Die Visitenkarte des Trainers

Die Visitenkarte des Trainers

Wer ist der beste Trainer für mein Pferd? Wie kann ich echtes Wissen von extrem guter PR unterscheiden? Und wieso sind die Pferde des Trainers seine Visitenkarte? 

Zwei Dinge haben mich in letzter Zeit zum Grübeln gebracht. Zum einen Bent Branderup, der bei seinem Seminar in Niederösterreich zu Ostern einige Denkanstöße gab.
Mittlerweile gibt es sehr viele Seminare und Fortbildungen für Ostheopathie, Physiotherapie, Körpertrainings usw. Bent kritisierte an dieser Stelle, dass es nicht reiche, sämtliche Knochen, Muskeln, Faszien, Sehnen oder Bänder nach ihren lateinischen Begriffen zuordnen zu können. Oftmals lassen solche Ausbildungen die praktische Erfahrung am Pferd vermissen. 

Der zweite Punkt, der mich zum Grübeln brachte, war die ewige Frage nach der Qualität von Trainern. Eine befreundete Trainerin war über eine alte Ausgabe der Feinen Hilfen gestolpert –  konkret Ausgabe Nummer 10. Darin beschreibe ich das Phänomen des Trainerhoppings aus der Sicht von Reitern. Nachlesen kannst du diesen Artikel hier. Von Trainer zu Trainer ziehen – das kann vielerlei Gründe haben. Manchmal sind Schüler jedoch auch förmlich gezwungen, den Trainer zu wechseln, wenn sich der Trainer zwar als Profi der Selbstvermarktung entpuppt, allerdings nicht als pädagogisch wertvoll. 

Viel Lärm um Nichts

Je komplizierter umso besser. Man kann Reitkunst ganz kompliziert machen oder man kann getreu nach meinem Motto „Einfach Reiten“. Ich finde in den sozialen Medien Beiträge, die vor Fachbegriffen nur so strotzen. Ich lausche fachchinesischen Vorträgen und mustere das Publikum. Ich sehe Verzweiflung, ahnungslose Gesichter und Unbehagen.

Muss man sich als Trainer heutzutage als einzig wahrer Experte positionieren? Mein Schüler, mein Kunde – der Ratlose. Ist dies tatsächlich das anzustrebende Ziel? Ich stolpere immer mehr über Beiträge, die den eigenen Expertenstatus unterstreichen und den Selbstwert des Schülers quasi „killen“. 

Sogar Trainerkollegen berichteten von schlechten Erfahrungen, die sie auf einer Weiterbildung gemacht hatten. Auch dort musste sich der Trainer profilieren, indem er die Wissenslücken des Gegenüber besonders betonte. 

Wie findet man den besten Trainer für sich und sein Pferd? 

An aller erster Stelle steht freilich das Können des Trainers, das die Ausübung des Berufs legitimieren sollte. Wer nichts kann wird schließlich weder vom zweibeinigen, noch vom vierbeinigen Schüler akzeptiert – zumindest ist die Akzeptanz nicht von großer Dauer. 

Ein guter Trainer kann auch zeigen wie es geht – und kennt hier das beste Timing. 

Im Unterricht geht es einerseits um die notwendige Theorie. Warum lernen wir, wann welche Lektion dran ist und welcher Inhalt dieser zu Grunde liegt? Wie kann ich mir den Inhalt eines Schulterherein  nutzbar für die Ausbildung meines Pferdes machen? Was muss ich in einem korrekten Schulterherein sehen – und noch wichtiger – was muss ich fühlen. So bin ich gerne bereit, einem Schüler die technische Seite immer und immer wieder zu erklären oder auch zu demonstrieren. Die wichtige Ebene der Gefühlsschulung kann ich jedoch niemandem abnehmen. Hier helfen Wiederholungen und das Feedback des jeweiligen Trainers. Wann hat man was gut gemacht? 

Mit der Zeit bekommt man durch die Rückmeldung des Trainers und viele Wiederholungen ein Gefühl für das Gute und das Falsche. 

Trotzdem muss ein Trainer auch wissen, wovon er spricht – und worüber er besser nicht spricht. 

So kann man bei mir lernen, wie man sein Pferd in Bodenarbeit, Handarbeit, Longieren, Langer Zügel, Crossover und auch vom Sattel aus korrekt und geschmeidig gymnastiziert.

Ich kenne meine Grenzen sehr gut. Wer Springunterricht nehmen möchte, ist bei mir eben an der falschen Adresse. Ein guter Trainer weiß also wo seine Grenzen liegen und bringt neben seinem Fachwissen ein großes Maß an Kompetenz und Empathie mit. 

Stereotype 

Es gibt auch verschiedene Stereoptype, also Attribute, die „kompetenten“ Trainern gerne zugeschrieben werden. 

Nicht Kompetenz sondern ein großes Mundwerk, Selbstbewusstsein, Dominanz und ein extrovertierter Typ gelten in den Augen der meisten Reiter schnell als guter Trainer. 

Solche Eigenschaften schreibt man auch gerne Führungspersönlichkeiten zu – allerdings auch in der Welt des Business gilt: Wer nichts kann, bringt die Blase bald zum Platzen. 

Ich bin der Größte…

Eine ganz dubiose Legitimation des Trainer Daseins kann auch sein, durch möglichst viel Kritik an Kollegen oder auch den eigenen Schülern aufzufallen. An der Bande schon schlimm genug wird dieses Phänomen ebenso gerne in sozialen Medien weiter getragen. 

Was muss ein guter Trainer können? 

In meinen Augen muss ein guter Trainer fachlich versiert sein – und eine Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung mitbringen. Ich selbst besuche bei Bent Branderup heuer vier Seminare, reite aber auch bei meinen Kolleginnen Hanna Engström und Annika Keller.

Mindestens vier bis fünfmal bilde ich mich bei Kollegen auf Wochenendkursen fort und lasse mich aber auch von Trainerkollegen anderer Sparten sehr gerne inspirieren.

In meiner „akademischen“ Familie gibt es viele Spezialisten. Hanna Engström zum Beispiel hat sich dem Sitz verschrieben. Annika lässt ihr Wissen aus Phystiotherapie und Ostheopathie mit einfließen. Ich selbst habe Kommunikationswissenschaften studiert, in meinen Unterricht fließt somit viel Psychologie aber auch Kreativität mit ein. So mache ich mir auch meine Fortbildung in Punkto Schauspiel zu Nutze, um Menschen für ihr Pferd „echt“ und authentisch werden zu lassen. 

Ein guter Trainer muss sich ständig weiter bilden – er muss aber wie schon oben gesagt auch seine eigenen Grenzen kennen. Empathie ist freilich eine wichtige Eigenschaft, aber auch Geduld und die Leidenschaft Fragen zu wiederholen. 

Meine Pferde – meine Visitenkarte

Die meisten Schüler haben den Weg über meinen Blog, über Empfehlungen, Mundpropaganda oder durchs Zuschauen beim Unterricht zu mir gefunden. Immer wieder kamen Schüler auch vor einer ersten Probestunde bei mir vorbei, um mich bei der Arbeit mit meinen Pferden zu  beobachten. Eine ausgezeichnete Sache, wie ich meine. Schließlich sind meine Pferde meine beste Referenz. 

Wie sieht das Pferd eines Trainers aus? Wie ist es bemuskelt? Wie verhalten sich Mensch und Tier im Umgang. Hat man das Gefühl, die beiden sind wirklich gerne miteinander zusammen? Freut sich das Pferd seinen Trainer zu sehen? Wie gestaltet der Trainer die gemeinsame Zeit mit dem Pferd? Wie wirkt das Pferd während des Trainings emotional? Ist es mit Eifer bei der Sache? Freut sich der Trainer an den Fähigkeiten des Pferdes oder sieht er nur die Defizite? Oder überspielt er möglicherweise sogar körperliche Baustellen und hat für alles eine gute Ausrede parat?

Ich bin eigentlich verwundert, dass so wenige Reiterinnen und Reiter die Arbeit eines Trainers mit seinem Pferd nicht vorab sehen wollen. Die eigenen Pferde des Trainers sind schließlich die beste Visitenkarte. 

Und es zahlt sich auch aus, den Trainer immer wieder mal zu besuchen. Meine Schüler können mir im Rahmen sämtlicher Kurse, die ich mit Kollegen veranstalte, ständig über die Schulter schauen. Wer sich neu für die Akademische Reitkunst und meine Arbeit interessiert kann gerne vorab bei uns am Horse Resort am Sonnenhof vorbei kommen und sich ein Bild machen. 

Diesen Rat kann ich sämtlichen Reiterinnen und Reitern nur ans Herz legen – egal welcher Passion ihr mit eurem Pferd folgt! 

Es ist gut, Anfänger zu sein!

Es ist gut, Anfänger zu sein!

Womit fängt man an? 

In der letzten Theorieeinheit am Sonntag beim Seminar in Niederösterreich Ende April erklärt Bent Branderup noch einmal, warum wir nicht mit der Primärhilfe in der Ausbildung beginnen, sondern den „Umweg“ über die Sekundarhilfen auf uns nehmen müssen. 

„Wir haben heute keine Lehrpferde, die unseren Sitz schulen können. Wir müssen die Sekundarhilfe zuerst den Pferden und den Menschen vom Boden aus beibringen“. 

Bent Branderup

Für die Elite? 

Bent Branderup taucht wie immer ein, in die Geschichte der Reitkunst. Früher war die Akademische Reitkunst etwas für Eliten. Sie wurde an den höfischen Reitakademien gelegt, sie war an die Universitäten angeschlossen und die ritterlichen Reitakademien. 

Für die ritterlichen Reitakademien waren die Qualifikationen: Männlich, katholisch und adelig. Das heißt aber nicht, dass man die reiterlichen Fähigkeiten mitbrachte. Heute bin ich unterwegs und staune, welches Wissen sich viele Reiterinnen und Reiter aneignen. Im Gegensatz zu den alten Reitakademien haben wir den Vorteil, das wir nicht fertig werden müssen. 

Nicht fertig werden? 

Ein Raunen geht durchs Publikum. Hat er tatsächlich gesagt, wir müssen nicht fertig werden? 

Richtig, denn früher mussten die Pferde für einen bestimmten Zweck ausgebildet werden. Allerdings konnten sich die Könige von einst ja auch leisten, jahrelang das Pferd in Ausbildung zu geben. 

Bent erzählt nun von Aufzeichnungen aus königlichem Stallinventuren aus dem Jahr 1698, die er durchforstet hat. 

Mit 4,5 Jahren kamen die jungen Pferde ins Gestüt. Wurden dann angeritten und haben die Ausbildung begonnen. Zwischen 12 und 16 Jahren waren die Pferde in der Kür und gingen dann in den Stall des Königs über, wo sie dessen Gebrauchspferde wurden. Nach 10 Jahren im Dienste des Königs kamen die nun rund 25 Jahre alten Hengste in die Hofreitschule, wo sie den jungen Eleven den Reitersitz lehrten. Ein junges Pferd war also mindestens 6 bis 8 Jahre lang in Ausbildung, bevor es quasi in die Nutzung kam. 

Befrei dich vom Zwang

Wir müssen heute nicht fertig werden. Wir haben den Zeit und Luxus, uns im Detail verlieben zu dürfen. Wir können uns eben diese Details aneignen und die Fähigkeiten des Reiters durch die Ausbildung in den Vordergrund stellen. Gerade Pferde, die wir heute als schwierig erachten, schulen uns durch die verschiedenen Facetten der Bodenarbeit prächtig. 

Von einem etwaigen Problem in die Praxis: Ein Pferdebein, das sich in der Luft befindet, kann keinen Widerstand leisten. Daher können wir im Stehen exakt überprüfen, ob ein Pferd eine Hilfe, wie etwa eine Parade auch tatsächlich verstanden hat. Der Widerstand kann sich darin äußern, dass Spannungen im Pferdekörper vorhanden sind – mentaler und physischer Natur. Viele unserer Hilfen sind natürlich darauf bedacht, überhaupt keinen Widerstand zu haben. 

„Wenn das Pferd steht, dann zeigt sich ob das Pferd die Hilfe tatsächlich verSTEHT“. 

Bent Branderup

Diese detailverliebte Arbeit wird von Vorteil, wenn der Reiter viel über Hilfengebung und Sitz lernen kann. In der Bewegung kommt dann noch Schwung dazu. Im Stand entwickeln wir Reiter jedoch ein präzises Gefühl für die Gewichtsverteilung auf den vier Pferdebeinen. Gleichmässig? Immer zu einer Seite hin verschoben? Kann das Pferd ein Hinterbein etwa gar nicht belasten und weicht mit der Hinterhand aus? Somit lässt sich laut Bent Branderup schon im Stand überprüfen, ob das innere Hinterbein später im Galopp zum Tragen kommen wird – oder eben nicht. 

Die Luxus-Longe

Bent erzählt von seiner eigenen Ausbildung. Bei den verschiedensten Lehrmeistern oft Tage- oder Wochenlang an der Longe zu reiten war Luxus, allerdings ist das heute auch ein nicht leistbarer Luxus. Denn wer hat heute noch eine Hofreitschule? 

„Früher schon kostete es ein Vermögen, geschulte Reiter auszubilden. An den Reitakademien bekamen die Professoren für Reitkunst übrigens die höchsten Gehälter. An der Uni Göttingen verdiente ein Reitkunst Professor das doppelte und in Dresden das Fünfache im Vergleich zu einem Professor für Architektur.“

Bent Branderup

Wir müssen heute also andere Wege finden, um Reiter auszubilden. Und eine Möglichkeit, die Bent hier nennt, ist sich selbst zu longieren.  

Bent Branderup erklärt, dass die akribische Ausbildung auf dem Zirkel vor allem für den Reiter dienlich ist. Dieser kann sich auf viele Details im eigenen Körper konzentrieren. Wir können uns an der Longe vorstellen, wie es sich anfühlen müsste. So können wir langfristig unser Gefühl dahingehend schulen, um später zu beurteilen, was etwas der bessere und was der schlechtere Schritt war. Wie hat sich die Gangart angefühlt? 

Das Richtige muss verstanden werden gegenüber dem Falschen. Oder das Bessere gegenüber dem nicht ganz so Guten. Wie fühlt sich das an und wie sieht es aus? Was man zuerst in der Bodenarbeit sehen kann, nimmt man später durch die ausführliche Schulung des Gefühls mit in den Sattel. 

So nehmen wir eine laterale Verschiebung oder eine diagonale Verschiebung im Schritt unter uns war. Bei der lateralen Verschiebung bewegt sich das Pferd passartig, bei der diagonalen Verschiebung eher in Richtung Schulschritt. 

Ein einmal geschultes Gefühl bleibt dem „Sitz“ haften. 

So erzählt Bent Branderup von seiner Zeit auf Island und den unterschiedlichsten Tölt-Kulturen, denen er später begegnete. 

„Ich habe ein Jahr lang auf Island mit Pferden gearbeitet. Wir haben Pferde oder auch Schafe getrieben. Daher kann ich heute den Islandpferdereitern sagen, wenn man mit dieser Reitweise keine Schafe mehr treiben kann, dann habt ihr eure Kultur verloren. Wenn man Tölt nicht mehr im schwierigen Gelände reiten kann, dann bin ich uneinig wenn man heutige Töltinterpretationen nur mehr auf festgebügeltem Boden reiten kann. 

Wir haben verschiedene Interpretationen. Tölt hat man in der Südamerikanischen Tradition sicherlich anders definiert als in der Isländischen. Und genau so ist es mit anderen Dingen. Die großen Meister der Akademischen Reitkunst waren auch Vorbild für die HDV12. Aber man muss wissen, dass Steinbrecht nie ein Gebrauchspferd ausgebildet hatte. Steinbrecht hat Zirkuspferde ausgebildet. Um ein solches Pferd zu erwerben, musste man sich erstmal bewerben – und das taten die Leute sogar aus den USA“. 

Bent Branderup

Bent Branderup zeigt den Weg von Gustav Steinbrecht. Dieser war Schüler von Luis Seeger und dieser wiederum Schüler von Max Ritter von Weyrother, seines Zeichens Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule in Wien. 

Als dann später die HDV12 entwickelt wurde, kamen die besten Reiter ihrer Zeit zusammen und haben eine Reitweise „gebastelt“, die eine Anleitung bieten sollte, wie man so rasch wie möglich ein gutes Gebrauchspferd ausbildet. Allerdings war das Problem: 

Minimalismus

Minimalismus ist ein Privileg der Meister. Warum das so schwierig ist, erklärt Bent Branderup am Beispiel von Stellung und Biegung. 

Der Anfänger muss zu Beginn etwas übertreiben, damit man überhaupt sehen kann, ob das gewünschte Ergebnis da ist. Eine ganz leichte Stellung und Biegung ist schwieriger wahr zu nehmen. Man kann zu Beginn in der Übertreibung leichter sehen, ob das Genick im Konter zur Schulter steht, oder der Hals an den verschiedensten Stellen verbogen ist. Zunehmend entdeckt der Reitschüler dann, was übertrieben war und wo man reduzieren kann. Das gilt für viele Dinge. 

Zuerst müssen wir wahrnehmen können. Seitwärts ist auch nicht unbedingt gleichzusetzen mit guter Qualität von Seitwärts. Dafür brauchen wir aber auch eine Grundidee von Biomechanik aus der Theorie. Diese ist die Basis, um zu verstehen, was unser Pferd so besonders macht. Hat das Pferd Probleme mit den Knien? Hat es Probleme in den Sprunggelenken? Bewegen sich die Hüftgelenke in eine falsche Richtung? Gibt es gar Probleme im Rücken. 

Zuerst steht also immer die Analyse und dann einen Inhalt für unser Pferd. Wir müssen unserer Reise damit beginnen, was das Pferd kann. Wenn wir also zu Beginn sehr ruhig reiten, dann haben wir Zeit zu spüren und setzen das Pferd nicht starken Kräften der Beschleunigung und Entschleunigung aus. Wir erinnern uns an dieser Stelle an den ersten Theorieteil und die Probleme im Bereich des Schultergürtels. Wer mag kann nochmal hier nachlesen. 

Wir reiten zum Schutz unserer Pferde ruhig – später können wir mehr Energie hinzufügen. 

Jeder fängt als Anfänger an – aber nicht auf Facebook

Bent kritisiert die Unkultur in sozialen Medien, alles anzugreifen, was nicht perfekt ist. Das macht doch das Anfänger Dasein umöglich. Dabei kann der Anfänger doch noch gar nicht perfekt sein. 

Also nehmen wir uns die Ruhe, um unser Pferd zu analysieren. Wie fußen die Hufe auf? Was ist für die Gelenke gesund, was ungesund. Wenn das Pferd für uns nicht bequem ist zu sitzen, dann ist es für sich selbst nicht bequem. 

„Wir sind für dei Kunst zweckbefreit, aber leider auch zweckentfremdet. Deswegen reiten wir Lektionen nicht, damit das Pferd darin besser wird, sondern es ist wichtig, es ist wichtig, jede Lektion in ihrem Nutzen für das Pferd zu definieren. Nicht die Lektion muss besser werden, sondern das Pferd, dann war es richtig“

Bent Branderup

Schau in den Spiegel

„Wird eine Lektion nur dafür verwendet, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mal mögen? Menschen verwenden das Geld, das sie nicht haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mal mögen. Wenn wir so reiten, dann muss man sich zwangsläufig fragen, warum wir überhaupt Pferde haben. Menschen spiegeln sich in den Augen von anderen Menschen. Klar hat man eine Freude daran, anderen zu imponieren. Das ist ziemlich menschlich. Daher mögen wir auch ein Pferd, das uns besonders gut aussehen lässt. Aber dann sollten wir uns fragen, was ist Verliebtheit? Wir reiten ja unseretwegen, wegen der guten Zeit mit dem Pferd“. 

Bent Branderup

Übung macht den Meister

Wenn wir üben, dann werden wir auch Fehler begehen. Das macht nichts, solange wir die Fehler erkennen und an ihnen wachsen. Wenn man in sozialen Medien andere Reiter ausrichtet, dann kann man sich dadurch besser fühlen – man wird davon aber nicht besser. 

Selbsterkenntnis ist die Grundvoraussetzung, um weiter zu kommen. Auf dem Weg zur Reitkunst muss man daher immer wieder die eigne Ist Situation von Mensch und Pferd analysieren. Was kann man gut, was kann man weniger gut? Wo gibt es Probleme? Woran kann man wachsen? Daraus definieren sich die Inhalte der Ausbildung für PFerd und Mensch. 

Die Sache mit dem Jonglieren

Wer Jonglieren will, fängt auch nicht mit vielen Bällen gleichzeitig an. So ähnlich ist es auch mit der Sekundären Hilfengebung. Wir lernen ein Set an Hilfengebung, aber wir müssen eine Hilfe nach der anderen hinzufügen und uns immer wieder fragen: Bringt diese Hilfe gerade etwas? Wer schon mal unterscheiden kann zwischen den Hilfen von Unterschenkel, Oberschenkel, der Einwirkung von Hand und Zügel, den Gewichtshilfen, dem physischen und statischen Sitz, der hat schon ziemlich viele Bälle in der Luft. 

Die gute Nachricht

Nicht Talent ist ausschlaggebend, sondern Leidenschaft. Wer mit Passion dabei ist, dem wird beim Üben nicht langweilig. Und man darf nicht vergessen – wir müssen nicht reiten – wir dürfen. 

Unter den wachsamen Augen von Bent Branderup reiten wieder 8 Reiterpaare in Graz, am 29. und 30. Juni 2019, wenn wir uns bei diesem Themenseminar dem Sitz widmen werden. Viele verschiedene Pferderassen und unterschiedliche Themen in der Ausbildung sind vertreten. Zur Vorstellung der Reiter auf Facebook geht es hier..

Neugierig geworden? Dann teile mit uns deine Leidenschaft und sichere dir unter diesem Link die letzten Zuschauerplätze! 

Miteinander tanzen

Miteinander tanzen

Wie verbessern wir das Miteinander von Mensch und Pferd?
Wie schaffen wir einen gemeinsamen Tanz?

Beim Seminar mit Bent Branderup Ende April ging es um Sekundäre Hilfengebung. Kursbericht Teil 2 heute in meinem Blog:

Wir müssen Biomechanik immer im Verhältnis zum Reitersitz verstehen und begreifen. Anders gesagt: Der Sitz funktioniert erst dann, wenn die Hinterbeine unter den Bauch des Pferdes, genauer unter den Reiter fußen. Wenn die Schwerpunkte übereinstimmen zwischen Pferd und Mensch/ oder Sitz. 

Was Tanz und Reitkunst vereint

Für den Reiter bedeutet das, er muss zum perfekten Tanzpartner werden. ER muss in seinem Körper all das kommunizieren, was er vom Pferd gerne möchte. 

„Der Herr schlägt vor, die Dame interpretiert. Was man im Sitz macht, das muss das Pferd spiegeln. Das geht aber nur, wenn das Hinterbein sich in der richtigen Position befindet. Schon Xenophon wies den Reiter an, einfach so zu tun, als ob man mit den eigenen Füßen liefe“. 

Bent Branderup


Schwerpunktverlagerungein in einem Lebewesen sind so kompliziert, gibt Bent Branderup in seinem zweiten Theorievortrag an, dass kein moderner Computer diese Verlagerungen mitberechnen kann.

Von Elchen, Forschung und Schwerpunkt

Stichwort Elchtest – ein Auto bewegt sich im Vergleich zu einem Lebewesen weit weniger komplex. Der Zaubertrick der lebendigen Bewegung ist möglich durch ein Organ im Ohr, das effektiver arbeitet als ein moderner Rechner.

„Die Uni Stockholm hat jedes Pferdebein in einer Studie auf die Waage gestellt. Später kamen dann Hufschuhe mit einer Druckmatte. Ziel war es, die Schwerpunktverlagerungen messbar zu machen. Moderne Warmblüter wurden dann anpiaffiert – und die Ergebnisse waren bahnbrechend. Bis zu 80 Prozent der Tiere kamen auf die Vorhand. Kann man daraus tatsächlich den Rückschluss ziehen, Versammlung mache das Pferd schwerer auf der Vorhand? Spätestens in der Levade musste diese Hypothese jedoch widerlegt werden. Sind moderne Warmblüter überhaupt dafür geeignet, eine These von Gueriniere anzuwenden? Wenn ich in meinem Garten ein Loch grabe und keinen Wikingerhelm finde – habe ich dann tatsächlich den Beweis erbarcht, dass es die Wikinger gar nicht gab? Jede Antwort führt uns zur Möglichkeit weitere Fragen zu stellen. Daher gehe ich lieber von den Alten Meistern aus – sie haben tausende Jahre an Erfahrungen“. 

Bent Branderup

Was kümmert es die Hummel?

An dieser Stelle erinnert Bent Branderup an die Geschichte von der Hummel: Wissenschaftlich gesehen könnte die Hummel ja gar nicht fliegen. Glücklicherweise hat sich die Hummel nicht um eine solche Ansicht gekümmert. 

Für uns Reiter bedeutet das im Umkehrschluss vielleicht auch, nicht jede Aussage für uns für bare Münze zu nehmen. So mancher Ratschlag hat uns eher gebremst als beflügelt
Die Hummel flog also weiter, bis die Wissenschaft entdeckte, warum sie doch fliegen kann – sie macht übrigens eine Extradrehung für extra Auftrieb. 
Bent Branderup bezieht sich aber gerne auf erprobte Ratschläge – beispielsweise von Antoine de Pluvinel oder noch älter- Xenophon

Konkret interessieren uns an diesem Punkt der Theorieeinheit noch immer die Schwerpunktverlagerungen (wir erinnern uns: Reitkunst ist zwei Schwerpunkte zusammen zu bringen). In dem gemeinsamen Tanz soll das Pferd der Schwerpunktverlagerung des Menschen folgen. Nimmt er den Schwerpunkt in seinem Sitz also eher nach vorne, dann soll auch das Pferd im Idealfall so reagieren und auch mit seinen Hinterbeinen weiter nach vorne kommen.

Die Sache mit der Physik

Hier wird es spannend: Wie weit kann der Hinterfuß nach vorne mit schwingen, ohne dass das Pferd auf die Vorhand fällt? 
Als Ausbilder unserer Pferde wollen wir diese Fähigkeit bereits in der Bodenarbeit schulen – dabei geht es aber nicht nur ums Pferd, schließlich müssen wir sehen lernen. Es gibt verschiedene Richtungen, in die wir den Schwerpunkt verlagern können – und somit schlagen wir das nächste Kapitel der Theoriestunde auf: 

Die Seitengänge – oder anders gesagt: Balance

„Wenn man von Physika ausgeht und nicht von der Reitkunst, dann sprechen wir von Gleichgewicht. Die meisten Reiter haben das mit Newton aber nicht so ganz drauf.“

Bent Branderup

Wir berühren das Pferd physisch – wenn wir also auf dem Pferd sitzen, dann sind wir permanent da – wir können unsere Hilfe also oft nicht so leicht aufgeben. Und dann kommen noch die verschiedenen Schwingungen dazu. 
An dieser Stelle fragt Bent gerne in der Theorie ob denn Isländerreiter im Auditorium anwesend sind. Und verblüffend: Wenn er diese Reiter um ihr Sitzbild in Tölt oder Trab bittet, dann kann er ohne Pferd die Qualität der Gangmechanik des jeweiligen Pferdes entlarven. Mal ein guter Tölt, mal ein Scheinepass. 

„Wie sieht das Schwungbild aus und wie wird es übertragen – das ist die dritte Haupthilfe aus dem Sitz.“

Die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd überprüft der dänische Ausbilder am liebsten im Stehen in der Arbeit mit der Parade. Das Pferd soll sich im Stehen vorwärts abwärts strecken und den Sitz des Reiters spiegeln. Der Schwerpunkt muss sich aber auch mehr in Richtung der Hinterhand verlagern lassen. Aber fangen wir mit dem „Leichten“ an – und hier tröstet Bent Branderup die Zuhörer: 

„Schon Guérinière sagte, dass das Nachgeben die Schwierigste Hilfe ist. Denn das Nachgeben lässt sich nicht verstärken“. 

Wenn das Pferd die Hand sucht, dann kürzt es die Bauchlinie ab, es kommt zu einer Dehnung der Oberlinie und das Pferd fällt hoffentlich nicht auf die Schulter. Im Stehen können wir gut sehen, ob sich das Pferd in der Schultermuskulatur fest hält. Viele Pferde können sich in einem solchen Fall gut im Schulterherein (auch im Stand) lösen lassen. Für den Reiter bedeutet das, den inneren Schenkel sowie den äußeren Zügel zu benutzen. Aber der äußere Zügel darf nicht zu stark am Gebiss einwirken und die äußere Oberlinie abkürzen. Hier reist Bent noch einmal in die Vergangenheit der Reitkunst. Er erklärt im Detail, dass die Zügelhilfe wirklich auf den Lederriemen am Hals abzielt, man soll sich besser die Hilfe eines Halsrings als die Hilfe eines Zügels am Gebiss vorstellen.

Guérinière sei übrigens der einzige, der diese Hilfe so im Details erklärt. Viele andere Autoren innerhalb der Alten Meister gingen davon aus, dass ein Könner ihr Werk studierte. Dem Könner brauchte man dieses kleine Detail nicht verraten. Aus diesem Blickwinkel wäre es zudem spannend verschiedene Werke der Reitkunst zu studieren. 

Die Sache mit der Stillen Post

Weil es für viele Autoren eine Selbstverständlichkeit war, Selbstverständlichkeiten für Reiter nicht mehr zu erwähnen haben wir heute das Phänomen, dass der moderne Leser sofort mit der äußeren Hand (oftmals rückwärts) einwirkt, wenn er mit dem äußeren Zügel etwas auslösen möchte. 


Auf dem Weg zur Balance müssen wir mal die Schultern, mal die Hinterhand bewegen. „Warum reiten wir all diese Seitengänge“, fragt Louis XIII. seinen Reitmeister Pluvinel? „Damit wir gerade richten können“, lässt uns Bent heute wissen. 

Von Pluvinel geht es weiter zu den 200 Seiten von Gustav Steinbrecht. Das Gymnasium des Pferdes ist der Formgebung der Wirbelsäule gewidmet- der Frage, wie sich Schwung aus der Hinterhand zum Genick überträgt. 
Bereits am Vormittag konnten wir in der Praxis gut beobachten, wie die Reiter im Stand ihre Pferde in der Bodenarbeit formten. Nicht immer konnte man die Hinterbeine schon perfekt platzieren, um eine optimale Formgebung in der Wirbelsäule auszulösen.

Manchmal musste das innere Hinterbein quasi etwas weiter hinten stehen als das äußere Hinterbein – nur dann war es möglich, die Parade in der Bodenarbeit korrekt durch die gesamte Wirbelsäule zu schicken. Zwingt man die Hinterbeine in eine bestimmte Form, dann würde das Becken nach außen rotieren. Die Biegung wäre nicht mehr optimal. 

„Wenn wir aber weiter in die Hinterhand fühlen wollen, dann müssen wir auch die Gelenke der Hinterhand korrekt zueinander und parallel platzieren. Wir wollen das Gewicht mehr und mehr in Richtung Hinterhand verlagern. Zu Beginn werden wir das Pferd jedoch von der Körpersprache ausgelöst nach vorwärts locken, um dann im nächsten Schritt die Parade einzuleiten. Wie bringen wir dem Pferd dies bei, wenn es das physisch noch nicht kann?“


Bent Branderup ermuntert die Zuschauer zu Forschern zu werden. Das erste Ziel: Abwärts strecken. Daher also die Forschungsfrage: Kann das Pferd Gras fressen? So tief muss es sich aber nicht strecken – wir führen den Schwerpunkt zurück zu einer Grundbalance. Vielleicht kann das Pferd unsere Aufforderung aber auch mental nicht umsetzen? Immer auf das Individuum eingehen. 

„Ein Theoriebuch ist nur ein grobes Grundgerüst um das Ideal zu verstehen“. 

All diese Paraden – und wozu das Ganze? 

Bent Branderup erklärt eindringlich, warum ihm die Arbeit und Schulung der Paraden so wichtig ist. Wir können mit einem Stück Metall (Kandare) niemals die Hanken biegen. Reiter müssen verstehen, was eine Parade ist. Was ist eine Parade? Im Besten Fall ist eine Parade eine Mitteilung an das Pferd. Und nicht der Mensch führt die Parade aus, sondern das Pferd.

„Reite die Hinterfüße unter den Bauch des Pferdes und gib ihm eine Parade, so dass es die Hinterhand beugt“ – dieses Zitat von Xenophon ruft uns Bent Branderup immer und immer wieder in Erinnerung.

Diesmal fügt Bent Branderup noch einen Zusatz mit einem Augenzwinkern hinzu: „Und wenn wir diese Paraden geschafft haben, dann bekommt das Pferd die schönsten Gangarten, die man sich nur vorstellen kann“. 
Die Hand ist also nur eine Mitteilung an das Pferd. Das Pferd muss die Botschaft allerdings auch umsetzen können. Der Mensch denkt – die Hand lenkt – oder eben nicht. Der Mensch ist visuell und manuell geprägt. Wir wollen ständig mit der Hand etwas tun, aber auch die Reiterhand will erst ausgebildet werden. Sie muss in den Körper des Pferdes spüren können, um zu analysieren, wo etwaige Verspannungen liegen oder was eben aus der Hinterhand kommt – oder eben nicht. Und das Wichtigste: Die Hand muss auch aufhören können, wenn etwas erreicht wurde. 


Wenn wir das Pferd in der Bewegung arbeiten, dann lässt Bent Branderup in der Praxis prüfen, ob die Vorhand tatsächlich dort hin schwingt, wo die Pferdenase hinzeigt. Das Pferd soll zur nachgiebigen Hand hin dehnen. Für eine korrekte Dehnungshaltung brauchen wir aber eine gedehnte Oberlinie bei gleichzeitig aktivierter Bauchmuskulatur. Macht man den Hals kurz und eng, dann nimmt man dem Rücken die Tätigkeit. Das Becken muss sich bewegen können und darf nicht durch die Reiterhand ausgebremst werden. 
„Das erste, was wir also anstreben ist das Rausstrecken für ein horizontales Gleichgewicht“. 


Ob die Pferde in der ersten Einheit tatsächlich gut über den Rücken geschwungen ist, überprüft Bent Branderup dann gleich nochmal am Hallenboden. Der dänische Ausbilder wandelt durch die Halle und sucht nach Hufabdrücken. Er findet einen Abdruck im Sand und stellt sofort fest: 
„Hier haben wir ein leichtes Runterdrücken in der Zehe an der Innenwand. Da ist das Pferd nicht ganz in Balance. Aber dieser Abdruck hier, der ist gleichmässig in den Sand gedrückt. Man sieht sogar schön den Strahl. Da gehe ich davon aus, das wäre ein korrekter Hufniederschlag“. 
Das Pferd muss immer in seinen natürlichen Grundlagen gearbeitet werden. Das Pferd darf also nach seiner Ausbildung nicht schlechter laufen, konstatiert Bent Branderup: 

„Nehmen wir einen Weltmeister der Dressur und stellen wir dieses Pferd einem Mustang Hengst vor – dieser würde sich kaputt lachen, denn der Krüppel vor ihm wäre nicht mehr überlebensfähig. Nach zwei Wochen in der Wüste von Nevada wäre das Pferd tot. Solche Pferde, die wider ihrer Natur gearbeitet wurden, würden sich die Beine kaputt schlagen, wenn sie 40 Kilometer in Geröll und auf verschiedensten Boden schaffen müssten“. 

Immer wieder kommt Bent Branderup zum horizontalen Gleichgewicht in seinem Vortrag zurück. Es zieht sich wie ein roter Faden durch seinen zweiten Theorievortrag. Die Voraussetzung für einen guten Reitersitz ist auch, dass sich das Pferd im horizontalen Gleichgewicht bewegen kann. Bent spricht weiter von der zweiten Parade, wo wir immer mehr Gewicht auf die Hinterhand bringen wollen, um die Hinterhand in eine bestimmte Tätigkeit zu versetzen. 
Bent demonstriert anschaulich am eigenen Körper, wie die verschiedenen Bein-Positionen Beugung verhindern oder ermöglichen. Einmal das Bein schräg gestellt, einmal gegrätscht, einmal X-beinig – und schon kann man im Knie nicht mehr beugen. Daher ist eine gewisse Übereinstimmung zwischen der Körpermasse und den Gelenken unabdingbar. 


Folgt das Pferd der Schwerpunktverlagerung im Reiterkörper nicht, dann ist da die schon angesprochene Sekundärhilfe Reiterhand, die das Resultat verbessern soll – das geht aber nur, wenn die Pferde und auch die Reiter eine Ausbildung der Hand(habung) erfahren haben. In der zweiten Parade strebt der Reiter nach Bent Branderup nach dem Gefühl, das Pferd weiterhin schön über den Rücken zu reiten, nun trägt sich das Pferd aber selbst. Bent erklärt noch einmal anschaulich die verschiedenen Positionen, in denen wir die Sekundarhilfen schulen. Die Schenkelhilfen können wir aus der Bodenarbeitsposition vor dem Pferd, aus der Handarbeitsposition neben den Schultern des Pferdes, aus der Longenposition mit Distanz, aus der Langzügelposition und aus dem Crossover heraus, der alle Positionen vereint schulen.

So kann der innere Schenkel, sekundiert durch die Gerte das innere Hinterbein vermehrt zum Schwerpunkt holen, bis wir ein Schulterherein in der jeweiligen Position abfragen oder auch ein Kruppeherein, wenn die Gerte in Richtung der äußeren Hüfte des Pferdes zeigt. Vor dem Pferd spürt die Hand ganz anders, als neben dem Pferd, hinter dem Pferd oder mit zunehmender Distanz und natürlich macht es auch einen Unterschied, ob wir an der Longe arbeiten oder vierzügelig mit einer Hand über dem Widerrist des Pferdes. 

Dann erklärt Bent Branderup noch die einzelnen Touchierpunkte. Manchmal braucht man den Punkt nahe am Hüftgelenk um eben dieses zum vermehrten Beugen zu aktivieren. In der Bewegung kann man das steife Knie ebenso berühren – wenn die Hufe schleppen, dann wandert die Gerte am Pferdebein nach unten und fordert das Sprunggelenk auf, etwas mehr zu beugen. Das Sprunggelenk ist in seiner Tätigkeit an das Knie gekoppelt – man kann keine Sprunggelenkstätigkeit abfragen, ohne das Knie mit zu aktivieren. Das hat also oft einen positiven Effekt auf beide Gelenke. 
Bei aller Blickschulung in Richtung der Hinterhandgelenke gibt Bent Branderup aber noch einen Hinweis: Unterhalb des Knies sind relativ wenige Muskeln. An den Muskeln kann man innerhalb von Monaten an Verbesserungen arbeiten – allerdings sind unter dem Sprunggelenk nur noch Sehnen und Bänder zu finden – eine Verbesserung der Hinterhandtätigkeit in diesem Bereich bedeutet jahrelange Kleinarbeit. 

Was sind die Ziele der Ausbildung? 


„Der Fluch des Anfängers ist, dass man oft einen Weg anstrebt oder ein Ziel, das man noch gar nicht kennt“. 

Es ist aber wichtig ein Ziel zu definieren. Das gilt auch für unsere Touchierpunkte. Hier mahnt Bent davor zu sehr an einem Heben der Beine zu arbeiten – denn dann heben die Pferde die Hinterbeine aus dem Becken heraus, und dann..„..kriegen wir eine Rüden-Pinkel-Piaffe. Es geht also nicht darum, dass die Beine möglichst hoch kommen, es geht mit der Zeit um die verbesserte Fähigkeit der Elastizität und Dehnbarkeit. So ist das Ausbilden nur eine reine Unterweisung der Hilfengebung, schreibt Steinbrecht“. 
In der Theorie also hat unser Pferd die physische Fähigkeit – und hat es die Hilfen gelernt, dann braucht es lediglich Kommunikation, Fähigkeit und Routine. Routine hat auch etas mit dem zentralen Nervensystem zu tun. Und dort werden eben Bewegungsmuster gespeichert. 


Stichwort „Steinbrecht“

Mit einer Henkeltasse demonstriert Bent Branderup nun die Biegungen und wie die Oberschenkel die Vorhand lenken. Er erklärt, wie der äußere Oberschenkel den Brustkorb einladen kann nach oben zu rotieren und warum der innere Absatz tief sein muss (damit der Brustkorb innen gut runter rotieren kann – und natürlich soll der Reiter nicht in der inneren Hüfte einknicken). 
Die Schenkel sind also wichtige Assistenten, um den Brustkorb auf den Sitz einzurichten. 
Bevor es an die Praxiseinheiten geht, wiederholt Bent Branderup noch einmal die Schenkelhilfen. Die Köpfe rauchen: 

  1. der direkte Schenkel spricht das gleichseitige Hinterbein an
  2. Der um sich rum biegende Schenkel sorgt für die korrekte Biegung und wird unterstützt vom 
  3. Von sich weg biegenden Schenkel
  4. Fällt ein Hinterbein aus, dann benutzen wir den verwahrenden Schenkel
  5. Der umrahmende Schenkel fügt sich ebenso in das Konzert der Hilfengebung und zuletzt fügen wir noch den 
  6. Versammelnden Schenkel hinzu, der dem Pferd den Moment des Abfussens mitteilt. 

Das Endprodukt


Sehen wir laut Bent Branderup sehr gut in der Gebrauchsreiterei. Wir dürfen beim Reiten in der Bahn keine Dinge tun, die für den Gebrauch unplausibel wären. 


In der Praxis am Nachmittag war wieder alles dabei. Bodenarbeit, gerittene Arbeit. Unermüdlich referierte Bent Branderup und wurde nicht müde immer wieder auf die wichtigste Hilfe hinzuweisen. Den Sitz. 


Mehr zur Primären Hilfengebung gibt es beim Sommerkurs mit Bent Branderup in Hart bei Graz. Neugierig geworden?
Die letzten Zuschauerplätze könnt ihr unter folgendem Link ergattern. Wir freuen uns schon sehr, wenn wir im Sommer in den Genuss von 3 Thoerie-Einheiten und 24 Praxiseinheiten kommen – gefolgt von einem immer emotionalen Wort am Sonntag. 

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