Wenn es klemmt, dann suche Symptome und Ursachen!

Wenn es klemmt, dann suche Symptome und Ursachen!

Schulterherein wird gerne – zitiert nach Nuno Oliveira – als Aspirin der Reitkunst bezeichnet. Der Beipackzettel des Schulterherein verspricht viel, von den Nebenwirkungen und Hirnverknotungen für den Reiter mal abgesehen. Für manche Inhalte und Übungen bräuchten Reiter aber häufig selbst ein Aspirin – wenn es denn mal klemmt.

Im Inteview mit Bent Branderup für die Ausgabe Nr. 23 der Feinen Hilfen habe ich einige Stolpersteine  zusammengefasst und mit einem neuen Beipackzettel aus Sicht der Akademischen Reitkunst versehen.

Was würde denn ein Beipackzettel für ein korrektes Vorwärts aus Sicht der Akademischen Reitkunst enthalten?

Bent Branderup: Wenn wir uns auf Gustav Steinbrecht berufen, dann wird das Vorwärts in erster Linie definiert vom Unterschied zwischen einem nach rückwärts rausschiebenden Hinterbein und einem vorgreifenden Hinterbein. Mit seinem Leitsatz „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ nimmt Steinbrecht also deutlichen Bezug auf den vorwärts greifenden Hinterfuß, der stets dominieren muss. In der Hinterhand des Pferdes stehen die Gelenke in einem bestimmten Winkel zueinander. Diese sorgen für eine Kraftübertragung aus der Hinterhand in das Becken und weiter in die Wirbelsäule des Pferdes. Überwiegt der Vorgriff der Hinterhand, kommt die Wirbelsäule in eine dreidimensionale Schwingung. Der Reiter kann dies vor sich, aus dem Sattel am Genick des Pferdes beobachten. Dieser Schwung ist bereits im Schritt am Größten, das Auge kann hier bereits geschult werden, indem es überprüft, ob die Schädelbasis in der Bewegung nach vorne-unten oder nach hinten-oben federt. Im ersten Fall überwiegt der Vorgriff, im zweiten Fall der Rückschub. Die Bewegung der Schädelbasis nach hinten-oben ist ein wichtiges Indiz für den inkorrekten Rückenschwung, wobei wir als als Reiter das gewünschte „an die Hand herantreten“ dann auch sogleich deutlich vermissen. Dieses an die Hand herantreten und somit ein angenehmes Gefühl in der Reiterhand, welches sich in Lockerheit und Losgelassenheit äußert, kann nur über den korrekt gearbeiteten Rückenschwung entstehen.

Nach welcher Ursache müssen wir suchen, wenn wir das Vorwärts im Pferd vermissen?

Bent Branderup: Rein physiologisch ist das Hüftgelenk am meisten am Vorgriff des Hinterfußes beteiligt. Wenn sich das Hüftgelenk aber eher öffnen möchte, also in eine Extension kommt, wie es bei einem Kutschpferd durch kräftigen Rückschub der Hinterhand der Fall  wäre, dann haben wir bei unserem Reitpferd diesbezüglich ein Problem – denn hier suchen wir nach einem Schließen der Gelenke, besonders in der Versammlung. Der Grund für eine vermeintliche „Faulheit“ beim Pferd ist also auch oft im Hüftgelenk zu suchen, wenn sich das Gelenk nach hinten raus öffnet, fällt das Pferd auf die Schulter. Das Phänomen des blockierten Rückenschwungs äußert sich dann – je nach der Besonderheit des einzelnen Individuums in einem hibbeligen oder einem trägen Pferd.

Steinbrechts meist zitiertem Leitsatz lässt er auch gleich eine Warnung folgen: Ich meine mit vorwärts nicht zu schnell. Wie erkennt der Reiter denn, wann das Tempo zu schnell oder zu langsam wird?

Bent Branderup: Man erkennt ein „zu schnell“ ebenso in der Tätigkeit des Hüftgelenks – wenn sich in der Bewegungsphase des Abschubs eine deutliche wahrnehmbare Linie zwischen Hüftgelenk und Kniescheibe abzeichnet, dann war der Rückschub zu dominant, das Hüftgelenk wurde zu sehr geöffnet. Vom Sattel aus muss sich der Reiter aber auf sein Gefühl und seine Wahrnehmung verlassen: Hier zeigt uns erneut die Bewegung aus der Schädelbasis den korrekten Rückenschwung. Daher gibt es in den Turnieraufgaben auch das Überstreichen, wobei der Reiter kontrollieren kann, ob das Pferd bei deutlich nachgebender Hand unter dem Reiter bleibt oder davon eilt. Hält die Hand das Pferd fest, dann kann auch der Rückenschwung festgehalten sein. Wer also nicht loslassen kann, weil das Pferd sonst davon stürmt, wird leider feststellen, dass das Pferd nicht im Gleichgewicht vorwärts unterwegs ist.

Ist ein Pferd für uns unbequem, dann muss es das auch für sich selbst sein – wenn der Reiter also nicht zum Sitzen kommt, dann spüren und hören wir den harten Niederschlag der Vorderbeine, meist verursacht durch zu hohes Tempo.

Für den Anfänger bedeutet das, wenigstens ein so ruhiges Tempo zu wählen, dass er durch die Beschleunigungskräfte die Gelenke des Pferdes nicht in Mitleidenschaft zieht. Daher rate ich gerne aus gesundheitlichen Gründen sehr vorsichtig unterwegs zu sein. Vorsichtig kann aber auch „zu langsam“ bedeuten. Hier müssen wir lernen „Langsam“ von Versammlung zu unterscheiden. Sind wir also unsicher, ob unser Tempo zu langsam gewählt wurde, dann können wir den Blick am stehenden Vorderbein schulen. Ist das stehende Vorderbein in der Stützbeinphase rückständig, also weit unter die Körpermasse geschoben besteht keine Schulterfreiheit. Man darf sich also nicht blenden lassen vom gehobenen Vorderbein, welches eben nicht der Indikator für gute Schulterfreiheit ist.

Ein niederes Tempo macht also die Kräfte, die auf die Gelenke wirken „milder“,  sowohl bei „zu schnell“, als auch „zu langsam“ blockiert jedoch eine vermehrte Belastung der rückständigen Vorhand die Schulterfreiheit. Treibende Hilfen sind nur dann effektiv, wenn das hinten raus schiebende Hinterbein tatsächlich im Vorgriff verbessert werden kann. Ständig treibende Hilfen bedeuten jedoch, dass der Hinterfuß eigentlich permanent nach hinten herausraus geschoben hat. Bei korrektem Vorgriff aus der Hüfte heraus muss der Reiter nicht mehr dauerhaft nach dem Vorwärts fragen.

Wenn das Vorwärts fehlt, wie kann man es erneut erarbeiten?

Bent Branderup: Erst muss man sich klar machen, ob der Fehler vom Reiter im Sattel ausgeht: Drückt eine rückwärts einwirkende Hand die Hinterhand nach hinten raus? Ist es der Sitz, der dem korrekten Rückenschwung im Weg ist? Wurde die Halsformgebung übertrieben? Oder finden wir gar einen Mangel in der Bewegungsqualität des Pferdes? In 80 Prozent der Fälle können wir von Reiterfehlern ausgehen. Die restlichen 20 Prozent können wir meist einer mangelnden Fähigkeit des vorher erwähnten Hüftgelenks zurechnen. Da das Hüftgelenk ein Kugelgelenk ist, können wir hier zum Glück mit durchdachter Arbeit einiges mobiler machen. Auch muskuläre Dysbalancen können wir durch schonende Gymnastizierung verbessern, bei Problemen mit Sehnen und Bändern stellt sich die Arbeit langwieriger dar.

In der Praxis bilden wir unsere Schüler zunächst in der Bodenarbeit aus – wir schulen also zunächst das Auge des Reiters und schließen damit aus, dass der mögliche Rückschub der Hinterhand von Hand und Sitz verschuldet wird. Durch die Entwicklung einer gemeinsamen Kommunikation mit dem Pferd lernen wir den Vorgriff eines inneren Hinterbeins – das wäre dann im Schulterherein, sowie den Vorgriff des äußeren Hinterbeins im Kruppeherein anzusprechen. Können wir beide Hinterbeine nach vorne arbeiten, dann haben wir in der Versammlung Hinterbeine, die mehr in Richtung Schwerpunkt arbeiten. In besonders schwierigen Fällen müssen wir also erst über die Versammlung die Gelenke geschmeidig machen, dann kann unser Pferd auch mehr vorwärts zulassen.

Wir haben nun über den ersten Teil des Steinbrecht Zitats gesprochen. Nun zur Geraderichtung: Was tun, wenn es hier klemmt?

Bent Branderup: Wir brauchen zunächst auch hier eine Definition von „Gerade“. Hier konzentriert sich Steinbrecht auf das Auffußen der Hinterbeine. Dieser Definition nach werden nur bei korrektem Auffußen die Kräfte über die Fessel-, Sprung,- Knie- und Hüftgelenke an das Becken weiter gegeben. Nur bei korrekter Formgebung der Wirbelsäule kann der Schwung dann von der Hinterhand an die Vorhand übertragen werden – wir sehen dann ein Rausschwingen der Vorderbeine aus dem Brustkorb, so dass diese parallel zur Halsformung schwingen. Das Vorderbein setzt dann dort auf, wo die Nase des Pferdes hinzeigt (außer beim Schulterherein, da schwingen die Vorderbeine etwas außerhalb an der Nase vorbei). Steinbrechts Definition von „Gerade“ liefert  gleichzeitig eine Erklärung der Übertragung der Kräfte der Hinterhand an die Vorhand. Daher darf man „gerade richten“ nicht mit „geradeaus reiten“ verwechseln.

Wenn es also klemmt, muss man erst erkennen, warum der Hinterfuß seinen gewünschten Auffußpunkt nicht erreicht. Hier haben wir unzählige Möglichkeiten – der Hinterfuß kann zu breit fußen, zu schmal oder zu kurz. Mit dieser Analyse alleine ist es allerdings noch nicht getan – wir müssen weiterführend erkennen, wo die Ursache liegt. Ist es das Hüftgelenk, das nicht korrekt nach vorne-unten seine Bewegung ausführt, oder werden Knie und Sprunggelenk, die ja zusammenhängen nicht korrekt gehoben? Wir müssen also das Symptom erkennen und die Ursache bestimmen.

Das klingt nach keiner einfachen Aufgabe für den Reiter?

Bent Branderup: Wenn Kunst leicht wäre, dann wäre sie nicht begehrenswert. Das trifft auf alle Kunstformen zu. Es gibt ja auch kein „bisschen schwanger“. Man ist schwanger- oder man ist es nicht. Soll heißen: Reiten ist keine Sache die im Hauruck-Modus funktioniert. Ich sage aber immer: Die Zeit vergeht. Wir können sie aber sinnvoll vergehen lassen. Weg ist sie ohnehin – also lohnt es sich doch eher Zeit schön zu verbringen und in spannende Lernbereiche zu investieren, auch wenn diese zunächst sehr kompliziert anmuten.

Wie bekommen wir also mit der Zeit eine korrekte Geraderichtung?

Bent Branderup: Ludwig der XIII. fragt seinen Lehrmeister Pluvinel: Warum reiten wir all diese Seitengänge. Er sagt darauf: Damit wir gerade richten können. Wenn die Hinterhand rausfällt und man kann kein Kruppeherein, dann kann man nicht geraderichten. Wenn die Schulter rausfällt und wir können nicht durch Schulterherein korrigieren, dann können wir ebenso wenig geraderichten. Allerdings: Die Dosis macht das Gift. Nur ein korrektes Schulterherein, wobei der Brustkorb nicht über das stehende Vorderbein geschoben wird macht die gesundheitsfördernde Essenz.

Die Empfehlung ist daher zuerst das Auge zu schulen – dementsprechend muss der Reitschüler zunächst den Unterschied mit dem Auge erfassen können, um korrekt gerade zu richten.

In der Akademischen Reitkunst wird dann im Stand auch die Schulung der Parade weitergeführt – wo klemmt es denn hier im Regelfall?

Bent Branderup: Zum Zeitpunkt, zudem ich eine Parade gebe, fordere ich das Pferd auf, das Gewicht  nach hinten zu verlagern. In diesem Moment geht es auch darum die Reiterhand zu schulen, damit diese spürt, ob und wo Widerstände entstehen. Eine Parade ist das Gefühl der Abwesenheit jeglichen Widerstandes. Wenn man allerdings mit den Händen nach hinten drückt, dann zwingt man die Gelenke des Pferdes förmlich zum Gegendruck. Diese öffnen sich dabei anstatt sich zu schließen. Nur bei richtiger Formgebung wird das Pferd nicht auf die Schulter drücken oder im Lendenbereich einen Katzenbuckel zeigen.

Eigentlich gibt es seit 2.400 Jahren einen Satz von Xenophon, der die Reitkunst zusammenfasst: „Wir müssen die Hinterbeine des Pferdes nach vorne reiten und dem Pferd eine Parade geben, so dass es sich in den Gelenken der Hinterhand beugt.“ Alle „Verklemmungen“ die wir nun beschrieben haben, sind quasi in diesem Satz enthalten, den wir heute dem modernen Reiter neu erklären möchten.

Vielen Dank für das Gespräch

Sei immer du selbst

Sei immer du selbst

…oder du kannst ein Einhorn sein. Dann sei ein Einhorn. Über diesen lustigen Spruch bin ich im letzten Jahr immer wieder gestolpert. Könnte man jetzt sagen, eine Begleiterscheinung des Einhorn Booms. Warum aber ein Einhorn sein, wenn man einfach man selbst sein kann? 

Zen und die Kraft des Loslassens

Vor zwei Wochen habe ich mir wieder eine wirklich gute Auszeit für mich gegönnt. Ich habe erfahren, warum Menschen, die Zen praktizieren in Wahrheit zu den ausgesprochenen Genießern gehören. Und wie wichtig es ist, man selbst zu sein. Aber alles der Reihe nach. 

Wie und warum ich meditiere, das habe ich ausführlich in diesem Artikel zusammen gefasst. Ich gestehe ich komme nicht so regelmässig, wie ich mir das aktuell wünschte dazu, mich auf meinen Meditations-Schemel zu setzen und einfach zu „sein“. Wenn es aber nicht klappt – immerhin: Ein ähnliches Gefühl geben mir die Pferde im Zusammensein. Sie bringen mich ganz strikt dazu im Hier und Jetzt zu sein. Mein Lipizzaner Konrad ist da mein Zen Meister schlecht hin. Er merkt tatsächlich sogar wenn meine Gedanken abschweifen und beschwert sich in indem er sein linkes Vorderbein hebt und damit in der Luft herumfuchtelt. Das tut er im Übrigen auch, wenn ich mich ablenken lasse und mitten in unserer gemeinsamen Zeit mit einem Menschen ein paar Worte wechsle. Wie kann das sein? Schließlich verbringe ich ja gerade eine gute Zeit mit ihm? 

Konrad möchte also unbedingt, dass ich die Anna bin. Die Anna, die ihr Handy weg legt. Die Anna, die nicht an die letzten Termine denkt. Wenn ich nicht gut drauf bin, dann ist das auch okay. Ich bin schließlich auch „echt“ wenn ich nicht gut drauf bin. Aber wenn wieder alles in Ordnung ist, dann habe ich tatsächlich das Gefühl, mein kluger Schimmel erkennt den Unterschied. 

Ich habe also ein paar Tage in Stille verbracht. Stille. Meditation. Gedanken lassen sich wie Wolken weiter schieben. Bewusst atmen, bewusst aufnehmen. Bewusst sein. Es war wunderbar. Und manchmal gab es vor Beginn der Meditations Sitzungen auch eine schöne Einleitung, in der unser Seminarleiter ein paar Gedanken mit uns teilte. Gedanken zum Leben. Zu Beziehungen. Zu Erinnerungen. Zum Loslassen. 

Eine Einleitung ist mir in Punkto Pferde ganz fest im Kopf geblieben:

Sei immer du selbst – dann wirst du erfolgreich! 

Ja, das klingt so einfach. Man selbst sein. Man ist doch eigentlich eh immer? Oder nicht? 

Ja wir sind. Aber sind wir auch frei von Konventionen und Erwartungen? Von Druck, der uns von außen auferlegt wird? 

Unsere Pferde erwarten, dass wir ganz bei uns sind, wenn wir mit ihnen zusammen sind. Wenn wir vielleicht auch einen gemeinsamen Inhalt erarbeiten. Nächstes Wochenende ist es soweit. Conversano Aquileja I aka Konrad und ich werden unsere erste gemeinsame Kursreise antreten. 

Gerade die Kurssituation ist so eine, in der wir nicht „wir selbst“ sein können. Manchmal scheitern wir an uns selbst – wir sind nicht konzentriert, wir sind aufgeregt und nervös, wir wollen glänzen und unser Können präsentieren. Wir spüren beinahe schon den Atem der Zuschauer in unserem Nacken. 

Ich sag mal ganz gerade heraus: Als ich mich mit Pferden selbstständig gemacht habe, ist auch mir eine Folge von Druck untergekommen. Ich war schließlich nicht mehr privat mit meinen Pferden auf einem Kurs. Ich fühlte mich unter Beobachtung. Sicher. Das ist auch Teil meines Jobs. Aber es ist schwer, dann unter Beobachtung einfach „man selbst“ zu bleiben. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, dass ich nicht mehr für meine Augen, sondern auch mal für die Augen des Publikums ritt. 

Wie ich aus der Falle getappt bin? 

Ich habe mir das Pferd für Kurse ausgesucht, mit dem ich tatsächlich grad ein Thema hatte.

Nächstes Wochenende werde ich Konrad mit nach Ainring zum Kurs mit Bent Branderup nehmen. Wir waren noch nie auswärts auf einem Kurs unterwegs. Konrad und ich sind grundsätzlich ein sehr gutes Team.
Wir waren aber eben noch nie ein Wochenende für uns und das soll für uns das Thema an diesen Tagen sein. Es geht mir weniger um eine perfekte Performance als um eine gute Zeit. Ich bin einfach sehr gespannt darauf zu sehen, wie unsere gemeinsame Kommunikation vor Publikum funktioniert. Ob alle Hilfen auch noch in einer fremden Halle „sitzen“ und wir trotz Anleitung von außen den Spaß an der Sache nicht verlieren. 

Wenn es nicht klappt? 

Was soll denn nicht klappen? Wenn Konrad und ich aneinander vorbei reden dann reden wir aneinander vorbei. Meine Challenge für mich: Herausfinden, wie sich Konrad in der Fremde fühlt, ob ich Zeichen von Unwohlsein oder vielleicht sogar einer Hyper-Übermotivation (wie es Konrad gerne tut) übersehe oder trotz Ablenkung von außen (auch für mich) wahrnehme und darauf korrekt reagiere.

Es kann nichts schief gehen. Außer das Heu geht aus. Aber das wird nicht passieren. 

Mit Konrad fühlt sich alles prinzipiell immer ganz leicht an. Er ist mein kleiner Strahlemann. Wesentlich schwieriger ist es dafür manchmal mit meinem roten Feuerpferd

Tabby und die Sache mit dem Loslassen

Wir hatten Leichtigkeit und es fühlte sich super an. Es fühlte sich auf dem richtigen Weg an. Wir haben manchmal dann eine Sackgasse eingeschlagen, sind mal falsch abgebogen und mal haben uns rückblickend Verletzungen auf die falsche Fährte geführt. Mit Tabby bin ich aktuell (im Oktober 2018) auf dem Weg zurück zur Leichtigkeit. Es wäre durchaus „fluffiger“ Pina zu satteln, wenn Christofer Dahlgren am 20. und 21. Oktober 2018 nach Graz kommt. Ich könnte relativ easy mit ihr an den Galoppwechseln feilen, ein bisschen mit den Schwingungen im Trab spielen – mal in Richtung Piaffe, mal in Richtung Passage. Wäre easy. Und jeden Moment würde ich genießen. Diesmal ist aber Tabby dran. Mit ihr muss ich in den Momenten sehr genau hinfühlen. Noch fühlt es sich „eckig“ an und nicht immer so „rund“. Tabby gibt sich riesige Mühe, es kann aber auch sein, dass sie sich überfordert fühlt, glaubt eine Herausforderung nicht so zu schaffen und sich dann verweigert. 

Recht hat sie. Sie darf schließlich auch sie selbst sein. Natürlich darf Tabby sagen: „Das trau ich mir nicht zu“. Und natürlich werde ich drauf einwirken und sagen: „Ich weiß ja selbst nicht immer, was der Typ aus Schweden meint, aber ich weiß, gemeinsam können wir es versuchen“. Und dann sind da die Momente, wo wir etwas gemeinsam schaffen. Die Versammlung, der Galopp – was immer es war. Ich möchte diesen Moment gerne länger haben, ausdehnen, darin baden und genießen. Und prompt fällt mir hier aus Beispiel aus der Meditation ein, wo unser Seminarleiter die Geschichte einer Biene erzählt, die mitten in den Honigtopf fällt, mitten ins Zentrum der Begierde und natürlich nicht mehr aus der süßen Falle herauskommt. Hätte sie sich doch am Rand mit weniger zufrieden gegeben. Kann es sein, dass ich manchmal zu viel am Thema Versammlung gefeilt habe? Ja. Das kann absolut sein. Kann sein, dass ich am „Rand“ zur Versammlung bereits zufrieden sein hätte können. Ja absolut. 

Tabby lässt mich so sein wie ich bin. Aber sie wird mir auch sehr deutlich sagen, was sie davon hält. Wir sind aktuell wirklich am Tüfteln und Basteln. Wir arbeiten uns mühsam nach vielen Verletzungen und einer ohnehin biomechanisch schwierigen Ausgangslage (Vorne zeheneng, O-beinig, hinten ebenso breitbeinig, drehend in den Gelenken durch eine schwankende und instabile Hüfte) zurück. Und wir fühlen uns momentan sehr wohl miteinander. Wir geben mal im Galopp zünftig Gas, wir traben auch mal über Stangen oder nehmen sie im Galopp. Wir feilen aber auch daran Hankenbiegung und Vorwärtsbewegung miteinander zu verknüpfen. Ich habe losgelassen und eingesehen, dass ich Ergebnisse, die ich vor ein paar Jahren mit Tabby erarbeitet hatte – SO nicht mehr spüren werde. Das ist auch in Ordnung. Vielleicht sind manche Sachen besser, andere schlechter geworden. Insgesamt sind wir heute anders. Aber wir sind wir und gemeinsam sind wir gut.

Reiten ist mein Beruf. Und oft ist es nicht so einfach eine Grenze zu ziehen – eine Grenze zwischen Beruf und eigener Weiterentwicklung, dem eigenen Sein. Ich habe meine Ziele – für mich und für meine Pferde. Ich habe beschlossen, dass ich mir selbst aber – trotz allem – nicht mehr untreu werden möchte. An erster Stelle steht das Ich sein – das Wir-sein. Tabby ist Tabby und ich bin ich. Wir lassen uns inspirieren und anleiten. Wir gehen an unsere Grenzen und vielleicht können wir diese verschieben. Wichtig ist jedoch: Wir bleiben uns treu und verbiegen uns nicht. 

Ich freue mich jedenfalls auf die kommenden zwei Wochenendkurse. Für Kurzentschlossene  gibt es Zuschauertickets unter folgenden Links: 

Kurs mit Bent Branderup

Kurs mit Christofer Dahlgren 

Zurück in die Stille 

Ich meditiere inmitten einer Gruppe von Menschen, die ich nicht kenne. Freilich, man ist neugierig und fragt sich: Warum sind die anderen hier? Woher kommen sie? Welchen Beruf üben sie aus? Im Grunde ist das alles aber ganz egal. Es ist egal, wer woher kommt, wer was macht und warum er gerade hier ist. Wir sind gemeinsam. Wir achten einander, wir nicken uns höflich zu und begrüßen einander wohlwollend zur Meditation. Diese Höflichkeit erlebe ich als äußerst angenehm und bereichernd. Jeder lässt jeden so sein wie er ist. 

Diese besondere Achtsamkeit und Höflichkeit möchte ich gerne in die Reithallen mitnehmen. Wenn die Kritik an der Bande immer lauter wird. Wenn Vergleiche gemacht werden, wenn man einfach nicht so sein darf, wie man ist. Ja, mancherorts ist es gut den Finger in die Wunde zu  legen und sich für Tiere einzusetzen, wenn Kritik gerechtfertigt ist. Allerdings handelt es sich bei vielen Reitern um Lernende, die gerade dabei sind etwas besser zu machen. Dieses Thema ist alles andere als still. Und je lauter die Sache wird – vor allem in den sozialen Medien – umso weniger losgelassen, durchlässig, taktvoll, in Balance, geradegerichtet und gesammelt sind wir. Spannend, wie viele Parallelen wir für das Reiten aus der Meditation ziehen können. 

Bleiben wir losgelassen bei uns selbst, dann Reiten wir Einfach 😉

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Mr. Play, Smile and Practice – Christofer Dahlgren 

Mr. Play, Smile and Practice – Christofer Dahlgren 

Sommer 2016. Christofer Dahlgren und sein Saxo reiten in Dänemark ihre Höhepunkte aus der Meisterprüfung. Noch nie habe ich so etwas gesehen: Croupade Sprünge und danach Schritt, am hingegeben Zügel, taktklar – unaufgeregt – relaxed. Die Harmonie zwischen den beiden hat jedem Zuschauer Gänsehaut beschert – und ziemlich vielen auch „Pipi in den Augen“. 

Heuer kommt der sympathische Trainer aus Schweden bereits zum vierten Mal zu uns nach Graz. 

Wer Christofer noch nicht kennt – heute eine Vorstellung von Mr. Play, Smile and Practice. 

Der wichtigste Schlüssel im Training? 

Entspannung. Denn ohne sie kann man nicht kommunizieren. Für den einen ist Entspannung eine Sache, die nur in der Ruhe entstehen kann – für Christofer gibt es hier keine Grenzen – wenn sich das eine Pferd im Stehen entspannen kann, muss das andere möglicherweise in Bewegung bleiben. Christofer findet sehr rasch heraus, welcher Ansatz für welches Pferd hilfreich sein kann. 

Wofür steht „Smile“ im Motto? 

Christofer rät dazu, immer mit einem Lächeln im Gesicht zu trainieren. Der Reiter soll herausfinden, was sein Pferd gerne macht und lächeln. Lächeln als positive Verstärkung für Reiter und Pferd. Die Arbeit soll immer mit einem Lächeln begonnen werden – das nimmt den mentalen Druck vom Pferd. 

Die wichtigsten Punkte in Christofers Training? 

  • Entspannung
  • Leichtigkeit zwischen den Hiflen
  • Balance und „more roundness“
  • Energie herstellen, Energie steigern bis hin zur Versammlung

Weniger ist mehr? 

Am Anfang in Christofers Training befindet sich die Entspannung, Leichtigkeit, Baance und Durchlässigkeit. Ein Detail nach dem anderen wird hinzugefügt. Wir können ja schließlich nicht alles auf einmal haben. Um ein ausbalanciertes Pferd zu bekommen, müssen wir an Geraderichtung und Biegung arbeiten. Der erste Schritt ist aber herauszufinden, wie wir überhaupt auf das Pferd zu gehen – wenn wir beispielsweise nach einer Biegung fragen. Wer nach weniger fragt, wird mehr ernten. Wir sollten das Pferd nicht ständig unter Druck setzen. Seien wir auch mit einem guten Ergebnis für den Moment zufrieden. Wenn wir auch nach weniger fragen, haben wir auch mehr Gelegenheit dem Pferd den Zweck der Hilfen und Übungen zu erklären. 

Weniger zu machen ist sehr wichtig, allerdings neigen wir eher dazu ständig mehr zu tun. Wenn ein Pferd beispielsweise zu viel Schulterherein anbietet, korrigieren wir eher mit einem Kruppeherein, anstelle einfach weniger Schulterherein abzufragen. Das Ergebnis mag jetzt das gleiche sein, allerdings ist der Zugang für das Pferd ein deutlich anderer.

Mach dem Pferd ein Geschenk

Die goldene Regel von Christofer Dahlgren? Mach dem Pferd ein Geschenk. Man muss seinem vierbeinigen Partner immer etwas anbieten. Aber welche Geschenke braucht welches Pferd? Hier lässt sich Christofer nach einem Konzept der Pferdepersönlichkeiten leiten, das ursprünglich von Pat Parelli entwickelt wurde. 

Was brauchen left brain Pferde? Sie sind selbstsicher, mutig, vertrauensvoll, ruhig und tolerant. Was brauchen right brain Pferde, die zurückhaltend, ängstlich und misstrauisch sind, zu Überreaktionen neigen, umgekehrt aber auch sehr folgsam sein können? Christofer möchte dem Pferd keinen Stempel aufdrücken – aber ein wenig mehr Beschäftigung mit der Psyche des Pferdes bringt uns auch für das tägliche Training viel Kreativität: Lässt sich das eine Pferd mit einer längeren Pause bei der Arbeit belohnen, möchte das nächste unbedingt ein Leckerli und lässt sich auch dadurch rasch wieder motivieren. 

3 Schritte beim Lernen

  • Zuerst soll das Pferd eine Hilfe verstehen. 
  • Kontinuität schafft Entspannung
  • Regulierte und gleichmäßige Grundgangarten in den Übungen. 

Reaktion und Antwort? 

Für Christofer ist es ganz wichtig, dass das Pferd wirklich eine Antwort gibt und nicht einfach nur auf uns reagiert. Ein Beispiel: Das Pferd hat die Übung „Kruppeherein“ verstanden, die Hilfen des Menschen dafür in der Bodenarbeitsposition allerdings noch nicht. Sobald der Mensch die Gerte hebt, um in Richtung Hinterhand zu zeigen, „wirft“ das Pferd förmlich seine Kruppe nach innen. Das Pferd erinnert sich an die Übung, hat diese aber noch nicht mit der entsprechenden Hilfengebung in Verbindung gebracht. Der Mensch lobt trotzdem, die Reaktion des Pferdes, da ihm nicht bewusst war, ob das Verhalten des Pferdes tatsächlich eine Reaktion oder eine Antwort war. 

Esel, Maximus oder Timon? 

Wie uns Disney Figuren bei der Einschätzung unserer Pferde helfen können? Christofer hat 2017 dazu einen sympathischen Vortrag gehalten und uns mehrfach zum Lachen gebracht. Welche berühmte Comic Figur wäre wohl unser Pferd? Und wie würde es sich in dieser Rolle verhalten? Was macht die Rolle so typisch? Diese Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit unseres Pferdes kann so eine Menge Spaß bereiten und oft zu sehr treffsicheren Aussagen über das Pferd und die Beziehung zum Pferd führen. 

Galopp und Vorwärts

Tja, es gibt so ein lustiges Sprichwort über die Akademische Reitkunst: Im Stehen über Schritt, im Schritt über den Trab und im Trab über den Galopp nachdenken. Böse Zungen würden sogar behaupten, manchmal fehle das Vorwärts. 

Nun, da wurde die Rechnung nicht mit Christofer Dahlgren gemacht. 

Im heurigen Kurs wird der Kursschwerpunkt am korrekten Vorwärts, bei Losgelassenheit und Entspannung liegen, um die Enerige so zwischen Schub- und Tragkraft für die Reitkunst nutzbar zu machen! 

Neugierig geworden? Weitere Informationen gibt es unter:

Ich freue mich auf ein Wiedersehen und Kennenlernen beim Kurs mit Christofer Dahlgren 🙂

Kurs mit Christofer Dahlgren

Die Dressur für das Pferd

Die Dressur für das Pferd

Die Dressur ist für das Pferd und nicht das Pferd für die Dressur. Dieser Satz prägte mein Umdenken rund um Pferde maßgeblich – und zwar nicht nur einmal. 

Ich feiere heuer mehr oder weniger ein Jubiläum. Vor zehn Jahren startete ich meine Reise in die Akademische Reitkunst – und seitdem hat sich auch in der Akademischen Reitkunst so einiges getan. 

Es war ein glücklicher Zufall, der mich zum Umdenken brachte. Zuvor verrannte ich mich in eine Sackgasse. Nach einer ziemlich geglückten Ausbildung rund ums Pferd in meiner Jugend war ich plötzlich ratlos. Wer meinen Weg zur Akademischen Reitkunst gerne genau Nachhören möchte – ich habe dazu einen Podcast verfasst. 

Die Dressur für das Pferd – nichts machte mehr Sinn für meine Stute Barilla. Und so tauchten wir gemeinsam in die Akademische Reitkunst. Hinterfragten Schritt für Schritt noch einmal genau, warum wir was eigentlich tun. Mein Pferd dankte es mir. 

Mit dem „heißen Ofen“ Trakehner Tabby habe ich die Dressur nicht nur mental sondern auch physisch nutzen können. Ebenso profitiert hat natürlich meine Przedswit Stute Pina, die tastbare Wirbelbrüche im Schweif und wohl unfallbedingt einen Beckenschiefstand hat. 

Mir fallen noch etliche Beispiele ein: Besonders ans Herz gegangen ist mir die Reise von Blida und Katharina Gerletz, die ihr hier noch einmal nachlesen könnt. 

Wir nutzen also die Dressur unweigerlich für das Pferd – aber gibt es ein Genug? Gibt es ein Limit? 

Immer wieder hat mich auch Bent Branderup nachdenklich gemacht, wenn er über die schwierige Ausbildung seines PREs Cara erzählte. Wir sind hier quasi im selben Boot: Sowohl Tarabaya als auch Cara fußen extrem breitbeinig, werden dadurch schwer in der Vorhand und steif im Hals. 

Durch eine Fehlstellung an den Hufen war Tabby auch seit September 2017 immer wieder lahm. 

Dazu kam durch die Lahmheit natürlich eine Gewichtszunahme und seelische Unausgeglichenheit meines Pferdes. 

Den Winter verbrachten wir also sehr auf der Stelle. Und das meine ich nicht nur wörtlich. Wir haben sehr an der Versammlung gearbeitet – forsches Vorschwingen und damit Tabbys Stärke zur Geltung bringen – ihre raumgreifenden Gänge – das war leider nicht am Stundenplan, aber ab dem Frühjahr möglich, als sich ihr Gesundheitszustand insgesamt besserte. 

Das Unmögliche möglich machen

2014 haben wir von Bent noch ein wenig erfreuliches Feedback auf einem Kurs bekommen. Tabbys Schubkraft war so enorm, der Gang schwankend, die Hüfte so schwer zu stabilisieren. Ich habe schwer geschluckt, als es hieß, mein Pferd würde sich wohl mit Hankenbeugung sehr schwer tun. Ob das je möglich sei? 

Es war möglich. 2015 haben wir Bent dann bei unserem Kurs davon überzeugt, mit dem Verständnis der Schulparade kamen dann noch weitere Möglichkeiten in der Ausbildung meines Pferdes hinzu. Momentan arbeiten wir daran Hankenbeugung von einer statischen Position in die Dynamik mitzunehmen. Daher ist auch die Quantität der Hankenbeugung maßgeblich an der Qualität der Bewegung beteiligt. Ein Thema, das wir kniffelig, tricky und ungemein spannend finden. 

Zurück zum Unmöglichen. Auch ich habe mich damals immer wieder gefragt, ob es meinem Pferd gut tut, so genau an so vielen Details zu üben. Ihr Bewegungskonzept war nun einmal breitbeinig, die auffußenden Gelenke haben gewackelt und sich arg im Sand gedreht – und an schlechten Tagen muss ich die Bewegungsqualität wirklich gewissenhaft überwachen. Ich will und wollte Tabby möglichst lange gesund erhalten – und nur deswegen habe ich detailverliebt an Kleinigkeiten gearbeitet – schließlich lebt man mit einem gesunden Bewegungskonzept besser. 

Steigende Ansprüche

Wir reiten keine Turniere, wir stellen uns mit unserem Können den Ansprüchen der Ritterschaft der Akademischen Reitkunst und dort gibt es auch Meilensteine in Form von Prüfungen auf die man hin trainieren kann. 

Ansprüche, die auch steigen. 

Immer wieder habe ich mich gedanklich dem Spagat stellen müssen. Bin ich ehrgeizig? Habe ich ehrgeizige Ambitionen oder geht es tatsächlich nur ums Dazulernen? Ich habe mich fast schon schlecht gefühlt, als ich dann einen Youngster in mein Vierbeiniges Team geholt habe, der quasi keine körperlichen Herausforderungen in die Ausbildung mitbringt – und mental einfach der absolute Hammer ist. 

Nun war ich mit dem Gedanken konfrontiert, dass hier die Gefahr begraben liegen könnte zu ambitioniert mit diesem talentierten Jungspund umzugehen. Was liegt zwischen Ambition und Ehrgeiz? 

In der Ritterschaft sind die Ansprüche für Prüfungen in den letzten Jahren – nicht zuletzt wegen des steigenden Niveaus im Bereich der Bodenarbeit angehoben worden. Auch das Squire Level wurde angehoben, heute sind Wappenträger (Squire) befähigt, Ringprüfungen abzulegen. Weitere Informationen dazu unter auf der Seite der Ritterschaft

Jedes Pferd kann alles lernen? 

Ja – und auch jeder Mensch. Wenn Zeit keine Rolle spielt. Das wäre jetzt mal die kurze Antwort. Und Zeit kann für oder gegen uns arbeiten. Wenn wir etwas am besten gestern schon haben wollten, dann kann es nicht gut für die mentale und physische Ausbildung des Pferdes sein. Wenn wir uns aber Zeit nehmen, dann kann Zeit bekanntlich alle Wunden heilen. 

In meinen Gedanken um meine eigenen Ambitionen habe ich daher beschlossen: Für meine Pferde spielt Zeit keine Rolle. Das was ich geschenkt bekomme, nehme ich im Hier und Jetzt an. Manchmal muss ich auch den Tatendrang meines Jungspundes bremsen, manchmal muss ich auch bei meinen zwei Damen zusehen, dass ihr Tatendrang ihre körperlichen Fähigkeiten nicht überholt. 

Die Dressur kann also nur für das Pferd sein, wenn Zeit absolut keine Rolle spielt. Wenn wir nicht morgen irgendwo ankommen müssen. Wenn wir zufrieden sind, mit den kleinen Schritten und uns immer wieder überraschen lassen von den Fähigkeiten unserer Pferde – dann ist die Dressur für das Pferd. 

Und dann ist die Dressur natürlich auch etwas für den Menschen, wenn wir Selbstbeherrschung, Geduld, Ausdauer verbessern, Wissen anhäufien unseren Blick für das kleine Detail schulen und uns auch immer wieder über die kleinen Meilensteine freuen lernen. Und wie erst kürzlich gesagt – die Freude nicht verlieren. 

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PS: Nutzen wir die Dressur für uns und unsere Pferde, dann Reiten wir Einfach 😉

Treib es bunt…

Treib es bunt…

Ein bisschen Spaß muss sein – das war das Motto meines letzten Blogartikels. Aber können wir das? Lachen auf Befehl? Wenn wir nicht zu den guten Schauspielern gehören, dann fällt uns diese Aufgabe schwer. 

Es sagt sich doch so leicht: sei unbeschwert, sei fröhlich, nimm es leicht. 

Daher gibt es heute ein paar Tipps für die Verbindung von Training und Spaß. 

Es geht um nichts

Seine Leidenschaft zum Beruf machen? Herrlich. Wie oft habe ich schon den Satz gehört: „Na das ist doch prima, du machst einfach dein Hobby zum Beruf“. Ja. Pferde sind meine Leidenschaft. Pferde sind mein Ein und Alles. Ein Leben ohne Pferde kann ich mir nicht vorstellen. 

Trotzdem lasse ich mich auch immer wieder gerne dran erinnern, warum ich Zeit mit meinen Pferden verbringen wollte – beispielsweise beim Kurs mit Bent Branderup in Ainring bei Salzburg am 13. und 14. Oktober 2018. 

Natürlich steht an diesem Wochenende ein gewisses Pensum am Programm. Wir wollen ja alle weiterkommen und etwas Lernen. Aber dennoch rufen Bents Schlussworte am Sonntag nochmal in Erinnerung warum wir mit Pferden zusammen sein wollen, was wir empfinden und wie wir die Zeit einfach genießen. 

Kommen wir zurück zu meinem „Stress“ mit den Pferden. Mein Tagespensum ist meist voll. Früh am Morgen erledige ich die Büroarbeit, redigiere die Artikel für unsere Buchserie und unterrichte meist ab 8 Uhr morgens bis 21 Uhr Abends. Dazwischen hatte ich manchmal das Gefühl mit meinen Pferden auch noch etwas machen zu „müssen“. Muss ist aber irgendwie das falsche Wort. Mir tut es mittlerweile sehr gut, wenn ich meine Pferde an manchen Tagen nur auf der Weide besuche, mit ihnen am Paddock-Trail spaziere. Manchmal habe ich sogar versucht, ein Buch neben ihnen zu lesen. (Es wurde beinahe gefressen). Es gibt also wirklich Tage, da „tun“ wir „effektiv“ und „effizient“ NICHTS. 

Treib es bunt und sei kreativ

Dann gibt es Tage, da wiederholen wir das, was wir schon können. Wer kennt nicht das Gefühl, ein wenig auf der Stelle zu kleben und nicht wirklich weiter zu kommen? Bei gefühlter Symptomatik hilft unser Trainingstagebuch. Beim Ausmisten im Büro stolpere ich von Zeit zu Zeit über alte Notizen, die ich mir über meine Pferde gemacht habe. Meine Güte, da waren die Sorgen über unsortiere Hinterbeine groß! Ich habe die Probleme von gestern bereits vergessen – auch wenn sie mir damals enorm schienen. Es hilft tatsächlich sein Erfolgskonto mit einer Gedächtniserfrischung immer wieder mal aufzuwerten. 

Andererseits können wir uns auch erlauben, mit unseren bereits verbuchten Erfolgen ein wenig kreativer umzugehen. 

Immer wieder Seitengänge auf der Geraden üben? Hier helfen kreative Übungen. 

Aktuell arbeite ich sehr gerne mit Pylonen, Stangen oder Dualgassen auf dem Zirkel. 

Balance, Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Schwung, Geraderichtung, Takt und Tempo lassen sich ganz wunderbar zu den folgenden Übungen – einzeln und in Kombination arbeiten: 

  • Grundzirkel (Pylonen markieren den Zirkel und weisen den Weg)
  • Slalom (8 Pylonen auf einem Zirkel verwandeln laden ein zum Slalom auf dem Zirkel, wobei um die Hütchen herum immer neue Stellung und Biegung abgefragt wird)
  • Volten (Auf dem Zirkel oder an verschiedenen Bahnpunkten in der Halle oder am Viereck verstreut – um die Pylonen folgen Volten, 8-er und Handwechsel) 

Grundsätzlich empfehle ich drei Wiederholungen pro Übung vor der nächsten Aufgabe. 

Wer es noch kreativer möchte, der kann auch nach Belieben Über- und Seitengänge in die Arbeit auf dem Zirkel ganz punktgenau einbauen. 

Weitere Anregungen gibt es im Artikel rund um Bahnfiguren und in Kombination mit Seitengängen. 

Trau dich was

Immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken. 

Je mehr Wissen und Können wir gesammelt haben, umso eher schränken wir uns ein. 

Wo ist denn unser kindlicher Entdeckungsdrang geblieben? Als Kinder haben wir einfach Bewegungen ausprobiert und Freude daran gespürt. Ein Purzelbaum? Ein Rad schlagen? Auch wenn es mal nicht geklappt hat – Bewegungsdrang und Freude waren da – der Ehrgeiz ebenso geweckt, es beim nächsten Mal noch besser machen zu können. Es gab keine technische Anleitung – wir lernten durch Beobachtung und spürten genau hin, wann uns eine Bewegung gut tat – und wann nicht. 

Wenn wir mit Pferden arbeiten, dann geht es ja genau darum: Bewegungen zu schulen. Aber der Wunsch alles korrekt machen zu müssen und gleichzeitig auf eine Entdeckungsreise zu gehen schließen sich aus – ebenso wie der Pauschaltourist gleichzeitig keine Forschungsreise unternehmen kann. 

Wir  müssen uns also mal auch trauen. Damit meine ich jetzt nicht einen waghalsigen Sprung über ein Hindernis im „Busch“, sondern eine innere Losgelassenheit, die es uns als Ausbilder unserer Pferde einfacher machen soll, mal ein Auge zuzudrücken, wenn sich ein Pferd in einer Bewegung ausprobiert. Wenn es zwar vielleicht eine Idee von Hankenbeugung hat, gleichzeitig aber noch seinen Unterhals benutzen muss. Wenn es im Beginn der Ausbildung eines Kruppeherein zwar die Kruppe nach innen bewegen kann, gleichzeitig aber noch nach außen sieht. Ja. Fehler passieren. Fehler sind unvermeidbar. Manchmal kann aber ein bisschen weniger Perfektion das Verständnis für eine Hilfe ungemein verbessern. Trauen wir uns. Und bitten wir um Hilfe, wenn wir diese innere Losgelassenheit vielleicht nicht ohne Copiloten – in der Form einer Begleitung durch den Trainer – schaffen. 

Treiben wir es bunt und bringen wir Abwechslung rein

Mein Herbst ist zwar ziemlich ausgefüllt mit Terminen, aber ich hätte noch den einen oder anderen Spaziergang mit meinen Pferden vor, im hoffentlich rotgewandeten Wald. Ein zünftiger Galopp über unsere große Wiese darf dann natürlich auch nicht fehlen. Und viele warme Herbsttage, in der wir die letzten Sonnenstrahlen vor dem Novembergrau genießen und einsammeln.

Treiben wir es bunt – vor allem im grauen Winter – dann reiten wir sicherlich Einfach 🙂 

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