Faszien und Alte Meister

Faszien und Alte Meister

Ein neumodischer Flaschenkühler? Eine Nackenstütze? Was ist das rot-schwarze Ding? Wenn ich auf Reisen bin, sorgt meine Faszienrolle oft für erstaunte Blicke. Ohne meine Faszienrolle bin ich aber selten „on the road“. Als Facebook einen Kurs mit Stefanie Niggemeier zum Thema „Faszien und Alte Meister“ ankündigt, bin ich natürlich neugierig und bitte Stefanie um einen Gastartikel, den es heute zum Nachlesen gibt:

Die Faszie –  eine Modeerscheinung?

Faszien, dieser Tage ein ziemliches Modethema, sind absolut keine „Erfindung“ der letzten Jahre. Die Arbeit mit ihnen ist schon sehr alt, auch wenn man diese Arbeit nicht unter dem neumodischen Namen „Faszientraining“ kannte.

A.T. Still (geb.1828), der Erfinder der modernen Osteopathie und Ida Rolf ( geb.1896 in New York) ,Erfinderin der Faszientechnik „Rolfen“ arbeiteten Ende des 19.Jhrdts, Anfang des 20. Jahrhundert konkret mit Faszien und benannten diese auch so. Das Wissen um die Funktion der Faszien läßt sich jedoch schon bis zur griechischen Antike zurückverfolgen – nur eine der etlichen Parallelen zur Reitkunst. 2011 dann wurde an der Universität Ulm die „Fascia Research Group“ rund um Rolfing-Therapeut Robert Schleip gegründet, der es erstmals gelang, in bildgebenden Verfahren sowohl die Optik, als auch die Funktion und vor allem den Verlauf der Faszien, die den gesamten Körper wie ein Labyrinth aus Bindegewebsschichten durchzieht, nachzuweisen. Im Laufe der letzten Jahre wird den Experten die Wichtigkeit gesunder Faszien und Techniken oder Therapien zur Gesunderhaltung von Faszien immer klarer. Das hat zu einer Revolution im modernen Verständnis über Biomechanik und Bewegungslehre, aber auch gesundheitlicher Prozesse geführt. 2014 dann wurde an der Universität Kopenhagen nachgewiesen, dass die Faszienzüge von Mensch und Pferd vergleichsweise gleich verlaufen, was für uns als Ausbilder unserer Pferde natürlich sehr interessant ist.

Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts in der Sport- und Bewegungslehre viel Wert auf gleitende, schwingende Bewegungen, Gymnastik mit Ball, Band oder Reifen gelegt wurde, wurde dieser Sport im Humanbereich im Laufe der nächsten 50 Jahre mehr und mehr verworfen, bis es vor 30-40 Jahreh sogar galt, dass diese Bewegungen im Körper Schaden anrichten – die „ Trimm-Dich“ Welle in Deutschland startete, bei der vor allem Krafttraining im Vordergrund stand, weil alle Dreh-, Gleit- und Schwungbewegungen vermeintlich zu Schaden führten. Das Problem: die Menschen wurden immer steifer, körperliche Beschwerden und Haltungsschäden nahmen zu. Die moderne Bewegugnslehre hat sich dank der Erkenntnisse um die Faszien von dieser Theorie wieder abgewandt und man kann sagen, dass wir heute eine Art „ Renaissance des Schwingens und Federns“ haben.

Piaffenarbeit hält die Faszien in Schwung und sorgt für Versorgung im Körper- Foto Stefanie Niggemeier

Besehen wir uns die Lehren der alten Meister, dann wissen wir, dass es immer dann, wenn es also um „Schwung“, „Schwingungen“ oder „Schaukelbewegungen“ geht, die Faszien angesprochen werden. Diese Art der Arbeit lesen wir sowohl in der „Gli Ordini di Cavalcare“ von Frederico Grisone (Venedig, 1551), der die erste Ritterakademie der Renaissance in Europa im damals zu Spanien gehörenden Neapel gründete. Über seinen Schüler Pignatelli gab er seine Lehren an seine Enkelschüler in ganz Europa weiter, mit Antoine de Pluvinel wurde „ Faszienarbeit“, die Pluvinel ( Maneige Royal, 1623) natürlich noch nicht so nannte nach Frankreich, Georg Engelhardt von Löhneysen nutzte Elemente der Faszienarbeit in seiner „ Della Cavalleria „ ( 1609, Remmingen), um das Pferd für das damals hoch geschätzte Pferdebalett, das „ maneggiare“ zu schulen.

Pluvinel erfindet Lektionen wie die Piaffe und den Mezair, den zweitaktigen, gerade-geradergerichteten„ Schuakelpferdegalopp“, in der er das Pferd maximal „ schwingen und federn“ läßt und so sehr ökonomische, nachhaltige Bewegungen im Pferd etabliert. Das Wichtigste in der Arbeit der Renaissance: Natura non artis opus- die Natur und nicht die Kunst (vor allem das Künstliche!) ist das Ziel der Arbeit.

Alles, was nicht zur Verbesserung der Grundgangarten des Pferdes hilft, kann nicht sinnvoll sein, so erklären die Alten Meister.

„Schaukelsätze“ wie bei Pluvinel: dank Energiespeicherfunktion der Faszien effizient und ökonomisch für das Pferd. Foto: Martina Glahe

Wenn wir in der Zeitleiste der Geschichte der Reitkunst dann mehr in Richtung Gegenwart denken, führt kein Weg an Bernhard Hugo von Holleuffer vorbei, der in seiner „ Bearbeitung des Reit- und Kutschpferde zwischen den Pilaren“ (Hannover, 1882) nicht nur die Erfindung Pluvinels, den Doppelpilaren zur Schulung des Pferdes nutzt, sondern vor allem ausführlich über die elementare Wichtigkeit des Schwungs, der dreidimensionalen schwingenden Bewegung der Wirbelsäule schreibt. Auch wenn wir heute den Doppelpilaren nicht mehr nutzen wollen, ist doch das Verständnis des Inhaltes dieser Technik für uns heute vor allem in Hinsicht auf die Faszienarbeit interessant und wir können in zum Beispiel der Arbeit an der Hand oder Longe die Schulung des Pferdes im Stand nutzen, ohne dass wir irgendeine Art von Spannung oder Zwang, die der Doppelpilar durch das Fixieren des Pferdes schnell erzeugt, in unsere Arbeit bringen.

„Die Schwingungen werden von den Hinterbeinen aus in Bewegung gesetzt, theilen sich durch die Wirbelsäule dem Kopf und den Vorderschenkeln mit und bringen das Pferd gleichzeitig in die Anlehnung an das Gebiss. Die Schwingungen sind sichtbar , fühlbar und hörbar; in ihrer Vollkommenheit beruhen die Elastizität und die Kraft der Bewegungen , der ganze Werth des Pferdes, namentlich des Reitpferdes. Man unterscheidet deshalb Rückengänger und Schenkelgänger.“

Holleuffer benennt hier eine ganz wichtige Funktion der Faszie, die Fähigkeit zur Energiespeicherung- und- freisetzung, die Elastizität. Die aus Collagenfasern bestehenden Faszien haben die Eigenschaft, im Laufe der Zeit und bei „ Nichtbenutzung“ zu verfilzen und führen schlimmstenfalls zu Unbeweglichkeiten in diesem Bereich. Hier können Techniken wie Osteopathie, Rolfing oder auch die Anwendung einer Faszienrolle helfen, doch Vorsicht! Faszien verfilzen niemals ohne Grund, sie wollen durch diesen Prozess etwas schützen und halten. Gerade bei der Arbeit mit der Fazienrolle sollte man nicht vergessen, dass sie ursprünglich entwickelt wurden, um „ Fascial SELF release“ zu erreichen, also eine Selbstmassage des Menschen. Von Faszienrollen aus Holz , Metallrädchen zur Stimulierung, etc. sollte man meiner Erfahrung nach besser absehen, weil man hiermit nur eine „ Fremdmassage“ beim Pferd anwenden kann. Besser wäre hier das gründliche Putzen entlang des Fellstrichs mit einer weichen Bürste, das die Versorgung der Oberflächenfaszie oftmals deutlich besser und vor allem deutlich schonender stimuliert als alles Andere. Auch ein Abstreichen mit der Hand entlang der Faszienverläufe, wie wir es schon in der Reitkunst der Renaissance lesen können, hilft dem Pferd besser als jedes Hilfsmittel. Je größer des Problem des Pferdes im Bereich der Faszien ist, desto mehr sollte man hieran denken.

Udo Bürger dann schreibt in seiner „Vollendeten Reitkunst“ vor knapp 60 Jahren dann namentlich über die Wichtigkeit der gesunden Faszien für das Pferd und gibt uns elementar wichtige Gedanken über den Zusammenhang von Faszien, Haltung des Pferdes und Handeinwirkung des Reiters mit auf den Weg. Vor allem das Zungenbein das man quasi als „ Faszienknochen“- falls es so etwas Paradoxes geben könnte- bezeichnen kann beschäftigt nicht nur Bürger. Die Reitmeister der Renaissance legen größten Wert auf die Wahl der richtigen Zäumungen und Gebisse, nicht zufällig schreibt Löhneysen 1587 ein Buch „Über die Zäumung“, in dem er über 14000 verschiedene Kandaren, verschiedene Kappzäume und gebisslose Zäumungen zeigt und erklärt. Pluvinel erfindet einen speziellen Kappzaum für seine Arbeit und beschreibt ausführlich die Gewöhnung oder Korrektur des Pferdes an das passende Gebiss. Auch über den Zusammenhang von Atmung und Faszien, sowie für die Tragfähigkeit des Pferdes wichtige und ungute fasziale Ketten im Pferdekörper weiß Pluvinel, ohne sie mit ihrem modernen Namen benennen zu können.

Die bekannteste fasziale Störung ist das Trageerschöpfungssymptom, die auch bei nicht gerittenen Pferden auftreten kann. Die Faszie als Bindeglied zwischen Körper und Geist und in ihrer Funktion als „ externe Speicherplatte“ der Seele des Lebewesens zeigt mit einem solchen Bild, dass sie etwas nicht mehr ( er-)tragen kann. Das kann eine Haltungsform oder Herdenkonstellation ebenso sein wie eine falsche Vorstellung von Trainingsaufbau oder Trainingsanspruch. 72 Stunden brauchen Faszien, um sich nach Input zu regenerieren, was sich genau damit deckt, dass schon Löhneysen dazu rät,das geschulte Pferd nicht öfter als drei Mal die Woche zu arbeiten und ansonsten lediglich für leichte Bewegung oder sogar Pause zu sorgen. Ein Tragerschöpftes Pferd braucht also kein Muskeltraining, sondern es braucht Schwung – in seinen Synonymen auch Verve, Lebensfreude und Begeisterung genannt. Bei verklebten Faszien ist die Versorgung des Gewebes oft so stark eingeschränkt, dass ein Zuwachs im Bereich der Muskulatur sowieso nicht möglich ist- es handelt sich um eine ganz andere Baustelle.

Hier kommen wir zur wichtigen Funktion des Lobes: schon Grisone betont, man solle „ dem Pferd schöntun“, sobald es gut gearbeitet habe. Wir wissen heute: zu 70 % lernt der Faszienkörper durch Fremdwahrnehmung, Lob ist also wichtiger für das Gesunderhalten des Körpers während der Arbeit als alles Andere. Aber auch das Gefühl, eine Aufgabe gestellt bekommt zu haben, die das Pferd gut lösen konnte, ist wichtig für unseren Partner Pferd und schafft Zufriedenheit und Selbstwertgefühl.

Gesunde Faszien sieht man dem Pferd an, es wirkt rund, das Fell glänzt Dank Versorgung der Oberflächenfaszie, hat eine gute Haltung, in der es sich selber, aber auch einen Reiter tragen kann, ist körperlich und mental in Balance, ist bewegungsfroh, hat Interesse an Sozialkontakt mit anderen Pferden und auch Menschen, es wirkt „ stolz und schön, so, wie es sich in den Augen anderer Pferde stolz und schön fühlen würde“, wie schon Xenophon vor 2400 Jahren das Ziel der Arbeit mit dem Pferd beschreibt.

Wichtige Fakten über Faszien

  • Alle bindegewebsartigen Strukturen wie Muskel- und Organhüllen, Knochenhäute, Sehnen, Bänder, aber auch Hornhäute im Auge und Huflederhäute beim Pferd werden Faszien genannt
  • Faszien bestehen aus Collagenfasern und einer wässrigen Zuckerlösung ( Hyaloronsäure) und machen rund ein Drittel bis ein Viertel des Gesamtkörpergewichtes aus;
  • über 80 000 freie Nervenendungen in den Faszien machen sie zu einem körperinternen Kommunikationsorgan, das Alles mit Allem im Körper im Austausch hält
  • Faszien trennen alle fremden und gleichen Strukturen im Körper ,wie zB Muskeln von Knochen oder Muskeln von Muskeln und sorgen so für reibungsarme Abläufe im Körper
  • Faszien können Energie speichern und freisetzen, sie machen ökonomische Bewegung für den Körper erst möglich
  • Faszien sind das „ Bindeglied“ zwischen Körper und Seele und haben in ihrer Fähigkeit, Energie zu speichern die Funktion einer „ externen Speicherplatte“ der Seele, indem sie in der Lage sind, Traumata und Stress die Spitze zu nehmen und im Körper abzuspeichern. Arbeit mit den Faszien ist also immer Arbeit mit Körper und Geist des Individuums

 

Mehr zum Thema bei Stefanie Niggemeier:

Regelmäßig arbeiten wir hier bei uns in 33106 Paderborn zum Thema gesundem Trainingsaufbau, Gebisskunde und Bewegungslehre, auch des Menschen. Letzteres Projekt liegt mir besonders am Herzen, wenn wir drei Mal im Jahr unsere „ moderne Ritterakademie“ namens FLOWer-Konzept nach dem Vorbild Grisones im Sinne einer umfassenden, ganzheitlichen Schulung von Geist und Körper in verschiedenen Aspekten rund um das Thema Reitkunst veranstalten. Nur dann, wenn wir wissen, was gesund für das Pferd ist, so glaube ich, können wir richtig von ungünstig unterscheiden lernen. Hinzu kommt, dass man nur das vom Pferd verlangen kann, was man selber mit Hilfe gezielter Körpersprache oder eines balancierten Sitzes als Frage formulieren kann. Die Schulung des Menschen für Pferde ist also das Ziel meiner Arbeit.

Wer sich für das Thema Faszien eingehender interessiert, der ist herzlich eingeladen bei einer unserer Veranstaltungen gezielt zu diesem Thema neben weiterführender , vertiefender Information auch einmal Faszienarbeit live zu erleben, um sich selber ein Bild von den Effekten dieser schon ganz alten, sehr modernen Techniken zu machen.

Stefanie Niggemeier

www.barocke-pferdeausbildung.de

The story about academic collaboration…the Cavesal ®

The story about academic collaboration…the Cavesal ®

„Being together in harmony“. „I want my horse that it feels safe and comfortable while being with me“.
If you ask riders, what they expect about being with horses, they all long for one similar goal: Togetherness in harmony. So people are interested in learning more about body-language, horsemanship, improving the relationship and to use soft tools. If riders think about soft tools they often think about the possibility of riding the horse bitless.
And so did Jossy Reynvoet.
My dear colleague from Belgium not only teaches about bitless art of riding and bodylanguage in many countries in Europe – he is also the inventor of the Cavesal ® and the Cavemore.

Anna: Jossy, why did you invent those bitless bridles? 

Jossy: I have already been for many years into horses  and horsemanship before I started my journey in the Academic Art of Riding by Bent Branderup. When I organized our first clinic with Bent in Belgium, I rode with a rope halter with ropes above it. We had rings and loops on the rope halter. During that clinic I discovered together with Bent that this tool had some disadvantages not only for the correct shape of the spine of the horse but also regarding how to support the horse in collection. At that time Bent and I met – let`s say on the same crossroad because he also was inspired and wanted to try to ride his PRE „Cara“ bitless.

We came to the conclusion to try to combine a hackamore with a cavesson. That was the hour of birth for the Cavemore. On the picture above  you can see that it was still a model constructed with the material of the rope halter. If you invent  something there is always a progress, and a will to improve. So the cavemore got its leather „jacket“. Bent had his reasons why he suggested not to produce the cavemore with the material of the rope halter, and I had my arguments why I did not want too much iron (like the chain in the noseband that is used for cavessons) on the cavemore. After the clinic with Bent I started to practice with a hackamore and a cavesson combining. One month later, we met again at Bent`s place and he then gave the name to our new invention: the cavemore.

Anna: Sounds like a happy end – but what made you go on. The Cavemore is a nice tool, why did you continue with your research to improve the bitless riding? 

Jossy: Well, what made me go on, was that I missed a little bit the „practical side“ of the Cavemore. I was used to do everything as a horsemanship trainer with my rope halter. I could tie my horse, I could lead it, I could ride. But of course – I could not influence the shape of the spine like I could with the cavesson. But still watching people train their horses with the cavesson (with the iron chain in it) I figured out, that it was not always such a nice tool – specially when people do not have a developed a good feeling in their hand. I wondered if we could find a tool that would make a perfect match – that combines the practical part and still is a very fine tool, specially for people that are still learning how to handle and train their horse.

During summer academy where we meet a lot of people that can inspire you while exchanging thoughts and experiences I had a walk with my wife and one colleague. I talked about the possibility to use reins from below to control the horses shoulders while you are working with a direct rein. So you would have reins on the rings of the noseband and reins below which can keep the shoulder straight and prevent the horse falling to the inside (making the circle smaller) if you ask for bending and the horse tends to overbend.

So the cavesal was born like a butterfly. It changed from the rope halter into a leather suit, got two rings below on the chin of the horse, and two rings on the noseband – and there it was. My Idea was to combine the function of the bosal with the cavesson – and again we combined the name of those two and called it Cavesal ®

Anna: The cavesal is not a tool like a halter that you can buy in every shop around the corner for every horse. You invented it for the individual horse and you recommend your pupils to learn a little bit about measurements? 

Jossy: Yes, that was also a very long journey. By the use of trying, fail and error we had then the perfect measurements. The Noseband should not rotate too much, it should not be too loose but on the other hand it should not be too tight. Of course there is no way that it should disturb the breathing system of the horse. I was observing a lot, when the noseband was too low, for some horses it was a problem to breath in a relaxed way, but when I thought the solution was to put it higher, I saw horses pressing lower and upper jaw together and twisting the teeth. They would not relax also. So I went back to my books, studied the anatomy and biomechanics, talked to experts and veterinarians to find the best solution. The saliva was the Problem. The horse produces saliva but sometimes it can not swallow the saliva in a relaxed way. The saliva makes the mouth wet, but it should not be too wet. When there is too much pressure – mentally and physically horses tend to produce way too much saliva, you can see a white foam around the mouth like lipstick. All those things happen when the noseband is too tight and the horse wants to get rid of it by using all its pressure against. This can happen with or without a bit. So you have to check on your horse – on every individual horse if the noseband is too low or too high and if it is too close to the cheekbones.

We have also produced a new film where you can learn more about the measurements:

What is your answer to the question: „But I heard that the mouth has to be wet?“ 

Jossy: It is always a matter of quantity. Horses in nature – not ridden and under normal circumstances – they would not be that wet in the mouth, they would not produce that foam. I want my horse to have a calm head, calm mouth, soft eyes and movable ears.

If we want to work and succeed with shaping and balancing the horse it is important to have tools that fit perfectly.

Anna: Recently I read a citation on facebook saying that the noise of the metal of the bits in the mouth of a horse sound like music.

Jossy: If we truly believe that we can work the shape of the horse out of the hindquarters, then in my opinion this is a misquotation. I undestand it is important to teach your horse a soft hand, to follow the hand, to teach the riders hand how to give and of course also to teach the horse not to go against pressure. If you have to mess with the horses head, then you do not have a problem with the head – you have a problem with the hindlegs, or your seat, or the momentum of the back.

Anna: Every horse reacts different to bitless bridles. I think people agree to give their horses time to get used to a bit, but sometimes they forget that horses need also time to get used to a cavemore or a Cavesal ®. I can only share my experiences: My mare Pina who is doing a nice job with her hind-legs was very soft with the Cavemore, it helped her a lot to search for my giving hand. With a bit she was always very skeptical and more behind the hand. My chestnut mare Tabby with her from nature very wide hind-legs needed more time to give the bitless possibility a chance. The better I was able to take influence on the hind-legs, the better we were able to communicate while riding bitless. Bitless bridles are no magic problem solvers – you still have to ride, to train and to exercise the hind-legs of the horse.

Jossy: Yes, the conformation of the horse and time will tell. Horses  have to get used to the bitless riding too. It takes with some horses a few days, sometimes it takes more time. On the other hand, I meet horses with a bit and they are after five years still not used to it.

I must admit I am still experimenting new things. And I am still working on improving Cavemore and Cavesal. My goal is to be together with a calm and relaxed horse, the super goal will be to ride even without a bridle 😉

Anna: Last question – why did you recently protect the name „Cavesal“ ®?

Jossy: The Cavesal ® was presented in 2014 for the first time in Europe and shortly after that I had to learn that the name „Cavesal“ had been put on other products too. It is important for me that people know how the cavesal has been developed, why it nowadays looks like it is, what is its function and how you can measure it for your horse. Also because it is  my passion and my „baby“ I developed for the wellbeing for the horse. When I see a horse stressed because something is disturbing him on the head – it is my job to find out how we can solve this problem. That is my service I want to give to my students and my four legged clients.

Anna: Thank you Jossy for this nice conversation. It is always a pleasure to talk with you – and so it will also be a pleasure meeting you again in May in Niederösterreich, where you will give your next Austrian clinic.

The interview with Jossy made it for me clear agin – why I like to be in a group of trainers selected by Bent Branderup. The collaboration, discussions and exchange of experiences can be something very special – and it can improve tools, riding aids, pedagogic skills and so much more.

But it is a treasure that in days of commerce and profit also has to be protected.

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PS: More about Jossys next clinic in Austria you will find under the following Link

 

 

ERP-24-Jungpferde ausbilden Teil 2

ERP-24-Jungpferde ausbilden Teil 2

8 Minuten – so lange kann man sich gut konzentrieren. Als Mensch. Und als Jungpferd?
Kati Westendorf und ich haben zwei Jungpferde-Witzbolde. Immer bereit, immer motiviert und für viel Blödsinn zu haben. Wie geht man das erste Erarbeiten von Losgelassenheit, Stellung und Biegung an?
Und wie halten wir es mit Motivation und Pausen? Und was haben wir zum Thema: „Mein Pferd langweilt sich so schnell“ zu erzählen.

Nachzuhören in Podcast Folge 24 zum Thema Jungpferdeausbildung. Ein Thema, das uns sicher noch länger begleiten wird. (Teil 1 findet ihr hier.)

Nachgeben – eine schwere Angelegenheit

Nachgeben – eine schwere Angelegenheit

Warum ist das Nachgeben für uns Menschen so schwer? In unserer Serie rund um die Reiterhand kommen wir am „Nachgeben“ nicht vorbei. Schon Francoise Robichon de la Guérinière hat in seinem Werk beschrieben, dass das Nachgeben eine der schwierigsten Hilfen überhaupt ist.

Der richtige Zeitpunkt für das Nachgeben ist der, wenn man eine halbe Parade gegeben hat, und fühlt, dass das Pferd die Hanken biegt. Jetzt gibt man sanft nach oder lässt die Hand sinken. Dieses Nachgeben zum richtigen Zeitpunkt ist eine der feinsten und nützlichsten Hilfen in der Reitkunst. Da das Pferd in dem Augenblick, in dem man nachgibt, die Hanken biegt, muss es zwangsläufig leicht in der Hand bleiben, da es nichts hat, worauf es seinen Kopf stützen könnte. Allerdings muss der richtige Zeitpunkt sehr genau getroffen werden, was sehr schwierig ist. 

Nachgeben: für den Reiter

Was ist eigentlich die nachgebende Zügelhilfe? 

Gehen wir davon aus, wir reiten in Anlehnung. Das bedeutet, wir haben bereits an einer feinen Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul gearbeitet. Eine Anlehnung kann nur dann stetig und weich entstehen, wenn das Pferd mit den Hinterbeinen gleichmässig unter den Schwerpunkt tritt. Alles was man in der Hand zu viel (oder auch zu wenig) an Gewicht spürt, hat die Hinterhand nicht getan. Wir empfangen also im Grunde in der Hand immer Mitteilungen aus der Vergangenheit, die uns über die Qualität der Tätigkeit aus der Hinterhand Aufschluss geben.

Wenn die Hand in einem ersten Descente (in Anlehnung an Guérinière) nachgeben wollen, dann möchten wir die Anlehnung leichter gestalten, sprich die Nase des Pferdes soll sich nach vorne, oder anders gesagt, nach vorwärts abwärts dehnen. Im besten Fall erfolgt das Dehnenlassen durch das Öffnen der Hand bzw. das Sinkenlassen der Hand oder ein leichtes Vorgehen der Hand.

Viele Schüler reagieren im Unterricht sehr prompt auf die Anweisung des Trainers, mal nachzugeben. Die Folge: Die Hand fällt förmlich nach vorne, das Pferd, das sich noch nicht selbst trägt  „fällt“ quasi ins Leere. Beim Nachgeben muss also eine leichte Zügelverbindung bestehen bleiben, damit der Zügel nicht zum springen – oder wie ich es nenne „ziepen“ kommt.

Das Nachgeben geht dann schief, wenn das Pferd plötzlich „auseinaderfällt“, im Tempo ungleichmässig wird, schneller wird, sich über den springenden Zügel durch Kopfschlagen „beschwert“ oder schwer auf der Hand bleibt.

Das richtige Nachgeben ist eine Aufgabe, die sowohl Reiter, als auch Pferd erlernen müssen. 

Das Suchen nach Vorwärts-abwärts ist der Schüssel für diesen Ausbildungsschritt. Die Hilfe dazu wird allerdings nicht von der Reiterhand eingeleitet, sondern muss dem Pferd in der Bodenarbeit bereits durch Körpersprache, wie auch Sekundarhilfe Gerte beigebracht werden – der Schlüssel zum Vorwärts-abwärts ist also nicht die Hand, sondern das Bein und in weitere Folge die Primärhilfe Sitz. Sitz und Schenkel müssen dafür sorgen, dass das Pferd seine innere Hüfte durch den Vorgriff des inneren Hinterfußes korrekt platziert. Das Pferd dehnt nun seine äußere Oberlinie, der Brustkorb rotiert zur inneren Seite nach unten, während er sich in der äußeren Oberlinie etwas hebt. Nun würde das Pferd im Idealfall zur nachgiebigen Hand hin dehnen. In diesem Fall wäre auch der Rückenschwung korrekt, der Reiter würde im Genick einen „nach unten-vorne“ nickenden Wackeldackel wahrnehmen. Fehlerhaft wäre ein „nach hinten-oben“ Nicken hinter den Ohren des Pferdes.

Öffnet der Reiter im zweiten Fall die Hand und gibt nach, wird das Pferd auseinander fallen und schneller werden. Das Rezept für den korrekten Rückenschwung findet sich also erneut in der korrekten Tätigkeit der Hinterhand, die wiederum für die Energieübertragung an die Stationen:  Becken-Wirbelsäule-Vordergliedmaßen-Hals-Genick zuständig ist. Während der innere Hinterfuß zum erneuten Vorgriff animiert wird, darf die innere Hand freilich nicht am Zügel fest werden. Dies würde erneut die korrekte Schwungübertragung aus der  Hinterhand verhindern. Das Pferd verspannt dann in der äußeren Oberlinie. Die äußere Hüfte kommt anstelle der inneren Hüfte nach vorne.

Die innere Hand, die leicht und vorsichtig für ein wenig Stellung nach innen sorgt, hat aber auch immer dafür Sorge zu tragen, der Bewegung des Pferdes zu folgen (dem berühmten Wackeldackel) um quasi dem vorgreifenden Hinterbein Platz zu machen, unter den Schwerpunkt zu treten.

Nachgeben: für das Pferd

Natürlich gibt es noch einige andere Schwierigkeiten. Im Grunde lernt das Pferd ja bereits in der Bodenarbeit die wichtigsten Sekundarhilfen kennen, die später auch dem Sitz assistieren werden.

Ein Pferd kann auch hinter der Hand sein und sich sehr leicht anfühlen – in diesem Fall ist es notwendig, dass der Reiter dennoch zum Treiben kommen kann. Bei einer solchen Problematik beschreiben Reiter oft ihr Pferd als sehr flott oder zackelig, selten aber „triebig“. Die Schenkelhilfen in einem solchen Fall gänzlich weg zu lassen, kann jedoch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, schließlich brauchen wir den Schenkel ja nicht nur treibend, sondern auch um sich herum biegend, von sich weg biegend, verwahrend, versammelnd, auf das gleichseitige oder gegenüberliegende Hinterbein einwirkend usw. Mehr über die Schenkelhilfen gibt es unter folgendem Link.

Wenn das Pferd nicht nachgibt, dann beschreiben Reiter ihre Pferde auch gerne als steif oder faul. An dieser Stelle gerne auch der Ratschlag von Bent Branderup, zum Thema faule Pferde:

Ein Pferd, das faul scheint, ist dies selten tatsächlich, sondern meistens eher steif. Auch in diesem Fall empfiehlt sich ein Schritt zurück zur Basis und zur Bodenarbeit, um dem Pferd Stück für Stück die einzelnen Hilfen zu erklären und zu mehr Geschmeidigkeit zu verhelfen.

Ist diese Hürde geschafft, dann kann sich die Hand weiter auch mit den Paraden beschäftigen.
Hier gibt es auch einen Podcast zum Weiterhören.

Lernen wir also die Fehler aufzuspüren, dann verstehen wir, warum das Nachgeben Pferd und Reiter so schwer fällt und Reiten Einfach 😉

Die Reiterhand kann niemals biegen

Die Reiterhand kann niemals biegen

Für die Feinen Hilfen Ausgabe Nr. 20 habe ich ein Interview mit Bent Branderup und Annika Keller rund um das Thema „Biegen“ geführt. Den gesamten Artikel gibt es in meinem Blog zum Nachlesen:

„Die Logik hinter den Biegungen“: so heißt die neue Übersetzung des Gymnasiums des Pferdes von Gustav Steinbrecht durch Bent Branderup und Annika Keller. Steinbrecht wurde 1880 in der Nähe von Magdeburg geboren. Bis zu seinem Tod blieb er im Sattel tätig – und galt bereits zu seiner Zeit als Verfechter der Hohen Schule und Reitkunst als „altmodisch“.

Gustav Steinbrechts Ideen und Ausbildungsgrundsätze sind aber selbst heute noch moderner denn je. Feine Hilfen-Autorin Anna Eichinger traf die Autoren zum Interview.

Feine Hilfen: Ist es für den Reiter von heute schwer Steinbrecht zu verstehen – oder was ist das Ziel eurer Überarbeitung?

Bent Branderup: Ich würde sogar sagen es ist leichter, da die heutigen Pferdeleute über viel mehr Bildung und Wissensdurst verfügen als viele Reiter damals. Zwar hatten die Leute zu Steinbrechts Zeit mehr Pferdeerfahrung, aber es gab schon das Phänomen der „Stillen Post“. Dabei werden Nachrichten von Mensch zu Mensch weitergegeben, allerdings geht dabei etwas vom Inhalt verloren. Wenn wir heute „Stille Post“ mit dem Namen Anna spielen, dann kommt vermutlich am Ende auch wieder „Anna“ heraus, weil der Name sehr einfach zu verstehen ist. Wollen wir aber einen russischen Namen und dazu noch vielleicht die russischen Buchstaben aufschreiben und weitergeben, dann wird das Endergebnis wohl anders aussehen. Der frühere Reiter hatte also vielleicht mehr praktische Erfahrung, das heißt aber noch nicht dass er den Inhalt auch wirklich verstanden hat, da wurde damals auch viel experimentiert.

Annika Keller: Wir möchten in unserem Buch für die Reiter unserer Zeit noch einmal unter die Pferdehaut schauen und erfassen, was biomechanisch in welchem Moment des Biegens passiert. Was ist überhaupt an Bewegung möglich? Diese Frage muss unbedingt gekoppelt sein von der Analyse: „Auch wenn es möglich ist – ist es überhaupt gesund?“ Beispielsweise ist ein Überbiegen im Pferd möglich. Das Pferd lässt dann aber, wenn es sich nach links überbiegt, den Brustkorb nach rechts sinken. Das ist möglich, aber für das Reiten nicht gesund. Wir müssen uns der biomechanischen Prozesse bewusst werden.

Feine Hilfen: Sind Biegungen eigentlich überhaupt gesund?

Branderup: Alle Muskeln sind in Biegen oder Beugen und Strecken involviert. Ein Körper, der weder das eine noch das andere kann, wird steif. Es geht also um die Gymnastizierung des Pferdes – und ein geschmeidiges Pferd hat auch ohne Reiter eine längere Bewegungs- und damit Lebensqualität.

Keller: Wenn Biegungen dem Pferd korrekt beigebracht werden, dann führen sie dazu, dass sich die Schiefe im Pferdekörper reduziert und die Balance gleichmäßig verbessert. Das betrifft, wie Bent schon sagte, auch das „Privatleben“ des Pferdes. Dennoch müssen wir uns beim Biegen immer vor Augen halten, dass wir sämtliche Übungen fast ausschließlich für unsere Arbeit brauchen, wenn wir eben auch auf dem Pferd sitzen möchten.

Feine Hilfen: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade – aber ich meine nicht das Schnelle“. Hier spricht Steinbrecht explizit eine Warnung aus, um Missinterpretationen entgegenzuwirken. Hätte es mehr solcher Warnungen im Original gebraucht?

Branderup: Bleiben wir gleich bei den Biegungen: Auch da gibt es ein zu viel, ein Verbiegen. Das ist aber auch ganz verschieden von Pferd zu Pferd. Ist es flachrippig oder eher rundrippig? Das rundrippige Pferd scheint viel mehr gebogen als das flachrippige. Der Hang in der Hüfte wird bei einem rundrippigen Pferd allerdings stärker ausfallen. Ein weiteres Thema: Schwung. Je nach Pferdetyp, aber auch nach Ausbildungsgrad wird er verschieden ausfallen. Ohne Rumpfmuskulatur kein Schwung – auch nicht mit Reitergewicht. Und so gab es auch beim Schwung eine stille Post, die zu Spannung führte. Wobei sich beide Begriffe in der Reiterei gegenseitig ausschließen müssten! Wenn man an Musik denkt, wird Schwung auch ganz anders interpretiert als in der Reiterei, genauso ist das mit Tempo und Takt – als Reiter können wir einen Dreivierteltakt in verschiedenen Tempos haben, als Musiker nicht.

Keller: Viele Reiter stoßen sich an Steinbrechts Schilderungen zum Schenkelgehorsam, Stichwort Sporn. Wenn man genau liest, wie sehr Steinbrecht zur Vorsicht im Umgang mit dem jungen Pferd mahnt, wird klar, dass Worte aus der Vergangenheit einen gänzlich anderen Effekt auf die Leser von heute haben. Umso vorsichtiger muss man auch Anweisungen und Handlungsempfehlungen zur Biomechanik lesen.

Feine Hilfen: Was war euer größtes Aha-Erlebnis durch Steinbrecht?

Branderup: Manchmal war es so, dass ich durch Steinbrecht einen Satz bei Guérinière besser verstanden habe und umgekehrt. Als ich bei Egon von Neindorff gelernt habe, war natürlich Steinbrecht mein „Mitreiter“ auf meinem Knabstrupper Hengst Hugin. Von Neindorff war ein direkter Erbe von Steinbrecht, der ihn für mich in meiner Lehrzeit sehr lebendig gemacht hat. Meine Arbeit mit Stellung und Biegung entspringt also der Lehre Steinbrechts und hätte dieser Baucher nie erwähnt, hätte ich mich auch nicht mit diesem Thema beschäftigt.

Keller: Der Teil in dem Steinbrecht über die Schulparade schreibt, dass das Pferd erst dann auf den Hanken ist, wenn es das mehrere Sekunden lang aushält – da habe ich mein Gefühl aus der Praxis wieder gefunden. Aha-Erlebnisse kommen manchmal sogar nach der Praxis, wenn man die Theorie noch einmal fein säuberlich studiert.

Feine Hilfen: Stichwort Baucher, Stichwort Über- oder Verbiegen. Das wird der akademischen Reitkunst manchmal vorgeworfen – berechtigterweise?

Branderup: Ich habe viele Jahre den Unterschied zwischen Verbiegen und Biegen studiert. Die Brustkorbrotationsrichtung dreht beim verbogenen Pferd nach außen, dabei kommt die äußere Schulter tiefer. Ein Pferd mit starker, aber korrekter Biegung hebt den Brustkorb außen hoch und wird in der Schulter leichter. Die Menge an Biegung muss aus der inneren Hüfte, die nach vorne-unten schwingt kommen. Auf die individuellen Fähigkeiten des Pferdes einzugehen, bedeutet im Einzelfall den Hals anfangs außen vermehrt zu dehnen, um gewisse Fähigkeiten überhaupt zu entwickeln. Letztlich kann nur ein nach vorne arbeitendes Hinterbein die Hüfte des Pferdes, die Biegung und die Rotation des Brustkorbs positiv beeinflussen. Als Schüler von Egon von Neindorff und Nuno Oliveira habe ich somit Steinbrechts und Bauchers Erbe aufgearbeitet. Speziell bei Oliveira gab es Pferde mit einem entsprechenden Krankheitsbild – Pferde mit steifer und kurzer Halsmuskulatur, die durch diese Dehnungsarbeit profitiert haben.

Gefährlich wird es aber, wenn man Methoden unbedarft verwendet, also wenn kein Bedarf besteht. Das Verständnis für die korrekte Biegung ist ja auch bei mir mit der Zeit gewachsen, ich will nicht behaupten, dass ich es von Anfang an richtig gemacht habe.

Keller: Wir müssen aufpassen, dass alle Lehrenden auch Lernende sein dürfen. Natürlich wünschen wir uns kein Überbiegen, aber beim Finden des Mittelwegs müssen ja auch Irrtümer passieren dürfen, damit man auch lernen kann. Wir müssen finde ich, davon Abstand nehmen, ständig Endprodukte zu erwarten.

Branderup: Diese Erwartungshaltung kommt dem Lernen eben auch nicht entgegen. Hand und Sitz sowie sämtliche weitere Hilfengebung kann das Pferd nur auffordern sich zu biegen, tun muss es aber die Muskulatur des Pferdes. Erzwungene Biegungen werden aber immer falsch – und da ist möglicherweise oft die Erwartungshaltung im Weg.

Feine Hilfen: Was kann man gegen einen losen Hals machen, wenn der Hals gebogen ist, der Rest des Körpers aber nicht in der Biegung mitkommt?

Keller: Das Pferd muss so weit im Hals gerade gestellt werden, bis die Biegung des Halses zur Körperbiegung passt. Wenn im Rumpf bisher gar keine Biegung vorhanden war, dann darf ein stärkeres Einwirken am Kopf, was mit einer übermäßigen Halsbiegung korrespondiert, nicht die Lösung sein, weil sich das Pferd über das zu starke Biegen des sehr beweglichen Halses einen Ausweg sucht.

Branderup: Spürbar wird das Phänomen, wenn die Parade im Hals verloren geht und sich nicht über die weitere Wirbelsäule überträgt. Das gleiche gilt bei einem zu steifen Hals, wo eine Parade das Pferd auf die Schultern drückt und nicht auf die Hanken wirkt.

Feine Hilfen: Und was soll korrekterweise bei der Parade in der Biegung passieren?

Branderup: Die Parade ist nicht das, was die Hand macht, sondern das, was das Pferd macht. Wir wollen das Pferd auffordern, die Hanken zu biegen, ohne den Vorgriff der Hinterhand zu verlieren. Daher ist die anfängliche Ausbildung und Formgebung der Wirbelsäule ja so wichtig, sonst wird man das Pferd durch die Einwirkung der Reiterhand aus der Biegung werfen oder das Pferd sogar auf die Schultern drücken.

Keller: Wir unterscheiden weiter zwischen horizontaler und vertikaler Biegung, sowie der Beugung der Gelenke. Mir persönlich ist es wichtig, die Qualität der Biegung durch Paraden in Bewegung zu überprüfen. Messbar wird das durch den Bewegungsfluss, den Vorgriff und die Analyse, wo Last gut aufgenommen wird und wo das Pferd versucht auszuweichen. Auch Takt und Rhythmus spielen hier eine große Rolle.

Feine Hilfen: Seht ihr viele verbogene Pferde und woran könnte das liegen?

Branderup: Wir sehen verbogene und durch die natürliche Schiefe ungebogene Pferde. Das eine sind Fehler, die im Lauf der Ausbildung entstanden sind und ungebogene, junge Pferde, die Biegungen überhaupt erst lernen müssen.

Keller: Ich sehe im Unterricht sowohl verbogene, als auch steif gerittene Pferde – und beides liegt wohl daran, dass wir eben lernen (müssen).

Feine Hilfen: Die HDV 12 rät, junge Pferde nur ein Jahr lang geradeaus vorwärts gehen zu lassen. Was meint ihr dazu?

Branderup: Was heißt gerade? Gerade im flachen Gelände – da stimme ich zu, so haben wir das auch viele Jahre auf Island gemacht, um die Pferde auf langen Ritten an den Reiter zu gewöhnen – aber nur in kurzen Dosen. In unseren modernen Hallen mit vier Kurven geht das aber nicht, man muss ja schließlich durch die Ecken. Und unphysiologisch ein Jahr lang auf den Schultern durch die Ecken zu reiten halte ich für keinen guten Ratschlag, denn die meisten Pferde würden wohl ein Jahr lang auf die Schultern fallen und steif werden. Wenn man aber in der Zeit zurückdenkt, machte der Ratschlag ja für das Gelände und die Gebrauchsreiterei durchaus Sinn, allerdings wurde hier in kurzen Reprisen gearbeitet.

Keller: Lange gerade Strecken können Vorwärtsdrang des Pferdes fördern. Im begrenzten Viereck muss man darauf achten, das Pferd nicht zu versteifen und schon vorzeitig Gelenke und Rücken zu verschleißen.

Feine Hilfen: Was sind die häufigsten Fehler beim Biegen aus der Sicht des Reiters?

Branderup: Zwischen Genick und Hals entsteht oft ein Zickzack: Der Hals ist nach links gebogen, die Stellung im Genick aber nach rechts. Dann gibt es das Verwerfen im Genick, oder wenn die Position des Kopfes und Brustkorbs nicht übereinstimmen, auch das sind häufige Fehler. Alle fehlerhaften Biegungen werden durch die Reiterhand ausgelöst. Prinzipiell muss die Biegung aus der Tätigkeit der inneren Hüfte des Pferdes kommen. An sich Fehler, die schwer vermeidbar sind, da wir ja irgendwo anfangen müssen und nicht alle Pferde von vornherein von hinten gearbeitet werden können. Daher können wir in der Bodenarbeit dem Pferd einen guten Weg zur Biegung am Kappzaum zeigen.

Keller: Stärkeres Einwirken mit der Hand kann einfach keine Rumpfbiegung auslösen. Der Reiter hat das korrekte Einwirken wahrlich in der Hand, oder eben nicht!

Feine Hilfen: Abgesehen von der Hand, welche häufigen Fehler passieren im Sitz?

Branderup: Der Mensch versucht, das Pferd nach links zu stellen, sitzt aber nach rechts. Es gibt nur eine Wirbelsäule, der wir Mitteilungen geben können, wenn sich Sitz und Hand widersprechen hat das Auswirkungen auf Schwung, Form, Statik….

Keller: Immer, wenn der Reiter das Pferd quasi von sich weg schiebt, beispielsweise im Linkstravers stark nach rechts sitzt, dann läuft das Pferd der Biegung davon, anstelle sie durch den Sitz zu empfangen. Die meisten Pferde machen im Grunde nichts falsch, sie reagieren nur auf das, was wir falsch machen!

Feine Hilfen: Vielen Dank für das Gespräch!

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