Von einsamen Wölfen und Sonnenstrahlen

Von einsamen Wölfen und Sonnenstrahlen

Ich gebe es zu. Ich bin kein großer Fan von frostigen Temperaturen. Aufgetaut bin ich zuerst beim jährlichen Treffen der lizenzierten Bent Branderup® Trainer in Dänemark, wenig später hatte ich eine feine Zeit auf La Palma in Spanien.

Aber alles der Reihe nach. Seit 2015 darf ich mich zu den lizenzierten Bent Branderup® Trainern zählen; Insgesamt sind wir schon mehr als 30 Trainer, von Österreich bis Norwegen, von Portugal bis nach Südafrika, die sich völlig der Akademischen Reitkunst verschrieben haben.

Traditionell zu Jahresbeginn kommen wir in Dänemark zusammen, um voneinander zu lernen, Organisatorisches zu besprechen und uns im Sinne der Reitkunst auszutauschen. Diesmal starteten wir bereits am Montag, Mitte Januar mit einem spannenden Workshop. Am Stundenplan standen Fragen rund um die Pädagogik.

Jeder von uns hat seinen eigenen Zugang, findet andere Worte für die Reitkunst oder hat auch noch einen ganz anderen Schwerpunkt rund um Ostheopathie oder gebisslose Reitkunst. Mein Schwerpunkt liegt da ganz klar in der klaren Formulierung. Nicht umsonst macht es mir auch große Freude unser Buchprojekt rund um die Akademische Reitkunst zu betreuen. Und nicht umsonst helfen klare Worte bei der Umsetzung von Inhalten und dienen dem bessern Verständnis. Übrigens: Die Erstauflage des Buches „Beziehungspflege in der Akademischen Reitkunst“ war binnen der ersten drei Wochen doch tatsächlich ausverkauft. Der Nachdruck läuft bereits auf Hochtouren.

Ein großer Themenblock war jedenfalls die Herangehensweise an unterschiedliche Schüler (vier- und zweibeiniger Art). Ylvie Fros hatte hier einen sehr spannenden Vortrag für uns vorbereitet. Auch wenn uns viele tausende Kilometer trennen: Die Fragen, Zweifel, Hürden und natürlich auch das Positive: das gemeinsame Vorankommen, Hürden überwinden, Tüfteln und Umsetzen – all das eint uns Trainer. So war es auch später in der Praxis wunderbar zu sehen, dass wir alle gerade an ähnlichen Themen feilen. Jossy Reynvoet und ich müssen hier immer wieder schmunzeln – schließlich packen wir unsere Erkenntnisse in ganz andere Worte, jeder mit seinem eigenen Fokus – aber letztlich hatten wir quasi das gleiche Thema oder Ergebnis.

Deswegen finde ich diese Gruppe auch so irrsinnig bereichernd. Weiter ging es mit spannenden Fragen rund um Vor- und Hinterhand, die nicht nur aus biomechanischer, sondern auch pädagogischer Hinsicht aufbereitet wurden von Dörte Bialluch und Kathrin Branderup-Tannous. Anschaulich auf Papier oder mit vollem Körpereinsatz dargestellt diskutierten wir die korrekte Brustkorbrotation, Rückenschwung, Auswirkungen auf die Vorhand und die korrekte Platzierung der inneren Hüfte in Vorwärts und Versammlung.

Maja Caspersen aus Dänemark kam heuer nach einer kurzen Babypause zurück in die Gruppe und stellte uns ihre Forschungsarbeit zum Thema Bewegungs(lehre) vor. Gemeinsam setzten wir auch gleich eine Menge an Bewegung in die Praxis um, nicht ohne dabei auch die eigene Losgelassenheit (ja, wir sind nicht immer bierernst, vor allem nicht Yvonne Heynckes und ich beim gemeinsamen Turnen) in den Vordergrund zu stellen.
Die Trainertage waren wieder voller Input – in unserem Alltag haben wir viele Stunden im Auto, auf Reisen (ich schreibe den heutigen Blogbeitrag übrigens im Flieger), manchmal fühlt man sich da auch schon sehr alleine gelassen, obwohl wir ja durchwegs auf tolle Menschen treffen, die sich auf und über unsere Begleitung und Anregung freuen.
Wie bezeichnete Bent uns hier so schön: Manchmal hat man das Gefühl, ein einsamer Wolf zu sein. Rund um die Trainertage wächst in mir immer das Gefühl ein riesiges Backup zu haben. Ich bin mit meinen Ideen, Gedanken, manchmal auch mit einer gewissen Erschöpfung, die wohl jeder kennt, der selbst und ständig ist, nicht alleine. Das gibt schon Kraft – Kraft, die man bei der Kaffeepause zwischendurch mit den Kollegen halt nicht so oft sammeln kann. Daher freue ich mich auch auf den Austausch unter dem Jahr. Man könnte sagen, ich lade nicht ganz uneigennützig einige Trainer zu uns nach Graz. Die große Überraschung nun vorweg: Hanna Engström aus Schweden wird am 21. und 22. April zu uns nach Graz kommen. Mit im Koffer hat sie ihr Sitzprogramm, das ich bereits zwei Wochen lang auf Gotland genießen konnte. Wenn ich nach einer Italienreise von den leckeren Speisen berichte, läuft meinen Freunden immer das Wasser im Munde zusammen – bei Hanna sind es vielleicht die Sitzknochen, die sich bereits auf „Salsa“ oder der Rücken, der sich auf schmerzfreie Bewegungen einstellt.

Im Mai freue ich mich auf einen Trainingstag, sowie erstmals einen Kurs in Niederösterreich mit Jossy Reynvoet. Im Juni (Achtung für die Stammkursbesucher – diesmal sind wir einen Monat früher dran!) kommt dann Bent Branderup, der das Thema Paraden und 1. und 2. Descente für uns in Theorie und Praxis aufbereitet. Und im Oktober heißt es dann „Fun and run“ – äh Galopp mit Spaß und Christofer Dahlgren.

Einsame Wölfe?

Kommen wir aber wieder zurück zum „Einsamen Wolf“. Es gibt sie auch – die einsamen Wölfe, die da draußen etwas lernen wollen. 2017 bin ich im September in den Süden Italiens gereist, um die Akademische Reitkunst in den Abruzzen zu lehren.
Letzte Woche war ich noch auf der Insel La Palma und ich muss sagen – meine zwei- und vierbeinigen Schüler, die uns Trainer nicht mal „gleich ums Eck“ haben, sind mir jedes Mal eine riesige Inspiration. Diesmal ging es um den Start in der Akademischen Reitkunst. Ich bin immer wieder begeistert, wie die „einsamen Wölfe“ jeglichen Input aufsaugen, sich hochkonzentriert vor allem dem Spüren widmen. Meine Schüler, die über weite Distanzen lernen müssen, betonten dabei auch immer wieder, wie wichtig die Entwicklung des korrekten Gefühls sei. Technische Komponenten ließen sich schließlich leichter überprüfen.
Man merkt, diese Pferde-Reiterpaare sind meist schon seit einiger Zeit auf sich gestellt und selbstständige Arbeit gewohnt. Wir kamen daher auch auf meinem Besuch in La Palma in der kurzen Zeit von einer Woche jedoch sehr rasch vorwärts und haben uns mit Themen rund um Fokus und die korrekte Schulterkontrolle vom Boden aus, erste Führübungen, gemeinsames Halten und Angehen bis hin zum Ansprechen der einzelnen Hinterbeine, den Beginn der Seitengänge vom Boden wie vom Sattel aus herangetastet.

Ich glaube, es gibt viele Schüler, die sehr auf sich gestellt ausprobieren müssen, tüfteln und vor allem an Versuch und Irrtum wachsen. Umgekehrt erlebe ich, dass die Angst vor Fehlern das größte Hemmnis überhaupt darstellt. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, den Spagat zu schaffen, zwischen Unsicherheit, Ausprobieren und Entwicklung. Lernen ohne permanente Begleitung eines Trainers – das geht. Manchmal muss es gehen – schon aus der Not heraus, eben keinen Trainer täglich, oder wöchentlich, oder gar monatlich zur Verfügung zu haben. Mit meinen weit entfernten Schülern (nun ja, mit den nahe gelegenen ebenso ;-)) halte ich es daher lieber so: bevor große Unklarheiten entstehen, lieber mal rasch zum Hörer greifen, zur Tastatur, Videounterricht oder, oder – Kommunikationskanäle gibt es ja auch heutzutage genügende) und die allerwichtigsten Fragen klären. Manchmal gibt es von mir eine Gegenfrage und des Rätsels Lösung wird geknackt, manchmal besprechen wir ein Gefühl und kommen so einer Unklarheit auf die Schliche – und sehr sehr oft – was mich besonders freut – nutzen meine Schüler einfach mal die Möglichkeit für ein schönes Feedback – einfach weil die Hausübung total selbstständig klappt.

Ja, wir alle sind wohl in manchen Situationen „einsame Wölfe“ – Schüler wie Trainer, jeder auf seine Art und Weise. Ich freue mich jedenfalls, dass das Interesse an der Akademischen Reitkunst so wächst – an so vielen Orten auf der Welt – und zu meinem persönlichen Glück an so vielen Orten, die auch ein paar Sonnenstrahlen im Überfluss für mich bereit halten. Da macht es sehr Spaß, im Winter der Kälte und dem Grau zu entkommen.

Ich würde mich interessieren, wo die weit entfernten „Akademischen Auswanderer“ noch zu finden sind – für eine Nachricht in den Kommentaren freue ich mich euch kennen zu lernen!

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ERP-21: Jahresvorsätze

ERP-21: Jahresvorsätze

Jahresvorsätze und Reit(kunst): passt das denn zusammen? Anna Eichinger und Kati Westendorf analysieren gemeinsam die Highlights des vergangenen Jahres 2017 und sprechen über Jahresvorsätze für 2018. Gibt es Jahresthemen? Und macht eine permanente Analyse überhaupt Sinn? Mehr dazu gibt es im unterhaltsamen Podcast, ein Gespräch unter zwei Reitkunstbegeisterten.

 

 

Mehr über Kati gib es auf Facebook und  ihrer Website

Die Sache mit der Schubkraft

Die Sache mit der Schubkraft

Schubkraft und Tragkraft – was brauchen wir in der Reitkunst tatsächlich für ein gesundes, über den Rücken gehendes Reitpferd? Diese Fragen bespreche ich an einem nebligen Jännernachmittag mit Bent Branderup, nachzulesen im heutigen Blogbeitrag:

Bent, du hast mal gesagt: ein Pferd bleibt immer ein Pferd, ein Mensch muss halt erst zum Reiter werden. Ein Pferd an sich wäre ja nicht unbedingt zum Reiten gemacht. Wir müssen, wie es so schön heißt, seine Tragkraft stärken. Die Tragkraft ist in den letzten Jahren quasi zum „Nonplusultra“ geworden. Ist die Schubkraft gänzlich zu vernachlässigen? 

Bent Branderup: Zunächst müssen wir uns überhaupt einig werden, woher die Begrifflichkeiten „Schubkraft“ und „Tragkraft“ kommen und was sie bedeuten. Die Schubkraft entsteht durch die Tätigkeit der großen Muskeln in der Hinterhand, die für das Öffnen der Gelenkwinkel zuständig sind. Die richtige Tätigkeit des vorgreifenden Hinterfußes hängt zusammen mit der aktiven Rumpfmuskulatur.Der Hinterfuß, der die Schubkraft erzeugt, bewirkt eben ein Öffnen der Gelenke, sowie eine Abkürzung der Rückenmuskulatur. Schubkraft wirkt also auf das Standbein ein, der Fuß am Boden ist aber auch die Basis des Spielbeins und für dessen Aktivität zuständig – dies aber nur in Zusammenarbeit mit einer tätigen Bauchmuskulatur. Somit wäre es auch ein Irrtum, dass Schubkraft alleine einer Trageerschöpfung entgegen wirken könnte.

Brauchen wir denn die Schubkraft? 

Bent Branderup: Jein, aber ergänzen wir die Frage durch ein „wann“. Eine Passage, die braucht einen vermehrten Druck in den Boden vom stehenden Hinterfuß. Dies kann man aber meines Erachtens nicht wirklich als Schubkraft bezeichnen. Die Kräfte müssen schon immer ihre richtige Benennung haben.

Der heutige Turnierreiter benennt jeden Druck vom Hinterfuß in den Boden hinein als Schubkraft. An sich muss man aber Kräfte ihrer Wirkung entsprechend benennen. Daher ist eine Kraft, die in den Boden reingeht um das Pferd zu heben auch eine Tragkraft. Am deutlichsten ist das bei einem Übergang von einer Levade zu einer Croupade sichtbar. Wie könnten wir es besser benennen? An sich findet auch hier ein Öffnen der Gelenke statt, allerdings ist die Kraft, die im Brustkorb des Pferdes ankommt eine ganz andere, als die Kraft, die wir messen, wenn der Brustkorb des Pferdes sich beim Kutschenfahren ins Geschirr stemmt.

Eine Levade ist aber nicht zwingend ein positives Beispiel für Tragkraft. So sehen wir auch Levaden, bei denen die Kraft unphysiologisch über den Rücken übertragen wird. Oder wir sehen Levaden, die sogar einen langen Hängerücken, wie bei meinem Tyson, wirklich anheben können. Nur weil ein Hinterfuß in den Boden hineindrückt, heißt das noch lange nicht, dass die Bauchmuskulatur auch wirklich aktiviert wird. Es geht immer um das Zusammenspiel und die Verkettung von Muskelgruppen. So kann die selbe Übung einmal einen Katzenbuckel beim Pferd auslösen, den Rücken dabei runden, aber gleichzeitig das Pferd im Brustkorb nach unten drücken. Dann entsteht eine Trageerschöpfung im Schulterbereich. Auch durch den Einsatz von Sporen, die die Bauchmuskulatur vermeintlich aktivieren sollen, finden wir trotz angehobenem Rücken – oder deutlicher gesagt – angehobener Lende und angespannter Bauchmuskulatur (durch den Katzenbuckel) eine Trageerschöpfung beim Pferd.

Wir hätten also gerne Kräfte, die das Pferd dazu befähigen ein Reitergewicht zu tragen. Daher sind diese Kräfte richtigerweise mit „Tragkraft“ bezeichnet. Würden wir gerne ein Kutschpferd ausbilden, dann muss das Pferd ja lernen mit seinem Brustkorb in das Geschirr hinein zu drücken. Das ist dann die richtige Definition von Schubkraft. Um zu unserem Beispiel mit der Levade zurück zu kommen: den Unterschied zwischen einer richtigen Levade und einer falschen sieht man am besten in der Pesade. Hier kürzt sich die Rückenmuskulatur deutlich ab. Deswegen führt eine richtige Levade auch immer zu einer Verbesserung der Grundgangarten, während bei einer Pesade das Gegenteil der Fall ist.

Anders und aus Sicht der Akademischen Reitkunst gesagt: wenn der Hinterfuß in den Boden drückt, so dass das Pferd vorne in die Hand des Reiters drückt oder hinter der Hand geht, dann sind es falsche Muskelverkettungen, die von hinten nach vorne aktiviert wurden.

Manche Reiter wollen aber das Gewicht in der Hand spüren. Das was diese Reiter als Schwung bezeichnen, nennen wir in der Akademischen Reitkunst Spannung. Und wie schon die Alten Meister sagten: Spannung und Schwung schließen sich gegenseitig aus.

Bleiben wir beim Thema Begriffe und Definitionen: was sagst du zur Bezeichnung der „positiven Körperspannung“? 

Bent Branderup: Leider gibt es sehr viele verschiedene Auffassungen davon, was eine positive Körperspannung ist. Der Begriff wird ja auch benutzt um eine extrem spannungsgeprägte Reiterei zu rechtfertigen. Was wir brauchen, um eine wirklich effektive Kraftübertragung von einer aktiven Hinterhand durch das ganze Pferd nach vorne zu erzielen ist eine aktive Rumpfmuskulatur, denn mit einer völlig entspannten Muskulatur kann man nicht arbeiten. Was wir dagegen brauchen ist Losgelassenheit, d.h. jede Muskelgruppe muss sich in ihrem Rhythmus anspannen, aber sie muss eben zwischenzeitlich aus loslassen können.

Begriffe und Definitionen sind für mich Arbeitstitel. Aber man muss immer hinterfragen, wer welche Definitionen zu welchem Zweck benutzt. Ehe man eine Diskussion beginnt, ist es sinnvoll, die Begrifflichkeiten zu klären.

Schadet oder nutzt die Schubkraft den Pferden? 

Bent Branderup: Das was wir heute als Schubkraft beim Pferd sehen, das musste eigentlich erst gezüchtet werden. Die ursprünglichen Pferde, die Wildpferde, hatten und haben diese Schubkraft nicht. Der Mensch hat dem Pferd einen Zweck vor der Kutsche gegeben und somit nach und nach das Pferd hinsichtlich seiner Schubkraft selektiert. Ochsen hatten damals zwar weit mehr Schubkraft, das Pferd war aber schneller. Für größere Kutschen hat man dann später landwirtschaftliche Stuten und Vollbluthengste miteinander gekreuzt. Das heutige Warmblut hat auch deswegen so viel Schubkraft. Wenn wir ein Pferd aber reiten wollen, dann braucht es Tragkraft – und zwar umso mehr, je eher wir es durch unser Gewicht noch zusätzlich belasten wollen. Haben wir ein Pferd, das auf viel Rückschub gezüchtet ist, dann fällt es diesem Pferd viel schwerer zu tragen, das Pferd möchte viel lieber seine Gelenkwinkel öffnen, anstatt die Gelenke zu beugen. Natürlich muss ein Vollblut beides haben: Schubkraft und Tragkraft – hätte es keinen Vorgriff, wäre es nicht schnell, den Rückschub braucht es aber dennoch.

Heute finden wir auch Pferde, die zum Tragen sehr ungünstig gebaut sind – und somit auch zum Gerittenwerden. Wir finden lange Hängerücken oder eine überbaute Hinterhand. Wenn wir aber reiten wollen, dann macht es Sinn, sich nach einem Pferd mit einer guten Tätigkeit der Hinterhand, einem guten Vorgriff, also wiederum Tragkraft, umzusehen. Schubkraft ist für den Kutscher interessant, eine gewisse Schubkraft braucht man aber auch wenn man größere Strecken bei hohem Tempo reiten will.

Wenn man wissen möchte, wie das einzelne Pferd geritten werden sollte, der muss sich seine natürlichen Bewegungen anschauen. Zwar werden die wenigsten Pferde in Freiheit Bewegungsabläufe zeigen, mit denen sie einen Reiter gut tragen könnten, aber hier finden wir die Ausgangslage. Wenn das Pferd in der freien Bewegung durch die Ausbildung zum Reitpferd Geschick und Ausdruck gewinnt, dann ist ein guter Kompromiss zwischen Natur und Kultur gelungen. Wenn es dagegen anfängt, sich im Freilauf zu verletzen, vermehrt auf zurückgestellten Vorderbeinen steht und Ausdruck verliert, läuft etwas verkehrt.

Wie bei einem flotten Ausritt? Lässt sich das überhaupt mit der Akademischen Reitkunst vereinbaren? 

Bent Branderup: Ja, natürlich. Wenn aber der Hinterfuß nur mehr nach hinten rausschiebt und der entsprechende Vorgriff gar nicht mehr vorhanden ist, dann werden Pferde auf der Vorhand zu stark belastet. Wir sehen dann schwache Karpalgelenke, Pferde, die buglahm sind oder Probleme mit der Hufrolle haben. Das sind dann Pferde, die nur auf der Vorhand über Tempo geritten werden. Manche Pferde haben eine gigantische Vorhand und schaffen diese Arbeit 30 Jahre, andere wiederum nicht.

Warum kommt es deiner Meinung nach immer wieder zu den Vorwürfen, in der Akademischen Reitkunst fehlte das Vorwärts? 

Bent Branderup: Präzisiere: in wessen Augen fehlt das Vorwärts? Wenn ich Rennreiter wäre, dann würde ich ja noch deutlicher sagen, da fehlt noch mehr Vorwärts. Für das Gewinnen eines Rennens macht unser Schritt auf der Volte natürlich wenig Sinn. Wir müssen also ein bisschen schauen, was die Akademische Reitkunst überhaupt ist und was ihre Aufgabe ist. Akademische Reitkunst kommt von den damaligen Reitakademien und nicht von der Campagnereiterei. In der Campagnereiterei mussten plötzlich mehr Reiter auf die Pferde gebracht werden. Das war der Unterschied der modernen Armee im Vergleich zu den Berufssoldaten, die auf den Akademien ausgebildet wurden. Die Akademien hatten die Ausbildung des Menschen im Zentrum, die Campagnereiterei die Nutzbarkeit des damals in Deutschland vorhandenen Pferdes. Diese war zu Zeiten der Kavallerie eine ganz andere. Deswegen funktioniert die Campagneschule bei den Pferden mit den entsprechenden Qualitäten auch so einwandfrei. Heute treffen wir aber auf eine Vielzahl von Pferden, wo die deutsche Campagnereiterei gar nicht mehr so gut passt. Wir finden auch wenige Warmblüter aus dem großen Dressurviereck, die heute eine große Strecke zurücklegen könnten, weil der Reiter das Pferd unter Spannung setzt. Wenn er da wirklich eine große Strecke reiten wollte, würden ihm quasi die Nieren aus den Ohren kommen. Man kann nicht Kilometer über Kilometer mit Gewicht in der Hand reiten, fragen Sie mal einen Gebrauchsreiter!

Kraft, Stabilität und Mobilität sind drei wichtige Säulen für Pferde, wenn es um die Gesunderhaltung als Reitpferd geht. Wie siehst du das mit dem Ausdauertraining? Brauchen Pferde das auch? 

Bent Branderup: Die Frage ist wofür? Wie viel Ausdauer braucht ein Pferd, gemessen an unseren Zielen. Worin wollen wir überhaupt eine Ausdauer haben? Wir wollen keine Ausdauer in ungünstigen Muskelaktivitäten aufbauen. Das Pferd muss erst in eine gute, losgelassene Form kommen, um in dieser Form Ausdauer zu finden. Auch wenn man eine Piaffe macht, kann man nicht am Anfang 10 Minuten durchpiaffieren. Man begnügt sich mit einem Tritt oder zweien. Wer aber einem Pferd mit Spannungen und Verspannungen Ausdauer in ungünstigen Muskelaktivitäten gibt, der hat dem Pferd nichts Gutes getan.

Was ist mit übergewichtigen Pferden? 

Bent Branderup: Nun ja, was nicht das Maul passiert, macht nicht dick. Dick macht also das, was man schluckt. Unsere Pferde werden heute auf Weiden gehalten, die besät sind mit Mastgras. Pferde nehmen von diesem Gras sehr leicht an Gewichtsmasse zu. Wir füttern also in erster Linie zu viel.

Der Alltag des Pferdes muss abgestimmt werden auf das Futter und umgekehrt. Hier geht es um Gewohnheiten; Diäten und begrenzte Zeiten intensiven „Fitnesstrainings“ sind nicht nachhaltig. Wenn man häufig und ausgiebig ins Gelände geht, muss man dementsprechend füttern. Natürlich kann man auch nur zur Abwechslung mal ausreiten gehen, aber alles was ungewohnt ist, macht auch beim Pferd einen Muskelkater. Ausreiten zu gehen schadet nicht, wenn es für das Pferd regelmäßig vernünftig gemacht wird. In der Gymnastizierung bringen wir dem Pferd gute Gewohnheiten bei, die wir auch im Gelände nicht vergessen sollten.

Was hältst du von Trainingsplänen mit Warm up und Cool down? 

Bent Branderup: Daran finde ich grundsätzlich nichts verkehrt. Man muss aber berücksichtigen wofür man aufwärmt und daraus schließen, wie ein sinnvolles Aufwärmen aussehen kann. Ein Baletttänzer und ein Marathonläufer werden dies auch unterschiedlich angehen. Was ist „Aufwärmen“ überhaupt?

„Warm“ bezieht sich einerseits auf die Rolle von zwei Sorten von Flüssigkeit. Zum einen geht es um die Blutzirkulation, zum anderen um die Gelenkflüssigkeit. Das Dümmste also, was man machen kann, sind schnelle Dehnungen von kalten Muskeln. Muskeln, die aufgewärmt werden sollen, müssen gezielte, langsame Dehnungen erfahren. Diese Dehnungen müssen vorsichtig sein und erst mit mehr und mehr Durchblutung kommt dann auch mehr Gleitfähigkeit der einzelnen Fasern und somit Dehnung. Durch die schnelle Dehnung von kalten Muskeln riskiert man Zerrungen. Bei den Gelenken bildet sich erst durch Stimulus, also durch die Bewegung, Flüssigkeit. Daher ist eine anfangs starke Belastung der noch unaufgewärmten Gelenke nicht zielführend und deswegen ist uns die Arbeit in der Ruhe auch so wichtig. Da haben wir wieder das Problem mit der Schubkraft. Viele glauben, die meiste Belastung auf den Gelenken wäre in der Levade. Haben wir also 600 Kilo Pferd, lasten dann 300 Kilo auf jedem Hinterbein, wenn das Gewicht gleichmäßig und in Ruhe verteilt wird. Bei der Schubkraft haben wir es aber mit Masse X Beschleunigung zu tun. Dann wirkt eine Kraft von mehreren Tonnen auf die Gelenke.

Aufwärmen bezieht sich aber auch auf die Verbesserung der Koordinationsfähigkeit im Laufe des Trainings. Dieser Aspekt ist für den Aufbau des Training aus meiner persönlichen Sicht viel interessanter. Ein Klavierspieler z.B. muss sich auch „warmspielen“, bevor seine Finger so schnell und geschickt sind, wie sie es eben sein können. Das hat aber nichts mit „heißen Händen“ und Stoffwechselvorgängen zu tun, sondern mit der Steigerung der Geschwindigkeit der Reizleitung.

Darum kann ich erst nach einer gewissen Aufwärmzeit eine 100%ige Koordination vom Pferd erwarten, dasselbe gilt allerdings genauso für den Reiter.

Die Notwendigkeit eines korrekten Aufwärmens kann man nicht diskutieren, das ist biologisch vorgegeben. Wer dieser Anforderung nicht gerecht wird, wird kurz und mittelfristig nicht die Trainingserfolge erzielen, die er erzielen könnte, und langfristig Schäden riskieren. Die Vorstellung, dass ein Voraneilen in zügigem Tempo zum „Warmwerden“ schon genügen würde, ist falsch.

Das Abwärmen, wenn ein Pferd zu viel gearbeitet hat, bezieht sich ja auf den Abtransport von „Abfällen“ durch den Stoffwechsel. Ich empfehle nie mehr als das zu arbeiten, was das Pferd in 23 Stunden nochmal leisten kann. Wenn sich das Pferd nach 23 Stunden nicht erholt hat, dann war dies die falsche Arbeit.

In der Akademischen Reitkunst kann eigentlich die ganze Arbeit als Aufwärmen gesehen werden. Die Dauer des Trainings ist optimal, wenn das Pferd am Ende mit sehr guter Koordination, Balance und Konzentration die Bahn verlassen kann, ohne erschöpft zu sein.

Warum gibt es in der Akademischen Reitkunst keine Verstärkungen? 

Bent Branderup: Ich habe die Verstärkungen aufgegeben, das habe ich auch in der letzten Ausgabe meines Buches „Akademische Reitkunst“ im Cadmos Verlag erklärt. Weil ich mit Hugin Verstärkungen reiten konnte, die bis heute als als vorbildlich bezeichnet werden, nehme ich mir das Recht heraus die Sinnhaftigkeit dieser Lektionen in Frage zu stellen. Bei Hugin konnte ich beobachten, wie der Verzicht auf diese Lektionen zu einer eklatanten Verbesserung der Gesundheit seiner Hinterhandgelenke beitrug.

Wenn ich heute in einer praktischen Situation den Trab beschleunigen möchte, nutze ich eine Rahmenerweiterung, d.h. ich lasse den Rückschub proportional zum Vorgriff zu.

Der sehr fortgeschrittene Reiter könnte auch eine „fliegende Passage“ ausbilden, dabei geht es aber eher um die Nutzung der Federkräfte als um die Schubkraft. Federkräfte…ein schwieriges Thema und auch verwandt mit dem Thema Schwung.

Federkraft – ein spannendes Thema, wozu wir das Gespräch sicher fortsetzen werden. 🙂
Vielen Dank Bent Branderup für das Gespräch. 

 

Die Hand, Kappzaum, Trense und Kandare

Die Hand, Kappzaum, Trense und Kandare

Für viele Reiter ist die Positionierung des Pferdekopfes das „Nonplusultra“. Thoerie und Praxis zielen nur auf ein Thema ab: Der Kopf muss runter. So gesehen wäre es ein leichtes, der Reiterhand eine einzige Aufgabe zuzuschreiben. Doch dem ist nicht so.

Wo und wie wirkt die Hand?

Im folgenden werden drei Möglichkeiten beschrieben, auf den Schädel des Pferdes Einfluss zu nehmen.
Aber ACHTUNG: Die Reiterhand ist nicht die vorherrschende Hilfe, wenn es um Formgebung geht. Nicht umsonst wird der „Sitz“ die primäre Hilfe in der Akademischen Reitkunst genannt. Die Hand ist eine Sekundarhilfe – was für den sehr „handlastigen“ Menschen mit dem Ziel „weniger ist mehr“ oft eine große Herausforderung darstellt.

  1. Über den Kappzaum
  2. Über die Trense
  3. Über die Kandare

Kappzaum

Der Kappzaum hat vielerlei Vorteile. Zum einen schulen wir in der Bodenarbeit unseren Blick für die einzelnen Reaktionen im Pferdekörper, zum anderen entwickeln wir auch ein Gefühl für unsere Hand. Diese wirkt freilich in der Bodenarbeit vor dem Pferd geführt ganz anderes ein, als später aus der Position des Sattels – allerdings lernen wir Reiter bereits jetzt ein Fingerspitzengefühl für „zu viel“ oder „zu wenig“ zu entwickeln.

In der Bodenarbeit fragen wir das Pferd erstmals nach einer Dehnungshaltung. Ist die Antwort auf ein vorsichtiges Lösen nach abwärts am Kappzaum „Nein“ und spüren wir einen deutlichen Widerstand, dann müssen wir erstmals die Bereitschaft des Pferdes wecken sich von der Reiterhand überhaupt formen zu lassen.

Nicht immer ist das Lösen nach abwärts daher die erste Wahl um ein Pferd mit der Wirkung der Hand bekannt zu machen. Die Longe oder das Führseil ist im mittleren Kappzaumring eingehängt, die Hand wird nun den Kopf des Pferdes zur Seite führen. Pferde folgen dieser Aufforderung oftmals bereitwilliger, als der Anfrage, den Kopf nach unten in Richtung Boden zu senken. Sobald das Pferd den Kopf zur Seite nimmt, geben wir nach und loben. Somit lernt das Pferd auch sofort das Prinzip der nachgiebigen Hand kennen.

Die Wirkung des Kappzaums auf den Schädel pflanzt sich weiter fort in die Wirbelsäule des Pferdes. Dies erklärt, warum wir aus einer ersten Dehnungshaltung, Stellung und in weiterer Folge Biegung erarbeiten können.

Die Trense

Wenn wir die „Stationen“ der Einwirkung im Pferdekörper durch ein Gebiss aufzeichnen wollen, dann beginnt die Wirkung am Unterkiefer, setzt sich über die Kiefermuskulatur fort in den Schädel und schließlich wiederum zur Wirbelsäule des Pferdes. Es wäre nun verführerisch einfach am inneren Zügel zu ziehen, um eine korrekte Stellung und Biegung hervorzurufen. Vermehrter Zug oder vermehrtes Annehmen am inneren Zügel führt jedoch nur zu einer Verspannung der Muskulatur in der äußeren Oberlinie. Jene Muskeln, die eigentlich zur Dehnung gelangen sollten kürzen sich somit ab, dies führt zum (vielen Reitern bekannten) Gegenhalten. Wird nun noch mehr Gewicht am inneren Zügel aufgenommen, bringt der Reiter zwangsläufig die innere Hüfte (die in der Biegung etwas weiter nach innen-vorne gelagert sein sollte) zum Ausfallen nach außen.

Die Kandare

Die Stationen der Einwirkung der Kandare verlaufen über die Hebelwirkung der Kinnkette zum Kiefergelenk und weiter auf den Schädel des Pferdes.

Der Vorteil des Stangengebisses, also der Kandare ist die Symmetrie im Pferdemaul und damit die Anpassung an die extrem feinfühlige Zunge des Pferdes.

Stichwort Babykandare: Ein langer Unterbaum verkleinert Handfehler, er wirkt sanfter. Die vermeintliche „Babykandare“ mit kürzerem Unterbaum verursacht eine deutlich größere Winkeländerung, wenn die Zügel angenommen werden. Fazit: ein langer Unterbaum verlangsamt und verkleinert somit die Bewegungen der Reiterhand. Ein Stangengebiss mit großer Auflagefläche verringert außerdem den Druck im Maul. Ein mit viel Zungenfreiheit angepriesenes Gebiss hingegen hat eine schärfere Wirkung durch den erhöhten Druck an den Zungenrändern.

Kommen wir zurück zur Symmetrie im Pferdemaul: Weil ein Kandarengebiss also keine Gelenke wie eine Trense besitzt, soll eine blanke Kandare niemals in beiden Zügelhänden geführt werden. Beidseitige Führung bedeutet ein Kippen der Kandare auf den Zungenrand, wobei eine schiefe Belastung im Pferdemaul entsteht.

Dies verdeutlicht allerdings, dass die Kandare nicht bei der Erarbeitung von Stellung und Biegung eingesetzt werden kann. Die Kandare ist aber auch kein Mittel, um den Kopf in einer bestimmten Position zu halten. Wer die Kandare einsetzt, um den Kopf des Pferdes „nach unten“ zu dirigieren und den Hals rund zu machen, hat die eigentliche Wirkung – die Oberlinie lang und leicht zu halten nicht verstanden.

Jedes Werkzeug ist nur so scharf, wie die Hand, die es bedient.

Es braucht also mehrere Komponenten, um eine gewisse Leichtigkeit in der Reitkunst zu bekommen. Das Pferd muss Schritt für Schritt Sekundarhilfen und Primärhilfe „Sitz“ erlernen, der Reiter muss verstehen die Informationen aus dem Pferdekörper richtig zu interpretieren, um für jede Situation das richtige Werkzeug parat zu haben. Erst dann kann ihm die Hand als Sekundarhilfe überhaupt nützlich sein. Auch aus diesem Grund empfiehlt es sich jeden Schritt einzeln und ordentlich in der Ausbildung des Pferdes zu beschreiten. In der Bodenarbeit lernen Pferd und Reiter eine gemeinsame Sprache, der Kappzaum ist das vorherrschende Werkzeug. In der Handarbeit kann vom Boden aus die Reiterhand sowie die Reaktion des Pferdes auf die Reiterhand geschult werden. Vom Sattel aus bleibt der Kappzaum oder ein eingeschnallter Semikappzaum ein verbindendes Element – schließlich soll für den vierbeinigen Schüler nun auch die Kommunikation in einer Verlässlichkeit erfolgen, die bereits am Boden zum guten Ton gehörte.

Lernen wir gemeinsam Schritt für Schritt, dann Reiten wir Einfach 😉

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Jahresrückblick 2017

Jahresrückblick 2017

2018 ist erst wenige Tage alt, daher lohnt sich noch ein kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr.
2017 war ein Jahr mit vielen Höhen, aber auch vielen Tiefen. Es gab einige traurige Momente, aber auch ein paar Anlässe zum Feiern.
Aber schauen wir doch mal zurück:

Jänner: Die erste Reise des heurigen Jahres führt mich nach Dänemark zum Treffen der lizenzierten Bent Branderup Trainer. Es ist natürlich auch heuer ein wunderbares Treffen, auf das ich mich gerade zum Jahresbeginn sehr freue.
2017 stand eine besondere Präsentation auf dem Programm: Geplant ist ein Magazin über die Akademische Reitkunst, zweisprachig und mit zahlreichen Beiträgen aus der Ritterschaft. Möglichst ohne Werbung gleichzeitig aber sehr hochwertig. Was im Jänner sozusagen aus der “Taufe” gehoben wird, erblickt mit Jahresende 2017 schließlich das Licht der Welt. In der ersten Ausgabe der “Akademischen Reitkunst – Beziehungspflege” widmen wir uns dem Begriff “Horsemanship”.

Februar: Schon wieder ein eiskalter Februar. Und schon wieder halten meine Schüler sehr wenig von einer Winterpause. Ich freue mich sehr, dass die Motivation trotz verschärfter “Kältebedingungen” immer anhält. Insgeheim wünschte ich mich jedoch in den Süden ;-).

März: Die Kurssaison am Sonnenhof beginnt.2017 eröffnet wieder Christofer Dahlgren aus Schweden unsere Workshops. Er widmet sich einmal mehr der Frage, wie wir das Training möglichst individuell auf unsere Pferde abstimmen können. Einen Kursbericht zum Nachlesen gibt es hier
Ich selbst gebe im März vier Tageskurse.

April: Der April, der April, der macht was er will. Ich gebe insgesamt zwei Wochenend- und zwei Tageskurse. Ende April stolpere ich nach einem Tageskurs über eine Website. Ich stöbere rein zufällig, ob in Piber schöne Lipizzaner zum Verkauf stünden. Nun ja. Eigentlich wollte ich noch kein drittes Pferd, zumindest noch nicht jetzt, aber während die “vernünftige Seite” in mir streng schaut, schreibt meine “verrückte Seite” bereits eine Mail an Ines Hubinger, die den Verkauf der Pferde in Piber abwickelt. Am Ostersonntag Ende April schließlich lerne ich Conversano Aquileja I kennen und freue mich ein paar Wochen später über die endgültige Zusage und eine positive Ankaufsuntersuchung. Nun wird also ein Schimmel meine zwei Damen verstärken. Mehr über “Konrad” gibt es hier

Mai: Auf dem Pfernetzt Event in Fulda lerne ich zahlreiche wunderbare Pferdemenschen kennen. Ich bin begeistert, da diesem Event ein besonderer Zauber inne wohnt. Außerdem gebe ich den ersten Wochenendkurs in Bratislava. Eine Nachlese von Pfernetzt findet hier….

Juni: Eine Anekdote aus dem Leben:
Mitten in den Arbeiten am Buch, einen sehr intensiven Vormittag im Büro hinter mir, habe ich es sehr eilig in den Stall zu kommen. Beim Aufstehen verheddert sich mein kleiner Zeh am Tischbein (ob der bereits sommerlichen Temperaturen hält man es bereits bar”huf” sehr gut aus) und ich gehe im Büro zu Boden. Dabei wische ich die Heftklammermaschine vom Tisch, die meiner linken kleinen Zehe quasi den Rest gibt. Beim Besuch im Unfallkrankenhaus ist man überrascht, dass man sich als Pferdetrainer doch tatsächlich im eigenen Büro dermaßen blöd verletzen kann. Trotzdem schaffe ich es mit luxierter Zehe noch in die Schweiz auf den zweiten Kurs im heurigen Jahr bei meiner lieben Najat Zinbi. Mehr über die Kurse in der Schweiz in Graubünden gibt es hier:

Juli: Der Juli beginnt mit dem Grazer Kurshöhepunkt. Bent Branderup ist bei uns in Graz und ich freue mich riesig für meine Schülerinnen Viktoria Portugal, Sonja Grätz und Jana Fuchsberger über die bestandenen Boden- und Longenarbeitsprüfung. „Konrad“ hat seinen ersten “Auftritt” beim Kurs und benimmt sich wie ein alter Hase.

August: Widrige Umstände (ein Hoch auf eine inzwischen nicht mehr existente Airline) lassen mich die Sommerakademie verpassen. Wer ebenso nicht dabei war: Die Kollegen haben zum Glück ein Video gemacht:

September: Im September fahre ich erstmals in den Süden Italiens, um auch dort eine Woche zu unterrichten. Mein Italien Abtenteuer zum Nachlesen.
Außerdem geht es bereits zum dritten Mal im heurigen Jahr für einen Wochenendkurs in die Schweiz.

Oktober: Jossy Reynvoet kommt nach Niederösterreich und Graz. Neben gebissloser Reitkunst stehen “Meetings” mit dem Pferd am Programm. Es ist sehr gut u wissen, dass man nicht immer mit dem Pferd etwas “tun” muss. Die kleinen Momente machen das Leben mit Pferden magisch. Einen großen Moment hingegen erlebt meine liebe Schülerin Sonja Grätz beim Kurs mit Bent Branderup in Ainring. Gratulation zur bestandenen Wappenträgerprüfung, liebe Sonja!

November: Mein persönliches Novemberhighlight? Der aufkommende Winter wurde einfach durch permanenten Einsatz „weggearbeitet“. Ich war jedes Wochenende unterwegs, in Österreich habe ich die letzten beiden Kurse für das heurige Jahr gegeben, einen Tageskurs habe ich außerdem in Slowenien absolviert, wo mich – wieder mal – einige Lipizzaner verzaubert haben. Aber: Es gibt jetzt kein viertes Pferd. Nein, nein :-)….vorerst……

Dezember: Gotland, Gotland. Das Jahr habe ich einmal mehr mit einer Reise zu Hanna Engström nach Gotland ausklingen lassen. Diesmal waren drei Schülerinnen von mir mit von der Partie. Gemeinsam konnten wir von- und füreinander lernen. Eine wunderbare Sache, gerade kurz vor Weihnachten ist Gotland wirklich eine Reise wert, um inne zu halten und stille Momente zu genießen.

Ich bedanke mich bei allen Schülerinnen und Schülern, die mir auch im heurigen Jahr ihr Vertrauen geschenkt haben. Ich werde mich auch für 2018 bemühen, ein spannendes Kursprogramm am Sonnenhof sowie in ganz Österreich und seinen Nachbarländern, wo ich unterwegs sein werde auf die Beine zu stellen.

Ich wünsche ich allen Bloglesern, Schülerern, Pfernetzten Pferdemenschen und Freunden einen guten Start im neuen Jahr mit viel Glück und Gesundheit und schönen Stunden mit euren Vierbeinern!