Jahresrückblick 2018

Jahresrückblick 2018

2018 ist bald Geschichte. Wieder ist viel passiert, wieder habe ich viel über mich selbst gelernt. Das meiste haben mir auch heuer meine Pferde beigebracht – aber natürlich auch viele liebe Kollegen, deren Unterstützung ich sehr schätze. Aber schauen wir doch einmal zurück, was heuer passiert ist: 

Von Kälte, Sonnenstrahlen und Freudenspendern

Jänner: Die erste Reise des heurigen Jahres führt mich – fast schon traditionell – seit 2015 nach Dänemark zum Treffen der lizenzierten Bent Branderup Trainer. Wir haben dort viele Ideen und Projekte besprochen – natürlich stand auch unser Buchprojekt an der Tagesordnung: Mittlerweile gibt es ja schon drei Bände und Band vier ist auch gerade in der finalen Bearbeitung. Neben Beziehungspflege/ Horsemanship haben wir Groundwork/ Bodenarbeit Longieren/ Longework und jetzt eben Band vier zum Thema Einreiten (Riding the horse in) bereits umgesetzt. 

Nach den kühlen Trainertagen tanke ich Wärme und Energie in La Palma. Nach den frostigen Temperaturen im Jänner freue ich mich auf ein wenig Sonne in Spanien. Allerdings bin ich freilich nicht zum Urlauben in Spanien. Natürlich geht es auch hier um Unterricht und Begleitung: Im Artikel „Von einsamen Wölfen und Sonnenstrahlen“ könnt ihr meinen Bericht nachlesen. 

Februar: Die Enttäuschung. Ich hatte gehofft den eisigen Temperaturen zu entkommen und bereits im Februar dem Frühling entgegen zu blicken. Mitnichten. Ende Februar unterrichte ich bei Minus 18 Grad einen Wochenendkurs und meine Heizdecke segnet das Zeitliche. Im absolut passenden Moment muss das Ding den Geist aufgeben. Meine Schüler sind jedoch an Motivation nicht zu überbieten. Das hält nicht nur innerlich warm. 

März: Im März komme ich kaum zum Verschnaufen. Der Kalender ist voll. Im Reiters Resort im Burgenland in Österreich werden Lipizzaner gezüchtet. Es ist Anfang März noch immer klirrend kalt, aber meine Begeisterung für Lipizzaner hält mich auch an diesem Wochenende warm. Besonders stolz bin ich auf meine Schülerin Julia Kiegerl, die mich in Punkto Unterricht unterstützt. Gerade beim mobilen Unterricht gibt es Grenzen – ich kann nicht alle Anfragen annehmen, so hat Julia einige Schüler auf dem Weg zur Akademischen Reitkunst begleitet. Am Kurs im Burgenland zeigen sie nun ihr Können und ich bin tief beeindruckt von der schönen Arbeit die Julias Schüler zeigen! Eine Woche später steht ein Kurs in Kärnten am Programm. Auch hier freue ich mich über die Fortschritte meiner Schüler. Zwei Wochen später steht der nächste Kurs in Niederösterreich im Kalender . Der März stand quasi unter dem Zeichen der Österreich Kurse! 

Sitz, Platz, Bent Kurs

April: Es geht ab in die Schweiz und zum ersten Mal ohne Komplikationen in Punkto Reise. In der Schweiz hat sich eine kleine Gruppe Gleichgesinnter gefunden, die zusammen lernt und gemeinsame Fortschritte mit Freude teilt. Ich freue mich sehr auf alte und neue Gesichter. 

2019 bin ich bei Najat Zinbi/ Silvio Pfister in der Schweiz zu folgenden Terminen: 6. und 7. April, 8. und 9. Juni und 21. und 22. September!

Eine Woche später gibt es wieder einen Österreich Kurs – diesmal ist ein sympathischer Pferde-Senior unter den vierbeinigen Teilnehmern. Bei endlich angenehmen Frühlingstemperaturen freue ich mich besonders, wenn Pferdebesitzer auch mit ihren „Oldies“ neu durchstarten um Körper und Geist ihres Pferdes vital und gesund zu halten. 

Ein weiteres Highlight im April ist der Kurs mit Hanna Engström am Horse Resort „am Sonnenhof“ in Hart bei Graz. Hanns Kursbericht könnt ihr hier nachlesen

Hanna kommt übrigens am 2. und 3. März 2019  erneut zu uns! Zuschauertickets sind noch zu haben. Wir beschäftigen uns natürlich wieder mit dem Reitersitz! 

Im Mai stehen bei mir Kurse in Bratislava und in Niederösterreich an. Außerdem kommen meine lieben Schüler Viktoria Portugal und Jasmin Soyal als Woschenschüler Ende Mai auf den Sonnenhof. Stichwort Besuch: Auch Jossy Reynvoet war wieder zu Besuch in Österreich.  Nach einem Trainingstag am Sonnenhof haben wir Zwischenstation am Barockpferdehof Schoderlee gemacht und im Waldviertel einen Kurs arrangiert. Natürlich gibt es eine Nachlese

Juni: Bent Branderup kommt für einen Wochenendkurs an den Sonnenhof in Hart bei Graz. Wir haben wieder fast 80 Zuschauer vor Ort und freuen uns über das große Interesse an der Akademischen Reitkunst. Ich bin natürlich besonders stolz über die bestandene Wappenträgerprüfung meiner Schülerin Viktoria Portugal. Zu Tränen rührt mich meine liebe Stute Pina, die mich durch den Kurs trägt, als würden wir ständig an Feinheiten feilen. Mitnichten, denn Pina ist eigentlich mehr mit meinem Vater in Wald und Wiese unterwegs und springt an diesem Kurs für den verletzten „Konrad“ ein. Nach dem Kurs gönne ich mir mal Urlaub und fliege nach Sardinien, bevor es auf den nächsten Wochenendkurs in die Schweiz geht. 

Drei Teile Kursrückschau auf den Kurs mit Bent Branderup gibt es hier: 

Teil 1
Teil 2
Teil 3 

Im kommenden Jahr freuen wir uns auf Bent Branderup am letzten Juni Wochenende 2019 in Graz. 

Und endlich ist es Sommer…Reisezeit mit Hindernissen

Juli: Ab geht es zum ersten Kurs nach Tschechien, wo ich unheimlich viele interessierte neue Schüler treffe. Bei hitzigen Sommertemperaturen halten wir ohne Schatten fleissig durch und verbringen einen schönen Sommerabend mit vielen Gesprächen rund um die Akademische Reitkunst und Pferde am romantischen Lagerfeuer mit selbst gemachten Mojitos. So könnte wahrlich jedes Wochenende sein. Ende Juli geht es dann noch in die Schweiz zu einem spannenden Kurs, organisiert von Markus Eschbach. Ein schönes Feedback hat Vanessa Paladin geschrieben: https://wege-zur-reitkunst.ch/kursbericht-anna-eichinger/

Im kommenden Jahr sind erneut Kurse bei Markus Eschbach geplant, nämlich am 27. und 28. April und 23. und 24. November 2019 

Abgesehen von einigen Komplikationen bei der Heimreise (ich strande mit tausenden, weiteren Passagieren in Frankfurt beim Umsteigen) habe ich auch hier tolle Pferdeleute kennen gelernt. 

August ist immer Zeit der Sommerakademie. Diesmal sind meine Schüler Viktoria Portugal und Sonja Grätz erstmalig mit dabei. Wir haben wunderbare Tage in Dänemark, lernen neue Kollegen kennen und lachen mit liebgewonnenen Pferdemenschen. Mein Leben fühlt sich an dieser Stelle echt „rund“ an 🙂  Abgerundet wird der August durch Kurse in Niederösterreich und Kärnten. 

Im September nehme ich mir zwei Wochen Zeit für Kreatives. Die einen meinen ich sollte mal Urlaub machen, für mich fühlt es sich aber nicht nach Arbeit an, schließlich bin ich den ganzen Tag von meinen Zwei- und vierbeinigen Lieben umgeben! Mehr wird noch nicht verraten 😉 

Wenn einer eine Reise tut…dann ist es mit der Schweiz 2018 eher kompliziert. Nach einer nicht wirklich ruhigen Nacht, mehreren Behinderungen, Busfahrten und mehrmals Umsteigen komme ich quasi etwas gerädert in Graubünden an. Meine Schüler sind bester Laune und das ist ansteckend. Eine Woche später verbringe ich mit Meditation im Stift Zwettel in Niederösterreich. Was für ein krasser Kontrast! 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu…

Der Oktober ist quasi Kursmonat des Jahres. zuerst gebe ich einen Wochenendkurs in Tulln, alle Einheiten werden diesmal auch filmisch festgehalten und stehen den Schülern im Anschluss an die Trainingseinheiten zur Verfügung. Ich bekomme tolles Feedback für diesen Service, schließlich kann es im Eifer des Trainings schon mal passieren, dass man sich nicht jedes Wort und jedes Bild merken kann! Das herbstliche Kaiserwetter birgt einen Nachteil: Man verkühlt sich leicht. Und so fahre ich mit dem schlimmsten Schnupfen und Husten des Jahres 2018 eine Woche später mit meinem Conversano Aquileja aka Konrad nach Ainring auf unseren allerersten Kurs – und das auch noch auswärts. Konrad zeigt sich von seiner besten Seite und macht am Kurs alles alleine, während ich mit Schnäuzen und Atmen beschäftigt bin. Zauberlipizzaner 🙂 

Kursnachlese Teil 1
Kursnachlese Teil 2

Eine Woche später reite ich Tabby beim Kurs mit Christofer Dahlgren: Kursschwerpunkt sind Rhythmus, Takt und Tempo – und eine riesige Portion Spaß. Nachzulesen in folgendem Artikel

Im November gilt es nochmal: Vollgas. Zwischen den letzten Wochenendkursen in Kärnten, und Niederösterreich bleibt noch Zeit für einen Besuch in Piber. Immer schlecht, wenn man „nur“ schauen will. Und dann kam noch der „Maestoso Amena“, der künftig unsere Lipizzaner Familie verstärken wird. 

Der Dezember lässt das heurige, extrem schnelllebige Jahr ausklingen. Ich freue mich, wenn es nun ruhiger wird. Fast schon traditionell gibt es eine vorweihnachtliche Reise zu meiner lieben Kollegin Hanna Engström, bei der ich die Woche vor Weihnachten verbringe und mich rund um das Thema „Reitersitz“ fortbilde.

Und dann heißt es erstmal Urlaub, Weihnachten, Zeit mit den geliebten Zwei- und Vierbeinern genießen

Ich freue mich auf ein ereignisreiches Jahr 2019 mit allen Lesern, Schülern, Pferden, Kollegen und Wegbegleitern,

 

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Projekt LebensPferd

Projekt LebensPferd

Über 60 Pferde befinden sich in der Obhut des Aktiven Tierschutz Steiermark. Neben älteren Pferden, die dort ihren wohlverdienten Ruhestand genießen dürfen, finden allerdings auch immer wieder Pferde durch finanzielle Probleme, veränderte Lebenssituationen der Vorbesitzer oder andere Umstände den Weg zum Aktiven Tierschutz Steiermark.

Pferde, die es eigentlich verdient haben, noch Vieles in ihrem Leben zu entdecken, Spaß zu haben und schöne, spannende Ausritte zu genießen, anstatt zwischen den anderen Senioren dahinzudümpeln und sich zu langweilen!

 

„Kea“ ist also seit 23. November auf dem Sonnenhof zu Hause und besucht hier die Schule bei Julia Kiegerl und mir.

Bislang haben wir uns viel mit der Basis am Boden beschäftigt. Kea macht mir und Julia Kiegerl die Arbeit ungemein einfach. Sie ist immer lieb und motiviert, lernt super schnell und freut sich sehr über Lob.

Sich über Lob tatsächlich freuen zu können – das ist für viele Pferde auch keine einfache Sache. Zu hoch sind die Erwartungen der Menschen, zu viele Forderungen, zu unklar formuliert, zu wenig Lob generell.

Kea zeigt sich uns gegenüber allerdings sehr aufgeschlossen.

Wie schon gesagt kam sie über das Projekt LebensPferd zu uns:

Projekt LebensPferd – was ist das?

Der Aktive Tierschutz Steiermark – Tierschutzhaus Arche Noah hat dieses Projekt im heurigen Jahr ins Leben gerufen. Dass Katzen oder Hunde über den Tierschutz vermittelt werden ist bekannt. Beim Projekt Lebenspferd geht es nun um etwas größere Vierbeiner, die sich freuen, Zeit gemeinsam mit „ihrem“ Menschen schön zu verbringen. 

Viele Pferde landen aus den unterschiedlichsten Gründen beim Aktiven Tierschutz. Jedes Pferd hat seine Geschichte – und natürlich wird jedes Pferd ordentlich versorgt. Aber Pferde brauchen nicht nur ordnungsgemäße Obsorge – sie freuen sich über die Zeit, die sie mit Menschen verbringen können, sie möchten gerne eine Aufgabe.
Hier denke ich gerne an die Erfahrung mit meiner Stute Barilla zurück:

2006 wurde meiner Stute Barilla vom Tierarzt möglichst viel Bewegung auf der Weide bzw. Koppel „verschrieben“, dazu kam natürlich eine längere Reitpause.

Das war lange bevor wir die Akademische Reitkunst für uns entdeckten. Ich besuchte Barilla natürlich regelmässig, aber ich hatte zunehmend den Eindruck, dass sie unter Langeweile und Eintönigkeit litt. Und das, obwohl wir mit der Reiterei nicht auf einen grünen Zweig gekommen waren.

Den Pferden aus dem Projekt LebensPferd geht es vielleicht ähnlich. Auch sie freuen sich über Ansprache und Kommunikation.

Das Projekt LebensPferd bringt also zuerst einmal Trainer und Pferde zusammen.
Das erste Pferd, das durch dieses Projekt ein neues Heim gefunden hat, war die Fuchsstute „Wakanda“ – ihre Geschichte kann man hier nachlesen. Nachdem Kea den Sonnenhof kennen gelernt hat, geht es nun an die Arbeit. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit „beschnuppern“ wir uns. Kea geht brav mit auf die Koppel oder in die Halle. Am ersten Tag war sie ein wenig nervös in der neuen Umgebung.  Nach zwei Tagen weiß Kea aber schon über alle Abläufe im Stall Bescheid. Wir lassen sie langsam ankommen, erkunden alle Ecken und Winkel des Sonnenhof.

Kea lässt sich überall anfassen, putzen und auch der Wasserschlauch ist für sie nicht bedrohlich. Obwohl wir uns noch nicht kennen zeigt sie sofort ihr offenes Wesen. Sie ist allen Menschen gegenüber äußerst höflich.

Kea lernt dann wenige Tages später die Basis der Bodenarbeit kennen. Dazu gehört gemeinsames Angehen und Halten, das Beibehalten einer parallelen Führposition, die Entwicklung einer bestimmten „Synchronität“. Haben wir dieses Ziel einmal erreicht, geht es weiter mit der Gymnastik. Aktuell lernt Kea die sekundären Hilfen kennen, das heißt, den inneren und den äußeren Schenkel, den inneren und äußeren Zügel. Diese Hilfen bringen Julia und ich der gelehrigen Stute in der Bodenarbeit bei. Das heißt wir bewegen uns rückwärts vor dem Pferd her, die Gerte wird wie ein verlängerter Arm zeigend benutzt. Bei dieser Arbeit zeigt sie sich super gelehrig und konzentriert, vor der Gerte fürchtet sie sich nicht. Nach wenigen Tagen versteht Kea schon viele Grundbegriffe der Akademischen Bodenarbeit. Mit ihrer charmanten Art und ihrer Intelligenz hat sie uns natürlich sofort für sich gewonnen.

Wir werden weiterhin für euch Keas Ausbildung und ihre Entwicklung dokumentieren. Es wäre wunderbar, wenn Kea im Anschluss an ihre Ausbildung auf diesem Weg einen Menschen findet, der gemeinsam mit ihr Freude an Bewegung, Spaziergängen und gemeinsamen Lernen hat. Kea lernt gerne, also hätte sie – so denken wir – auch gerne jemand an ihrer Seite, der Spaß daran hat, ein Puzzle zur Reitkunst zusammen zu setzen! Ich freue mich sehr, dass wir Kea auf dem Weg zu „ihrem Menschen“ unterstützen dürfen!

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Das Lipizzaner Update

Das Lipizzaner Update

Mein „kleiner“ Lipizzaner Conversano Aquileja aka „Konrad“ wird im kommenden Jahr fünf Jahre alt. Ende Mai 2018 hat sich Konrad in der Box verlegt. Er hatte eine tiefe Wunde unterhalb des Karpalgelenks, diese musste genäht und geklammert werden. Erst Mitte Juli durfte Konrad wieder auf die Koppel zu seinen Freunden. Die Freude war natürlich groß, beim Toben und Spielen schlug sich Konrad ein Hämatom an der oberflächlichen Beugesehne, auch die tiefe Beugesehne hatte etwas von dem großen Bluterguss abbekommen. Erneute Ruhe und Schonung. 

In dieser Zeit habe ich irrsinnig viel über Konrad und unsere Beziehung gelernt. 

Konrad hat sich während der gesamten Rekonvaleszenz mustergültig verhalten. Er hat mir immer zugehört, mir immer vertraut, selbst wenn die lange Zeit des Schrittspazierens äußerst langweilig war. Er ging auf die geforderte Ruhe und Geduld so brav ein, dafür habe ich mir ständig etwas Neues einfallen lassen, um ihn bei Laune zu halten.

Eine große Stütze war natürlich auch sein bester spanischer Freund „Idolo“. Die beiden hatten während der Sommermonate tagsüber am befestigten Trail Auslauf, die heißen Sommertage haben aber die „Hitzigkeit“ der beiden Schimmel gebremst, tagsüber wanderte man dann bevorzugt in eine Box, was das spätere Projekt „Offenstall Diätgruppe für Barocke Typen“ vorangetrieben hat. 

Ende August zogen dann drei Herren in eben diese Diät Gruppe. Neben den beiden Schimmeln wurde der braune Warmblut/Iberer Mix „Picasso“ zum Glücksbringer der Truppe, Konrad wurde indes Chef der Partie. Eine erneute Schall-Untersuchung an den Sehnen gab großartige Entwarnung: Alles war gut verheilt; Die Anweisung vom Tierarzt lautete: „Reite am ersten Hufschlag, wo der Boden schön fest ist und setze Belastungsreize im Trab“. 

Na bravo. Da Konrad unheimlich stolz ist, wenn ich auf seinem Rücken Platz nehme habe ich immer wieder an der Aufstiegshilfe aufsteigen und absteigen geübt. Mal sind wir auch ganz mutig eine Runde durch die Halle gestapft, aber von Reiten war bislang natürlich nicht wirklich die Rede. Schließlich entscheiden die Wachstumsfugen über den Reifegrad eines Pferdes- und letzte Studien zu diesem Thema zeigen: Regelmässiges Reiten vor dem 5. bzw. 6. Lebensjahr ist zu überdenken. Aber selbst wenn die Wachstumsfugen geschlossen sind, ist zu Vorsicht zu raten, wenn der Gelenkknorpel erst mangelhaft ausgebildet ist. 

Wie gesagt – von wirklichem Reiten war noch nicht die Rede. Also habe ich mich dafür entschlossen die vom Tierarzt vorgegebenen Belastungsreize am Boden zu setzen. Wir haben also brav unsere Runden am ersten Hufschlag absolviert – und zwar am Langzügel. Für Konrad war es überhaupt kein Problem die Hilfen aus der Bodenarbeit, zuerst in den Crossover und dann in die Langzügelposition zu übertragen. Nach wie vor hatte ich allerdings mit meiner Feinabstimmung von Lob und vorwärtstreibenden Stimmhilfen meine Tücken. Dafür klappen Vollbremsungen auf „brav“ ganz hervorragend. 

Zusätzlich zur Langzügelarbeit haben wir uns in der Handarbeit gespielt. Und einmal in der Woche durfte sich Konrad wie ein Held fühlen, wenn ich den Schulungssattel auf seinen Rücken gelegt habe und für ein paar Minuten ein paar Runden in der Halle marschiert bin. Irgendwann war uns dann die Halle zu öde und wir sind einfach mal eine Runde auf dem Viereck gelaufen – Konrad zeigt sich bei jedem Ausbildungsschritt immer aufgeschlossen, neugierig und extrem mutig. Ich habe nie das Gefühl auf einer Remonte zu sitzen, mein junges Pferd zeigt sich ausbalanciert und im Gleichgewicht.

Mitte Oktober kam es dann zu unserer ersten großen Ausfahrt. Beim Kurs mit Bent Branderup in Ainring rund um die Parade hat Konrad gleich mal gezeigt, dass er Hankenbiegung im Blut hat. Mein kleiner Lipizzaner war bei seinem „ersten Mal“ auswärts und großer Kurs ausnehmend brav. Ich denke er hat an diesem Tag nicht nur erneut mein Herz erobert. In der ersten Einheit haben wir unsere Bodenarbeit gezeigt, in der zweiten Einheit unsere Kommunikation mit größerer Distanz an der Longe auf die Prüfung gestellt und in der dritten Einheit an allen Dingen gefeilt. Daneben haben wir zwischen den Einheiten mal „eben so“ einen Satteltest absolviert und neue Freundschaften (natürlich mit spanischen Schimmeln) geschlossen.

Eine Woche später war Konrad dann auch für zwei Einheiten beim Kurs mit Christofer Dahlgren mit dabei. In vertrauter Umgebung war Zuhören und „Angeben“ natürlich noch einfacher. Sehr spannend waren hier auch nochmal die Inputs von Christofer, die wir in den nächsten Wochen natürlich als Hausübung betrachtet haben. Wir haben uns hier mit Tempounterschieden im Trab und Galopp gespielt und einer Verfeinerung der Hilfengebung, die Konrads Eigenverantwortung bei der Einhaltung eines bestimmten Tempos in Trab oder Galopp fördern soll. 

Konrad hat alle Kurse so wunderbar absolviert, er war immer bei mir mental und physisch in Balance. 

Diese Erfahrung unterstreicht für mich persönlich nicht nur die Besonderheit der Lipizzaner, sondern auch die besonders gute Aufzucht in Piber. Hat man das Herz eines Lipizzaner erobert, (oder eher umgekehrt, man verfällt diesen besonderen Wesen einfach) passieren unglaubliche Dinge. Und so kam es zu einer völlig überraschenden Vergrößerung unserer Lipizzaner Familie Ende November. 

Da schaut „Konrad“ nicht schlecht. Er hat einen kleinen Bruder bekommen.

Eigentlich wollten wir ja „nur schauen“. Aber Maestoso Amena 47 eroberte im Hand- und Hufumdrehen unser Herz. Ende November wurde er also aus Piber von der Hengstation Wilhelm, wo er bis zuletzt die spätherbstlichen Tage rund um das Gestüt bergauf bergab mit seinen Freunden genießen konnte in die Pferdeklinik gebracht. 

Um auch diesem Pferd ein möglichst schönes Leben mit Freunden auf der Koppel (so wie er es von Kindesbeinen an kennt) zu ermöglichen ist eine Kastration leider unumgänglich. Ich bin sehr froh am „Horse Resort am Sonnenhof“ einen Platz für all meine Pferde gefunden zu haben, der mit seinem Paddock-Trail, 24 Stunden Heu, ausreichend Bewegungsmöglichkeit und einem großen Sozialverband in der Herde seinesgleichen sucht. 

„Amena“ wie er in Piber gerufen wurde, kam also Ende November in die Klinik zur Kastration. Dort hat er sich ebenso wie Konrad mustergültig und brav verhalten. Auch die zweite Hängerfahrt ganz alleine zum Sonnenhof hat er ebenso mit Bravour geschafft. Ruhig stieg er aus dem Hänger und erkundet seitdem seine neue Umgebung und lernt nun seine neuen Freunde kennen. 

Im Sommer 2018 habe ich Konrads „Stubalm“ besichtigt, dort wo die Lipizzanerbuben ihre Trittsicherheit, Ausgeglichenheit, Kondition und „Härte“ bekommen. Dort wo sie Pferd sein können und eine gute Kommunikation lernen. Damals haben wir die Verkaufspferde gekrault und liebkost. Wer hätte damals gedacht, das genau eines dieser ganz besonderen Pferde noch heuer bei uns einziehen sollte? 

Ich freue mich über weitere Lipizzaner Updates und hoffe ich bin ein wenig „ansteckend“ – mit meiner Begeisterung für diese wunderbaren Pferde! 

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