Der Aussenzügel

Der Aussenzügel

Du musst das Pferd an den Aussenzügel reiten! Gib dem Pferd doch am Aussenzügel eine Parade! Aussenzügel dran! Es gib so viele Mythen über den Aussenzügel, daher lohnt es sich, dem Außenzügel einmal einen eigenen Artikel zu widmen.

Die Sache mit den zwei Zirkeln

Alle Basis beginnt am Boden. Nachdem meine Schüler Bodenarbeit, Longenarbeit und Handarbeit kennen gelernt haben, geht es natürlich im Sattel weiter. Das Glück auf der Erde ward aber auf dem Rücken der Pferde nicht sofort wieder gefunden.

Dies liegt vor allem an der Sache mit den Zügeln.

Als Menschen sind wir in unserer täglichen Arbeit, generell im Alltag extrem „Handfixiert“. Was es da nicht zu hämmern, halten, reißen, fixieren, lenken, schreiben, tippen und streichen gibt. Das Vokabular für manuelle Tätigkeiten ist beinahe endlos.

Wenn wir in den Sattel steigen kennt unser Pferd bereits die Arbeit mit Paraden, es kann Informationen aus der Hand empfangen und der Hand auch wiederum wichtige Informationen weiter geben.

Wenn wir die Zügel aufnehmen, dann fallen Reiter gerne in alte Muster zurück – oft wird in den Reitschulen das Kommando: Außenzügel dran zum fixen Credo – und zur fixen Hand.

Viele Reiter haben schon mal gehört, dass man das Pferd an den Aussenzügel heranreitet. Richtig. Das impliziert aber, dass etwas in der Vergangenheit geschehen muss, um in der Zukunft die Verbindung an den Außenzügel zu bekommen – oder eben nicht. Diese gewünschte Verbindung und die Vorarbeit in der Vergangenheit wird allerdings gerne abgekürzt, indem man den äußeren Zügel einfach rasch kurz hält.

Wenn wir unser Pferd auf dem Zirkel arbeiten (und selbst auf der langen Geraden in Halle oder Viereck kommen wir mal durch eine „runde“ Ecke), dann haben wir eigentlich zwei Beinpaare: Ein inneres und ein äußeres Beinpaar, dazwischen mehr oder weniger Masse Pferd. Rein Mathematisch wäre es also unlogisch, den inneren Zügel ganz exakt gleich kurz zu fassen, wie den äußeren Zügel. Von einer Zirkelmitte mit Zirkel und Maßband nachgemessen ist der innere Zirkel der inneren Beinpaare schließlich enger als der äußere Zügel. Ein zu kurzes Fassen des äußeren Zügels bewirkt also ein Kurzmachen der äußeren Oberlinie. Dabei war es doch das Ziel bei der Biegung auf dem Zirkel gerade die äußere Oberlinie zu mehr Dehnung einzuladen.

Zurück auf den Boden: in den ersten Führübungen laufen wir rückwärts vor dem Pferd her. Beim so genannten „Following“ oder „Fokus“ lernt das Pferd unserem Körper zu folgen. Die Gerte kann als innerer oder äußerer Zügel angewandt dem Pferd zeigen mit der äußeren Schulter in den Zirkel zu wenden oder über den inneren Zügel den Zirkel zu vergrößern. Auch wenn das Pferd diese Hilfen kennt – der Fehler – leider die schlechte Nachricht sitzt immer im Sattel. Daher ist ein direkter Übergang von der Bodenarbeit in den Sattel auch nicht ratsam. In der Handarbeit schulen wir nicht nur das Verständnis des Pferdes für die indirekten Zügelhilfen – darunter verstehen wir die Führung zwischen den Schultern, sondern auch die direkten Zügelhilfen.

In der Bodenarbeit haben wir über den Kappzaum auf den Schädel des Pferdes eingewirkt. Stellung und Biegung wurde durch die Bewegung im Genick auf die Wirbelsäule übertragen. Wenn wir nun mit einem Gebiss arbeiten, kommt die Einwirkung der Hand zuerst im Unterkiefer an. Dieser muss unter den ersten Halswirbel, nach außen rotieren, somit kann sich eine Biegung auf die gesamte Wirbelsäule des Pferdes übertragen. Im besten Fall springt der Mähnenkamm des Pferdes nach innen über, die Biegung pflanzt sich vom Genick aus durch die gesamte Wirbelreihe fort. In der Bewegung kommt die innere Hüfte nach vorne-unten. Der äußere Brustkorb hebt sich, der innere Brustkorb senkt sich in Rotation. Somit wird ein freies Herausschwingen der Vordergliedmaßen möglich.

Soweit so gut. In der Praxis allerdings stoßen wir zu Beginn auf größere Hürden. Beispielsweise Steifheiten im Pferdekörper. Zunächst spüren wir diese in der Bodenarbeit auf und versuchen bestmöglich durch Gymnastizierung des inneren und äußeren Hinterbeins Balance und Durchlässigkeit, sowie Losgelassenheit zu erarbeiten.

Im Sattel hat der innere Zügel zunächst mal die Aufgabe bei der Erarbeitung von Stellung der primären Hilfe Sitz zu assistieren. Der äußere Zügel übernimmt die Aufgabe, die Biegung im Falle eines Überbiegens zu reduzieren. Gerade das Überbiegen kommt am Anfang gerne vor, allerdings wird der Reiter dann sein Pferd umso mehr auf die äußere Schulter werfen. Ein Festhalten am inneren Zügel (egal ob am Kappzaum oder am Gebiss) führt jedoch zum Festmachen der äußeren Halsmuskulatur bis hin zur gesamten äußeren Oberlinie. Diese Festigkeit wirkt sich wiederum negativ auf die gerade erarbeitete Biegung aus, wenn die innere Hüfte zum Ausfallen „gezwungen“ wird.

Ich wende das Pferd niemals mit dem Gebiss, denn dieses wirkt am Kopf und der hat bekanntlich keine Beine. (Bent Branderup) 

Der direkte Zügel kann das Pferd also sanft lösen und an der Stellung feilen, der indirekte Zügel ist für die Führung der Schultern verantwortlich. Die lösenden Hilfen des inneren Zügels sollen schließlich zu einer deutlicheren Verbindung an den äußeren Zügel führen. Dieser Prozess gelingt nicht so rasch, bedeutet Geduld und vor allem das Schwierigste: Immer wieder nachgeben. Aber ein kleiner Trost: Schon Guérinière schreibt 1733, dass es die größte Schwierigkeit für den Menschen nachzugeben ist. Willkommen also im Club 😉 

Der innere Zügel führt die Schultern des Pferdes nach außen, der äußere Zügel führt die Schultern nach innen. Eine der ersten Übungen ist daher auch das Verkleinern und Vergrößern einer Zirkellinie. Der äußere Zügel darf bei der Führung der Schultern eben nie so stark einwirken, dass er Einfluss auf das Gebiss bzw. den Unterkiefer nimmt.

Bereiten wir das Pferd also gut in der Bodenarbeit bzw. später in der Handarbeit auf den indirekten Zügel vor – dann haben wir es vom Sattel aus später leichter und Reiten Einfach 😉

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Erklär mir mal die Knochen

Erklär mir mal die Knochen

Rund 205 Einzelteile erledigen quasi einen „Knochenjob“ wenn wichtige Funktionen rund um den Pferdekörper geht. Was gibt es für Reiter über Knochen und das Pferdeskelett zu entdecken?

Zahlen, Daten und Fakten über Pferdeknochen

Knochen gehören zu den härtesten Substanzen im Pferdekörper. Immer wieder wird mal von Bindegewebe gesprochen – dieser Begriff bezieht sich auch auf die Pferdeknochen. Das knöcherne Skelett besteht aus rund 250 Knochen, alleine in der Wirbelsäule zählen wir mehr als 50 Knochen.

Das Skelett des Pferdes setzt sich aus verschiedenen Knochen zusammen, die entweder beweglich oder unbeweglich miteinander verbunden sind. Knorpel bilden somit so genannte Pufferzonen, die ein reibungsloses Gleiten dieser Verbindungen oder eine elastische Verbindung ermöglichen.

Neben dem Kopfskelett wird noch das Rumpfskelett und das Skelett der Gliedmaßen unterschieden.

Kopfskelett

Das Kopfskelett besteht aus 37 Knochen. Zackige Ränder verbinden die Knochen miteinander. Ober- und Unterkiefer sind durch das Kiefergelenk miteinander verbunden. Schädelhöhle, Stirnhöhle, Kieferhöhle und Nasenhöhle sind ebenso charakteristisch für das Kopfskelett.

Rumpfskelett

Das Rumpfskelett des Pferdes wird durch die Wirbelsäule, die Rippen und das Brustbein gebildet. Die Wirbelsäule des Pferdes besteht aus 7 Halswirbeln, 18 Brustwirbeln, 6 Lendenwirbeln, 5 Kreuzwirbel und etwa 20 Schwanzwirbel.

Aus Wirbelsäule, Rippen und Brustbein setzt sich also der Brustkorb zusammen. Dieser wird auf beiden Seiten von jeweils 18 gebogenen Rippen gebildet. Die 8 vorderen Rippen sind knorpelig-gelenkig mit dem Brustbein verbunden. Die restlichen 10 Rippen haben keine Verbindung zum Brustbein und werden daher oft als falsche Rippen bezeichnet. Sie bilden den beweglichen Rippenbogen. Ganz charakteristisch für das Pferd: Im Gegensatz zu uns Menschen fehlt im Brustkorb das Schlüsselbein.

Das Skelett der Gliedmaßen

Hier wird unterschieden zwischen dem Skelett der Vordergliedmaße und dem Skelett der Hintergliedmaße.

Das Skelett der Vordergliedmaße beste aus Schulterblatt, Oberarmbein, Unterarmbein, Vorderfußwurzelgelenk, Röhrbein, Fesselbein, Kronbein und Hufbein. Pferde haben im Unterschied zu uns Menschen wie gesagt kein Schlüsselbein.

Das Skelett der Hintergliedmaße besteht aus dem Becken, das fest mit dem Kreuzbein verwachsen ist, dem Oberschenkelbein mit der Kniescheibe, dem Unterschenkelbein, dem Sprunggelenk und der Zehengliedmaße.

Knochentypen und Aufgaben?

Die wichtigste Unterscheidung treffen wir zwischen:

  • Lange Röhrenknochen
  • Kurze würfelige Knochen
  • Platte Knochen

Das Skelett übernimmt einige wichtige Aufgaben:

  • Das Skelett schützt die wichtigsten inneren Organe des Pferdes
  • Das Skelett bildet aus einzelnen Knochen Gelenke, die wiederum für den Bewegungsapparat von großer Bedeutung sind.
  • Die Knochen übernehmen Tragefunktion
  • Die Knochen sind quasi ein „Hafen“ , also eine Ankerstelle für Muskulatur und Bänder.

Warum sind die Alten Meister ihre Pferde früher so spät erst angeritten?

Francoise Robichon de la Guérinière schreibt zu diesem Thema:

„Das richtige Alter, um ein Pferd abzurichten, ist je nach den klimatischen Aufzuchtbedingungen sechs, sieben oder acht Jahre. Die Ursache der Mehrzahl aller Widersetzlichkeiten bei Pferden ist aber nicht auf schlechte Veranlagungen zurück zuführen. Vielmehr verlangt man häufig Dinge von ihnen, die sie noch nicht leisten können. Man strengt sie zu sehr an und will sie zu geschickt machen. Derartig großer Zwang macht ihnen die Arbeit verhasst, er ermüdet und verdirbt Sehnen und Nerven, deren Leistungsfähigkeit doch die Biegsamkeit bewirken, und oft sind sie zugrunde gerichtet, wenn man gerade glaubt, sie gut zugeritten zu haben“.

Die meisten Pferde werden heute bereits dreijährig auf Auktionen oder Zuchtschauen vorgestellt. So dürfen wir uns nicht wundern, wenn Probleme im Bewegungsapparat, in der Wirbelsäule und an Sehnen und Bändern zunehmen.

Das Längenwachstums des Skeletts ist mit dem fünften Lebensjahr erst abgeschlossen. Einige Wachstumsfugen schließen sich bereits mit 6 Monaten, andere sogar noch viel später. Jüngste Studien sprechen sogar davon, dass bei Pferde erst im siebten Lebensjahr die letzten Wachstumsfugen geschlossen werden.

In Relation zu diesen Studien mutet es schon seltsam an, wenn Pferde bereits mit 9 Jahren bei Großereignissen wie den Olympischen Spielen Leistungen auf den Punkt zeigen müssen.

Überbeine können durch falsche Belastung entstehen – dabei wird Knochengewebe aktiviert, welches zur Bildung von Überbeinen beiträgt, um eine Mehrbelastung abzufangen. Bei meiner Fuchsstute Tabby haben sich durch die Umstellung auf barhuf und die Veränderung der täglichen Arbeit Überbeine unterhalt der Karpalgelenke sogar wieder zurück gebildet. Heute ist davon nichts mehr zu spüren.

Ein korrektes Training ist für die Knochen des Pferdes von Bedeutung, da auch die Knochen von Belastungsreizen abhängig sind – daher ist auch ein gesundes Maß an Ausdauertraining für gesunde Knochen im Pferdekörper wichtig.

 

Total Extrovertiert

Total Extrovertiert

Introvertiert oder Extrovertiert? Selbstsicher oder unsicher? Es lohnt sich, über den Charakter seines Pferdes nachzudenken – vor allem, da wir ja auch gemeinsam an Aufgaben arbeiten. Für Introvertierte Typen ist es besonders wichtig zu motivieren und zu wiederholen – vielleicht sogar weniger Aufgaben, dafür mehr Wiederholungen. Wie sieht es jedoch mit extrovertierten Pferdetypen aus?

Glücklich und schnell!

Was bei Parelli ein „left brain extrovert“ Typ wäre, wäre bei Christofer Dahlgren, Meister der akademischen Reitkunst aus Schweden der Typ „Happy“ – oder eben glücklich. „Right brain extrovert“ bei Parelli – wäre bei Christofer der „schnelle Typ“.

Christofer möchte den Pferden grundsätzlich keinen Stempel aufdrücken, aber er weiß – die Beschäftigung mit der Psyche des Pferdes macht es dem Reiter leichter, den Zugang für die tägliche Arbeit und das tägliche Zusammensein mit dem Pferden gut zu wählen.

Schauen wir uns die verschiedenen Konzepte von Pferdebeurteilung an:

Parelli teilt seine „Horsenalitys“ in „left brain“ und „right brain“, sowie introvertiert und extrovertiert ein.

Demnach sind „left brain“ Pferde selbstsicher, mutig, vertrauensvoll, ruhig und tolerant. Die Beschreibung „dominant“ lehnt Dahlgren aber ab. Seiner Meinung nach gibt es keine dominanten Pferde – wenn, dann hat meist der Mensch das Übrige dazu getan.

„Right brains“ sind genau das Gegenteil. Sie sind zurückhaltend, ängstlich und misstrauisch. Sie neigen auch zu Überreaktionen, können aber sehr folgsam sein.

Extrovertiert

Extrovertierte Pferde lieben es zu rennen, sind sehr an ihre Herde gebunden und haben ein enormes Potenzial an Energie.

Left brain extrovert

Ein verspielter Charakter, ein neugieriges Wesen. Ein Pferd, das schnell lernt und rasch eigene Ideen entwickelt. Der Reiter muss aufpassen, keine Langeweile im Training aufkommen zu lassen. Angenommen der Reiter hat 6 Aufgaben bzw. Übungen am Stundenplan, dann lassen sich diese leicht umsetzen – aber auch hier gilt: VIEL Abwechslung. Denn einem solchen Pferd muss man die Aufgaben in einem Spiel bieten.

Right brain extrovert

Diese Pferde bewegen sich gerne. Daher geht Christofer mit einem solchen Pferd gerne vor dem Training zum „auslüften“ ins Gelände – erst wenn das Pferd relaxed ist kann die Arbeit beginnen. Aber: Man darf das Pferd nicht zur Bewegung zwingen! Ein sensibler Reiter versucht die Trainingseinheiten so leicht wie möglich zu gestalten, denn right brain extroverts fühlen sich schnell überfordert. Anstelle der 6 Übungen für den left brain extrovert sollte man auf drei Übungen reduzieren.

Der extrovertierte Kobold

Mein erstes Pferd Kobold gehörte eindeutig zu den extrovertierten Typen. Er war super freundlich, immer zu Scherzen aufgelegt und immens verspielt. Im Zahnwechsel spielte er sich mit den wackelnden Schneidezähnen am Glasfenster – bis es zerbrach. Beim Ausreiten rannte er vergnügt hinter jedem Reh her, das den Weg kreuzte. Ich habe ihn nie unmotiviert oder schlecht gelaunt erlebt – weder zum Menschen, noch zum Pferd. Bewegung war für ihn alles. Heute würde ich bei dem Experiment: 14-jährige plus 3-jähriger Wallach die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Damals muss ich sagen hatte ich es dem gutmütigen und aufgeschlossenem Wesen meines Pferdes zu verdanken, dass ich es ziemlich ohne Unterstützung geschafft hatte „Kobus“ anzureiten und vergnügt viel Zeit mit ihm im Gelände zu verbringen. Was die Dressur anbelangt hatte ich natürlich nicht die Pädagogik von heute und habe mich oft widersprochen. Einzig diese Widersprüchlichkeiten quittierte Kobold mit Unverständnis.

Ich vermisse meinen extrovertierten, vergnügten Kobold bis heute.

In zwei Wochen legen wir gemeinsam mit Christofer Dahlgren unsere Pferde auf die „Couch“ und fragen uns, wie wir das Training möglichst motivierend und freudvoll für das jeweilige Pferd gestalten können. Alle Infos zu den letzten Zuschauerplätzen gibt es hier

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Introvertiert und gar nicht schüchtern?

Introvertiert und gar nicht schüchtern?

Left brain, right brain, introvertiert, extrovertiert, Holzpferd, Metallpferd oder happy, schnell, sicher und liebevoll? Es gibt so viele Definitionen und Skalen, die uns helfen sollen ein Pferd zu beurteilen.

Christofer Dahlgren, Meister der Akademischen Reitkunst aus Schweden benutzt selbst die Einordnung in:

  • Happy
  • Schnell
  • Sicher und
  • Liebevoll

– warnt allerdings davor Pferde in feste Schubladen zu stecken. Die Charakteristik KANN helfen, das Training des Pferdes zu gestalten. Aber – wir wissen bereits – das einzige Pferd, das sich wie im Lehrbuch verhält, das steht im Lehrbuch drin.

Vor einiger Zeit haben wir bereits einen introvertierten Typ besprochen – Christofer nennt ihn den „liebevollen“ Typen. Wer mein persönliches Profiling meiner Stute „Pina“ nachlesen möchte, kann das hier nochmal tun.

Darf ich vorstellen…Tabby…..

Ja, bevor die Sache zu verkopft wird, kann es wirklich hilfreich sein, sich aus dem Hause Disney ein wenig Unterstützung zu holen. Hier komme ich auch wieder auf Christofer Dahlgren zu sprechen, der seinen wunderbaren Vortrag bei der Sommerakademie 2016 über die verschiedenen Persönlichkeiten von Pferden mit Hilfe einiger bekannter Filmhelden untermauerte.

Und wer ist das Pendant zu meiner Stute Tabby?
Maximus, das Pferd aus Rapunzel

Moment…steht im heutigen Titel nicht auch das Wort „introvertiert“?

Ja!

Der introvertierte, aber nicht so schüchterne Typ

Wo findet man diese Pferde? Oftmals handelt es sich dabei um Arbeitspferde, Ranch-Pferde, Kutschpferde, zuverlässige Pferde in der Reitschule, Pferde, die im Wald bei der Arbeit helfen.

Bei Parelli würde man diese Pferde zu „left brain introvert“ zählen. Demnach sind „left brain“ Pferde selbstsicher, mutig, vertrauensvoll, ruhig und tolerant. Introvertierte Pferde würden oft stehen bleiben, sie würden als stur abgeschrieben, allerdings denken gerade diese Pferde sehr viel nach.

Diese Pferde wissen, was sie wollen und brauchen einen Reiter, der sie gut motivieren kann. Gut? Ich meine so richtig gut motivieren! Denn wenn dieser Typ Pferd wirklich mitmachen will und sich für ein gutes Gelingen verantwortlich fühlen kann, dann gewinnt man einen sehr zuverlässigen Partner, der die gemeinsame Zeit mit dem Menschen auch genießen kann. Für dieses Pferd zählen: Viel Lob, viele Pausen und viele Wiederholungen in der Arbeit miteinander.

Profiling Tabby

Tabby und introvertiert? Ruft man Tabby auf der Weide schnellt der Kopf in die Höhe, die Ohren sind gespitzt, die Augen aufmerksam und intelligent. Eigentlich wirkt Tabby immer sehr fröhlich und unbeschwert. Wenn ich zu ihr auf die Weide gehe, bleibt sie stehen und sieht mich erwartungsvoll an. Sehr gerne verlässt sie ihre Freundin Pina nicht, daher muss ich sie meistens direkt bei Pina „abholen“.
Als wir 2015 zum Sonnenhof gezogen sind, dachte ich immer Pina (ebenso introvertiert, aber kein left brain, sondern right brain) würde mehr an Tabby hängen als Tabby an ihr.
Mitnichten.
Kaum in neuem Terrain fing Tabby an „ihre“ Pina zu verteidigen. Anfangs mag das für Pina noch ganz bequem gewesen sein, mittlerweile geht ihr Tabbys Verhalten aber sichtlich auf die Nerven. Tabby spielt sich da sehr auf wie die „Glucke“, die befunden hat: „Pina darf nur mit mir befreundet sein“.
Wenn Pina mit einem anderen Pferd Fellpflege betreibt, geht Tabby eifersüchtig dazwischen.

Trotzdem sind beide nach wie vor sehr befreundet. In der Herde wirkt Tabby eher „dominant“. Sie zählt vermeintlich zu den ranghöheren Pferden. Dabei geht Tabbys dominantes Verhalten auch eher auf Unsicherheit zurück    – sie braucht die Unterstützung von Freundin Pina vor allem für ihre emotionale Sicherheit, daher verteidigt sie diese auch unentwegt. Diese „Aufgabe“ gibt Tabby ebenso wieder sehr viel Sicherheit.

Tabby ist zwar riesig neugierig, aber nicht unbedingt die Mutigste. Gruselige Dinge muss man sich in aller Ruhe anschauen dürfen – dann ist es okay.
Und wenns drauf ankommt? Dann kann ich mich aber absolut auf Tabby verlassen.

Das war aber nicht immer so

Im Vergleich zu Pina wirkt Tabby zwar immer aufgeweckt und fröhlich – es hat aber auch bei ihr fast ein Jahr gedauert, bis wir wirklich ein Team geworden sind. Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit war Tabby eher am Explodieren, denn am Zuhören – den Zaubertrick zum Erreichen dieses Pferdes gab es nicht – aber je selbstsicherer Tabby in der gemeinsamen Arbeit wurde, umso stolzer und gelassener wurde sie. Auch heute reagiert sie aber auf neue Aufgaben eher mal misstrauisch und abwartend. Ihr muss man alles sehr genau erklären und sie IMMER motivieren, sich auch mit der Aufgabe auseinander zu setzen.

Christofers Warnung vor allzu starker „Schubladisierung“ zeigt sich bei Tabby sehr stark. Beispielsweise vor Publikum wird der kleine Fuchs zur – man verzeihe mir den Ausdruck – „Rampensau“. Je mehr Publikum umso besser – Tabby ganz in ihrem Element und absolut extrovertiert!

Wenn ich heute eine Woche von meinen Pferden getrennt bin zeigt sich folgendes Bild. Tabby kann – wenn „ihr“ Tagesablauf nun anders abläuft recht ungehalten werden. Dann wird der Futtertrog als WC „missbraucht“ um unmissverständlich zu unterstreichen, dass dem Fuchs etwas nicht passt. Wenn ich dann zurück bin merke ich von alledem nichts. Tabby und ich sind sofort wieder ein Team – im Gegensatz zu Pina. Ihre „Gunst“ muss ich mir wieder verdienen, wir müssen einen Teambuilding Prozess durchlaufen, dann klappt wieder alles.

Lernen wir unsere Pferde genau kennen, dann entwickeln wir uns als Pädagogen, Motivations-Coaches und verlässliche Partner.

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Von Mäusen und Muskeln

Von Mäusen und Muskeln

Fantasie ist ein Fitnessgrad für den Geist.
Es mag dich nirgendwohin bringen, aber es baut die Muskeln auf, die es können.
Ich kann mich natürlich täuschen. (Terry Pratchett)

Ohne Muskeln keine Bewegung.

Wenn wir über Gymnastizierung sprechen, dann sollten wir auch unbedingt über Muskeln sprechen.
Muskeln sind die Bewegungsorgane des Körpers. Die lateinische Bezeichnung lautet musculus und bedeutet übrigens „Mäuschen“, weil ein angespannter Muskel unter der Haut wie eine Maus aussieht.

Durch Kontraktion, also durch Zusammenziehen und Erschlaffung arbeiten Muskeln, setzen einen Körper beispielsweise in Bewegung.

Muskeln heften sich an zwei oder mehrere Knochen des Skeletts. Diese so genannten „willkürlichen“ Muskeln sind nun auch für die Überlegungen beim Training des Pferdes interessant.
Der Tonus, das Anspannen der Muskeln wird durch Reflexe ausgelöst und erhalten. Dabei kommt es zur Abhängigkeit von verschiedenen Muskelgruppen. Dies passiert durch einen Nervenimpuls. Bei der Skelettmuskulatur werden die Kräfte für die Bewegung letztlich durch Sehnen auf die Knochen übertragen.

Je nach Lage zu den Gelenken und nach Tätigkeit der Muskeln werden sie als Beuger oder Strecker definiert. Jeder Muskel hat also einen Gegespieler, allerdings sind die Muskeln auch durch eine bindegewebartige Haut miteinander verbunden – die so genannten Faszien. Faszie oder lateinisch fascia bedeutet „Band“ oder „Bündel“ und bezeichnet ein Bindegewebe, das den ganzen Körper als ein umhüllendes Spannungsnetzwerk umfasst.

Was bedeutet also die Abhängigkeit der Muskeln untereinander? Wird die Zusammenarbeit der großen Muskelgruppen untereinander gestört, dann wird die freie und losgelassene Tätigkeit gestört. Anders gesagt: Die Harmonie kommt aus der Balance, neben der Losgelassenheit leiden auch Durchlässigkeit, Schwung oder Takt.

Welche Muskeln gibt es?

Man unterscheidet zwischen lang– und geradefaserigen Muskeln und schrägfaserigen Muskeln mit sehnigen Einlagerungen.

Lange und geradefaserige Muskeln können sich kräftig zusammen ziehen und wieder nachgeben. Wofür sie zuständig sind? Für die Vorwärtsbewegung. Für den Reiter ist hier wichtig zu wissen: Diese Muskeln ermüden allerdings sehr schnell, wenn sie lange in Dauerkontraktion also lange in Spannung bleiben. Daher ist ein Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, Kontraktion und Dehnung so wichtig, um die Durchblutung und den Stoffwechsel anzukurbeln, um so einer Ermüdung entgegen zu wirken.

Schrägfaserige Muskeln mit sehnigen Einlarungen sind eben, wie der Name schon sagt entweder mit Sehnen überzogen oder von Ihnen stark durchsetzt. Ein ganzer Muskel kann sich sogar in einen Sehnenstrang verwandeln (Stichwort Fesselträger) .
Welche Funktion haben diese Muskeln? Die Sehnen unterstützen den Muskel in der Kontraktion bei der passiven Tragearbeit, also beispielsweise in der Stützbeinphase.

Form follows Function

Die Form beeinflusst also die Funktion: Wenn wir bei unserem Pferd Muskeln aufbauen möchten, dann funktioniert das Konzept nur dann, wenn wir die Muskeln ihrer Lage und Funktion entsprechend arbeiten. Ein Muskel kann sich auch zurückbilden, wenn er nicht nach diesen Grundsätzen gearbeitet wird. Auch bei dauerhafter Überlastung kommt es zu diesen so genannten Atrophien.

Wer über die Funktion und Form der Muskeln bescheid weiß, kann sein Training besser konzipieren und Reitet…Einfach 😉

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Alles im Takt?

Alles im Takt?

„Der Geregelte Takt ist nebst der Zwanglosigkeit die Grundlage von Gleichgewicht und Haltung und steht als solcher am Anfang jeder Ausbildung“. (Waldemar Seunig)
„Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ – das sagte Gustav Steinbrecht und mahnte sogleich ein: Ich meine nicht das Schnelle.
Die bekannte Skala der Ausbildung stellt Tempo und Takt gerne an den Beginn der Ausbildung. Das Fundament oder die Basisschule des jungen Pferdes wird in der Akademischen Reitkunst definiert durch: Balance, Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Tempo, Takt und Schwung. Keines dieser Elemente kann für sich alleine betrachtet werden. So steht Balance nicht nur für physische Balance, sondern auch psychische. Ohne Balance keine Losgelassenheit, ohne Losgelassenheit wiederum keine Durchlässigkeit und so weiter…

Was ist aber nun Takt?

Takt hilft uns, mehrere Komponenten in der Reitkunst zu definieren. Zum einen steht Takt in enger Beziehung mit dem Tempo. Tempo wird als Maß für die Geschwindigkeit definiert.
Waldemar Seuning nennt hier in seinem Buch „Von der Koppel zur Kapriole“ ein schönes Beispiel, um auch den Unterschied zwischen Tempo und Takt herauszukitzeln:
Zwei Pferde galoppieren nebeneinander eine bestimmte Strecke in der gleichen Zeit. Beide legen die Strecke mit derselben Geschwindigkeit zurück. Der Zuschauer kann somit ein gleichmässiges Tempo beider Pferde beobachten. Wenn wir uns aber auf die Sprünge der beiden Pferde konzentrieren, zählen wir beim einen Pferd in der festgelegten Strecke 500 Sprünge, beim zweiten Pferd zählen wir 400 Sprünge. Beide Pferde legen ein gleichmässiges Tempo zurück, aber unterscheiden sich jedoch im Takt.

Wozu braucht man Takt?

Zum einen hilft uns der Takt die entsprechende Gangart zu bezeichnen. In den Grundgangarten zählen wir im Schritt einen klaren Viertakt, einen Zweitakt im Trab und einen Dreiertakt im Galopp. In den geschulten Gangarten kann sich der Takt aber auch ändern – so wird mit steigender Versammlung der Schulschritt auch schon mal zu einem Zweitakt. Auf einem Foto scheint das Pferd in der Piaffe, bewegt sich aber tatsächlich mit dem Schwung des Schrittes in einem Zweitakt vorwärts.
Der Takt ist der Gradmesser der Gleichmässigkeit und Reinheit der Gangart. Hier kann der Reiter die Qualität des Bewegungsrhythmus überprüfen. Wenn das Gleichmaß der Bewegung verloren geht, verliert das Pferd seinen korrekten und sauberen Takt.  Ein sauberer Takt gibt hier beispielsweise auch Aufschluss über die Qualität des Rückenschwungs. Eine zu feste Hand kann schon mal den Rückenschwung des Pferdes blockieren und somit die Wirbelsäule in ihrer dreidimensionalen Schwingung beeinträchtigen. Der Reiter bringt sein Pferd somit aus der Balance, darunter leiden auch Losgelassenheit,  Durchlässigkeit, Schwung usw. Wieder schließt sich der Kreis und macht deutlich, dass die einzelnen Meilensteine der Ausbildung immer ineinander greifen und sich gegenseitig beeinflussen.
Ein unsauberer Takt ganz ohne Reiter ist auch ein Warnzeichen. Lahmheiten kann man somit nicht nur sehen, sondern auch hören.
„Der Takt kann zu langsam sein, wenn sich die Tritte zwar in gleichmässigen, aber zu lange dauernden Abständen folgen. Der Takt kann zu eilig sein, wenn die gleichmässigen Abstände der Tritte zu rasch aufeinander folgen.“ (Waldemar Sehnig) .
Am Tempo kann man mit einem Pferd arbeiten das gehorsam ist und mitmacht, durchlässig und losgelassen ist. Sie können es mal zu Vorwärts-abwärts formen, wobei das Pferd sich dehnt und die Schritte verlängert, oder Sie können das Pferd aufwärts formen, wobei es sich zusammen stellt und die Schritte verkürzt und zur Versammlung. Jedes Pferd hat hier andere Fähigkeiten. Das eine kann leichter verstärken, das andere leichter versammeln. Genau in diesem Grenzbereich liegt das Gleichgewicht des einzelnen Pferdes, weswegen auch das Grundtempo bei jedem Pferd individuell geritten werden sollte. Dieses Grundtempo wird sich im Lauf der Ausbildung verändern.

Und das Tempo?

Ist das Pferd durchlässig und losgelassen kann am Tempo gearbeitet werden. Der Reiter kann sein Pferd vorwärts-abwärts formen und dabei die Tritte verlängern, das Pferd kann aber auch zu mehr Versammlung aufgefordert werden, wobei der Takt hier gesteigert wird. Das Pferd fußt mit zunehmender Versammlung schneller ab, ist aber nicht schneller unterwegs. So bleibt in der Stützbeinphase das diagonale Beinpaar nicht so lange am Boden und fußt rascher wieder ab.
Wie heißt es immer so schön: Es gibt nur ein Pferd, das sich wie das Pferd aus dem Lehrbuch verhält – und das steht im Lehrbuch drin. Demnach gibt es auch kein einheitliches Tempo, das für alle Pferde empfohlen werden kann. Das jeweilige Grundtempo muss für jedes Pferd individuell geritten werden.
„Um ein gleichmässiges Tempo zu erzielen, ist es ebenfalls notwendig individuell vorzugehen. Grundsatz aber muss unbedingt das Vorwärtsreiten sein, das aber nicht mit schnell verwechselt werden darf. Vorwärts heißt nicht, mit raschen und ungeregelten Tritten davon zu eilen, sondern in ruhigem und gleichmäßigem Tempo Raumgewinn zu erzielen. Es wird daher notwendig sein, phlegmatische und zur Trägheit neigende Pferde immer wieder zu ermahnen, um den Drang nach vorwärts zu wecken. Vorher ist es aber erforderlich genau festzustellen, ob es sich bei den betreffenden Pferden tatsächlich um Trägheit, oder um Schwäche handelt. Pferde mit eiligen Tritten sollen durch Beruhigen unterstützt werden das Gleichgewicht zu finden und erst dann können durch vortreibende Hilfen auch wieder allmählich raumgreifende Bewegungen erzielt werden. (Alois Podhajsky).
Als kleine Faustregel gilt: Verstärkungen sollten wir also in einem niedrigeren Takt reiten, um das Pferd in der Bewegung nicht zum Eilen zu verleiten. In der Versammlung kann der Takt erhöht werden, um ein Absterben des Motors zu verhindern.
„Achten Sie stets sorgfältig auf einen sauberen Takt in allen Gangarten, wenn sie ihr Pferd gesund erhalten möchten“. (Bent Branderup)

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