Von der Kunst sich mitzuteilen

Kommunikation ist doch eh so einfach: Es gibt einen Sender und einen Empfänger. Eine Nachricht und eine Reaktion darauf. Eine simple Formel?

Gesagt = verstanden?

Lässt sich Kommunikation auf diese einfache Formel herunter brechen? Nein. Gesagt heißt nicht unbedingt gehört und aufgenommen. Gehört bedeutet nicht ungleich verstanden. Und selbst wenn etwas verstanden wurde, muss das Gegenüber nicht gleich damit einverstanden sein.

Beim Reden kommen die Leute zusammen…

So besagt es ein Österreichisches Sprichwort. Aber ist das auch auf Reiter umzusetzen? Kommunikation lässt sich oftmals mit einem unüberwindbaren Hindernisparcours umschreiben.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Zwei ganz unterschiedliche Reiter diskutieren über das Vorwärts-abwärts. Beide haben ganz unterschiedliche Lehren studiert, orientieren sich an Trainern unterschiedlicher Sparten und haben grundsätzlich unterschiedliche Ziele.

Das erste große Hindernis: gegensätzliche Philosophien prallen aufeinander. Wollen beide überhaupt miteinander reden? Der erste große Graben, den es also zu überwinden gilt. Die Bereitschaft ist vorhanden und weiter geht es zum nächsten Sprung. Der Steilsprung im Kommunikationsparcours wäre die Frage, ob beide Empfänger überhaupt auf Empfang geschaltet sind: Wollen ist die eine Sache, aber ein Empfänger könnte rasch abgelenkt sein oder müde. Oder man schweift im Zuhören mit den Gedanken ab.

Nehmen wir an, beide Reiter sprechen dieselbe Sprache, beide hören akustisch die gleichen Worte. Aber kann Reiter 1 fachlich den Ausführungen von Reiter 2 folgen? Versteht er die gleichen Begriffe und Zusammenhänge?

Zwischen den Zeilen…

..passiert noch viel mehr. Denn wir senden natürlich nicht nur Worte, ein Großteil unserer Kommunikation passiert auf einer anderen Ebene. Wir können zwar verbal unsere Zustimmung kund tun, unsere Körpersprache vermittelt aber klar und deutlich Ablehnung. Neben der Stimmlage kommen eben auch Mimik und Gestik dazu. Wie wird etwas gesagt? Quasselt Reiter 1 unseren Reiter 2 komplett nieder, oder setzt er Akzente und Pausen, damit sein Gegenüber auch wirklich dem gesamten Vortrag folgen kann?

Eine Faustregel besagt: Nur 20 Prozent der Inhalte sind überhaupt verbale Kommunikation. Ganze 80 Prozent an nonverbaler Kommunikation senden wir bewusst oder ganz und gar unbewusst an unser Gegenüber.

Interpretation

Wir senden also eine Botschaft und unser Gesprächspartner wird diese bewerten. Er vergleicht mit bereits vorhandenem Wissen und muss nun abwägen, wie und wo die neue Information eingeordnet werden kann. Eigene Überzeugungen spielen nun auch eine ganz große Rolle. Und einiges an dieser Interpretationsarbeit geschieht ebenso unbewusst – ob wir wollen oder nicht.

Vielleicht entstehen schon beim Zuhören Widerstände und ein Gefühl des Unwohlseins.

Die Sache mit der Stillen Post.

Einige kennen das Spiel von der Stillen Post. Aufgrund von eigener Interpretation, Missverständnissen und Empfangsschwierigkeiten kommt am Ende einer Kommunikationskette meist etwas ganz anderes heraus, als vom ursprünglichen Sender beabsichtigt.

Das ist schon auf einer zwischenmenschlichen Ebene oft ärgerlich genug – wie schwierig wird es dann zwischen Mensch und Pferd. Wir werden niemals Pferd sprechen. Und unser Pferd wird auch kaum der menschlichen Sprache mächtig sein.

Wir müssen eine gemeinsame Kommunikation entwickeln. Als „Vortragender“ oder „Pädagoge“ unseres Pferdes müssen wir unseren Vortrag somit umso klarer strukturieren.
Was möchte ich von meinem Pferd. Welche Antwort erwarte ich mir. Wie kann ich die Botschaft rüber bringen? Ich muss sicher stellen, dass mir mein Pferd überhaupt zuhören möchte!

Die Stolperfallen noch einmal zusammengefasst:

  • Wir haben Kommunikation, die nicht angekommen ist
  • Wir haben empfangene Kommunikation, die wir überhaupt nie gesendet habe. Gerade unser Körper kann beispielsweise zum Kruppeherein in der Bodenarbeit einladen wollen, gleichzeitig das Pferd aber ganz unbeabsichtigt ins Rückwärts schicken. Daher sollte jedem Reiter seine Einwirkung durch den Körper – und diese Einwirkung hört eben niemals auf – egal ob wir vor, neben, hinter oder auf dem Pferd sind.

Der kleinste gemeinsame Nenner..

…wäre dann der Anteil von übereinstimmender Kommunikation. Diese beträgt im menschlichen Alltag lediglich 12 Prozent. 12 Prozent! Das muss man sich doch mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie groß mag der Prozentsatz nun in der Kommunikation zwischen Pferd und Mensch sein? Ich sehe zum Glück sehr viele Paare, wo die Kommunikation wirklich wunderbar funktioniert und immer harmonischer wird.

Ich treffe Menschen, die sich unbewusst und ungewollt gesendeter Signale immer bewusster werden.

Das ist ein großer Pluspunkt.

Aber ich treffe auch Menschen, die überfordert sind mit einer Flut an Informationen. Menschen, die Aussagen möglicherweise im Sinne der Stillen Post interpretieren. Erst neulich traf ich ein Pferd – für mich ein eindeutiger Reha Fall. Ein Pferd, das nach ernsthafter Erkrankung nun wieder Kraft sammeln muss, um vielleicht wieder zum Reitpferd zu werden. Das ist meine Sicht.

Eine andere Sicht bzw. Empfehlung war: Mehr Reiten, um Muskeln zu fördern. Vielleicht war das aber auch gar nicht die Botschaft, die die Besitzerin empfangen hatte. Vielleicht wurde die Botschaft und der Hinweis, nun mit der Gymnastizierung zu beginnen, sofort als Empfehlung für gerittenes Training interpretiert.

Manchmal können wir nur mutmaßen, warum Botschaften wie verstanden werden. Aber eines ist ganz klar:

  • Wir können uns laufend bemühen, sowohl unseren Empfänger ganz neutral und ohne gleich zu bewerten einzuschalten.
  • Wir können uns bemühen, unser Gegenüber zu motivieren uns zuzuhören
  • Wir können zu Jemand werden, dem man gerne zuhört
  • Wir können daran feilen unsere Botschaften so klar wie nur möglich zu machen
  • Wir können die Arbeit an unserer Kommunikation mit Freude verbessern.

 

Denn wer nach und nach versucht, seine Botschaft wirklich gut rüber zu bringen, der hat ein Pferd das nicht nur versteht, sondern auch mit dem gemeinsamen Ziel einverstanden ist.

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