Unsere Hand ist einer der wichtigsten Assistenten, wenn es um die Reitkunst geht.

Zum einen übernimmt die Hand die Aufgabe Informationen aufzunehmen, zum anderen muss sie Informationen abgeben können.

Aber wie gut sind wir eigentlich darin, mit der Hand zuzuhören? Und wie fein können wir mit der Hand kommunizieren?

Händchenhalten mit Gefühl

In unserem Alltag reichen wir uns zur Begrüßung die rechte Hand. Das ist nicht nur eine Sache der Höflichkeit, sondern auch ungemein aufschlussreich, wenn wir die Sache „akademisch“ angehen. Ich bin ein praxisnaher Typ, daher lasse ich meine Schüler sehr gerne ganz konkret fühlen, worum es geht.

Wenn wir uns in einem Seminar kennenlernen, dann geben wir uns auch meist zur Begrüßung die Hand. Dies kann man mal ganz bewusst wiederholen – wie stark ist der Händedruck? Wie fest umschließen die Finger die Hand des Gegenübers – und wie fest fühlen wir den Händedruck unseres Partners? Wie fühlt es sich an, wenn wir uns ganz bewußt „lasch“ die Hand geben?

Die Übung kann auch noch weiter ausgebaut werden. Ein Teilnehmer hält den Karabiner der Longe zwischen Daumen und Zeigefinger, eine zweite Person fasst dann die Longe mit der gewohnten Intensität, die an den Tag gelegt wird, wenn mit einem Pferd in der Bodenarbeit mit dem Kappzaum gearbeitet wird. Viele Teilnehmer sind dann über das unmittelbare Feedback erstaunt, wenn ihr Griff als zu fest oder zu weich, zu schwammig oder zu angespannt erscheint. Natürlich kann man auch hier variieren, wie die Longe gehalten wird: Wie fühlt es sich für die Person an, die den Karabiner festhält, wenn die Longe mit dem Daumen nach oben angefasst wird? Gib es einen Unterschied, wenn der Daumen nach unten zeigt? Kann eine Drehung der Hand wahrgenommen werden?

Händchenhalten mit Links

Ich bin Rechtshänder. Daher habe ich in meiner rechten Hand eine deutlich bessere Wahrnehmung. Aber auch zwischen Daumen und Mittelfinger orte ich deutlich mehr Gefühl. Durch die Diagnose Karpaltunnelsyndrom habe ich mich extrem mit der Wahrnehmung durch die Hand – oder anders gesagt – mit dem Fingerspitzengefühl auseinander gesetzt. Seitdem „scanne“ ich in Gedanken das Gefühl in meinen Fingern permanent durch.

Zurück zum Thema: Wie sich die rechte Hand als Rechtshänder anfühlt haben wir erprobt, aber wie geht es der Linken? Der Versuch einen Tag lang alltägliche Dinge wie (Autotür, Haustüre mit links öffnen, mit der linken Hand die Zähne zu putzen. Mit links das Messer führen – oder für Fortgeschrittene – mit Links schreiben und die Schuhe zubinden) anfühlt, kann ganz einfach in einem Experiment erprobt werden. Wird die Bewegungskompetenz mit steigender Übung verbessert? Für Linkshänder gilt natürlich die gleiche Übungsabfolge – natürlich mit Rechts.

Als ich noch sehr intensiv Geige spielte waren meine linke und rechte Hand beinahe gleich gut in Koordination, Griffstärke, Mobilität und Gefühl.

Händchenhalten im Rückwärts und Vorwärts und mit allen Vieren

Wieder eine Partnerübung. Wie fühlt es sich an, wenn wir jemand rückwärts laufend führen. Wieder hält eine Person die Longe (nimmt also die Position des Pferdes ein), die zweite Person führt nun den Partner rückwärts laufend, gleichsam der Bodenarbeitsposition. Kann die geführte Person die Händigkeit des Führenden ausmachen? Gerade das Rückwärts ist für viele Menschen eine ungewohnte Position – fühlt die geführte Person Ungleichmässigkeiten im Takt? Wird der Griff auf der Longe fester? Und wie fühlt sich die Verbindung im vorwärts an, wenn wir nebeneinander laufen. Gib es einen Unterschied, ob wir nun Hand in Hand nebeneinander laufen oder durch eine Longe verbunden?

Für besonders Fortgeschrittene  eignet sich folgende Übung. Wir brauchen dafür ein Zaumzeug mit vier Zügeln (sehr gerne nehme ich für diese Übung ein Billy Allen Bit mit Shanks).

Eine Person hält das Gebiss mit jeweils Daumen und Zeigefinger und gleichbleibendem Abstand in der Hand. Der Partner hält nun die Zügel – einmal links und rechts je ein Zügelpaar; anschließend werden alle Zügel einhändig gefasst. Wenn der „Reiter“ nun die Hand bewegt und dreht, die Finger öffnet und schließt – wie spürt die Person diese Bewegungen zwischen den Fingern. Kann die Bewegung eines einzelnen Fingers des Reiters ausgemacht werden? Der Fantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Das unmittelbare Feedback bei diesen Übungen macht sie so spannend.

Und wer die Kombi mag: wie fühlen sich alle vorangegangen Übungen an, nachdem man ein wenig Handgymnastik gemacht hat? Beispielsweise solche Übungen?

Lernen wir unsere Hand besser kennen, dann Reiten wir Einfach 😉

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