Schneller oder langsamer?

Schneller oder langsamer?

Wie viel Vorwärts für das junge Pferd? Das ist für viele Reiter die Gretchenfrage. Den ersten Teil rund um dieses spannende Thema kannst du HIER nochmal nachlesen. 

Der Veterinärmediziner Udo Bürger  sagt zu diesem Thema: 

„Ein Pferd, von dem man aber sagt, es sei ein gerittenes Pferd, das muss gehen gelernt haben. Das geformte anerzogene und ausgelernte Gehen muss ihm zur Gewohnheit werden. Man darf sogar von der Kunst zu gehen können sprechen, ohne damit zu übertreiben. Im Grunde ist die ganze Ausbildung des Reitpferdes eine Schule im Gehen. Die Beherrschung der Gliedmaßen im richtigen Gehen ist die Grundlage des Gangs in allen Gangarten.“

Udo Bürger, Vollendete Reitkunst

Können unsere Pferde nicht gehen?

Konkret geht es um die angestrebte Einheit von Mensch und Pferd. Und für uns Menschen hießt das: 

Die Beschäftigung mit den Hinterbeinen

Hier schreiben beispielsweise Guérinière und Seunig viel darüber, den natürlichen Gang des Pferdes zu erhalten. Bürger schlägt in dieselbe Kerbe und beschreibt den natürlichen Gang als taktmässig und mahnt daher den Reiter unbedingt auf den Rhythmus des Ganges zu achten. 

Rhythm is a dancer…

Rhythmus ist so eine Sache. Mit dem Metronom zu reiten ist vielleicht manchmal zu eintönig. Eine spannende Sache ist die Arbeit und Inspiration durch Musik.
Wie klar ist der Rhythmus? Hat das Pferd einen klaren Takt oder lässt es sich aus dem Rhythmus bringen. Bei einem jungen Pferd habe ich den Rhythmus schon in der Boden- und Longenarbeit beobachtet. Folgt dieser der Musik oder hat das Pferd Schwierigkeiten einen bestimmten Rhythmus einzuhalten? Wie geht es mir eigentlich selbst, wenn ich mich zum Rhythmus einer Musik bewege? Kann ich den Rhythmus halten? Auch eine spannende Frage, wenn es um die eigene Ausdauer geht. Ändert sich der Rhythmus, wenn wir unsere Position in den Sattel verlegen? Einige junge Pferde werden vielleicht den Rhythmus steigern, andere werden sich verhalten – und andere wieder perfekt vom Boden ausgebildet und auf das Reiten vorbereitet werden sich nicht anders, als wie beim gemeinsamen Tanz am Boden verhalten. Wenn wir mit verschiedenen Rhythmen spielen – und hier eignet sich die Bodenarbeit eben auch ganz hervorragend, beispielsweise beim Longieren, denn beobachten wir unser Pferd und finden heraus, welcher Rhythmus dem natürlichen Gang des Pferdes entspricht.  

Große schleppende Tritte sind ein Übel, das von schlaffer Kondition und Energielosigkeit zeugt. Aus kurzen energischen Tritten aber kann der Reiter viel herausholen, sofern die Kraft der Muskeln sichtbar wird. In der Umformung zum Schwung werden sie für jede Leistung lang genug; Sie erleichtern dem weniger Geübten die Arbeit und geben ihm die Chance bei den trittverlängernden Übungen viel zu lernen. Aber die Kraft muss da sein. Kurze gebundene Tritte dagegen, gepaart mit mangelnder Bewegungsfreudigkeit sprechen dafür, dass Hemmungen vorhanden sind, deren Gründe entweder im Körperbau oder in schmerzhaften Zuständen an den Beinen oder im Rücken zu suchen sind. 

Udo Bürger, Vollendete Reitkunst

In unserer neuen Position vom Sattel aus, zeigen wir unserem Jungpferd nochmal alle Hilfen, die wir vom Boden aus erarbeitet haben nochmal. 

Da die Schenkelhilfe in der Bodenarbeit durch die Gerte ersetzt wurde, ist mir eine Übung mit physischem Kontakt sehr wichtig. Dafür gehe ich direkt neben meinem Pferd und lege meine Handfläche in die Sattellage. Ich kann meine Handfläche auch in etwa dort ablegen, wo später mein Oberschenkel aufliegt. Nun denke ich ans Tanzen. Wenn ein Tanzpaar auch ohne Begleitung durch Musik von einem Walzer in einen Cha-cha-cha wechseln kann, dann bedeutet das Einheit, Verbindung, Spüren, Geben und Nehmen von Energie. Kann ich also, über meine Intention, über meinen Körper, wenn ich neben meinem Pferd gemächlich laufe die Energie steigern zu einem flotteren Schritttempo, oder gar zu einem Trab, oder vielleicht zu ein paar Galoppsprüngen? In der Frontosition in der Bodenarbeit vor dem Pferd aber auch in der Longenposition ersetzt die Gerte immer den inneren Schenkel (oder natürlich auch den äußeren Schenkel). Daher spiele ich gerne mit der Energie über den physischen Kontakt – so als kleine „Zwischenstufe“ bevor ich mich das erste Mal auf den Rücken meines Jungpferdes wage. 

Wenn Pferde also verhalten auf den direkten, vortreibenden Schenkel reagieren und damit nichts anzufangen wissen, dann können diese Übungen zur Energieübertragung eine wichtige Lücke in der Ausbildung schließen. 

Wenn das Pferd im Schritt unterwegs ist, denke ich an den idealen Rhythmus, den wir in der Bodenarbeit schon entdeckt hatten und versuche diesen zu fördern – falls nicht ohnehin schon vorhanden. 

Was, wenn der Gang unnatürlich wird? 

Bad news, der Fehler sitzt immer im Sattel. Sobald wir zu sehr eingreifen, sobald wir mit unseren Händen etwas herstellen wollen, was noch nicht ist, wird sich die natürliche Gangfolge verändern. 

Hier kommt erneut das viel zitierte Reitergefühl ins Spiel. Wenn es um Hinterbeine geht, dann müssen wir fühlen und interpretieren können, wann das Hinterbein in der Spielbeinphase ist, wann es als Standbein arbeitet und ob es hier eben gerade aufgefußt ist, oder schon wieder am Abschieben. 

Möglicherweise bietet das Pferd kürzere Tritte an, wenn es die Streckstellung, also wenn es sich vom Boden abschiebt verlängert, der Vorgriff wird aber dabei geringer. Möglicherweise macht das Pferd auch kleine Schritte nach vorne, es kommt mit dem Hinterfuß also nicht in Richtung Schwerpunkt. Das Pferd kann auch aus dem Takt kommen, ungleich fußen, eilig werden, sich zäh anfühlen. Die Möglichkeiten sind vielseitig. 

Der direkte Schenkel, also der vortreibende Schenkel steht somit auf dem Stundenplan. Dabei ist es eben wichtig, dass der Reiter den individuellen, natürlichen Gang des Pferdes im Gefühl hat. Verhält sich das Pferd im Vergleich zur Bodenarbeit? Oder wird es eilig? 

„Das erste Stadium der Ausbildung ist mehr Erziehung als Ausbildung. Aus dem freien natürlichen Gang wird das Pferd durch die treibende Hilfe zum fleißigen Gang angeregt. Geht es fleißig und entschieden vorwärts, dann streckt es sich von selbst und sucht die Zügelanlehnung, die ihm auch gegeben werden soll“.

Udo Bürger, der Reiter formt das Pferd

Zu Beginn halte ich die gerittenen Einheiten sehr kurz. Ich beobachte: Bleibt die Balance erhalten, bleibt das Pferd losgelassen, bleiben Tempo und Takt gleichmässig? Beginnt das Pferd sich ein wenig zu strecken? Dann bin ich mit einer meiner ersten Einheiten voll und ganz zufrieden und steige ab, um mein Pferd auf Augenhöhe ordentlich zu feiern. 

Mit der Zeit steigern wir die Zeit im Sattel, ganz allmählich kommt alles Weitere hinzu, immer die Qualität von Rhythmus, Takt und Tempo prüfend. Es ist nicht immer leicht, das individuelle Tempo des Pferdes zu bestimmen. Manchmal fühlt sich ein Ergebnis ganz gut an, eine Videoaufnahme zur Analyse zeigt jedoch beispielsweise – plötzlich wurden die Vorderbeine rückständig. Zuviel Schub, das Pferd ist nun stark auf die Schultern gefallen. 

Die Gehfreude ist auch „draußen“ sicherlich einfacher zu erhalten. 1995 habe ich meinen Trakehner Wiesenkobold vorwiegend im Gelände und mit Unterstützung im Team Teaching (mit dabei war ein erfahrenes Pferd und dessen Reiter) angeritten. 

Und das mit dem Gelände möchte ich auch weiter so halten. 

„Wie wir wissen sind es die gleichen Muskelgruppen, denen die Hankenbiegung und die Schubkraft obliegt. Daraus erklärt sich die Erfahrung, dass der Wechsel zwischen Reitbahn und Geländereiten mit Klettern für die Entwicklung der Hinterhand am förderlichsten ist. Beides ergänzt sich, das eine ist eine Geschichlichkeitsgymnastik und das andere Kraftsport für die Pferde. Beides ist notwendig“.

Udo Bürger, Der Reiter formt das Pferd. 

Wenn du mehr zum Thema Vorwärts wissen möchtest, dann lege ich dir den Podcast mit Ursula Ursprung ans Herz. 

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Übergänge

Übergänge

Am vergangenen Wochenende war ich zu Gast bei meiner Kollegin Kristina Winholz in Radebeul bei Dresden für einen Tageskurs sowie gegenseitigen Austausch. 

 Am Samstag war ich gespannt auf viele neue Gesichter beim Tageskurs. Und wie immer lasse ich gerne ein spezielles Thema wählen und richte mich nach den Wünschen der Zuschauer.
Thema unseres Wochenendes waren Übergänge. Übergänge sind ein ganz tolles Projekt, wenn wir uns mit dem Fühlen und Verstehen auseinander setzen wollen. 

Warum reiten wir eigentlich Übergänge? 

Es gibt viele gute Gründe um Übergänge zu reiten!

  1.  Der Werkzeugkoffer der Hilfengebung ist diffizil . JedesWerkzeug an sich hat schon seine Tücken, in den Übergängen schulen wir vor allem die Koordinierung der Hilfengebung.
  2. Die Durchlässigkeit des Pferdes wird durch Übergänge verbessert
  3. Die Losgelassenheit des Pferdes wird verbessert
  4. Der Reiter bekommt eine bessere Bewegungsvorstellung des Pferdes
  5. Schulung von Paraden bei Mensch und Pferd
  6. Das Pferd muss seinen Bewegungsablauf ebenso koordinieren
  7. Fitness und Gymnastizierung durch unterschiedliche Rückentätigkeit und unterschiedliche Schwinungsrichtungen in den Grundgangarten 
  8. Übergänge als Überprüfung der Qualität der Ausbildung und Kommunikation
  9. Variationen in der Formgebung vom vorwärts-abwärts zum vorwärts-aufwärts zur relativen Aufrichtung in Relation zur Tätigkeit der Hinterhand
  10. Prüfstein für Gleichgewicht und Geschmeidigkeit
  11. Übergänge fördern die Geschicklichkeit und bereiten für höhere Aufgaben vor
  12. Übergänge fördern die Versammlung
  13. Verbesserung der Tragkraft
  14. Beherrschung der Schubkraft
  15. Entwicklung der Federkraft

Am Anfang ist immer die Theorie

Es gibt verschiedene Arten von Übergängen. Grob eingeteilt unterscheide ich zwischen Übergängen von einer Gangart in eine andere Gangart und Übergänge innerhalb einer Gagnart. Darüber hinaus gibt es auch mehrstufige Übergänge, Übergänge in den Schwungrichtungen und Übergänge zwischen den Schulgangarten. 

Wer sich mit den Übergängen auseinandersetzt, muss sich mit den Bewegungsphasen in allen Grundgangarten befassen:

Schritt

Der Schritt besteht als Viertakt aus einer Folge an aneinander gereihten Schritten. 8 Phasen der Vorwärtsbewegung sind für den Schritt maßgeblich, wobei zwischen Dreibeinstütze und Zweibeinstütze abgewechselt wird. Die Fußfolge ist dabei diagonal und gleichseitig. 

Trab

Der Trab ist eine Bewegung im Zweitakt mit vier Phasen und einem Moment der freien Schwebe. Ein Diagonales Beinpaar wird jeweils gleichzeitig vorwärts bewegt und aufgesetzt. 

Galopp

Der Galopp ist eine Bewegung im Dreitakt mit sechs Phasen. Die Fußfolge ist zB im Linksgalopp: Das Pferd landet nach der Schwebphase am rechten Hinterbein, das ist der erste hörbare Takt, kurz darauf fußen links hinten und rechts vorne diagonal und gleichzeitig (ansonsten wäre der Galopp in seinem Takt nicht korrekt) auf. Das ist der zweite hörbare Takt. Bevor das linke Vorderbein auffusst löst sich das rechte Hinterbein vom Boden, gefolgt vom diagonalen Beinpaar links hinten, rechts vorne. Dies hören wir als den dritten Takt, gefolgt von einer erneuten Schwebephase.

Übergänge zwischen den Gangarten

Hier unterschieden wir zwischen 

  1. Übergänge von einer niedrigen in eine höhere Gangart und von einer höheren Gangart in eine niedrigere Gangart. 
  2. Einstufige oder mehrstufige Übergänge (diese werden gerne auch als leichte oder schwere Übergänge bezeichnet) – wenn vom Halt in den Trab oder Schritt in den Galopp oder vom Schulhalt in die Piaffe ein Übergang erfolgt. 
  3. Übergänge zwischen den verschiedenen Schwungrichtungen (versal, traversal) kombiniert mit verschiedenen Gagnarten
  4. Übergänge zwischen den Schulgangarten

Übergänge beobachten

Wer kennt das nicht? Man lernt einen simplen Tanz in einer Gruppe und stolpert förmlich immer wieder über die eigenen Füße, wenn sich der Rhythmus und Takt ändern. Pferde sind im Gegensatz zu uns keine Bewegungslegastheniker. Pferde können fließend vom Zweitakt in den Dreitakt wechseln, sie schaffen vielseitige Übergänge in allen möglichen Variationen – und behalten dabei immer eine gute Figur. Vor allem wenn wir uns Übergänge in der Natur ansehen. 

Das Pferd bewegt sich in der Natur möglichst ökonomisch und folgt dem Verhalten der Herde, Übergänge werden genutzt, wenn Pferde Freude an der Bewegung haben und miteinander spielen. Wenn wir die Übergänge in der Natur beobachten, dann wird uns auch das korrekte Timing für unsere Hilfengebung bewusst. Auf meinem Kurs habe ich an dieser Stelle Aufnahmen von Konrad gezeigt in Slow-Motion, wobei wir uns hier genau angesehen haben, wann das Pferd wie, welches Bein für den Übergang setzt. Besonders spannend ist dabei die Frage: Wenn Konrad aus dem Galopp in den Trab oder Schritt wechselt – in welcher der oben genannten Phasen wird die neue Gangart eingeleitet?

Übergänge spüren

Die Auseinandersetzung mit einem Thema kann nie alleine in der Theorie erfolgen. Daher haben wir auf diesem Kurs auch eine Menge an praktischen Übungen ausprobiert. Dabei konnten wir untersuchen, wie groß unser eigenes Energielevel sein muss, um vom einen Übergang in den nächsten zu kommen? 

Wie fühlt es außerdem an, wenn der eigene Abschubmoment verstärkt wird oder die Verstärkung in der Spielbeinphase zum Tragen kommt? Einfach gesagt – wir haben ausprobiert. wie sich treibende Hilfen in bestimmten Momenten anfühlen. 

Bei der nächsten Übung haben wir unsere eigene Energieübertragung besser wahrgenommen. Geben wir besser Energie weiter, oder sind wir besser im Aufnehmen von Energie? 

Selbst mal im Schritt, Trab und Galopp zu laufen machte die Wahrnehmung von Entschleunigung und Beschleunigung noch deutlicher – mit welchem Bein legen wir zu, mit welchem Bein bremsen wir? 

Wenn wir uns reiterlich mit Übergängen auseinander setzen wollen, dann brauchen wir Wissen und Gefühl für den Bewegungsablauf sowie die Beinfolgen. Wenn wir wissen, wann welches Hinterbein wo unterwegs ist, dann können wir auch die Übergänge leichter und flüssiger einleiten und tatsächlich beginnen, die neue Gangart zu reiten und nicht mit der alten Gangart einfach aufhören. 

Nun haben wir einfache und mehrstufige Übergänge in der Theorie genau untersucht. Was macht das Pferd bei einem Übergang vom Stehen in den Schritt, vom Schritt in den Trab und vom Trab in den Galopp. 

Wenn wir genau wissen, wie Bewegung eingeleitet wird, dann können wir auch die beste Phase für das Einleiten von Bewegung aus der niederen Gangart in die höhere Gangart bestimmen. Übergänge „von unten nach oben“, fühlen sich meist leichter an. Beschleunigung oder Taktveränderung von einer niedrigen in eine höhere Gangart ist für viele Reiter kein Problem. Kniffleiger ist es bei den Übergängen von einer höheren Gangart in eine niedrigere Gangart. 

Hier  hilft uns die Beobachtung, um das Timing für den Übergang zu optimieren. 

Auch bei mehrstufigen Übergängen müssen wir das Hinterbein beispielsweise im Schritt das äußere Hinterbein ansprechen. das die gewünschte Gangart einleiten soll – und beim Übergang von der höheren in die niedrigere Gangart orientieren wir uns wieder an der natürlichen Bewegungsfolge. Wie arrangiert sich das Pferd selbst, wenn es vom Galopp in den Schritt durchpariert? 

Bleib bei mir!

Eine für Reiter spannende Angelegenheit sind auch Übergänge innerhalb einer Gangrt, die uns helfen können die Balance, Durchlässigkeit, Losgelassenheit, Tempo, Takt und Schwung sowie die Formgebung zu verbessern und in ihrer Qualität zu überprüfen. Das heißt, Übergänge innerhalb einer Gangart sind auch immer Thema für den Reitersit. Bleibt das Pferd „am Sitz“, oder läuft es eher davon, wenn der Reiter etwas zulegt? 

Die Tücken der Übergänge

Herausforderungen und Prüfsteine in Punkto Übergänge gibt es für Reiter und Pferd unzählige. In Theorie und Praxis haben wir die verschiedenen „Wenn…..dann“ Momente durchgedacht und dann auch in der Praxis versucht umzusetzen. 

Mal haben wir vor allem am Fluss gearbeitet, wenn wir einen Übergang in eine Seitwärtsbewegung abgefragt haben. Mal war generell Entspannung und Losgelassenheit bei Übergängen zwischen Schritt und Trab Thema. Wir haben daran gearbeitet, den perfekten Moment zum Antraben oder durchparieren zu entdecken und die Hilfen aufgedröselt – mal mit mehr Fokus auf lösende Paraden oder mehr Fokus auf die Bewegung aus dem Becken des Reiters. Es war auf jeden Fall spannend.

Das Werkzeug zeigen, nicht den Weg

Der Austausch am Sonntag mit Kristina war wie immer spannend. Kristina hört immer aufmerksam zu, überlegt und trifft mit ihren Gedanken oft genau den Punkt!!! Ich freue mich sehr, dass wir uns hier gegenseitig so unterstützen konnten. Völlig wertfrei. Denn selbst als Ausbilder – wir bleiben auch immer Lernende.

Ich freue mich, dass ich in der Akademischen Reitkunst so viele Menschen treffe, die mir aufgeschlossen und neugierig begegnen.


PS: Unterstützen wir uns und lernen wir voneinander – dann Reiten wir Einfach – auch Übergänge 🙂

Wieviel Vorwärts? Teil 1

Wieviel Vorwärts? Teil 1

Wie viel Vorwärts darf es denn sein für das junge Pferd? Wenn es um das korrekte Vorwärts geht, dann scheiden sich die Geister, dann gibt es immer wieder Stoff für lebhafte Diskussionen, vor allem, wenn es um das Thema „Vorwärts und Jungpferd“ geht. 

Mit meiner Trakehnerstute Tabby hatte ich, als sie vier Jahre alt war, die spannende Herausforderung breitbeinig fußende Hinterbeine zu sortieren. Die Aufgabe lautete weiter übermässigen Schub zu kontrollieren und dabei aber nicht die Gehlust abzuwürgen wie einen Motor in der ersten Fahrstunde. Mein Lipizzaner Konrad (Conversano Aquileja) ist das komplette Gegenteil. Viel Veranlagung zu Tragen, viel Veranlagung für Versammlung. Hier ist die Schwierigkeit ebenso ein korrektes Vorwärts zu etablieren aber aus einer ganz anderen Ausgangslage. Spannend!! 

Die Tipps der Alten Meister

Aktuelle Herausforderungen – da lassen sich die Alten Meister immer wieder gerne befragen. 

François Robichon de la Guérinière arbeitete vor allem im Trab. Er nutzte den Zweitakt, um den Vorwärtsdrang gezielt zu kontrollieren – sowohl „stürmischen“ wie auch „faulen“ Pferden kam die Arbeit im Trab zu Gute. Der Schritt wurde in den ersten Schritten der Ausbildung freilich auch hinzugezogen, vor allem um den Bewegungsapparat schonend aufzubauen. 

„Durch den Trab, der die natürlichste Gangart ist, macht man das Pferd leicht in der Hand, ohne das Maul zu verderben und seine Körperteile frei beweglich, ohne diesen zu schaden….Der Zweitakt, bei dem zwei Beine in der Luft und zwei am Boden sind, verschafft den Spielbeinen eine Leichtigkeit, sich zu heben, gehoben zu bleiben sowie vorwärts zu greifen und ergibt dadurch den ersten Grad von Biegsamkeit in allen Teilen des Körpers“. 

François Robichon de la Guérinière

Früher sagte man gewandt, gehorsam und biegsam. Heute sprechen wir von Balance, Losgelassenheit, Durchlässigkeit und Formgebung, selbstverständlich sprechen wir auch von Tempo und Takt, dazu mehr aber später. 

„Ein Pferd, dessen Körper nicht vollkommen frei und biegsam ist, kann dem Willen des Menschen nicht mit Leichtigkeit und Eleganz gehorchen. Durch die Biegsamkeit wird das Pferd zwangsläufig gelehrig, denn es kostet das Pferd dann keine Mühe, das zu tun, was man von ihm verlangt“.

François Robichon de la Guérinière

Womit beginnen? 

2017  kam mein junger Lipizzaner Konrad zu mir, 2018 folgte der junge Amena, ebenfalls Lipizzaner. Wie halte ich es nun mit der Ausbildung meiner Jungpferde?

Am Anfang steht die Beziehungspflege, das gegenseitige Kennenlernen steht an erster Stelle. Ich fasse in einem kurzen Abriss zusammen, wie es dann weiter geht:

Wir verbringen viel Zeit miteinander, tasten uns an erste Führübungen heran. Dazu gehört eine parallele Position neben dem Pferd, eine Frontposition vor dem Pferd und mit steigender Verbindung probieren wir auch aus, wie es ist etwas weiter hinten, neben der inneren Hüfte des Pferdes zu laufen oder seitlich auf mehr Distanz.

Mir ist dabei wichtig, dass wir uns synchronisieren. Darunter verstehe ich, die Einhaltung des gewünschten Abstands, so dass sich Pferd und Mensch wohl fühlen und eine gemeinsame Ausrichtung hinsichtlich der Energie. Können wir also wirklich zusammen bleiben, wenn wir das Tempo steigern oder drosseln? Das ist auch eine wichtige Basis für spätere Aufgaben. Nach und nach erkunden wir die formgebende Arbeit.

„Arbeit“ steht bei meinen Youngstern zwar hoch im Kurs, denn sie sind immer super motiviert. Aber diese Motivation erhalte ich auch gezielt, indem ich die Denkaufgaben abwechslungsreich und spielerisch gestalte und viel draußen unterwegs bin. Die Schulzeit ist sehr kurz gehalten, wenn es darum geht neue Inhalte zu verstehen, zu lernen und zu erinnern. Die Formgebende Arbeit kommt hier in der Bodenarbeit relativ rasch auf den Stundenplan, wenn die Basisübungen absolviert sind.

Wir arbeiten an Stellung und Biegung und dann bestimmt das jeweilige Pferd natürlich das Lerntempo. Konrad und Amena haben sehr rasch verstanden, was ich mit einem inneren oder äußeren Schenkel meine und was die Gerte an der inneren oder äußeren Halsseite angelegt bedeutet. Dann kamen spielerisch erste Seitengänge wie Schulterherein, Kruppeherein, später Traversalen, Pirouetten und Renvers hinzu. An der Longe verfeinern wir die Arbeit auf Distanz und wiederholen alle Inhalte in den drei Grundgangarten. Sich zu versammeln fällt den Buben leicht und sie haben viel Freude dabei – daher nehme ich Vorschläge und Angebote an – bin aber in Anbetracht der körperlichen Entwicklung stets vorsichtig, auch wenn meine Lipizzaner meinen „sie könnten Bäume ausreißen“. 

1994 – mein erstes Jungpferd

Eine Reise zurück in die Vergangenheit. 1994 habe ich meinen Trakehner „Wiesenkobold“ angeritten. Führübungen waren damals auch am Stundenplan aber sicher nicht in der heute gelebten Akribie. Wir sind auch viel spazieren gegangen und haben uns damals mit Longenarbeit befasst. Dann kam nach einem halben Jahr der große Moment. Ich bin aufgesessen und erstmal gestanden.

Kobold war zwar an der Longe gut mit Stimme und Gertensignalen vertraut, aber von oben konnte er alles nicht so recht zuordnen. Ich wollte los reiten und habe meinen Schenkel benutzt. Er hat an meinen Stiefeln geleckt. Ich habe dann meinen Vater und seinen Schimmel als Stützpädagogen hinzu geholt. Auf einer großen Galoppwiese sind wir dann dem Schimmel und seinem Reiter gefolgt. So konnte ich meinen Co-Trainer bitten mal anzutraben oder später mal anzugaloppieren. Kobold lief hinterher und hat schon bald verstanden, was meine Hilfen bedeuten, die er natürlich zu Beginn rätselhaft fand, aber sich in der Übersetzung am Schimmel orientierte. Der Schimmel etwas kurzbeiniger und vom Temperament her nicht der „eiligste“ half Kobold sich zu sortieren – nach und nach konnten wir aber das Tempo steigern und gemütlich nebeneinander her traben. Ich außen, mein Vater innen. Auch so haben wir schon erste Übungen zur Synchronität eingebaut. Aber diesmal mit einem „Führpferd“. 

Und heute? 

Heute war das erste Aufsteigen auf meinen Konrad denkbar unspektakulär. Durch die sehr genaue und viel länger dauernde Vorbereitung, nämlich gut zwei Jahre bis wir wirklich mal „geritten“ sind, war bei Konrad sofort ein Grundverständnis da für meine Hilfengebung. 

Kehren wir zur Eingangsfrage zurück, wie viel Vorwärts braucht man nun? 

Guérinière spricht von zwei Pferdetypen: 

„Die einen halten ihre Kräfte zurück und sind meist leicht in der Hand, die anderen fallen auseinander und schlendern nachlässig weg, wobei sie meist schwer in der Hand sind oder gegen die Hand drücken und die Nase wegstrecken…..

Pferde, die keine besondere Gehfreude zeigen und sich verhalten rät Gueriniere in einen „gestreckten und beherzten Trab zu versetzen, um ihnen Schultern und Hanken zu zu lösen. Im Falle der anderen, die von Natur aus auf der Hnad liegen, indem sie die Nase wegstrecken, muss der Trab erhabener und verkürzter sein, damit man sie vorbereitet sich beisammen zu halten. Sowohl im einen wie auch im anderen Fall müssen die Pferde aber in einem gleichmässigen und steten Trab gehalten werden, ohne dass die Hinterbeine nachschleppen. Sie sollen hierbein von Anfang bis zum Ende mit dem gleichen Schwung gehen, dürfen andererseits aber nicht zu lange getrabt werden.“

François Robichon de la Guérinière

Guérinière liefert somit einen sehr klaren Rat, wie das korrekte Vorwärts etabliert werden kann. 

Und das Tempo? 

Neben Guérinière spricht sich auch Waldemar Seunig für ein gleichmässiges Tempo im Trab aus, betont hier aber vor allem auch den Takt. 

„Der Takt kann dem Willen des Reiters und dem Dressurgrad des Pferdes entsprechend geregelt, also richtig, er kann aber auch zu langsam sein, wenn sich die Tritte in zwar gleichmässigen, aber zu lange dauernden Abständen folgen, oder er kann zu eilig sein, wenn die gleichmässigen zeitlichen Abstände der Tritte zu rasch aufeinanderfolgen. ….Das Pferd verliert den Takt in dem Augenblick, als dieses Gleichmaß verloren geht, die Bewegung also aufhört im physikalischen Sinne eine gleichförmige zu sein, wobei das Pferd dann ins Eilen gerät oder sich zu verhalten beginnt.“

Waldemar Seunig

Balance, Losgelassenheit, Durchlässigkeit – Was kommt zuerst? Die Frage nach der Henne und dem Ei kann so nicht beantwortet werden. Ein gleichmässiger Takt ist ganz sicher auch neben der Losgelassenheit die Grundlage für Gleichgewicht und Formgebung und steht auch am Anfang einer jeden Ausbildung. Ohne Losgelassenheit aber keinen Takt, ohne Balance keine Formgebung und und und. 

Seunig beschreibt ebenso wie Guérinière die Longenarbeit als Grundpfeiler der Ausbildung. Er betont, dass das Pferd zwanglos laufen soll, sich nach Möglichkeit bereits treiben lässt – und – es soll ein natürliches Tempo finden: 

„Hat es beim Longieren seinen natürlichen Trab, in einem Tempo, das es sich selbst sucht, ohne zu eilen, wobei es gleichlange Schritte macht, in einer Haltung, die es von selbst annimmt wird in diesem Trab zunächst auf der linken, dann auf der rechten und dann wieder auf der linken Hand longiert.“ 

Seunig

Alles über den Rücken 

Für die gewünschte Formgebung wünschen wir uns die Hergabe des Rückens. Auch hier betont Seunig, dass man dieses Ziel vor allem im natürlichen Trab erarbeitet, 

„..dem Gangmaß, das sich das Pferd selbst wählt und in dem man es mit ganz loser Zügelanlehnung gehen lässt“

Waldemar Seunig

Aber gleichzeitig betont er die Zügelanlehnung niemals zur Stütze werden zu lassen – das Pferd darf die Reiterhand also nicht als fünftes Bein zu missbrauchen lernen. 

Die Ruhe des Trabes verhindert, dass das Pferd aus der Balance und somit auf die Vorhand kommt. Auch betont hier Seunig die gleichmässige Fußsetzung, die dann den Takt begünstigt. 

„In einem verstärkten Trabtempo oder gar im Galopp wäre ihm das Selbstragen erschwert, es würde entweder ins Eilen geraten oder müßte, um im Tempo bleiben zu können und nicht das Gleichgewicht nach vorne zu verlieren, aus Angst vor schmerzhaften Zügelanzügen mit den Vorderbeinen stemmen, nicht nur auffangend stützen und dadurch Schaden an sehnen und Gelenken leiden.“

Waldemar Seunig

Seunig nennt das erste Ausbildungsstadium die „Periode des natürlichen Trabes“, mahnt aber gleichzeitig Ruhe und Zwanglosigkeit ganz oben auf den Stundenplan zu stellen. Das Pferd mit geräumigem Gang darf nicht verhalten werden, faule Pferde sollen nur soweit angetrieben werden, so dass sie sich nicht verhalten. Das Pferd soll nur so viel tun, damit es in der geforderten Gangart bleibt, dementsprechend spricht Seunig von einem geringen Energielevel.  

Einmal mehr zeigt sich. Ob 1733 bei Guérinière oder 1943 bei Seunig. Pferdeausbildung ist immer individuell. Die Frage nach dem „natürlichen Trab“ kann also nur das Pferd selbst beantworten. Und in dieser Hinsicht ist es sicherlich nützlich, wenn man sich vom Boden aus gut kennt und als Reiter den natürlichen Trab bereits observieren und fühlen konnte – selbst wenn man noch nicht auf dem Rücken seines Jungpferdes Platz genommen hat. 

Achte den natürlichen Trab, dann Reitest du Einfach 🙂


Sei von Anfang an mit dabei…

Sei von Anfang an mit dabei…

Die heurige Sommerakademie war die Beste aller Zeiten….

Immer wenn ich frisch inspiriert von einer Reise nach Hause komme, dann versuchen wir uns an der Umsetzung. Diesmal „klein“ Amena und ich in einer frühen Morgenstunde zum Thema Freiarbeit.

Zum Zeitpunkt der Aufnahmen ist Maestoso Amena drei Jahre alt, er kennt schon ein bisschen Boden- und Longenarbeit. Der Ansatz der Freiarbeit gibt uns eine neue Position, um die schon bekannte Kommunikation zu verfeinern. Amena macht das bei seinen ersten Versuchen ganz toll. Ich bin riesig stolz auf unseren Nachwuchs:

Auf der Suche nach Inspiration?

Du willst mir immer wieder über die Schulter schauen? Dann trage dich hier ein:

Sommerakademie 2019

Sommerakademie 2019

„Das wird die beste Sommerakademie aller Zeiten“, freut sich Bent Branderup, als wir uns Ende Juni bei uns in Graz über die bevorstehende Veranstaltung im August 2019 unterhalten. 

Ich erwidere: „Das sagst du jedes Mal“. Und natürlich gab es jedes Mal ein besonderes Highlight für mich!

Das erste Mal ist immer Besonders, dann gab es schöne Arbeit zu sehen, einen ganz tollen Ritt, eine Demo-Unterrichtseinheit von meinem Kollegen oder einen spannenden Vortrag rund um das Thema Biomechanik. Man lernt neue Freunde kennen und trifft Vertraute wieder. Kurz – jede Sommerakademie ist etwas Besonderes. Diese hier war tatsächlich sehr speziell. 

Mittwoch – und los geht es!

Nach einer „ziemlich“ stressfreien Flugreise (Dass man am Gate als letzte, fehlende Person aufgerufen wird ist schon fast Tradition für mich in Frankfurt) kamen wir heuer zu dritt in Dänemark an. Viktoria Portugal und ich wurden heuer erstmals verstärkt durch Julia Kiegerl. So waren wir quasi eine kleine, aber feine Delegation aus Österreich. 

Traditionell beginnt die Sommerakademie mit der Öffentlichen Abendarbeit, bei der Bent Branderup und Kathrin Branderup-Tannous ihre Arbeit präsentieren, darüber hinaus sind auch Gäste geladen, diesmal Quint Schneider und Marius Schneider. Quint stellte uns zwei seiner Deckhengste der Frederiksborger Rasse vor. Seinen Dantes kannte ich ja bereits aus Erzählungen und Fotos, toll, dieses eindrucksvolle Pferd einmal auch live zu sehen. Beide Hengste kamen quasi direkt von den Deckeinsätzen und es spricht sicherlich auch sehr für die Rasse und ihre Verbundenheit zu ihrem Menschen, dass sich die beiden Herren in der Gegenwart so vieler weiterer Pferde, Stuten wie Hengste so eindrucksvoll präsentierten. Das spricht für die Rasse und die Basisarbeit rund um die Kommunikation.

Bent war mit seinem Trio: Thysson, Dorado und Swan mit dabei. Frederiksborger Thysson begeisterte viele Zuschauer mit seinem Können zwischen den Pilaren, die „nächste Generation“ – PRE Swan und Dorado tanzten zur Klängen der Musik, die äußerst passend gewählt war. Swan, wie immer äußerst temperamentvoll und Dorado mit einem irrsinnig feinen Taktgefühl verzauberten das Publikum. 

Kathrin präsentierte ihre zwei Buben Nebo und Indus. Bei Nebo ging es vorrangig um das Thema Schulterkontrolle in der Boden- und Longenarbeit, mit dem Ziel den Rückenschwung korrekt in die leichte Vorhand zu übertragen. Wie immer war ihre Arbeit völlig unprätentiös und ehrlich auf den Punkt gebracht. Ein großes Kompliment an die Familie Branderup für ihre schöne Präsentation. 

Voll auf den Punkt, passend zur Musik, harmonisch und energetisch zugleich präsentierten sich Marius Schneider und sein Aramis in einer schönen Choreografie in Punkto Bodenarbeit, gepaart mit viel Freiarbeit. Man hätte vermutlich eine Stecknadel in den Hallenboden fallen gehört, so gebannt waren alle Zuschauer von der Darbietung der Beiden. 

Die Abendarbeit vom Mittwoch war wirklich ein toller Start in die Sommerakademie 2019. 

Donnerstag – Auf den Zahn gefühlt

Donnerstag Morgen präsentierten Bent und Kathrin erneut ihre Arbeit mit den Pferden, mit dabei waren auch Cara und Tableau, diesmal jedoch mit viel Hintergrundinformation und der Möglichkeit für viele Rückfragen. 

Am Nachmittag gab es einen Vortrag von Dr. Sandra Engels über die Entwicklung des Pferdeschädels und der Zähne – vom Urpferdchen bis zu unseren heutigen Equiden. Es gab auch viel anschauliches Material zum Abtasten und für ein besseres Verständnis, warum sich Pferdezähne so und nicht anders entwickelt und angepasst haben. 

Pferde brauchen heute große Zähne zur Futterverwertung, darum wurde der Kopf im Laufe der Evolution deutlich größer. Ponyköpfe bei sehr kleinen Tieren wirken oft skurril groß und nicht ganz passend im Verhältnis – der Kopf kann aber aufgrund der Größe der Zähne nicht noch kleiner werden – dies hätte natürlich auch wieder Folgen für die Pferde, für ihr Wohlbefinden, für ihre Psyche und natürlich für die Fähigkeit Futter zu verwerten und zu verdauen. 

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Demonstration von Kathrine Thygesen Buur – ebenfalls zum Thema Schwung. Kathrine arbeitet stark mit Bildern. Stets sucht sie nach den Stärken in der Bewegungskompetenz ihrer Pferde und versucht gleichzeitig den Fokus nicht auf die Schwächen zu legen. Dabei nutzt Kathrine Körpersprache. Was mir besonders gefällt, ist eben den Fokus auf die Stärken des Pferdes zu legen. Wie sich der Mensch in die Bewegung des Pferdes einbringen kann – ein äußerst spannendes Thema. 

Der krönende Abschluss des Tages: Annika Keller hatte zu einer sehr anschaulichen Präsentation geladen. Nicht immer lässt sich alles in Worte fassen – daher gibt es diesmal was zur „Nachschau“: 

Ich freue mich übrigens riesig auf Annika, die Ende Oktober bei uns in Graz zu Gast sein wird. Zum dritten Mal können wir aus Annikas Wissen rund um die Biomechanik schöpfen – und für die kalte Jahreszeit gibt es auch noch ein paar Wellnessideen für unsere Pferde – nämlich einen Massageschwerpunkt

Freitag – Wie es sein soll! 

Ein unglaublich spannender Tag erwartete uns am Freitag. Imke Eisenschmidt wurde von Rebecca Dahlgren unterrichtet. Rebecca zeigte die ersten Schritte vom Boden wie vom Sattel zum Thema Freiarbeit. Imke konnte Rebeccas Input sehr feinfühlig umsetzen – später hat Rebecca dann noch mehr zum Thema Reiten mit ihrem äußerst sympathischen „Bubble“ demonstriert. 

Pia Haas und Quint Schneider hatten ebenso eine gemeinsame Unterrichtseinheit mit Quints Palomino Frederiksborger rund um das Thema Sitz. Auch Kathrine Thygesen Buur und Annett Hofmann tauchten in Kathrines Thema ein: Körperarbeit und positiv verstärken, was bereits gut läuft. 

Das Highlight des Tages war aber sicherlich die Demo von Christofer Dahlgren und Marius Schneider. Die beiden Meister der Akademischen Reitkunst demonstrierten vor allem eines: Zusammenarbeit. Einmal im Jahr treffen sich die Beiden zum Training bei Bent, dabei wird gemeinsam getüftelt, überlegt und die Arbeit gegenseitig besprochen. Beide hatten zuletzt mit ihren Pferden am Thema Galopp gearbeitet und natürlich waren sie auf unterschiedliche Schwierigkeiten und Themenschwerpunkt gestoßen – jeder hatte einen unterschiedlichen Weg bzw. Herangehensweise gewählt – beide kamen sehr schön an das von ihnen definierte Ziel – der wertschätzende und offene Umgang zwischen den Beiden – genau so wünsche ich mir einen kollegialen Austausch unter Reitern aller Sparten. 

Dies wurde auch gleich bei der Sommerakademie gelebt. Parelli Instruktor David Lichman aus den USA war in Dänemark zu Gast tauschte sich intensiv mit der Ritterschaft aus. Ich habe mich sehr gefreut, David wieder zu sehen, hatte ich nach einer Empfehlung von Christofer das Vergnügen seine feine Pädagogik letzten September kennen zu lernen. 

Zurück zum Team Dahlgren-Schneider. Ich denke, ich kann für uns alle sprechen, wenn ich sage, wir hätten noch den ganzen Nachmittag den beiden Herren beim Fachsimpeln zuhören können. Äußerst Unterhaltsam und auch zum einen oder anderen Scherz aufgelegt brachten sie uns natürlich Theorie und Praxis näher – vor allem aber die Erinnerung, dass der Weg manchmal voller Hürden, gleichzeitig aber voller Spaß sein kann! 

Genau so soll Austausch sein. Ein riesiges Dankeschön dafür! 

Enthusiasmus ist einfach ansteckend – und dafür sorgte auch Stine Larsen mit ihrem wie immer anschaulichen Vortrag rund um das Thema Biomechanik. Probleme im Kiefergelenk –  übrigens bei 99 Prozent der Pferde häufig der Fall, Zahnhaken, Kaurichtung, Verspannungen, Knochenplatten, Kaumuskulatur und korrekte Fohlenhaltung. Stine streifte in ihrem Vortrag so viele Themen, die für die Ausbildung von Pferden relevant ist. Kiefer gut, alles gut – könnte man meinen. Auch in dieser Hinsicht freue ich mich riesig auf den Vortrag und Massageinput von Annika Keller, der die Teilnehmer sicherlich auch in Punkto Bewusstsein und Achtsamkeit über Prozesse und Vorgänge im Pferdekörper schärft. 

Ansehnlich demonstrierte Stine jedenfalls, wie Körperarbeit zu prompten Verbesserungen in Punkto Biomechanik führt. Du kannst das auch ausprobieren: Beuge dich nach vorne, um mit der Handfläche den Boden bei gestreckten Knien zu erreichen. Wie weit kommt man nach unten? Wie verändert sich das Ergebnis nach einer fünf Minuten Massage von Kopf und Nacken? 

Verblüffend? Ich weiß 😉 

Freitag gab es dann zum Abschluss noch den Brainpool zum Thema Rückenschwung. Dabei wurde der korrekte und falsche Rückenschwung erörtert, der Rückenschwung beim Reiten, Schwungrichtungen und vieles mehr. Es war tatsächlich spannend und hervorragend begleitet durch meine Kollegin Ylvies Fros. 

Nach dem Abendessen fanden wir uns erneut zum Fachsimpeln in der Halle wider. Der Tag war so kurzweilig. 

Wie immer hat man ständig das Gefühl, nicht alle Gespräche auf der Sommerakademie unter zu bringen, man bräuchte für das Zusammentreffen mit lieben Kollegen aus vielen Ländern einfach mehr Zeit. Da in sozialen Medien und auch oft im „echten Leben“ mehr das Trennende als das Verbindende in den Vordergrund gestellt wird, war die Sommerakademie ein Balsam in Punkto Wertschätzung und Austausch. 

Ein riesiges Dankeschön an Bent Branderup und Kathrin Branderup-Tannous für ihre Gastfreundschaft! Ein riesiges Dankeschön an das Backup-Team, die die Sommerakademie so toll organisatorisch umsetzen. 

Und natürlich ein riesiges Dankeschön an alle Kollegen, die hier ihre Arbeit präsentieren und uns zum Reflektieren und Nachdenken bringen. 

Willkommen 

Samstag, letzter Tag – und ein großer Tag für alle, die neu mit dabei sind. Diesmal war Julia Kiegerl zum ersten Mal mit dabei. Ich begleite Julia seit 2014 vom ersten Schritt in Punkto Akademischer Reitkunst an. Inzwischen ist eine tolle Freundschaft und ein kollegialer Austausch entstanden. Julia und ich unterstützen uns auch oft gegenseitg, so haben wir gemeinsam die Ausbildung von Tierschutzpferd Kea übernommen, die dann auch neue Besitzer gefunden hat und Julia ist im „Team Amena“, unterstützt mich also auch bei der Ausbildung meines Jungpferdes Maestoso Amena. Heuer hat auch Julias Schülerin Tanja eine schöne Arbeit bei ihrem ersten Kurs mit Bent gezeigt und konnte die Boden- und Longenarbeitsprüfung ablegen. Julia ist ein wertvolles Mitglied im „Einfach Reiten Team“ – gemeinsam leben wir im Team ebenso einen wertschätzenden und bereichernden Austausch, der uns in unserer täglichen Arbeit mit unseren Schülern auch weiter bringt. 

Ich freue mich auf die nächste Sommerakademie 2020. Das ist dann sicherlich die beste Sommerakademie aller Zeiten! 

Fotocredit: Celine Rieck

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