Hilfen müssen helfen

Hilfen müssen helfen

Kursbericht Bent Branderup: Sekundäre Hilfengebung

Wenn man auf das Pferd einwirkt, dann muss man verstehen worauf man einwirkt und wie man einwirkt. Das und vieles mehr, war Thema beim ersten Seminar mit Bent Branderup im Equimotion Reitzentrum in Mannersdorf/ Niederösterreich. Einen ausführlichen Bericht über die gelungene Kurspremiere in drei Teilen!

Bent Branderup lässt uns gleich in der ersten Einheit des Seminars rund um Sekundäre Hilfengebung nachdenken: Er fragt nach, was die primäre Hilfe passend zu den Sekundären Hilfen wäre, wenn wir diese nutzen wollen. 

Schon geht es ab nach Frankreich zu Antoine de Pluvinel (1555-1620), dessen Ziel es war, das Pferd aus der Hüfte heraus zu dirigieren. 


„Wenn das Pferd nicht auf den Sitz reagiert, was wäre die Sekundärhilfe dazu? Der heutige Reiter glaubt: Oben bleiben wäre der Sitz, oder „eine hübsche Figur machen“ wäre der Sitz. Deswegen muss die Reise für viele umgekehrt verlaufen, wir üben zuerst die Sekundärhilfen und müssen dann danach suchen, womit im Sitz wir die Sekundärhilfe ersetzen!“

Bent Branderup

Das bedeutet soviel wie:  Wenn man die Sekundärhilfe kann, dann kann man nach einem Ersatz suchen im Sitz. Bent Branderup gibt an dieser Stelle zu Denken, ebenso wie Gustav Steinbrecht in seinem Gymnasium des Pferdes schon tat: 

„In der Literatur wird oft von einem ausgebildeten Reiter ausgegangen. In der Realität ist es leider umgekehrt. Der Reiter heute hat kaum eine professionelle Ausbildung. 

Es hat noch nie in der Geschichte eine Zeit gegeben, wo unausgebildete Reiter auf unausgebildeten Pferden lernen. Der unausgebildete Reiter wurde früher auf dem ausgebildeten Schulhengst ausgebildet. Das würde heute ein Vermögen kosten – wenn man sich eine eigene Hofreitschule leisten würde.“

Bent Branderup

Verständnis für die Hilfengebung entwickeln

Eine Hilfengebung ist Kommunikation – es drückt einen Wunsch aus. Kommunikation besteht aber immer aus zwei Lebewesen. Was drückt der Mensch aus und was das Pferd? 

„Erst in dem Moment, wo das Pferd ja sagt, seinen Reiter versteht – erst dann wird Kommunikation zur Hilfe – sonst kann man dem Pferd nicht helfen. Und wenn Hilfen nicht helfen, dann waren sie keine Hilfen“. 

Bent Branderup

Bent Branderup warnt allerdings gleichzeitig davor, manche Hilfen nicht zu „Dauerkrücken“ werden zu lassen – diese können den Namen Hilfe nicht verdienen. Kommunikation ist schließlich ein Element, das tatsächlich vom Empfänger der Botschaft verstanden werden muss. Einige Hilfen wird das Pferd vielleicht verstehen, auch wenn sie nicht logisch strukturiert zusammen hängen. Für den Ausbilder ist es aber von großer Bedeutung, dass die Hilfen, die vom Boden gegeben werden, auch letztendlich Hilfen werden, die dem Sitz sekundieren. 

Wenn man eine primäre Hilfe nutzt, die das Pferd nicht versteht oder noch nicht umsetzt, dann kommen die Sekundären Hilfen dazu, die dem Pferd bereits in der Bodenarbeit geläufig waren. Dann haben wir eine gute Brücke. Bodenarbeit – Longenarbeit, Handarbeit, Langer Zügel und schließlich der Crossover schließen eine Lücke bis zum Reiten. 

„Wir nehmen am Anfang verschiedene Führpositionen gegenüber dem Pferd ein und zum Schluss so eine dämliche Führposition wie oben drauf Sitzen“. 

Bent Branderup

Die Sprache der Pferde nutzen

Wir müssen davon ausgehen, dass das Pferd eine eigene Sprache hat. Das was wir dem Pferd beibringen, ist eine Fremdsprache. Als Däne hat Bent Branderup auch Deutsch erst später gelernt – zuerst brauchen wir aber eine Erstsprache oder Muttersprache, die wir gut beherrschen. 

An dieser Stelle denke ich persönlich auch an Reiter, die immer wieder angeben, sie wollen sich aus allen Systemen das Beste rauspicken. Um das aber zu können, muss ich ja das gesamte System kennen und verstehen – und auch die Erstsprache perfekt beherrschen. Auch aus Französisch, Italienisch oder Englisch kann ich mir nicht gerade die Vokabel raussuchen, die mir gefallen. 

Wenn wir mit dem Pferd eine Kommunikation finden wollen, dann ist es weder Pferdekommunikation noch Menschensprache, die wir nutzen – wir müssen eine gemeinsame Sprache zwischen Mensch und Pferd schaffen. 

Wie wichtig die artgerechte Aufzucht ist, betonte Bent Branderup auch für das spätere Reiten: 

„Viele Fohlen sind das, was ich Treibhausfohlen nenne. Die sind der Box geboren und werden nicht abgesetzt, bis man die Mutter rausnimmt. Ein solches Fohlen ist sprachlos und ein solches hat keine Soziale Kompetenz.“

Bent Branderup

Wie laufen Pferde miteinander und können wir danach unsere Hilfengebung auslegen? 

Bent Branderup zeichnet aus Vogelperspektive ein Pferd auf das Fliphart. Hinter dem Pferd läuft der Hengst, ihm gehört die Herde. Vor der Herde läuft die Leitstute, die ein Überholen kritisch mit ihrer Hinterhand zu ahnden versuchen wird. Die Herde läuft seitlich versetzt. Nach diesem Muster funkntioniert laut Bent Branderup jede Herde. 

Warum man keine Elche reiten kann? 

Ganz einfach – die schwedische Post hatte versucht mal Elche nicht vor den Karren, sondern unter den Sattel zu spannen. Ohne Erfolg, denn ein Elch ist kein Herdentier, er ist Einzelgänger und dementsprechend fehlt ihm das Herdenverhalten, das wiederum grundlegend bei der Ausbildung von Reittieren von Hilfe sein kann. 


„Deswegen können wir Pferde, Esel oder Elefanten, Jacs oder Lamas ausbilden und reiten“. 

Bent Branderup

Wenn wir an Pferde herantreten und uns sozusagen in den Führpositionen einer Herdenstruktur bewegenn dann müssen wir uns fragen: 

„Wer bin ich in den Augen meines Pferdes“? 

„Wie sieht mich das Pferd in einer bestimmten Position? Sieht es mich als sein Herdentier, dann stehe ich in der Position weiter hinten. Die Leitstute hat man nicht zu treiben, auch nicht als Hengst. Sieht mich der Hengst aber als untergeordnetes Mitglied der Herde, hat er quasi jedes Recht mich zu treiben. Er muss verstehen welche Rolle ich in der Herde haben möchte – er muss auch mir das Recht einräumen aus dieser Position heraus zu führen.“

Bent Branderup

So kann es unterschiedliche Probleme in den unterschiedlichsten Führpositionen geben. Pferde, die sehr hengstisch sind und den Menschen vor sich her treiben wollen, reagieren, wie der Hengst der die Herde „von hinten“ zusammen hält und mit den Zähnen vor sich her treibt. Pferde, die im Menschen die Mutterstute interpretieren, legen den Kopf auf den Bauch des Menschen und sind von dort quasi nicht mehr weg zu bewegen. Dann wird es schwer von der Bodenarbeitsposition in die Longenposition zu kommen. 

Das Pferd muss ja zwangsläufig unsere Kommunikation mit den Bildern aus seiner eigenen Welt interpretieren. Daher muss ich verstehen, wer ich in den Augen meines Pferdes in dieser Position in diesem Moment bin. 

Werde ich als Leitstute angesehen? Dann wird das Pferd von sich aus der Leitstute folgen. Wenn das nicht geschieht, dann brauche ich eine Hilfe, wo ich dem Pferd meinen Wunsch mitteilen kann. Als verlängerter Arm kann die Gerte in die spätere Schenkellage des Reiters zeigen – so bringen wir dem Pferd zuerst den inneren Schenkel – später über den Rücken geführt den äußeren Schenkel bei. Wir fordern das Pferd auf mit dem Hinterfuß nach vorne zu greifen. 

„Jeder der schon mal auf einem Jungpferd gesessen hat und anreiten wollte, wird die Reaktion des Pferdes erlebt haben, dass das Pferd anstelle anzugehen, die Muskeln zusammen gezogen und einen Katzenbuckel gemacht hat.“

Bent Branderup

Dass der innere Schenkel das Pferd zum vorwärts einladen kann, das ist also eine erlernte Sache. Es gibt keine Hebel und Zahnräder am Pferd, ermahnt uns Bent Branderup an eine allzu mechanische Hilfengebung zu denken. 

„Alle Reaktionen sind angelernt, es gibt keine natürliche Hilfe. Die Vorstellung einer natürlichen Hilfe zwischen Mensch und Pferd ist falsch.“

Bent Branderup

Daher müssen wir das Auge des Menschen schulen – denn die Reiter müssen die Antwort des Pferdes verstehen. Wir müssen also zuerst wissen, was wir vom Pferd erfragen wollen und dem Pferd die entsprechenden Hinweise geben – dann muss das Pferd versuchen wollen uns zu interpretieren. Wenn das Pferd keine Motivation hat uns zu verstehen, dann werden Hilfen nicht leicht. In der Ausbildung müssen wir unser Handeln so plausibel wie  möglich für das Pferd gestalten. 

Mit vielen Zeichnungen erklärt Bent Branderup die einzelnen Positionen jedes Herdentiers und wie wir diese Positionen nach und nach in Sekundarhilfen umwandeln können. Und so wird – aus der Gefühlswelt des Pferdes heraus ein Rahmen gebaut, den der Mensch greifbar für Kommunikation und Hilfengebung nutzen kann. Elementare Führübungen sind daher auch eine ziemlich wichtige Vorarbeit für die Bodenarbeit. Wer am Halfter links und rechts neben der Schulter des Pferdes führen kann, einmal das Tempo langsamer, einmal schneller gestalten, nach rechts und links wenden kann – das ist eine der wichtigsten Grundlagen für die weitere Ausbildung. 

Die Bodenarbeitsposition 

In der Akademsichen Reitkunst gibt es nicht nur „die Bodenarbeit“. Grundsätzlich sind wir Reiter zu Fuß unterwegs – alles, was wir am Boden mit dem Pferd unternehmen können ist nicht nur äußerst facettenreich sondern fördert ungemein Kreativität und Gefühl – schließlich lernen wir eine Hilfengebung rund um das Pferd und erforschen, wo uns das Pferd in welchem Moment als führender Tanzpartner am Besten gebrauchen könnte.

In der Bodenarbeit wollen wir uns in der Frontposition vor dem Pferd einen guten Überblick verschaffen, wir können aus dieser Perspektive die Antworten des Pferdes leichter ablesen. Diese erste Blickschulung ist am Wichtigsten, denn wenn der Mensch das Pferd nicht lesen kann, dann ist keine Antwort verständlich. 

Selbst wenn das Pferd eine Hilfe falsch interpretiert hat, dann war es ja ein Versuch uns als Menschen zu verstehen. Der Mensch antwortet auf den Versuch des Pferdes nicht mit „Nein“, sondern mit „Ja aber – schön dass du versucht mich zu verstehen“. 

„Unbedingt loben, wenn das Pferd etwas richtig errät. Wenn man verabsäumt, dem Pferd zu sagen, ob es richtig war, dann versäumt man zu lernen. Denn Gelernt ist nur das, was das Pferd erinnern kann. Was könnt ihr noch aus dem Unterricht in Physik aus der Schulzeit erinnern? Weg ist es. Aber man hat dort auch Lesen und Schreiben gelernt und kann heute noch Lesen und Schreiben. Aber jahrelang lernen wir etwas für die Schule, das wir später nicht können. Das gibt es auch beim Reiten – ich habe Leute gesehen, die bei rennomierten Reitmeistern Jahrelang geritten sind und nach 40 Jahren nicht beeindruckend reiten konnten!“ 

Bent Branderup

Bent Branderup rät daher immer wieder zu überprüfen ob das Pferd tatsächlich gelernt und verstanden hat. Weiter geht es in der umfangreichen ersten Theorieeinheit mit:

Vorwärts verstehen

In der Bodenarbeitsposition zeigen wir dem Pferd also den inneren Schenkel und möchten gerne, dass der Hinterfuß die Körpermasse durch Vorgriff vorwärts bewegt und nicht hinten raus schiebt. Was ist der Unterschied zwischen Vorwärts und schnell? Ein Pferd kann schnell werden, wenn es die Gelenke nach hinten raus öffnet. Und vorwärts? 


„Das wäre eine Erklärung – der Akademische Sitz funktioniert nur dann, wenn der Hinterfuß des Pferdes unter dem Reiter auffußt. Wenn der Schwerpunkt zwischen Mensch und Pferd übereinstimmen“. 

Bent Branderup

An dieser Stelle legt Bent Branderup seinem lauschenden Auditorium den Unterschied zwischen Beschleunigung und Entschleunigung ans Herz. Wenn das Vorderbein des Pferdes alleinig an der Entschleunigung teilnimmt und die gesamte Körpermasse auffangen muss – dann spüren wir unsanfte Stöße in unserem Sitz. Das Pferd kann aber nicht nur für den Menschen unbequem sein – das Pferd ist es dann unweigerlich auch für sich selbst. 

Für jedes Pferd entscheidet also korrektes Vorwärts auch über eine positive Körperwahrnehmung unter dem Reiter. Damit uns das Pferd gut tragen kann brauchen wir jahrelange Ausbildung. Schulterherein, Kruppeherein, Piaffe – das sind Inhalte für Pferde, die ihre Hinterbeine von Natur aus nicht korrekt unter die Körpermasse setzen. Strampeln auf der Stelle ist somit belanglos und inhaltslos, denn es führt ja nicht zum Ziel – ein gutes Reitpferd zu werden. 

Von guten und schlechten Piaffen führt der Weg in Bents Theorie unweigerlich zur Führung zwischen den Schultern. Von der Bodenarbeitsposition arbeiten wir uns langsam in die Handarbeitsposition von außen geführt. Dabei haben wir die Hand über dem Widerrist und empfangen Informationen aus der Hinterhand. Wir interpretieren, was in der Hand ankommt – oder eben auch nicht. Unsere Präsenz außen neben dem Pferd lässt uns stärker in die Position des äußeren Zügels wandern. Die Verlagerung des Brustkorbs zwischen den Zügeln ist ein ziemlich wichtiger Teil der Ausbildung. Im Gegensatz zum Menschen hat das Pferd kein Schlüsselbein, da hängt beim Pferd also die Schulter frei im Gewebe. In dem Moment, wo der Brustkorb schwer in den Schultern hängt, wird der Brustkorb festgehalten von den Schultern. Was aber, wenn der Rückenschwung ja aus der Hinterhand kommt? Bent Branderup demonstriert, was in seinem eigenen Gang passiert, wenn er die Arme frei schwingen lässt und im nächsten Moment vor dem Oberkörper verschränkt. Der Rückenschwung bleibt im zweiten Beispiel stecken. 

Das zeigt: Die Vorhand kann keinen Schwung erzeugen. Wer die Arme vor dem Oberkörper verschränkt wird automatisch zum Passgänger – der Pass kommt aus der Steifheit und der Blockierung der Schulter und führt zu einer fest gehaltenen Wirbelsäule. Die Hinterhand kann die Schultern leicht machen – Bent Branderup erklärt nun ausführlich, wie ein Vorderbein den Brustkorb zum anderen Vorderbein vorwärts schiebt. Das wäre eine Bewegung, bei der die Hinterhand komplett rausfällt. Im Gegenzug dazu stellen wir uns das Ideal vor – wenn das Hinterbein bzw. die Hinterhand dem Brustkorb eine Richtung gibt. 

Bent Branderup erklärt dem Publikum wo die Augen die fehlerhafte Belastung des Brustkorbs festmachen können – nämlich an den Fesseköpfen. Wenn wir die Fesselköpfe nach unten gedrückt werden, dann wissen wir: Hier lagert zuviel Gewicht auf dem Vorderbein. 

Wenn wir dieses Übergewicht erkennen, dann wandert das Auge ans Genick und prüft die korrekte Stellung des Pferdes. Warum ist uns das wichtig? Die Stellung beeinflusst in jedem Fall auch die Beckentätigkeit – Stellung und Positionierung des Beckens korrespondieren quasi miteinander. 

Wenn das Becken auf einer Seite vor und runter rotiert – also reiten wir beispielsweise auf der linken Hand, dann würde der Brustkorb rechts außen hoch rotieren, innen links nach unten. Diese Rotation geht weiter durch den Hals des Pferdes bis hin zum Genick. Und hier nennen wir das Ergebnis Stellung. Somit ergibt sich: Die Stellung muss grundsätzlich von der Hinterhand nach vorne produziert werden – aber in der Bodenarbeit können wir dem Pferd aus unserer Frontposition erstmals ganz gut erklären, was wir gerne erarbeiten möchten. 

Eine gute Stellung wird meistens verhindert, wenn der Brustkorb in der äußeren Schulter fest hängt.

„Daher werden wir die äußere Schulter etwas nach innen nehmen. Und genau deswegen ist Schulterherein DIE lösende Lektion. Dadurch können wir aber auch erkennen, wie viele Menschen Schulterherein missverstanden haben. Denn viele Reiter stellen ihr Pferd zur Wand und treiben das Pferd über das stehende äußere Vorderbein noch mehr nach außen. Das ist dann kein Schulter herein sondern ein Schulter heraus“. 

Bent Branderup

Man muss natürlich festhalten: die wenigsten Reiter begehen absichtlich einen Fehler. Aus der Handarbeitsposition können uns diese fehlerhaften Versuche jedoch bei der Entwicklung des Gefühls und des Verständnis sogar hilfreich sein. 

„Wir lernen mit der Hand zu verstehen, wo die Spannungen, die wir fühlen überhaupt entstehen. Diese Fehler gehen sehr sehr selten vom Genick aus“. 

Bent Branderup

An dieser Stelle entführt uns Bent Branderup kurz in die Zahnheilkunde. Warum ist eine Zahnbehandlung, die aufgrund der Erfahrung mit Galopprennpferden entwickelt wurde nichts wert? 80 Prozent der Galopper werden gerade mal zwei Jahre alt. Die Zahne wachsen allerdings nicht, wie man glaubt. Die Zähne schieben nach, aber wenn sie komplett ausgebildet sind, dann gibt es quasi nichts mehr zum Nachschieben. 

Weiter geht es mit der Hergabe oder Hingabe des Genicks. 

„In erster Linie geht es darum herauszufinden, ob Spannungen iM Körper sind und dann zu analysieren, wo diese herkommen. Wie tief kann der Reiter in den Pferdekörper horchen – spürt man eine Spannung im Genick?Nicht die Hand soll aber an das Pferd herantreten, sondern das Pferd muss an die Hand herantreten.“

Bent Branderup

Grundsätzlich warnt Bent Branderup davor, ein Gefühl für einen bestimmten Spannungszustand als ursächlich abzutun – oftmals spüre wir lediglich die Symptome. Das Problem liegt physisch gesehen an einer ganz anderen Stelle. 

In den nachfolgenden Praxiseinheiten widmeten sich Reiter und Pferd der Bodenarbeit. Dazu mehr im zweiten Teil des Kursberichts nächste Woche – und natürlich gab es weitere ausführliche Theorieeinheiten 🙂

Bent live erleben?

Mehr über Bent Branderup gibt es live beim Sommerkurs in Hart bei Graz. Neugierig geworden? Letzte Zuschauerplätze können wir unter folgendem Link vergeben.

Perspektivenwechsel

Perspektivenwechsel

„Besonders für die Akademische Reitkunst geeignet“. Mit diesem Slogan werden zunehmend Pferde gerne in Verkaufsportalen angeboten. Meine liebe Kollegin Celina Harich hat sich dazu Gedanken gemacht – wer Celina kennt weiß – es bleibt nicht bei einem Aspekt.
Ich freue mich sehr, diesmal einen Gastartikel von Celina Harich auf meinem Blog zu präsentieren:

Die Skandinavier an sich ein sehr freundliches Volk. Die Regel ist: Je kühler die Temperatur, desto liebevoller der Umgang. Direkte Kritik ist eher unüblich. Je weiter es in den Norden geht, desto weicher ist die Sprache. Ich mag das ja. 

Celina Harich

Nach ich einigen Jahren im Skandinavischen Ausland, empfinde ich heute Deutschland immer noch als hektisch und unfreundlich. Die recht emotionslose deutsche Klarheit in der Sprache hingegen ist wundervoll. Man muss so wenig raten. In Skandinavien sprechen wir Code. Das muss man lernen zu entcoden. Statt: „Das ist Mist, was Du da grade machst“ sagt der Skandinavier: „Hätte was werden können“.
Versteht man erst nach genauerem Hinterfragen.

Das gilt natürlich auch für die Reiterwelt. Steht in einer Verkaufsanzeige „besonders für die Akademische Reitkunst geeignet“ ist das auch Code. Hinter dieser Beschreibung verbergen sich (meistens) verschiedene Typen, die nach der allgemeinen Auffassung besonders geeignet sind: 

Die Entschlüsselung des Codes

Typ 1:  Das Pferd ist von Natur aus nicht mit besonders viel Talent gesegnet, und damit im Sport nicht zu gebrauchen. Wenn irgendwas helfen kann, dann Akademische Reitkunst.
Typ 2: Das Pferd ist geistig / körperlich / seelisch schon schwer geschädigt und traumatisiert. In der Akademischen Reitkunst nimmt man darauf ja Rücksicht.
Typ 3: Dieser Typ Pferd war mal wirklich talentiert. Leider haben Rücken/Beine/Sehnen dem Anspruch nicht gehalten. Die Akademische Reitkunst macht ja hauptsächlich Rehabilitation.
Eine weitere Variante bietet Typ 4: Benimmt sich völlig verrückt und unberechenbar. Die Akademische Bodenarbeit kann das richten.

In meiner Zeit auf Gotland, dieser wunderbaren schwedischen Insel, zu der ich immer wieder gerne zurückkehre, durfte ich sie alle kennenlernen. Weil Ekeskogs ein Ort mit genug Platz ist, meine Kollegin Hanna Engström ein großes Herz hat, und ich wahnsinnig genug bin, auch noch das fünfzehnte Pferd am Tag zu arbeiten – deswegen haben sie alle einen Platz bei uns gefunden. Die Pferde, die für die Akademische Reitkunst besonders geeignet sind. 

Alle Varianten habe ich kennenlernen dürfen. Das brandgefährliche Jungpferd, dass schon den Hänger auf der Hinfahrt zerlegt hat. Das Pferd mit Weideunfall, das nur noch Pass in verschiedenen Geschwindigkeiten gehen konnte. Das Pferd mit täglich wechselnder Lahmheit, oder das Pferd mit so schiefem Brustkorb, dass das Karpalgelenk nicht mehr grade werden konnte. Das Pferd, dass beim Heben der Gerte nur noch verrückt wie ein Elefant auf der Stelle trampelte. Den Traber mit durchtrennter Zunge, den Spanier mit einem Leben im chronischen Schmerz, den Lipizzaner ohne Rücken und den Warmblüter, der in 200-ster Hand war. 
Wow, was für eine Herausforderung. Aber auch: Was für ein wundervoller Spielplatz, sich auszuprobieren und die beste, individuelle Lösung für diesen Geist und diesen Körper zu finden.

Was ich gelernt habe?

Alle meine Kompetenzen im Sinne des Pferdes einzusetzen. Wenn kompetente Behandlungen nicht greifbar sind, finden sich auch andere Werkzeuge. 

Meine Erfahrungen aus der Verhaltenstherapie mit traumatisierten Gebrauchshunden half mir, schnell zu Zugang zu den verschiedensten Charakteren zu finden. Die akademische Werkzeugkiste ist Grundlage, Zugang zum Körper zu finden. Die Menge an zu betreuenden Pferden hat mich vor eine riesige Herausforderung gestellt. Das letzte Pferd am Tag hat die gleiche Liebe, Präzession und Aufmerksamkeit verdient wie das Erste. Klarheit, Struktur und Didaktik haben eine neue Dimension in meiner Arbeit bekommen und einen völlig anderen Stellenwert, als wenn ein oder zwei Pferde zu betreuen sind.

„Das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant.“

Moshé Feldenkrais

Kleinteilige Bewegungsmuster sind oft der Schlüssel zur Losgelassenheit und Entwicklung.  Jeden Tag durfte ich auf dieser Basis kleine und große Wunder erleben. 

Manchmal war die Lösung ganz offensichtlich. Manchmal durfte ich etwas tüfteln. Immer habe ich Lösungen gefunden. Taktfehler, kaputter Rücken, kann nicht Traben  –  wenn nichts mehr ging, dann sind die Pferde und Schüler gerne zu mir „überwiesen“ worden, von Tierärzten, Osteopathen, Kollegen und Nachbarn.

Mein schwedischer Spielplatz hat mir viele Ideen mitgegeben und reiche Erfahrungen, für die ich dankbar bin und aus denen ich schöpfen darf. Meine Welt hatte sich in Schulterherein, Kruppeherein, verschiedenen Biegungen und Beugungen aufgeteilt, mit denen ich erfolgreich allen Pferden helfen konnte.

„Alles hat eine Zeit und einen Ort im Leben.“

Celina Harich

Meine eigenen Pferde, und mein Despino zu aller erst, nehmen ihren Bildungsauftrag mir gegenüber sehr ernst. Wenn ich mich auf irgendetwas im Leben verlassen kann, dann darauf. Glaube ich, eine Materie zu verstehen und zu beherrschen, zeigt Despino mir, dass es da noch etwas anderes zu lernen gibt. Und dass es ihm persönliche wichtig ist, dass ich da jetzt hingucke.

Leider bin ich als Menschenkind nicht immer direkt dafür offen und manchmal etwas resistent, bevor ich hinhöre. Diesmal hat er mich an einen alten Wunsch erinnert. 
Osteopathie, Akupunktur und TCM haben immer eine große Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Den Pferdekörper noch besser zu verstehen, war bereits mit Anfang 20 ein tiefer Wunsch. Meine Reise in die Reitkunst jedoch war so spannend und zeitintensiv, dass ich die Ausbildung immer verschoben und schließlich vergessen hatte.
Meine Resistenz war auch diesmal groß. Fast zwei Jahre habe ich zugesehen, wie es meinem eigenen Pferd immer schlechter ging. Der Beginn war ein kleiner Husten. Als nächstes kam ein Deckunfall (den auch übermotivierte Wallache wie er gerne mal haben), von dem er sich körperlich nur oberflächlich erholte. Ein Wurmbefall mit Bandwürmern, die trotz regelmäßiger medizinischer Betreuung nicht Einhalt geboten werden konnte, rundete das Bild ab.


Daraus resultierte: Was auch immer ich reiterlich versucht habe – es wurde schlechter. Mein Pferd verlor Muskulatur, Elastizität und vor allem Freude und Bewegungslust. Meine Welt, in der Reitkunst DAS Rehabilitationsmittel war, funktionierte bei meinem eigenen Pferd nicht mehr. Nicht so gut für das Ausbilder – Ego. Machtlos stand ich daneben, und habe für ihn alle Behandler der Welt bestellt – Osteopathie, Energetik, Schulmedizin, Homöopathie. Geholfen hat nichts. 

Und nun?

Gibt es Zufälle im Leben? Ich weiß es nicht. Was 15 Jahre nicht zusammenkommen wollte, fiel einfach an seinen Platz.  Und ganz zufällig zog es mich zu einer Schule für Osteopathie, die ihren Schwerpunkt auf eine sanfte, liquide und funktionelle Osteopathie gelegt hat. Liquide und craniosacrale Techniken sind fester Bestandteil der Ausbildung. Meridianlehre und Akupressur gehören ebenfalls zum Lehrplan. Zufällig fielen die Termine mit meinen „Urlaubstagen“ zusammen.  

Selber behandeln wollte ich eigentlich nie. Verständnis für den Körper hätte mir als Output der Ausbildung auch gereicht. Mein Pferd jedoch war wirklich konsequent mit mir. Er nahm ab, der Rückenmuskel verschwand, er wurde immer zäher und weniger responsiv auf die Reiterhilfen, dünner und mit dickem Bauch. Der Husten kam immer wieder, und wollte gerne eine COPD werden. Sein Körper war mittlerweile so wenig widerstandsfähig, dass eine Neopren-Fliegenmaske weiße Druckstellen wie bei einer Serreta-Narbe auf seinem hübschen Köpfchen hinterlassen haben. Ich habe kurz überlegt, wahnsinnig zu werden. Stattdessen kaufte ich einen (weiteren, besseren) Inhalator. Nur geholfen hat es genau gar nichts.

Wenn ich Dinge tue, dann lerne ich auch ordentlich. Und natürlich mussten meine Pferde als „Testopfer“ während meiner Ausbildung herhalten. Als ich craniosacrale Technik lernte, passierte etwas in meinem Pferd – und ein halber Liter Schleim floss aus seiner Nase auf meine Schuhe, eine zähe gelb-grüne Substanz. Danach wurde der Husten deutlich besser. 
Ein weiteres Modul Ausbildung, in dem das Thema Narben und Nebenhöhlen behandelt wurde, lenkte meine Aufmerksamkeit auf eine Narbe am linken Auge. 3jährig hatte er sich das Auge auf der Weide verletzt und musste operiert werden. Die Nebenhöhlen auf der linken Seite waren komplett verschleimt. Den Hinweis hatte ich auch nach einer Bronchoskopie nicht gefunden. 

Liebe lässt uns an uns glauben!

Mein Pferd glaubt wirklich an mich. Er verwickelte sich freiwillig in einen Unfall mit unglücklichen Umständen. Er zwang mich dazu, mich ausgiebig mit Meridianen und Faszien zu beschäftigen. 
Über fast 6 Wochen kam er in den Genuss regelmäßiger Behandlungen. Von Tag zu Tag konnte ich unter der Behandlung sehen, wie mein Pferd sich körperlich veränderte. Er wurde runder, schwingender, veränderte sich muskulär – ganz ohne Training, den das rechte Hinterbein hatte zu großen Teilen keine Haut mehr zu dem Zeitpunkt.  Vor allem aber wurde er glücklicher. Als ich 6 Wochen später das erstmalig wieder aufsaß, hatte ich ein neues Pferd unter mir. Und noch viel besser: mein Altes zurück. Auch wenn die Kraft für eine Piaffe nicht reichte – aber alle Hilfen, Biegungen und Stellungen, alles, was wir mal gelernt hatten, war ohne Aufwand wieder da.

Meine Welt aus Schulterherein und Kruppeherein hat jetzt wieder Sinn gemacht,  und konnte positiv auf mein Pferd einwirken. Sein Weg zurück wird noch ein bisschen dauern. Aber – jeden Tag hat er wieder mehr Kraft. 
Und das allerbeste: Mein Pferd frisst trockenes Heu, ohne zu Husten. Er kann 20 min problemlos galoppieren. Wir haben von einer Power Kraftfutterration von 3kg / Tag auf genau 80g Mineralkräuter reduzieren können, denn mehr benötigt sein Körper nicht mehr. Der resistente Wurmbefall hat sich verabschiedet. Und er wiehert wieder, wenn er mich sieht.

About me
Celina interessiert sich für alles, das zu einem umfassenden Verständnis von Körper, Geist und Seele beiträgt. Ihre Kompetenzen sind neben der Akademischen Reitkunst auch energetische Osteopathie und Körperarbeit. Aber vor allem ist sie Pferdemädchen mit Leib und Seele. Ihr Wissen gibt sie auf Seminaren und Online mit Freude weiter.
Zum Weiterlesen: www.celinaharich.com oder www.equidemia.com


Der Sitz in der Akademischen Reitkunst

Der Sitz in der Akademischen Reitkunst

In der Akademischen Reitkunst legt man großen Wert auf den Sitz. Manche Reiter anderer Reitstile werfen „den Akademikern“ allerdings Sitzfehler vor. Für die Ausgaben der FEINEN HILFEN Nr. 25 wurde ich interviewt, um Missverständnisse aufzuklären.

FEINE HILFEN: Was hat der Sitz in der Akademischen Reitkunst für einen Stellenwert?

Anna Eichinger:Einen sehr großen Stellenwert – nicht umsonst wird der Sitz als primäre Hilfe bezeichnet. Primär deshalb, weil der Reitersitz nie aussetzen kann. Wenn wir auf dem Pferd sitzen, dann wirken wir auch immer ein – ganz unabhängig davon, ob wir jetzt mit der Qualität der Einwirkung zufrieden sind oder nicht. 

Die Art und Weise, wie wir auf dem Pferd sitzen, verrät sehr viel über uns als Mensch im Alltag. Ich denke, jeder Reiter kennt das Gefühl, wenn Großhirn, Kleinhirn und Körperteile versuchen miteinander zu kommunizieren und die Bewegungen in unserem Körper leider ganz anders ankommen, als wir es geplant hatten. 

Um etwas Aufklärung in die Sache mit der Bewegungslegasthenie zu bringen, hilft uns zunächst einmal die Auseinandersetzung mit der Theorie. Weil sich die Frage explizit auf die Akademische Reitkunst bezieht darf ich hier folgende Definitionen näher erläutern:

  1. der physische Sitz
  2. der statische Sitz 
  3. der fühlende Sitz.

Der Reiter folgt den Bewegungen des Pferdes und nimmt darauf Einfluss – das wird als physischer Sitzbezeichnet. Wir müssen uns zunächst also mit den Bewegungsabläufen des Pferdes – insbesondere denen der Wirbelsäule beschäftigen. Die Wirbelsäule schwingt dreidimensional, das heißt im Brustkorb beobachten wir eine Bewegung nach oben und unten, eine seitliche Bewegung sowie eine Rotation. 

Es gibt viele Reiter, die über Rückenschmerzen klagen. Andererseits wird diese dreidimensionale Bewegung der Pferdewirbelsäule eingesetzt, um Menschen mit körperlichen Schwierigkeiten in der Therapie zu helfen. Wie passt das zusammen? 

Stellen wir uns vor, wir sitzen auf dem Pferd und reiten auf der linken Hand. Wenn das linke Hinterbein, also das innere Hinterbein abfußt und nach vorne schwingt, fühlen wir, wie sich unser linker Sitzknochen nach vorne-unten bewegt wird. Das Pferdebein fußt auf und schiebt nach hinten – unser linker Sitzknochen wird nach hinten-oben geführt. Wir können eine sachte Kreisbewegung unserer inneren Hüfte wahrnehmen, die möglichst gleichmäßig und rund ablaufen sollte. Gegengleich spüren wir die Bewegung ebenso in der äußeren Hüfte. Sitzen wir also gegen die Bewegung, dann kommt es unweigerlich zu Verspannungen in der eigenen Hüfte, was sich wiederum auf Becken, Lenden-, Brust-  und Halswirbelsäule des Reiters auswirkt. Nicht anders ergeht es dem Pferd. So gesehen blockiert ein „gegen die Bewegung sitzen“ den korrekten Rückenschwung – manchmal sogar mit voller Absicht, um die Bewegungen des Pferdes noch spektakulärer erscheinen zu lassen. 

Unser Ziel in der Akademischen Reitkunst ist allerdings den mal größeren und mal kleineren Rückenschwung zu fühlen und mit zu gestalten – je nach Versammlungsgrad und Bewegungsrichtung. Womit sich der Kreis zur gezielten Einflussnahme schließt und wobei der Reiter den Bewegungen des Pferdes stetig folgt. 

Der statische Sitzist für die verschiedenen Gleichgewichtsrichtungen zuständig. Unser Ziel in der Akademischen Reitkunst ist es, das Gleichgewicht von Reiter und Pferd in Übereinstimmung zu bringen. In der Bodenarbeit schulen wir daher bereits unser Auge, wenn wir dem Pferd zeigen, wie es korrekt unter seine Masse hin zum Schwerpunkt treten soll. Später, auf dem Pferd, können wir anstelle unseres Auges auch unser Ohr einsetzen. Tritt das Pferd nicht in Richtung Schwerpunkt, sondern daran vorbei, wird es vermutlich nicht nur schwer in der Hand, sondern der Fuß wird auch schwer auf dem Boden aufsetzen. Wir hören und spüren die Erschütterungen, wenn der Schwung nicht korrekt über die Wirbelsäule von der Hinterhand an die Vorhand übertragen wird. 

Was passiert also, wenn wir die Schwingungen des Pferdes verändern, mal zulegen und mal wieder aufnehmen? Hier ist der statische Sitz unser wichtigster Assistent. So können wir beispielsweise unseren Schwerpunkt im Kruppeherein in Richtung innerer Schulter verschieben, um ein wenig zuzulegen und in Richtung innerer Hüfte des Pferdes, um das Kruppeherein ein wenig zu versammeln. 

Jeder hat schon mal in der Reitschule das Kommando gehört: „Sitzen Sie gerade“. Was bedeutet „gerade“ im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt? Diese Anweisung nutzt dem Reiter also relativ wenig, wenn er nicht erfühlen kann, ob die Hinterbeine des Pferdes in Richtung Schwerpunkt unterwegs sind oder daran vorbei treten? 

Der fühlende Sitzist mit Sicherheit eine sehr individuelle Zutat rund um den korrekten Sitz. Wie fühlt sich für Sie Harmonie an? Manchmal höre ich von Schülern die Klage: Ich fühle nichts. Wir sind so sehr darauf programmiert, dass wir Fehler suchen und Fehler erspüren. Wenn dann alles klappt und harmonisch wird, dann ist es doch ein zarter Hauch von Nichts, der uns als Belohnung geschenkt wird. 

Um zu fühlen müssen wir verstehen. Um zu verstehen müssen wir die Theorie studieren: Was wollen wir überhaupt sehen, wie sieht korrekter Rückenschwung aus, wie sollen sich Hinter- und Vorhand bewegen? 


„Nur einem denkenden Reiter kann man einen fühlenden Sitz lehren und der Reiter muss verstehen, was er fühlt.“

Bent Branderup

In der Bodenarbeit schulen wir zunächst unser Gefühl für korrekte Stellung und Biegung, wir erfassen erstmals die dreidimensionale Schwingung der Wirbelsäule des Pferdes. Wir entwickeln ein Gespür dafür, was überwiegt, Rückschub oder Vorgriff. Später nehmen wir dieses geschulte Gefühl mit in den Sattel – oftmals mit einer großen Enttäuschung. Was vom Boden aus so toll geklappt hat, fühlt sich nun vom Sattel aus anders an. Natürlich, denn wir haben das Pferd zwar so weit geschult, aber in der Bodenarbeit noch nichts für unseren physischen und statischen Sitz getan. 

FEINE HILFEN:Vielen AR-Reitern wird vorgeworfen im Stuhlsitz zu reiten. Tatsächlich sieht man oft, dass die Unterschenkel weiter vorn liegen, als etwa bei klassisch-deutschen Dressurreitern. Warum ist das so?

Eichinger:  Zunächst einmal müssen wir uns – auch ohne die gesehenen Bilder von lernenden Schülern zu kennen – über die Definition klar werden: Ist tatsächlich ein Stuhlsitz, ein offener Sitz oder ein geschlossener Sitz gemeint? 

In der Akademischen Reitkunst gib es viele unterschiedliche Pferderassen und Menschen. Oft haben wir das Phänomen, dass sehr große Pferdehüften mit einer enormen Bewegung auf ein kleines, menschliches Becken treffen. Hier passen die Größenverhältnisse nicht optimal zusammen. 

Nehmen wir beispielsweise eine junge Reiterin auf einem Kaltblutpferd. Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk, der Oberschenkel kann sich nur begrenzt aus dem Hüftgelenk bewegen. Die Reiterin versucht trotz alledem den Bewegungen des Pferdes korrekt zu folgen. Ohne Sattel und geeignetes Pad sitzt der Reiter dann zu breit, der Reiter kann tatsächlich in den Stuhlsitz kommen, wenn der Oberschenkel nicht mehr entlasten kann und das Gesäß des Reiters dann zu weit nach hinten  gedrückt wird. Das Hüftgelenk wird dann nach vorne rausgepresst. Wir brauchen in solch einem Fall dann einen Sattel, damit der Oberschenkel besser nach unten gleiten kann; der Sattel würde außerdem den Abstand zwischen Gesäßknochen und Pferderücken auch vergrößern. Manchmal ist es aber auch aufgrund des enormen Größenunterschieds schwierig, einen passenden Sattel zu finden, der den Reiter adäquat platziert. Ich denke, viele Reiter fühlen sich in der Akademischen Reitkunst als Lernende besonders gut aufgehoben, da sie nicht in eine bestimmte Form gezwungen werden, die sie rein physisch noch gar nicht einnehmen können. 

Oder um es auch mit Gustav Steinbrechts Worten zu sagen: 

„Ein eingewurzeltes Vorurteil hat einen so genannten Normalsitz des Reiters festgestellt, nämlich die Körperhaltung, die der Reiter zu Pferde ein für allemal anzunehmen habe. Ich suche in dem Umstand, dass dieser Normalsitz dem Schüler von Anfang an angewiesen und mit Strenge eingeübt wird, den Hauptgrund, weshalb viele junge Reiter von der Reitbahn und dem systematischen Studium der Reitkunst abgeschreckt werden……. Einen Normalsitz zu Pferde, wenn man darunter eine auch nur für die Mehrzahl der Fälle richtige Körperhaltung verstehen will, gibt es gar nicht, denn der Reiter sitzt nur dann richtig zu Pferde, wenn der Schwerpunkt oder vielmehr die Schwerpunktlinie seines Körpers mit der des Pferdes zusammenfällt. Nur dann ist er mit seinem Pferde in vollkommener Harmonie und gleichsam eins mit ihm geworden……Wer einsieht, dass Schönheit und Leichtigkeit des Sitzes nicht von der Körperhaltung des Reiters alleine, sondern ebenso sehr von der guten Haltung und dem geregelten Gang des Pferdes abhängen, der wird es natürlich finden, wenn ich rate, den Schüler, sobald er Sicherheit gewonnen hat, darauf hinzuführen dass er auch auf die Richtung des Pferdes einwirkt, sollte dies auch unter Einbuße an vorschriftsmäßiger Haltung geschehen“.

Gustav Steinbrecht, Das Gymnasium des Pferdes

FEINE HILFEN: Man sieht dich oft ohne Sattel oder im Fellsattel. Was macht das Reiten ohne (Baumsattel) mit deinem Sitz? Hat es ausschließlich positive Effekte oder hättest du Bedenken, wann man nur ohne Sattel reitet?

Eichinger: Ohne Sattel reite ich ausschließlich in unserem Schwimmteich. Ich besitze sowohl Baumsättel, sowie einige Filzsättel und den Bent Branderup Schulungssattel für meine Pferde. Ins Gelände gehe ich ausnahmslos mit einem Baumsattel, für die Arbeit in der Halle und die Arbeit an meinem eigenen Sitz ziehe ich persönlich den Schulungssattel aus diversen Gründen vor. Im Fellsattel hatte ich auch oben beschriebenes Problem, da meine Hüfte eigentlich für meine beiden Stuten zu klein ist. Im Filzsattel konnte ich sowohl die Rotation des Pferdebrustkorbs wie auch meine eigene Bewegung besser erfühlen lernen. Das „Feintuning“ erarbeite ich also sehr gerne im Schulungssattel von Bent Branderup. Ein Sattel kann im Grunde aber nichts in meinem Sitz erzeugen – aber ich greife je nach Bedarf auf Ledersattel mit Baum oder eben den Filzsattel oder den Schulungssattel zurück. Für mich gibt es da kein Dogma. (Anmerkung – zum Zeitpunkt des Interviews gab es den Schulungssattel bei mir im Schrank noch nicht – ich habe diese Angabe daher aktualisiert)

Schülern, die gerne ohne Sattel reiten oder mit einem Pad das Fühlen erlernen wollen, rate ich bei der Auswahl des Pads oder Filzsattels darauf zu achten, dass die Sitzknochen nicht in den langen Rückenmuskel des Pferdes drücken. Nun würde ich mit meinen Schülern daran arbeiten, das Reitergewicht auf den Oberschenkeln zu verteilen.  Wobei wir hier anatomisch gesehen, wieder bei der Rundheit der Rippen versus der Rundheit der Oberschenkel sind. Pferd und Mensch gleichen sich anatomisch eben nicht eins zu eins – es empfiehlt sich also eine geeignete Unterlage zu wählen, die es den Oberschenkeln des Reiters ebenso möglich macht, zwar nahe ans Pferd zu kommen, aber auch gut der „Rundung“ zu folgen. 

FEINE HILFEN: Hat der leichte Sitz für dich eine Bedeutung? 
Eichinger:Ja, natürlich hat der leichte Sitz für mich auch eine Bedeutung. Wenn ich mal einen zügigen, flotten Galopp – und der kann bei meiner blutgeprägten Przedswitstute durchaus sehr rasant ausfallen – wähle, dann galoppiere ich im Gelände natürlich auch mal im leichten Sitz. Wichtig ist mir dabei die Statik. So wie ein Jockey im Rennen und ein Springreiter über dem Sprung mit dem Pferd im Gleichgewicht bleiben – so möchte ich ebenso meinen statischen Sitz nicht verlieren. Wichtig zu ergänzen wäre hier, die Beschaffenheiten des eigenen Sattels, sowie den muskulären Zustand des Pferdes genau im Auge zu behalten. Im schlimmsten Fall könnte das Kopfeisen durch den leichten Sitz nach unten in den Pferderücken gedrückt werden. Die Folge sind Atrophien, die wir leider sehr häufig bei Pferden finden. Der Ausdruck „leichter“ Sitz darf also nicht in die Irre führen, er macht uns nicht leichter, er soll uns lediglich Unterstützung bei der Übereinstimmung der Schwerpunkte von Pferd und Reiter bieten. 

FEINE HILFEN: Wo sitzt du in der Biegung? Außen, innen oder mittig? Und warum? 

Eichinger:In einer korrekten Biegung sitze ich physisch etwas mehr nach innen. Natürlich möchte ich mich zunächst mal auf dem Pferd entspannen und beide Sitzknochen spüren. Dann nehme ich beispielsweise einen Linkssitz ein (Schultern parallel zu Schultern, also kommt die äußere Schulter etwas mehr vor, während ich ebenso die innere Hüfte etwas mehr vornehme als die äußere). Gustav Steinbrecht beschreibt dieses Phänomen mit einem sanften Hang in der inneren Hüfte. Wichtig ist es allerdings, nicht in der Hüfte einzuknicken. Das könnte passieren, wenn das überbogene Pferd den Reiter nach außen setzt, da der Brustkorb innen fälschlicherweise nach oben rotiert und nicht nach unten. In der Reitliteratur findet man hier viele innere Bilder. Steinbrecht erwähnt eben den „Sanften Hang in der inneren Hüfte“, der Herzog von Newcastle schreibt von einem Steigbügelriemen der innen vier Inches länger scheint und Guérinière schreibt ebenso davon, dass der Steigbügel innen länger scheint. 

In korrekter Biegung rotiert der Brustkorb nach innen unten – das heißt die äußere Oberlinie dehnt sich, der äußere Brustkorb kommt außen hoch. Wenn der Reiter dann nach außen sitzt, würde er den Pferdekörper an jenen Stellen, die sich unmittelbar dehnen, belasten. Je nach Größe der Schwingung – anders gesagt je nach Versammlungsgrad – sitze ich in den versalen und traversalen Biegungen entweder mit dem Schwerpunkt im Kruppeherein mehr nach vorne in Richtung innerer Schulter – bei der Versammlung in Richtung innerer Hüfte des Pferdes. ImSchulterherein nehme ich den Schwerpunkt mehr in Richtung Schweif beim Versammeln – beim Vorwärtsschwingen achte ich darauf, nicht zu stark nach innen zu sitzen, da das Pferd sonst vom Schwerpunkt weg tritt. Sitze ich zu stark nach außen, belaste ich den Brustkorb zu stark, die äußere Schulter kann nicht frei werden. Physisch muss der Reiter dann also innen sitzen bleiben, den Schwerpunkt aber der Bewegungsrichtung folgen lassen. 

FEINE HILFEN: Vielen Dank für das Gespräch.

Primäre Hilfe – Körpersprache und Sitz – mehr zum Thema gibt es live bei unserem Sommerkurs mit Bent Branderup am 29. und 30. Juni 2019. Wir haben noch Platz für Zuschauer – Anmeldung unter kurse@einfachreiten.com

Kurz und Einfach!

Kurz und Einfach!

Play-smile and practice. Dieser Slogan wird unmittelbar mit Christofer Dahlgren in Verbindung gebracht. Und wie ich finde, sehr zurecht. Letztes Wochenende waren wir zu Besuch in Ainring bei Salzburg, um einen Tag bei Christofers Kurs zu genießen. Sechs tolle Mensch/Pferdepaare waren beim Kurs mit dabei und ließen sich mehr als ein Lächeln von Christofer entlocken.

Keep it short and simple

Diesem Motto meines Kollegen kann ich nur zustimmen. In der Theorie betonte er, Reiten so einfach wie möglich zu gestalten. Im Training muss alles einfach zu merken und zu wiederholen sein. An oberster Stelle steht für Christofer Entspannung. Er sieht sich immer genau an, wie die Pferde reagieren.

Denkt das Pferd eher langsam, oder antwortet es super schnell auf eine Anfrage seines Reiters? Reagiert das Pferd oder denkt es tatsächlich über eine Frage nach und antwortet dann? Christofer spricht viel über mentale Balance, wenn er dann auch über Leichtigkeit zwischen den Hilfen referiert. Ist das Pferd in mentaler und physischer Balance, dann muss der Reiter gar nicht so viele Fragen an das Pferd stellen. 

Dies zeigte sich auch in der Praxis, wenn Christofer eindeutig: Weniger ist mehr – an viele Paare adressierte. 

„Wenn wir es schaffen, die innere Schulter und das innere Hinterbein anzusprechen, dann fügen wir einfach äußeres Hinterbein und äußere Schulter hinzu. Eine gute Balance zwischen außen und innen – das ist mein größter Fokus wenn ich reite“.

Christofer Dahlgren

6 Elemente

  • Durchlässigkeit
  • Balance
  • Formgebung
  • Tempo 
  • Rhythmus 
  • Schwung

Christofer nimmt in der Theorie jedes der sechs Elemente für sich durch. Ein durchlässiges Pferd ist ein entspanntes Pferd. Umgekehrt – ein Pferd das nicht entspannt ist, ist auch nicht durchlässig. 

Ein leichter Weg, um Durchlässigkeit zu bekommen, führt laut Christofer physisch gesehen über die Kontrolle der Schultern. Wenn man das Pferd zwischen den Schultern bewegen und leicht machen kann, dann ist ein erster Schritt getan, der freilich nicht ohne mentale Losgelassenheit möglich sein wird. Aber Körper und Geist bedingen sich natürlich auch immer gegenseitig. 

„Unser Pferd muss durchlässig sein. Und dabei gibt es keine besondere Qualität oder Quantität von Durchlässigkeit. Entweder das Pferd ist es – oder nicht.“  

Christofer Dahlgren

Verschiedene Arten von Balance 

..beschäftigten uns als nächstes in der Theorie. 

Laterale Balance steht als erstes auf Christofers Stundenplan. Und wieder geht es um die Beweglichkeit zwischen den Schultern – gefolgt von der Hinterhand. Wenn wir zwischen Kruppeherein und Schulterherein die Mitte finden, dann haben wir Balance. Wobei Christofer auch wieder mahnt: „Man kann zwar Kruppeherein reiten, aber ohne gute Balance, wenn diese zwischen den Schultern verloren geht“. 

Je weniger Sekundarhilfen gebraucht werden, umso  mehr Balance besteht. Christofers Hauptaugenmerk in den Seitengängen liegt an der Reduktion. Das heißt wenn er im Kruppeherein weniger Seitwärts möchte, dann sollte daraus kein Schulterherein entstehen. 

„Die meiste Arbeit, die man hat, ist das Pferd nicht zu viel machen zu lassen.  Nicht zu viel mit der Hinterhand rein, nicht zu viel mit der Schulter raus“. 

Christofer Dahlgren

Wieviel soll es denn bitte sein? 

Die Dosis macht überall das Gift. Was Christofer in seinem Vortrag umgehend zur nächsten spannenden Frage führt: 


Wie viel vorwärts-abwärts muss man reiten? Wie viel sollte man aufnehmen? Christofer betont, dass man sich in der Ausbildung auf verschiedene Aspekte konzentrieren muss, um horizontale Balance zu verstehen. Manche Trainer sprechen sich ja vehement gegen das vorwärts-abwärts aus, Christofer betont aber, es kommt aufs WIE an. Zuerst muss man herausfinden, wie gut das Pferd seine Hinterbeine nach vorne schwingen lassen kann. Manche Pferde können gut nach vorne, andere können wiederum sehr leicht mehr Gewicht auf die Hinterhand bringen. Christofer reitet vorwärts abwärts für den „Stretch“, also die Dehnung, dann muss die Hinterhand besser nach vorne kommen. Wenn das Pferd aber nicht die natürliche Veranlagung dafür mitbringt, reicht es nicht, den Kopf einfach fallen zu lassen. Daher analysiert Christofer immer die Biomechanik der Pferdeschultern. Sind die Schultern sehr steil oder weniger steil? Nach der Beschaffenheit der Schultern richtet sich das Maß des Vorwärts-Abwärts – und die Frage, ob man eher mit versammelnden oder der Dehnungshaltung dienlichen Übungen beginnt. 

Von der Dehnungshaltung in die Versammlung? 

Christofer mahnt auch hier zur Vorsicht. Wenn das Pferd in eine gute Dehnungshaltung kommt, dann müssen wir die Zügel freilich auch aufnehmen können. Allerdings wird dieses Aufnehmen bei vielen Pferden gleichgesetzt mit Versammlung. Die Pferde treten mit kürzeren Schritten, wir vermissen dann das vorwärts-aufwärts Gefühl. Für Christofer liegt der Schlüssel zum Erfolg im vorwärts-aufwärts, bei dem die Hinterbeine weiterhin gut in Richtung Schwerpunkt fußen. An diesem Punkt wird Christofer kritisch: Ihm kommen im Unterricht sehr oft Pferde unter, die beim Aufnehmen und versammeln sofort eher „rückwärts“ als „vorwärts“ denken. Für den Reiter bedeutet das, eine gute Balance zwischen vorwärtstreibenden und verhaltenden Hilfen zu finden. 

Die Sache mit den Bahnfiguren

…nimmt Christofer Dahlgren ebenso ernst. In der Basisarbeit ist es ihm wichtig, beim jungen, gerittenen Pferd beim Reiten von Hufschlagfiguren eine bestimmte Exaktheit zu überprüfen. Kann das Pferd, wenn man die Formgebung verändert ein wenig dehnen und ein wenig aufnehmen, ohne Tempo und Rhythmus auf verschiedenen gebogenen und geraden Linien verlieren? Das Tempo verlangsamen, nur weil der Reiter die Zügel aufnimmt, das darf nicht passieren. Das Ziel ist, dass wir das Tempo verändern können, ohne Form und Rhythmus zu verlieren. Diese drei Zutaten sind auch maßgeblich bei der Jungpferdeausbildung – hier variiert Christofer zwischen den Komponenten. 

Es wird nie langweilig

Christofer Dahlgren beim Unterricht zuzusehen. Seine Energie und Dynamik übertragen sich auf Ross und Reiter – seine Pädagogik – alles ganz einfach auf den Punkt zu bringen, gefällt mir (Einfach Reiten ;-)) sehr gut. In der letzten Zeit habe ich festgestellt, dass es sehr in Mode gekommen ist, die  Biomechanik des Pferdes, technische Komponenten in der Reiterei aber auch die gefühlsmässige Seite der Reitkunst möglichst kompliziert und geschwollen auszudrücken. Mich erreichen viele Fragen von Schülern, die sich auf das Gelesene in sozialen Netzwerken beziehen. Wir diskutieren dann miteinander und oft ist mein Gegenüber überrascht, dass der Inhalt letztendlich gar nicht so kompliziert war. 

Ja, den Umgang mit Pferden, Bodenarbeit oder Reiten lernt man nicht in wenigen Stunden. Der Weg darf ruhig lang sein – aber er muss überschaubar sein und darf uns nicht das Gefühl geben unüberwindbar zu sein. Und dafür hat Christofer auch das perfekte Motto: Play-smile-practice. Sollte eigentlich über jeder Reitbahn stehen. Eigentlich 😉 

Christofer kommt übrigens im September 2020 wieder zu uns aufs „Horse Resort am Sonnenhof“ in Hart bei Graz. Wir freuen uns dann auf ein Wiedersehen! 

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