Die Dressur für das Pferd

Die Dressur für das Pferd

Die Dressur ist für das Pferd und nicht das Pferd für die Dressur. Dieser Satz prägte mein Umdenken rund um Pferde maßgeblich – und zwar nicht nur einmal. 

Ich feiere heuer mehr oder weniger ein Jubiläum. Vor zehn Jahren startete ich meine Reise in die Akademische Reitkunst – und seitdem hat sich auch in der Akademischen Reitkunst so einiges getan. 

Es war ein glücklicher Zufall, der mich zum Umdenken brachte. Zuvor verrannte ich mich in eine Sackgasse. Nach einer ziemlich geglückten Ausbildung rund ums Pferd in meiner Jugend war ich plötzlich ratlos. Wer meinen Weg zur Akademischen Reitkunst gerne genau Nachhören möchte – ich habe dazu einen Podcast verfasst. 

Die Dressur für das Pferd – nichts machte mehr Sinn für meine Stute Barilla. Und so tauchten wir gemeinsam in die Akademische Reitkunst. Hinterfragten Schritt für Schritt noch einmal genau, warum wir was eigentlich tun. Mein Pferd dankte es mir. 

Mit dem „heißen Ofen“ Trakehner Tabby habe ich die Dressur nicht nur mental sondern auch physisch nutzen können. Ebenso profitiert hat natürlich meine Przedswit Stute Pina, die tastbare Wirbelbrüche im Schweif und wohl unfallbedingt einen Beckenschiefstand hat. 

Mir fallen noch etliche Beispiele ein: Besonders ans Herz gegangen ist mir die Reise von Blida und Katharina Gerletz, die ihr hier noch einmal nachlesen könnt. 

Wir nutzen also die Dressur unweigerlich für das Pferd – aber gibt es ein Genug? Gibt es ein Limit? 

Immer wieder hat mich auch Bent Branderup nachdenklich gemacht, wenn er über die schwierige Ausbildung seines PREs Cara erzählte. Wir sind hier quasi im selben Boot: Sowohl Tarabaya als auch Cara fußen extrem breitbeinig, werden dadurch schwer in der Vorhand und steif im Hals. 

Durch eine Fehlstellung an den Hufen war Tabby auch seit September 2017 immer wieder lahm. 

Dazu kam durch die Lahmheit natürlich eine Gewichtszunahme und seelische Unausgeglichenheit meines Pferdes. 

Den Winter verbrachten wir also sehr auf der Stelle. Und das meine ich nicht nur wörtlich. Wir haben sehr an der Versammlung gearbeitet – forsches Vorschwingen und damit Tabbys Stärke zur Geltung bringen – ihre raumgreifenden Gänge – das war leider nicht am Stundenplan, aber ab dem Frühjahr möglich, als sich ihr Gesundheitszustand insgesamt besserte. 

Das Unmögliche möglich machen

2014 haben wir von Bent noch ein wenig erfreuliches Feedback auf einem Kurs bekommen. Tabbys Schubkraft war so enorm, der Gang schwankend, die Hüfte so schwer zu stabilisieren. Ich habe schwer geschluckt, als es hieß, mein Pferd würde sich wohl mit Hankenbeugung sehr schwer tun. Ob das je möglich sei? 

Es war möglich. 2015 haben wir Bent dann bei unserem Kurs davon überzeugt, mit dem Verständnis der Schulparade kamen dann noch weitere Möglichkeiten in der Ausbildung meines Pferdes hinzu. Momentan arbeiten wir daran Hankenbeugung von einer statischen Position in die Dynamik mitzunehmen. Daher ist auch die Quantität der Hankenbeugung maßgeblich an der Qualität der Bewegung beteiligt. Ein Thema, das wir kniffelig, tricky und ungemein spannend finden. 

Zurück zum Unmöglichen. Auch ich habe mich damals immer wieder gefragt, ob es meinem Pferd gut tut, so genau an so vielen Details zu üben. Ihr Bewegungskonzept war nun einmal breitbeinig, die auffußenden Gelenke haben gewackelt und sich arg im Sand gedreht – und an schlechten Tagen muss ich die Bewegungsqualität wirklich gewissenhaft überwachen. Ich will und wollte Tabby möglichst lange gesund erhalten – und nur deswegen habe ich detailverliebt an Kleinigkeiten gearbeitet – schließlich lebt man mit einem gesunden Bewegungskonzept besser. 

Steigende Ansprüche

Wir reiten keine Turniere, wir stellen uns mit unserem Können den Ansprüchen der Ritterschaft der Akademischen Reitkunst und dort gibt es auch Meilensteine in Form von Prüfungen auf die man hin trainieren kann. 

Ansprüche, die auch steigen. 

Immer wieder habe ich mich gedanklich dem Spagat stellen müssen. Bin ich ehrgeizig? Habe ich ehrgeizige Ambitionen oder geht es tatsächlich nur ums Dazulernen? Ich habe mich fast schon schlecht gefühlt, als ich dann einen Youngster in mein Vierbeiniges Team geholt habe, der quasi keine körperlichen Herausforderungen in die Ausbildung mitbringt – und mental einfach der absolute Hammer ist. 

Nun war ich mit dem Gedanken konfrontiert, dass hier die Gefahr begraben liegen könnte zu ambitioniert mit diesem talentierten Jungspund umzugehen. Was liegt zwischen Ambition und Ehrgeiz? 

In der Ritterschaft sind die Ansprüche für Prüfungen in den letzten Jahren – nicht zuletzt wegen des steigenden Niveaus im Bereich der Bodenarbeit angehoben worden. Auch das Squire Level wurde angehoben, heute sind Wappenträger (Squire) befähigt, Ringprüfungen abzulegen. Weitere Informationen dazu unter auf der Seite der Ritterschaft

Jedes Pferd kann alles lernen? 

Ja – und auch jeder Mensch. Wenn Zeit keine Rolle spielt. Das wäre jetzt mal die kurze Antwort. Und Zeit kann für oder gegen uns arbeiten. Wenn wir etwas am besten gestern schon haben wollten, dann kann es nicht gut für die mentale und physische Ausbildung des Pferdes sein. Wenn wir uns aber Zeit nehmen, dann kann Zeit bekanntlich alle Wunden heilen. 

In meinen Gedanken um meine eigenen Ambitionen habe ich daher beschlossen: Für meine Pferde spielt Zeit keine Rolle. Das was ich geschenkt bekomme, nehme ich im Hier und Jetzt an. Manchmal muss ich auch den Tatendrang meines Jungspundes bremsen, manchmal muss ich auch bei meinen zwei Damen zusehen, dass ihr Tatendrang ihre körperlichen Fähigkeiten nicht überholt. 

Die Dressur kann also nur für das Pferd sein, wenn Zeit absolut keine Rolle spielt. Wenn wir nicht morgen irgendwo ankommen müssen. Wenn wir zufrieden sind, mit den kleinen Schritten und uns immer wieder überraschen lassen von den Fähigkeiten unserer Pferde – dann ist die Dressur für das Pferd. 

Und dann ist die Dressur natürlich auch etwas für den Menschen, wenn wir Selbstbeherrschung, Geduld, Ausdauer verbessern, Wissen anhäufien unseren Blick für das kleine Detail schulen und uns auch immer wieder über die kleinen Meilensteine freuen lernen. Und wie erst kürzlich gesagt – die Freude nicht verlieren. 

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PS: Nutzen wir die Dressur für uns und unsere Pferde, dann Reiten wir Einfach 😉

Treib es bunt…

Treib es bunt…

Ein bisschen Spaß muss sein – das war das Motto meines letzten Blogartikels. Aber können wir das? Lachen auf Befehl? Wenn wir nicht zu den guten Schauspielern gehören, dann fällt uns diese Aufgabe schwer. 

Es sagt sich doch so leicht: sei unbeschwert, sei fröhlich, nimm es leicht. 

Daher gibt es heute ein paar Tipps für die Verbindung von Training und Spaß. 

Es geht um nichts

Seine Leidenschaft zum Beruf machen? Herrlich. Wie oft habe ich schon den Satz gehört: „Na das ist doch prima, du machst einfach dein Hobby zum Beruf“. Ja. Pferde sind meine Leidenschaft. Pferde sind mein Ein und Alles. Ein Leben ohne Pferde kann ich mir nicht vorstellen. 

Trotzdem lasse ich mich auch immer wieder gerne dran erinnern, warum ich Zeit mit meinen Pferden verbringen wollte – beispielsweise beim Kurs mit Bent Branderup in Ainring bei Salzburg am 13. und 14. Oktober 2018. 

Natürlich steht an diesem Wochenende ein gewisses Pensum am Programm. Wir wollen ja alle weiterkommen und etwas Lernen. Aber dennoch rufen Bents Schlussworte am Sonntag nochmal in Erinnerung warum wir mit Pferden zusammen sein wollen, was wir empfinden und wie wir die Zeit einfach genießen. 

Kommen wir zurück zu meinem „Stress“ mit den Pferden. Mein Tagespensum ist meist voll. Früh am Morgen erledige ich die Büroarbeit, redigiere die Artikel für unsere Buchserie und unterrichte meist ab 8 Uhr morgens bis 21 Uhr Abends. Dazwischen hatte ich manchmal das Gefühl mit meinen Pferden auch noch etwas machen zu „müssen“. Muss ist aber irgendwie das falsche Wort. Mir tut es mittlerweile sehr gut, wenn ich meine Pferde an manchen Tagen nur auf der Weide besuche, mit ihnen am Paddock-Trail spaziere. Manchmal habe ich sogar versucht, ein Buch neben ihnen zu lesen. (Es wurde beinahe gefressen). Es gibt also wirklich Tage, da „tun“ wir „effektiv“ und „effizient“ NICHTS. 

Treib es bunt und sei kreativ

Dann gibt es Tage, da wiederholen wir das, was wir schon können. Wer kennt nicht das Gefühl, ein wenig auf der Stelle zu kleben und nicht wirklich weiter zu kommen? Bei gefühlter Symptomatik hilft unser Trainingstagebuch. Beim Ausmisten im Büro stolpere ich von Zeit zu Zeit über alte Notizen, die ich mir über meine Pferde gemacht habe. Meine Güte, da waren die Sorgen über unsortiere Hinterbeine groß! Ich habe die Probleme von gestern bereits vergessen – auch wenn sie mir damals enorm schienen. Es hilft tatsächlich sein Erfolgskonto mit einer Gedächtniserfrischung immer wieder mal aufzuwerten. 

Andererseits können wir uns auch erlauben, mit unseren bereits verbuchten Erfolgen ein wenig kreativer umzugehen. 

Immer wieder Seitengänge auf der Geraden üben? Hier helfen kreative Übungen. 

Aktuell arbeite ich sehr gerne mit Pylonen, Stangen oder Dualgassen auf dem Zirkel. 

Balance, Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Schwung, Geraderichtung, Takt und Tempo lassen sich ganz wunderbar zu den folgenden Übungen – einzeln und in Kombination arbeiten: 

  • Grundzirkel (Pylonen markieren den Zirkel und weisen den Weg)
  • Slalom (8 Pylonen auf einem Zirkel verwandeln laden ein zum Slalom auf dem Zirkel, wobei um die Hütchen herum immer neue Stellung und Biegung abgefragt wird)
  • Volten (Auf dem Zirkel oder an verschiedenen Bahnpunkten in der Halle oder am Viereck verstreut – um die Pylonen folgen Volten, 8-er und Handwechsel) 

Grundsätzlich empfehle ich drei Wiederholungen pro Übung vor der nächsten Aufgabe. 

Wer es noch kreativer möchte, der kann auch nach Belieben Über- und Seitengänge in die Arbeit auf dem Zirkel ganz punktgenau einbauen. 

Weitere Anregungen gibt es im Artikel rund um Bahnfiguren und in Kombination mit Seitengängen. 

Trau dich was

Immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken. 

Je mehr Wissen und Können wir gesammelt haben, umso eher schränken wir uns ein. 

Wo ist denn unser kindlicher Entdeckungsdrang geblieben? Als Kinder haben wir einfach Bewegungen ausprobiert und Freude daran gespürt. Ein Purzelbaum? Ein Rad schlagen? Auch wenn es mal nicht geklappt hat – Bewegungsdrang und Freude waren da – der Ehrgeiz ebenso geweckt, es beim nächsten Mal noch besser machen zu können. Es gab keine technische Anleitung – wir lernten durch Beobachtung und spürten genau hin, wann uns eine Bewegung gut tat – und wann nicht. 

Wenn wir mit Pferden arbeiten, dann geht es ja genau darum: Bewegungen zu schulen. Aber der Wunsch alles korrekt machen zu müssen und gleichzeitig auf eine Entdeckungsreise zu gehen schließen sich aus – ebenso wie der Pauschaltourist gleichzeitig keine Forschungsreise unternehmen kann. 

Wir  müssen uns also mal auch trauen. Damit meine ich jetzt nicht einen waghalsigen Sprung über ein Hindernis im „Busch“, sondern eine innere Losgelassenheit, die es uns als Ausbilder unserer Pferde einfacher machen soll, mal ein Auge zuzudrücken, wenn sich ein Pferd in einer Bewegung ausprobiert. Wenn es zwar vielleicht eine Idee von Hankenbeugung hat, gleichzeitig aber noch seinen Unterhals benutzen muss. Wenn es im Beginn der Ausbildung eines Kruppeherein zwar die Kruppe nach innen bewegen kann, gleichzeitig aber noch nach außen sieht. Ja. Fehler passieren. Fehler sind unvermeidbar. Manchmal kann aber ein bisschen weniger Perfektion das Verständnis für eine Hilfe ungemein verbessern. Trauen wir uns. Und bitten wir um Hilfe, wenn wir diese innere Losgelassenheit vielleicht nicht ohne Copiloten – in der Form einer Begleitung durch den Trainer – schaffen. 

Treiben wir es bunt und bringen wir Abwechslung rein

Mein Herbst ist zwar ziemlich ausgefüllt mit Terminen, aber ich hätte noch den einen oder anderen Spaziergang mit meinen Pferden vor, im hoffentlich rotgewandeten Wald. Ein zünftiger Galopp über unsere große Wiese darf dann natürlich auch nicht fehlen. Und viele warme Herbsttage, in der wir die letzten Sonnenstrahlen vor dem Novembergrau genießen und einsammeln.

Treiben wir es bunt – vor allem im grauen Winter – dann reiten wir sicherlich Einfach 🙂 

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Fühl dich doch gut!

Fühl dich doch gut!

Wie bewegt sich mein Pferd? Wo sind die Hinterbeine? Was passiert gerade im Pferdekörper? Ist mein Pferd noch mental da? Geistig anwesend? Hat es etwas richtig gemacht? Bin ich mit einer neuen Herausforderung überfordert? Wie schaffe ich das Lehrender und Lernender gleichzeitig zu sein und wo ist das gute Gefühl? 

Erst neulich war ich im Gespräch mit meiner lieben Kollegin Julia Kiegerl. Ihr ist es besonders wichtig, dem Pferd immer ein gutes Gefühl im Training zu geben – egal ob was mal gut klappt oder schlecht. Das Pferd soll immer mit einem guten Gefühl aus einer Trainingseinheit gehen. Ich bin stolz, wenn solche Prioritäten ganz oben auf der Liste stehen – und eine Erinnerung daran tut auch immer wieder gut!

Farbenlehre 

Der grüne Bereich ist etwas, in dem man sich wohl fühlt. Der gelbe geht so ein bisschen an unserer Grenzen und der rote Bereich ist gänzlich tabu. Wenn wir mit Pferden trainieren dann gibt es verschiedene Skalen und Richtwerte an die wir uns halten können. 

Mein Kollege Christofer Dahlgren hat es in einem Gespräch wunderbar auf den Punkt gebracht. Es gibt Tage, da ist er einfach mit seinen Pferden zusammen, genießt den Moment, das Zusammensein. Es geht um keine Inhalte, sondern ums Putzen, Kraulen, den Besuch auf der Weide. Wirklich um eine gute Zeit. Dann gibt es Tage, wo in der Komfort-Zone Altbekanntes geübt wird. Pferd und Reiter können sich in ihrem Tun sicher fühlen und sicherlich noch ein paar Details verbessern oder wiederholen. Und dann gibt es eben Tage an denen Neues gelernt wird. 

Andere Trainer gestalten ihre Trainingspläne dann eben gerne nach physiologischen und biomechanischen Grundsätzen. Wann wird Muskulatur wie gearbeitet. Wann braucht man eine Pause, wann wieder Aktivierung und wie sollte die Pause zwischen den Trainingseinheiten geplant sein. 

Mehr über Trainingspläne zum Nachlesen gibt es hier:

 

Die akademische Berufskrankheit

Wenn ich mich mit Kollegen austausche oder worüber wir auf der Sommerakademie immer wieder herzlich lachen und uns auf die „Schippe“ nehmen: 

Wir sind so bierernst, wir sind Detailfuzzler, wir sind Detailverliebt, wir zerlegen die ganze Biomechanik…kurz – wir sind einfach zu ernst.

Gut, da könnten wir jetzt auch Roberto Blanco auflegen, während wir in der Reithalle sind. Und ja, das ist ernst gemeint – manchmal treffe ich auf Schüler, die nur noch Probleme sehen: 

„Der Rücken ist nicht da“. „Die Hinterbeine schleifen“. „Die Hinterbeine kommen nicht gut drunter“. „Jetzt ist er schon wieder auf die Schulter gefallen“. 

Ja. Das stimmt. Aber wenn wir immer nur noch alles in Problemen sehen, dann bekommen das unsere Pferde auch wirklich mit. Ich habe mich dabei ertappt, als ich mal unter Kollegen auf der Sommerakademie von meinen Pferden berichtet habe und ständig im Fokus hatte, was alles nicht gut funktioniert. 

Tabbys Hankenbiegung könnte besser sein. 

Ja. Daran arbeiten wir auch. Nur weil wir jetzt Roberto Blanco im Hinterkopf mitpfeifen, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht ernsthaft daran arbeiten, Tabbys Körper fit und gesund zu halten. Aber ich konzentriere mich noch mehr darauf was wir bereits am Konto haben: 

Im Fall von Tabby wurde aus einem „heißen Ofen“ ein sehr liebes und aufmerksames Pferd, auf das ich mich wirklich immer verlassen kann. Auswärts ist sie gut gelaunt, voll bei mir – und selbst wenn sie noch energetisch sehr aufdrehen kann (sie ist ja auch eine rote Stute), beruhigt sie andere Pferde in fremder Umgebung, hört mir gut zu, bemüht sich für mich. Tabby hört ganz wunderbar auf meinen Sitz und hört auch am Boden sehr gut auf meinen Körper. 

Ich denke auch nicht umsonst stellt Bent Branderup das Schlusswort seiner Wochenendseminare unter das Motto: Gemeinsam Zeit schön verbringen. 

Wir machen uns also viele gute Gedanken rund um das Pferdewohl. Wir dürfen aber nicht aus allem eine Krankheit machen – und – um erneut auf den Ratschlag von Christofer Dahlgren zurück zu greifen: Play smile and practice. 

Trotzdem ist uns eines sehr wichtig in der Ausbildung: 

Das Pferd ist der Champ

Unseren Pferden eben ein gutes Gefühl zu geben. Und manchmal gelingt uns das nicht, weil wir selbst so unter Konzentration stehen. Wenn ich sehr konzentriert auf meinen Pferden unterwegs bin, dann klappt das Timing mit dem Lob auch nicht unbedingt. Daher greife ich auch gerne auf Boden- oder Handarbeit zurück, wobei ich selbst einfach schneller mit dem Lob bin. Andere Reiter helfen sich durch den Clicker, wenn emotionales Lob zum rechten Zeitpunkt vor lauter Konzentration schwer fällt. Auch mir hat dieser Ansatz sehr geholfen mein Timing für Lob zu verbessern. Manchmal kann es auch sein, dass wir auf dem Weg noch kein perfektes Gefühl haben – selbst wenn etwas noch nicht perfekt gelingt, sollten wir die Bemühungen des Pferdes loben. Das fällt uns vor lauter Kopflastigkeit natürlich auch sehr schwer. Hier kann natürlich ein Trainer helfen, der uns durch unbekannte Fährwasser wie ein Navi leitet und durch motivierendes „jetzt ist gut“ hilft das Lob mit dem noch unbekannten Gefühl zu verknüpfen. 

Oft ist es auch schwer, etwas Gutes in Worte zu fassen. Wonach fühlt sich denn Harmonie an? Richtig, nach nichts. Wenn das Pferd aber schwer in der Hand liegt dann können wir das mit tausend Worten beschreiben. 

Im Zweifel einmal lieber zu oft gelobt als zu wenig. 

Je besser wir uns Aufgaben vorstellen können, umso besser können wir freilich auch loben. 

Gestalten wir daher unsere Trainingseinheiten nicht nur für die Pferde kurz – sondern auch für unsere eigene Konzentration. Meditation schult unsere Achtsamkeit, gute Vorbereitung vor einer Trainingseinheit verhindert, dass wir uns mental „verrennen“ und auch die emotionalen Aspekte einer gelungen Übung nicht aus den Augen verlieren. Und es kann auch hilfreich sein, sich vor der Trainingseinheit vorzustellen, wie man das Pferd lobt. 

Ich komme auch immer wieder an meine Grenze. Ich merke, dass ich mir Kritik zu Herzen nehme und diese dann völlig ungewollt an meine Pferde weiter gebe. Ich selbst bin sehr selbstkritisch und arbeite oft sehr hart an mir. Das kann aber zu permanenter Unzufriedenheit führen. So möchte ich nicht für meine Pferde sein. Es ist ein Thema, das mich wohl immer begleiten wird, denn in mir schlummert ein Motor, der alles richtig machen möchte. Nun gilt es quasi diesen Motor in die richtige Richtung zu steuern. Meine Pferde machen mich glücklich. So oder so. Egal was sie können. Egal wie sie sich bewegen. Und eigentlich machen sie alles richtig: denn sie machen mich glücklich. 

Hören wir öfter Roberto Blanco, dann Reiten wir Einfach 🙂 

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PS: „Mr. Play, Smile and Practice“ – Christofer Dahlgren kommt bald für den letzten Kurs im heurigen Jahr nach Graz – freie Zuschauerplätze gibt es noch unter diesem Link

 

Von Bremsen und Feuerstühlen

Von Bremsen und Feuerstühlen

Warum sind „Vorwärts“ und das korrekte „Zum Treiben kommen“ so wichtig? Einerseits schulen wir das Pferd hinsichtlich sehr unterschiedlicher und in der Intensität nuoncierter Schenkelhilfen. Zum anderen ist „Vorwärts die Losung im Weltall, wie in der Reitkunst“, wie Gustav Steinbrecht so treffend formulierte. Gleichzeitig aber warnte: 

„Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade. Darunter verstehe ich nicht ein Vorwärtstreiben des Pferdes in möglichst eiligen und gestreckten Gangarten, sondern vielmehr die Sorge des Reiters, bei allen Übungen die Schubkraft der Hinterbeine in Tätigkeit zu erhalten, dergestalt, dass nicht nur bei den Lektionen auf der Stelle, sondern sogar bei den Rückwärtsbewegungen das Vorwärts, nämlich das Bestreben die Last vorwärts zu bewegen in Wirksamkeit bleibt. Man befähige daher das Pferd durch Übung, seine Schubkraft durch Belastung bis zum Äußersten zu beschränken, man unterdrücke sie aber niemals durch Überlastung.“ Gustav Steinbrecht, das Gymnasium des Pferdes

Wir haben bereits in den letzten Blogbeiträgen etwas über Energie und triebige Pferde erfahren. 

Dabei haben wir uns hauptsächlich auf die Annahme gestützt, das Pferd sei steif und daher träge. Diese Trägheit kann natürlich durch den Reiter ausgelöst worden sein. 

Die Bremse aus dem Sattel 

Für viele Reiter das oberste Ziel: Der Pferdekopf muss runter. Eine somit sehr unruhige oder viel zu aktive Reiterhand bremst das Pferd förmlich aus. Da wir ohnehin in unserem Alltag sehr handlastig sind, besteht eigentlich ständig die Gefahr, dass wir im Sattel mit der Hand zu viel wollen. Das Pferd komt hinter den Zügel – was sich natürlich auch auf die Muskelketten im Pferdekörper auswirkt. 

Wenn das Pferd mit dem inneren Hinterfuß korrekt unter die Masse tritt, das heißt im Idealfall zwischen die Abdrücke der beiden Vorderhufe (wobei diese nicht weit unter den Bauch geschoben werden sollten) – dann wird die Kraft von der Hinterhand ins Becken und von da weiter auf die Wirbelsäule des Pferdes übertragen. Die Wirbelsäule schwingt dann nach oben und unten, seitlich und in Rotation. Das heißt, es kommt zu einer dreidimensionalen Bewegung. Während sich die Oberlinie dehnen kann, zieht sich die Unterlinie zusammen, das heißt die Bauchmuskeln kommen in Tätigkeit. 

Wenn das Pferd aber hinter den Zügel kommt, dann werden die Bauchmuskeln festgestellt. Muskeln arbeiten immer in Ketten. Werden die Halsmuskeln festgezogen wirkt sich das auf die gesamte Muskulatur des Pferdes und somit auch auf den Energiekreislauf aus. 

Eine unruhige Reiterhand stört somit die Bauchmuskulatur und ohne Bauchmuskeln keinen raugreifenden Vorgriff aus der Hinterhand. Wirkt die Hand dann auch noch bremsend genau im Moment des Vorgriffs der Hinterbeine, dann haben wir den Salat. 

Eines meiner Lieblingszitate aus einem Kurs mit Bent Branderup ist daher: 

„Verstehen kann man das Leben rückwärts, leben muss man es vorwärts“. Søren Kierkegaard

Bent zitiert den dänischen Philosophen gerne, wenn es um das korrekte Vorwärts geht. Wir müssen vorwärts reiten und verstehen – wenn wir ein Gewicht in der Hand spüren, dann ist das Vorwärts in der Vergangenheit nicht passiert. Haben wir unser Pferd auf die Hand getrieben und stützt es sich auf der Reiterhand als fünftes Bein ab, dann haben wir das Pferd in der Vergangenheit nicht korrekt dazu aufgefordert unter seine Masse zu treten. Die Hand kann den Idealzustand nicht herstellen, wir müssen also quasi wieder von vorne anfangen, und das wäre bei den Hinterbeinen und deren korrekter Arbeit. 

Was tun, wenn`s brennt? 

Was aber, wenn wir genau das Gegenteil haben? Ein Pferd, das nervös ist, rum zeppelt und zwar scheinbar viel Energie mitbringt, aber nicht ins Vorwärts kommt? 

Waldemar Seunig legt hier in „Von der Koppel zur Kapriole“ den Finger in die Wunde: 

„Ein nervöses Pferd, das „Nerven“ hat, die ihm und uns böse Streiche spielen können, scheint gehlustig und ist unruhig aus Ängstlichkeit denn es hat sein seelisches Gleichgewicht verloren und sucht diese Verkrampfung, die sich auch seinem Körper mitgeteilt hat, durch Flucht nach vorwärts abzureagieren.“

Muskeln werden willkürlich bewegt. Nerven geben die Impulse an die Muskeln weiter. Das bedeutet – wenn wir das Pferd mit dem Schenkel berühren und eine Reaktion an einem bestimmten Muskel wollen, dann brauchen wir „gute Nerven“. 

„Das Hirn des Pferdes, der Sitz seines Verstandes und Willens, kann als Zentralorgan nicht übergangen werden, wir brauchen es, damit es auf unsere Hilfen hin seine Muskeln in Bewegung setzt. Eine Ausnahme machen nur die als reine Gewichtsverlegung wirkenden Hilfen, die direkt die Masse Pferd und damit die den Schwerpunkt dieser Masse verschiebenden Muskeln bis zu einem gewissen Grade mechanisch beeinflussen. Schalten wir es durch Narkose aus, verliert auch das Pferd seine Bewegungsfähigkeit.“ Waldemar Seunig. Von der Koppel zur Kapriole. 

Freilich, narkotisieren müssen wir „heiße“ Pferde nicht unbedingt. Wenn wir Verstand und Nerven brauchen, dann geht es hier nicht unbedingt um das Verständnis einer Schenkelhilfe. Das Pferd kann grundsätzlich verstanden haben, was der Reiter mit dem Schenkel (egal ob vom Boden aus mit der Gerte oder vom Sattel) gemeint ist. Ist das Pferd nervös, fühlt es sich unwohl im Klassenzimmer, hat es Angst…dann liegt es außerhalb „unserer pädagogischen Reichweite“. 

Wenn es also brennt, dann sind außerhalb der Reitkunst viele Fragen zu beantworten. 

Diese betreffen die Wohnsituation des Pferdes, seine Versorgung und Verpflegung, die Möglichkeit in einer Herde zu leben. Viele Pferde sind nervös und unruhig, weil die Rahmenbedingungen für sie einfach nicht stimmen. Dann wiederum kann es freilich an unserer eigenen Energie liegen (Ständig abgehetzt in den Stall zu kommen, eigene Ängste und Zweifel, das immer gleiche Trainingsprogramm). 

All diese Fragen würden nun den Rahmen des Artikels sprengen – aus meiner Erfahrung kann ich jedoch berichten, dass oftmals eine verbesserte Wohn- und Lebenssituation für das Pferd, sowie die eine detektivische Suche nach etwaigen Schmerzpunkten und deren Behandlung eine Verbesserung brachte. 

Gehen wir jedoch von guten Rahmenbedingungen für das Pferd aus und denken wir erneut an Energie und Metronom: 

Takt kann auch ruhiger gemacht werden.
Wenn ich beispielsweise auf einem zappelnden Pferd sitze, dann zähle ich das innere Hinterbein mit und nehme den aktuellen Takt wahr. Ich zähle dann den Takt etwas langsamer. Wenn sich mein Sitz an die Bewegungen des Pferdes anpasst, können wir nun umgekehrt, wie beim Tanz, die Führung übernehmen, unseren Sitz etwas ruhiger gestalten und das Pferd einladen genau dieser Bewegung zu folgen. Auch die Atmung kann wesentlich dazu beitragen, das Pferd zu beruhigen. Pferde halten aus Nervosität nicht nur sprichwörtlich die Luft an. Schon den Takt laut zu zählen kann für das Pferd eine Hilfe sein – und auch, ob meine Worte eher ruhig und gebunden oder abgehakt und energetisch sind. 

„Ruhe vorwärts gerade meint nicht Ruhe als Ermüdungserscheinung, sondern als aus körperlichem Wohlbefinden und seelischer Ausgeglichenheit resultierende kraftvolle und überlegene Sicherheit. In diesem Zustand konzentrieren sich die Pferde am besten auf den Ausbilder und sind von allen Störungserscheinungen, deren Grund vielfach auch in ihrem besonders fein entwickelten Gehör und Geruchssinn zu suchen ist am unabhängigsten.“ Waldemar Seunig. Von der Koppel zur Kapriole. 

Sowohl für die zu ruhigen, wie unruhigen Pferde betont auch François Robichon de la Guérinière in seinem Werk nicht zu viel mit der Hand zu machen: 

„ Die Pferde, die von Natur aus ihre Kräfte zurück halten, muss man in einen gestreckten, beherzten Trab versetzen, um ihnen die Schultern und Hanken zu lösen. Im Falle der anderen, die von Natur aus auf der Hand liegen, indem sie die Nase wegstrecken, muss der Trab erhabener und verkürzter sein, damit man sie vorbereitet, sich beisammen zu halten. Sowohl im einen wie auch im anderen Fall müssen die Pferde aber in einem gleichmässigen und steten Trab gehalten werden, ohne dass sie die Hinterbeine nachschleppen. Sie sollen hierbei von Anfang an bis zum Ende mit dem gleichen Schwung gehen, dürfen andererseits aber nicht zu lange getrabt werden. Während dieser dieser ersten Ausbildung im Trab darf man weder versuchen dem Pferd ein gutes Maul zu machen, noch seinen Kopf in eine bestimmte Stellung zu bringen. Hiermit muss man warten, bis es sich gelöst hat und die Leichtigkeit erlangt hat, mühelos auf beiden Händen zu wenden.“

Gerade „heiße“ Pferde werden dann gerne auch vom Sattel mit der Hand zur Bremse gebracht. Wer es versucht hat weiß – mit mäßigem Erfolg (und mäßig glücklichem Pferd). Daher bietet die stufenweise Ausbildung von der Bodenarbeit bis zur gerittenen Arbeit nervösen Pferden mit entsprechender „Vorerfahrung“ auch die Möglichkeit die Hilfen des Reiters neu zu verstehen. 

Energie ist nicht nur nach oben möglich. In der Beziehungs- und Bodenarbeit achte ich daher auch darauf, dass das Pferd meine energetische Intention wahrnimmt. Strahle ich Ruhe und Gelassenheit aus, lade ich das Pferd ein, diesem Vorschlag zu folgen und sich mit mir zu entspannen. Mit jeder gelungenen Übung ,die am Boden entwickelt wird, steigt auch das Selbstbewusstsein des Pferdes, welches sich dann später auch in den Sattel mitnehmen lässt. Wenn wir in sehr kleinen Schritten mit viel positivem Feedback für das Pferd arbeiten, bleibt das Pferd auch lieber im Klassenzimmer und hört uns auch gut zu – so lange wir die Konzentrationsfähigkeit nicht ins Unendliche strapazieren. 

Manchmal klappt alles am Boden super, aber vom Sattel aus fühlt sich das Pferd noch immer unruhig an. Dies kann an den Vergleichserfahrungen liegen. Gerade für viele „Umsteiger“ ist die Bodenarbeit noch relativ neu, das Pferd hat auch keine vergleichbaren Erfahrungen gemacht. So lassen sich Reiter und Pferd ganz unvoreingenommen auf diese neue Sache – auf die Akademische Reitkunst ein. Im Sattel fallen dann Reiter und Pferd gerne in alte Muster. Das gute an allen Facetten der Bodenarbeit ist jedoch, dass sie den Reiter und das Pferd bestmöglich auf die Kommunikation oder Führposition aus dem Sattel aus vorbereiten. Da aber festgefahrene Muster im Hirn bestens verankert sind sollten wir zu Beginn auch die Reiteinheiten möglichst kurz gestalten – schließlich melden sich auch hier fest verankerte Muster im Kopf des Reiters stark zu Wort. 

Daher ist die Gefühlsschulung vom Boden auch so wichtig, schließlich müssen wir auch lernen, den richtigen Moment des Treibens einzuschätzen und zu gestalten. Mal mit mehr oder weniger Energie. 

Kommen wir zum Treiben, dann reiten wir Einfach vorwärts 😉 

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