Letzte Woche haben wir zur Gymnastizierung des Pferdes die Bahnfiguren auf einfachem Hufschlag besprochen. Heute bauen wir in diese Bahnfiguren die Seitengänge ein.

Warum wir Schulterherein bzw. Versal reiten?

  • Durch das Schulterherein werden die Hanken mehr gebogen und eine verbesserte Tragkraft der Hinterbeine erzielt.
  • Schulterherein unterstützt Geraderichtung und hilft Schiefheit auszugleichen.
  • Schulterherein im Schritt und Trab hilft ein gerades Angaloppieren zu erarbeiten.
  • Schulterherein kann Unregelmäßigkeiten des Tempos im Trab verbessern.
  • Das Herandehnen und die Anlehnung an den äußeren Zügel werden durch Schulterherein verbessert.
  • Das Schulterherein führt zu einem lockeren Genick und entspanntem Kiefergelenk
  • Verspannungen werden gelöst, Dehnungshaltung im Schritt wird verbessert.
  • Schulterherein bzw. Schultervorstellung verbessert auch die Piaffe.
  • Schulterherein verbessert die Grundgangarten, auf 4 Hufschlägen ausgeführt kann es auch Pferden, die im Schritt zum Pass neigen helfen wieder in den Schritt zu finden.

Warum wir Kruppeherein bzw. Travers reiten…

  • Auch durch das Kruppeherein kommt es zu einer vermehrten Hankenbiegung, womit eine verbesserte Tragkraft der Hinterbeine – vor allem des äußeren Hinterbeins erarbeitet wird.
  • Kruppeherein mit einem korrekten Schulterherein als Basis unterstützt Geraderichtung und hilft Schiefheit auszugleichen.
  • Kruppeherein im Schritt und Trab hilft ein gerades Angaloppieren zu erarbeiten.
  • Kruppeherein aktiviert das äußere Hinterbein zum Tragen und macht die innere Schulter leichter.
  • Kruppeherein ist eine gute Vorbereitung für Pirouetten, Traversalen und Galoppwechsel.
  • Kruppeherein am Zirkel geritten verbessert die Versammlungsfähigkeit.
  • Das abwechselnde Reiten von Schulterherein und Kruppeherein verbessert die Durchlässigkeit und Losgelassenheit

Und der Renvers?

  • Renvers und Kruppeherein mit einer korrekten Schulterherein als Basis unterstützt Geraderichtung und hilft Schiefheit auszugleichen.
  • Nur ein geschmeidiges Pferd kann die Vorhand auf dem Zirkel im Renvers tragen.
  • Renvers unterstützt eine klare Hilfengebung im Außengalopp.
  • Renvers ist eine gute Vorbereitung für Galoppwechsel
  • Das abwechselnde Reiten von Schulterherein, Kruppeherein und Renvers verbessert die Geraderichtung, Durchlässigkeit und Losgelassenheit.

Kombipaket Schulterherein, Kruppeherein Volten und Touren..

seitengaenge_volten_sh_khMit dem Schulterherein ist es eine Krux. Einerseits wird es Aspirin der Reitkunst genannt, andererseits, ist das Erlernen des korrekten Schulterhereins wohl eine der schwierigsten Hürden, die vor allem beim Erlernen der Reitkunst immer wieder (manchmal wie aus dem Nichts heraus) auf uns zukommt!

Die große Tour eignet sich zur Schulung des Schulterherein hervorragend. Der Außenzügel führt die Schulter nach innen, während der innere Schenkel das innere Hinterbein aktiviert und gleichzeitig die Bewegungsrichtung auf dem Zirkel beibehält.
Beim Kruppeherein auf dem Zirkel aktiviert der äußere Schenkel das äußere Hinterbein vermehrt zum Schwerpunkt zu fußen. Der Außenzügel muss dafür sorgen, dass das Pferd nicht auf die äußere Schulter fällt.
Auf dem Zirkel lassen sich die beiden Seitengänge immer wieder abwechselnd in allen Gangarten üben.

An der langen Seite lassen sich die Seitengänge lässig kombinieren. Beispielsweise beginnt man auf der rechten Hand aus der Ecke heraus mit dem Schulterherein. An der Mitte der langen Seite folgt eine kleine Volte, daraus ein Übergang ins Kruppeherein. Vor der Ecke wird mit Hilfe von Außenzügel und Innenschenkel gerade gerichtet, damit die Vorhand, die den weiteren Weg durch die Ecke hat, ohne auf das innere Vorderbein zu fallen, gut durch die enge Wendung geführt werden kann.

seitengaenge_mitte_smAus der Mitte: Auch auf der Mittellinie können die Seitengänge geübt werden. Für die Einhaltung der geraden Linie ein kleiner Tipp: Gedanklich den Nabel in Bewegungsrichtung nach vorne schicken – falls ein Spiegel vorhanden kann man diesen Gedanken auch – auf sein Spiegelbild zureitend überprüfen. Wer hier schon ein bisschen Übung hat kann die Seitengänge auch abwechselnd auf der Mittellinie üben.

Aus der Mitte kann auch ein Halber Travers eingeleitet werden. Zunächst wird das Pferd auf die Mittellinie geführt, beispielsweise mit einer links Biegung und Stellung. Erster Schritt: Auf der Mittellinie nach vorne in Links Biegung und Stellung, danach ein paar Tritte Schulterherein nach Links und daraus Übergang in einen halben Travers in Richtung Bande.

Beim Ankommen an die Bande kann man Stellung und Biegung entweder nach rechts wechseln, oder aber man reitet im Renvers weiter. Die Vorhand kommt im Gegensatz zur Hinterhand somit nicht am ersten Hufschlag an der Bande an.
Eine weitere, sehr gute Übung sind Übergänge zwischen Schulterherein und Renvers. Diese Übergänge können entweder auf der langen Seite, auf der Mittellinie, am 2. Oder 3. Hufschlag, sowie auf dem Zirkel geritten werden!

Übungen mit Traversalen

seitengaenge_traversaleseitengaenge_diagonale_traversaleEine meiner Lieblingsübungen ist die Abwechslung zwischen Traversale und Schulterherein. Stellen wir uns vor, wir wären auf der linken Hand. Linke Stellung und Biegung sind sicher, nach dem Durchreiten der zweiten Ecke auf der kurzen Seite beginne ich auf der langen Seite mit ein paar Tritten Schulterherein, gefolgt von ein paar Tritten Traversale auf der Diagonalen. Hier reichen wirklich ein paar wenige Tritte aus – danach wieder Übergang ins Schulterherein (man ist dann beispielsweise am 4. oder 5. Hufschlag angekommen) nach vorne. Es folgt erneut ein Übergang zur Traversale usw.
Die Übung kann mit einer  ganzen Pirouette kurz vor Erreichen der gegenüberliegenden Bahnseite fortgesetzt werden. Zwei weitere Möglichkeiten wären das Durchreiten der gegenüberliegenden Ecke in Renversstellung nach rechts oder mit Biegung und Stellung wie in der „Ausgangslage“ nach links.

Übungen mit Schlangenlinien

seitengaenge_schlangenlinienEine knifflige Übung sind Schlangenlinien im Schulterherein bzw. Kruppeherein (in der Grafik im Kruppeherein dargestellt). Dabei wird beim Überschreiten der Mittellinie auch Biegung und Stellung, gewechselt. Ein Beispiel: Ich beginne im Kruppeherein auf der linken Hand mit der Schlangenlinie. Beim Überschreiten der Mittellinie stelle ich nach rechts um, sichere mir neue Biegung und Stellung und hole dann das neue äußere Hinterbein in Richtung Schwerpunkt. Durch das Reiten von Wendungen im Kruppeherein können somit auch die Pirouetten geübt werden (in der Grafik der kleine Kreis beim Überschreiten der Mittellinie).

Übungen mit Pirouetten

Pirouetten lassen sich entweder aus der Traversale auf der Diagonale einleiten, oder aber aus geraden und gebogenen Linien. Auch beim Zirkel verkleinern im Kruppeherein kann man den Durchmesser des Zirkels so lange verkleinern bis man bei einer ersten Pirouette angelangt ist. Wichtig ist allerdings den Fokus auf die Schulterkontrolle des Pferdes nicht zu verlieren – Leichtigkeit aus der Vorderhand heraus ist ebenso ein wichtiges Ziel und Nutzen beim Üben der Seitengänge.

Der Kreativität sind auch hier kaum Grenzen gesetzt.

Reiten wir Seitengänge auf gebogenen Linien – dann Reiten wir Einfach 🙂

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