Von einsamen Wölfen und Sonnenstrahlen

Von einsamen Wölfen und Sonnenstrahlen

Ich gebe es zu. Ich bin kein großer Fan von frostigen Temperaturen. Aufgetaut bin ich zuerst beim jährlichen Treffen der lizenzierten Bent Branderup® Trainer in Dänemark, wenig später hatte ich eine feine Zeit auf La Palma in Spanien.

Aber alles der Reihe nach. Seit 2015 darf ich mich zu den lizenzierten Bent Branderup® Trainern zählen; Insgesamt sind wir schon mehr als 30 Trainer, von Österreich bis Norwegen, von Portugal bis nach Südafrika, die sich völlig der Akademischen Reitkunst verschrieben haben.

Traditionell zu Jahresbeginn kommen wir in Dänemark zusammen, um voneinander zu lernen, Organisatorisches zu besprechen und uns im Sinne der Reitkunst auszutauschen. Diesmal starteten wir bereits am Montag, Mitte Januar mit einem spannenden Workshop. Am Stundenplan standen Fragen rund um die Pädagogik.

Jeder von uns hat seinen eigenen Zugang, findet andere Worte für die Reitkunst oder hat auch noch einen ganz anderen Schwerpunkt rund um Ostheopathie oder gebisslose Reitkunst. Mein Schwerpunkt liegt da ganz klar in der klaren Formulierung. Nicht umsonst macht es mir auch große Freude unser Buchprojekt rund um die Akademische Reitkunst zu betreuen. Und nicht umsonst helfen klare Worte bei der Umsetzung von Inhalten und dienen dem bessern Verständnis. Übrigens: Die Erstauflage des Buches „Beziehungspflege in der Akademischen Reitkunst“ war binnen der ersten drei Wochen doch tatsächlich ausverkauft. Der Nachdruck läuft bereits auf Hochtouren.

Ein großer Themenblock war jedenfalls die Herangehensweise an unterschiedliche Schüler (vier- und zweibeiniger Art). Ylvie Fros hatte hier einen sehr spannenden Vortrag für uns vorbereitet. Auch wenn uns viele tausende Kilometer trennen: Die Fragen, Zweifel, Hürden und natürlich auch das Positive: das gemeinsame Vorankommen, Hürden überwinden, Tüfteln und Umsetzen – all das eint uns Trainer. So war es auch später in der Praxis wunderbar zu sehen, dass wir alle gerade an ähnlichen Themen feilen. Jossy Reynvoet und ich müssen hier immer wieder schmunzeln – schließlich packen wir unsere Erkenntnisse in ganz andere Worte, jeder mit seinem eigenen Fokus – aber letztlich hatten wir quasi das gleiche Thema oder Ergebnis.

Deswegen finde ich diese Gruppe auch so irrsinnig bereichernd. Weiter ging es mit spannenden Fragen rund um Vor- und Hinterhand, die nicht nur aus biomechanischer, sondern auch pädagogischer Hinsicht aufbereitet wurden von Dörte Bialluch und Kathrin Branderup-Tannous. Anschaulich auf Papier oder mit vollem Körpereinsatz dargestellt diskutierten wir die korrekte Brustkorbrotation, Rückenschwung, Auswirkungen auf die Vorhand und die korrekte Platzierung der inneren Hüfte in Vorwärts und Versammlung.

Maja Caspersen aus Dänemark kam heuer nach einer kurzen Babypause zurück in die Gruppe und stellte uns ihre Forschungsarbeit zum Thema Bewegungs(lehre) vor. Gemeinsam setzten wir auch gleich eine Menge an Bewegung in die Praxis um, nicht ohne dabei auch die eigene Losgelassenheit (ja, wir sind nicht immer bierernst, vor allem nicht Yvonne Heynckes und ich beim gemeinsamen Turnen) in den Vordergrund zu stellen.
Die Trainertage waren wieder voller Input – in unserem Alltag haben wir viele Stunden im Auto, auf Reisen (ich schreibe den heutigen Blogbeitrag übrigens im Flieger), manchmal fühlt man sich da auch schon sehr alleine gelassen, obwohl wir ja durchwegs auf tolle Menschen treffen, die sich auf und über unsere Begleitung und Anregung freuen.
Wie bezeichnete Bent uns hier so schön: Manchmal hat man das Gefühl, ein einsamer Wolf zu sein. Rund um die Trainertage wächst in mir immer das Gefühl ein riesiges Backup zu haben. Ich bin mit meinen Ideen, Gedanken, manchmal auch mit einer gewissen Erschöpfung, die wohl jeder kennt, der selbst und ständig ist, nicht alleine. Das gibt schon Kraft – Kraft, die man bei der Kaffeepause zwischendurch mit den Kollegen halt nicht so oft sammeln kann. Daher freue ich mich auch auf den Austausch unter dem Jahr. Man könnte sagen, ich lade nicht ganz uneigennützig einige Trainer zu uns nach Graz. Die große Überraschung nun vorweg: Hanna Engström aus Schweden wird am 21. und 22. April zu uns nach Graz kommen. Mit im Koffer hat sie ihr Sitzprogramm, das ich bereits zwei Wochen lang auf Gotland genießen konnte. Wenn ich nach einer Italienreise von den leckeren Speisen berichte, läuft meinen Freunden immer das Wasser im Munde zusammen – bei Hanna sind es vielleicht die Sitzknochen, die sich bereits auf „Salsa“ oder der Rücken, der sich auf schmerzfreie Bewegungen einstellt.

Im Mai freue ich mich auf einen Trainingstag, sowie erstmals einen Kurs in Niederösterreich mit Jossy Reynvoet. Im Juni (Achtung für die Stammkursbesucher – diesmal sind wir einen Monat früher dran!) kommt dann Bent Branderup, der das Thema Paraden und 1. und 2. Descente für uns in Theorie und Praxis aufbereitet. Und im Oktober heißt es dann „Fun and run“ – äh Galopp mit Spaß und Christofer Dahlgren.

Einsame Wölfe?

Kommen wir aber wieder zurück zum „Einsamen Wolf“. Es gibt sie auch – die einsamen Wölfe, die da draußen etwas lernen wollen. 2017 bin ich im September in den Süden Italiens gereist, um die Akademische Reitkunst in den Abruzzen zu lehren.
Letzte Woche war ich noch auf der Insel La Palma und ich muss sagen – meine zwei- und vierbeinigen Schüler, die uns Trainer nicht mal „gleich ums Eck“ haben, sind mir jedes Mal eine riesige Inspiration. Diesmal ging es um den Start in der Akademischen Reitkunst. Ich bin immer wieder begeistert, wie die „einsamen Wölfe“ jeglichen Input aufsaugen, sich hochkonzentriert vor allem dem Spüren widmen. Meine Schüler, die über weite Distanzen lernen müssen, betonten dabei auch immer wieder, wie wichtig die Entwicklung des korrekten Gefühls sei. Technische Komponenten ließen sich schließlich leichter überprüfen.
Man merkt, diese Pferde-Reiterpaare sind meist schon seit einiger Zeit auf sich gestellt und selbstständige Arbeit gewohnt. Wir kamen daher auch auf meinem Besuch in La Palma in der kurzen Zeit von einer Woche jedoch sehr rasch vorwärts und haben uns mit Themen rund um Fokus und die korrekte Schulterkontrolle vom Boden aus, erste Führübungen, gemeinsames Halten und Angehen bis hin zum Ansprechen der einzelnen Hinterbeine, den Beginn der Seitengänge vom Boden wie vom Sattel aus herangetastet.

Ich glaube, es gibt viele Schüler, die sehr auf sich gestellt ausprobieren müssen, tüfteln und vor allem an Versuch und Irrtum wachsen. Umgekehrt erlebe ich, dass die Angst vor Fehlern das größte Hemmnis überhaupt darstellt. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, den Spagat zu schaffen, zwischen Unsicherheit, Ausprobieren und Entwicklung. Lernen ohne permanente Begleitung eines Trainers – das geht. Manchmal muss es gehen – schon aus der Not heraus, eben keinen Trainer täglich, oder wöchentlich, oder gar monatlich zur Verfügung zu haben. Mit meinen weit entfernten Schülern (nun ja, mit den nahe gelegenen ebenso ;-)) halte ich es daher lieber so: bevor große Unklarheiten entstehen, lieber mal rasch zum Hörer greifen, zur Tastatur, Videounterricht oder, oder – Kommunikationskanäle gibt es ja auch heutzutage genügende) und die allerwichtigsten Fragen klären. Manchmal gibt es von mir eine Gegenfrage und des Rätsels Lösung wird geknackt, manchmal besprechen wir ein Gefühl und kommen so einer Unklarheit auf die Schliche – und sehr sehr oft – was mich besonders freut – nutzen meine Schüler einfach mal die Möglichkeit für ein schönes Feedback – einfach weil die Hausübung total selbstständig klappt.

Ja, wir alle sind wohl in manchen Situationen „einsame Wölfe“ – Schüler wie Trainer, jeder auf seine Art und Weise. Ich freue mich jedenfalls, dass das Interesse an der Akademischen Reitkunst so wächst – an so vielen Orten auf der Welt – und zu meinem persönlichen Glück an so vielen Orten, die auch ein paar Sonnenstrahlen im Überfluss für mich bereit halten. Da macht es sehr Spaß, im Winter der Kälte und dem Grau zu entkommen.

Ich würde mich interessieren, wo die weit entfernten „Akademischen Auswanderer“ noch zu finden sind – für eine Nachricht in den Kommentaren freue ich mich euch kennen zu lernen!

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Die Hand, Kappzaum, Trense und Kandare

Die Hand, Kappzaum, Trense und Kandare

Für viele Reiter ist die Positionierung des Pferdekopfes das „Nonplusultra“. Thoerie und Praxis zielen nur auf ein Thema ab: Der Kopf muss runter. So gesehen wäre es ein leichtes, der Reiterhand eine einzige Aufgabe zuzuschreiben. Doch dem ist nicht so.

Wo und wie wirkt die Hand?

Im folgenden werden drei Möglichkeiten beschrieben, auf den Schädel des Pferdes Einfluss zu nehmen.
Aber ACHTUNG: Die Reiterhand ist nicht die vorherrschende Hilfe, wenn es um Formgebung geht. Nicht umsonst wird der „Sitz“ die primäre Hilfe in der Akademischen Reitkunst genannt. Die Hand ist eine Sekundarhilfe – was für den sehr „handlastigen“ Menschen mit dem Ziel „weniger ist mehr“ oft eine große Herausforderung darstellt.

  1. Über den Kappzaum
  2. Über die Trense
  3. Über die Kandare

Kappzaum

Der Kappzaum hat vielerlei Vorteile. Zum einen schulen wir in der Bodenarbeit unseren Blick für die einzelnen Reaktionen im Pferdekörper, zum anderen entwickeln wir auch ein Gefühl für unsere Hand. Diese wirkt freilich in der Bodenarbeit vor dem Pferd geführt ganz anderes ein, als später aus der Position des Sattels – allerdings lernen wir Reiter bereits jetzt ein Fingerspitzengefühl für „zu viel“ oder „zu wenig“ zu entwickeln.

In der Bodenarbeit fragen wir das Pferd erstmals nach einer Dehnungshaltung. Ist die Antwort auf ein vorsichtiges Lösen nach abwärts am Kappzaum „Nein“ und spüren wir einen deutlichen Widerstand, dann müssen wir erstmals die Bereitschaft des Pferdes wecken sich von der Reiterhand überhaupt formen zu lassen.

Nicht immer ist das Lösen nach abwärts daher die erste Wahl um ein Pferd mit der Wirkung der Hand bekannt zu machen. Die Longe oder das Führseil ist im mittleren Kappzaumring eingehängt, die Hand wird nun den Kopf des Pferdes zur Seite führen. Pferde folgen dieser Aufforderung oftmals bereitwilliger, als der Anfrage, den Kopf nach unten in Richtung Boden zu senken. Sobald das Pferd den Kopf zur Seite nimmt, geben wir nach und loben. Somit lernt das Pferd auch sofort das Prinzip der nachgiebigen Hand kennen.

Die Wirkung des Kappzaums auf den Schädel pflanzt sich weiter fort in die Wirbelsäule des Pferdes. Dies erklärt, warum wir aus einer ersten Dehnungshaltung, Stellung und in weiterer Folge Biegung erarbeiten können.

Die Trense

Wenn wir die „Stationen“ der Einwirkung im Pferdekörper durch ein Gebiss aufzeichnen wollen, dann beginnt die Wirkung am Unterkiefer, setzt sich über die Kiefermuskulatur fort in den Schädel und schließlich wiederum zur Wirbelsäule des Pferdes. Es wäre nun verführerisch einfach am inneren Zügel zu ziehen, um eine korrekte Stellung und Biegung hervorzurufen. Vermehrter Zug oder vermehrtes Annehmen am inneren Zügel führt jedoch nur zu einer Verspannung der Muskulatur in der äußeren Oberlinie. Jene Muskeln, die eigentlich zur Dehnung gelangen sollten kürzen sich somit ab, dies führt zum (vielen Reitern bekannten) Gegenhalten. Wird nun noch mehr Gewicht am inneren Zügel aufgenommen, bringt der Reiter zwangsläufig die innere Hüfte (die in der Biegung etwas weiter nach innen-vorne gelagert sein sollte) zum Ausfallen nach außen.

Die Kandare

Die Stationen der Einwirkung der Kandare verlaufen über die Hebelwirkung der Kinnkette zum Kiefergelenk und weiter auf den Schädel des Pferdes.

Der Vorteil des Stangengebisses, also der Kandare ist die Symmetrie im Pferdemaul und damit die Anpassung an die extrem feinfühlige Zunge des Pferdes.

Stichwort Babykandare: Ein langer Unterbaum verkleinert Handfehler, er wirkt sanfter. Die vermeintliche „Babykandare“ mit kürzerem Unterbaum verursacht eine deutlich größere Winkeländerung, wenn die Zügel angenommen werden. Fazit: ein langer Unterbaum verlangsamt und verkleinert somit die Bewegungen der Reiterhand. Ein Stangengebiss mit großer Auflagefläche verringert außerdem den Druck im Maul. Ein mit viel Zungenfreiheit angepriesenes Gebiss hingegen hat eine schärfere Wirkung durch den erhöhten Druck an den Zungenrändern.

Kommen wir zurück zur Symmetrie im Pferdemaul: Weil ein Kandarengebiss also keine Gelenke wie eine Trense besitzt, soll eine blanke Kandare niemals in beiden Zügelhänden geführt werden. Beidseitige Führung bedeutet ein Kippen der Kandare auf den Zungenrand, wobei eine schiefe Belastung im Pferdemaul entsteht.

Dies verdeutlicht allerdings, dass die Kandare nicht bei der Erarbeitung von Stellung und Biegung eingesetzt werden kann. Die Kandare ist aber auch kein Mittel, um den Kopf in einer bestimmten Position zu halten. Wer die Kandare einsetzt, um den Kopf des Pferdes „nach unten“ zu dirigieren und den Hals rund zu machen, hat die eigentliche Wirkung – die Oberlinie lang und leicht zu halten nicht verstanden.

Jedes Werkzeug ist nur so scharf, wie die Hand, die es bedient.

Es braucht also mehrere Komponenten, um eine gewisse Leichtigkeit in der Reitkunst zu bekommen. Das Pferd muss Schritt für Schritt Sekundarhilfen und Primärhilfe „Sitz“ erlernen, der Reiter muss verstehen die Informationen aus dem Pferdekörper richtig zu interpretieren, um für jede Situation das richtige Werkzeug parat zu haben. Erst dann kann ihm die Hand als Sekundarhilfe überhaupt nützlich sein. Auch aus diesem Grund empfiehlt es sich jeden Schritt einzeln und ordentlich in der Ausbildung des Pferdes zu beschreiten. In der Bodenarbeit lernen Pferd und Reiter eine gemeinsame Sprache, der Kappzaum ist das vorherrschende Werkzeug. In der Handarbeit kann vom Boden aus die Reiterhand sowie die Reaktion des Pferdes auf die Reiterhand geschult werden. Vom Sattel aus bleibt der Kappzaum oder ein eingeschnallter Semikappzaum ein verbindendes Element – schließlich soll für den vierbeinigen Schüler nun auch die Kommunikation in einer Verlässlichkeit erfolgen, die bereits am Boden zum guten Ton gehörte.

Lernen wir gemeinsam Schritt für Schritt, dann Reiten wir Einfach 😉

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Jahresrückblick 2017

Jahresrückblick 2017

2018 ist erst wenige Tage alt, daher lohnt sich noch ein kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr.
2017 war ein Jahr mit vielen Höhen, aber auch vielen Tiefen. Es gab einige traurige Momente, aber auch ein paar Anlässe zum Feiern.
Aber schauen wir doch mal zurück:

Jänner: Die erste Reise des heurigen Jahres führt mich nach Dänemark zum Treffen der lizenzierten Bent Branderup Trainer. Es ist natürlich auch heuer ein wunderbares Treffen, auf das ich mich gerade zum Jahresbeginn sehr freue.
2017 stand eine besondere Präsentation auf dem Programm: Geplant ist ein Magazin über die Akademische Reitkunst, zweisprachig und mit zahlreichen Beiträgen aus der Ritterschaft. Möglichst ohne Werbung gleichzeitig aber sehr hochwertig. Was im Jänner sozusagen aus der “Taufe” gehoben wird, erblickt mit Jahresende 2017 schließlich das Licht der Welt. In der ersten Ausgabe der “Akademischen Reitkunst – Beziehungspflege” widmen wir uns dem Begriff “Horsemanship”.

Februar: Schon wieder ein eiskalter Februar. Und schon wieder halten meine Schüler sehr wenig von einer Winterpause. Ich freue mich sehr, dass die Motivation trotz verschärfter “Kältebedingungen” immer anhält. Insgeheim wünschte ich mich jedoch in den Süden ;-).

März: Die Kurssaison am Sonnenhof beginnt.2017 eröffnet wieder Christofer Dahlgren aus Schweden unsere Workshops. Er widmet sich einmal mehr der Frage, wie wir das Training möglichst individuell auf unsere Pferde abstimmen können. Einen Kursbericht zum Nachlesen gibt es hier
Ich selbst gebe im März vier Tageskurse.

April: Der April, der April, der macht was er will. Ich gebe insgesamt zwei Wochenend- und zwei Tageskurse. Ende April stolpere ich nach einem Tageskurs über eine Website. Ich stöbere rein zufällig, ob in Piber schöne Lipizzaner zum Verkauf stünden. Nun ja. Eigentlich wollte ich noch kein drittes Pferd, zumindest noch nicht jetzt, aber während die “vernünftige Seite” in mir streng schaut, schreibt meine “verrückte Seite” bereits eine Mail an Ines Hubinger, die den Verkauf der Pferde in Piber abwickelt. Am Ostersonntag Ende April schließlich lerne ich Conversano Aquileja I kennen und freue mich ein paar Wochen später über die endgültige Zusage und eine positive Ankaufsuntersuchung. Nun wird also ein Schimmel meine zwei Damen verstärken. Mehr über “Konrad” gibt es hier

Mai: Auf dem Pfernetzt Event in Fulda lerne ich zahlreiche wunderbare Pferdemenschen kennen. Ich bin begeistert, da diesem Event ein besonderer Zauber inne wohnt. Außerdem gebe ich den ersten Wochenendkurs in Bratislava. Eine Nachlese von Pfernetzt findet hier….

Juni: Eine Anekdote aus dem Leben:
Mitten in den Arbeiten am Buch, einen sehr intensiven Vormittag im Büro hinter mir, habe ich es sehr eilig in den Stall zu kommen. Beim Aufstehen verheddert sich mein kleiner Zeh am Tischbein (ob der bereits sommerlichen Temperaturen hält man es bereits bar”huf” sehr gut aus) und ich gehe im Büro zu Boden. Dabei wische ich die Heftklammermaschine vom Tisch, die meiner linken kleinen Zehe quasi den Rest gibt. Beim Besuch im Unfallkrankenhaus ist man überrascht, dass man sich als Pferdetrainer doch tatsächlich im eigenen Büro dermaßen blöd verletzen kann. Trotzdem schaffe ich es mit luxierter Zehe noch in die Schweiz auf den zweiten Kurs im heurigen Jahr bei meiner lieben Najat Zinbi. Mehr über die Kurse in der Schweiz in Graubünden gibt es hier:

Juli: Der Juli beginnt mit dem Grazer Kurshöhepunkt. Bent Branderup ist bei uns in Graz und ich freue mich riesig für meine Schülerinnen Viktoria Portugal, Sonja Grätz und Jana Fuchsberger über die bestandenen Boden- und Longenarbeitsprüfung. „Konrad“ hat seinen ersten “Auftritt” beim Kurs und benimmt sich wie ein alter Hase.

August: Widrige Umstände (ein Hoch auf eine inzwischen nicht mehr existente Airline) lassen mich die Sommerakademie verpassen. Wer ebenso nicht dabei war: Die Kollegen haben zum Glück ein Video gemacht:

September: Im September fahre ich erstmals in den Süden Italiens, um auch dort eine Woche zu unterrichten. Mein Italien Abtenteuer zum Nachlesen.
Außerdem geht es bereits zum dritten Mal im heurigen Jahr für einen Wochenendkurs in die Schweiz.

Oktober: Jossy Reynvoet kommt nach Niederösterreich und Graz. Neben gebissloser Reitkunst stehen “Meetings” mit dem Pferd am Programm. Es ist sehr gut u wissen, dass man nicht immer mit dem Pferd etwas “tun” muss. Die kleinen Momente machen das Leben mit Pferden magisch. Einen großen Moment hingegen erlebt meine liebe Schülerin Sonja Grätz beim Kurs mit Bent Branderup in Ainring. Gratulation zur bestandenen Wappenträgerprüfung, liebe Sonja!

November: Mein persönliches Novemberhighlight? Der aufkommende Winter wurde einfach durch permanenten Einsatz „weggearbeitet“. Ich war jedes Wochenende unterwegs, in Österreich habe ich die letzten beiden Kurse für das heurige Jahr gegeben, einen Tageskurs habe ich außerdem in Slowenien absolviert, wo mich – wieder mal – einige Lipizzaner verzaubert haben. Aber: Es gibt jetzt kein viertes Pferd. Nein, nein :-)….vorerst……

Dezember: Gotland, Gotland. Das Jahr habe ich einmal mehr mit einer Reise zu Hanna Engström nach Gotland ausklingen lassen. Diesmal waren drei Schülerinnen von mir mit von der Partie. Gemeinsam konnten wir von- und füreinander lernen. Eine wunderbare Sache, gerade kurz vor Weihnachten ist Gotland wirklich eine Reise wert, um inne zu halten und stille Momente zu genießen.

Ich bedanke mich bei allen Schülerinnen und Schülern, die mir auch im heurigen Jahr ihr Vertrauen geschenkt haben. Ich werde mich auch für 2018 bemühen, ein spannendes Kursprogramm am Sonnenhof sowie in ganz Österreich und seinen Nachbarländern, wo ich unterwegs sein werde auf die Beine zu stellen.

Ich wünsche ich allen Bloglesern, Schülerern, Pfernetzten Pferdemenschen und Freunden einen guten Start im neuen Jahr mit viel Glück und Gesundheit und schönen Stunden mit euren Vierbeinern! 

Frag Bent: Teil 8

Frag Bent: Teil 8

Einfach mal Bent Branderup eine Frage stellen und eine Videobotschaft erhalten? Das geht ganz einfach. Einmal im Monat beantwortet Bent Branderup eine Frage, die von Besuchern seiner Facebook Seite eingesandt wurde.

Diesmal geht es um den Schulhalt – oder um das, was danach kommt.

Frage: Gibt es ein geschultes Angehen, passend zu einem Schulhalt?

Bent Branderup: Wenn wir über einen Übergang vom Schulhalt in die Bewegung sprechen wollen, dann müssen wir uns zunächst mit dem Schulhalt auseinander setzen. Betrachten wir uns zunächst die Skulpturen, die ich angefertigt habe, dann sehen wir einen Schulhalt. Während des Schulhalts wollen wir dem Pferd eine bestimmte Formgebung in der Wirbelsäule, aber auch in den Gelenken der Hinterhand geben. Wenn wir diese Bewegung dann bei einem Übergang in Bewegung mitnehmen können, dann kann man dies als ein geschultes Angehen bezeichnen. Ich möchte euch gerne ein Video von Swan zeigen, wo ich aus dem Schulhalt möglichst viel der erarbeiteten Formgebung in die Bewegung mitnehmen möchte. Im Film war also zunächst ein Schulhalt und danach der so genannte Schulschritt zu sehen. Dieser Übergang kann natürlich auch in den Schultrab, in die Piaffe oder in den Schulgalopp oder das Terre a Terre münden. Die Formgebung wird als “geschult” oder auch komplett auf den Hanken während der Bewegung bezeichnet.

Mehr zum Thema Schulhalt als Blog oder als Podcast
Mehr zum Thema Schulschritt gib es auch im Blog von Stefanie Niggemeier

Warum ich mir eine Auszeit gönne

Warum ich mir eine Auszeit gönne

Die Tage sind kurz, die Sonne steht tiefer. Kurz vor dem Jahreswechsel erfreuen wir uns an besonderen Winter- und Vorweihnachtsmomenten. Doch nicht jeder fühlt die stille Zeit vor Weihnachten. Ich zwinge mich zu einer Auszeit.

Durchatmen

Es ist nun genau ein Jahr her, seit ich meine erste Reise nach Gotland zu meiner lieben Kollegin Hanna Engström angetreten habe. Bereits vor einem Jahr habe ich die Stille und Einsamkeit auf Gotland genoßen. Von den rund 57.000 Einwohnern der schwedischen Insel habe ich nämlich im Vorjahr nicht viel mitbekommen. Nachts war es unheimlich still und unheimlich schwarz. Keine Lichter von großen Städten, die das Dunkel der Nacht beeinflussen. Kristallklare Luft und feurige herzerwärmende Sonnenuntergänge an den Stränden der Insel. Das ist meine ganz persönliche Auszeit.

Ich habe das riesige Glück, dass ich meine Leidenschaft zu meinem Beruf machen konnte. Ich verbringe den ganzen Tag mit Pferden oder Menschen, die nicht nur einfach reiten wollen, sondern sich ehrlich um das leibliche und seelische Wohl ihres Pferdes kümmern – von ganzem Herzen. Eine tolle Sache, die aber freilich nicht jeden Tag um Punkt 17:00 endet. In unserer schnelllebigen Zeit ist es ohnehin selten so, dass man quasi mit Dienstschluss den Laptop schließt und für den Rest der Welt unerreichbar bleibt. Da geht es uns wohl allen so.

Alles im Takt?

Ich habe in vielen Beiträgen die Alten Meister zitiert, wenn es um den Reitertakt geht. Reitertakt, das bedeutet eine Einstellung zum Pferd, ein gewisses Taktgefühl, wenn es um das Miteinander geht.
Soziale Medien, permanente Verfügbarkeit, eine schnell geschrieben Nachricht oder Mail – all das beeinflusst auch unseren ganz persönlichen Takt. Gegen Ende des Jahres, wenn ich noch versucht habe alle Terminwünsche möglich zu machen, Artikel- und Buchprojekte zu finalisieren, da war ich schon manchmal recht atemlos. An manchen Tagen habe ich mir daher bereits mit meinen Pferden eine sehr erholsame Auszeit genommen. Einfach die Novembersonne der letzten Wochen genießen und meine Pferde auf der Koppel beobachten – das war schon eine wunderbare Sache. Manchmal merkt man es aber zu spät, wenn man aus dem Takt gerät. Wir brauchen aber unsere innere Ausgewogenheit, gerade im Zusammensein mit den Pferden.

Zum Glück haben meine Pferde am Horse Resort am Sonnehof die Möglichkeit sich ausreichend zu bewegen, unter Pferden in einer großen Herde unterwegs zu sein. Ich „muss“ sie also nicht bewegen, wie das vielleicht in anderen Ställen der Fall wäre.

Damit ich nun also wirklich „Ruhe“ gebe, gönne ich mir in den nächsten Tagen eine kleine Auszeit bei Hanna Engström. Wieder mal. Na gut, es wäre keine Auszeit und es wäre nicht ich, wenn es da nicht doch um das Thema Pferde ginge 😉 den heutigen Blog poste ich noch zwischen Tür und Angel – auf meiner letzten Unterrichtstour für das heurige Jahr.

Gerade in den letzten Wochen des Jahres ist ein wenig Durchatmen und Verschnaufen erholsam.

Die kleine Auszeit kann man sich aber auch immer wieder mal beim Meditieren verschaffen:

Als kleine Inspiration dazu gibt es auch einen Artikel zum Nachlesen.

Vielleicht kann jetzt nicht jeder „Last Minute“ nach Gotland reisen – aber vielleicht kann ich mit meinem heutigen Artikel und der Anregung zur Meditation einladen, sich selbst ein wenig Zeit für sich zu nehmen und mal eine Auszeit von der alltäglichen Hektik zu nehmen.

Zum Reiten lernen gehört auch unsere eigene Losgelassenheit.

Nicht immer gibt es unbedingt „etwas zu tun“. Das bemerke ich auch bei meinem jungen Conversano Aquileja I aka „Konrad“. Der junge Lipizzaner würde am liebsten täglich etwas Tun und Lernen. Oft ist es aber auch ganz gut, die jungen Pferde, Pferde sein zu lassen. Daher drücken wir sehr wenig die Schulbank und haben einfach auch mal eine gute Zeit – einfach so – gemeinsam im Wald oder auf der Koppel, wenn ich ihn beim Spielen mit seinen Freunden beobachte. Konrad „verdaut“ dann das Gelernte wirklich sehr gut, nicht immer ist es die Quantität in der „Arbeit“ mit dem Pferd, sondern die Qualität.

Ich wünsche in diesem Sinne ein paar ruhige Tage und nicht allzu viel Hektik im jährlichen Vorweihnachtsstress.

Achten wir auf unseren persönlichen Takt, dann klappt es auch mit dem Reitertakt.

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Ein Lipizzaner geht zur Schule

Ein Lipizzaner geht zur Schule

Führübungen, erste Bodenarbeit und das Kennenlernen der Zügel- und Schenkelhilfen. Ein Lipizzaner lernt das Reitpferde ABC.

Mehrmals im Monat muss ich mich losreißen und die schöne gemeinsame Zeit mit meinem Connversano Aquileja I – oder Konrad – wie er nun von allen gerufen wird unterbrechen.

Konrad ist nun seit Ende Mai bei uns auf dem Sonnenhof in Hart bei Graz und hat sich seit seinem Umzug aus Piber rasch eingelebt. Wie man Türen aufdrückt oder das Gitter an den Heuraufen hebt, um gemeinsam mit dem spanischen Kumpanen „Idolo“ möglichst viel Heu aus der Raufe zu werfen – all das hat der kleine graue Herr bereits intus. Und natürlich wie man mich um den Finger wickelt.

Im September gab es für uns richtig gute Nachrichten: Nach der Kastration im Mai kam es zu einer Entzündung. Diagnostiziert wurde die mögliche Bildung einer Samenstrangfistel. Nach der Gabe von Antibiotika machte uns die Tierärztin wenig Hoffnung, ein zweiter Operationstermin wurde bereits für Oktober geplant. Konrad ließ sich die Wunde jedoch sehr artig versorgen. Ob Bestrahlung mit Rotlicht, Wundsäuberung, Spritzen und Kühlung – er ließ alles über sich ergehen, obwohl die Begeisterung enden wollend war. Die Entzündung führte auch dazu, dass er mit einem Hinterbein kürzer getreten war.

Meine liebe Kollegin Andrea Harrer aus Salzburg versorgte uns in dieser Zeit mit homöopathischen Tipps – und scheinbar hat es geholfen: Im September konnte dann Entwarnung gegeben werden. Keine Entzündung. Keine Fistel. Nun wurde noch ein „Wellness-Termin“ für Konrad vereinbart, um etwaige Blockaden und Muskelverspannungen zu lösen.

Die Einschulung beginnt

Im Sommer waren wir viel spazieren aber wir haben auch schon ein wenig Bodenarbeit gestartet. Bei den ersten Führübungen zeigte sich bereits, wie gut der kleine Lipizzaner auf mich und meinen Körper achtet. Gemeinsames Losgehen, Anhalten, Rückwärts und wieder Vorwärtslaufen – all das war sehr rasch kein Problem. Diese Übungen haben wir dann auch aus der Halle mit ins Gelände genommen. Auf der stalleigenen Hausrunde haben wir bergauf und bergab getestet, wie gut die Kommunikation gelingt. Ich muss gestehen, Konrad überraschte mich durch seine Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit jedesmal aufs Neue.

Schulterkontrolle

Konrad lernte zunächst also die seitliche Führposition kennen. Dass er es nicht gewohnt war, von rechts geführt zu werden, zeigte er durch einen skeptischen Blick – danach war die Sache aber schon weniger unheimlich und wir konnten unser Programm in gleicher Qualität auch von rechts geführt ausprobieren. Auch Handwechsel waren kein Problem. Bei den Handwechseln aus seitlicher Führposition gehe ich folgendermaßen vor: Wenn ich neben dem Pferd vorwärts laufe, gehe ich nun die gleiche Strecke rückwärts in Richtung Schweif zurück und lade das Pferd zu einer Wendung auf mich zu ein. Während ich rückwärts laufe wechsle ich bereits Gerte und Strick in der Hand, bleibe dann einen Moment stehen und zeige auf die neue innere Schulter des Pferdes. Konrad verstand sofort auf das Zeigen der Gerte hin, die innere Schulter etwas nach außen zu nehmen. Sobald wir uns wieder auf gleicher Höhe befanden konnte es wieder nebeneinander weitergehen.

Bei allen neuen Anfragen an das Pferd, sei es ein Handwechsel, ein gemeinsames Halten oder vorwärtsgehen, achte ich sehr darauf, das Pferd nicht zu überrumpeln. Es gibt Trainer, die sich wünschen, dass das Pferd auf Knopfdruck funktioniert. Ich möchte auch durch leise Signale eine relativ prompte Reaktion des Pferdes erreichen, allerdings möchte ich auch für das Pferd gut vorhersehbar sein – soll heißen – ich bin gerade zu Beginn der Ausbildung einer der „schlechtesten Schauspieler“ auf der Welt. Ich mache mir große Gedanken darüber, wie beispielsweise ein Anhalten in meinem Körper aussehen muss. Dafür zerlege ich alle Schritte in Einzelteile: Wie die Energie in meinem Körper abnimmt, wie ich mich vielleicht sogar ein wenig sinken lasse, meine „Hanken“ beuge, ausatme und sehr bewusst anhalte. Je besser ich mir der Bewegungsabläufe bewusst bin, umso eher kann ich meinem Pferd zeigen, was ich von ihm möchte. Manchmal gehe ich auch ein gemeinsames Angehen in Zeitlupe durch. Ich stehe neben dem Pferd und verlagere meinen Schwerpunkt langsam nach vorne – das Pferd hat dann auch Zeit darauf zu reagieren. Wir stellen dem jungen und unausgebildeten Pferd eine Frage und erwarten eine sofortige Antwort. Von einem Kind in der Grundschule würden wir bei den ersten Rechenversuchen ja auch keine Antwort, wie aus der Pistole geschossen erwarten. Wir geben unserem Schüler Zeit, unsere Frage aufzunehmen, darüber nachzudenken und die Antwort gut zu formulieren.

Von der seitlichen Führposition ging es dann in die Bodenarbeitsposition, wobei ich noch keinen Kontakt direkt zum Kappzaum aufgenommen habe. Das Bodenarbeitsseil hielt ich locker in meiner rechten Hand, in der linken Hand die Gerte. Nun lief ich erstmals rückwärts auf der rechten Hand. Ich rechnete damit, dass Konrad auf der einen Seite möglicherweise in den Zirkel hinein, auf der anderen Seite aus dem Zirkel heraus vergrößern würde. Seine Balance zwischen den Schultern war jedoch so gut, hier musste ich fast keine Korrekturen vornehmen. Konrads Kopf blieb parallel zu meinem Oberkörper, ich fühlte mich nie geschoben oder bedrängt – wenn er mir für meine Begriffe zu nahe kam, konnte ich rechtzeitig durch ein „Größermachen“ oder ein sanftes Schütteln des Bodenarbeitsseils zu erkennen geben, dass ich mir mehr Abstand wünschte.

Nach und nach konnte ich den inneren Schenkel hinzufügen. Zunächst aus der Schulterkontrolle in Bewegung, dann auch im Stand. Konrand lernte auf eine Berührung des inneren Schenkels – in dem Fall durch die Gerte den Kopf zu senken und sich zu entspannen. Diese Übung gelang auch bald ohne Gerte. ich konnte mich vor seinem Kopf oder neben seiner Schulter positionieren. Wenn ich ausatme und mich entspanne, dann senkt Konrad ebenso den Kopf und manchmal schnaubt er sogar dabei ab.

In der Bewegung ließ sich Konrad ebenso sehr rasch vom inneren Schenkel lösen und bald konnten wir auch ein paar Schritte leichtes Schultervor erarbeiten.

Eines Tages stellte ich mich mitten in der Halle auf und zeigte mit der Gerte in Richtung äußerer Hüfte meines braven Schimmels. Hier kommt mir sein aufgeschlossenes Wesen und seine extreme Ausgeglichenheit auch sehr entgegen – egal wo ich die Gerte zeigend einsetzte – Konrad war nie misstrauisch oder nervös. Ich zeigte also diesmal über den Rücken in Richtung äußerer Hüfte und berührte ihn leicht mit der Gerte. Ich selbst war auf der Höhe der Schulter positioniert. Zu Beginn Ratlosigkeit, als ich mich jedoch selbst auf der Stelle bewegte, bewegte Konrad seine Kruppe ein wenig auf mich zu.

Tolles Ergebnis – vor Freude ausflippen – viel Lob und zurück auf die Koppel.

Wir haben oft nur zehn Minuten in der Halle miteinander gespielt – Konrad versteht so schnell und ich habe es wirklich nicht eilig. Mit dem Herbst kam dann endlich auch die kühlere Jahreszeit und so konnten wir unsere Spaziergänge ein wenig ausdehnen.

Ende Oktober war dann mein lieber Kollege Jossy Reynvoet bei uns. Wir haben uns dann mit verschiedenen Longenpositionen gespielt. Für Konrad, der inzwischen den inneren und äußeren Schenkel durch Zeigen mit der Gerte verstanden hat ist es keine große Sache, ob ich vor oder neben ihm für diese Hilfen stehe. Aus der Longenposition haben wir uns dann beim Kurs mit den Wechseln zwischen Schulterherein in Dehnungshaltung und etwas Kruppeherein gespielt.

Im Oktober hatten wir im Stall auch Besuch vom Sattler. Diese Gelegenheit haben wir gleich am Schopf gepackt und Konrad einen Sattel gezeigt. Er kennt ja bereits Regendecken oder Dualgassen auf seinem Rücken – fand er alles nicht sonderlich beeindruckend. Ich bin von der Ruhe und Gelassenheit des kleinen Lipizzaner nach wie vor extrem begeistert. Daher liegt mir auch seine Begeisterungsfähigkeit sehr am Herzen. Eigentlich hören wir für Konrads Geschmack immer viel zu früh mit der „Arbeit“ auf.

Obwohl Freund Idolo schon längst am Zaun steht und auf Konrad wartet, bleibt mein kleiner Lipizzanerbub lange am Zaun stehen und brummelt mir nach.

Ich möchte mir in der Ausbildung und den nächsten Schritten weiterhin viel Ruhe und Zeit lassen. Daher haben wir auch die sonnigen Novembertage für viele Spaziergänge genutzt – oder ich habe mir die letzten Sonnenstrahlen auf der Koppel auf den Buckel scheinen lassen – und Konrad auch. Wir haben also schon mal ein gemeinsames Hobby – das heißt: Zeit gemeinsam in der Sonne schön verbringen.

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PS: Konrad ist übrigens nicht der einzige Lipizzaner, der mich begeistert. Mittlerweile darf ich einige tolle Menschen mit ihren Lipizzanern  begleiten – auch in Slowenien wo ich am Hof der Lipizzaner von Angelika Pristov und auch bei Nina Peternel vom Hause Barbana einige Rohdiamanten kennen lernen durfte 🙂

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