Frag Bent Teil 7

Frag Bent Teil 7

Einfach mal schnell eine Frage direkt an Bent Branderup stellen? Ja das direkt via Facebook!
In der Frageserie ist jeder herzlich eingeladen, seine Frage zu posten. Einmal im Monat gibt es eine kurze Videobotschaft. In meinem Blog liefere ich euch die Übersetzung:

Diesmal geht es in der Frage um möglichen Gangsalat: 

Wie würdest du den Tölt eines passigen Isländers verbessern? 

Normalerweise arbeiten wir ein Pferd in den Basisgangarten Schritt, Trab und Galopp. Theoretisch wollen wir den Tölt in der Akademischen Reitkunst einen „running walk“ nennen, also einen gelaufenen Schritt. Manchmal scheint der Tölt aber wie ein gebrochener Trab. Eine Gangart zu runinieren, um eine andere Gangart zu bekommen ist aber in meinen Augen keine Verbesserung. In vielen Fällen sprechen Reiter von einem Fünfgänger, allerdings hat ihr Pferd nur fünf Variationen von Pass. Bei der an mich gestellten Frage lese ich zwischen den Zeilen, dass das Pferd möglicherweise eine Tendenz hat, im Pass zu gehen. Die Wirbelsäule ist hier möglicherwiese steif, wir brauchen daher Durchlässigkeit, und die Fähigkeit für Dehnung und Biegung, Durchlässigkeit im Vorgriff der Hinterhand. Theoretisch wäre der Tölt genau in der Mitte zwischen Trab und Pass. Ein Pferd mit mehr Pass würde dann mehr Trab im Gang benötigen. Wenn der Pass aber  in der Realität durch Rückenschmerzen oder andere Probleme entsteht, dann stimmt diese Theorie nicht mehr ganz. Ich bevorzuge den Tölt also einen gelaufenen Schritt zu nennen, dann wäre es ein sauberer, kein gebrochener Gang. Man muss sich aber immer das individuelle Pferd ansehen.

Passend dazu ist auch die Frage nach dem Lizenzierten Branderup Trainer:

 

Was muss ich machen, um ein lizenzierter Bent Branderup Trainer zu werden?

Um ein lizenzierter Bent Branderup Trainer zu werden muss man zuallererst selbst ein guter Reiter sein. Das heißt, ich erwarte mir von der Person mindestens das Wappenträger-Leveln innerhalb der Ritterschaft; das wäre ein Level, wo ich denke, man ist selbst soweit einen Schüler bis zu dieser gleichen Stufe hin auszubilden. Vor dem Wappenträgertest muss man auch den Bodenarbeits- und Longentest absolviert haben; der Wappenträgertest ist dann eine Überprüfung der Entwicklung des Reitersitzes. Hier lautet die Frage, wie man den Sitz als ein Werkzeug einsetzen kann und ob man das Pferd in sämtlichen Lektionen tatsächlich vom Sitz aus führen kann. Die Longe ist ein Werkzeug, ebenso die Bodenarbeit und der Crossover zum Langen Zügel- Man muss all diese Techniken selbst beherrschen und einen Test darüber bestanden haben. Man muss aber natürlich auch gut darin sein, diese Inhalte anderen Personen zu erklären. Man braucht also auch eine Entwicklung als Lehrer, dafür muss man zeigen, dass man die Fähigkeit mitbringt, andere Menschen auf das gleiche Niveau zu hieven. Auch dann ist es aber noch nicht sicher, ob jemand in mein Team passt. Für mich ist es wichtig, ein Team zu haben, wo die Trainer gut zusammen arbeiten. In dem Team sind natürlich auch Leute mit speziellen Fähigkeiten, was ich sehr zu schätzen weiß. Die Trainer repräsentieren natürlich auch mich und meine Arbeit. Teamfähigkeit ist also eine wichtige Sache.

Wer daran interessiert ist, Trainer zu werden, muss seinen eigenen Weg gehen. Wir prüfen dann: Was fehlt noch in der Ausbildung des einzelnen, was müssen wir noch hinzufügen? Es ist wichitg, dass man selbst ein guter „Handwerker“ ist, aber auch die Pädagogik als „Handwerk“ versteht. Für viele Leute ist es eine lange Reise, aber es ist gut wenn man sich Zeit nimmt um zu lernen.

Warum gibt es keine Ausbildung auf Distanz beispielsweise via Internet? 

Ich habe keine Ausbildung auf größere Distanz, denn wenn man über das Internet und Filme arbeitet, dann sieht man ja nur ein kleines Bild vom großen Ganzen. Wenn wir die Reitkunst definieren, dass zwei Geister wollen, was zwei Körper können, dann fehlt mir ja im Film die Möglichkeit den Geist von Reiter und Pferd zu fühlen. Ich kann also nur die körperlichen Möglichkeiten beurteilen. Mittlerweile kann man mir ja Groundwork und Longework test schicken, um die Inhalte auf Distanz prüfen zu lassen. Dafür braucht man aber eine Empfehlung von einem Mitglied der Ritterschaft (mindestens Wapptenträgerniveau). Die Person, die die Empfehlung ausspricht, muss auch beim Filmen der Prüfung anwesend sein. Gefilmt wird aus jener Position, in der ich für gewöhnlich auch auf Kursen die Prüfung abnehme. So soll sicher gestellt werden, dass hier nichts manipuliert wird. Auf Lange Distanz – da wird es abgesehen von den Prüfungen also so schnell kein weiteres Angebot geben, da es so viele Details gibt, die ja gerade am Anfang der Ausbildung wichtig sind.

Als ich zu meiner Reise zur Reitkunst aufbrach, habe ich auch meine Familie und mein Land verlassen, um von meinen Meistern zu lernen. es war nicht nur eine mentale sondern auch eine körperliche Reise. Menschen, die sich körperlich nur sehr schwer bewegen, bewegen sich auch mental schwer. Später habe ich auch herausgefunden, es war nicht nur eine Reise nach außen hin, sondern eine Reise nach innen zu mir selbst.

Diese wunderbare Erfahrung zu machen – diesen Rat kann ich nur weiter geben. Einerseits ist es also Leidenschaft, die uns zu guten Reitern macht, andererseits ist es auch Geduld, um ein weiteres Schlüsselwort zu nennen.

Reitkunst ist noch immer nicht käuflich, im Gegensatz zu einem fantastischen Pferd, einer Reithalle oder einem Trainer, den man sich kaufen kann. Wir brauchen daher Leute, die uns direkt vor Ort unterstützen – es ist also auch noch ein altmodisches Handwerk, das man gemeinsam mit einem Lehrmeister im direkten Kontakt entwickeln muss.

 

Suchen wir uns also Hilfe – das kann eine Frage im Internet sein, die unser Interesse weckt, bis hin zum „live Unterricht“ bei Bent oder einem seiner Trainer – eine Liste aller Kollegen gibt es übrigens unter diesem Link.

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Methode oder Prinzipien

Methode oder Prinzipien

Wie ist denn das in der Akademischen Reitkunst? Muss man da in einem barocken Sattel reiten? Brauche ich eine Holzgerte und Warum?

In meinem Alltag, wenn ich unterrichte oder Kurse gebe, stoße ich immer wieder auf ähnliche Fragen, die die Akademische Reitkunst betreffen und scheinbar auf eine gewisse Methode oder Vorgehensweise reduzieren.

Gleichzeitig nehme ich einen gewaltigen „Methodenstreit“ in der Reiterei wahr.

Mein persönlich größter Meilenstein, den ich durch die Akademische Reitkunst gelernt habe:

„Reite den Inhalt, nicht die Lektion“.

Vielleicht sollten wir uns also auch bei der Methodendiskussion auf Inhalte – oder anders gesagt auf Prinzipien besinnen. 

Vor mehr als drei Jahren habe ich einen Artikel über den „Magischen Knopf“ in der Reiterei geschrieben. Diesen gibt es eben nicht, jedoch suchen die meisten Reiter diesen magsichen Knopf, der sämtliche Probleme zu lösen vermag wie den heiligen Gral.

Diese Suche macht uns dann gerne zu Trainerhoppern, oder Methodenhoppern. 

Suchenden Reitern schlage ich dann gerne vor, ein Wertesystem, ganz für sich selbst, also eigene Prinzipien zu formulieren, die dann auch bei der Suche nach einer Reitweise oder einem Trainer enorm behilflich sein können.

Ich habe für mich selbst, als ich noch auf der Suche war 10 Prinzipien formuliert, die mir als Schüler und als Lehrer wichtig sind:

  1. Das Wohl von Pferd und Mensch steht an erster Stelle.

    Eine „Methode“ darf weder mich noch mein Pferd physisch wie psychisch in Gefahr oder unter großen Druck setzen. Ich möchte weder meine Sicherheit noch die Sicherheit von Mensch und Pferd, die beispielsweise auch noch mit mir in einer Halle unterwegs sind gefährden. Daher arbeite ich auch immer im:

  2. Der Grüne Bereich

    Im Grünen Bereich gibt es die Möglichkeit zu wachsen und zu verstehen. Lernen und Verständnis werden geschult, auch die motorischen Fähigkeiten von Reiter und Pferd    werden verbessert, um so nach und nach über sich hinauszuwachsen und den orangen Bereich allmählich grün zu malen. Niemals wage ich mich daher in den roten Bereich.

  3. Es gibt für alles eine Erklärung. 

    Sicher. Wir können nicht alles wissen und in jedem Bereich Experte sein. Wir können aber gezielt nachfragen. Das war für mich ein großes Argument in der Akademischen Reitkunst. Für alle meine Fragen gab es eine nachvollziehbare und wie sich im Laufe der Ausbildung auch herausstellte überprüfbare Antwort.

  4. Ethik.

    Ich möchte mir nach jeder Trainingseinheit mit jedem Pferd in den Spiegel schauen können und mit mir selbst zufrieden sein. Wie sagt Bent Branderup gerne in seinen Theorievorträgen: Das erste Pferd leidet am Meisten. In meinem Fall war es wohl das zweite Pferd – dennoch habe ich mich seit meinen Irrwegen mit „Barilla“ nie mehr so unzulänglich gefühlt.  Dieser Punkt betrifft eben nicht nur die Ethischen Grundsätze gegenüber dem Pferd, sondern freilich auch gegenüber meinen Schülern, Trainerkollegen und Vorbildern.

  5. Künstlich? 

    Nein Danke. In der Ausbildung meines Pferdes möchte ich nicht auf Hilfszügel oder ähnliche Mittel zurückgreifen, die das Unvermögen von Reiter und Pferd verschleiern oder Unmutsäußerungen des Pferdes unmöglich machen. Das Pferd möchte uns etwas sagen – und das aus sehr gutem Grund. Kunst die künstlich wird lehne ich für mich ab.

  6. Geduld. 

    Eine schwere Prüfung, vor allem für Reiter, die sofort JETZT gerne ein Ergebnis hätten. Gerne wird dann eben auch einer Methode die „Schuld“ gegeben, wenn nicht alles sofort klappt. Viele Dinge brauchten in der Vergangenheit ihre Zeit. Wer beispielsweise eine Fremdsprache in der Schule gelernt hat weiß, dass es dauert, bis man eine neue Sprache flüssig beherrscht. Warum geben wir also auch uns selbst in der Reiterei so wenig Zeit?

  7. Immer positiv denken. 

    Ja, auch das ist nicht immer leicht. Ich bin selbst jemand, der sehr gerne lieber über die „Soll“ Seite nachdenkt, als über das bereits erreichte „Guthaben“ oder „Haben“. Ein Blick zurück zu den Hürden, die bereits hinter uns liegen, stärkt unser Selbstvertrauen und gibt Kraft für neue Herausforderungen. Und auch in diesen liegt ein wunderbarer Schatz verborgen. Wir werden so unendlich viel mehr können, wenn wir hohe Hürden überwunden haben.

  8. Balance.

    Immer, wenn ich meinen Pferden eine Aufgabe stelle, dann muss ich auch an das Gegenteil denken. Tragkraft braucht auch ein gewisses Maß an Schubkraft. die Arbeit an der Kraft benötigt vice versa auch ein gewisses Maß an Ausdauertraining. Und wer alles zu „verkopft“ betreibt, der braucht auch mal ein ordentliches Portion an Freude und Genuss.  Es muss also immer alles im Gleichgewicht sein.

  9. Der Weg ist das Ziel. 

    Wer in Endergebnissen denkt, der hat keine Freude am Prozess des Wachsens und Lernens. Schlüsseln wir also unsere große Wegstrecke in kleine Etappen oder Meilensteine auf, dann haben wir beim Lernen auch messbare Ergebnisse und stellen an uns und unser Pferd nicht gleich die großen Herausforderungen. Außerdem hilft es ungemein alle einzelnen Schritte ordentlich auszuformulieren, das macht klar:

  10. Reite den Inhalt und nicht die Lektion.

    Ich möchte immer wissen, warum, was und wie ich etwas tue.

Diese Grundsätze lassen sich natürlich auch noch weiter ausbauen. 🙂

Wie lauten denn Eure Grundsätze?

Wer sich an Prinzipien orientiert, der Reitet Einfach 😉

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Kriegs- oder Freizeitpferde? 

Kriegs- oder Freizeitpferde? 

In der letzten Ausgabe von „Frag Bent“ wurde die Frage gestellt, ob wir in der Akademischen Reitkunst die Pferde nach kriegerischem Vorbild aus dem 16. und 17 Jahrhundert ausbilden?

Leben wir im Jetzt oder in der Vergangenheit – für alle, die das Video lieber auf deutsch gesehen hätten, gibt es heute die Übersetzungshilfe:

Frage: Wenn ich mich mit der Akademischen Reitkunst beschäftige – bilde ich dann mein Pferd tatsächlich so aus, wie die Kriegspferde im 16. und 17. Jahrhundert ausgebildet wurden? 

Bent Branderup: Tatsächlich nutzen oder beschäftigen wir uns mit der Technik, den Methoden der alten Meister, aber wir nutzen diese für die Ausbildung eines Pferdes in unserer aktuellen Zeit.

Bei einem Kriegspferd aus dieser vergangenen Zeit muss man zwei alten Schulen unterscheiden:

Es gibt hier die Kriegskunst „a la gineta“ und „a la brida“: 

Bei „a la gineta“ steht der Reiter in den Steigbügeln und lehnt sich zum Gegner hin, um einen Treffer zu erzielen. Man verlängert somit seinen Arm.  Für die Kraft des Schlages ist aber der Reiter mit seinem Arm verantwortlich.

Bei a la brida bringt man das Pferd in eine bestimme Position. Das Pferd muss also dem Schwerpunkt des Reiters folgen – gleichsam als wären Reiter und Pferd miteinander verschmolzen.

Viele Leute fragen, welche Schule hier die älter sei. Die Antwort: Die einfachere Schule ist die ältere. Denn für a la gineta brauchte der Reiter seine Steigbügel – wir wissen heute, dass der Steigbügel bei der byzantinischen Armee im fünften Jahrhundert nach Christus in Gebrauch war. Die Kampfkunst a la brida wurde aber bereits bei Xenophon im vierten Jahrhundert vor Christus beschrieben und somit lange vor Erfindung des Steigbügels.

Ohne Steigbügel und vor allem ohne Sattel brauchte der Reiter aber das Pferd ganz genau unter sich. In er Akademischen Reitkunst wollen wir genau diese Fähigkeit ausbilden, so dass das Pferd dem Körper des Reiters bzw. dessen Schwerpunkt folgt. Dies ist ein fantastisches Gefühl für die Reiter von heute.

Was können wir also heute von den Alten Meistern lernen? Wir leben schließlich in der Gegenwart und ich möchte ganz bewusst nicht in der Vergangenheit leben. Es gibt Menschen die an einem so genannten „Reenactment“ Freude haben und die Alten Meister kopieren, sie nachahmen und auch den Gebrauch von Waffen und Schwertern aus dieser Zeit imitieren. Die Fähigkeit ein tatsächliches Kriegspferd auszubilden brauchen wir aber heute nicht.

Selbst wenn wir an einen der besten Reiter aus dem Stierkampf denken – beispielsweise Pablo Hermoso de Mendoza mit seinem schönen Palominohengst Merlin – wenn man ihm zusieht, wie er sein Pferd wenden kann und wie er kämpft – dann ist das ja nur die Hälfte der Geschichte, denn er kämpft ja mit einem Bullen. Und einen Bullen kann man mit der gleichen Finte immer wieder täuschen. Das wäre mit einem ebenbürtigen Reiter nicht möglich. Selbst Stierkampfpferde auf diesem Niveau sind also nicht mit der Kriegskunst von einst zu vergleichen.

Wir können ja kaum so viele Jahre an Pferdeerfahrung nachahmen, um ein Pferd genau so auszubilden, wie es damals von Nöten war. Wir können experimentelle Archäologie betreiben, indem wir Dinge aus der Vergangenheit in die Gegenwart holen, die wir brauchen, aber wir leben eben im Jetzt und nicht im Damals.

Die Sache mit den Neinsagern

Die Sache mit den Neinsagern

Bent Branderup beantwortet per Videobotschaft unsere Fragen – diesmal drehte sich im Original alles um das Thema:

Was mache ich mit einem faulen Pferd, das immer „Nein“ sagt?

Die deutsche Übersetzung zum Video gibt es heute zum Nachlesen:

Auf Ihre Frage nach dem faulen Pferd kann ich Ihnen nur soviel sagen: Ich habe noch nie eines getroffen – allerdings viele steife Pferde.  Sobald diese durchlässig sind, bewegen sie sich auch wieder sehr gerne. Steifheit ist also die eine Sache – andererseits sprechen wir auch gerne von einem Mangel an Motivation.  Wenn wir von der Akademischen Reitkunst sprechen, dann beziehen wir uns immer auf zwei Geister, die wollen, was zwei Körper können.  Wenn man aber mehr möchte, als uns das Pferd zu geben vermag, dann wird das Pferd unsere Frage natürlich mit „Nein“ beantworten. Auch ein sehr gehorsames Pferd wird bei einer ihm unlösbaren Aufgabenstellung zu einem Nein gezwungen.

Wir müssen von unserem Pferd also Dinge abfragen, die es überhaupt im Stande ist auszuführen. Daher lautet mein Ratschlag: Finden Sie heraus, was das Pferd überhaupt kann und versteht. Es kann auch sein, dass das Pferd zwar physisch in der Lage ist, eine Aufgabe zu lösen, wir aber auf mentale Hindernisse stoßen – zb hat das Pferd Angst. Es konzentriert sich dann mehr auf den angstbehafteten Gegenstand, als auf die reiterlichen Hilfen wie Hand oder Bein. Man braucht also zum Lernen eine Umgebung, in der das Pferd lernen und entspannen kann. Wir müssen also zuerst die Aufmerksamkeit des Pferdes gewinnen.

Dabei stellt sich auch eine wichtige Frage an uns selbst: Wer sind wir denn für das Pferd? Langweilen wir das Pferd? Erstarrt es wegen uns?

In welcher Umgebung und mit welchem Lehrer kann sich das Pferd also konzentrieren?
Sind die Bedingungen optimal, dann stellen wir dem Pferd also Aufgaben, die se mental und physisch bewältigen kann.

Dann liegt es in der Natur der Sache, dass wir Menschen immer dazu tendieren mehr zu wollen. Wir stoßen also wiederum an Limits. Ich unterteile hier einen grünen, orangen und roten Bereich. Wenn wir im grünen Bereich arbeiten, dann versuchen wir denn orangen Bereich des Pferdes (mit seinen mentalen und physischen Grenzen) allmählich grün zu pinseln. Niemals im roten Bereich des Pferdes arbeiten, je eher wir im grünen Bereich bleiben, umso einfacher ist es für das Pferd mit uns zusammen zu arbeiten. Je mehr er im grünen Bereich bleibt, umso eher beweist auch ein Meister sein Fingerspitzengefühl, nicht mit dem Kopf  durch die Wand zu wollen, sondern genau zu analysieren wo es schwierig wird, um wieder in den leichten Bereich zurück zu kehren.

Auf Bent Branderups Facebook Seite könnt ihr übrigens eure Frage posten – vielleicht wird ja das nächste Video durch Themen inspiriert, die euch auf gerade ganz besonders beschäftigen.

Stellen wir unsere Fragen, dann Reiten wir einmal Einfach 🙂

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Mit dem Körper das Feuer ansprechen!

Mit dem Körper das Feuer ansprechen!

„Basis ist nur Basis, wenn es für irgend etwas Basis ist“ Bent Branderup.

Was aber ist die eigentliche Basis? Am Anfang steht eine gute Beziehung.

Beziehungsprobleme?

Und warum gibt es immer wieder „Beziehungsprobleme“, wenn wir mit unseren Pferden zu tun haben?

Jossy Reynvoet, lizenzierter Bent Branderup Trainer aus Belgien und spezialisiert auf gebisslose Reitkunst sowie Horsemanship ortet diese Beziehungsprobleme vor allem – erraten – beim Reiter.

Pferde sind nicht introvertiert. Aber wir Reiter tragen dazu bei, dass unsere Pferde introvertiert werden. Probleme mit Pferden entstehen erst, wenn Erwartungen ins Spiel kommen“. (Jossy Reynvoet)

Eine „elementare“ Beziehung

Um unsere Pferde besser zu verstehen und kennen zu lernen, verwendet Jossy die Elemente Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz. Arabische Pferde lassen sich demnach eher als Feuerpferde beschreiben, Erdgeprägte Pferde sind typische „Farmhorses“. Barockpferde sind dem Element Metall sehr nahe, Warmblüter und Englische Vollblüter sind Wasserpferde und Isländer lassen sich dem Element Holz gut zuordnen.

Jossy warnt wie bei allen Diagrammen zu sehr in Kategorien oder Schubladen zu denken. Barockeigenschaften ließen sich auch beim Isländer entdecken und ein Kaltblut könne über eine gute Koordination verfügen. Uns Reitern sollen diese Elemente lediglich als Anhaltspunkte helfen eine gute Formulierung über unseren vierbeinigen Freund zu treffen.

So wird „Holz“ ein milder Charakter attestiert, Feuer steht für Intelligenz und Metall für Vertrauen. Ein gutes Pferd, so Jossy vereine alle Elemente in sich.

Schon mal eine fette Abfuhr kassiert?

Ein großer Boom ist derzeit die „Freiarbeit“ mit dem Pferd. Aber wie frei ist das Pferd dabei tatsächlich? Keine Verbindung über Halfter oder Kappzaum bedeutet nicht, dass wir nicht doch etwas Druck – maßgeblich durch unsere hohe Erwartungshaltung auf das Pferd ausüben.

Jossys Freiarbeit ist tatsächlich eine spannende Herausforderung. Für den Menschen lautet die Aufgabe: Im Hier und Jetzt sein.

So war es für mich auch eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung mit meiner Stute Tabby mal in der Freiarbeit ihre Antworten sehr deutlich zu erhalten. Bei mir sein? Ja, sehr gerne! Von mir im Gesicht angefasst werden? Nein! Aufsteigen aufs „nackte“ Pferd ohne Sattel und Zaumzeug? Nur wenn sie möchte, ich darf es nicht einfordern.

Wer wirklich eine ehrliche Antwort von seinem Pferd haben möchte, sollte sich einmal in Jossys so genannten „Meetings“ mit dem Pferd versuchen. Dabei können dem Pferd Vorschläge gemacht werden – beispielsweise gemeinsame Freude an der Bewegung. Doch Vorsicht: Wenn der Reiter am Boden nicht wirklich Spaß an der Bewegung hat, dann wird sich das Pferd nicht zum gemeinsamen Tanz animieren lassen. Jeder Vorschlag des Pferdes hat in diesem Raum Platz. Und wenn das Pferd nicht von der Idee seines Menschen begeistert ist, dann hat das auch Platz und Berechtigung.

Wie oft nehmen wir uns tatsächlich Zeit, einfach mit unseren Pferden zu sein und ihren Ideen zu lauschen? Seit meinem ersten Meeting mit Jossy und Tabby ist nun einige Zeit vergangen. Was sich seitdem verändert hat? Wenn Tabby „nein“ sagt, dann hat das meist einen tieferen Grund.
Kurz nach meiner Reise nach Italien legte Tabby ein sonderbares Verhalten an den Tag. Sie kam zwar zu mir, wenn ich sie von der Weide holen wollte, weigerte sich jedoch mitzukommen. Zwei Tage später war klar warum: Es hatte sich ein Abszess im Huf gebildet, der zum Glück Dank Leinsamen-Patschen und Aromatherapie-Patschen schon wieder auf dem Weg der Besserung ist.

Wir verlangen so viel von unseren Pferden, da vergessen wir leicht ihre kleinen Nachrichten zu hören. Nach den ersten Meetings, gemeinsam mit Jossy habe ich mir öfter Zeit genommen, einfach mal bei meinen Pferden am Trail zu sein und sie zu beobachten. Tabby war oft sofort bei mir und prustete mit ihren Nüstern sanft in mein Gesicht. Was man über meine rote Dame wissen muss: Freundin Pina ist ihr ein und alles, daher hat es mich einige Male von Herzen gerührt, wenn Tabby aus weiter Entfernung sogar zu mir galoppierte. An einem Tag stand ich mit einer Freundin am Eingang des Paddock-Trail und versuchte aus der Entfernung die einzelnen Pferde zu erraten. Auf meinen Ruf reagierte Tabby sofort, sie reckte den Kopf in unsere Richtung und kam sofort angaloppiert. Ich war wirklich gerührt, denn oftmals war sie zwar auch zur Begrüßung zu mir gekommen, hatte mich sogar den ganzen Trail nach oben zum Stall begleitet. Manchmal jedoch war sie dann einfach umgekehrt und zu Pina zurück gelaufen.

Ja, beim Erzählen dieser Geschichte gab es schon das eine oder andere Argument in die Richtung: „Aber wenn du das Pferd nicht am Halfter von der Weide holst, dann ist ja klar, dass sie davon läuft“. Oder: „So wird sie sich das angewöhnen“!

Nein. Hat sie nicht. Im Gegenteil: ich habe meinem Pferd mehr Gehör geschenkt. Ich akzeptiere gewisse Dinge, die Tabby nicht gut findet und auch nicht gut finden muss. Ich selbst bin kein großer Freund von spontanten Umarmungen – und wehe jemand fasst mir an den Kopf. In dieser Hinsicht sind wir uns sehr ähnlich.

Zurück zu den Beziehungsproblemen oder:

Das gute an vielen Problemen

Was uns bislang an Jossy Reynvoets Kursen auch begeistert hat? Eine positive Einstellung gekoppelt mit ständiger Motivation für unsere Arbeit. Während einige beim Finden und Lösen von Problemen in Verzweiflung verfallen, sieht Jossy stets das Positive:

„…so we have to solve a Problem. The more difficult it is, the more possibilities you have to solve the problem“.

Kommt in der Ausbildung ein Problem auf uns zu, gibt es also möglicherweise mehrere Wege, die Sache zu lösen.
Jossys Ausbildungsweg lässt sich als Waage darstellen, deren zwei Arme Respekt und Sympathie in ständiger Balance sein sollen.

Während man Respekt durch Kommunikation und Konzentrationgewinnt, arbeitet man an Sympathie durch Verbindung mit seinem Pferd und indem man eine „Wohlfühl“-Atmosphäre für sein Pferd schafft.

„Expect nothing, repeat much and reward as much as possible“
Jossy Reynvoet

Jossy Renyovet kommt übrigens Ende Oktober für einen Wochenendkurs zu uns nach Hart bei Graz auf den Sonnenhof. Wer die feine Kommunikation meines belgischen Trainerkollegen gerne aus nächster Nähe lernen und fühlen möchte: Unter folgendem Link gibt es alle Infos zum Kurs.

Erwarten wir also wenig, wiederholen wir viel und belohnen wir so viel als möglich – dann Reiten wir Einfach 😉

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Händchenhalten für Reiter

Händchenhalten für Reiter

Unsere Hand ist einer der wichtigsten Assistenten, wenn es um die Reitkunst geht.

Zum einen übernimmt die Hand die Aufgabe Informationen aufzunehmen, zum anderen muss sie Informationen abgeben können.

Aber wie gut sind wir eigentlich darin, mit der Hand zuzuhören? Und wie fein können wir mit der Hand kommunizieren?

Händchenhalten mit Gefühl

In unserem Alltag reichen wir uns zur Begrüßung die rechte Hand. Das ist nicht nur eine Sache der Höflichkeit, sondern auch ungemein aufschlussreich, wenn wir die Sache „akademisch“ angehen. Ich bin ein praxisnaher Typ, daher lasse ich meine Schüler sehr gerne ganz konkret fühlen, worum es geht.

Wenn wir uns in einem Seminar kennenlernen, dann geben wir uns auch meist zur Begrüßung die Hand. Dies kann man mal ganz bewusst wiederholen – wie stark ist der Händedruck? Wie fest umschließen die Finger die Hand des Gegenübers – und wie fest fühlen wir den Händedruck unseres Partners? Wie fühlt es sich an, wenn wir uns ganz bewußt „lasch“ die Hand geben?

Die Übung kann auch noch weiter ausgebaut werden. Ein Teilnehmer hält den Karabiner der Longe zwischen Daumen und Zeigefinger, eine zweite Person fasst dann die Longe mit der gewohnten Intensität, die an den Tag gelegt wird, wenn mit einem Pferd in der Bodenarbeit mit dem Kappzaum gearbeitet wird. Viele Teilnehmer sind dann über das unmittelbare Feedback erstaunt, wenn ihr Griff als zu fest oder zu weich, zu schwammig oder zu angespannt erscheint. Natürlich kann man auch hier variieren, wie die Longe gehalten wird: Wie fühlt es sich für die Person an, die den Karabiner festhält, wenn die Longe mit dem Daumen nach oben angefasst wird? Gib es einen Unterschied, wenn der Daumen nach unten zeigt? Kann eine Drehung der Hand wahrgenommen werden?

Händchenhalten mit Links

Ich bin Rechtshänder. Daher habe ich in meiner rechten Hand eine deutlich bessere Wahrnehmung. Aber auch zwischen Daumen und Mittelfinger orte ich deutlich mehr Gefühl. Durch die Diagnose Karpaltunnelsyndrom habe ich mich extrem mit der Wahrnehmung durch die Hand – oder anders gesagt – mit dem Fingerspitzengefühl auseinander gesetzt. Seitdem „scanne“ ich in Gedanken das Gefühl in meinen Fingern permanent durch.

Zurück zum Thema: Wie sich die rechte Hand als Rechtshänder anfühlt haben wir erprobt, aber wie geht es der Linken? Der Versuch einen Tag lang alltägliche Dinge wie (Autotür, Haustüre mit links öffnen, mit der linken Hand die Zähne zu putzen. Mit links das Messer führen – oder für Fortgeschrittene – mit Links schreiben und die Schuhe zubinden) anfühlt, kann ganz einfach in einem Experiment erprobt werden. Wird die Bewegungskompetenz mit steigender Übung verbessert? Für Linkshänder gilt natürlich die gleiche Übungsabfolge – natürlich mit Rechts.

Als ich noch sehr intensiv Geige spielte waren meine linke und rechte Hand beinahe gleich gut in Koordination, Griffstärke, Mobilität und Gefühl.

Händchenhalten im Rückwärts und Vorwärts und mit allen Vieren

Wieder eine Partnerübung. Wie fühlt es sich an, wenn wir jemand rückwärts laufend führen. Wieder hält eine Person die Longe (nimmt also die Position des Pferdes ein), die zweite Person führt nun den Partner rückwärts laufend, gleichsam der Bodenarbeitsposition. Kann die geführte Person die Händigkeit des Führenden ausmachen? Gerade das Rückwärts ist für viele Menschen eine ungewohnte Position – fühlt die geführte Person Ungleichmässigkeiten im Takt? Wird der Griff auf der Longe fester? Und wie fühlt sich die Verbindung im vorwärts an, wenn wir nebeneinander laufen. Gib es einen Unterschied, ob wir nun Hand in Hand nebeneinander laufen oder durch eine Longe verbunden?

Für besonders Fortgeschrittene  eignet sich folgende Übung. Wir brauchen dafür ein Zaumzeug mit vier Zügeln (sehr gerne nehme ich für diese Übung ein Billy Allen Bit mit Shanks).

Eine Person hält das Gebiss mit jeweils Daumen und Zeigefinger und gleichbleibendem Abstand in der Hand. Der Partner hält nun die Zügel – einmal links und rechts je ein Zügelpaar; anschließend werden alle Zügel einhändig gefasst. Wenn der „Reiter“ nun die Hand bewegt und dreht, die Finger öffnet und schließt – wie spürt die Person diese Bewegungen zwischen den Fingern. Kann die Bewegung eines einzelnen Fingers des Reiters ausgemacht werden? Der Fantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Das unmittelbare Feedback bei diesen Übungen macht sie so spannend.

Und wer die Kombi mag: wie fühlen sich alle vorangegangen Übungen an, nachdem man ein wenig Handgymnastik gemacht hat? Beispielsweise solche Übungen?

Lernen wir unsere Hand besser kennen, dann Reiten wir Einfach 😉

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