Frag Bent Teil 7

Frag Bent Teil 7

Einfach mal schnell eine Frage direkt an Bent Branderup stellen? Ja das direkt via Facebook!
In der Frageserie ist jeder herzlich eingeladen, seine Frage zu posten. Einmal im Monat gibt es eine kurze Videobotschaft. In meinem Blog liefere ich euch die Übersetzung:

Diesmal geht es in der Frage um möglichen Gangsalat: 

Wie würdest du den Tölt eines passigen Isländers verbessern? 

Normalerweise arbeiten wir ein Pferd in den Basisgangarten Schritt, Trab und Galopp. Theoretisch wollen wir den Tölt in der Akademischen Reitkunst einen „running walk“ nennen, also einen gelaufenen Schritt. Manchmal scheint der Tölt aber wie ein gebrochener Trab. Eine Gangart zu runinieren, um eine andere Gangart zu bekommen ist aber in meinen Augen keine Verbesserung. In vielen Fällen sprechen Reiter von einem Fünfgänger, allerdings hat ihr Pferd nur fünf Variationen von Pass. Bei der an mich gestellten Frage lese ich zwischen den Zeilen, dass das Pferd möglicherweise eine Tendenz hat, im Pass zu gehen. Die Wirbelsäule ist hier möglicherwiese steif, wir brauchen daher Durchlässigkeit, und die Fähigkeit für Dehnung und Biegung, Durchlässigkeit im Vorgriff der Hinterhand. Theoretisch wäre der Tölt genau in der Mitte zwischen Trab und Pass. Ein Pferd mit mehr Pass würde dann mehr Trab im Gang benötigen. Wenn der Pass aber  in der Realität durch Rückenschmerzen oder andere Probleme entsteht, dann stimmt diese Theorie nicht mehr ganz. Ich bevorzuge den Tölt also einen gelaufenen Schritt zu nennen, dann wäre es ein sauberer, kein gebrochener Gang. Man muss sich aber immer das individuelle Pferd ansehen.

Passend dazu ist auch die Frage nach dem Lizenzierten Branderup Trainer:

 

Was muss ich machen, um ein lizenzierter Bent Branderup Trainer zu werden?

Um ein lizenzierter Bent Branderup Trainer zu werden muss man zuallererst selbst ein guter Reiter sein. Das heißt, ich erwarte mir von der Person mindestens das Wappenträger-Leveln innerhalb der Ritterschaft; das wäre ein Level, wo ich denke, man ist selbst soweit einen Schüler bis zu dieser gleichen Stufe hin auszubilden. Vor dem Wappenträgertest muss man auch den Bodenarbeits- und Longentest absolviert haben; der Wappenträgertest ist dann eine Überprüfung der Entwicklung des Reitersitzes. Hier lautet die Frage, wie man den Sitz als ein Werkzeug einsetzen kann und ob man das Pferd in sämtlichen Lektionen tatsächlich vom Sitz aus führen kann. Die Longe ist ein Werkzeug, ebenso die Bodenarbeit und der Crossover zum Langen Zügel- Man muss all diese Techniken selbst beherrschen und einen Test darüber bestanden haben. Man muss aber natürlich auch gut darin sein, diese Inhalte anderen Personen zu erklären. Man braucht also auch eine Entwicklung als Lehrer, dafür muss man zeigen, dass man die Fähigkeit mitbringt, andere Menschen auf das gleiche Niveau zu hieven. Auch dann ist es aber noch nicht sicher, ob jemand in mein Team passt. Für mich ist es wichtig, ein Team zu haben, wo die Trainer gut zusammen arbeiten. In dem Team sind natürlich auch Leute mit speziellen Fähigkeiten, was ich sehr zu schätzen weiß. Die Trainer repräsentieren natürlich auch mich und meine Arbeit. Teamfähigkeit ist also eine wichtige Sache.

Wer daran interessiert ist, Trainer zu werden, muss seinen eigenen Weg gehen. Wir prüfen dann: Was fehlt noch in der Ausbildung des einzelnen, was müssen wir noch hinzufügen? Es ist wichitg, dass man selbst ein guter „Handwerker“ ist, aber auch die Pädagogik als „Handwerk“ versteht. Für viele Leute ist es eine lange Reise, aber es ist gut wenn man sich Zeit nimmt um zu lernen.

Warum gibt es keine Ausbildung auf Distanz beispielsweise via Internet? 

Ich habe keine Ausbildung auf größere Distanz, denn wenn man über das Internet und Filme arbeitet, dann sieht man ja nur ein kleines Bild vom großen Ganzen. Wenn wir die Reitkunst definieren, dass zwei Geister wollen, was zwei Körper können, dann fehlt mir ja im Film die Möglichkeit den Geist von Reiter und Pferd zu fühlen. Ich kann also nur die körperlichen Möglichkeiten beurteilen. Mittlerweile kann man mir ja Groundwork und Longework test schicken, um die Inhalte auf Distanz prüfen zu lassen. Dafür braucht man aber eine Empfehlung von einem Mitglied der Ritterschaft (mindestens Wapptenträgerniveau). Die Person, die die Empfehlung ausspricht, muss auch beim Filmen der Prüfung anwesend sein. Gefilmt wird aus jener Position, in der ich für gewöhnlich auch auf Kursen die Prüfung abnehme. So soll sicher gestellt werden, dass hier nichts manipuliert wird. Auf Lange Distanz – da wird es abgesehen von den Prüfungen also so schnell kein weiteres Angebot geben, da es so viele Details gibt, die ja gerade am Anfang der Ausbildung wichtig sind.

Als ich zu meiner Reise zur Reitkunst aufbrach, habe ich auch meine Familie und mein Land verlassen, um von meinen Meistern zu lernen. es war nicht nur eine mentale sondern auch eine körperliche Reise. Menschen, die sich körperlich nur sehr schwer bewegen, bewegen sich auch mental schwer. Später habe ich auch herausgefunden, es war nicht nur eine Reise nach außen hin, sondern eine Reise nach innen zu mir selbst.

Diese wunderbare Erfahrung zu machen – diesen Rat kann ich nur weiter geben. Einerseits ist es also Leidenschaft, die uns zu guten Reitern macht, andererseits ist es auch Geduld, um ein weiteres Schlüsselwort zu nennen.

Reitkunst ist noch immer nicht käuflich, im Gegensatz zu einem fantastischen Pferd, einer Reithalle oder einem Trainer, den man sich kaufen kann. Wir brauchen daher Leute, die uns direkt vor Ort unterstützen – es ist also auch noch ein altmodisches Handwerk, das man gemeinsam mit einem Lehrmeister im direkten Kontakt entwickeln muss.

 

Suchen wir uns also Hilfe – das kann eine Frage im Internet sein, die unser Interesse weckt, bis hin zum „live Unterricht“ bei Bent oder einem seiner Trainer – eine Liste aller Kollegen gibt es übrigens unter diesem Link.

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When you say nothing at all

When you say nothing at all

Kursbericht Jossy Reynvoet – Oktober 2017

Wenn wir mit Pferden zusammen sind, dann brauchen wir keine großen Worte. Wenn es eine Verbindung gibt, ein Band, dann liegt Magie in der Luft –  oder Jossy Reynvoet war wieder mal zu Besuch in Österreich.  Zum Lesen des Artikels gibt es außerdem noch eine musikalische Untermalung/Empfehlung.

You say it best….

Vier Tage lebendiger Austausch mit einem wunderbaren Kollegen – das brachte nicht nur einige gefahrene Kilometer, viele strahlende Gesichter und entspannte Pferde mit sich. Los ging es am Donnerstag Morgen in Wien. Vom Flughafen aus besuchten wir einige vierbeinige Schüler in Niederösterreich. Der Fokus des ersten Unterrichtstages lag ganz beim Thema Rotation und korrekter Biegung. Wir haben uns an diesem Tag mit verschiedenen Pferden beschäftigt: Vom Lipizzaner, zum Knabstrupper, bis hin zu PRE, Lusitanos und einem wunderbaren Cruzado. Das Thema war korrekter Rückenschwung, Erhaltung der Biegung, egal ob beim Longieren oder in der Bodenarbeit das innere oder das äußere Hinterbein verstärkt abgefragt wird.

Jossy, Pascale und ich haben am Barockpferdehof Schoderlee einen wunderbaren Tag gemeinsam mit „Hausherrin“ Verena und ihren „Einhörnern“ verbracht.

It’s amazing how you can speak right to my heart

Am Freitag standen einige Stunden auf dem Programm, darunter auch die erste richtige Kursteilnahme von Conversano Aquileja I. „Konrad“ zeigte sich von seiner besten Seite. Wir haben gemeinsam mit Jossy die Themenschwerpunkte des Vortages beim Jungpferd wiederholt.
Conversano reagiert bereits sehr gut auf die Körpersprache. In der Bodenarbeitsposition nehme ich meine eigene äußere Schulter beim Rückwärtslaufen zurück, das Pferd spiegelt dies in seiner eigenen äußeren Schulter und kommt somit ins Schulterherein, während ich mit der Gerte zeigend, weiterhin den inneren Schenkel des Reiters ersetze und somit den inneren Hinterfuß des Pferdes aktiviere.
Das klappte so gut, dass wir dazu übergehen konnten die Sekundarhilfe Gerte noch besser als äußeren Zügel zu erklären. Konrad verstand sofort, wenn ich mit der Gerte über den Hals in Richtung äußerer Halsoberlinie zeigte, das er das Gewicht von der äußeren Schulter in Richtung innerer Schulter verlagern sollte. Dies klappte dann sogar schon aus einer Cross Over Position, wenn ich meine Longenposition etwas weiter nach hinten in Richtung innerer Hüfte des Pferdes verlagerte.

Der Wechsel in der Longenposition zwischen dem inneren und dem äußeren Schenkel – vom Schulterherein ins Kruppeherein konnte ebenso durch Jossys Input verbessert werden. Im Gegenzug zeigte ich ihm unser gemeinsames Spiel mit der Energie.

Die Übung: Ich gehe neben Konrad und lege meine Hand auf den seinen Rücken in Sattellage. Wenn wir einen guten Tanzpartner haben, dann lassen wir uns ohne Zögern oder Stolpern in Richtungs- oder Taktwechsel führen. Mit Konrad habe ich bereits viel Zeit verbracht, die Energie verschiedener Takte über meine Hand in seinen Körper zu schicken, also ein gemeinsames Antraben und Durchparieren zum Schritt umzusetzen, ohne dass ich dabe selbst in den Trab oder Schritt wechseln muss und ohne eine Einwirkung der direkten Hand zum Kappzaum. Ich selbst bleibe dabei also immer im gleichen Schritt.

Meine Schüler Daniela und Kathi ließen sich an diesem Tag außerdem in Jossys Freiarbeit und seine so genannten Treffen mit den Pferden einführen. Bei diesen Treffen geht es Jossy nicht um eine spezielle Agenda, also um einen speziellen Plan. Wichtig ist nur, eine Bindung zwischen Mensch und Pferd aufzubauen. Auch in der Theorie am Samstag lud Jossy die Teilnehmer ein, doch ab und an einfach Zeit mit dem Pferd schön zu verbringen. Wer sich mit dem „Nichtstun“ und „einfach nur beobachten“ schwer tut, kann doch Lesestunden gemeinsam mit dem Pferd verbringen. Viele Pferde sind es gewohnt, dass ihre Reiter ständig etwas von ihnen wollen oder fordern. Stülpen wir diese Beziehungskonzept auf eine zwischenmenschliche Beziehung, dann würde diese Idee wohl eher auf Ablehnung stoßen. Vielleicht haben wir sogar schon die Erfahrung gemacht, wie es sich anfühlt, wenn eine Freundschaft im Bezug auf das Geben und Nehmen sehr einseitig verläuft und da Nehmen ständig im Vordergrund steht?

Wieder einmal war es sehr ergreifend zu beobachten wie sich innerhalb einer halben Stunde die Einstellung von Pferd und Mensch dem jeweils anderen gegenüber stark wandeln kann. und manchmal ist es einfach am besten, wenn man wirklich nichts will. Dann ergeben sich die magischen Momente doch fast schon wie von selbst. Beim Gemeinsamen Tanz (oder Lauf) mit dem Pferd kamen die Mädels ganz schön ins Schwitzen – wunderbar zu sehen, wenn sich Vier- und Zweibeiner jedoch im Einklang befinden und Freude an Bewegung teilen.

The smile on your face….

Samstag und Sontag stand dann unser Wochenendkurs mit Jossy am Horse Resort am Sonnenhof am Programm.

In der Theorie erklärte Jossy ausführlich seine Struktur, die bei den ersten Zusammentreffen mit dem Pferd ihren Anfang nimmt.

Jossys Idee von Freiarbeit bedeutet nicht Tricks oder diverse Übungen zu erarbeiten. Es gibt also keine Agenda. Der Mensch soll das annehmen lernen, was das Pferd zu sagen oder zu bieten hat. Sagt das Pferd „nein“, dann muss das ebenso okay sein. Diese Einstellung lässt sich auch in die weitere Arbeit mitnehmen. Jossy riet allen Teilnehmern ständig offen zu sein für die Vorschläge des Pferdes – das gemeinsame Wollen sollte also stets im Vordergrund bleiben, nicht das Müssen.

Die Kommunikation wird dann fortgesetzt mittels der optischen und der physischen Kommunikation. Zur optischen Kommunikation gehört unsere Körpersprache, bei der physischen Kommunikation weicht das Pferd beispielsweise einem gewissen Druck. Es geht hier also um eine direkte, körperliche Einflussnahme.

Sowohl bei der optischen, wie der physischen Kommunikation geht es stets darum sämtliche Signale auf ein Minimum, passend zum steigenden Ausbildungsstand zu reduzieren.

Die ersten Führübungen bestehen dann aus Folgen (Following), Fokus (Focus), Leading (Führung) und dem Zirkel (circle). Beim Folgen führt der Reiter das Pferd hinter sich. Dabei geht es darum, das Pferd tatsächlich hinter sich wahrzunehmen und zu spüren, ohne ständig über seine eigene Schulter nach hinten zu blicken. Beim Fokus wird erstmals frontal geführt, das heißt der Reiter läuft Rückwärts, das Pferd folgt dem Reiter und behält seinen Fokus. Diese Übungen können dann beständig ausgebaut werden. In der „Leading“ Position sollten die Vorderbeine des Pferdes jedenfalls vor den Beinen des Reiters bleiben. Die einzelnen Führtechniken wurden dann später in der Praxis genau überprüft, ebenso wie das gemeinsame Wenden, angehen und anhalten.

Ein Lächeln zauberte Jossy praktisch allen Teilnehmern ins Gesicht. Am Samstag blieben die meisten Reiter am Boden und zeigten den Status Quo ihrer Arbeit. Jossy gab Inputs und Tipps zur Verbesserung der Körpersprache, zu den Führtechniken, zu Stellung und Biegung. Unermüdlich und mit einer enormen positiven Energie strahlte er stets Begeisterung aus.

Ich freue mich für jeden einzelnen Schüler, der von dem Kurs so viel positives mitnehmen konnte.
Besonders stolz bin ich auf unsere jüngste Teilnehmerin Viktoria, die mit ihrem Haflinger „Avanti“ nicht nur einen schönen Ansatz zur Freiarbeit zeigen konnte, sondern auch als einzige nicht nur gebisslos, sondern auch zaumlos mit einem Halsring eine wunderbare Arbeit in Seitengängen, Übergängen und ein wenig Versammlung zeigen konnte. Jossy hatte viele Vorschläge um die Kommunikation der beiden noch feiner zu machen. Ich freue mich schon sehr auf die Fortschritte der beiden.

Aus Wien waren Andrea und ihre Lipizzanerstute Zita angereist, die ebenso wie Kati und Lipizzanerstute Betalka Jossy noch einmal von dieser Rasse deutlich überzeugten. (Sorry, Pascale ;-))

Beide Stuten – sehr unterschiedlich im Typ, aber sehr schnell im Lernen zeigten eine schöne Arbeit mit ihren Mädels.

Drei Isländische Reiter-Pferdeteams waren am Start, die vor allem an der Losgelassenheit und Entspannung sowie an schönen Übergängen feilten. Für Lisa und Sophia war es mit ihren Isis überhaupt Kurspremiere – Susi und Sleipnir waren bereits das zweite Mal dabei – diesmal sogar mit viel Galopp.

Besonders „cool“ waren auch Spanier Idolo mit Eva und Warmblutstute Serenade mit Jaana, die zeigten, was sorgsame Arbeit an der Entspannung bewirken kann.

All day long I can hear people talking out loud

Am Sonntag führte uns Jossy in der Theorie in die Vergangenheit – konkret ging es um die Entwicklung von Jossys Zäumungen Cavemore und Cavesal. Diese Begriffe sind quasi nicht geschützt, daher gibt es einige Kopien des Cavemore oder Cavesal auf dem Markt.

Wie in vielen Fällen zeigt sich: Es ist leicht etwas zu kopieren, aber nicht immer versteht eine Kopie das Original. 

Jossy hat viele Jahre Herzblut, Leidenschaft und Wissen in die Entwicklung gebissloser Zäumungen gesteckt. Beide Zäumungen sind sehr feine Werkzeuge, aber es kommt natürlich hinsichtlich der Anpassung auf das individuelle Pferd und dessen Maße an.

Es gib erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Cavemore-Varianten (Round Type und Stirrup-Type). Wer mehr über die Zäumungen wissen möchte, kann sein Cavesal oder Cavemore direkt auch bei Ralf Schmitt von barock-flair bestellen.

Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr. Wir feilen bereits an den Terminen :-).

Jossy hat einmal mehr gezeigt, dass weniger oft mehr ist – und am schönsten ist die Harmonie, wenn man keine Worte mehr braucht, ein Lächeln aber ausreicht.

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Methode oder Prinzipien

Methode oder Prinzipien

Wie ist denn das in der Akademischen Reitkunst? Muss man da in einem barocken Sattel reiten? Brauche ich eine Holzgerte und Warum?

In meinem Alltag, wenn ich unterrichte oder Kurse gebe, stoße ich immer wieder auf ähnliche Fragen, die die Akademische Reitkunst betreffen und scheinbar auf eine gewisse Methode oder Vorgehensweise reduzieren.

Gleichzeitig nehme ich einen gewaltigen „Methodenstreit“ in der Reiterei wahr.

Mein persönlich größter Meilenstein, den ich durch die Akademische Reitkunst gelernt habe:

„Reite den Inhalt, nicht die Lektion“.

Vielleicht sollten wir uns also auch bei der Methodendiskussion auf Inhalte – oder anders gesagt auf Prinzipien besinnen. 

Vor mehr als drei Jahren habe ich einen Artikel über den „Magischen Knopf“ in der Reiterei geschrieben. Diesen gibt es eben nicht, jedoch suchen die meisten Reiter diesen magsichen Knopf, der sämtliche Probleme zu lösen vermag wie den heiligen Gral.

Diese Suche macht uns dann gerne zu Trainerhoppern, oder Methodenhoppern. 

Suchenden Reitern schlage ich dann gerne vor, ein Wertesystem, ganz für sich selbst, also eigene Prinzipien zu formulieren, die dann auch bei der Suche nach einer Reitweise oder einem Trainer enorm behilflich sein können.

Ich habe für mich selbst, als ich noch auf der Suche war 10 Prinzipien formuliert, die mir als Schüler und als Lehrer wichtig sind:

  1. Das Wohl von Pferd und Mensch steht an erster Stelle.

    Eine „Methode“ darf weder mich noch mein Pferd physisch wie psychisch in Gefahr oder unter großen Druck setzen. Ich möchte weder meine Sicherheit noch die Sicherheit von Mensch und Pferd, die beispielsweise auch noch mit mir in einer Halle unterwegs sind gefährden. Daher arbeite ich auch immer im:

  2. Der Grüne Bereich

    Im Grünen Bereich gibt es die Möglichkeit zu wachsen und zu verstehen. Lernen und Verständnis werden geschult, auch die motorischen Fähigkeiten von Reiter und Pferd    werden verbessert, um so nach und nach über sich hinauszuwachsen und den orangen Bereich allmählich grün zu malen. Niemals wage ich mich daher in den roten Bereich.

  3. Es gibt für alles eine Erklärung. 

    Sicher. Wir können nicht alles wissen und in jedem Bereich Experte sein. Wir können aber gezielt nachfragen. Das war für mich ein großes Argument in der Akademischen Reitkunst. Für alle meine Fragen gab es eine nachvollziehbare und wie sich im Laufe der Ausbildung auch herausstellte überprüfbare Antwort.

  4. Ethik.

    Ich möchte mir nach jeder Trainingseinheit mit jedem Pferd in den Spiegel schauen können und mit mir selbst zufrieden sein. Wie sagt Bent Branderup gerne in seinen Theorievorträgen: Das erste Pferd leidet am Meisten. In meinem Fall war es wohl das zweite Pferd – dennoch habe ich mich seit meinen Irrwegen mit „Barilla“ nie mehr so unzulänglich gefühlt.  Dieser Punkt betrifft eben nicht nur die Ethischen Grundsätze gegenüber dem Pferd, sondern freilich auch gegenüber meinen Schülern, Trainerkollegen und Vorbildern.

  5. Künstlich? 

    Nein Danke. In der Ausbildung meines Pferdes möchte ich nicht auf Hilfszügel oder ähnliche Mittel zurückgreifen, die das Unvermögen von Reiter und Pferd verschleiern oder Unmutsäußerungen des Pferdes unmöglich machen. Das Pferd möchte uns etwas sagen – und das aus sehr gutem Grund. Kunst die künstlich wird lehne ich für mich ab.

  6. Geduld. 

    Eine schwere Prüfung, vor allem für Reiter, die sofort JETZT gerne ein Ergebnis hätten. Gerne wird dann eben auch einer Methode die „Schuld“ gegeben, wenn nicht alles sofort klappt. Viele Dinge brauchten in der Vergangenheit ihre Zeit. Wer beispielsweise eine Fremdsprache in der Schule gelernt hat weiß, dass es dauert, bis man eine neue Sprache flüssig beherrscht. Warum geben wir also auch uns selbst in der Reiterei so wenig Zeit?

  7. Immer positiv denken. 

    Ja, auch das ist nicht immer leicht. Ich bin selbst jemand, der sehr gerne lieber über die „Soll“ Seite nachdenkt, als über das bereits erreichte „Guthaben“ oder „Haben“. Ein Blick zurück zu den Hürden, die bereits hinter uns liegen, stärkt unser Selbstvertrauen und gibt Kraft für neue Herausforderungen. Und auch in diesen liegt ein wunderbarer Schatz verborgen. Wir werden so unendlich viel mehr können, wenn wir hohe Hürden überwunden haben.

  8. Balance.

    Immer, wenn ich meinen Pferden eine Aufgabe stelle, dann muss ich auch an das Gegenteil denken. Tragkraft braucht auch ein gewisses Maß an Schubkraft. die Arbeit an der Kraft benötigt vice versa auch ein gewisses Maß an Ausdauertraining. Und wer alles zu „verkopft“ betreibt, der braucht auch mal ein ordentliches Portion an Freude und Genuss.  Es muss also immer alles im Gleichgewicht sein.

  9. Der Weg ist das Ziel. 

    Wer in Endergebnissen denkt, der hat keine Freude am Prozess des Wachsens und Lernens. Schlüsseln wir also unsere große Wegstrecke in kleine Etappen oder Meilensteine auf, dann haben wir beim Lernen auch messbare Ergebnisse und stellen an uns und unser Pferd nicht gleich die großen Herausforderungen. Außerdem hilft es ungemein alle einzelnen Schritte ordentlich auszuformulieren, das macht klar:

  10. Reite den Inhalt und nicht die Lektion.

    Ich möchte immer wissen, warum, was und wie ich etwas tue.

Diese Grundsätze lassen sich natürlich auch noch weiter ausbauen. 🙂

Wie lauten denn Eure Grundsätze?

Wer sich an Prinzipien orientiert, der Reitet Einfach 😉

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Ein „Paradeseminar“ mit Bent Branderup 

Ein „Paradeseminar“ mit Bent Branderup 

Mitte Oktober, Altweibersommer und ein spannendes Thema, das förmlich jedem Reiter irgendwie unter den Fingern brennt: Die Parade. Das dritte Themenseminar fand gleich in der Salzburger „Nachbarschaft“, organisiert von Andrea Harrer statt.

Was ist eine Parade?

Das ist doch ziemlich einfach. Die Reitkunst „in einer Nussschale“ serviert uns ja bereits der Grieche „Xenophon“ im vierten Jahrhundert vor Christus:

„Reite die Hinterbeine des Pferdes unter seinen Bauch und gib dem Pferd eine Parade, so dass es in den Gelenken der Hinterhand beugt“.

„Wer diesen Satz verstanden hat“– so konstatiert Bent Branderup„hat die gesamte Reitkunst verstanden.“
Bent füllte aber zum Glück die drei Theorieeinheiten mit einigen Sätzen mehr:
So führte er uns zunächst  akribisch in die Gelenke und Knochen der Hinterhand ein. In drei Hauptbereichen wünschen sich Reiter also eine Reaktion, wenn sie eine Parade korrekt durch den Pferdekörper schicken wollen. Das Pferd muss dann die Hüft-, Knie- und Sprunggelenke beugen. Bevor es aber an die Versammlung geht, müssen wir Reiter die Qualität der Bewegung aus der Hinterhand verstehen und bewerten können: Wie setzt das Pferd die Hinterhand ein, wenn es vorwärts gehen soll? Schließen dabei die Gelenke der Hinterhand und kommt es zu einer Dehnung der entsprechenden Muskulatur? Oder schiebt sich das Pferd mit geöffneten Gelenken und kürzt es dabei die Muskulatur ab? Dieses Pferd wäre dann zwar schneller unterwegs, allerdings nicht im korrekten Vorwärts nach der Definition von Gustav Steinbrecht.

Rückenschwung

Mit vielen bewegten Bildern demonstrierte Bent Branderup wie die menschliche Wirbelsäule schwingen kann und warum wir als Menschen auch eine Trabbewegung innehaben. Genau erklärte uns Bent Branderup welche Tätigkeit aus dem Becken zu einer korrekten, dreidimensionalen Schwingung der Wirbelsäule führt.

„Der Schritt hat den größten Rückenschwung. Er ist zwar ohne Schwebephase, die Gangart als schwunglos zu bezeichnen ist jedoch nicht korrekt. Der große Rückenschwung baut daher auch am meisten Rumpfmuskulatur auf“.

Fußt also das innere Hinterbein ab, senkt sich im Idealfall die innere Hüfte nach innen-vorne. Gleichzeitig kommt mit dem schiebenden Hinterbein die äußere Hüfte nach oben. Schwingt der Brustkorb außen nach oben, wird dafür gesorgt, dass das äußere Vorderbein angehoben wird.

„Der Schwung überträgt sich aus der Hinterhand über die Wirbelsäule in die Vorhand de Pferdes. Daher ist diese beim echten Rückengänger ein Spiegelbild für die Aktivität, die in der Hinterhand erzeugt wurde“.

Schulung der Parade

„Wir hätten gerne die Fähigkeit von der Hand ausgehend eine Parade auszulösen. Die Hand ist aber nicht die Parade, wir Reiter möchten nur gerne mit der Hand die Parade auslösen. Wir können das Pferd zwar im Maul mit einem Stück Metall schikanieren, eine korrekte Parade ist das aber noch lange nicht. Daher üben wir beim Akademischen Pferd die Parade zunächst mal im Stand“

Der Reiter steht hier frontal vor seinem Pferd, das zu Beginn der Bodenarbeit mit einem Kappzaum ausgestattet ist. Nun kann der Mensch die gesamten Konsequenzen seiner Handlung und Einwirkung auf das Pferd in der Wirbelsäule sehen.

Das erste Descente

Wenn sich das Pferd bei der Arbeit im Stand dazu auffordern lässt, nach vorwärts-abwärts zu strecken, dann wird diese Reaktion als 1. Descente bezeichnet.

„Das Schwierigste in der Reiterei ist für den Menschen wohl das Nachgeben. Das schreibt bereits de la Gueriniere. Eine Schenkelhilfe kann ich jederzeit verstärken. Das Nachgeben lässt sich aber nicht wirklich verstärken.“

Entspannung Marsch – das gibt es wohl nicht auf Kommando. Das Pferd muss also auch eine korrekte Reaktion auf die Frage aus der Hand erlernen. Im Grunde heißt das: Das Pferd lernt wie ein Kind  Stück für Stück oder Buchstabe für Buchstabe ein gesamtes Alphabet. Bloß: der Mensch ist oftmals kein geduldiger Pädagoge und nutzt dafür allerlei Hilfsmittel, die dem Pferd ein Strecken nach unten eher aufzwingen, denn als Frage formuliert werden.

Kopf runter und rauf auf die Vorhand?

es ist ein Unterschied, ob das Pferd zum Gras fressen den Kopf runter nimmt und die Vorhand belastet. Wir als Reiter müssen aber lernen zu verstehen, wie sich das Pferd gesund bewegt. Nicht das vordere Spielbein, sondern das Standbein ist für uns Reiter on Interesse. Ist es weit unter die Körpermasse geschoben? Wird ein Fesselkopf vermehrt belastet?

Natürlich gibt es auch eine zu tiefe Kopfposition. Das Vorderbein muss im Buggelenk raus schwingen können, so dass es dort auffußt, wo die Pferdenase hinzeigt. Die Hinterhand gibt dem Brustkrob eine Schwungrichtung.

Haben wir also ein korrektes vorwärts abwärts oder ein rückwärts abwärts – in diesem Falle würde die stehende Vorhand eben weit unter den Körper des Pferdes geschoben, der Rückschub dominiert.

Das erste Descente wäre also „Hand vor, Bauch vor“ – das Pferd dehnt sich dann zur gebenden Hand hin. Nur wenn es dies tut, können wir wieder zurück zur Mittelpsition gehen. Der Schwerpunkt wird zunächst also mal im Stehen etwas nach vorne verlagert und dann wieder zurück in Ausgangslage. Diese Theorie wurde dann später natürlich umgehend in der Praxis überprüft. Zunächst ein mal vom Boden, wobei sich schon in der Frage nach der Dehnung zeigte: Pferde können zwischen den Schultern festhalten, manchmal hindert eine Steifheit im Genick zur Losgelassenheit, oder das Pferd steht rückständig und möchte daher einer vermehrten Dehnung ausweichen. Es gab zahlreiche Beispiele, die deutlich zeigten: EIN Beispiel aus dem Lehrbuch ist zu wenig. Es gibt irrsinnig viel zu Lernen und zu Spüren.

Das zweite Descente und die dritte Parade.

Wenn man auf dem Pferd sitzend den Schwerpunk etwas zurück nimmt und das Pferd folgt, dann muss das Pferd einerseits auch wissen, was eine Sekundärfhilfe Hand bedeutet. Denn einerseits folgen die Hände ja automatisch mit, wenn der Reiter seine Körperpositon verändert, andererseits kann das Pferd auch der Aufforderung der Hand folgen.

Wir brauchen ein Pferd im Gleichgewicht. Gleichgewicht ist eine Vorasusetzung für Losgelassenhbeit, ohne Losgelassenheit keine Form. Wenn die Formgebung nicht zur Losgelassenheit fürht ist sie belanglos. Haben wir also das erste Grundgleichgewicht, eine Mittelposition erreicht, dann gehen wir über zur zweiten Parade. Das ist dann eine „Schwerpunkt Parade“. Hier wird überprüft, ob das Pferd der Schwerpunktverlagerung des Menschen folgt, oder ihr ausweicht. Bent Branderup erklärte in der Theorie alle Möglichken Richtungen von Balance und Schwerpunktverlagerung. So schickt der Reiter immer ganz individuell den Schwerpunkt beispielsweise in Richtung Schweif beim versammelnden Schulterherein oder in Richtung der inneren Hüfte beim versammelnden Kruppeherein. Bleibt das Pferd in der Bewegung beim Reiter, selbst wenn die Hand zum Nachgeben kommt? Bleibt das Pferd am Sitz?

Die Dritte Parade ist dann zuständig für die Steigerung der Versammlung. Ein Touchieren der Hinterhand auf der Position der Kruppe fordert die Hinterhand zum Beugen der Gelenke auf? Im Idealfall ja, aber in Theorie und Praxis haben wir auch hier die vielen Möglichkeiten und Fehlerquellen aus dem unendlichen Wissensschatz von Bent Branderup erfahren.

Zeit schön verbringen

Die Köpfe rauchten in Theorie und Praxis. Da in drei Theorieeinheiten und 24 Praxiseinheiten aber noch lange nicht alles über die Parade gesagt werden kann, gibt es 2018 im Oktober eine Fortsetzung in Ainring und auch in Graz werden wir uns schon im Juni vermehrt mit den verschiedenen Richtungen von Schwerpunktverlagerung und Schwung auseinander setzen.

Besonders freue ich mich über zwei bestandene Wappenträger-Prüfungen auf diesem Kurs. Ich gratuliere Marion und ihrer Noriker Stute Zsou Zsou, die ich auch in ein paar Unterrichtseinheiten begleiten konnte und natürlich meiner lieben Schülerin Sonja mit ihrem Quarter Stormy.
Sonja und Stormy kamen  vor zwei Jahren zu uns nach Graz, seitdem darf ich die Beiden regelmässig begleiten. Ich freue mich sehr, besonders da Sonja aus beruflichen Gründen leider schon bald wieder Graz verlässt. So konnten wir noch einmal ganz wunderbar eine tolle Zeit gemeinsam verbringen!

Zeit schön zu erinnern, daran erinnerte uns Bent wie immer in seinem Schlusswort.

„Wenn sich die Kunst der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd entwickelt, dann ist es Poesie. Das Zwiegespräch zweier Lebewesen wird zur Kunst“.

Wie immer garnierte Bent seinen Vortrag mit vielen AHA-Effekten, in der Praxis gab es vielleicht zunächst die Erwartungshaltung, dass in einem Seminar zum Thema Parade vorwiegend die Hand geschult werde? Mitnichten. Es ging riesig ins Detail – oder in die Körperteile des Reiters, der aus dem Sitz heraus durch Drehung von Fußspitzen, Fersen, Knien und Oberschenkel plötzlich noch feiner die Schultern bewegen konnte oder verschiedene Bewegungsrichtungen noch besser bestimmen konnte. Die Stimmung in Ainring war wie immer herzlich und der Austausch ein sehr wertschätzender.

Danke an Bent Branderup für den inspirierenden und Ein großes Dankeschön an „Hausherrin“ Birgit Huber, die uns bis in die späteren Abendstunden mit „wortgewaltigen Schmankerln“ aus Niederbayern versorgt, sowie Andrea Harrer, die für uns immer einen tollen Kurs organisiert! 

Reite die Hinterbeine des Pferdes unter seinen Bauch und gib im eine Parade in der Art, dass es die Gliedmaßen seiner Hinterbeine beugt – eh ganz einfach, oder? 😉

ERP 020: Positiv denken mit Kati Westendorf

ERP 020: Positiv denken mit Kati Westendorf

Die Akademische Reitkunst – das hat mir meine Erfahrung in den letzten Jahren gezeigt – bringt so vielen Pferden ein positives Bewegungskonzept und damit auch mentale Balance.

Äußerst positiv an der Akademischen Reitkunst empfinde ich auch den Austausch mit vielen wissbegierigen und tollen Menschen. Beispielsweise mit Kati Westendorf von Equinality.

Mit ihr spreche ich in der Akademischen Reitkunst über die Verknüpfung von positiver Verstärkung und Reitkunst. Über „abnormale Motivation“, Clickertraining und geteilte Freude, die sich verdoppelt – darüber lädt die aktuelle Podcast Folge zum Reinhören ein:

 


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