den gelben Bereich kommen und versuchen diesen ebenso grün zu malen. Gehe niemals in den roten Bereich. Vor allem nicht mit Pferden, die den Stress nicht anzeigen. Diese neigen dann später zu Kotwasser oder Koliken. Cara hingegen bekam ein unruhiges Maul, wenn ich zu nah an der Grenze gearbeitet habe. Sein unmittelbares Feedback war hier sehr hilfreich, um die Dosis der Arbeit regelmäßig an seine mentalen Grenzen anzupassen. Bei Cara haben wir daher viele Pausen im Stehen gemacht. Ich habe einen Sportausbilder gekannt, der die Ansicht vertreten hat, nach maximal sieben optimalen Dehnungen gibt es keine Steigerung mehr für den Körper. Ich kann mit Cara mittlerweile in sehr kurzer Zeit ein gutes Ergebnis erreichen – dann ist die Arbeit auch früh beendet und er kann sofort auf die Koppel. Ein Ritual, das auch die Freude an der Arbeit steigert. 

Du sagtest, die Alten Meister haben dich zur „bewegten Pilarenarbeit“ inspiriert, auch deine Lehrmeister Nuno Oliveira und Egon von Neindorff? 

Bent Branderup: Ja, die Erfahrung dieser beiden Lehrmeister hat mir besonders gezeigt, dass man verschieden arbeiten kann und dennoch ans Ziel kommt. Besonders wenn man sehr individuell an das Pferd geht. Ein Ausbilder braucht ein ordentliches Handwerk, sonst wird er zu einem Religiösen, der einer bestimmten Religion folgen muss. Der gute Handwerker, der aber seinen vollen Werkzeugkoffer zu nutzen weiß, wird zum Individuum, der seinem Gefühl und der Ausbildung des Pferdes individuell folgen kann. 

Was hälst du von Shows, bei denen „Problempferde“ im Schnellverfahren ausgebildet werden?

Bent Branderup: Stellen wir uns vor, ein Pferd, das sich nicht verladen lässt, kommt plötzlich zu einer solchen Show. (Wie kam es da eigentlich hin?) 4.000 Raubtiere sitzen in einer Halle, grölen und klatschen. Und dann steht da ein Hänger, das einzige, was das Pferd kennt. Wo meinst du, will das Pferd dann gerne hingehen? Der Lerneffekt ist dabei äußerst fraglich. Lernen braucht Zeit. Ich habe auch früher als Berufsreiter Pferde in drei Monaten eingeritten. Jahre später traf ich eine Kundin, die über ihr Pferd schwärmte. Ich fragte nach den Fortschritten: Das Pferd hatte in den 10 Jahren nichts Neues gelernt. Wozu macht man dann den ganzen Quatsch? Das Leben heißt, dass man lernt, dass man sich entwickelt und ihm einen Sinn gibt.  Warum darf man diese Zeit nicht genießen und muss alles im Schnellverfahren erledigen? 

Vielen Dank für das Gespräch

Die Sache mit der Trainerlizenz

Die Sache mit der Trainerlizenz


Wie sagte Henry Ford so schön:

Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg. 

Unter diesem Motto bin ich persönlich in mein heuriges Jahr gestartet. 

Seit 2012 gibt es eine Gruppe ausgewählter Persönlichkeiten, eine Gruppe rund um Bent Branderup, die sich der Pädagogik verschrieben hat – die Rede ist von den lizenzierten Bent Branderup Trainern. 

Was ist ein Bent Branderup ® Trainer? 

Zunächst gibt es mal die Ritterschaft der Akademischen Reitkunst. Diese wurde 1997 von Bent gegründet und hat vor allem ein Ziel: Forschen, Wissen vertiefen und durch Praxis und Theorie verbreitern und verbreiten. Reiten als Kulturgut wird gepflegt und mit neuem Wissen aus Pädagogik, Psychologie, Bewegungslehre, Medizin und vielem mehr kombiniert.

Und der Name? Ritter kommt von Reiter. In der Ritterschaft haben wir also nicht mit Ritterspielen zu tun, sondern mit einer Reiterzunft oder „Gilde“ an Professionisten, die ihr Handwerk verstehen. 

Einige Mitglieder der Ritterschaft haben aber nicht nur ihre Leidenschaft, sondern auch ihre Berufung in der Akademischen Reitkunst gefunden. Sie arbeiten hauptberuflich mit Pferden und wurden nun von Bent Branderup eingeladen, unter seinem Namen und Gütesiegel zu unterrichten. 

Das bedeutet: Um ein lizenzierter Bent Branderup Trainer zu sein muss man Mitglied der Ritterschaft sowie jahrelanger Schüler von Bent Branderup sein. Die Trainer haben ihre pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt und sind somit ein verlässlicher und vertrauensvoller Partner wenn es um die Ausbildung von Mensch und Pferd geht. 

Die Lizenz ist für ein Jahr gültig und unterliegt ein paar Auflagen: 

Zweimal im Jahr müssen wir als Trainer unsere Arbeit vor Bent präsentieren, außerdem zeigen wir unsere Arbeit als Trainer im Rahmen eines Kurses wenn wir einen Schüler vor Bent und Publikum unterrichten – oder einen zusätzlichen Vortrag für alle Teilnehmer halten. 

Mehr über die die lizenzierten Bent Branderup ® findest du unter folgendem Link

Warum bin ich dabei? 


Zuallererst: Weil ich meinen Beruf liebe und Menschen mit ihren Pferden gerne eine Begleitung auf ihrem Weg zur Reitkunst biete. Das kann ich aber nicht alleine – Reitkunst ist keine Sache die man aus einem Buch lernen kann. Wie sagt Udo Bürger: Gehen lernt man nur, wenn man geht. Aber jeder geht eben anders? Die einen rollen mehr über den Ballen ab, andere laufen vermehrt auf der Ferse. Pferdeausbildung ist eine so individuelle, fast schon intime Sache geworden, da bin ich einfach froh, dass ich über ein Netzwerk verfüge und auf das Wissen vieler einzelner Trainer zurückgreifen kann. 

In meiner Kundenkartei sind mittlerweile viele hunderte Namen abgespeichert – wenn ich nun zusätzlich zu meinen eigenen Erfahrungen mit meinen Kunden, die Erfahrungen meiner Kollegen zusammen zähle, dann sind wir einfach Mehr. 

Als ich 2015 der Gruppe der lizenzierten Trainer beitreten durfte, war das natürlich eine sehr schöne Bestätigung meiner Arbeit. Aber darüber hinaus freue ich mich ein bis zweimal im Jahr viele Trainer zu treffen, deren Arbeit ich ebenso sehr schätze und überzeugt davon bin, dass auch meine Schüler von den besonderen Qualitäten meiner Kollegen profitieren. 

Zusammen sind wir mehr…

In den letzten Jahren habe ich einige Kurse mit  dem Belgier Jossy Reynvoet und dem Schweden Christofer Dahlgren organisiert. Beide bringen vor allem für Horsemanship und Beziehungspflege ein großes Potpourri an Know-how mit. Während sich Jossy vor allem auf die gebisslose Reitkunst spezialisiert hat, liegt Christofer vor allem eines am Herzen: Ein energiegeladenes aber mental entspanntes Pferd, das Spaß hat an einer gemeinsamen Arbeit. 

Im heurigen Jahr freue ich mich auf Hanna Engström aus Schweden. Ihr Thema ist der Reitersitz, dem sie ihre ganze Leidenschaft widmet. Kein Kurs mit Hanna ist wiederholbar, immer wieder hat sie ein noch feineres Detail gefunden, eine bessere Erklärung, ein ausgeschmücktes Bild im Kopf der Teilnehmer, mit dem wir mehr Achtsamkeit für unseren Körper entwickeln können. 

Wer Anfang März dabei sein möchte – klickt folgenden Link für mehr Infos. 

Annika Keller aus Deutschland ist in Punkto Biomechanik eine Wucht. Die Physiotherapeutin und Ostheopatin hat gemeinsam mit Bent Branderup die „Logik hinter den Biegungen – Gustav Steinbrecht neu erklärt“ – verfasst und findet ebenso wie Hanna ständig ein neues Detail. Ihren Augen entgeht nichts und mit gefühlvoller Pädagogik macht sie komplizierte Zusammenhänge fühlbar und umsetzbar. Ende Oktober begrüßen wir sie bei uns am Sonnenhof und ich freue mich, dass wir neben der reiterlichen Praxis auch einige Massagegriffe gezeigt bekommen. 

wer Ende Oktober dabei sein möchte – klickt folgenden Link für mehr Infos

Mit wem ich 2020 zusammen arbeiten möchte? 

Die Liste ist lang. Fix geplant ist eine Kurswiederholung mit Mr. Play Smile and Practise Christofer Dahlgren zum Thema Versammlung. Stine Larsen aus Norwegen und ich sind gerade mitten am Tüfteln bezüglich eines Termins fürs kommende Jahr oder 2020. Stine ist Pferdetherapeutin mit Schwerpunkt Cranio Sakraler Therapie, Ostheopathie und Physiotherapie. Auf der letzten Sommerakademie hat sie uns mit ihrer Begeisterung für Biomechanik angesteckt. 

Auch Marius Schneider, seines Zeichens Meister der Akademischen Reitkunst und ebenso ausgebildeter Physiotherapeut wäre ein toller Gast für 2020 auf dem Horse Resort am Sonnenhof. Marius habe ich bereits auf vielen Kursen erlebt. Selbst wenn ich nicht aktiv mit eigenem Pferd teilgenommen habe, so integriert Marius das Publikum stets so, dass Theorie und Praxis ineinander übergehen. Ich bin wirklich nicht gut im Stillsitzen, aber bei Marius Kursen schaue ich einfach riesig gerne zu. 

Die meisten von uns waren bereits als Kinder von Pferden fasziniert. Hätten wir doch damals eine Trainerin wie Yvonne Heynckes gehabt – wir hätten sämtliche Träume auf dem Rücken der Pferde leben können. Aber was heißt da hätte…Yvonne unterrichtet auch uns Große – und sorgt bei Mensch und Pferd für Spaß und Losgelassenheit. Bei aller Detailverliebtheit die die Akademische Reitkunst mit sich bringt, darf man die Freude am Tüfteln nicht verlieren – und dabei könnte uns Yvonne weiterhelfen!

Celina Harich und ich haben beim letzten Trainertreffen quasi mehrere Nächte durchgequatscht. Die Themen gingen nie aus – und als wir auf der Fahrt zum Flughafen noch diverse Reha-Fälle besprochen haben, schien die restliche Zeit für Austausch wieder einmal deutlich zu kurz. Celina hat sich auch in Punkto Ostheopathie intensiv gebildet, sie war lange Zeit in Kooperation mit Hanna Engström in Gotland tätig. Ich würde mich sehr über eine Zusammenarbeit mit Celina freuen. 

Kristina Winholz und ich haben bereits einen gemeinsamen Termin gefunden. Ich freue mich riesig darauf Kristinas Arbeit mit ihren Pferden live zu sehen. Am letzten August Wochenende 2019 freue ich mich schon ihre Schüler kennen zu lernen, wenn ich bei ihr einen Tageskurs gebe und am Tag danach einen praxisnahen Austausch mit Kristina selbst genießen darf. Vielleicht können wir einen solchen Austausch auch bald bei uns in Graz wiederholen! 

Im letzten Jahr waren Schüler von mir bei Michelle Wolf in Dänemark als Praktikanten (also als Working Students).  Michelles Adresse kann ich allen wärmstens empfehlen, die nicht mit eigenem Pferd weit reisen wollen, trotzdem aber viel über die Akademische Reitkunst lernen möchten. Auch bei Yvonne Heynckes war eine meiner Schülerinnen zu Besuch und Dörte Bialluch vaz Pinto kommt auch regelmässig nach Österreich zum Unterricht. 

Mit Maja Caspersen habe ich im heurigen Jahr mal öfter konferiert über Skype. Bei der Sommerakademie hatten wir eine gemeinsame Einheit mit Janna Behrens um etwas „Bewegung und Fantasie“ in die Bude zu bringen. Marion van de Klundert aus Holland hatte ich auch mal an der „Strippe“ um ein paar Fragen rund um mein eigenes Reiten zu klären. 


Fantasie, anständig Formulieren und Selbstvertrauen, das sind übrigens meine Lieblingsthemen, wenn es um die Ausbildung von Pferden geht. 

Letztlich konnte ich in den vergangen Jahren auch im Rahmen der Akademischen Buchserie viele Kollegen besser kennen lernen und den wertvollen Austausch mit allen genießen. 

Ja, ich gestehe, für mich sind es die Kollegen, die einer gemeinsamen Reitkunst Form, Balance, Takt Losgelassenheit und Schwung einhauchen. Manchmal haben wir ein unterschiedliches Tempo, aber wir finden uns in der Mitte und dann reden wir drüber 🙂 

Reiten wir im Team, dann Reiten wir Einfach 


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