Faszination Akademische Reitkunst. Immer mehr Menschen sehnen sich nach einer durchdachten Gymnastizierung für das Pferd, an ein Zusammensein ohne Spannung, an eine gute Zeit mit dem Pferd. Aber wie fängt man an? Wie kommt man zur Akademischen Reitkunst?

Wer beginnt?

Am Anfang stellt sich schon öfter die Frage nach der Ausgangsbasis. In einem meiner letzten Blogeinträge habe ich über das Lernen geschrieben. Dabei sind wir alle persönlich ja ganz unterschiedliche Lerntypen: wir sind geprägt durch die Summe unserer Erfahrungen.

Ein Reiter also, der sich und sein junges Pferd auf einen neuen Pfad begeben möchte, wird ganz anderes an die Sache herangehen als ein „Umsteiger“, dem es vielleicht auch schwerer fällt alte Muster und Angewohnheiten zu durchbrechen.

Meine ersten Schritte…

Oft wird man nach seinen ersten Schritten in der Akademischen Reitkunst befragt oder warum man dazu gekommen war. Meine Kurfassung: ich war mit den gängigen Methoden nicht mehr zufrieden und meine Stute „Barilla“ auch nicht. Wir hatten vorne gegenhalten und hinten kräftig treiben nicht nur mental satt – auch körperlich war es so weit gekommen, dass mein gerade 10-jähriges Pferd für ein Jahr auf die Koppel zur Reha geschickt wurde.

Als ich meine Freundin Eva zum ersten Mal auf ihrem „Anton“ am durchhängenden Zügel in einer Piaffe sah, wusste ich: das will ich auch. Dabei ging es viel weniger um die Piaffe. Ich sah die Leichtigkeit, diese wunderbare Selbsthaltung und eben kein Gewicht auf der Hand. Meine Hände sehnten sich nach Leichtigkeit und einer guten Verbindung ohne eine gefühlte „Tonne“ in der Hand zu haben.

Alles aufgeben was bisher war?

Was danach kam? 20 Jahre Reiterfahrung über den Haufen werfen? Und so ging es nicht nur mir. Diese Worte habe ich mehrmals im Gespräch über den Weg zur Reitkunst gehört. Alles Wissen galt es nun zu überdenken und zu hinterfragen. Ich kam dahinter, dass Reiten und „Die Stille Post“ sehr zusammenhängen.

Prinzipiell sind viele Informationen, die uns Reitlehrer gegeben haben, die wir gelesen oder gesehen haben nicht falsch. Aber voller Lücken.

Wenn also wieder in einem Forum oder einer Diskussion auf Facebook die Frage aufkommt, was denn das Besondere an der Akademischen Reitkunst ist, dann würde ich gerne sagen:

Die Akademische Reitkunst ist etwas Besonderes, da sie uns erklärt wie wir Pferde reiten müssen und warum. Wir lernen Lektionen, aber in allererster Linie lernen wir deren Inhalt und warum wir diese Inhalte unseren Pferden näher bringen sollen. Wir lernen Kommunikation.

Das Interesse ist geweckt…

Nun geht es also an die Praxis. Wenn Kinder eine Zweitsprache lernen sollen, dann müssen sie ihre Muttersprache oder Erstsprache gut beherrschen. So ähnlich ist das auch mit uns Reitern. Unser Interesse, unsere Begeisterung für Neues ist entfacht. Bevor wir an die praktische Umsetzung gehen ist die theoretische Grundlage Voraussetzung. Die Vokabel also für den praktischen Unterricht.

Die Vokabeleinführung gibt es in Bent Branderups Buch „Akademische Reitkunst“.

Weiteren Theorieunterricht kann man online erwerben:

http://www.bentbranderupshop.com/videos

Hier gibt es auch immer wieder Fragen nach der perfekten Reihenfolge:

ich würde sagen, sehr schön zu verfolgen ist die Entwicklung von Bents Hengst „Swan“ in dessen „Diary“ wir die gesamte Grundausbildung verfolgen können.

Für den Anfang sehr zu empfehlen sind dann die Videos über „Stellning and bending“, „Longework“ und „Groundwork“.

Es geht nichts über die Praxis

Theoretisches Wissen ist die eine Sache. Wir kommen aber nicht ohne die Praxis aus, ohne das Spüren und Analysieren des Gefühlten. Am besten also sucht man sich Hilfe und Unterstützung direkt vor Ort.

Um ein qualitativ hochwertiges Ausbildungsniveau zu gewährleisten, wurde von Bent Branderup der Lizenzierte Branderup ® Trainer eingeführt. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der Unterricht dem neuesten Stand im Entwicklungsprozess der Akademischen Reitkunst entspricht.

Als lizenzierter Bent Branderup ® Trainer investiere ich daher neben meinem eigenen reiterlichen Fortkommen auch sehr viel Zeit in meine weitere Entwicklung als Lehrer und Trainer. Meine Schüler profitieren damit von einem lebhaften Diskurs und dem laufenden Wissensaustausch einer speziellen Gemeinschaft innerhalb der Ritterschaft.

Eine Liste aller lizenzierten Branderup ® Trainer gibt es unter folgendem Link.

Die Sache mit dem Tellerrand…

In keiner Sache sind wir so sprunghaft wie beim Reiten. Ich habe viele Jahre lang Geige gespielt. Ich habe dabei folgende Erfahrung gemacht: wer sich für das Musikinstrument entschieden hat, der hat es auch durchgezogen. Beim Reiten steht uns oftmals der eigene Ehrgeiz möglicherweise im Weg. Wir sagen offen heraus, dass wir nicht an einen magischen Knopf beim Reiten glauben. Aber unterbewusst? Unterbewusst werden wir manchmal auch gerne zu Methodenhoppern, wenn sich nicht schnell ein gutes Ergebnis einstellt.

Wie lange dauert die Akademische Reitkunst?

Wie lange lernen dauert? Nun, es hört nie auf – aber die ersten Erfolge stellen sich rasch ein, wenn mit Konsequenz geübt wird. Wir können das Ergebnis mit einer Diät vergleichen. Wer zwischendurch immer wieder nascht, der wird keinen sichtbaren Erfolg feststellen können.

Daher macht es das Lernen der Akademischen Reitkunst als „Umsteiger“ oft schwer. Wir fallen gerne in alte Muster zurück oder haben das notwendige Vertrauen auch einfach noch nicht gefunden.

Ich will nicht sagen, dass es nur den EINEN Weg gibt. Aber ich will sagen, dass wir als Lernende alle die Demut aufbringen müssen um uns als das zu sehen, was wir sind. In erster Linie eben Lernende. Und als Lernender muss man Inhalte aufnehmen, verdauen, analysieren und abwägen.

Ich glaube, dass man für den Blick über den Tellerrand nach dem Motto: „Ich pick mal hier, ich pick mal da“, die Erfahrung haben muss ein gesamtes System zu kennen, um es tatsächlich bewerten zu können.

Wir würden nie zwei Bücher zusammenwerfen und einfach Zitate da und dort für ein neues Werk rauspicken – vor allem nicht ohne den Zusammenhang zu kennen. Wer die Akademische Reitkunst kennen lernen möchte, sollte also offen für Neues sein und gleichzeitig auch ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen mitbringen. Vor allem da wir viele Schritte ganz minimalistisch erarbeiten und oft das Große Ganze nicht gleich sichtbar sein kann.

Bleib offen

Was den Reiter dann weiter ausmacht? Offen zu bleiben. Ich bin sehr von der Akademischen Reitkunst überzeugt, ich bin so froh über den gelebten Austausch mit meinen Trainerkollegen – jeder hat ein offenes Ohr und am meisten lernen wir durch unsere „Versuch und Irrtum“ – Wege. Und hier wird Wissen auf eine sehr wertschätzende Art geteilt, die ich anderswo nur selten gefunden habe.

Trotzdem heißt es: Wachsam bleiben, auch andere machen nicht alles falsch! „Akademisch“ heißt schließlich Forschen und Hinterfragen. Und eine Reitkunst, die sich ganz polemisch als Religion versteht, kann keine Wissenschaft mehr sein.

Wir sollten also immer Lernend und Hinterfragend bleiben – und diesen schönen und wertschätzenden Umgang miteinander auch in der Diskussion mit anderen Reitkulturen mitbringen.

Dafür brauchen wir aber zunächst eine gesunde Basis und das Eingeständnis: es geht nicht darum ständig Recht zu haben!

Suchtfaktor

Achtung! Reitkunst macht süchtig. Ich sage das nur so als Warnung. Aber ich glaube keine Sucht ist für unsere geistige und körperliche Entwicklung so gesund wie die Reitkunst.
Werden wir also süchtig, dann Reiten wir Einfach 😉

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