Schaffst du es alleine? 

Schaffst du es alleine? 

Was war nochmal Thema der letzten Reitstunde? Worauf soll ich in der Bodenarbeit achten? Und woran soll ich überhaupt üben? Selbstständigkeit ist eine schwierige Sache, auch wenn wir uns in der Reitkunst Schritt für Schritt vortasten. Heute eine Anleitung wie es ohne Trainer super klappt. 

Selbst und ständig, das ist mein tägliches Leben. Ich unterrichte mobil, gebe Kurse und treffe viele Menschen in Europa, die eines mit mir gemeinsam haben: Die Leidenschaft für Pferde. Manche Schüler sehe ich wöchentlich, dann sogar mehrmals, manche Schüler monatlich oder sogar noch seltener. Trotzdem kommen alle voran – denn schließlich wünsche ich mir eines ganz besonders: Dass sie unabhängig werden von mir. 

Wie ich selbstständig wurde 

Wie ich unternehmerisch selbstständig wurde ist eine Sache – reiterlich gesehen wurde ich es schon sehr früh. Dies hat  zwei Gründe: Einerseits musste ich zwangsläufig immer wieder ohne Trainer auskommen, andererseits hat mir das selbstständige Üben und Tüfteln rund um das Geigenspiel sicherlich auch eine Menge geholfen. Ich würde mich aber generell eher als Tüftler und Grübler bezeichnen, der seine Gedanken gerne ausprobiert. 

Und machmal war ich dazu einfach gezwungen – wenn sich Trainer und Wegbegleiter beruflich wie privat verändern, wenn man einfach einen gemeinsamen Weg nicht mehr weiter verfolgen kann. 

Ich habe also sehr selbstständig mit meinen Pferden gearbeitet. Dabei habe ich mir meistens schon vorab Notizen gemacht: Was war gerade das bestimmende Thema in der Ausbildung. Welche Schwierigkeiten konnte ich sowohl bei mir als auch dem Pferd orten? Auf welchen Stärken konnte ich aufbauen? Je tiefer die Analyse, umso größer die Erkenntnis.

Schreib`s auf 

Schon beim Verfassen der Notizen, beim Formulieren klarer Ziele habe ich eine Menge über mich und meine Pferde erfahren. Selbstverständlich habe ich am Tag nach der letzten Trainingseinheiten nochmal die Vorab-Notizen überprüft und mit dem Gefühl, das ich einen Tag nach der Trainingseinheit hatte abgeglichen. Wo waren meine Gedanken und Taten vom vorweg formulierten Ziel abgesprungen, wo war ich kreativ, was hat mein Pferd vielleicht plötzlich aus dem Ärmel geschüttelt. Was fällt mir, was fällt meinem Pferd besonders schwer. Wie kann ich diese Schwierigkeit in einzelne Schritte, auf ein Minimum zerlegen und dann Puzzleteil für Puzzleteil wieder zusammen setzen? 

Diese Vorgehensweise unterstreicht einfach nur, welcher Lerntyp ich bin. Ich würde mich primär zu den auditiven Lerntypen zählen. Eine Zusammenfassung über sämtliche Lerntypen gibt es hier: 

Wenn ich bei Bent Branderup Kurse besuche oder mich bei Trainerkollegen fortbilde frage ich bei Unklarheiten nach und wiederhole die Frage plus Antwort, um sicher zu gehen, dass ich die Hinweise und Tipps korrekt verstanden habe. Auch die Wiederholung und laute Formulierung helfen mir dabei, im Eifer des Gefechts nichts zu vergessen. 

Ich bin somit auch dankbar, wenn meine Schüler über die verschiedenen Lerntypen bescheid wissen und mir auch Feedback geben, wie sie am besten lernen. Soll ich ihnen eine Skizze zeichnen, etwas niederschreiben? Einige Schüler nutzen auch die Möglichkeit ihre Stunde zusammen zu fassen und mir zu mailen. Auch wenn eine Kleinigkeit vergessen wird, die Vertiefung der Stunde durch das gezielte Formulieren und gedankliche Wiederholen ist sehr hilfreich. Und was dann fehlt, das ergänze ich durch Stichworte gerne. 

Ich bespreche am Ende einer Stunde sowohl den Inhalt der vergangenen Unterrichtseinheit, als auch die zu wiederholenden Inhalte – sprich – die Hausübung. So gehe ich sicher, dass das Warum und Wieso der kommenden Schritte eindeutig ist. 

Ich habe leider nichts geübt….

Sicher. Manchmal spielt uns das Leben, der Alltag einen Streich und wir kommen wirklich nicht ausreichend dazu zu üben. Wenn aber der Alltagsstress nicht als Ursache festgemacht werden kann – was war dann das Hindernis? 

Möglichkeit 1: Ich weiß gar nicht, was ich üben sollte

Zwischen den Trainingseinheiten empfiehlt es sich Bausteine aus der letzten Trainingsstunde zu wiederholen. Das muss nicht die Stunde als Ganzes sein, das können wirklich auch Einzelbereiche sein, bis man das Gefühl hat: Das sitzt, das habe ich gut verstanden. Ich könnte diesen Inhalt auch jederzeit einem Kollegen aus dem Stall erklären. 

Wenn man sich wirklich nicht sicher ist, was man üben soll, dann hilft ebenso die Reflexion über die letzte Trainingseinheit. Was war hier der Schwerpunkt? Welche Übungen wurden durchgenommen und welcher Zweck liegt möglicherweise dahinter? Warum üben wir eigentlich beispielsweise das Schulterherein? 

Möglichkeit 2: Ich habe die letzte Trainingseinheit vergessen

Daher die Empfehlung, die Ergebnisse und Erlebnisse, alles Gefühlte und auch Nicht-Gefühlte aus der letzen Einheit mit dem Trainer zu notieren und somit auch unmittelbar nach der Einheit zu wiederholen. Manche Schüler zeichnen ihre Stunden auch per Video auf. Dann kann man immer wieder mal nachsehen. Ich selbst halte auch meine Unterrichtseinheiten auf Kursen fest und bin dann immer wieder überrascht, wie viele Hinweise mir nicht unmittelbar und sofort im Gedächtnis geblieben sind. 

Möglichkeit 3: Ich habe zu weit gesteckte Ziele

Egal ob das nun die Reitkunst oder andere Ziele im Leben betrifft. Groß denken ist gut. Es entfacht unsere Fantasie und Begeisterung. Aber je kleiner die Zwischenziele umso erreichbarer und messbarer sind diese. Ein Beispiel: Der Traum vom Weiterkommen. Sehr oft glauben Reiter, nichts ginge weiter. Die Ziele sind aber sehr unklar definiert, obwohl das Pferd beispielsweise deutlich vertrauensvoller und gelassener oder die Verbindung eine weitaus feinere wurde haben sie das Gefühl, nichts ginge weiter. Ein großes noch undefiniertes Ziel liegt vor ihnen – oder wie Bent Branderup in seinen Kursen so schön sagt:

„Die meisten Reiter wissen nicht was sie wollen, aber sie wollen es jetzt“. 

Wer sich kleine Ziele vornimmt und – Achtung – Wiederholung – diese deutlich ausformuliert kann auch öfter einen Etappensieg feiern. Das sorgt für Freude und macht dem Frust den Garaus. 

Möglichkeit 4: Ich will gar nicht selbstständig werden

Ich sag es jetzt leider ganz unbequem deutlich: Manchmal muss man seinen inneren Schweinehund aber überwinden. Natürlich ist es bequem eine genaue Anleitung zu bekommen. Natürlich ist es einfacher, nicht über jeden Schritt nachdenken zu müssen. Wer den inneren Schweinehund überwindet hat aber wesentlich mehr vom Leben. Zieht sich überall durch. Nicht nur in der Reiterei. 

Selbstständigkeits-Meister

Sie erstaunen mich immer wieder. Die Rede ist von jenen Kursteilnehmern, die mir meist sehr vorsichtig und schüchtern erzählen, sie haben mal versucht aus diversen Lehrvideos oder nur vom Zuschauen von Kursen gelernt. Ich staune dann oft nicht schlecht, wie gut sie die Körpersprache und die verschiedenen Hilfen in der Bodenarbeit übernehmen konnten. Ich staune nicht schlecht, wenn sie sehr genau beschreiben können, was sie unter sich im Pferdekörper fühlen. Ja, wenn der passende Lerntyp und eine gehörige Portion Begeisterung fürs Tüfteln und Ausprobieren aufeinander treffen, dann kann man sogar sehr viel aus dem Internet oder aus Büchern lernen, ohne von Beginn an den direkten Unterricht mit dem Trainer zu nutzen. So etwas ist tatsächlich möglich. 

Technik und Gefühl 

Die Technik ist eine Sache, die man aus Büchern, Videos, Lernplattformen oder eben im direkten Kontakt mit einem Trainer lernen kann – das Gefühl muss man wirklich beim Üben entwickeln. Und wer sich fragt, ob denn nur die talentierten Meister vom Himmel fallen? Nein, die mit „Sitzfleisch“ und Ausdauer – gemünzt auf die vielen Wiederholungen beim Lernen. Einen Podcast dazu gibt es hier 

Und jetzt – wie gehe ich es an? 

Mein persönlicher Tipp: Am Anfang steht ein Ziel und eine Bestandsaufnahme. Wie sieht der aktuelle Ausgangspunkt aus, von dem wir loslegen? Welche Schritte der Basis sind vorhanden, wie gut sieht mein Fundament aus. Was klappt gut und was noch nicht. Unbedingt auch immer formulieren, was eigentlich gut funktioniert! 

Aus den formulierten Zielen ergeben sich auch die Übungen. Was ist notwendig, warum sollte was geübt werden? In welcher Position kann ich meinem Pferd momentan am meisten helfen/ wo stehe ich mir möglicherweise selbst im Wege? 

Gibt es eine letzte Trainingsstunde aus der ich schöpfen kann, die mir Anleitung zu Üben geben kann? Kann ich meinen Trainer um Rat fragen, wenn ich meine Hausübung ausformuliere? 

In welchen Abständen wäre es gut Kontrolle und Feedback zu bekommen – welche Abstände tun auch mir selbst gut, um ausreichend reflektieren und feilen zu können? 

Tagesverfassung und Situationselastizität 

Auch wenn ich mir ein bestimmtes Ziel für den heutigen Tag vorgenommen habe. Es kann sein, dass ich – im Stall angekommen weder mental noch physisch in der Lage bin, die heutige Struktur im Training unterzubringen. Na und? Auch das macht nichts. Ebenso kann auch das Pferd einen schlechten Tag haben. Für die genaue Planung sollte man folgende Dinge berücksichtigen: 

  • Tage, an denen man das wiederholt, was man recht gut kann. 
  • Tage, an denen man mal was Neues oder Schwieriges ausprobiert. 
  • Tage, an denen man einfach schön mit dem Pferd Zeit verbringt, beim Zusammensein, beim Lesen eines Buches auf der Weide, bei einem gemeinsamen Spaziergang, beim ausführlichen Betüddeln.

Ich wünsche gutes Gelingen auf dem Weg zur Selbstständigkeit 

 

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Der Ernst des Lebens

Der Ernst des Lebens

Es ist wieder einmal Zeit für ein Update aus dem Hause Conversano Aquileja aka „Konrad“. Im November gab es das letzte Update von Konrad im Blog – und seitdem hat sich viel getan. Vor allem in meinem Kopf. 

Der Zauber der Alm 

Gestern war ich auf der Stubalm ganz in der Nähe von Graz. Dort, auf den scheinbar grenzenlosen Weiden wachsen die Junghengste auf, gewinnen an Kraft, Ausdauer, Trittsicherheit. Wenn so eine Herde aus dem Nebel heraus über die Alm galoppiert, dann bedeutet das Gänsehaut. 

Ich sehe diesen Pferden zu und bin so unheimlich dankbar, dass auch mein Konrad eine solche Kindheit hatte. Er konnte stundenlang mit seinen Kollegen spielen, fressen, toben, Mähne kraulen, Touristen und Wanderer beobachten, Almgewitter, Kühe und das Spektakel beim Almabtrieb runden die mentale Gelassenheit eines solchen Lipizzaners schon ab. 

Daheim haben wir einen großen Paddock Trail und mit anderen Ställen vergleichsweise große Herden und viel Platz für Pferde. Mit der Alm der Piber Pferde ist das natürlich nicht zu vergleichen.

Wer die Hengste auf der Stubalm erlebt hat, wird vielleicht ein wenig wehmütig, bei dem Gedanken, dass diese Zeit ein Ablaufdatum hat. Die einen Pferde werden verkauft, die anderen kommen nach Wien in die Spanische Hofreitschule. Wie hat mein Konrad im letzten Jahr diese Umstellung verkraftet? 

Ich muss sagen erstaunlich gut. Er hat am Sonnenhof rasch viele Pferdefreunde gefunden, Konrad ist ein unheimlich sozialer Typ. Wird ein Pferd in der Herde bedrängt, getrieben oder kommt es zu einer Keilerei geht Konrad schon auch mal dazwischen, ohne viel Körpereinsatz. Seine Präsenz und ein Blick reichen aus – und schon ist Ruhe. Dieses Verhalten hat mich oft zum Grübeln gebracht: Habe ich tatsächlich einen mittlerweile 4-jährigen vor mir, oder schlummert da eine alte Seele in diesem Körper? 

Der Zauber miteinander 

Auf dem Stundenplan stand seit dem letzten Winter Bodenarbeit, Longenarbeit, manchmal ein bisschen Handarbeit (wobei ich mir ja unbedingt ein kleineres Pferd dafür gewünscht hatte. Konrad ist im Winter auf 1,57 m gewachsen, macht mir also einhändig geführt erneut das Leben schwer…) und Gewöhnung an diverse gruselige Gegenstände, Geräusche sowie viele Spaziergänge durch den Wald. 

Mein Fazit und das Spiel mit der Energie 

Freunde fürs Leben: Links PRE Idolo, rechts Konrad

Konrad lernt unheimlich schnell und wenn er einmal etwas verstanden hat, dann wird er bei zu vielen Wiederholungen unleidig. Wozu eigentlich? Er weiß ja schließlich alles.

Wirkliche „Denkarbeit“ und „Pitzelei“ meinerseits muss Konrad also nur einmal in der Woche über sich ergehen lassen. Dann feilen wir an kleinen Details, die ich mir durch meine Begeisterung oftmals selbst eingebrockt habe. Da Konrad so schnell und rasch versteht, habe ich natürlich vieles sehr emotional gelobt. Überhaupt ein Punkt, der mir sehr wichtig ist. Emotion. 

Konrad hat mich so oft positiv überrascht, da er sich immer sehr bemüht hatte, meine Anfragen sofort zu verstehen und umzusetzen. Auf „halber Strecke“ bin ich quasi mit Lob schon ausgerastet. Trotzdem kann er es gut nehmen, wenn ich dann weiter an Details arbeiten möchte. Nur, wenn etwas verstanden und gespeichert ist, dann lautet seine Devise eindeutig: Das sitzt, also bitte auf zur nächsten Aufgabe. 

Energie

Freilich, wir sind hier noch nicht perfekt unterwegs, wichtig ist mir aber die Freude an der Bewegung und sich auszuprobieren.

Im Frühjahr spielen wir einfach so mit Energie. Wir laufen nebeneinander, starten und stoppen manchmal ganz rasant nebeneinander. Aus dieser Idee heraus entwickelt Konrad ein Gespür für Hankenbiegung, er bleibt manchmal einfach in einer Schulparade stehen, die wir aktuell in einer schönen Formgebung erarbeiten wollen. Der Spielerische Ansatz, wobei alles erlaubt und nichts verboten ist hat uns dabei extrem geholfen. Überhaupt: Energie zu spiegeln und Energie auf einem bestimmten Niveau zu erhalten, war auch eine unserer Lieblingsübungen. 

Ich habe mir viele Gedanken über das Treiben und Vorwärts gemacht. Konrad erinnert mich in so vielen Punkten an meinen ersten Trakehner Kobold, so dass auch in dieser Hinsicht Erinnerungen wach wurden: Kobold habe ich im Alleingang vor 23 Jahren angeritten. Anreiten  bedeutete damals: Longieren, Übergänge üben und dann irgendwann hopp aufs Pferd. Das größte Problem war nicht das Aufsteigen und Draufbleiben, sondern das Angehen. Kobold stand damals ruhig, er hatte meine treibenden Hilfen vom Boden aus gut verstanden, vom Sattel aus erntete ich eher Unverständnis. Das Interesse meine Beine zu beknabbern war sehr groß, wenn ich ihn versucht habe anzutreiben, passierte genau nichts. Ich habe damals die Gerte zu Hilfe genommen, ein sanftes Antippen damit und schon waren wir rund um die Halle unterwegs und hatten unseren ersten alleinigen „Ritt“ bravourös gemeistert. 

Dieses „Kobold-Phänomen“ konnte ich schon öfter beobachten, auch wenn junge Pferde fast schon Experten in Bodenarbeit, Handarbeit, Longenarbeit etc. sein mögen. Sitzt der Reiter auf dem Pferd und ist kein Assistent zur Stelle, der aus der Bodenarbeitsposition unterstützen kann, dann wundern sich die Pferde über unklare Anweisungen und verstehen nicht, dass sie vorwärts gehen sollen. 

Unser „erstes Mal“ so richtig….

Warum ich diese Geschichte erzähle? Mir geht es nicht darum, die so wichtige Assistenz vom Boden aus beim ersten Reiten zu ersetzen – keineswegs – denn genau so gehe ich bei Konrad und unseren ersten Versuchen drauf zu sitzen ja auch vor. Mir geht es lediglich darum, das Gefühl für Energie zu schulen. Konrad und ich sind also oft Seite an Seite unterwegs. Ich berühre mit meiner flachen Hand die Sattellage. Wir sind beide im Gleichschritt nebeneinander unterwegs. Dann steigere ich meine Energie, ich ändere aber nichts an meiner Schrittfolge. Und plötzlich, nur über die Steigerung meiner Energie habe ich Konrad neben mir aufgefordert zu Traben. Eine wunderbare Sache, die ich – so hoffe ich – später auch in den Sattel mitnehmen kann, um gemeinsam auf einer Energiewelle zu bleiben. 

Die Sache mit der Langeweile

Genau pünktlich eine Woche vor dem Kurs mit Bent Branderup Anfang Juni hat sich Konrad in der Box verlegt. Konrad hatte eine tiefe Wunde unterhalb des Karpalgelenks, er musste also genäht und geklammert werden. Erst Mitte Juli kann Konrad ohne Verband wieder auf die Koppel. In der Zwischenzeit hat sich Konrad wahrlich mustergültig verhalten. Obwohl mein Jungspund nicht mit seinen Freunden auf die große Koppel durfte hat er die Ruhezeit artig ertragen, er war meist gut gelaunt, lediglich die Medikamentengabe ins Maul fand er recht gruselig. 

Konrad ist einfach mutig. Egal was man ihm vor die Nase hält, er findet alles super spannend…

Viel „gearbeitet“ haben wir in der Zeit nicht. Vorrangig geblödelt. Dieses Rumblödeln bestand dann ganz spontan aus einem der ersten „Ritte“. Meine liebe Julia Kiegerl hat für ein paar Runden auf Konrad Platz genommen und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Alles easy, alles selbstverständlich. Konrad war mega stolz auf sich – endlich was Neues, wo er sich großartig fühlen konnte. Heir ist meine ganze Kreativität gefragt, in den nächsten Wochen werden ich mich also auch damit beschäftigen für Konrad bereits bekannte Inhalte dermaßen zu gestalten, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Wir haben die Kenntnisse aus der Bodenarbeit beispielsweise in einen Geschicklichkeitsparcours mitgenommen. Punktgenaue Paraden zum Halten bei Hütchen oder Tonnen, sowie punktgenaue Handwechsel sorgten für Begeisterung. Konrad ist immer motiviert zu glänzen, aber ich muss ihm die richtigen Aufgaben stellen, so dass er eine Herausforderung darin sieht und selbst auch ein wenig stolz auf sich sein kann. 

Weitere Pläne? 

Spaß und positive Energie immer an erste Stelle setzen. Das ist das oberste Gebot. Ich freue mich riesig darüber, dass Konrad so viele Dinge so rasch versteht. Die Herausforderung ist wirklich primär Konrad nicht zu langweilen mit ewig gleichen Abläufen. Daher machen wir auch oft genau „nichts“, sind einfach zusammen – so wie heute – wo ich Konrad erzählen werde, dass ich nun auch „seine“ Alm besichtigt habe. 

 

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ERP-25: Pfergo – Pferde und Ergotherapie

ERP-25: Pfergo – Pferde und Ergotherapie

Ruth Katzenberger-Schmelcher vom „Team Shetty Sport“ habe ich 2017 bei Pfernetzt – einem äußerst sympathischen Event rund um Blogs, Pferde, Menschen, Ausbildung etc. kennen gelernt. Was mir bei Pfernetzt besonders positiv in Erinnerung geblieben ist: Egal welches Betätigungsfeld die Teilnehmer und Referenten ihr Steckenpferd nannten (Von verschiedenen Ausbildungsmethoden, bis hin zu Reitweisen, Gesundheit, Medizin, Alternativmedizin, Forschung usw. war alles dabei) – gegenseitige Wertschätzung, Neugierde und vor allem Freude standen im Vordergrund.

Natürlich war ich auch neugierig, als ich von Ruths neuem Projekt „Pfergo“ erfahren habe. Dabei geht es um Ergotherapie für Pferde. Warum und wie es dazu gekommen ist, das verrät Ruth in der aktuellen Podcast Folge:

Mehr über Pfergo gibt es auf der Website und auf der Pfergo Facebook Seite

Die Bausteine zum mittleren Rahmen

Die Bausteine zum mittleren Rahmen

Warum das Nachgeben für den Reiter so schwer ist und worauf wir bei einer korrekten Dehnungshaltung in Punkto Biomechanik achten müssen – das erklärte Bent Branderup im ersten Teil unseres Seminars Anfang Juni.

Im zweiten Teil des Vortrags ging Bent Branderup verstärkt auf den mittleren Rahmen ein.  Das erste und zweite Descente – beim Kurs Themenschwerpunkt – wurde ursprünglich beschrieben vom berühmten französischen Reitmeister Francoise Robichon de la Guérinière. Als la descente de main et de jambes, wird das Nachgeben der Hand, (descente de jambes = das Aussetzen der Schenkelhilfen) beschrieben, als Überprüfung, ob das Pferd weiterhin ohne permanente Hilfengebung in der erarbeiteten Form und Haltung bleibt. (Im Französischen braucht „la descente“ einen weiblichen Artikel , ich bitte um Nachsicht, dass ich hier nicht „die Descente“ beschreibe sondern das Descente im Sinne von „das“ Nachgeben im Artikel verwende).

“Irgendwo im Pferdekörper gibt es einen Balancepunkt, den wir zu Beginn der Ausbildung etwas weiter nach vorne nehmen möchten”, eröffnet Bent Branderup die zweite Theorieeinheit an unserem Kurswochenende.

“Aber nicht immer kommen die Pferde unserer Aufforderung einer Balanceverschiebung nach. So würden wir gerne dem Pferd eine Parade beibringen, das Pferd mit einem leichten Schulterherein nach vorwärts-abwärts strecken lassen, dann verschiebt sich der Schwerpunkt weiter nach vorne, als im normalen Stand. Dann können wir durch den Einsatz von Körpersprache zum Pferd sagen: Nimm doch den Schwerpunkt wieder zurück, so dass wir das Pferd in seine ursprüngliche Position wieder zurück nehmen. Diesen Vorgang kann jedes Pferd lernen.”

Bent Branderup erklärt, dass diese Übungen eine Methode sein können, um auch einem weniger geschickten Pferd die Anfänge der Parade beizubringen.

Die Geschichte von der Hand von Bauklötzen und Tunnels

“Zuerst kommt unsere Körpersprache zum Einsatz, aber irgendwann wollen wir dem Pferd ja auch eine Geschichte durch die Einwirkung unserer Hand erzählen. Dafür muss aber der Weg zur Wirbelsäule frei sein. Je schöner die Formgebung der Wirbelsäule, umso leichter können wir die Parade durch den Pferdekörper schicken.“ (Bent Branderup)

Wenn wir Formfehler in der Wirbelsäule wahrnehmen, dann stellen wir fest – eine Parade durch die Hand ist nicht mehr in DER Leichtigkeit möglich. Die erste Parade zum abwärts lösen versucht jeden Körperteil in Position zu bringen.

“Stell dir vor, du baust einen Tunnel mit Bauklötzen, je besser die einzelnen Teile aufeinander ausgerichtet sind, umso eher kann man Energie von vorne nach hinten und von hinten nach vorne schicken. Genauso verhält es sich mit der Parade. Hat man das Gefühl die Parade geht beispielsweise zwischen den Schultern verloren, dann war dort vermutlich eine Panne in der baulichen Tunnelkette passiert”. Anna Eichinger

In den Praxiseinheiten konnte sich Bent von jedem Pferd-Reiterpaar ein Bild machen, dabei wurde auch an der – in der ersten Theorieeinheit besprochenen – korrekten Becken- und Hüfttätigkeit gearbeitet. Bent führte Zuseher und Praxisteilnehmer wie immer gekonnt und informativ durch die Einheiten. So wurde durch etwas vermehrte Versammlung die Tätigkeit aus Becken und Hüfte bei zwei Pferden deutlich verbessert, der Vorgriff der Hinterhand gewann dadurch ebenso mehr Raum. Brauchte das eine Pferd deutlich mehr Unterstützung im ersten Descente, um zur Mittelpositur zurück zu gelangen, musste ein anderes Pferd zuerst ein wenig mehr versammelt werden, um dann in einer korrekten Mittelpositur oder Dehnungshaltung den Vorgriff aus der Hinterhand überhaupt korrekt umzusetzen.

Das Vermächtnis der Alten Meister an uns

“Wenn das Pferd auf der Schulter ist, dann wird der Schwung im Brustkorb natürlich von der Schulter blockiert, was sich wiederum auf die „Vor-und runter-Bewegung“ der Hüfte auswirkte. Die Hüfte kam nicht nach vorne, wenn das Pferd nicht versammelt war. Durch Versammlung wollen wir die positive Hüfttätigkeit in anderen Übungen erhalten. Wenn wir falsche Muskeltätigkeiten vom Pferd bekommen, müssen wir dies sehen, daher ist die Schulung des Auges so unabdingbar. Manchmal sieht man Reiter, die ihrem Pferd völlig falsche Muskelverkettungen abverlangen und diese Tätigkeiten noch steigern, Dann werden die Pferde ihrer natürlichen Gangart beraubt. Nach ein paar Jahren kann man die Pferde nicht mal mehr auf der Wiese lassen, denn sie schlagen sich selbst kaputte Beine, da der natürliche Gang dermaßen zerstört wurde. Wir können daher nur etwas Ausbildung nennen, was die Qualität der Bewegung der Pferde tatsächlich steigert, die Natur des Pferdes nicht zertrümmert”.

Die erste Parade schult unser Auge in Punkto korrekter Formgebung und legt die Basis für das spätere Projekt “Reiten”.
Nur wenn das Hinterbein des Pferdes genau unter jenen Punkt fußt, wo wir als Reiter später drauf sitzen, nur dann ist das Pferd korrekt aufs Reiten vorbereitet.

“Unser eigentliches Ziel in der Akademischen Reitkunst hatte bereits Antoine de Pluvinel vor 1620 definiert. Er sagt, mein Hauptziel alleine ist es, das Pferd aus der Hüfte zu dirigieren.”

In weiterer Folge erklärt Bent Branderup, wie aktuell Pluvinels Anweisungen für den Reiter von heute sind, der nach einer feinen Kommunikation mit dem Pferd strebt: Verschiedene Bereiche aus dem Sitz geben dem Pferd eine Mitteilung. Die erste Mitteilung versucht also Balance herzustellen, die Balanceverschiebungen sollen dafür sorgen, dass der jeweilige Hinterfuß in verschieden Richtungen folgt. Dafür brauchen wir aber einen physischen Sitz.

Gustav Steinbrecht schreibt, das Pferd soll eine Hohlheit in der inneren Hüfte finden. Sehen wir das Becken des Reiters auf dem Pferd, dann stellen wir uns vor, dass wir das Becken innen etwas tiefer nehmen. Dann will Steinbrecht, dass das Pferd durch den Einsatz des inneren Sitzknochens den Brustkorb rotiert. Der Brustkorb soll dann auf der inneren Seite des Pferdes nach unten gehen und dementsprechend an der Außenseite hochkommen. In dem Moment geht die Rotation weiter zur Hand des Reiters, das Pferd kann zur Hand des Reiters hin gestellt werden. Können wir das Pferd mit dem Sitz zur Hand formen, dann haben wir eine primäre Hilfe entdeckt, die eine sekundäre Hilfe ersetzen kann”.

Wie immer entführt uns Bent Branderup weiter in die Lehren der Alten Meister. Weiter ging es mit Guérinière:

Guérinière setzt den inneren Oberschenkel ein, er beschreibt einen größeren Hebel bei der Einwirkung auf rundrippige Pferde, wenn man den Oberschenkel etwas weiter draußen auf den Rippenbogen einsetzt. Der Oberschenkel lässt sich abwärts und bei schmalen Pferden einwärts bewegen, um die Hohlheit um den inneren Schenkel zu verstärken”.

Von Frankreich ging es weiter nach England zum Lord von Newcastle:

Newcastle beschreibt das Phänomen der korrekten Brustkorbrotation folgendermaßen, so dass der innere Steigbügel länger erscheinen soll, als der äußere. Wenn Sie das Buch von Newcastle durchblättern, dann müssen Sie wissen: Die Bilder sind gar nicht von Newcastle selbst. Es gibt wunderbare Kupferstiche von einem Schüler von Rubens, die Newcastle abgesegnet hatte. Die Holzstiche aus Newcastles Buch hatte er selbst aber nie gesehen. Diese wurden vom Verleger nach Newcastles Tod abgenommen. Darauf zu sehen sind Pferde, die stark überbogen sind. Wenn man ein Pferd aber stark überbiegt, dann kommt der Brustkorb außen nach unten. Nur in der richtigen Stellung und Formgebung kann sich der Brustkorb außen wie gewünscht heben. Wenn Newcastle die Pferde so dermaßen überbogen hätte, wie es in den Bildern dargestellt war, dann würde er nicht zum Resultat kommen, wie er es mit dem längeren, inneren Steigbügel beschrieben hatte.”

Das Erbe von Newcastles Ausführung erklärt auch, warum der Reitlehrer heute noch die Anweisung gibt: “Absatz tief”. Zieht der Reiter den inneren Schenkel nach oben, dann sitzt er den Brustkorb außen tiefer. Nur wenn der innere Schenkel etwas tiefer eingesetzt wird kann er optimal zur Erarbeitung von Stellung und Biegung dienen.

Der Oberschenkel und seine Wirkung

Bent Branderup erklärt nun, wie der Reiter seinen Schwerpunkt nach vorne nehmen und vermehrt auf die Oberschenkel kommen soll:
“Ich darf die Damen im Publikum trösten, der leichte Sitz macht uns leider nicht leichter”. Das Pferd lässt sich aber nicht im leichten Sitz entlasten, wenn der Druck in die Steigbügel zunimmt, der Reiter muss vermehrt auf die Oberschenkel kommen, um den Gesäßknochen aus den Rückenmuskeln zu nehmen. Eine nuancierte Schenkelhilfe wird jedoch erschwert, denn der Reiter im Knie klemmt und dadurch dem Schwung des Pferdes nicht mehr optimal folgen kann.
Im Vortrag wird nun der Unterschied zwischen dem offenen und dem geschlossenen Sitz nach Steinbrecht erklärt. Im offenen Sitz mit entspannten Oberschenkeln auf dem Pferd gelingt es uns am besten, die Hinterbeine des Pferdes zum vermehrten Vorgreifen zu animieren.

Nur ist es dem Oberschenkel nicht immer möglich, flach und entspannt auf dem Pferd zu liegen. Bent erklärt nun die unterschiedliche Beschaffenheit von Sätteln und ihre Vorteile. In der Praxiseinheit haben viele Reiter übrigens schon den Schulungssattel von Bent Branderup ausprobiert. Da Ralf Schmitt von Barock Flair auch bei unserem Kurs vor Ort war, konnte der mitgebrachte Schulungssattel unter den Augen von Bent für jeden Reiter optimal angepasst werden. Viele Sitzprobleme ließen sich im Handumdrehen verbessern, die Reiter konnten mit Unter- und Oberschenkeln leichter einwirken.

Das Zusammenspiel der Hilfengebung aus dem Oberschenkel kann die Bewegungsqualität verbessern. Bent Branderup faßt auch hier noch einmal die gesehenen Praxiseinheiten vom Vormittag zusammen. Ein Pferd war immer wieder mit dem Brustkorb nach außen gefallen, dabei war das innere Vorderbein in die äußere Richtung geschwungen.

“Der Brustkorb bekommt seine Schwungrichtung aus der Hinterhand des Pferdes. Daher habe ich der Reiterin geraten, die Vorderseite des äußeren Oberschenkels nach innen zu drehen, die Ferse das Unterschenkels außen dabei nach außen. Fühlt es sich für die Reiterin so an, als falle der Brustkorb förmlich auf den äußeren Zügel, dann ist das äußere Vorderbein zurück unter den Bauch gefallen. Nicht durch Druck, sondern durch den Drehmoment der äußeren Hüfte muss sich der Schwungmoment umkehren, um Balance und Schwungrichtung in die gleiche Richtung zu bringen. Wenn wir damit erfolgreich sind, wird der Widerrist unter und vor uns mehr nach innen zeigen. Dann haben wir die Sekundarhilfe Zügel auch erfolgreich durch unseren Oberschenkel ersetzt. Bei diesem Schritt kann uns auch die Gerte den äußeren Zügel verstärken.“

Je weiter das Pferd ausgebildet ist, umso eher können wir auch die Rückseite des Oberschenkels für die Hilfengebung einsetzen.
So schaffen wir durch unsere Sitzhilfen einen Rahmen, den wir dem Pferd auch vom Boden beibringen können, in dem wir uns aller Positionen bedienen. Von der Bodenarbeitsposition vor dem Pferd, in die Handarbeit, einhändig geführt von innen und von außen, in die Langzügel- oder Longenposition – kurz – alle Positionen des Crossover lassen sich später auf die Position aus dem Sattel übertragen. Dann muss das Pferd aber bereits gelernt haben, die Parade zu verstehen, wenn man die Paraden zuerst auf das äußere, später auf das innere Hinterbein und schließlich abwechselnd auf die einzelnen Takte setzt.

Die Magie der Hinterbeine

Wenn das Pferd von Natur aus sein Hinterbein gut nach vorne bringt, kann auch das stehende Hinterbein gut lernen eine Beugung auszuführen.

„Der Unterschied zwischen Versammlung und einem „Langsam“ liegt darin, dass die rückwärts wirkende Hand den Vorgriff geraubt hat. Der stehende Hinterfuß soll so weit wie möglich nach vorne kommen. In diesem Moment senkt sich auch das Becken ab, die Hinterhand kommt unter das Pferd, die Brustwirbel richten sich mit auf und die Schulterfreiheit nach oben entsteht. Im Idealfall 😉

Die Kandare ist dafür da, den Hals in der Versammlung lang zu halten. Viele Reiter ziehen aber mit der Trense den Hals kurz und mit der Kandare dann noch einmal mehr. Wir wollen allerdings den Hals lang haben. In der ersten Parade fragen wir nach einer Dehnung, in der zweiten Parade geht es uns um das horizontale Gleichgewicht in guter Mittelpositur. In der dritten Paraden müssen wir die komplette Hankenbiegung ausbilden. Die zweite Parade schult unser Gefühl, um herauszufinden, ob wir einen Hinterfuß so unter das Pferd gebracht haben, dass die Gelenke zwischen Huf und Hüfte gut beugen können. Ich muss den Huf unter mir haben, um ihn heben und beugen zu können. Das ist einfache Physik“.

Bent erklärt weiter, dass es nicht darum geht, den Vorgriff des Hinterbeins weg zu drücken, sondern den Rückschub weg zu treiben. Daher macht es auch Sinn, wenn wir das Pferd zu Beginn dieser Arbeit das Pferd durch die Sekundarhilfe Gerte unterstützen und ihm zeigen, in welchen Gelenken wir gerne eine Beugung erfragen möchten.
Fragen wir diese Hilfe zu früh in der Ausbildung des Pferdes, dann drückt das Pferd eventuell gegen unsere Hand oder weicht mit einem Katzenbuckel der Versammlung aus. Bent schärft dem Publikum ein, jedoch stets nach der richtigen Reaktion zu streben, daher steckt in der Ausbildung der Hinterbeine jahrelange Arbeit mit der ersten und zweiten Parade, bevor die dritte Parade die Versammlung vervollkommnen kann.

„Die Qualität der Versammlung sehen wir am ehesten in der Passage, wenn die Federkräfte zum Einsatz kommen und die Kraftübertragung aus der Hinterhand in die Wirbelsäule majestätisch und kadenziert weiter gegeben wird. Dann führt die Federkraft auch zu einer vermehrten Dehnung der Oberlinie. Wir sehen heute leider keine echten Passagen mehr. Dafür brauchen wir eine komplette Ausbildung der Rumpfmuskulatur. Die meisten Passagen, die wir heute sehen, sind entweder Spanischer Trab oder Spanntritte gegen die Reiterhand. Der Reiter macht dann diese ruckartige Bewegung mit der ganzen Hand und man sieht ihn auf dem Pferd schunkeln. Passage kommt aus dem Italienischen: Passeggiare. Das bedeutet: Spazieren gehen. Früher ist damit der König zu seiner Krönung geritten. Auf dem Haupt trug er eine Krone des Vorfahren, die zumeist nicht für seinen Kopf angefertigt wurde. Mit den heutigen Passagen, die wir vermehrt sehen, wäre die Krone herunter gefallen. Das Gefolge des Königs wäre nur schwer mitgekommen, meist wurde der König ja auch unter einem Baldachin begleitet, wenn er gemütlich zur Krönung ritt. Der König ritt in einer Gangart, die imposant, aber für ihn sehr angenehm war. Das Tempo beschrieben die Alten Meister mit ein bis zwei Schuhen vorwärts. Eine echte Passage ist also eine Piaffe mit vermehrtem Schwung.“

Bent Branderup konstatiert, das Problem der Reitkunst heute, sei es einen gewissen Minimalismus im Gesäß des Reiters auszubilden. Minimalismus sei das Privileg des Meisters. Der Anfänger müsse zu Beginn seines Weges etwas übertreiben, damit er spüren kann, was er tut. Wie der Springreiter, der einmal vor dem Sprung nicht in Bewegung sitzt – er wird rasch merken, dass dieser Strategie nicht gerade sinnvoll war.

„Heute müssen wir Wege finden, um den modernen Freizeitreiter zum Lernenden und Ausbilder seines Pferdes gleichzeitig zu machen. Früher waren die Bereiter ja quasi billigere Kräfte als die Pferde selbst. Dem modernen Reitausbilder fehlt auch oft die Kunde darüber, was für eine Ausbildung möglich – und ganz wichtig ist – nicht möglich ist. So wie der Tischler dem Kunden sagen kann, was mit dem ausgewählten Holz eben möglich ist und was nicht. Es geht also darum, Wissen zu entwickeln und sich nach und nach einen Werkzeugkoffer zu füllen. Wenn wir immer nur den Nagel und den Hammer sehen, dann werden wir das Problem des tropfenden Wasserhahns nicht lösen können. So ist es mein Ziel, gute Handwerker auszubilden, also Reiter, die um die Bedeutung der einzelnen Werkzeuge und ihr Einsatzgebiet bescheid wissen. Es kann erst Reitkunst werden, wenn es in unserem Körper anfängt und auf das Pferd übertragen wird. So unterscheide ich in Punkto Sitz in mehren Phasen: Erste Phase: Oben bleiben, zweite Phase: Analysieren, was unter dem Reiter stattfindet und Phase drei die Schwingungsarten vorgeben und Tempo und Richtung bestimmen. Das ist die Phase, wo die Reitkunst anfängt. Und da definieren wir dann die Kunst als den Moment, wenn zwei Geister wollen, was zwei Körper können“.

Vielen Dank an Bent Branderup für den wunderbaren Kurs und die vielen wunderbaren Momente, die wir mit unseren Pferden erleben konnten!

 

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PS: BILDER BILDER BILDER: Eine Auswahl der schönsten Kursbilder wie immer von der wunderbaren Katharina Gerletz gibt es hier

PPS: Nächste Woche gib es den dritten Teil zum Nachlesen – dann widmen wir uns dem Thema Pädagogik

Innere Bilder in der Akademischen Reitkunst

Innere Bilder in der Akademischen Reitkunst

Alles Urdenken geschieht in Bildern:

Darum ist die Phantasie ein so notwendiges Werkzeug desselben, und werden phantasielose Köpfe nie etwas Großes leisten – es sei denn in der Mathematik.

Arthur Schopenhauer (1788-1860) deutscher Philosoph

Um Erfolg zu haben, greifen sie alle auf Bilder im Kopf zurück: egal ob Sportpsychologie, Kommunikationswissenschaft, Meditation oder Coachings in der Welt des Business.
Sämtliche Disziplinen machen sich die „Macht der Bilder im Kopf“ zu Nutze. Und vermutlich hatten doch auch kreative Köpfe in der Mathematik durchaus mehr Erfolg. Für die Ausgabe der Feinen Hilfen Nr. 21 habe ich ein paar Visualisierungen aus der Akademischen Reitkunst zusammengestellt:

Der visuelle Pädagoge

Wie fühlt sich Balance an? Wie soll eine gute und losgelassene Formgebung aussehen? Wie stellt sich das geistige Auge Stellung und Biegung vor? Wie sieht ein gutes Tempo bei gleichmäßigem Takt aus? Und wie beurteilt man korrekten Schwung?
Wer dem Pferd ein guter Pädagoge sein will muss zuerst wissen, was er abfragen möchte. Bent Branderup bringt es in seinen Theorievorträgen regelmäßig auf den Punkt:

„Die Menschen wissen eigentlich nicht was sie wollen, aber sie wollen es jetzt“.

Wenn du weißt, was du kannst, kannst du tun, was du willst!

Was wollen wir eigentlich von unserem Pferd?

In dieser Fragestellung beginnt also unsere erste Zieldefinition für unsere Basisarbeit.

Die Erarbeitung einer gemeinsamen Kommunikation mit dem Pferd beginnt immer zuerst vom Boden aus. Ist die grundlegende Beziehungsarbeit, die Erziehung und Führarbeit mit einschließt, absolviert, steht sodann die erste Erarbeitung einer Formgebung auf dem Stundenplan. Dabei sollte man noch vor dem tatsächlichen Abfragen von Stellung und Biegung natürlich über die einzelnen Komponenten Bescheid wissen. Was soll eigentlich mit dem Unterkiefer in Stellung passieren? Und warum brauchen wir Ganasche-Freiheit? Wenn der Reiter sich zuerst im Kopf vorstellen kann, wie sich das Pferd der lösenden Hand folgend abwärts streckt und schließlich durch leichte Einwirkung am Kappzaum der Unterkiefer bei geöffnetem Ganaschenwinkel unter den Atlas rotiert – der weiß wie er eine pädagogische Aufgabe formuliert und das Ergebnis schließlich auch messbar kontrollieren kann.

Gerade unter diesem Aspekt ist die Bodenarbeit, die Longenarbeit, die Handarbeit, die Arbeit am Langen Zügel und der Crossover aller Elemente in der Akademischen Reitkunst von großer Bedeutung, da der Reiter nicht nur seinen Blick, sondern auch sein Gefühl immens schulen kann.

Warum Gefühle beim Reiten so wichtig sind

Visualisierung heißt „Reiten mit Köpfchen“. Der Denkende Reiter muss nicht nur Theorie, sondern auch sämtliche Sinneseindrücke verarbeiten.

„Nach genauen Vorschriften und toten Buchstaben kann der Reiter ein Pferd wohl zur Maschine machen, aber nicht dressieren. Dies vermag er nur, wenn er sich von seinem Gefühl und seinem eigenen Urteil leiten lässt“. (Gustav Steinbrecht)

Der denkende Reiter analysiert, überlegt und handelt. Denn schließlich verhält sich auch nur ein einziges Pferd wie im Lehrbuch. Das Pferd, das im Lehrbuch drin steht. Somit ist der denkende Reiter lieber kein Pauschaltourist, sondern ein Entdecker, dem die Reise und der Weg zur Reitkunst mehr Spaß machen, als das vermeintliche Endergebnis. Aber nicht nur über unsere Sinne empfangen wir vom Pferd Informationen, auch über die Hand und den Sitz werden wichtige Informationen weiter gegeben.

„Gerade aber die richtige und schnelle Wahrnehmung der Wirkungen, die die Bewegungen des Pferdes auf uns ausüben, ist die so überaus wichtige Eigenschaft, die wir mit dem Worte „Reitertakt“ oder feines Gefühl zu Pferde bezeichnen. Der Reiter kann die Fußbewegung seines Pferdes mit dem Auge nicht beobachten, wenigstens nicht ohne seine ganze Haltung aufzugeben. Er ist gewissermaßen im Fall des Blinden, der durch hohe Ausbildung des Gefühlssinns das fehlende Augenlicht, so gut es geht ersetzen muss“. (Gustav Steinbrecht)

Was der fühlenden Hand und dem fühlenden Sitz gerade am Anfang (auch der reiterlichen Ausbildung) der größte Assistent ist, ist das innere und äußere Auge – das Spüren und das Sehen. Gerade weil wir am Gesäß keine Augen haben, später aber die gesehenen Erfahrungen genauer erfühlen müssen – schließt sich hier wieder der Kreis zur Bodenarbeit.

„Nur einen denkenden Reiter kann man einen fühlenden Sitz lehren, denn der Reiter muss verstehen, was er fühlt!“ (Bent Branderup).

Gefühl braucht man aber nicht nur für die Gymnastik. In erster Linie wollen wir ja den Geist des Pferdes erreichen. Wir wünschen uns schließlich ein Pferd, das gerne mit uns arbeitet und gerne Zeit mit uns verbringt. Diesen Geist wollen wir auch später in der Gymnastizierung ansprechen, Fragen stellen können und klare Antworten erhalten.

Innere Bilder zur besseren Kommunikation

Somit ist die allererste Visualisierung für uns Menschen als Pädagogen:

Was möchte ich von meinem Pferd und was möchte ich nicht!

Nicht immer müssen wir dabei gleich das Endprodukt vor dem inneren Auge haben. Wenn wir also zu unserem Beispiel der Erarbeitung von Stellung und Biegung im Stand zurückkehren, könnten wir bei den kleinsten Einzelheiten anfangen. Fragt man den Schüler in der Unterrichtsstunde, was er sich vorstellen würde, fängt er gleich mit der korrekten Technik an. Das artet gerne gleich in einen Fachdialog aus, anstelle an elementare Dinge zu denken, wie ein ruhig stehendes Pferd. Wir sollten beim Visualisieren also auch komplett auf Kleinigkeiten achten. Und nicht nur auf das technische Endprodukt: ein gestellt und gebogenes Pferd.

Denken wir dann auch überhaupt über unsere eigene Körperposition nach? Meist fällt es uns gar nicht auf, dass wir ein Bein entlastend, lässig vor dem Pferd stehen. Wenn wir uns selbst auch in Gedanken eine Haltung geben, die wir vor dem Pferd einnehmen, setzen wir diese in der Praxis auch leichter um. Es gibt also immens viele Kleinigkeiten, die wir auf eine visuelle Checkliste setzen können: wo halte ich bei der Bodenarbeit meine Hand am Kappzaum? Sind die Finger geschlossen oder offen? In welcher Hand halte ich sämtliche Schlaufen der Longeleine oder des Führseils? Wo zeigt die Gerte hin? Wie ist meine eigene Balance?

Wenn man sich ein Endbild vor Augen hält, geht es nicht nur um das Pferd, sondern auch um den Menschen. Wie soll der Mensch einwirken und vor dem Pferd stehen und wie nicht.

Haben wir hier ein klares Bild vor Augen, werden wir unsere Frage an uns selbst und an das Pferd eben zuerst in Gedanken formulieren und dann in der Praxis. Mit ein wenig Übung stellen sich rasch Feinheiten in der Kommunikation ein.

Der schlechteste Schauspieler auf der ganzen Welt

Stellen Sie sich vor, Sie stehen als Schauspieler auf einer Bühne. Sie sollen auf der Bühne im Kreis marschieren und abrupt stehen bleiben.

Jedoch: sie sind der schlechteste Schauspieler auf der Welt. Das Publikum ahnt schon längst, dass sie gleich eine Bremsung einlegen werden.

Für das Pferd kann es von Vorteil sein, dass Sie ein schlechter Schauspieler sind.

Pferde kommunizieren über ihren Körper. Wir Menschen tun das aber kaum. Echte Freude spiegelt sich nur selten in unserem Körper wider. Das was für uns sehr leicht zu lesen ist: „…dem Menschen da gegenüber geht es schlecht.“ Nach vorne gefallene, festgehaltene Schultern, ein starrer Blick. So pendeln wir meist in der Früh zur Arbeit, wobei Emotionen dort natürlich auch keine Rolle spielen (dürfen).

Wir brauchen aber echte Freude, denn wir wollen ja auch die Freude in unserem Pferd wecken, das sich gemeinsam mit uns über seine Fähigkeiten freut. Wir müssen aber mit unserem Körper verschiedene Mitteilungen bzw. Hilfen kommunizieren.

Kommen wir zurück zur Sache mit der Haltparade. Wenn wir quasi für unser Publikum so leicht vorhersehbar sind, dann sind wir es auch für unser Pferd. Wir befinden uns also am Boden vor oder neben unserem Pferd. Wir laufen rückwärts oder neben dem Pferd. Eine Übung aus der Schauspielkunst kann tatsächlich sein, den geplanten Halt genau zu visualisieren, im eigenen Körper vorab zu fühlen. Atmet man eher aus, wenn die Haltparade geplant ist? Sackt der eigene Körperschwerpunkt nach oben oder unten? Wie verändert sich die eigene Schrittfolge? Und dann spielen wir den Halt mal ganz übertrieben schlecht. Wer sein Pferd mit einem plötzlichen Stopp nicht mehr überfällt, bekommt plötzlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich ist Kommunikation mit ein wenig Vorhersehbarkeit angenehmer, als Aufgaben, die ständig aus dem Nichts herausgebrüllt werden.

Das innere Bild von Balance

Warum wir Reiter so gerne aneinander vorbei sprechen? Harmonie ist etwas zutiefst Subjektives, wobei jeder Reiter und jede Reiterin wohl eigene Gedanken und Vorstellungen haben, wie sich Harmonie anfühlen muss.

Meine Trainerkollegin Annika Keller hat es einmal bei einem Zusammentreffen sehr schön formuliert:

„Harmonie ist die Abwesenheit jeglichen Widerstands.“

Jeder hat seine subjektive Vorstellung – diese aber auch auszuformulieren ist ebenso ein erster Schritt zum Bild im Kopf.

Ähnlich ist es auch mit Balance. Hier gibt es viele Möglichkeiten für einen bildhaften Vergleich.

Meinen Schülern rate ich im Unterricht gerne dazu, sich das „Pferd aus Glas“ vorzustellen. Wir verwandeln unser Pferd also in ein Glaspferdchen, dessen Körper nicht zur Gänze gefüllt ist mit Wasser. Ist das Pferd in seiner Mitte? Ist das Wasser gleichmäßig verteilt, oder haben wir das Gefühl das Wasser schwappt zunehmend in Richtung des äußeren, rechten Vorderbeins?

Wenn wir dann durch leichte Arbeit im Stand im Schulterherein und Kruppeherein, sowie mit den Paraden die Balance, also das Gleichgewicht des Wassers wieder herstellen wollen, denken wir weniger an die Technik, als an das Gefühl das Wasser durch die Verschiebung des Gleichgewichts wieder in die Mitte des Pferdes bringen zu wollen. Oft hilft schon der Gedanke an das Wasser, um eine ungleiche Belastung an den Vorderbeinen des Pferdes leichter auszumachen. Wollen wir eine Parade durch den Pferdekörper schicken, spüren wir, wo das Wasser möglicherweise eine Engstelle nicht passieren kann – wir wissen also, wo die Parade nicht durchkommt.

Auf dem Pferd können wir als Reiter ebenso wahrnehmen, ob wir unsere Mitte gefunden haben – oder was das Wasser mit uns macht. Dies hilft auch dem Statischen Sitz. Der Statische Sitz bedeutet im Grunde „gerade zu sitzen“, das heißt im Gleichgewicht und in der Bewegung. Dieses Gleichgewicht sollen wir in unserer Mitte, in unserem Bauch finden und spüren.

Unser Physischer Sitz bedeutet, den dreidimensionalen Schwingungen des Brustkorbes des Pferdes und somit seinen Bewegungen zu folgen und diese zu beeinflussen. Wenn wir uns beispielsweise auf der linken Hand befinden und spüren, dass der Brustkorb des Pferdes innen nach oben rotiert und uns das Pferd so nach außen gesetzt hat, bemühen sich viele Reiter unbedingt wieder nach links unten zu sitzen. Dabei knickt dann möglicherweise nicht nur die rechte Hüfte ein – der Oberkörper wird stark nach innen verdreht.

Um wieder die Statik in Ordnung zu bringen und gerade zu sitzen kann der Hinweis auf einen gläsernen Menschen auch hier helfen – oder andere Reiter helfen sich gerne mit der Vorstellung einer verschluckten Billardkugel.

Die Billardkugel

… beschreibt unsere Mitte. Wir können unseren Schwerpunkt auf dem Pferd nach vorne oder auch wieder etwas zurücknehmen – je nachdem ob etwas Dehnungshaltung oder Versammlung gefragt wird. Wenn wir unseren Schwerpunkt nach vorne nehmen, können wir uns vorstellen, die Billardkugel in unserem Bauch nach vorne in Richtung Nabel zu rollen. Wir müssen aber aufpassen, dass die Kugel nicht aus unserem Bauch heraus über den Widerrist des Pferdes nach unten kullert. Diese „Begrenzung“ hilft Reitern, die nach vorne gerne „Übergewicht“ bekommen und sich dann auch zu stark in die Bügel stemmen.

Die Billardkugel kann ich dann auch in Richtung innerer Hüfte des Pferdes rollen, wenn ich beispielsweise im Kruppeherein versammeln möchte. Oder ganz vorsichtig in Richtung innere Schulter rollen, wenn ich das Pferd im Kruppeherein wieder mehr nach vorwärts schwingen lassen möchte.

Versuch es mal mit Bequemlichkeit

Meine Fuchsstute Tarabaya ist mit enorm viel Schubkraft ausgestattet. Als wir endlich die Hinterbeine sortiert hatten, wurde sie für mich – da der Schwung auch besser über den Rücken übertragen wurde freilich auch bequemer zu sitzen. Anfangs nur für wenige Momente. Um diese Momente zu verlängern habe ich mir zwei Bilder visualisiert.

Ich habe sie mir einfach wieder „bequem vorgestellt“, andererseits konnte ich auch die Vorstellung von einem bequemen Pferd auf das unbequeme mitnehmen. Freilich war mein physischer Sitz auf dem bequemen Pferd geschmeidiger. Mit Fantasie konnte ich mein unbequemes Pferd ein wenig bequemer reiten.

Pfeile in den Boden schießen

In der Bodenarbeit haben wir den Vorteil, dass wir das Pferd vor uns observieren können, wenn wir rückwärts laufen. Wir sehen, ob das Pferd zum Schwerpunkt fußt oder nicht.

Wenn wir oben drauf sitzen und unser Gefühl noch nicht so weit ist, die Qualität des Vorgriffs aus der Hinterhand konkret zu beurteilen, kann uns zur Sicherheit folgende Vorstellung helfen: wenn der Brustkorb unter uns nach rechts und links, nach oben und nach unten, sowie in Rotation schwingt, dann bewegen sich unsere Sitzknochen im Schritt auf und ab. Wenn der linke Hinterfuß nach vorne schwingt, sinkt auch der linke Sitzknochen nach vorne unten. Wenn wir uns in dem Moment vorstellen, der Sitzknochen würde einen Pfeil in den Boden schicken als Signal für den Hinterfuß – dort musst du hin steigen – kann dies einerseits unser Gefühl weiter schulen, andererseits auch tatsächlich helfen, den Hinterfuß etwas besser nach vorne zu holen.

Eines meiner Lieblingsbilder von Bent Branderup bezieht sich auf das Vorwärts reiten und die rückwärts wirkende Hand. Dieses Bild zeigt ganz logisch, warum wir mit „Hinten treiben -vorne gegenhalten“ weder eine weiche Verbindung noch ein korrektes Vorwärts erreichen können:

„Was wir in der Hand spüren ist bereits Vergangenheit. Wir können uns also nur bemühen, die Zukunft positiv zu beeinflussen. Das Leben muss ebenso vorwärts gelebt und rückwärts verstanden werden. Genauso ist es mit dem Reiten, wir müssen vorwärts reiten und Informationen an die Hand als Nachricht aus der Vergangenheit verstehen.“

Was wir also in der Hand spüren ist ja schon passiert – oder eben auch nicht. Es hat also keinen Sinn mit der Hand irgendeine Formgebung zu beeinflussen, die aus dem Vorwärts der Hinterhand hätte passieren müssen. Daher quasi die Reise in die Vergangenheit: erneutes, korrektes Vorwärts und erneute Informationsaufnahme durch die Hand.

Eine wunderbare Visualisierung hat Bent Branderup auch auf seinen Kursen bezüglich der Lastaufnahme der Hinterhand parat:

„Kann ich selbst einen schweren Eimer heben, wenn ich mit meinen Beinen nicht senkrecht sondern nach hinten raus stehe? Man kann auch keinen Stuhl heben, auf dem man sitzt. Ähnlich ist es mit dem Pferd. Denn wenn wir drauf sitzen, drücken wir Gewicht über den Brustkorb auf die Schultern. Deswegen ist gutes Reiten, wenn man die Vorderbeine leicht machen kann und gleichzeitig die Schulter beweglich hält. Nicht das Vorderbein in der Luft, sondern das stehende Vorderbein klärt uns über die Schulterfreiheit auf.“

Die Alten Meister

… können uns ebenso beim Visualisieren unterstützen. Wir können beispielsweise ihre Meinung zu einem Thema einholen – Stichwort Innensitz:

Steinbrecht spricht hier von einem sanften Hang in der Hüfte nach innen. Guérinière sagt, das Pferd macht sich hohl um den inneren Schenkel und Newcastle sagt der Steigbügel erscheint 4 Inches länger. Alle drei sprechen von der gleichen Sache, anders ausformuliert. Manchmal kann es lohnen mehrere Formulierungen zu einem Thema zu lesen, um ein klareres Bild vor Augen zu haben. Denn nicht immer ist das, was Schriftsteller A sagt für mein inneres Auge sofort hilfreich. Schriftsteller B kann mir aber helfen, Schriftsteller A möglicherweise sogar noch besser zu verstehen.

Umgekehrt ist es auch eine wunderbare Übung Inhalte aus der Reitkunst für sich selbst in verschiedenen Varianten zu formulieren. Hier malen wir eventuell selbst Bilder, die uns helfen Fragen an das Pferd besser zu visualisieren.

Fazit

Visualisierung hilft. Und manchmal hilft es auch auf eigene Erfahrungen zurück zu greifen: Erfahrungen, die auf den ersten Blick mit dem Reiten nichts zu tun haben.

Jeder kennt die Situation aus der Tanzschule: mit dem Tanzlehrer konnte man sich entspannen und gut führen lassen. Reiten ist ein Paartanz, es geht nicht um Dominanz, sondern um zwei Geister und zwei Körper, die in Einklang kommen wollen. (Bent Branderup)

Nutzen wir innere Bilder, dann Reiten wir Einfach 😉

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Ruka jezdce nemůže nikdy ohýbat koně

Ruka jezdce nemůže nikdy ohýbat koně

Pro časopis Feine Hilfen vydání č. 20 jsem vedla rozhovor s Bentem Branderupem a Annikou Kellerovou na téma „ohnutí“. Celý článek si lze přečíst v mém blogu:

„Logika ukrytá v ohýbání“: tak se nazývá nový překlad Gymnázia koně od Gustava Steinbrechta od Benta Branderupa a Anniky Kellerové. Steinbrecht se narodil roku 1880 nedaleko Magdeburgu. Až do své smrti byl stále aktivní i v sedle – a byl již v jeho době, ač platil za obhájce vysoké jezdecké školy a jezdeckého umění, považován za „staromódního“.

Myšlenka Gustava Steinbrechta a zásady výcviku jsou přesto dnes modernější než kdy jindy. Autorka časopisu Feine Hilfen Anna Eichinger vedla s autory následující rozhovor:

Feine Hilfen: Je pro dnešní jezdce těžké pochopit Steinbrechta – nebo co je cílem Vašeho přepracování?

Bent Branderup: Já bych dokonce řekl, že je to jednodušší, protože dnešní jezdci se chtějí mnohem více dozvědět a vzdělávat než spousta jezdců tenkrát. Sice měli lidé z doby Steinbrechta více zkušeností s koňmi, ale tenkrát už existoval fenomén „tiché pošty“. Jde o předávání informací od člověka ke člověku, při kterém se však vytratí část obsahu. Když si dnes hrajeme na „tichou poštu“ se jménem Anna, pak z toho nakonec pravděpodobně zase vyjde „Anna“, protože tomu bez problémů rozumíme. Kdybychom ale chtěli napsat nebo přeposlat ruské jméno, a to navíc napsané v ruské azbuce, pak by výsledek vypadal asi jinak. Dřívější jezdec tedy měl sice více zkušeností, ale to neznamená, že také opravdu rozuměl více obsahu, protože tenkrát se i hodně experimentovalo.

Annika Keller: Chceme se v naší knize určené pro jezdce naší doby ještě jednou podívat pod povrch a zjistit, co se biomechanicky v jakém momentě ohnutí děje. Jaký pohyb je vůbec možný? S touto otázkou vyvstává nutně i druhá: „Je-li tento pohyb možný – je to zároveň i zdravé?“ Kupříkladu, když se kůň nechá výrazně ohnout. Je-li v tomto přílišném ohnutí na levou ruku, pak klesne jeho hrudní koš doprava. To je sice proveditelné, ale při ježdění na koni nezdravé. Musíme si stále připomínat biomechanické procesy.

Feine Hilfen: Je ohnutí všeobecně zdravé?

Branderup: Všechny svaly jsou při ohnutí nebo flexi a natažení zapojeny. Tělo, které nemůže udělat jedno nebo druhé, bude zatuhlé. Jedná se tedy o gymnastickou průpravu koně – a pružný kůň má i bez jezdce delší kvalitu pohybu a tím i života.

Keller: Když se kůň naučí korektně ohýbat, pak lze dosáhnout minimalizace křivosti koně a postupně se vylepší jeho rovnováha. To se týká, jak již Bent zmínil, i „privátního života“ koně. Přesto nesmíme u ohýbání koně zapomínat na to, že veškeré cviky potřebujeme i pro naši práci pod sedlem.

Feine Hilfen: „ Jezdi svého koně dopředu a narovnej ho – ale nemyslím tím rychlost “. Zde vyslovil Steinbrecht doslova varování, aby zabránil chybným interpretacím. Bylo by potřeba v originále víc takových varování?

Branderup: Zůstaňme u ohýbání: I zde lze přehánět, tedy příliš ohýbat. To je ale u každého koně jiné. Je kůň spíš kulatý nebo naopak? Kulatý kůň vypadá ohnutější než kůň s opačnou stavbou těla. Sklon pánve bude ale u kulatého koně výraznější. Dalším tématem je: kmih. Podle typu koně, ale i dle stupně výcviku bude mít kmih jiný výraz. Bez nasvalení trupu nebude mít kůň potřebný kmih – o to méně při zatížení jezdcem. A i u kmihu existovala tichá pošta, která vedla k vzrůstajícímu napětí svalů. Oba pojmy by si měly v jezdectví přitom odporovat! Podíváme-li se na hudbu, zjistíme, že je tu kmih interpretován zcela jinak než v jezdectví, stejně je tomu tak i u tempa a taktu – jako jezdec můžu mít tříčtvrteční takt v různém tempu, jako hudebník ne.

Keller: Spousta jezdců se opírá o Steinbrechtovo vysvětlení poslušnosti na holeň, zmíním jen ostruhy. Když člověk pozorně čte, jak velmi Steinbrecht nabádal k opatrnému zacházení s mladým koněm, je jasné, že slova z minulosti mají na čtenáře dnešní doby zcela jiný efekt. O to pozorněji musíme číst pokyny a doporučení týkající se biomechaniky.

Feine Hilfen: Co bylo Vašim nejpřekvapivějším poznáním při studování Steinbrechta?

Branderup: Někdy to bylo tak, že jsem díky Steinbrechtovi lépe pochopil větu od Guérinièra a naopak. Když jsem byl studentem u Egona von Neindorffa, byl samozřejmě Steinbrecht mým „spolujezdcem“ na mém knabstrupském hřebci Huginovi. Von Neindorff byl přímým následovníkem Steinbrechta a činil ho pro mě v době, kdy jsem se učil, velmi živým. Moje práce se sestavením a ohnutím pramení tedy z učení Steinbrechta, a kdyby se nikdy nezmínil o Baucherovi, nikdy bych se tímto tématem nezabýval.

Keller: Část, ve které Steinbrecht píše o školním zastavení, že je kůň teprve tehdy podsazený, když v této pozici vydrží několik sekund – to mi znovu připomnělo můj pocit z praxe. Když si člověk ještě jednou velmi pozorně prostuduje teorii, přijde někdy k důležitému poznání, ač má za sebou i praxi.

Feine Hilfen: Jen namátkou- Baucher, přílišné ohnutí nebo zalomení v krku. To bývá akademickému ježdění někdy vyčítáno – oprávněně?

Branderup: Několik let jsem studoval rozdíl mezi přehnaným ohnutím a korektním ohnutím. Hrudní koš rotuje u příliš ohnutého koně k vnější straně, přitom vnější plec klesne níže. Kůň se silným, ale zato korektním ohnutím zvedne vnější stranu hrudního koše nahoru a bude mít volnější lopatku. Míra ohnutí musí vycházet z vnitřní kyčle, která se pohybuje dopředu dolů. Zohlednění individuálních schopností koně vyžaduje ze začátku v jednotlivých případech i větší protahování vnější strany, abychom vůbec jisté schopnosti mohli rozvíjet. Koneckonců může pouze zadní noha pracující dopředu pozitivně ovlivnit pánev koně, ohnutí a rotaci hrudníku. Jako žák Egona von Neindorffa a Nuno Oliveira jsem tímto dál praktikoval dědictví Steinbrechta a Bauchera. Speciálně u Oliveira existovala řada koní s odpovídajícími tělesnými problémy –  koně se zatuhlým a krátkým svalstvem na krku, kteří tímto protahováním profitovali.

Nebezpečné se to může stát, pokud by člověk používal metody nepodloženě, tedy pokud to není třeba. Porozumění pro ohnutí rostlo i u mě postupem času, nechci tvrdit, že jsem od začátku dělal vše správně.

Keller: Měli bychom připustit, že učitelé smějí zůstat také žáky. Samozřejmě si nepřejeme přehnané ohnutí, ale u hledání střední cesty musí být dovoleno dělat také omyly, aby bylo možné se něco naučit. Myslím, že bychom se měli zbavit myšlenky, že stále očekáváme konečný produkt.

Branderup: Toto očekávání také učení moc neprospívá. Ruka a sed jakož i všechny ostatní pomůcky mohou koně pouze „pobídnout“ k ohnutí, udělat to musí však svaly koně. Vynucené ohnutí je vždy špatné – a tady stojí možná to očekávání v cestě.

Feine Hilfen: Co se dá udělat proti zalomenému krku, když je krk sice ohnutý, ale zbytek těla ohnutí nenásleduje?

Keller: Kůň musí být v krku narovnán natolik, aby ohnutí krku pasovalo k ohnutí těla. Když se v trupu žádné ohnutí neuskutečnilo, pak nemůže být řešením silnější působení v oblasti hlavy, což koresponduje se silnějším ohnutím krku, protože si kůň v tomto příliš silném ohnutí, přičemž krk je velice ohebný, najde únikovou cestu.

Branderup: Tento fenomén lze pozorovat i tehdy, když se zádrž ztratí někde v krku a neprojde dále páteří. To stejné platí u příliš zatuhlého krku, kde zádrž zatlačí koně na plece a nepůsobí na klouby zadních nohou.

Feine Hilfen: A co by se mělo korektně v ohnutí u zádrže stát?

Branderup: Zádrž není to, co dělá ruka, nýbrž to, co děla kůň. My chceme koně vyzvat k tomu, aby se více podsadil, aniž by ztratil dosah zadní nohy pod sebe. Proto je počáteční výcvik a formování páteře tak důležité, jinak totiž působení ruky koně z ohnutí vyvede nebo ho hodí na předek.

Keller: I nadále rozlišujeme mezi vertikálním a horizontálním ohnutím, jakož i ohnutím kloubů. Pro mě osobně je důležité prověřit kvalitu ohnutí zádržemi v pohybu. Měřitelná bude na základě plynulosti pohybu, podkročení a analýzy, jak je rozložená váha a kde se kůň cviku snaží vyhnout. Také takt a rytmus zde hrají velkou roli.

Feine Hilfen: Vidíte hodně příliš ohnutých koní, a čím by to mohlo být způsobeno?

Branderup: Vídáme příliš ohnuté koně i koně neohebné kvůli přirozené křivosti. Prvně jde o chyby, které se během výcviku mohou vyskytnout, a mladí neohební koně se musí ohnutí teprve naučit.

Keller: V hodině vídám příliš ohnuté koně i koně, kteří jsou při ježdění zatuhlí – a obojí je spojené s učením.

Feine Hilfen: Předpisy HDV 12 radí nechat mladé koně chodit jeden rok stále rovně. Co si o tom myslíte?

Branderup: Co znamená rovně? Rovně na rovině- s tím souhlasím, tak jsme to na Islandu také dlouhá léta dělali, aby si koně na dlouhých vyjížďkách zvykli na jezdce – ale jen v krátkých dávkách. V našich moderních halách s čtyřmi oblouky to ale nejde. Člověk se koneckonců musí dostat přes rohy. A projíždět rohy jeden rok fyziologicky nesprávně na předku nepovažuji za dobrou radu, protože většina koní by celý rok padala po plecích a byla zatuhlá. Kdybychom se ale vrátili v čase zpátky, pak by tato rada měla pro práci v terénu a pracovní jezdectví smysl, avšak jen v krátkých intervalech.

Keller: Dlouhé rovné linie mohou podpořit chuť koně jít dopředu. V ohraničené jízdárně musíme dbát na to, aby kůň příliš netuhl a neničil si předčasně klouby a záda.

Feine Hilfen: Co jsou nejčastější chyby při ohýbání z pohledu jezdce?

Branderup: Mezi týlem a krkem často vzniká cikcak: Krk je ohnutý doleva, sestavení v týlu je ale doprava. Pak existuje zalomení v týlu, nebo rozdílná pozice hlavy a hrudníku, to jsou časté chyby. Všechna chybná ohnutí jsou způsobena jezdcovou rukou. V zásadě musí ohnutí vzniknout na základě aktivity vnitřní kyčle koně. Jedná se však o chyby, kterým se lze jen těžko vyvarovat, protože někde musíme začít a ne všichni koně mohou být od prvopočátku ježděni odzadu. Proto můžeme při práci ze země ukázat koni na obnosku dobrou cestu k ohnutí.

Keller: Silnější působení rukou nemůže prostě vyvolat žádné ohnutí trupu. Jezdec má korektní působení doslova v rukou, nebo taky ne!

Feine Hilfen: Nehledě na ruce jezdce, které chyby se často objevují v sedu?

Branderup: Člověk se pokouší přistavit koně k levé ruce, sedí ale na pravé sedací kosti. Existuje jen jedna páteř, s kterou chceme komunikovat, když si ruka a sed protiřečí, má to vliv na kmih, tvar, statiku….

Keller: Vždy, když jezdec koně tlačí od sebe, například v traverzu na levou ruku zasedne pravou sedací kost, pak kůň z ohnutí utíká, místo aby se ohnul vlivem sedu. Většina koní v podstatě nedělá nic špatně, jen reaguje na to, co děláme špatně my!

Feine Hilfen: Děkuji za rozhovor!