Französisch motiviert

Französisch motiviert

Positive oder negative Verstärkung war für François Robichon de la Guérinière (1688-1751) und Antoine de Pluvinel (1555-1620) kein Thema – und das obwohl ihr Konzept einer positiven Pädagogik für die zwei- und vierbeinigen Schüler nicht nur in Frankreich Schule machte!

Wie hätten sich die zwei großen Pädagogen wohl zum Thema Motivation in einem Interview ausgetauscht? Für Ausgabe Nr. 22 der Feinem Hilfen habe ich die Herren fiktiv befragt.

Feine Hilfen: Meine Herren, warum ist es so schwer, ein Pferd für die gemeinsame Arbeit zu motivieren?

Guérinière: Widersetzlichkeit und Ungelehrigkeit, die besonders bei jungen Pferden häufig zu beobachten ist, rührt noch von dem Gefühl der Freiheit her, mit dem sie auf der Weide  herumgelaufen und ihren Müttern zu folgen gewohnt waren. Ungern unterwerfen sie sich zu Beginn der Ausbildung dem Willen des Menschen, der die Herrschaft über sie zu haben glaubt und diese zu weit ausnützt und ausdehnt. Auch gibt es kein Tier, das sich so lebhaft an die erste zu Unrecht erhaltene Strafe erinnert wie das Pferd.

Pluvinel: Strafe mit Maß und Ziel; ich würde behaupten, dass man Pferde überhaupt nicht schlagen darf, weder zu Beginn noch während der Ausbildung, ja sogar bis zum Schluss, wenn es sich vermeiden lässt. Es ist vielmehr nötig, Pferde mit Güte auszubilden und nicht mit Gewalt, wenn es dazu einen Weg gibt. Denn ein Pferd, das seine Lektionen gern ausführt, strahlt viel größere Anmut aus, als eines, das mit Gewalt dazu gezwungen wird. Außerdem kommt es durch Anwendung von Gewalt sehr häufig zu Unfällen bei Mensch und Pferd.

Guérinière: Früher hatte man für den ersten Umgang mit Jungpferden,  spezielle Fachleute. Sie zeichneten sich durch besondere Geduld, Geschicklichkeit, Unerschrockenheit und Fleiß aus. Niemals wendeten sie dabei Strenge und Gewalt an, bevor sie nicht das letzte milde Mittel versucht hatten, das sie sich ausdenken konnten. Durch diese wohlüberlegte Geduld erreichten sie bei den jungen Pferden Vertrauen und Freundschaft zum Menschen, erhielten ihren Arbeitseifer und ihr Selbstvertrauen, machten sie gelassen und von Anfang an gehorsam.

Feine Hilfen: Was ist denn der erste Schritt, um ein Pferd zu motivieren?

Pluvinel: Der Reiter muss zuerst einmal wissen, wer da vor ihm steht. Manche Reiter nehmen keine Rücksicht darauf, wie die Pferde veranlagt sind, ob ihnen Stärke, Geschicklichkeit oder guter Charakter fehlen. Sie werden trotzdem zum Reiten ausgebildet.

Wenn sich ein Pferd weigert zu gehorchen, wird der kluge Ausbilder überlegen, was es davon abhält. Und das kann eben auch eine mangelnde Fähigkeit sein, die vielleicht niemals erkannt werden wird.

Guérinière: Die Ursache der Mehrzahl aller Widersetzlichkeiten bei Pferden ist aber nicht auf schlechte Veranlagung zurückzuführen. Weit häufiger verlangt man Dinge von ihnen, die sie noch nicht leisten können.

Feine Hilfen: Und wenn wir nun ein begabtes Pferd vor uns haben, das prinzipiell „kann“?

Pluvinel: Ich halte es für sehr gut, mit dem Pferd als Erstes Dinge zu üben, die ihm schwer fallen und so eine Vorgehensweise zu finden, bei der es mehr seinen Geist anstrengen muss als seinen Körper. Dabei muss man Acht geben, ihm nicht den Arbeitseifer zu nehmen und seine Gutwilligkeit zu ersticken, denn die Anmut eines jungen Pferdes ist wie der Duft einer Blüte, der – einmal verflogen – nie wiederkehrt. Verloren gegangene Gutwilligkeit kann bei Pferden mit leichtem Körperbau und viel Temperament nur mit großen Schwierigkeiten zurück gewonnen werden. Es ist die unausbleibliche Folge einer unüberlegten Vorgehensweise, dass das freundliche Wesen des Pferdes verloren geht oder es in unverbesserliche Untugenden verfällt.

Guérinière: Von den fünf Sinnen, mit denen alle Tiere genauso wie der Mensch von der Natur ausgestattet worden ist, gibt es drei, mit denen man bei der Ausbildung eines Pferdes arbeitet. Der Gesichtssinn, das Gehör und das Gefühl. Man motiviert und lobt das Pferd, wenn es in der Schulung des Gesichtssinns sich erschreckenden Gegenständen mutig nähert. Kein Tier ist so empfindlich, wie das Pferd. Fahren wir weiter behutsam mit viel Lob für jeden richtigen Schritt fort, können wir auch den Gehörsinn abrichten, indem man es an laute Geräusche gewöhnt. Aber auch auf den Zungenschlag lässt sich das Gehör und somit die Motivation hin richten. Den sanften Ton der Stimme, die ein Reiter zur Liebkosung anwendet, oder auf einen raueren Ton, dessen er sich als Strafe bedient – auch diese Geräusche lernt das Pferd als wichtige Hilfe kennen. Und natürlich spricht der Reiter somit auch das Gefühl des Pferdes an, bestätigt es durch Schmeicheln, korrigiert es durch Tadel. Wichtig ist jedoch, dem vierbeinigen Schüler stets ein gutes Gefühl im gemeinsamen Arbeiten zu geben.

Feine Hilfen: Und diese Hilfen werden durch viel Lob gelehrt?

Pluvinel: Richtig, man muss das Pferd jedes Mal loben, wenn es gehorcht, oder wenn der Ausbilder sieht, dass es ansatzweise eine Lektion oder Übung auszuführen versucht.

Die Pferde können uns nur dadurch verstehen und gehorchen lernen, dass wir sie sofort belohnen, wenn sie tun oder zu tun versuchen, was wir verlangen – durch Loben mit der Hand, der Stimme, oder indem wir ihnen Leckereien wie Gras, Brot, Zucker und dergleichen geben. Aber auch wenn sie etwas falsch machen, muss die Zurechtweisung sofort erfolgen, entweder mit der Stimme, der Gerte, den Sporen oder der Peitsche, mit einem oder höchstens zwei Schlägen – wenn möglich soll man geizig mit Strafen und verschwenderisch mit Lob sein, um zu erreichen, wie ich schon erwähnt habe und immer wieder betone, dass Pferde mehr aus Freude statt unter Zwang mitzuarbeiten lernen.

Gibt der Reiter Hilfen und ist die Reaktion des Pferdes zufriedenstellend, so sollte er es in den Stall zurück führen, um es besonders zu belohnen, auch wenn es nicht mehr als eine halbe Volte beispielsweise gemacht hat. Ich möchte unsere Leser darauf aufmerksam machen, dass es niemals die Quantität sein sollte, die einen wahren Reiter begeistert, sondern die freudige Mitarbeit des Pferdes. Die Anzahl und Dauer von Lektionen nämlich dient nur dazu, dem Pferd ein Ausdauertraining zu verschaffen und man darf sie nicht einsetzen, so lange das Pferd noch nicht willig gehorcht, aberauch nur dann allmählich und mit Vorsicht, um das Pferd nicht zu überfordern.

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Und Action…Sommerakademie 2018

Und Action…Sommerakademie 2018

Die Sommerakademie 2018 hatte es wieder in sich. Aus zahlreichen Ländern Europas kamen Mitglieder nach Dänemark um gemeinsam am Brainpool zu arbeiten, sich auszutauschen, spannenden Vorträgen zu lauschen und vor allem: Eine gute Zeit miteinander zu haben! 

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt”. Friedrich Schillers Gedanken zur „ästhetischen Erziehung des Menschen”

Drei Workshops – ein Gedanke

Maja Caspersen, Janna Behrens und ich hatten bereits im Vorfeld zur Sommerakademie geplant einen „beweglichen“ Workshop in das Programm zu integrieren. 

Maja arbeitete mit Achtsamkeit, wobei sie kleine Bewegungen ins Bewusstsein rückte, Janna forderte die Teilnehmer zum Kizomba Tanzen auf. 

Maja und Janna haben ein besonderes Programm ausgearbeitet – ich bin dankbar Teil dieser Gruppe zu sein.

Ich lud meine Teilnehmer zum Schauspielen ein. 

Wie kann Schauspiel uns Reitern helfen? Nun da gibt es eine ganze Menge. Als ich die Filmschule Wien besuchte, war ich wirklich zuerst sprachlos. Wer glaubt, zu Beginn einer Schauspielausbildung werden Texte gebüffelt – der irrt. Schauspiel zu lernen bedeutet Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper zu entwickeln, Kreativität zu wecken, Bewegung zu spüren, Ausdruck zu schärfen. 

Wie oft hören wir als Reiter, dass wir für Pferde wie Raubtiere wirken. Aber wann sind wir denn Raubtiere, wenn wir in unserem Alltag ein versteinertes „Gut“ auf die Frage, wie es uns geht erwidern. Bloss keine Emotion im alltäglichen Business zulassen. Bloss nicht zeigen, wie es wirklich in uns aussieht. Unsere Pferde entlarven uns natürlich sofort, denn sie können Körper lesen. Durch unseren „verhinderten“ Ausdruck können wir ihnen aber auch oft nicht genau das sagen, was wir sagen möchten. 

Ich möchte euch nun drei Übungen vorstellen, die ich auch im Rahmen der Sommerakademie präsentiert habe. 

Spiegeln von Energie

Bei dieser Übung stellt man sich gegenüber voneinander auf – das heißt also, man braucht dafür unbedingt einen Partner. Die Handflächen werden nun exakt gespiegelt – ohne sich selbst an den Handflächen zu berühren. Jede Bewegung kann gespiegelt werden, die Hand kann sich langsam heben oder senken, oder einen Kreis beschreiben. Wichtig ist, den Augenkontakt zu Beginn nicht zu verlieren und sich gänzlich auf die Energie zwischen den Partnern zu verlassen. Wem dies schon gut gelingt, kann die Augen schließen. Oft ist man sehr überrascht, dass dieses Folgen und Spiegeln von Bewegung auch mit geschlossenen Augen (nach ein wenig Übung) sehr gut funktioniert. 

Was wir bei dieser Übung lernen? 

  • Energie spüren
    • Wer führt? Oft ist man selbst sehr überrascht, dass die Bewegung ohne sich abzusprechen eingeleitet wurde. Wer hat die Führung übernommen, wer ließ sich führen? Oder gab es in der Führungsrolle viel Abwechslung? 
    • Gelingt das Spiegeln auch noch ohne sich anzusehen? Dies ist ja gerade bei der Arbeit mit den Pferden ein großes Thema, da wir sehr intensiv auf unser Pferd schauen, Pferde jedoch mit unserem „Anstarren“ relativ wenig anfangen können. 

Bewegungsraten

So funktioniert`s: Für dieses Spiel brauchen wir mindestens zwei bis vier Teilnehmer. 

Ein oder mehrere Teilnehmer (je nach Gruppengröße) müssen den Raum verlassen. Auf der Sommerakademie haben wir uns dafür entschieden, dass diese kleine Gruppe der größeren Gruppe ein Element aus dem Groundwork Test zeigen muss. In unserem Fall waren vier Personen aus dem Raum gegangen, sie konnten sich überlegen, ob sie Pferd und Mensch darstellen wollten, oder nur als Mensch/ oder nur als Pferd einen Bewegungsablauf zeigen wollten. Der Rest der Gruppe entscheidet sich bereits vorab welche Bewegung er sehen möchte. In unserem Fall war es ein Schulhalt. Je eher die Darsteller dieser Bewegung näher kamen, sie also richtig erraten hatten, umso deutlicher wurden sie positiv bestärkt. 

Was wir bei dieser Übung lernen? 

  • Schult das Teamwork
  • Schult unsere Kreativität
  • Zeigt uns wie sich positives Verstärken anfühlt – einerseits für die Darsteller – denn es kann sehr frustrierend sein kein Feedback zu bekommen, andererseits für die große Gruppe, das Publikum, das Feedback gibt. 

Die Brücke

Dieses Spiel klappt auch nur zu Zweit. Wir stellen uns mit etwas Distanz (2 bis 3 Meter) gegenüber auf. Zwischen uns stellen wir uns eine sehr schmale Brücke vor. Jeder muss die Brücke aus einem sehr dringenden Grund passieren. Nur einer von beiden kann die Brücke passieren – soll heißen: Einer kann vorwärts, der andere MUSS rückwärts. Diese Übung soll uns helfen eine Intention zu behalten. Das Gegenüber darf nicht mit den Händen berührt werden, auch Tritte sind verboten. Ausdruck, Körpereinsatz, Stimme – all das ist erlaubt. 

Bei dieser Übung ist es sehr spannend herauszufinden, wie es sich anfühlt, wenn man sich sehr nahe kommt. Verliert man dann sein eigenes Ziel aus den Augen? Wie fühlt sich diese körperliche Nähe als Druck auch an? Lassen wir uns verunsichern? Es geht bei dem Spiel weniger um Dominanz, als um das Erhalten einer bestimmten Intention. 

Sich nicht auf den Blaubeeren ausruhen…

ja manchmal kann die Sommerakademie schon im internationalen Sprachgefecht neue Worthülsen und Sprichwörter fördern ;-). Gemeint sind natürlich die berühmten Lorbeeren – aber bei über 30 Grad waren wir trotzdem fleissig und haben uns wahrlich nicht ausgeruht. 

Bent Branderup und Kathrin Branderup-Tannous zeigten die Arbeit mit ihren Pferden und wie immer gab es Inspiration, Momente, in denen man sich selbst erkennt, Momente wo man entdeckt – egal ob in Dänemark, Schweden, Norwegen oder Österreich – überall gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Mitgliedern, eine ähnliche Entwicklung, ähnliche Gedanken. Besonders spannend waren Kathrins Erzählungen bezüglich Anspannung und „Schreckmomenten“: Wer kennt das nicht? Das Pferd hat eine besondere „Schreckecke“ in der es immer wieder zusammen zuckt. Kathrin hatte ihre Pferde mit einem Pulsmesser ausgestattet, um auch der emotionalen Anspannung auf die Schliche zu kommen. Ihr Fazit: Wir haben es wie immer in der Hand, wir müssen kreativ sein, wenn wir mit der Anspannung unserer Pferde zurecht kommen und den Pferden mehr Entspannung bieten wollen. 

Donnerstag Nachmittag stand dann noch eine Präsentation von Stine Larsen am Programm. Stine hat die Obduktion einer Pferdevorhand für uns dokumentiert und uns auf eine biomechanische Reise entführt. Besonders spannend ist natürlich auch hier der Austausch, schließlich sitzen ja viele Ostheopathen, Physiotherapeuten oder auch Tierärzte im Publikum, deren Ergänzungen ebenso spannend wie „nachhaltig“ bis in die frühen Abendstunden zum Barbecue reichten. Beim Barbecue wurde Christofer Dahlgren wie immer zum Chorleiter, der die gesamte Ritterschaft dirigierte. Traditionell erheben wir dann das Glas und singen eine schwedische Ode an das Pferd. Den Text können wir übrigens trotz jahrelanger Übung immer noch nicht wirklich gut. Bis in die späten Abendstunden wurde dann diskutiert, geplaudert, gelacht und um das (aus Gründen der extremen Hitze und Trockenheit) nicht vorhandene Lagerfeuer getanzt. 

Freitag wurde es extrem. Der Brainpool hätte ob des hitzigen dänischen Sommers tatsächlich eher einen Pool, als eine heiße Halle gebraucht. Am Vormittag wurden sehr spannende Beispiele aus der Praxis präsentiert. Zwei Quarter Horses wurden live, wie auch per Film präsentiert. Es war schön zu sehen, wie die Arbeit die Vorhandlastigkeit der Pferde, deren Rückenschwung und Lastaufnahme in der Hinterhand verbessern konnte. 

Kathrin Branderup-Tannous und Lucie Klaasen vertieften in ihren Vorträgen das Thema „Vorhand“. Einerseits ging es um korrekte Schwungübertragung, um die Elemente der Akademischen Reitkunst (Balance, Schwung, Tempo, Takt, Losgelassenheit und Durchlässigkeit sowie Versammlung) um das korrekte Anheben des Brustkorbes. Lucie sprach über ihre Erfahrungen mit der Masterson Methode und demonstrierte ein paar Handgriffe am Pferd. 

Besonders stolz war ich natürlich am Samstag, da ich heuer zwei meiner Schüler nach Dänemark mitgebracht hatte. Sonja Grätz und Viktoria Portugal wurden als Wappenträger in die Ritterschaft der Akademischen Reitkunst aufgenommen.

Vielen Dank an CÉLINE RIECK PHOTOGRAPHY – DEDICATED TO HORSES, die uns fotografisch auf der Sommerakademie begleitet hat! (Titelbild, Foto 3 und 5) Foto 1, 2, und und 4: Anna Eichinger und Viktoria Portugal

Es ist immer sehr schön, alte und neue Freunde in Dänemark auf der Sommerakademie zu treffen. Und wie immer kam mit einigen von ihnen der Austausch leider viel zu kurz – umso größer ist d ie Vorfreude auf Dänemark 2019 🙂 

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Kann man auch zu positiv/ zu negativ sein? 

Kann man auch zu positiv/ zu negativ sein? 

Irgendwann bin ich auf Facebook über ein Video gestolpert, das mich schwer beeindruckt hat. Da wurde quasi ein Fisch „geklickert“. Der kluge Fisch musste verschiedene Gegenstände bzw, Symbole wieder erkennen. Die Art und Weise, wie das Tier die Herausforderung gemeistert hat, hat mich sehr schwer beeindruckt.

Die Reise in die Vergangenheit

Ich hatte großes Glück Tür an Tür quasi neben einem Trakehnergestüt aufzuwachsen. Die Pferde waren von klein  auf an Menschen gewöhnt, sehr zugänglich, freundlich und neugierig. Keines der Tiere hatte negative Erfahrungen gemacht, sie waren sehr easy zu handeln. Im Teenageralter durften meine Freundin Kati und ich dann auch die jungen Pferde reiten. Gleicht das erste Aufsteigen auf ein Jungtier heute scheinbar einem Staatsakt, war die Sache damals so unspektakulär, dass wir uns auch überhaupt nicht groß Gedanken darüber machten, was es denn eigentlich heißt innerhalb kürzester Zeit mit einem so lieben und gutmütigen Pferd Schritt, Trab und etwas Galopp – freilich auf noch nicht vollendet rund gebogener Linie – zu reiten.

Wir hatten unseren Spaß, Leckerli gab es damals als exotische Besonderheit zu Weihnachten, vielleicht manchmal ein Stück Karotte. So viel zum Thema Lob, wobei ich hier die emotionale Komponente nicht unerwähnt lassen möchte.Selbstverständlich wurde nämlich vieles positiv bestätigt. Waren die Pferde brav, dann wurden sie ausgiebig gekrault, gestreichelt und mit sanften Worten in ihrem Verhalten bestärkt. Irgendwie war alles ganz locker und ich habe in dieser Zeit den Pferden auch irrsinnig viel zu sagen gehabt.

Später als ich diesen – für mich schon sehr behüteten und geschützten Rahmen – verlassen habe, hatten die Pferde auch viele Botschaften für mich. Allerdings habe ich diese nicht mehr so wahrgenommen. Mein Gehör war verstopft von Ambitionen, von Konzentration und Nebengeräuschen, wie einem Studium, Freundschaften, erste berufliche Erfahrungen.

Positiv und negativ – lässt sich das alles in einen Topf werfen?

Ich habe lange gebraucht, um mit Pferden wieder das für mich bekannte Gefühl aus der Kindheit zu entwickeln. Kaum hatte ich meine geschützte Blase verlassen, war in eine andere Stadt gezogen, verstärkte sich bei mir das Gefühl in einer gänzlich anderen Welt der Pferde zu sein. Ich las viel, ich besuchte diverse Veranstaltungen und wunderte mich über Methoden, die man plötzlich benötigte, um Pferde zu erziehen. Ich möchte nichts aus diesen Jahren als gut oder schlecht bewerten – es war mir nur einfach sehr fremd und ich konnte auch irgendwie nicht damit warm werden. Mir fehlte meine Mitte.

Ich lernte zwei so unterschiedliche Seiten kennen. Auf der einen Seite hörte ich: „Endlich haben wir das Pferd geknackt“; man hatte oft den Eindruck, Pferde würden nur 23 Stunden darauf warten, ihrem Menschen eine Stunde lang am Tag das Leben zur Hölle zu machen. Jegliches Nicht-Funktionieren hätte eine klare Absicht. Auf der anderen Seite lernte ich später einen überdeutlich positiven Zugang zum Pferd. Alles, was vom Pferd kommt ist zu loben. Und stehen 500 Kilo auf meinem Fuß, dann war es meine Schuld.

Das ist jetzt eine deutliche Abkürzung meiner Eindrücke, mir geht es auch nicht um eine Bewertung. Ich beobachte aber, dass wir uns selbst in unserer eigenen Mitte so schlecht finden.

Die Mitte finden?

Erinnern wir uns an meine Geschichte aus meiner Kindheit und Jugendzeit. Wo wir an manchen Tagen den Pferden beim Heufressen stundenlang zuhören konnten. Wo stundenlanges Schmusen mit den Fohlen an der Tagesordnung stand. Ja und es war eine Zeit ohne Social Media, es gab in meiner Kindheit auch noch keine Mobiltelefone. Wenn ich mir ansehe, wie mein junger Lipizzaner auf der Alm nahe Piber aufwachsen durfte, so natürlich, so geerdet, so frei, dann bin ich auch froh, dass ich selbst ähnliche Erfahrungen machen konnte. Vom Barfusslaufen durch den Wald, Schwarzbeeren sammeln im Sommer und dem ewigen Konzert der Grillen bei uns draußen. Vielleicht ist es genau diese Erdung, die heute so fehlt, wenn alles in Extreme abdriftet.

Ich habe Menschen erlebt, die die Beschwichtigungssignale ihrer Pferde nicht deuten konnten und deswegen weiter Druck gemacht haben. Ich habe aber auch Menschen erlebt, die trotz durchaus positiver Haltung und ohne Hintergedanken gar nicht gemerkt haben, dass zu viel Futterlob ihre Pferde ebenso unter Druck oder Zugzwang gebracht hat. Ich bin mit Menschen groß geworden, die niemals etwas über Beschwichtigungssignale erzählten, oder auch nicht mit Futter gelobt haben. Weil sie beides nicht mussten. Weil sie einfach mit dem Pferd waren.

Nochmal: Wer hier ein Plädoyer gegen Horsemanship oder positive Verstärkung herauslesen möchte, liegt falsch.

Wenn ich jedoch zunehmend feststelle, dass uns die Signalerkennung in punkto Kommunikation fehlt, dass wir nicht im Hier und Jetzt sein können, dann lautet die Frage nicht, wovon gibt es Zuviel, sondern wovon haben wir Zuwenig.

Zuviel und Zuwenig?

Ich denke, dass wir in unserer schnelllebigen Zeit auch viel zu viel auf uns einprasseln lassen. Wir hören nicht mehr genau hin. Unser Bauch würde uns nämlich schon verraten, was Zuviel und was Zuwenig ist. Wir würden uns auch wieder trauen mit unserem Körper zu sprechen. Ein Grund, warum ich so gerne auch auf Schauspielübungen für Reiter zurückgreife, weil diese uns auch ein wenig mehr in unseren Körper bringen, Bewusstsein schaffen und Achtsamkeit fördern.

Wir müssten dann auch nicht so stark und vehement über die vielen Pros und Contras streiten, die uns in der Reiterwelt scheinbar trennen. Finden wir unsere Mitte, dann sind wir vermutlich auch für die Pferde erträglicher – und das in vielerlei Hinsicht.

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Mehr zu den Schauspielübungen für Reiter gibt es im nächsten Blog….seid gespannt!

 

Der Megasus Testbericht

Der Megasus Testbericht

Er ist neu, er ist aus der Steiermark, er ist qietsch-orange. Die Rede ist vom Megasus Horserunner, einem relativ neuen Klebebeschlag für Pferde. Meine Pferdedamen durften testen. 

Testbericht Tarabaya

Herbst 2017. Tabby möchte nicht mehr wirklich von der Koppel kommen. Sie ist lahm. Der Verdacht lautet: Abszess. Verordnet werden Leinsamen-„Patscherl“ und Ruhe.
Nachdem sich die Lahmheit trotz aller befolgten tierärztlichen Anweisungen nicht bessert, werden Tabbys Hufe genauer unter die Lupe – besser gesagt unter Röntgenstrahlen genommen.

Was man über Tabbys Hufe wissen muss: Tabby ist stark zeheneng. Betrachtet man Tabbys Hufe bzw. die Beine von hinten, dann fällt eine starke Schiefe bzw. Fehlstellung im Bereich zwischen Fesselgelenk, Krongelenk und Huf auf. Tabby hatte trotz ihrer komplizierten Hufstellung barhuf keine Probleme, sie schien mir nie sonderlich fühlig, sie ist halt typisch Trakehner. 

2009, als Tabby zu mir kam, war sie noch beschlagen. Erst durch meinen Weg in der Akademsichen Reitkunst begann ich auch viele andere Dinge in Frage zu stellen. Ich beschloss Tabby auf barhuf umzustellen, was uns zwar zu Beginn der Umstellung und beim Rauswachsen der Nagellöcher viele ausgefranste und nicht schön anzusehende Hufe einbrachte, trotzdem hat Tabby die Umstellung relativ problemlos bewältigt. 

Ist es dem Reiter durch günstige Bodenverhältnisse möglich gemacht, sein Pferd barfuß gehen zu lassen, so gewinnt er dadurch doppelte Vorteile. Die Natur hat den Huf nicht nur mit großer Zähigkeit, sondern auch mit Elastizität ausgestattet, so dass er die inneren weichen Teile genügend schützen und doch die Berührung mit dem Erdboden mildern kann. Infolgedessen ist der gang eines unbeschlagenen Pferdes nicht nur angenehmer für den Reiter, sondern strengt auch dessen eigene Glieder weniger an, als der des beschlagenen, und die Hufe werden außerdem nicht durch unverständige Schmiede in ihrer gesunden Naturwüchsigkeit gestört. (Gustav Steinbrecht: Das Gymnasium des Pferdes)

Ein Exkurs in die Vergangenheit: Im Winter 2013 läuft Tabby in der Früh auf die Koppel, bleibt in einem gefrorenem Loch hängen und stürzt. Diagnostiziert werden Fasereinrisse am Fesselträger, 9 Monate sollen wir Schritt gehen. Schritt ist Tabbys „schlimmste“ Gangart. Sie ist nicht nur stark zeheneng, sondern tritt in der Hinterhand enorm breit. Im Trab gelingt es uns ihre Beine am besten zu sortieren, daher stellen 9 Monate Schritt an uns eine gewaltige Herausforderung dar. Das Hüftgelenk wird zu stark in Extension gezogen, dadurch wird die Kraft aus der Hinterhand nicht korrekt über die Wirbelsäule übertragen. 

Warum ich das jetzt noch erzähle, wo es doch um Hufe geht? 

Nun, nach der ausgestandenen Fesselträgergeschichte beginnt eigentlich unsere Hufgeschichte. Der Fesselträger wird noch einmal geschallt, wir kontrollieren alles mehrmals und unser Tierarzt ist zufrieden. Jedoch: Kaum trabe ich im Viereck auf weichem Boden eine Tour bemerke ich, dass Tabby eben nicht gerade ist. Ich bin unsicher, ist der Fesselträger erneut verletzt, oder gibt es eine neue Blessur, die ich übersehen habe? 

Die Hufe werden nun zum ersten Mal untersucht. Die Sohle ist recht dünn, ich möchte aber nicht beschlagen. Zum Glück wohne ich genau 4 Minuten vom Stall entfernt, kann also früh morgens bevor es auf die Koppel geht selbstständig einen Hufschutz montieren, der halt am Huf bleibt, bis ich damals am späten Nachmittag von der Arbeit komme. 

Wir kommen so über die Runden, aber nach einigen Monaten kommt es immer wieder zu diesen seltsamen untaktmässigen Tritten. Ich beginne alles in Frage zu stellen. Ich recherchiere, ich beschäftige mich viel mit korrektem Rückenschwung. Ich führe ein Tagebuch: Wann tritt das untaktmässige Treten auf und wann nicht. Ich studiere Videoaufnahmen meines Pferdes, will herausfinden, ob die Sache schon vor dem Fesselträgerschaden zu sehen war, oder nicht. Ich muss dazu auch sagen, dass Tabby nicht nur hinten breitbeinig unterwegs war, auch in den Vorderbeinen war und ist (je nach Bewegungsqualität) das Gangbild „fuchtelnd“- oder ähnlich einem „Schwimmer“. 

Kann es sein, dass die Problematik aus der Hüfte kommt und das Resultat der (unzureichenden) Schwungübertragung in der Vorderhand sichtbar ist? 

Das alles spielt mit Sicherheit auch eine Rolle. Es gibt Höhen und Tiefen. Mal ist alles für mehrere Wochen weg, mal ist es wieder stärker sichtbar. Es bleibt alles schwer zu sagen und einzuschätzen. 

Bis zum Herbst 2017. Dann eben werden Tabbys Hufe wirklich noch einmal deutlicher unter die Lupe genommen. Das Fazit dieser Untersuchung. An jener Stelle wo die Hufwand außen deutlich steiler wahrnehmbar ist, gib es folgenden röntgenologischen Befund: auf dieser Seite haben sich die Hufknorpel sowie der jeweilige Hufbeinast quasi abgerieben. Tabbys Sohle ist nach wie vor dünn. 

Wir verändern die Hufbearbeitung. An dieser Stelle muss ich Sonja Appelt und Stefan Hiebler für ihre Expertise und ihre gute Betreuung danken. 

Wir kommen so relativ gut durch den Winter, bis wir Ende April erneut mit der nächsten Lahmheit konfrontiert sind. Wieder geht Tabby fühlig, wieder ist es am stärksten auf weichem Boden wenn wir auf der linken Hand unterwegs sind. Erneut wird ein Kontrollröntgen gemacht. Wider Erwarten dann jedoch das Ergebnis: An der Situation rund um den betroffenen Hufbeinast gibt es keine Verschlechterung – eher im Gegenteil. Die Fütterug eines Kollagen-Präparats (An dieser Stelle ein Dankeschön für die Empfehlung meiner lieben Kollegin Annika Keller, die mich auf dieses Mittel brachte) hat scheinbar positive Wirkung gezeigt. 

Durch den extrem matschigen Winter ist Tabbys Sohle dennoch eben zu dünn, der Tierarzt empfiehlt neuerdings einen Beschlag mit Einlagen zur Dämmung. Ich bin nach wie vor dagegen, ich möchte Tabby einfach nicht mehr beschlagen, da wir bereits die Erfahrung gemacht haben, dass Tabby – sobald sie eben beschlagen ist – zur Bildung von sehr großen Überbeinen direkt unter dem Karpalgelenk neigt. 

Ich kontaktiere Charly Forstner von Megasus. Charly hat den aktuellen Hufschutz erfunden. Quasi eine Anekdote der Rubrik „Die Welt ist ein Dorf“ – Charly war bereits vor 24 Jahren „mein“ Schmied – besser gesagt der Schmied meines Pferdes. Schon damals lief mein Trakehner eisenlos – mit einem Plastikbeschlag. Durch die Mobilität des Plastik wurde die Befestigung des Hufschutzes jedoch auf eine harte Probe gestellt. Mir hat schon damals der Ansatz gefallen, Charlys Antrieb, etwas Gutes für die Pferde auf die Beine stellen zu wollen – eben – damit die Pferde auf einem guten Fundament laufen können. 

Ich schilderte Charly also meinen Problemfall und eine Woche später schon wurden die Megasus bei Tabby montiert. Mehr zum Megasus erfährt ihr hier.

Tabby lief sofort nach der Befestigung des Hufschutzes einwandfrei und lahmfrei. Von Fühligkeit, sogar auf weichem Boden keine Spur mehr. 

Unmittelbar nach der Montage sind wir ein paar Runden an der Hand in der Halle gelaufen, freilich löst ein guter Hufschutz ja nicht sofort alle Probleme, daher waren nach Rücksprache mit dem Tierarzt noch weitere 14 Tage Schonung am Programm.

Das erste Monat

Gleich mal nach der ersten Woche der Montage hat sich Tabby einen riesigen Ballentritt geholt. Natürlich hat sie sich so über die neu gewonnene Bewegungsfreiheit gefreut – und ja sie kann sich definitiv bewegen, so dass sie sich einen riesigen Ballentritt eingefangen hatte. Der Megasus war davon quasi völlig unbeeindruckt und hielt total fest. 

Beim Reiten im Schritt war gerade zuletzt immer wieder Stocken rechts vorne zu spüren. Rechts vorne war gekoppelt mit links hinten, wo Tabby zudem auch gerne etwas kürzer getreten war. Es braucht vor allem Zeit, um eine jahrelange Schonhaltung aus dem Gedächtnis zu bekommen. 

Mit den Megasus ging diese Umstellung im Schritt jedoch wirklich schnell. Ich war selbst sehr überrascht, wie sich das Gangbild in kürzester Zeit bei vorsichtiger Arbeit nach der Akademischen Reitkunst gewandelt hatte. 

Trab ist Tabbys bevorzugte Gangart. Hier fällt ihr alles leichter. Galopp war in den letzten Wochen und Monaten nicht unbedingt unsere Lieblingsgangart. Ich hatte ständig das Gefühl, irgendwo würde was klemmen. Wir kamen nicht so richtig vorwärts. Trotzdem haben wir den Galopp soweit möglich geübt.

Nach dem ersten Monat Megasus bin ich mit der Qualität des Galopps recht zufrieden. Ob das alleine an den Megasus liegt? Bereits Anfang April hat hier eine Ostheopathie Behandlung von Manuel Flätgen sicherlich auch deutlich geholfen, einige Blockaden zu beseitigen. 

Der zweite Monat

Nach fünf Wochen werden die Megasus für Tabby neu montiert. Leider halten diese Schuhe nur etwas mehr als eine Woche. Als ich Tabby eines Samstags aus der Box hole, sind die Megsus total locker, ich kann den Hufschutz selbst ganz leicht abmontieren und zwicke mit einer Zange die „Flügel“ des Megasus ab. Schade, aber zum Glück wird ein neues Paar dann gleich am Montag in der passenden Sommeredition montiert. Seitdem halten die Megasus wirklich gut und wir freuen uns auf den dritten Testmonat. Tabbys Bewegungsqualität nimmt sukzessive deutlich zu. Dass es eine Sommer und Winter-Variante gibt, ist mir neu, daher……

Ein paar Fragen an Megasus

Warum gibt es jetzt zwei unterschiedliche Materialien, den „Revolution TR20“ und den „Heatrunner“?

Megasus: Für die Zusammensetzung des Kunststoffes haben wir ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt. Unsere Ansprüche an das Material sind hoch: Einerseits sollen die Horserunners flexibel sein und so die natürliche Hufdynamik gewährleisten, andererseits müssen sie Stabilität bieten und trotzdem auf hartem Boden stoßdämpfend wirken. Dies hinzubekommen, war eine echte Herausforderung, dafür haben wir lange mit den zwei Kunststoffkomponenten experimentiert.

Fakt ist: Kunststoff reagiert auf Außentemperaturen. Daher haben wir mit dem derzeit entstehenden Material namens „Heatrunner“ eine Zusammensetzung entwickelt, die bei dauerhaft heißen Temperaturen und Hitzewellen empfohlen wird. Wir haben das Material „Revolution TR20“, also die Kunststoffzusammensetzung der Megasus Horserunners, bei Temperaturen bis zu ca. 25°C erfolgreich getestet und empfehlen es daher für Außentemperaturen bis zu 20°C. Wir haben mit diesem Material eine Zusammensetzung gefunden, die für ein breites Spektrum an Temperaturen geeignet ist und uns in Sachen Abrieb überzeugt hat. Für besonders heiße Temperaturen haben wir den „Heatrunner“ bereits entwickelt. Hier befinden wir uns gerade in der Produktionsphase und der „Heatrunner“ wird ab 2019 erhältlich sein.

Es gibt jetzt drei Varianten für den Megasus – welche sind diese und wie funktionieren sie?

Megaus: Deine Tabby und Pina tragen den Megasus Run’n’Fun für Reitvergnügen auf jedem Terrain. Der Megasus Run’n’Fun schützt die Hufe dauerhaft und wird mit einem Hauch von Mega-GLUE 2-K Kleber punktuell an der Hufwand geklebt. Das ist uns sehr wichtig: Die empfindlichen Hufsohlen bleiben dabei kleberfrei! Wie bei deiner Tabby, die ja unter Fühligkeit und zu wenig Hufmaterial litt, ist es wichtig, dass sich der Huf erholen kann und neues Material nachbilden kann. Kleber an der Sohle könnte sich für Tabby – und für alle anderen Pferde – anfühlen, wie Steine im Schuh.

Mit der Weltneuheit, dem Megasus Med’n’Rehab zum An- und Abklippen wird eine optimale medizinische und orthopädische Versorgung des Hufes jederzeit ermöglicht. Ob bei Hufproblemen, Reha-Pferden, aber auch für überzeugte Barhuf-Fans: Der Megasus Med’n’Rehab mit dem Mega-LOCK System macht schnelles An- und Ausziehen möglich. Das Ganze funktioniert mit einem besonderen Hochleistungsklettband mit charakteristischer Pilzkopfstruktur, das direkt an den Huf geklebt wird, dem Mega-LOCK Tape. Auf diesem wird der Megasus Med’n’Rehab mit einem hörbaren „Klick“ angeklippt.

Unser drittes System ist der Megasus Quick’n’Stick. Dieser befindet sich derzeit in der Test- und Entwicklungsphase. Dieser wird einfach wie ein Heftpflaster an den Huf geklebt und wir sehen großes Potenzial für Wanderreiter und „Selbermacher“.

Eins haben alle Systeme gemeinsam: Sie sind einfach austauschbar! Egal für welches System man sich entscheidet – alle Megasus sind durch das Austauschen der Side-Clips schnell in ein anderes Befestigungssystem verwandelbar. Hat das Pferd einen Hufabszess, dann verwendet man den Megasus Med’n’Rehab und sobald es sich bessert, kann man beispielsweise durch Austauschen der Side-Clips auf den Megasus Run’n’Fun umsteigen und am nächsten Springturnier starten.

In den ersten Werbevideos, wo auf die Crowdfunding Kampagne aufmerksam gemacht wurde, waren die klettbaren Megasus quasi DER Runner. Wieso ist dies jetzt eine Rehaversion?

Megasus: Individualität stand für uns schon immer im Vordergrund, denn für uns sind alle Pferde wichtig. Für uns ist ganz klar, dass wir für alle Pferde das Ende der Eisenzeit einläuten wollen. Daher möchten wir auch unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Die zahlreichen Rückmeldungen von unseren Testern, aber auch von unseren Unterstützern, haben uns gezeigt, dass es zwei große Hauptanliegen gibt: Auf der einen Seite möchten viele mit freiem Kopf drauflosreiten und der Spaß oder der Sport mit dem Pferd stehen hier im Vordergrund. Auf der anderen Seite kontaktieren uns verzweifelte Pferdeliebhaber mit Leidensgeschichten von Rehe-Pferden, Hufabszessen und Fehlstellungen uvm.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass derzeit der Megasus Med’n’Rehab zum An- und Abklippen vor allem in zwei Bereichen unschlagbar ist: im orthopädischen und medizinischen Bereich. Barhuf in Sekunden ist nämlich genau dort unerlässlich, wenn der Huf medizinisch versorgt werden muss wie zum Beispiel bei einem Hufabzess oder wenn man den Huf regelmäßig korrigieren oder bearbeiten muss, wie zum Beispiel bei einer Hufrehe. Der riesige Vorteil ist, dass Korrekturen jederzeit am Huf direkt durchgeführt werden können, so dass z.B. Keile etc. nicht notwendig sind. Aber nicht nur Reha-Pferde, sondern auch eingefleischte Barhuf-Fans, welche die Arbeit nicht scheuen, die ein nicht-permanenter Hufschutz so mit sich bringen kann, sind beim Megasus Med’n’Rehab genau richtig.

Unsere Unterstützer haben uns von Jagdritten, Vielseitigkeits- und Springturnieren erzählt, an denen sie mit dem anklippbaren Mega-LOCK System starten wollten. Dabei ist es ganz wichtig, nicht zu vergessen, dass dieses System eine Weltneuheit ist und, dass es für Barhuffans und Problemhufe entwickelt wurde. Wir haben es nicht für den Turniersport entwickelt und empfehlen daher jenen, die sportlich ambitioniert sind oder bei allen Bodenbeschaffenheiten mit freiem Kopf Gas geben wollen, den Megasus Run’n’Fun mit dem Mega-GLUE System. Doch nicht nur sportlich ambitionierte Reiter, auch Pferde, die dauerhaften Hufschutz benötigen und unter zu wenig Hufmaterial leiden, können sich mit dem Megasus Run’n’Fun erholen.

Was hebt den Megasus Med’n’Rehab von dauerhaft getragenen Hufschuhen ab?

Megasus: Die Megasus Horserunners bilden eine völlig neue Produktkategorie. Es sind maßgeschneiderte Sportschuhe für Pferde. Unser Ziel ist es, das Hufeisen abzulösen.

Die Megasus Horserunners werden direkt an der Hufkapsel befestigt und exakt an den Pferdehuf angepasst, dadurch gibt’s kein Scheuern, Reiben oder Verdrehen. Megasus gehen nie über den Huf hinaus. So kommen sie nicht mit dem empfindlichen Ballen oder Kronrand in Berührung. Dadurch kann man die Megasus auch ohne Probleme dauerhaft tragen.

Hufschuhe an sich sind eine tolle Sache, stoßen aber ab einem gewissen Zeitpunkt und je nach Hufform und Anwendungsgebieten an ihre Grenzen. Lass uns einfach mal an unsere Schuhe denken. Auch wir Menschen haben unterschiedliche Schuhe für unterschiedliche Einsatzzwecke. Wir ziehen zum Beispiel keine „Crocs“ zum Laufen oder Wandern an, sondern tragen dafür lieber stabile Sportschuhe, die uns einerseits Halt geben und stoßdämpfend wirken und sich andererseits unseren Füßen exakt anpassen.

Die Megasus unterscheiden sich nicht nur in der Befestigung, sondern in so vielem mehr. Daraus ergeben sich auch unterschiedliche Anwendungsgebiete.

Mein Fazit

Bislang sind beide Pferde mit dem Megasus sehr zufrieden. Ich freue mich sehr, dass Hufschuhe, verschiedenste Formen von Hufschutz derzeit so „en vogue“ sind. Ich werde natürlich auch meinen Testbericht fortsetzen!

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PS: Da mir die Megasus Horserunners zum Testen zur Verfügung gestellt wurden, muss ich meinen Artikel ordnungsgemäß als „Werbung“ deklarieren. Mein Bericht ist allerdings meine ehrliche Meinung zum Produkt.

 

Schaffst du es alleine? 

Schaffst du es alleine? 

Was war nochmal Thema der letzten Reitstunde? Worauf soll ich in der Bodenarbeit achten? Und woran soll ich überhaupt üben? Selbstständigkeit ist eine schwierige Sache, auch wenn wir uns in der Reitkunst Schritt für Schritt vortasten. Heute eine Anleitung wie es ohne Trainer super klappt. 

Selbst und ständig, das ist mein tägliches Leben. Ich unterrichte mobil, gebe Kurse und treffe viele Menschen in Europa, die eines mit mir gemeinsam haben: Die Leidenschaft für Pferde. Manche Schüler sehe ich wöchentlich, dann sogar mehrmals, manche Schüler monatlich oder sogar noch seltener. Trotzdem kommen alle voran – denn schließlich wünsche ich mir eines ganz besonders: Dass sie unabhängig werden von mir. 

Wie ich selbstständig wurde 

Wie ich unternehmerisch selbstständig wurde ist eine Sache – reiterlich gesehen wurde ich es schon sehr früh. Dies hat  zwei Gründe: Einerseits musste ich zwangsläufig immer wieder ohne Trainer auskommen, andererseits hat mir das selbstständige Üben und Tüfteln rund um das Geigenspiel sicherlich auch eine Menge geholfen. Ich würde mich aber generell eher als Tüftler und Grübler bezeichnen, der seine Gedanken gerne ausprobiert. 

Und machmal war ich dazu einfach gezwungen – wenn sich Trainer und Wegbegleiter beruflich wie privat verändern, wenn man einfach einen gemeinsamen Weg nicht mehr weiter verfolgen kann. 

Ich habe also sehr selbstständig mit meinen Pferden gearbeitet. Dabei habe ich mir meistens schon vorab Notizen gemacht: Was war gerade das bestimmende Thema in der Ausbildung. Welche Schwierigkeiten konnte ich sowohl bei mir als auch dem Pferd orten? Auf welchen Stärken konnte ich aufbauen? Je tiefer die Analyse, umso größer die Erkenntnis.

Schreib`s auf 

Schon beim Verfassen der Notizen, beim Formulieren klarer Ziele habe ich eine Menge über mich und meine Pferde erfahren. Selbstverständlich habe ich am Tag nach der letzten Trainingseinheiten nochmal die Vorab-Notizen überprüft und mit dem Gefühl, das ich einen Tag nach der Trainingseinheit hatte abgeglichen. Wo waren meine Gedanken und Taten vom vorweg formulierten Ziel abgesprungen, wo war ich kreativ, was hat mein Pferd vielleicht plötzlich aus dem Ärmel geschüttelt. Was fällt mir, was fällt meinem Pferd besonders schwer. Wie kann ich diese Schwierigkeit in einzelne Schritte, auf ein Minimum zerlegen und dann Puzzleteil für Puzzleteil wieder zusammen setzen? 

Diese Vorgehensweise unterstreicht einfach nur, welcher Lerntyp ich bin. Ich würde mich primär zu den auditiven Lerntypen zählen. Eine Zusammenfassung über sämtliche Lerntypen gibt es hier: 

Wenn ich bei Bent Branderup Kurse besuche oder mich bei Trainerkollegen fortbilde frage ich bei Unklarheiten nach und wiederhole die Frage plus Antwort, um sicher zu gehen, dass ich die Hinweise und Tipps korrekt verstanden habe. Auch die Wiederholung und laute Formulierung helfen mir dabei, im Eifer des Gefechts nichts zu vergessen. 

Ich bin somit auch dankbar, wenn meine Schüler über die verschiedenen Lerntypen bescheid wissen und mir auch Feedback geben, wie sie am besten lernen. Soll ich ihnen eine Skizze zeichnen, etwas niederschreiben? Einige Schüler nutzen auch die Möglichkeit ihre Stunde zusammen zu fassen und mir zu mailen. Auch wenn eine Kleinigkeit vergessen wird, die Vertiefung der Stunde durch das gezielte Formulieren und gedankliche Wiederholen ist sehr hilfreich. Und was dann fehlt, das ergänze ich durch Stichworte gerne. 

Ich bespreche am Ende einer Stunde sowohl den Inhalt der vergangenen Unterrichtseinheit, als auch die zu wiederholenden Inhalte – sprich – die Hausübung. So gehe ich sicher, dass das Warum und Wieso der kommenden Schritte eindeutig ist. 

Ich habe leider nichts geübt….

Sicher. Manchmal spielt uns das Leben, der Alltag einen Streich und wir kommen wirklich nicht ausreichend dazu zu üben. Wenn aber der Alltagsstress nicht als Ursache festgemacht werden kann – was war dann das Hindernis? 

Möglichkeit 1: Ich weiß gar nicht, was ich üben sollte

Zwischen den Trainingseinheiten empfiehlt es sich Bausteine aus der letzten Trainingsstunde zu wiederholen. Das muss nicht die Stunde als Ganzes sein, das können wirklich auch Einzelbereiche sein, bis man das Gefühl hat: Das sitzt, das habe ich gut verstanden. Ich könnte diesen Inhalt auch jederzeit einem Kollegen aus dem Stall erklären. 

Wenn man sich wirklich nicht sicher ist, was man üben soll, dann hilft ebenso die Reflexion über die letzte Trainingseinheit. Was war hier der Schwerpunkt? Welche Übungen wurden durchgenommen und welcher Zweck liegt möglicherweise dahinter? Warum üben wir eigentlich beispielsweise das Schulterherein? 

Möglichkeit 2: Ich habe die letzte Trainingseinheit vergessen

Daher die Empfehlung, die Ergebnisse und Erlebnisse, alles Gefühlte und auch Nicht-Gefühlte aus der letzen Einheit mit dem Trainer zu notieren und somit auch unmittelbar nach der Einheit zu wiederholen. Manche Schüler zeichnen ihre Stunden auch per Video auf. Dann kann man immer wieder mal nachsehen. Ich selbst halte auch meine Unterrichtseinheiten auf Kursen fest und bin dann immer wieder überrascht, wie viele Hinweise mir nicht unmittelbar und sofort im Gedächtnis geblieben sind. 

Möglichkeit 3: Ich habe zu weit gesteckte Ziele

Egal ob das nun die Reitkunst oder andere Ziele im Leben betrifft. Groß denken ist gut. Es entfacht unsere Fantasie und Begeisterung. Aber je kleiner die Zwischenziele umso erreichbarer und messbarer sind diese. Ein Beispiel: Der Traum vom Weiterkommen. Sehr oft glauben Reiter, nichts ginge weiter. Die Ziele sind aber sehr unklar definiert, obwohl das Pferd beispielsweise deutlich vertrauensvoller und gelassener oder die Verbindung eine weitaus feinere wurde haben sie das Gefühl, nichts ginge weiter. Ein großes noch undefiniertes Ziel liegt vor ihnen – oder wie Bent Branderup in seinen Kursen so schön sagt:

„Die meisten Reiter wissen nicht was sie wollen, aber sie wollen es jetzt“. 

Wer sich kleine Ziele vornimmt und – Achtung – Wiederholung – diese deutlich ausformuliert kann auch öfter einen Etappensieg feiern. Das sorgt für Freude und macht dem Frust den Garaus. 

Möglichkeit 4: Ich will gar nicht selbstständig werden

Ich sag es jetzt leider ganz unbequem deutlich: Manchmal muss man seinen inneren Schweinehund aber überwinden. Natürlich ist es bequem eine genaue Anleitung zu bekommen. Natürlich ist es einfacher, nicht über jeden Schritt nachdenken zu müssen. Wer den inneren Schweinehund überwindet hat aber wesentlich mehr vom Leben. Zieht sich überall durch. Nicht nur in der Reiterei. 

Selbstständigkeits-Meister

Sie erstaunen mich immer wieder. Die Rede ist von jenen Kursteilnehmern, die mir meist sehr vorsichtig und schüchtern erzählen, sie haben mal versucht aus diversen Lehrvideos oder nur vom Zuschauen von Kursen gelernt. Ich staune dann oft nicht schlecht, wie gut sie die Körpersprache und die verschiedenen Hilfen in der Bodenarbeit übernehmen konnten. Ich staune nicht schlecht, wenn sie sehr genau beschreiben können, was sie unter sich im Pferdekörper fühlen. Ja, wenn der passende Lerntyp und eine gehörige Portion Begeisterung fürs Tüfteln und Ausprobieren aufeinander treffen, dann kann man sogar sehr viel aus dem Internet oder aus Büchern lernen, ohne von Beginn an den direkten Unterricht mit dem Trainer zu nutzen. So etwas ist tatsächlich möglich. 

Technik und Gefühl 

Die Technik ist eine Sache, die man aus Büchern, Videos, Lernplattformen oder eben im direkten Kontakt mit einem Trainer lernen kann – das Gefühl muss man wirklich beim Üben entwickeln. Und wer sich fragt, ob denn nur die talentierten Meister vom Himmel fallen? Nein, die mit „Sitzfleisch“ und Ausdauer – gemünzt auf die vielen Wiederholungen beim Lernen. Einen Podcast dazu gibt es hier 

Und jetzt – wie gehe ich es an? 

Mein persönlicher Tipp: Am Anfang steht ein Ziel und eine Bestandsaufnahme. Wie sieht der aktuelle Ausgangspunkt aus, von dem wir loslegen? Welche Schritte der Basis sind vorhanden, wie gut sieht mein Fundament aus. Was klappt gut und was noch nicht. Unbedingt auch immer formulieren, was eigentlich gut funktioniert! 

Aus den formulierten Zielen ergeben sich auch die Übungen. Was ist notwendig, warum sollte was geübt werden? In welcher Position kann ich meinem Pferd momentan am meisten helfen/ wo stehe ich mir möglicherweise selbst im Wege? 

Gibt es eine letzte Trainingsstunde aus der ich schöpfen kann, die mir Anleitung zu Üben geben kann? Kann ich meinen Trainer um Rat fragen, wenn ich meine Hausübung ausformuliere? 

In welchen Abständen wäre es gut Kontrolle und Feedback zu bekommen – welche Abstände tun auch mir selbst gut, um ausreichend reflektieren und feilen zu können? 

Tagesverfassung und Situationselastizität 

Auch wenn ich mir ein bestimmtes Ziel für den heutigen Tag vorgenommen habe. Es kann sein, dass ich – im Stall angekommen weder mental noch physisch in der Lage bin, die heutige Struktur im Training unterzubringen. Na und? Auch das macht nichts. Ebenso kann auch das Pferd einen schlechten Tag haben. Für die genaue Planung sollte man folgende Dinge berücksichtigen: 

  • Tage, an denen man das wiederholt, was man recht gut kann. 
  • Tage, an denen man mal was Neues oder Schwieriges ausprobiert. 
  • Tage, an denen man einfach schön mit dem Pferd Zeit verbringt, beim Zusammensein, beim Lesen eines Buches auf der Weide, bei einem gemeinsamen Spaziergang, beim ausführlichen Betüddeln.

Ich wünsche gutes Gelingen auf dem Weg zur Selbstständigkeit 

 

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