Gemeinsam Frei

Gemeinsam Frei

Von Pferden können wir eine ganze Menge lernen. Besonders für und über unsere Persönlichkeit. Das haben sich auch Kati Westendorf und Lukas Umbach gedacht – gemeinsam basteln sie an spannenden Projekten, über die sie im aktuellen Blogbeitrag mehr erzählen: 

Wie habt ihr euch kennen gelernt und das gemeinsame Thema geboren?

Bereits vor einigen Jahren stießen wir aufeinander und bemerkten, dass wir ein gutes Team in Sachen Austausch bilden. Wir besuchten uns hin und wieder gegenseitig, schickten einander Nachrichten, Bilder und Videos und schafften eine Basis, auf der wir jederzeit offen und ehrlich kommunizieren konnten, wodurch ein echter Mehrwert füreinander entstand.

Nach einer Weile des Austauschs fanden wir uns regelmäßig in Ideen wieder, die wir gerne zusammen umsetzen wollten. Mittlerweile gab es räumlich 200km mehr Distanz als vorher, weshalb es häufig an der Umsetzung haperte. Wie sich herausstellen sollte, war es damals aber einfach noch nicht an der Zeit, denn die Dinge passieren unserer Meinung nach immer genau dann, wenn die Zeit dafür reif ist und sie in die Welt sollen. So entstand also aus unserer Selbstreflexion und unserem Austausch eine gemeinsame Begeisterung für die Themen Freiarbeit und Persönlichkeitsentwicklung, die uns auf unseren individuellen Wegen schon einige Jahre begleitet hatten.

Warum ist euch Persönlichkeitsentwicklung ein Anliegen?

Die Persönlichkeitsentwicklung in all ihren Facetten begleitet uns alle unser ganzes Leben lang. Jeder Moment, den wir erleben, jede Situation, die wir meistern und jeder Mensch, dem wir begegnen, trägt dazu bei, dass wir uns „weiter“ entwickeln und sich unsere Persönlichkeit anpasst. Häufig läuft dieser fortwährende Prozess unterbewusst ab. Wir sehen eine große Chance darin, sich diese Prozesse (zumindest in Teilen) bewusst zu machen und dadurch in einen besseren Kontakt mit uns selbst und letzten Endes auch unserer Umwelt zu treten. Vielleicht ist die bewusste Persönlichkeitsentwicklung letzten Endes eine Reise zu sich selbst, die uns hilft zu verstehen.

Diese Reise zu sich selbst und in diese tiefe Verbindung zum Pferd gelingt in unseren Augen vor allem durch die Achtsamkeit und deren Präsenz im Zusammensein mit Pferden. Durch die Achtsamkeit werden wir entschleunigt, was in unserer alltäglichen Schnelllebigkeit häufig absolut notwendig ist, um unser Gegenüber überhaupt ehrlich wahrnehmen zu können. Unsere Pferde können uns dabei helfen, den Kontakt zu uns selbst wieder herzustellen, wenn wir mutig genug sind, unseren Ängsten zu begegnen und sie anzunehmen. Es geht nicht um eine Selbstoptimierung oder eine Bewertung seines eigenen seelischen Zustandes, sondern darum, die Wahrnehmung für eigene Bedürfnisse und denen des Pferdes zu schulen und die Kommunikation so liebevoll gestalten zu können, dass Mensch und Pferd ihren Raum bekommen dürfen. Es geht nicht darum, keine Grenzen setzen zu dürfen und es geht auch nicht darum, sich selbst gänzlich aufzuopfern und sämtliche Wünsche über Bord zu werfen. Im Gegenteil.

Kann man euer Thema vergleichen mit Coaching mit Pferd, Managerausbildung und Kommunikationstrainings mit Pferden?

Mittlerweile gibt es in diesen Bereichen so viele verschiedene Ansätze, dass es uns schwer fällt diese Frage abschließend zu beantworten. Mit Sicherheit gibt es Überschneidungen und Parallelen zu anderen Ansätzen. „Gemeinsam Frei“ hebt das Pferd als eigenständiges Individuum mit eigenen Themen und Bedürfnissen hervor, wobei das Pferd nicht bloß spiegelt, auch wenn Pferde ohne jede Frage wahre Meister darin sind zu spiegeln. Außerdem versteht sich unser Thema Gemeinsam Frei nicht als ein striktes System oder ein Ausbildungskonzept, sondern viel mehr als eine Inspiration, aus der sich jedes Paar den Teil herausfiltern darf, den es für sich im Hier und Jetzt gebrauchen kann.

Eure Pferde dürfen ihre Meinung kund tun. Wird das auf Dauer riskant? Wie ist eure Erfahrung damit, wenn ihr auf Pferde stößt, die sehr wenig Ausbildung haben. Pferde wo anderswo die Meinung lauten würde: Der gehört mal ordentlich in eine Horsemanship Ausbildung?

Uns geht es darum, ein Miteinander zu schaffen, dessen Basis nicht erschüttert werden kann. Ein ehrliches Miteinander kann unserer Auffassung nach nur dann entstehen, wenn alle Beteiligten ihre Meinung äußern können und dürfen, wozu auch „Nein“ sagen gehört. Wenn wir dem Pferd zugestehen „Nein“ zu sagen, wird es früher oder später (meistens früher) ein aufrichtiges „JA“ in sich finden. Das ist so viel kraftvoller als jedes antrainierte „Na gut“, das wir es für unser Sein mit Pferden nicht mehr missen wollen würden.

Völlig egal was wir gerade mit unseren Pferden tun. Diese Grundintention ist auf alle „Sparten“ übertragbar. Wichtig hierzu ist natürlich, dass ein großer Baustein für uns die positive Verstärkung und positive Psychologie ist. Unser Anspruch ist es nicht, rein positiv verstärkend zu arbeiten, wenn wir es lerntheoretisch ganz genau nehmen wollen. Für uns sind Emotionen, Glaubenssätze, Energien und alles auf seelischer Ebene deutlich wichtiger als reine Lerntheorie. Dennoch ist es unser Bestreben, möglichst viel mit positiver Verstärkung zu arbeiten und nur so wird das Konzept des „Neins“ auch funktionieren.

Die geläufige Meinung ist häufig, dass Pferde, die „ihren Willen kriegen“ diesen gegen den Menschen nutzen werden. An dieser Stelle schmunzeln wir meist, obwohl wir die menschliche Angst dahinter natürlich hören können. Pferde sind grundsätzlich wohlwollende Wesen, die weder dominant sind, noch unsere Erziehung benötigen, wenn sie einfach Pferd sein dürfen. Natürlich ist es nun so, dass wir Pferde in unsere Welt eingeladen haben und sie keine Möglichkeit hatten diese Einladung abzulehnen. Demnach sind wir selbst und auch unsere Pferde durch äußere Bedingungen mehr oder weniger gebunden, weshalb wir Regeln brauchen, um gemeinsam Sein zu können. Unserer Erfahrung nach ist es viel riskanter einem Pferd keinen Raum für seine Meinung zu geben. Viele Pferde kompensieren über einen viel zu langen Zeitraum, bis sie irgendwann nicht mehr schlucken können, aus solchen Situationen heraus entstehen häufig Unfälle, deren Vorboten der Mensch hätte wahrnehmen können, wenn er dem Pferd seine Stimme gelassen hätte.

Welche Vorbilder in der Pferdewelt habt ihr?

Direkte Vorbilder im klassischen Sinne haben wir wohl keine, jedoch gibt es viele inspirierende Persönlichkeiten, die tolle Ansätze verfolgen. Aus der Pferdewelt empfinden wir beispielsweise Imke Spilker und Linda Tellington Jones als Inspiratoren. Hier könnte man aber auch viele weitere nennen, die uns im Laufe der Zeit persönlich begegnet sind. Außerhalb der Pferdewelt wäre zum Thema Persönlichkeitsentwicklung zum Beispiel noch Laura Malina Seiler zu finden, die zum Beispiel durch ihren Podcast einen wundervollen Mehrwert für Jedermann bietet.

Letztlich ist es jedoch die eigene persönliche Geschichte, die für uns am meisten Inspiration in sich trägt. Unsere Pferde sind hierbei unsere größten Vorbilder in Sachen Achtsamkeit und Verbindung.

Was kann man in Gemeinsam Frei I lesen und was wird den Leser im zweiten Band erwarten?

Wir möchten durch die Persönlichkeitsentwicklung in der Freiarbeit mit Pferden, um die es auch in unserem ersten Buch geht, genau auf all das aufmerksam machen und den Druck herausnehmen. Den Druck, den wir unseren Pferden machen und den wir definitiv auch uns selbst machen, weil wir ständig an uns zweifeln und uns damit ein eigenes Gefängnis bauen. Wir möchten Mut machen, aufwecken und inspirieren. Und ganz besondern möchten wir jedem Einzelnen deutlich machen, dass er sich auf seiner individuellen Reise befindet und ihm nichts und niemand sagen kann, welcher Pfad der richtige ist. Es gibt keine Technik und keine Lektionen, die Heilung und die Lösung bringen. Wir können uns dies nicht von Außen holen, da es lediglich in uns selbst zu finden ist.

Da die Achtsamkeit für uns die Basis für alles tiefergehende darstellt, widmen wir uns in unserem zweiten Buch eben dieser und werden den Leser und Suchenden einladen, unsere Reiseroute anzuschauen und sich hier Inspiration zu holen, die sich für dessen eigenen Weg passend anfühlt. Die Pferde begleiten uns alle natürlich auf dieser Reise zu uns selbst. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

Mehr über Kati und Lukas findet ihr auf ihren Websites:

„Gemeinsam frei – Persönlichkeitsentwicklung in der Freiarbeit mit Pferden“ von Lukas Umbach und Kati Westendorf
gemeinsamfrei.com
lukasumbach.de
equinality.de

signature2

Über den Rückenschwung

Über den Rückenschwung

Über den korrekten Rückenschwung gibt es viele Aussagen und Interpretationen, die ebenso viele Diskussionen und Diskrepanzen auslösen. Während die einen Schwung mit einer gesteigerten Energie verbinden, sprechen andere von einem Drehimpuls eines rotierenden Körpers. Schwung kann aber auch ein Lebensgefühl bezeichnen, Schwung gibt es nicht nur in der Reitkunst, sondern auch beim Skifahren und Golfspielen.

In der FN wird Schwung definiert als…

„die Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken auf die Gesamt-Vorwärtsbewegung des Pferdes.“

Weiter heißt es:

„Schwung kennzeichnet die Grundgangarten Trab und Galopp, weil sie eine Schwebephase aufweisen. Der Schritt hat keine Phase der freien Schwebe und kann daher auch nicht als schwunghaft bezeichnet werden.“

In der Akademischen Reitkunst…

…attestieren wir dem Schritt allerdings alles andere als Schwunglosigkeit – um diese Definition müssen wir allerdings im Pferdekörper dort hin reisen, wo Schwung passiert.

Die Wirbelsäule

Auf meinen Kursen oder im Unterricht frage ich oft bei meinen Schülern nach, ob sie mir zeigen können, wie die Wirbelsäule des Pferdes verläuft. Nicht immer sind dann die Angaben meiner Schüler korrekt, viele stellen sich die Wirbelsäule des Pferdes gleich wie die Wirbelsäule des Menschen vor und würden die einzelnen Wirbel direkt unterhalb des Mähnenkammes einzeichnen.

Wenn wir allerdings die tatsächliche Wirbelsäule des Pferdes betrachten, dann sehen wir drei Kurven – siehe Titelbild

Mehr als 50 einzelne Knochen bilden die Wirbelsäule, die sich von der Halswirbelsäule (7 Halswirbel) über die Brustwirbelsäule (18 Brustwirbel), Lendenwirbelsäule (6 Lendenwirbel), Kreuzwirbelsäule (5 Stück) bis zur Schweifwirbelsäule (15 bis 21 Wirbel) erstreckt.

Aufgaben der Wirbelsäule:

  • Bildet die knöcherne Mitte des Körpers
  • Schützt das Rückenmark

Soweit die Anatomie. Für uns Reiter ist aber natürlich die biomechanische Funktion am Wichtigsten:

  • Die Wirbelsäule überträgt die Kraft, die in der Hinterhand entsteht über das Becken bis hin zum Kopf, also von hinten nach vorne.
  • Die verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule (Hals-, Brust-, Lendenwirbelsäule, Kreuzwirbelsäule und Schweif) haben ganz unterschiedliche Beweglichkeiten, insgesamt kann aber – und das ist besonders wichtig – von einer dreidimensionalen Bewegung der Wirbelsäule gesprochen werden.

Alles Dreidimensional?

Konkret gesagt bedeutet das, die einzelnen Wirbelkörper können sich beugen und strecken, außerdem können sie sich in der Länge biegen und eine Drehung nach links und rechts ausführen. Je dicker die Bandscheiben zwischen den einzelnen Wirbelkörpern, umso beweglicher ist das Pferd in diesem Bereich der Wirbelsäule.

Vereinfacht stellen wir uns folgendes vor : Wir führen unsere Hände in einem Abstand von ca. 10 Zentimetern zueinander – also ohne dass sich die Handflächen berühren. Nun formt die linke Hand ein C, die rechte Hand spiegelt das C. Fingerkuppen und Ballen berühren einander gerade nicht, sind sich aber nah.  Die Rundung in unseren Fingern stellen wir uns als Brustkorb des Pferdes vor, dort, wo sich die Finger nicht berühren liegen in unserer Fantasie die Dornfortsätze des Pferdes. Der Brustkorb kann sich nun auf und ab, zur Seite und in Rotation bewegen.

Wenn wir auf dem Pferd sitzen und uns bemühen die Bewegung des linken Hinterbeins zu erfühlen, dann können wir rasch feststellen: Wenn das linke Hinterbein, als inneres Hinterbein, den Boden verlässt und nach vorne unter den Pferdebauch geführt wird, wird unser linker Sitzknochen nach unten geführt. Der innere Oberschenkel am Pferd fühlt sich an, als gleite er nach vorne unten. Die Bewegung fühlt sich an, als würde man selbst laufen. Die innere Hüfte geht also nach vorne-unten. Während es auf der linken Seite also nach unten geht, wird die rechte Pobacke des Reiters sanft gehoben. Wenn es also links abwärts geht, geht es für uns rechts aufwärts.

Sehr oft hat sich aber in den Köpfen der Reiter ein „Auswischen des Sattels“ verankert. Wir schieben dann mit beiden Sitzknochen gleichzeitig das Pferd vorwärts – die natürliche Bewegung des Pferdes würde uns aber zu einer ganz anderen Bewegung einladen.

Das ist etwa so, als würden zwei Tanzpartner nicht ganz einig sein über den Takt: der eine möchte Walzer tanzen, der andere lieber Salsa.

Gleichzeitig beschweren sich viele Reiter darüber, auf dem Pferd Kreuzschmerzen zu bekommen, dabei wurde ihnen möglicherweise Reiten sogar als heilsame Methode für den eigenen Rücken empfohlen. Stimmt das etwa nicht?

Doch es stimmt. Schließlich gibt es viele Angebote im Heiltherapeutischen Reiten, die große Erfolge erzielen und Menschen oft die Beweglichkeit wieder geben oder sie überhaupt erst ermöglichen.

Der Unterschied? Wir „aktive Reiter“ möchten oft so gerne auf dem Pferd etwas produzieren, wir schieben das Pferd vorwärts entgegen seiner natürlichen Bewegung. Menschen, die das Pferd im Rahmen einer Therapie kennen lernen, wollen oft gar nichts erzeugen. Sie sind auch viel eher im Moment mit dem Pferd und genießen die Bewegungen, anstelle etwas zu verbessern oder erzeugen zu wollen.

Observieren von Bewegungen

Beobachten wir das Pferd genauer. Legen wir einen Sattel auf den Rücken und arbeiten wir unser Pferd in der Bodenarbeitsposition (wir befinden uns also vor dem Pferd und führen es am Kappzaum vorwärts, während wir rückwärts laufen) oder aber wir beobachten unser Pferd an der Longe. Wir sehen nun wie der Sattel links und rechts schwingt. Unsere Augen wandern erneut zum inneren Hinterbein, links. Was passiert mit der Hinterzwiesel des Sattels, wenn das innere Hinterbein vorgeführt wird? „Kippt“ der Sattel ein wenig nach innen oder etwa nach außen? Wie sich der Sattel auf dem Pferd bewegt, gibt uns auch Aufschluss über den korrekten Rückenschwung. Bewegt sich der Sattel scheinbar nach innen-unten, dann rotiert der Brustkorb korrekt nach innen-unten, wenn das innere Hinterbein vorgeführt wird. Die Nickbewegung des Pferdes ist eher nach vorne-unten, als nach hinten oben – wenn wir die Bewegung hinter den Ohren genau beobachten. Nehmen wir erstere Beschreibung wahr, dann ist das Pferd ebenso über den Rücken unterwegs und überträgt seinen Rückenschwung korrekt. Wenn das Pferd das innere Vorderbein (links) hebt, dann wird der Kopf ebenso nach links innen seitlich federn. Die vertikalen und horizontalen Bewegungen sind nicht nur im Schritt, sondern auch im Galopp bei gestrecktem Hals für unser Auge extrem gut wahrnehmbar. Ein weiteres Zeichen für die großen Schwingungen der Wirbelsäule – eben nicht nur im Galopp – sondern auch im Schritt.

Den Schwung kaputt machen

Für meine Schüler habe ich gerne ein Experiment aus dem Alltag. Wir fassen uns an der Hand und gehen „händchenhaltend“ spazieren. Freilich, für diese Übung muss man sich schon einigermaßen wohl miteinander fühlen (daher ist auch für unsere Pferde die Etablierung einer angenehmen Beziehung wichtig, bevor es an die Arbeit und Ausbildung geht).

Wir gehen also Hand in Hand. Es fühlt sich gut an, wir schwingen beide mit unseren Händen nach vorne und zurück. Wir Menschen sind Traber: Wenn also mein rechtes Bein den Boden verlässt und nach vorne greift, greift auch meine linke Hand nach vorne. Nach einigen Metern kann sich das Paar aufeinander eingestellt haben – oder eben auch nicht. Haben wir einen Partner der im Größenverhältnis und Gangmaß nicht so gut zu uns passt, dann werden wir in der Bewegung unserer Wirbelsäule gestört. Es kann auch sein, dass sich Hand und Arm unseres Partners schwer auf uns stützen. Wir fühlen uns unnötig belastet. Der Rhythmus passt nicht mehr zusammen – und plötzlich laufen wir nicht mehr unserer Natur entsprechend mit einer diagonalen Fuß-Hand Folge – sondern parallel. Wir laufen Pass. Der Rücken fühlt sich nach einigen Metern schon sehr unbeweglich an – Bequemlichkeit sieht anders aus. Wir sind richtig erleichtert, wenn wir die Hände voneinander trennen dürfen und wieder in unseren eigenen Rhythmus zurück finden.

So geht es auch vielen Pferden – vor allem dann, wenn Schwung mit Spannung verwechselt wird. Gebetsmühlenartig kann man hier den wichtigsten Grundsatz von Gustav Steinbrecht zitieren: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ – nicht aber ohne dessen Warnung hinzuzufügen: „ich meine nicht das Schnelle“. Soll heißen: Wenn der Hinterfuß des Pferdes nicht nach vorne greift, sondern hinten hinaus gegen die Hand schiebt, dann entsteht Spannung, der Reiter spürt dies unmittelbar durch das in die Hand gedrückte Gewicht. Wie also können wir verhindern den Schwung kaputt zu machen?

Eine immer häufiger gehörte Empfehlung lautet: Auf keinen Fall Schritt zu reiten- bzw. zu „arbeiten“. Der Schritt ist ja schließlich auch am störanfälligsten. Einerseits wird dem Schritt kein Schwung attestiert, andererseits weiß man also um die rasche Zerstörung des Schritts (und des korrekten Schwungs).

In der Akademischen Reitkunst wird aber viel Schritt geritten – vor allem für uns Menschen als Lernende ist es hilfreich erstmal im Schritt zu tüfteln und zu fühlen, wann denn ein Hinterfuß den Boden verlässt, wo der Fuß dann genau abgesetzt wird, wie sich Bewegung unter dem Reiter anfühlt und und und…Wir brauchen also den Schritt, den wir bei Beachtung der wichtigsten Grundelemente: Balance, Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Formgebung, Tempo und Takt nicht zerstören, sondern durch eine durchdachte Ausbildungsleiter von der Bodenarbeit, über die Longenarbeit, Crossover, Langer Zügel, Handarbeit bis zur Arbeit imSattel bewahren und schulen können.

Beachten wir den korrekten Schwung, dann reiten wir Einfach 😉

signature2

Von Rhythmus, Tempo und Takt

Von Rhythmus, Tempo und Takt

Ende Oktober hatten wir riesig Spaß am Horse Resort am Sonnenhof. Der Grund: Christofer Dahlgren, Meister der Akademischen Reitkunst aus Schweden stattete uns und unseren Pferden einen Besuch ab. 

„Mr. Play Smile and Practice“ – das war nicht nur Motto, sondern auch Programm. 

Für einen großen „Smile“ sorgten meine Schüler, allen voran Martina und ihr Mio. Nach langer und schwerer Verletzung (Mio hatte sich bei einem Sturz auf der Koppel mehrere Dornforsätze der Brustwirbelsäule gebrochen)  feierten die beiden ihr „Comeback“ auf unserem Kurs. 

Martinas Stärke? Sie hat in der Rehabilitation sehr auf Mio gehört und nicht nur auf die körperlichen Herausforderungen geachtet, sondern ihren Lusitano auch mental bei Laune gehalten. Ein Thema, das natürlich auch für Christofer einen hohen Stellenwert hat. 

Wie man ein Pferd motiviert? 

Foto: Katharina Gerletz

Das war natürlich eine der ersten Fragen in der Theorieeinheit. Christofer schärfte den Zuschauern und Reitern ein, beständig der Frage nachzugehen, was das eigene Pferd motiviert und wie wir bei ihm das Gefühl erwecken können ein wahrer Superstar zu sein. Man muss also verstehen, was das Pferd überhaupt motiviert eine bestimmte Arbeit zu tun. 

Wenn ein Pferd nicht sonderlich beeindruckt davon ist, sich zu bewegen, werden Stehpausen sicherlich förderlich sein. Unsichere und extrovertierte Pferde aber bewegen sich sehr gerne. Man darf ein solches Pferd nicht dazu zwingen, still stehen zu müssen. Im Grunde muss das Pferd immer mit seinen eigenen Stärken arbeiten dürfen, soll diese also für das gemeinsame Tun einbringen! 

50 Probleme versus 3 Dinge, die man gut kann

„Auf den meisten Kursen können mir die Teilnehmer gleich mal ohne Umschweife 50 Probleme ihrer Pferde (in der Ausbildung, mit dem Menschen, Biomechanik, geistige Probleme) aufzählen. Frage ich allerdings nach drei Dingen, die Pferd und Mensch gut können, dann ernte ich erstauntes Schweigen. Das fällt den meisten Reitern unheimlich schwer. Wie kann man sich aber verbessern, wenn man nicht einmal weiß, worin man überhaupt gut ist. Wer erfolgreich sein will, muss wissen, worin er gut ist. Kann man dem Pferd beispielsweise Versammlung gut beibringen, oder über den Sitz sprechen. Worin bist du gut, dann kannst du dein Pferd zum echten Superstar ausbilden“. Christofer Dahlgren

Die Ausbildung eines jeden Superstars beginnt auf dem Zirkel

Der Zirkel und das junge Pferd. Zwei, die sich nicht unbedingt gesucht haben, schließlich ist es für das Pferd eine äußerst unnatürliche Sache auf dem Zirkel zu laufen. Die normale Reaktion eines jungen Pferdes auf dem Zirkel ist zunächst auf die innere Schulter zu fallen und sich in Außenstellung auf der ungewohnte Kreislinie auszubalancieren. 

Eine korrekte Formgebung und Balance müssen dem Pferd also erst beigebracht werden. Christofer empfiehlt dafür Hütchen oder Pylone zu benutzen. 

Diese geben nicht nur dem Pferd, sondern auch dem Menschen, der ja meistens gemeinsam mit seinem Pferd lernt Orientierung. Abseits der Orientierung helfen sie eine korrekte Biegung auf dem Zirkel zu finden.

Mit fortgeschrittener Ausbildung kann man auch die Bewegungen um die Pylonen spielerisch kombinieren. Mal geht es außen herum, mal in Schlangenlinien um die Hütchen herum. 

Foto: Katharina Gerletz

Wenn wir uns die Probleme bei der Bodenarbeit und beim Longieren vor Augen führen, dann fallen die meisten Pferde auf die äußere Schulter oder drängeln nach draußen. Zuerst schicke ich das Pferd also auf den Zirkel, dann frage ich nach Biegung und Entspannung. Die erste Hilfestellung für das Pferd also nicht auf die Schulter zu fallen ist, nahe außerhalb der Pylonen zu bleiben. 

Verantwortung schulen

„Do not nag him all the time“ – „geh deinem Pferd nicht ständig auf die Nerven“ – diesen Satz wiederholt Christofer auf seinen Kursen oft. Ihm ist es wichtig die Verantwortung von Mensch und Pferd zu schulen. Daher lernen junge Pferde bei Christofer auch, dass sie für den Erhalt einer bestimmten Gangart, eines bestimmten Tempos und einer bestimmten Richtung so lange verantwortlich sind, bis der Reiter eine neue Hilfe gibt. Das sind also die ersten Aufgaben, die unser junges Reitpferd lernen soll. 

„Oft sehe ich Reiter eine schöne Traversale reiten, aber die einfachsten Bahnfiguren funktionieren nicht. Wenn man dann eine Diagonale vorwärts reiten soll, dann fällt das Pferd komplett auseinander, das Pferd ist quasi überall. Zuerst muss das junge Pferd also auch Bahnfiguren, Richtungswechsel usw. lernen. Dann erst kann man sich um Probleme wie: Das Pferd fällt auf die Schulter kümmern. Das Pferd muss also auch den eigenen Zirkel und den des Reiters erkennen. Sobald das Pferd korrekt auf dem Zirkel laufen kann, sind auch ständige Korrekturen der inneren oder äußeren Schulter obsolet.“ Christofer Dahlgren. 

Den richtigen Rhythmus finden 

Alles dreht sich immer um das Hinterbein. Soweit so klar. Aber kann man bei der Platzierung des Hinterbeins den Rhythmus als Reiter vorgeben – mal ein bisschen schneller, mal ein bisschen langsamer? 

Foto: Katharina Gerletz

Das „Klassenzimmer“ des heurigen Kurses kann mühelos den Gustav Steinbrecht`schen Leitsatz: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ rezitieren. Auch Steinbrechts Warnung Vorwärts nicht mit „schnell“ zu verwechseln sitzt. Christofer ergänzt: Eine höhere Geschwindigkeit entsteht bei hohem Tempo mit einem hohen Rhythmus. Vorwärts bedeutet eine hohe Geschwindigkeit bei einem ruhigen Tempo. Für Christofer Dahlgren ist ein entspanntes und losgelassenes Pferd der eine Schlüssel zum Erfolg in der Ausbildung. Danach kommt gleich das Spiel mit dem Rhythmus. Jeden einzelnen Reiter hat er daher in der ersten Einheit befragt, was Reiter und Pferd leichter fällt: Bleibt das Pferd im Tempo, wenn der Reiter ein wenig aufnehmen oder dann wieder zur Dehnung einladen möchte?

Christofer betont, dass Pferde sowohl in der Dehnungshaltung, wie auch beim Aufnehmen und Verkürzen des Rahmens das jeweils gefragte Tempo, sowie Takt und Rhythmus beibehalten sollen. Das Pferd soll beim Rausstrecken nicht automatisch schneller werden und beim Aufnehmen im Tempo „verhungern“. Wenn wir also unseren Fokus vermehrt auf diese Übergänge und den Rhythmus legen, dann komplettieren wir – so Christofer – unser Bild in der Übersicht der Ausbildung. 

„Ist es Formgebung oder das Tempo, das den Rhythmus beeinflusst? Viele Pferde kennen den Unterschied nicht, wir müssen also diese Variationen miteinander kombinieren“. 

Praxisbeispiel Galopp 

Seitengänge haben einen Zweck. Christofers oberstes Gebot „Roundness“ – also eine Rundheit in der Oberlinie. Dies war vor allem in den Praxiseinheiten im Galopp Thema. Schulterherein unterstützt die Rundheit, wenn das innere Hinterbein zum Schwerpunkt tritt und dadurch die diagonale Fußfolge im Galopp im Dreitakt gefördert wird. Kruppeherein kann zwar durch die Förderung der Versammlung helfen den Brustkorb zu heben, allerdings ging manchmal in der Praxis die Rundheit der Oberlinie dabei verloren. Beachte daher immer, welche Übung helfen kann, etwas zu verbessern. 

Der Weg zur Versammlung

Christofers erster Meilenstein: Vorwärts – bevor das Pferd Versammlung lernt, müssen Tempo, Takt und Schwung im jeweilig gewünschten Rahmen beibehalten werden. Es braucht schon ein wenig Zeit, bis sich das Pferd im gewünschten Tempo an die nachgiebige Hand heran strecken kann. Bei der Frage wie tief sich das Pferd dehnen darf, lädt Christofer ein, das jeweilige Schulterblatt des Pferdes zu betrachten. Es macht einen Unterschied, ob der Rücken des Pferdes lang ist, die Schultern eher schräg oder im Gegenteil der Rücken kurz und die Schultern eher steil. Im letzteren Fall, soll die Nase nicht zu tief kommen, das Pferd wird länger brauchen tatsächlich einen großen Rückenschwung in der Rotation des Brustkorbes anzubieten. Christofer garniert hier die Theorie wie immer mit vielen bildhaften Vergleichen aus der Praxis. Er erzählt auch wie unterschiedlich die Ausbildung seiner Frederiksborger und Lusitanos ist und war. 

Foto: Katharina Gerletz

Auf dem Weg zur Versammlung führt also kein Weg am Vorwärts-aufwärts vorbei. Nun braucht der Reiter ein noch besseres Geüfhl für das Tempo als im Vorwärts-anwärts. Wenn man das Tempo abkürzt und so zur Versammlung kommen möchte, verliert man die Energie aus der  Hinterhand – die Basis ist also ein gutes Vorwärts, gleichbleibender Rhythmus und Energie. Christofer nimmt dieses Idealbild aus der Theorie dann auch beim jungen Pferd mit in die Praxis. Lipizzaner Conversano Aquileja (Konrad) und ich üben uns im Aufnehmen und Dehnen lassen, ohne dabei am Takt und Rhythmus etwas zu verändern. Auch muss Konrad nun die Verantwortung für ein gleichbleibendes Tempo im Galopp übernehmen. Verantwortung für gleichbleibendes Tempo war überhaupt in vielen Praxiseinheiten Thema. Mal ging es dabei um die Etablierung von mehr Ruhe und Entspannung, mal unterstütze Christofer bei der Entwicklung von mehr Fleiß. 

„Stell dir vor dein Pferd wäre eine Sprungfeder. Wer ständig verssammelt und die Federn zusammendrückt, darf nicht überrascht sein, wenn die Sprungfeder bei Entlastung quasi überall hin entflieht“. Christofer Dahlgren. 

Das Spiel von Rhythmus und Tempo begleitete uns in den Einheiten ebenso wie Christofers gute Laune, seine Motivation für Mensch und Pferd und die vielen lustigen Anekdoten und vor allem sehr bildhafte Darstellung der Biomechanik. 

Wir hatten definitiv Spiel, Spaß und Motivation an diesem Wochenende gepachtet und zum Glück wird es garantiert nicht der letzte Besuch von Christofer am schönen Sonnenhof in Hart bei Graz sein. 2020 begrüßen wir den sympathischen Trainer erneut bei uns in der Steiermark. 

Vorschau 2019 

Für heuer war es der letzte Kurs! 

Im kommenden Jahr gibt es wieder ein spannendes Programm, das wir für euch veranstalten: 

— am 2. und 3 März 2019 begrüßen wir Hanna Engström zum Thema Reitersitz.

— am 20. und 21. April 2019 begrüßen wir Bent Branderup erstmalig in Niederösterreich!!!!! Thema: Sekundarhilfen! Was Zügel, Hand, Schenkel, Gerte, Stimme usw. dem Pferd sagen -oder eben nicht sagen

— am 29. und 30. Juni 2019 freuen wir uns auf Bent Branderup zum Thema: Primäre Hilfen – was der Reiter mit Sitz und Körper sagt – oder eben nicht sagt. 

— am 12. und 13. Oktober 2019 referiert Bent Branderup zum Thema Seitengänge in Ainring bei Salzburg

— am 26. und 27. Oktober 2019 lädt Annika Keller zum Massage und Reitkurs! Ostheopathie, Physiotherapie und Akademische Reitkunst. Es wird spannend!! 

Wir freuen uns auf ein spannendes Kursjahr. 

signature2

3 Dinge, die du richtig gut kannst

3 Dinge, die du richtig gut kannst

Gibt es drei Dinge, die Reiter und Pferd wirklich gut können? Warum tun sich viele Reiter so schwer die eigenen Stärken und die des Pferdes hervorzuheben, Probleme wälzen fällt uns hingegen unendlich leichter? 

Ein Schwede mit Fun Faktor

Vor einigen Wochen war mein geschätzter Kollege Christofer Dahlgren aus Schweden bei uns zu Gast am Horse Resort „am Sonnenhof“. Am Stundenplan stand zunächst das korrekte Vorwärts, was uns Christofer aber zwischen den Zeilen präsentiert, ist eine unendlich feinfühlige Pädagogik für Reiter und Pferd. So diskutierten wir rund um den Theorievortrag über die Tatsache, dass es vielen Reiter eben schwerer fällt die Stärken des Pferdes zu analysieren, als dessen Schwächen. 

Stärken versus Schwächen und Albert Einstein 

Stärken-Schwächen Analysen werden heute fast überall angewandt – vor allem aber wenn es um Unternehmen geht. Gemessen werden die vorhandenen Ressourcen und deren Qualität, außerdem werden Vergleiche gezogen. Und da lauert schon die nächste Stolperfalle, denn Vergleiche lähmen oft den Fortschritt. Das wusste auch schon Albert Einstein (1879 bis 1955). 

Der berühmte Physiker und Wissenschaftler war nicht von Kindheit an ein Genie. Erst mit drei Jahren lernte er zu sprechen, in der Schule zeigte er zwar später eine gute Leistung, wurde aber als „aufrührerischer“ Schüler beschrieben. Seine größten Entdeckungen wurden durch zwei Entscheidungen, die er als junger Mann getroffen hatte geprägt: Einstein entschloss sich eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, gleichzeitig würde er seine Abscheu vor Konventionen als größte Stärke einsetzen. 

Einsteins Botschaft, auf dem Weg seine Ziele zu erreichen, lautet also: Beharrlichkeit zahlt sich aus, aber ein Schlüsselfaktor sind die eigenen Stärken. Nicht immer ist die eigene Stärke aber sofort als solche zu identifizieren. Einsteins Schwäche im Umgang mit Regeln und Konventionen, gerade in einer Welt der Wissenschaft wurde sicherlich mehrmals als Nachteil identifiziert. 

Nicht immer sind die „offensichtlichen“ Schwächen tatsächlich als solche zu bewerten. 

Denken wir doch mal nach: Wo könnte sich eine vermeintliche Schwäche bei uns doch als Stärke etablieren?

Alles nur perfekt? 

Klingt der vorherige Absatz gar so, als sollte man die Welt nur rosa und gut sehen? Wie soll man dann herausfinden, woran man üben soll? 

Nochmal: Schwächen zu identifizieren fällt uns deutlich leichter, daher soll uns das Beispiel von Albert Einstein zunächst inspirieren mal das Gegenteil zu versuchen. Natürlich stellen wir beim Reiten oder der Arbeit mit dem Pferd unmittelbar fest, was wir auf der „Haben“ Seite verbuchen können und woran wir noch feilen müssen. Ist das Pferd schief, kann es nicht zur gebenden Hand hin suchen, schleichen sich Taktfehler in der Versammlung ein, oder oder oder. 

Zunächst ist es wichtig den Inhalt, den es zu erarbeiten gilt zu definieren und nach Möglichkeit nicht in Lektionen zu sprechen. Also nicht: 

„Das Schulterherein auf der rechten Hand klappt nicht“. 

Sondern: 

„Ich spüre, wie der Brustkorb auf der rechten Hand außen nach unten kippt. Das fühlt sich für mich so an, als ob ich außen runter sitze. Ich habe schon ein Gefühl von seitwärts, aber irgendwie läuft mein Pferd eher über die äußere Schulter weg. Das Vorwärts bleibt dabei auf der Strecke, es fühlt sich klemmig an“. 

So ausformuliert wird auch rasch klar, welchen Inhalt wir erarbeiten wollen. 

Und vielleicht können wir uns die Stärken unseres Pferdes ja zu Nutze machen. 

Analyse – und zwar stärkenorientiert!

  1. Was unser Pferd besonders gut kann
  2. Was ich als Reiter gut kann
  3. Was ich als Ausbilder meines Pferdes gut kann
  4. Welche Botschaft mir mein Pferd sehr gut vermitteln kann
  5. Was können wir als Team sehr gut gemeinsam?

Was unser Pferd besonders gut kann

Wie lange müssen wir hier überlegen?
Mein Youngster Lipizzaner Conversano Aquileja (Konrad) kann sich besonders gut Inhalte merken und erinnern. Wenn das Timing für Lob und Bestätigung rechtzeitig von mir kommt, dann reicht es, eine neue Sache einmal auszuprobieren. Vier Tage später weiß er es noch immer. Konrad lernt auch sehr sehr schnell. Seine große Stärke: Er spricht Pferd und das sehr deutlich. Da Konrad in einer großen Herde Lipizzanerbuben auf der Alm groß geworden ist, ist er nicht nur physisch sehr ausbalanciert, sondern auch mental. Zuzuhören und meine Körpersprache zu verstehen, war für ihn eine wirklich leichte Sache. Da er ausschließlich gute Erfahrungen mit Menschen gemacht hat ist er immer motiviert und hat eine Freude am Zusammensein mit Menschen. Etwas lernen, gemeinsam etwas zu tun – das macht ihm tatsächlich Freude. 

Trakehnerstute Tarabaya (Tabby) kann sich Inhalte ebenso gut merken und erinnern. Wenn sie einmal etwas gelernt hat, dann ist das garantiert „da“. Wenn Tabby einmal etwas verstanden hat, dann kann sie es wirklich immer erinnern. Was sie noch gut kann? Traben. Trab ist Tabbys Stärke. Im Trab kann sie sich stolz präsentieren und zeigen. Das weiß sie auch ganz genau. Ihre dritte Stärke: Verlässlichkeit. Sie kann schon mal ein „verrücktes Huhn“ sein, wenn ich mit Tabby auswärts auf einen Kurs fahre, wir von einer Drohne verfolgt werden oder eine Prüfung bestreiten: Ich weiß ich kann mich auf meinen schlauen Fuchs verlassen. Und zwar immer. 

Przedswit Stute Pina hat eine Meinung und die äußert sie. Dadurch habe ich schon wirklich viel von ihr gelernt. Gepaart mit ihrer Sanftheit und Güte ist sie eine tolle Lehrmeisterin. Ein Beispiel: Pina hat zwei Schülern von mir in Punkto Bodenarbeit sehr auf die Sprünge geholfen. Während Pina sonst eher ruhig und introvertiert ist, erklärt sie mit mir mit Team Inhalte und vermittelt vor allem in Punkto „Gefühl“ Dinge, die ich nie so auf den Punkt bringen könnte. Sie spiegelt Menschen unfassbar gut, hält uns dann diesen Spiegel auch vor und tröstet und brummelt, wenns dann mal zu emotional werden könnte. Pina ist außerdem ein zuverlässiger Partner im Gelände. Ihre Ruhe und Unerschrockenheit machen sie zu einem herrlichen Pferd für meinen Vater, der mittlerweile in Pension seine Ausritte genießt. 

Was ich als Reiter gut kann?

Kann ich mich gut in das Pferd fühlen? Bringe ich genug Empathie mit? Genug Wissen über Biomechanik? Genug Wissen über Hilfengebung? Kann ich das den Pferden gut vermitteln? Unsere eigenen Stärken zu betonen ist dann ja nochmal eine ganz andere Herausforderung. Eine liebe Freundin sagte mal über mich: Anna macht Pferde wieder gut. Das war nicht auf eine Ausbildung bezogen, sondern vor allem auf die Psyche. Wenn sich unsichere, frustrierte oder missverstandene Pferde wieder gut fühlen, dann freut mich das ganz besonders. Ich denke, ich verstehe Pferde also ganz gut und kann Inhalte sehr fair erklären. Sowohl bei Mensch und Tier ist es mir wichtig, dass sich beide miteinander gut fühlen. Und Konsequenz und Genauigkeit sind sicher auch Stärken von mir persönlich. 

Also – was sind die eigenen Stärken? Und zwar ausschließlich Stärken. Was kann ein jeder im Umgang mit Pferden besonders gut? Ran ans Papier und Notizen machen! 

Was ich als Ausbilder meines Pferdes gut kann?

Diese Frage kann uns helfen in der Lernstruktur unsere Stärken noch mehr zu betonen. Können wir das Pferd gut einschätzen  und demnach den gemeinsamen Trainingsteil gut gestalten? Ist es eine besondere Einfühlsamkeit dem Schüler gegenüber? Habe ich viellicht viele abwechslungsreiche Ideen für mein Pferd oder macht meine besonders strukturierte Linie den Lernerfolg für mein Pferd leichter? Kann ich einzelne Inhalte sehr gut in die kleinsten Schritte zerlegen und diese meinem Pferd vermitteln? Was kann ich wirklich gut als Pädagoge. Auch diese Frage gilt es genau zu erörtern! 

Welche Botschaft hat mein Pferd an mich?

Kommunikation und Pädagogik sind keine Einbahnstraße. Nicht nur ich als Mensch habe meinem Pferd viel zu sagen, sondern auch das Pferd hat eine klare Botschaft an mich. Im Fall meiner Pferde wäre das: 

Konrad möchte viel Abwechslung, wenige Wiederholungen. Er fördert das Vertrauen in die Fähigkeiten des Pferdes. 

Tabby ist nicht immer sofort davon überzeugt, dass sie die gestellte Aufgabe bewältigen kann. Dementsprechend temperamentvoll äußert sie diese Überzeugung. Sie fördert damit aber auch das Selbstbewusstsein ihres Menschen. Denn wenn sie nicht vor Selbstbewusstsein strotzt, dann muss man dieses Gefühl ja auch für sie mit aufbringen. 

Pina würde für ihren Menschen alles tun. Sich immer zu übernehmen würde ihrem Körper jedoch nicht sonderlich gut tun, vor allem da es ein paar physische Besonderheiten gibt. Selbst also, wenn das Pferd viel bietet, schult sie den eigenen Ehrgeiz zu reduzieren und niemals den Gedanken zu verlieren: Die Dressur für das Pferd – und ja nicht umgekehrt. 

Welche Botschaft vermittelt also das eigene Pferd? 

Wir als Team?

Zuletzt gilt es, sich darüber Gedanken zu machen, ob Mensch und Pferd bereits ein Team sind und welche Herausforderungen gemeinsam bewältigt wurden. Wo und wie sind wir zusammen gewachsen, was bringt uns nicht aus der Bahn? Ich weiß, dass ich mich auf meine beiden Mädels, ebenso wie auf Konrad unheimlich gut verlassen kann. Und diese Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit gebe ich meinen Pferden nur zu gerne zurück. 

Wandeln wir unsere Schwächen in Stärken und bringen wir mindestens drei davon auf den Punkt, dann Reiten wir Einfach 😉 

signature2

Künstler, Könner, Biomechanik

Künstler, Könner, Biomechanik

Ein Mann ein Wort? Ein Reitlehrer viele Worte.
So ist es unmöglich die besten Zitate von Bent Branderup eines Seminars in nur einem Blogartikel zusammen zufassen.

Was uns Bent Branderup zum Thema „Parade“ in Ainring bei Salzburg zu sagen hatte? Eine ganze Menge – von Biomechanik, gutem Handwerk und schließlich was einen guten Künstler ausmacht. 

Warum ist das Nachgeben so schwer? 

Das Nachgeben ist dann schwer, wenn das Pferd nicht weiß, wie es reagieren soll. Ein Nachgeben kann man nicht verstärken, wie man auch beispielsweise den Schenkel kräftiger einsetzen kann. 

Wenn der Schwung den richtigen Weg durch das Pferd geht, dann streckt sich das Pferd zur Hand hin. Wir müssen also hinten etwas erzeugen, das die richtige Muskelverkettung anspricht, wodurch alle Sehnen, Bänder und Faszien ebenso biomechanisch involviert sind. Und deswegen rufe ich auch gerne diesen guten alten Reitersatz in Erinnerung: 

Was du in der Hand hast oder eben auch nicht hast, ist hinten nicht geschehen!

Was soll denn von hinten geschehen?
 

Im Idealfall ist es der Vorgriff des Hinterfußes, der die Oberlinie zur Dehnung bringt. Da haben wir bei mehreren Pferden die Nickbewegung beobachtet, so dass in dem Moment wo die Oberlinie gedehnt wird, die Schädelbasis nach vorne federt. Daraus kommt das zur Hand strecken. Wenn die Schädelbasis nach hinten oben federt dominiert der Rückschub und dann kürzt sich die Oberlinie ab. Daher ist es völlig richtig, dass das Vorwärtsreiten die Grundlage für alles ist.
Aus gutem Grund unterscheidet Gustav Steinbrecht deutlich zwischen „schnell“ und „vorwärts“. Wenn durch „Über Tempo reiten“ der Rückschub des Hinterfußes dominiert, dann haben wir kein richtiges zur Hand hin suchen des Pferdes. Schnell zu reiten verbessert also nicht ubedingt den Vorgriff, schneller zu reiten führt zu einem Öffnen der Gelenke nach hinten raus.

Über das Zusammenspielen der Gelenke 

Wir hatten in der ersten Parade den Weg über den Rücken, der Ausbilder stand vor dem Pferd und hat den Rücken gut überblicken können. Wir hätten dann gerne eine bestimmte Formgebung der Wirbelsäule und damit einhergehende Platzierung des Beckens. Konkret gesagt: die innere Hüfte soll sich nach vorne-unten bewegen, das ist dann der Moment, wo das Becken teilnimmt an der Gesamtreaktion der Wirbelsäule.  In der zweiten Parade wird das Gewicht nach hinten genommen, wenn die Hinterfüße am Boden stehen. Das Pferd kann bei der Verlagerung des Schwerpunktes aber auch falsch reagieren: Den Po nach hinten strecken und Knie Sprunggelenke steifen.  Das Pferd muss also in diesem Fall begreifen die Gelenke der Hinterhand zu beugen. Wir versuchen mit der Gerte das Pferd auf der Höhe des Hüftgelenks zu berühren und so zu erklären, wo wir gerne mehr Beugung sehen wollten. Manchmal beugen Pferde in der Hüfte nehmen aber Knie und Sprunggelenk wieder nicht mit. Wenn das Knie aktiv wird, dann sind Knie und Sprunggelenke miteinander gekoppelt, Wir Menschen können Knie und Sprunggelenk separat bewegen – Pferde können das nicht. Das hängt damit zusammen, dass Pferde im Stehen schlafen können. Rastet dann nur das Knie ein und das Sprunggelenk nicht, fällt das Pferd in der Ruhe um. In der Bewegung erreichen wir Knie und Sprunggelenk zu Beginn einfacher: Bewegt sich das Pferd und hebt es den Huf aus dem Sprunggelenk, dann kommt das Knie in der Bewegung freilich mit.

Aber Achtung: Wenn der Reiter diese Arbeit allzu fleissig mit der Touchiergerte angeht, dann verwendet das Pferd alsbald lieber die Hüfte, um den Hinterfuß zu heben. Wir sehen dann so genannte Rüdenpinkelpiaffen. Das Problem ist, dass beim Heben einer Hüfte diagonal die Schulter nach unten fällt.  Das Pferd hebt die Beine imposant fürs Auge, ist aber kein bisschen versammelt. Es hat mehr Gewicht auf der Vorderhand als auf der Hinterhand.

Die Sache mit der Versammlung und der Forschung 

Mein Rappe Tysson hat ungefähr 600 Kilo. In einer idealen Levade trägt also jeder Hinterfuß rund 300 Kilo.  Wir dürfen aber die Physik nicht auslassen. Jeder kennt die Formel: Masse mal Beschleunigung – dann hat unser Pferd ungleich viele Tonnen Gewicht auf dem (Vorder) Fuß – bei der Entschleunigung haben wir auch viel Gewicht auf dem (Vorder)Fuß. Das meiste Gewicht wird also nicht beim Tragen aufgenommen, sondern wenn das Pferd ent-und beschleunigt. 

Das meiste Gewicht auf der Hinterhand zu tragen in der Versammlung ist also eine falsche Vorstellung. Freilich muss aber die Vorhand leichter werden in der Versammlung. 

Vor einigen Jahren hatte ich Besuch von einer Professorin von der Universität Stockholm. Sie hat eine Reihe moderner Pferde mit Hufschuhen und Druckplatten untersucht. Hier wurden dann einige Warmblüter in der Piaffe gemessen, die hatten allerdings auf der Vorhand mehr Gewicht als auf der Hinterhand. Das Fazit der Forschung war also: In der Versammlung ist mehr Gewicht auf der Vorhand als auf der Hinterhand. Bis sie meinen Tysson untersucht haben. Im Stehen hat Tysson den Schwerpunkt von der Schulparade aus in Richtung Levade nach hinten in Richtung Hinterhand genommen. Und an der Levade konnte man zweifelsohne erkennen, dass das PFerd in der Versammlung dann null Gewicht auf der Vorhand hatte. Nun hatte die Studie das Ergebnis, das sie gerne haben wollte. 

Das Sonderbare an der modernen Reiterei ist aber: Sie ist mit einer Theorie unterwegs, die mit der Praxis nicht übereinstimmt. 

Was die Natur kann und eben nicht kann…

Wenn das Pferd in der Versammlung die erstrebte Beugung der Gelenke einfach nicht machen kann, dann wird es schwierig, Sie kennen sicherlich Kinder, die von Natur aus einfach so einen Spagat machen können. Ich persönlich würde es nicht schaffen, egal wie viel ich aufwärme. Dieses Unvermögen kann an Sehnen und Bändern liegen, die nicht lang genug sind, es kann aber auch an der Begrenzung eines Gelenks liegen. Wie weit kann sich das Hüftgelenk in der Gelenkspfanne bewegen? Wenn das Gelenk sagt: Hier ist Schluss, dann ist hier Schluss. 

Wenn die Natur es möglich macht, dann brauchen wir „nur noch“ eine gute Kommunikation. Gibt es physische oder mentale Grenzen, dann kann ich das Beugen eines Gelenks unmöglich erzwingen. Es muss schon das Pferd aktiv seine Gelenke beugen und nicht der Mensch oder eine Zwangsapparatur. Gewaltmaßnahmen können dem Pferd keinen Inhalt erklären. 

Andere Pferde wiederum finden ihre Hinterhand nicht. In der Wissenschaft diskutieren wir aktuell darüber, ob das Pferd seine Knie willentlich beugen kann. Jedes Mal wenn ein Pferd steht, dann rasten die Knie ein – bei Bewegung rastet das Kniegelenk aus. Wir sehen aber in der Arbeit mit der Schulparade im Stand, wie manche Pferde lernen können, ihre Kniegelenke zu öffnen, obwohl sie eben stehen. Die allermeisten Pferde haben aber Schwierigkeiten ihre Knie überhaupt zu finden. Wir werden also entdecken: Die Pferde, mit denen wir außerdem eine hervorragende Kommunikation haben, die können wir gut ausbilden. Zwei Geister müssen wollen, was zwei Körper können. Und die Begrenzung liegt selten am Körper und am Geist des Pferdes. 

Was tun wenn das Pferd in den Gelenken der Hinterhand dreht? Wenn der Huf im Sand dreht? 

Wenn sich der Hinterfuß weg dreht, dann ist es das Hüftgelenk. Daher muss der Ausbilder die Muskulatur rund um das Hüftgelenk stärken, dann wird das Gelenk nicht mehr weg drehen. Durch korrekte Seitengänge arbeite ich zuerst an der Beweglichkeit, an der Mobilität, mildere die Steifheit und lasse es dann eine Richtung finden. 

Die Geschichte vom guten Handwerker 

Es ist wichtig, dass wir ein Minimum an Biomechanik verstehen, bevor wir am Pferdekörper manipulieren: Wir sehen Pferde, die sind gesund und munter und im Handumdrehen sind sie kaputt geritten. ich möchte gerne von meinem Schüler sagen können, er oder sie sei ein guter Handwerker. Was gehört zum Handwerk? Vergleichen wir uns doch mit einem anderen Handwerker, zb einem Tischler?

Stellen wir uns vor, Sie hätten selbst das Material. Sie haben also das Holz und bringen es zum Tischler. Sie erwarten zunächst eine ausführliche Beratung zur Herstellung eines Tisches. Der Tischler weist Sie darauf hin, dass man aus Ihrem Pappelholz keinen robusten Tisch herstellen könne. „Wollen Sie mit ihrem Holz etwas Anderes haben oder möchten Sie einen anderen Tisch aus einem anderen Material?“fragt der Tischler die Kundin.

Ich muss als Bereiter ebenso sagen: ich kann Ihrem Pferd eine bestimmte Springtechnik beibringen, aber ich kann keinem Shetty beibringen 1,80 m hoch zu springen. Ich muss innerhalb der Fähigkeiten des Körpers arbeiten. Sie werden verstehen, dass ein Shetty nicht so hoch springen kann, trotzdem kann es natürlich eine gute Springtechnik seinen Fähigkeiten entsprechend lernen. 

Dann nimmt der Tischler das Holz entgegen und fängt an es zu bearbeiten. Stellen Sie sich vor, sie bringen ein Pferd zu einem Berufsreiter. Der Tischler sagt, in zwei Wochen kommen Sie wieder und holen Ihren Tisch ab. Sie kommen wieder und finden einen Stapel Brennholz vor und der Tischler will sein Geld haben. Das ist ungefähr das, was Sie heute oft erleben, wenn Sie ein Pferd zu einem Berufsreiter bringen. 

Fragen Sie sich warum das Durchschnittsalter des Sportpferdes bei 7 Komma irgendwas liegt. Das sind übrigens die Pferde, die im Turniersport eingetragen sind – wie hoch ist dann die Zahl der Pferde, die es nicht bis dorthin geschafft hat?

Es gibt Leute, die im Wald herum laufen und versuchen den Baum auf der Rinde zu lackieren. Das ist wenn die Leute Piff Paff und Blamage haben wollen, bevor sie ein korrektes vorwärts-abwärts können. 

Der Baum wird erst gefällt, bearbeitet und dann zum Tischler gebracht, der dann das fertige Meisterwerk lackiert. Das ist eine Qualität, die auch einen guten Berufsreiter ausmacht. Er kann das Pferd beurteilen und innerhalb der Fähigkeiten fördern. Wenn Sie ein Pferd haben, das zuerst schönes Grundgangarten hatte und nach der Ausbildung nicht mehr, dann sind Sie gescheitert. Können wir also die Fähigkeiten der Natur veredeln oder zerstören? 

7 wichtige Punkte

Balance, Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Form, Tempo, Takt und Schwung sind die großen sieben, die in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Jeder Muskel muss hier seine Arbeit machen und ebenso sein Gegenspieler. Losgelassenheit ist für die richtige Form notwendig, ohne Balance ist sie jedoch nicht möglich. Balance, Losgelassenheit und Formgebung greifen also direkt ineinander, wenn das geschafft ist, dann kann die Wirbelsäule innerhalb einer bestimmten Losgelasenheit schwingen. Schwung und Spannung schließen sich gegenseitig aus. Wir sehen oft verspannte Pferde strampeln, das ist aber das Gegenteil von Schwung. Daher beharre ich Wochenende für Wochenende darauf, meinen Schülern die biomechanischen Grundlagen zu erklären. Ich kann es euch erklären, aber ihr müsst es also verstehen. Man muss verstehen, bevor man an der Mechanik herumpfuscht. 

Wir möchten die Fähigkeiten entwickeln, wo wir dem Pferd sagen können: Könntest du bitte. Unsere Pferde sollen nicht alt werden, weil sie klug sind, sich gegen dumme Vorschläge zu wehren, sondern alt werden, weil wir durch gute Vorschläge dazu beitragen, dass sie in Würde altern können. 

Kunst? 

Kunst kommt vom Können. Seit Jahrtausenden können wir uns darauf einigen, dass ein guter Künstler auch ein guter Handwerker war. Ein Künstler war nicht der, der einfach nur eine Farbe an die Wand schmierte und das besser konnte, als andere. Michaelangelo hat sicherlich für die Sixtinische Kapelle ein bisschen geübt. Es gibt also nur eins. Üben. Der Meister ist öfter gescheitert, als es der Anfänger überhaupt probiert hat. 

 

Österreicher und das bayrische Nachbarland aufgepasst: Nächstes Jahr freuen wir uns auf Kurse mit Bent Branderup zum Thema „Sekundäre Hilfen“, „Primäre Hilfen“ und „Seitengänge“, Austragungsorte sind diesmal wie üblich Ainring bei Salzburg und Hart bei Graz – und eine neue Location kommt in Niederösterreich hinzu. Seid gespannt!

zum Weiterlesen und Einstimmen:

Best of Branderup Teil 1

Best of Branderup Teil 2 zum Thema Paraden 

signature2

Pin It on Pinterest