Handverlesenes…

Handverlesenes…

Wie muss eine Reiterhand beschaffen sein? Was wollen wir mit der Hand überhaupt erreichen? Für uns Menschen, die im Alltag sehr „handlastig“ unterwegs sind, ist die Frage der Losgelassenheit und Durchlässigkeit nicht nur beim Pferd von großer Bedeutung.

Wir haben es in der Hand, wie wir mit der Reiterhand verfahren wollen – allerdings haben viele Reiter gar keine Vorstellung davon, was sie in der Hand haben, oder anders gesagt fühlen sollen.

„Was man in der Hand hat, das hat die Hinterhand nicht getan. Oder anders gesagt: Man muss ja auch vorwärts leben und rückwärts verstehen. So gesehen müssen wir vorwärts reiten und verstehen, was in der Vergangenheit passiert oder eben nicht passiert ist.“ Bent Branderup.

Vorwärts leben und rückwärts verstehen – ein wunderbares Zitat des Philosophen Søren Kierkegaard von Bent Branderup für die Reitkunst zitiert. Welche Zitate und Bilder können uns noch helfen, mehr über die Reiterhand zu verstehen?

Was macht die Hand?

Ja was macht die Hand eigentlich? Den Zügel halten? Aber wie fest? Wie tief, wie hoch? Wie fest sind die Finger geschlossen, oder sind sie offen. Spürt man ein Gewicht und wenn ja wie viel? Und wie bewegt man nun die Hände beim Reiten eigentlich mit? Nur die Hand? Bewegt sich das Handgelenk? Oder ist es gar der ganze Arm?

Wenn wir über die Reitkunst sprechen und weit in die Vergangenheit reisen, dann brauchen wir bei der Lektüre der entsprechenden Originalliteratur einen kleinen Schummelzettel – schließlich wird nicht immer explizit betont, dass die Zügel in einer Hand gehalten werden. Das war damals selbstverständlich.

„Wir Heutigen haben dadurch, dass wir unserem Kandarenzaum ein für allemal die Unterlegtrense mit ihren beiden Zügeln hinzufügten, von vornherein eingestanden, dass wir unsere Pferde nicht in solcher Vorstellung ausbilden wollen oder können, um sie mit den Kandarenzügeln in der linken Hand unter allen Umständen beherrschen zu können“. Gustav Steinbrecht

Für meine „Einführung“ zum Thema Hand habe ich in diesem Beitrag ein paar Zitate von Gustav Steinbrecht und Waldemar Seunig herausgesucht.

Steinbrecht sagt über die Zügelhand:

„Die Zügelhand ist das Hauptorgan, durch das der Reiter zu seinem Pferde spricht und ihm seinen Willen kundgibt. Die Geschicklichkeit der Hand kann damit Recht als Gradmesser der gesamten Geschicklichkeit des Reiters gelten, denn es ist eine irrige Auffassung, dass eine gute Hand eine vereinzelte gute Eigenschaft des Reiters sein könne. Sie ist vielmehr das Ergebnis vollkommenen Sitzes und feinen Reitergefühls.“

Seunig und Steinbrecht sind sich beide einig, dass es ein guter Reiter außerordentlich viel Fingerfertigkeit mitbringen muss:

„Die zur guten Führung notwendigen Zügelhilfen können nachgebende, durchhaltende und annehmende sein und umfassen eine ganze Skala von Handeinwirkungen, die vom bloßen Öffnen der Finger, in dieser Hinsicht kann man wirklich von einer feinfühligen Fingertätigkeit wie beim Klavier-Virtuosen sprechen.“ Waldemar Seunig

Kann man ein schlechter Reiter sein, gleichzeitig aber eine schlechte Hand haben? Nein, meint Gustav Steinbrecht: 

„Wir hören im Leben oft behaupten, dass jemand nicht besonders reite, aber eine sehr gute Hand habe, oder umgekehrt, dass er ein sehr guter Reiter sei, aber einen Fehler besitze, nämlich eine zu harte Hand. Dies ist ein offenbarer Widerspruch, denn wer als Reiter eine wirklich gute Hand besitzt, ist ein Meister der Reitkunst, wenn er auch durch seine Haltung und sein Benehmen zu Pferde dem Laien noch so sehr als mangelhafter Reiter erscheinen mag, wohingegen ein Reiter mit einer wirklich schlechten Hand niemals im wahren Sinne des Wortes ein Reiter sein kann, mag er auch durch Festigkeit des Sitzes, Schneid und Eleganz der Erscheinung noch so sehr bestechen, weil sein Fehler nur aus Mangel an Gefühl und Verständnis für das Pferd hervorgehen kann.“

Vorne fest gegenhalten, hinten treiben!

Plötzlich war ich als Kind mit sechs Jahren vom Reitervirus infiziert. Und ich hatte riesiges Glück: In unmittelbarer Nachbarschaft gab es ein Trakehnergestüt. Die Pferde waren wahnsinnig fein und großartige Lehrmeister. Als ich nach unendlich vielen Stunden an der Longe, freilich mal ohne Zügel dann diese in die Hand bekam, war der erste Ratschlag jener, stets das Gefühl zu haben, man würde ein Küken in der Hand halten. So sanft muss die Hand sein, aber auch so „geschlossen“, so dass das Küken nicht verloren gehen kann. Diesen Rat habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Rückwärtswirkende Hände waren tabu.

Das Gestüt wurde aufgelassen. Jahre später änderte sich der Unterricht für mich komplett. Nun mit Anfang 20 hatte ich mein zweites Pferd und plötzlich war es wichtiger, den Außenzügel sehr straff zu halten. Nie dort nachzugeben, das Pferd nach innen ordentlich durchzustellen und ordentlich nachzutreiben.

Muss ich an dieser Stelle betonen, dass weder mein Pferd noch ich daran viel Freude hatten? Ich hatte immer mehr Gewicht in der Hand. Ich dachte ich reite vorwärts, dabei war es rückwärts. Ich wollte dem Ideal nachreiten, das Pferd müsse sich an der Hand abstoßen und fand den ganzen Prozess so abstoßend, dass ich mich im Gelände wieder fand und mich und mein Pferd für die Dressur als „unbegabt und ungenügend“ einstufte.

Ich verstand auch nicht, warum sich der Unterricht innerhalb von 10 Jahren so gewandelt hatte. Vorher war die Rede von Küken, oder kleinen Schwämmchen, die man vorsichtig mit der Hand ausdrückt, während man die Zügel hält. Und plötzlich hatte ich das Gefühl 100 Kilo in der Hand halten zu müssen.

Ich habe zwar hundertmal gehört, dass der Motor in der Hinterhand sitzt und alles über die Arbeit der Hinterbeine passiert oder nicht passiert. Verstanden hatte ich es damals noch nicht. 

„So wie die Schenkelhilfe eine treibende ist, so ist die in der Einwirkung der Hand bestehende Zügelhilfe an sich eine verhaltende. Daraus folgt, dass sie alleine angewendet, das Pferd wohl irgendwie zum Stehen bringen, nie aber ihren eigentlichen Zweck zu führen, d.h. Gangart, Tempo, Haltung und Bewegungsrichtung zu bestimmen, erfüllen kann.“ Waldemar Seunig

Das „Verhalten“ hat schon jeder Reiter einmal gehört.  Ich mag Wortspielereien und die Macht der Worte. In der Reitkunst insbesondere reisen wir nicht nur in die Vergangenheit der Reiterei, sondern auch in die Vergangenheit der Sprache. Einige Sprichworte, die wir heute auch benutzen (Jemand zaubert etwas aus dem Stehgreif……) stammen aus der Reiterei, allerdings sind sie in Zeiten moderner und sehr abgekürzter Kommunikation nicht mehr wirklich „en vogue“.

Es gibt sie, die Gedanken der stillen Post in der Reiterei, aber es ist nicht nur eine stille Post, sondern auch der moderne Sprachgebrauch, der uns Stolperfallen beim Lesen und Verstehen älterer Reitliteratur bereitet.

„ Es ist noch gar nicht so lange her, dass man in der Reitliteratur seitenweise Beschreibungen über äußerst komplizierte Faustverdrehungen zwecks Erteilung der Zügelhilfen lesen konnten. Diese Verdrehungen kamen oft über einen reinen Formalismus nicht hinaus, beschwerten aber das Sensorium gewissenhafter Rekruten derart, dass sie die viel wichtigeren Schenkel und Gewichtshilfen vergaßen und sich steif machten. Auch die zopfige Anforderung, die Hand eingedreht und ohne Rücksicht auf den Rahmen des Pferdes in einer bestimmten Höhe über dem Widerrist zu halten, stellte Äußerlichkeiten weit über das Wesen der Sache.“ Waldemar Seunig

Seunigs Zitat aus 1943 ist aktueller, den je. In unserem modernen Umfeld werden wir gerne im Alltag, in der Schulausbildung, in der Arbeit etc. in Schablonen oder in ein „Best of“ unser selbst gepresst – aber was fühlt die Hand, welche Kommunikation liegt in ihr, abseits eines guten Bildes.

Es lohnt sich, um die Hand zu verstehen, erstmal am Boden bleiben. Wir Reiter wollen immer alles sofort vestehen, ändern, korrigieren, verbessern. Vor Teil zwei meiner „Handgemachten“ Serie, ein kleiner Gedankenanreiz: Ob Boden- oder Handarbeit, Longieren oder Reiten – ich freue mich über euer Feedback und über eure Beobachtungen über das Gefühl in der Hand.  Schreibt mir doch via Facebook oder eine Mail – aller Anfang liegt im Gefühl! Nur so kommen wir auf die Schliche, was zwischen dem Küken und der „Tonne“ in der Hand passiert ist.

Lernen wir durch unsere Hände zu fühlen, dann Reiten wir Einfach 🙂

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Fragen wir Bent – Teil III

Fragen wir Bent – Teil III

In der Serie: Fragen wir Bent geht es heute um den korrekten Reitersitz.
Diesmal wurde aus den zahlreichen Postings auf Bents Seite das Thema Sitz gezogen:

Wie kann man denn den Reitersitz ausbilden, welche Methoden ergeben hier einen Sinn?

Bent Branderup: Früher wurde die Akademische Reitkunst in den Reitakademien Europas weitergegeben. Ein junger Mann, der die Schule besuchte hatte bereits viele tausende Kilometer auf dem Pferderücken abgespult. Er konnte nicht wie heute mit dem Flugzeug reisen und er kam auch nicht zu Fuß. Er wurde vom Pferd transportiert. Das bedeutete aber noch lange nicht, dass er über viel Erfahrung verfügte, sondern über viele Kilometer.

Wir sehen heute viele Reiter mit starkem Hand- und Beineinsatz. In der Akademischen Reitkunst haben wir aber unser Ideal von Reitmeister Antoine de Pluvinel abgeleitet, der bereits das Ziel hatte, das Pferd lediglich aus der Hüfte, also mit dem Sitz zu dirigieren. Wenn ein junger Mann in die Reitakademien kam, dann wurde er auf ein gut ausgebildetes Schulpferd zwischen die Pilaren gesetzt. Er musste dann plötzlich feststellen, dass das feinfühlige Pferd auf sämtliche Bewegungen aus seinem Sitz reagierte und ein bloßes Stillstehen bereits eine Herausforderung war, da das Pferd auf alles reagierte. Egal was der Reiter mit seinem Körper tat, das Pferd hat ihn gespiegelt. Daher versuchen wir in der Akademischen Reitkunst ein tatsächliches Verständnis des Pferdes für den Sitz zu erarbeiten.

Daher macht eine Ausbildung des Pferdes im Stand durchaus Sinn, nicht nur um Hankenbiegung auszubilden. Wenn wir einen Reiter mit einem unausgebildeten Sitz auf ein galoppierendes Pferd setzen, wird er die Kontrolle über Hand und Beine verlieren – es hilft also nicht nur steif und „schön“ zu sitzen.

In meiner Ausbildung wurde ich bei verschiedenen Ausbildern nur daraufhin getrimmt, eine bestimmte Form einzunehmen und sie zu wahren. Unterschiedliche Ausbilder wollten aber auch einen unterschiedlichen Sitz sehen.

So zu tun, als ob man tatsächlich einen funktionalen Sitz hätte – das hat nur wenig Sinn. Nur wenn das Pferd ein Verständnis für den Sitz entwickelt, dann können wir von einem funktionalen Sitz sprechen.

Wir wollen das Pferd also durch den Sitz formen. Bei der Arbeit im Stand erfühlen wir eine erste Rotation des Brustkorbs, wir arbeiten an Stellung und Biegung sowie an der Verschiebung des Schwerpunkts im Schulterherein mit einer vorwärts-abwärts Tendenz, sowie im Kruppeherein mit einer leichten Parade.

Auch in den Reitakademien wurde so ausgebildet – zuerst mal im Stand zwischen den Pilaren, später mit Bewegung auf der Stelle. Wir haben aber heute nicht mehr die entsprechend ausgebildeten Pferde. Daher müssen wir im vorwärts arbeiten – am besten an der Longe. Ist das Pferd aber ungenügend ausgebildet, oder ist es der Longeur, dann kommen wir auch hier in eine Sackgasse.

Unsere Praktikanten sind eine große Hilfe beim Anreiten meiner jungen Pferde, denn sie haben bereits die Bodenarbeits- und Longenprüfung und können mich so als Longeur unterstützen. Gemeinsam erklären wir dem Pferd dann die unterschiedlichen Hilfen und Botschaften. Für das Pferd entsteht so ein logischer Aufbau in der Ausbildung zwischen Bodenarbeit, Longieren und erstem Reiten.

Ist das Pferd sehr gut ausgebildet und reagiert es auf kleinste Signale – der Reiter verfügt aber noch nicht über einen ausgebildeten Sitz, dann ist das fast schon ein Luxusproblem. Wir haben Schüler, die sehr gute Arbeit vom Boden machen und die nun ihre Defizite vom Sitz erkennen. Sie müssen nun an ihrem Körper arbeiten, ein Bewusstsein für den Körper entwickeln. Dabei ist es auch ganz egal was hilft – ob Ballett, Kung Fu oder Achtsamkeitsarbeit.

Es kann kontraproduktiv sein, wenn der Sitz andere Botschaften erzählt, die sich von der Kommunikation unterscheiden, die das Pferd bereits vom Boden aus gelernt hat – manche Sitzprogramme schulen einen „Look-a-like“ Sitz, der zwar gut aussieht, aber nicht funktional ist.

Am besten wir fragen das Pferd, wie sich der gute Sitz anfühlt.

Zuerst arbeiten wir im Stand mit Form und Balance, aber wir können dabei keinen Schwung ausbilden. Wir brauchen diesen aber im Körper – das bedeutet Schritt-, Trab,- Galopp- und Töltschwingungen. Das Problem ist, dass viele Reiter die einzelnen Schwingungen nicht in ihrem Körper spüren oder finden, wenn sie sich in Bewegung setzen. So frage ich Schüler immer, wie der Tölt in ihrem Körper aussieht – nämlich tatsächlich Tölt, oder findet sich in Reiterkörper mehr Passbewegung? Wie schaut dann der Trab aus? Plötzlich spüren wir – da gibt es gar keinen Trab im Körper des Reiters. Kein Wunder, dass das Pferd nicht traben kann, wenn der Schwung im Pferdekörper durch den Reiter blockiert wird.

Wenn wir ein Pferd ausbilden, dann müssen wir führen können – gleichsam einem Tanz. Der führende Herr muss es ja auch der Dame vermitteln können. Das Pferd soll künftig unseren Körper spiegeln. Alle anderen Hilfen sind sekundär.
Aber was bedeutet sekundär in diesem Zusammenhang? Nach und nach wollen wir Sekundarhilfen wie Hand, Bein, Gerte usw. aussetzen, um das Pferd nur noch mit dem Sitz zu dirigieren. Das ist schon sehr fortgeschritten und die wenigsten Reiter kommen so weit, alle Sekundarhilfen auslassen zu können. Wenn wir die Sekundarhilfen jedoch reduzieren können, dann wissen wir – der Sitz ist gut.

Fragen wir also unser Pferd, denn das menschliche Auge wird nur beurteilen wie korrekt der Sitz hinsichtlich der Optik sein wird. Das Pferd wird uns Feedback geben, ob die Botschaften aus dem Sitz ankommen und verständlich sind. Vielleicht erzählen wir aber auch kompletten Nonsense mit unserem Sitz, dann zahlt es sich freilich auch aus, ständig auf das Feedback des Pferdes zu hören.

Das komplette Video mit der Frage an Bent findet ihr nochmal im Original hier:

Weitere Fragen könnt ihr gerne auf Bents Facebook Seite kommentieren! Wir freuen uns drauf! 🙂

 

Der Aussenzügel

Der Aussenzügel

Du musst das Pferd an den Aussenzügel reiten! Gib dem Pferd doch am Aussenzügel eine Parade! Aussenzügel dran! Es gib so viele Mythen über den Aussenzügel, daher lohnt es sich, dem Außenzügel einmal einen eigenen Artikel zu widmen.

Die Sache mit den zwei Zirkeln

Alle Basis beginnt am Boden. Nachdem meine Schüler Bodenarbeit, Longenarbeit und Handarbeit kennen gelernt haben, geht es natürlich im Sattel weiter. Das Glück auf der Erde ward aber auf dem Rücken der Pferde nicht sofort wieder gefunden.

Dies liegt vor allem an der Sache mit den Zügeln.

Als Menschen sind wir in unserer täglichen Arbeit, generell im Alltag extrem „Handfixiert“. Was es da nicht zu hämmern, halten, reißen, fixieren, lenken, schreiben, tippen und streichen gibt. Das Vokabular für manuelle Tätigkeiten ist beinahe endlos.

Wenn wir in den Sattel steigen kennt unser Pferd bereits die Arbeit mit Paraden, es kann Informationen aus der Hand empfangen und der Hand auch wiederum wichtige Informationen weiter geben.

Wenn wir die Zügel aufnehmen, dann fallen Reiter gerne in alte Muster zurück – oft wird in den Reitschulen das Kommando: Außenzügel dran zum fixen Credo – und zur fixen Hand.

Viele Reiter haben schon mal gehört, dass man das Pferd an den Aussenzügel heranreitet. Richtig. Das impliziert aber, dass etwas in der Vergangenheit geschehen muss, um in der Zukunft die Verbindung an den Außenzügel zu bekommen – oder eben nicht. Diese gewünschte Verbindung und die Vorarbeit in der Vergangenheit wird allerdings gerne abgekürzt, indem man den äußeren Zügel einfach rasch kurz hält.

Wenn wir unser Pferd auf dem Zirkel arbeiten (und selbst auf der langen Geraden in Halle oder Viereck kommen wir mal durch eine „runde“ Ecke), dann haben wir eigentlich zwei Beinpaare: Ein inneres und ein äußeres Beinpaar, dazwischen mehr oder weniger Masse Pferd. Rein Mathematisch wäre es also unlogisch, den inneren Zügel ganz exakt gleich kurz zu fassen, wie den äußeren Zügel. Von einer Zirkelmitte mit Zirkel und Maßband nachgemessen ist der innere Zirkel der inneren Beinpaare schließlich enger als der äußere Zügel. Ein zu kurzes Fassen des äußeren Zügels bewirkt also ein Kurzmachen der äußeren Oberlinie. Dabei war es doch das Ziel bei der Biegung auf dem Zirkel gerade die äußere Oberlinie zu mehr Dehnung einzuladen.

Zurück auf den Boden: in den ersten Führübungen laufen wir rückwärts vor dem Pferd her. Beim so genannten „Following“ oder „Fokus“ lernt das Pferd unserem Körper zu folgen. Die Gerte kann als innerer oder äußerer Zügel angewandt dem Pferd zeigen mit der äußeren Schulter in den Zirkel zu wenden oder über den inneren Zügel den Zirkel zu vergrößern. Auch wenn das Pferd diese Hilfen kennt – der Fehler – leider die schlechte Nachricht sitzt immer im Sattel. Daher ist ein direkter Übergang von der Bodenarbeit in den Sattel auch nicht ratsam. In der Handarbeit schulen wir nicht nur das Verständnis des Pferdes für die indirekten Zügelhilfen – darunter verstehen wir die Führung zwischen den Schultern, sondern auch die direkten Zügelhilfen.

In der Bodenarbeit haben wir über den Kappzaum auf den Schädel des Pferdes eingewirkt. Stellung und Biegung wurde durch die Bewegung im Genick auf die Wirbelsäule übertragen. Wenn wir nun mit einem Gebiss arbeiten, kommt die Einwirkung der Hand zuerst im Unterkiefer an. Dieser muss unter den ersten Halswirbel, nach außen rotieren, somit kann sich eine Biegung auf die gesamte Wirbelsäule des Pferdes übertragen. Im besten Fall springt der Mähnenkamm des Pferdes nach innen über, die Biegung pflanzt sich vom Genick aus durch die gesamte Wirbelreihe fort. In der Bewegung kommt die innere Hüfte nach vorne-unten. Der äußere Brustkorb hebt sich, der innere Brustkorb senkt sich in Rotation. Somit wird ein freies Herausschwingen der Vordergliedmaßen möglich.

Soweit so gut. In der Praxis allerdings stoßen wir zu Beginn auf größere Hürden. Beispielsweise Steifheiten im Pferdekörper. Zunächst spüren wir diese in der Bodenarbeit auf und versuchen bestmöglich durch Gymnastizierung des inneren und äußeren Hinterbeins Balance und Durchlässigkeit, sowie Losgelassenheit zu erarbeiten.

Im Sattel hat der innere Zügel zunächst mal die Aufgabe bei der Erarbeitung von Stellung der primären Hilfe Sitz zu assistieren. Der äußere Zügel übernimmt die Aufgabe, die Biegung im Falle eines Überbiegens zu reduzieren. Gerade das Überbiegen kommt am Anfang gerne vor, allerdings wird der Reiter dann sein Pferd umso mehr auf die äußere Schulter werfen. Ein Festhalten am inneren Zügel (egal ob am Kappzaum oder am Gebiss) führt jedoch zum Festmachen der äußeren Halsmuskulatur bis hin zur gesamten äußeren Oberlinie. Diese Festigkeit wirkt sich wiederum negativ auf die gerade erarbeitete Biegung aus, wenn die innere Hüfte zum Ausfallen „gezwungen“ wird.

Ich wende das Pferd niemals mit dem Gebiss, denn dieses wirkt am Kopf und der hat bekanntlich keine Beine. (Bent Branderup) 

Der direkte Zügel kann das Pferd also sanft lösen und an der Stellung feilen, der indirekte Zügel ist für die Führung der Schultern verantwortlich. Die lösenden Hilfen des inneren Zügels sollen schließlich zu einer deutlicheren Verbindung an den äußeren Zügel führen. Dieser Prozess gelingt nicht so rasch, bedeutet Geduld und vor allem das Schwierigste: Immer wieder nachgeben. Aber ein kleiner Trost: Schon Guérinière schreibt 1733, dass es die größte Schwierigkeit für den Menschen nachzugeben ist. Willkommen also im Club 😉 

Der innere Zügel führt die Schultern des Pferdes nach außen, der äußere Zügel führt die Schultern nach innen. Eine der ersten Übungen ist daher auch das Verkleinern und Vergrößern einer Zirkellinie. Der äußere Zügel darf bei der Führung der Schultern eben nie so stark einwirken, dass er Einfluss auf das Gebiss bzw. den Unterkiefer nimmt.

Bereiten wir das Pferd also gut in der Bodenarbeit bzw. später in der Handarbeit auf den indirekten Zügel vor – dann haben wir es vom Sattel aus später leichter und Reiten Einfach 😉

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Erklär mir mal die Knochen

Erklär mir mal die Knochen

Rund 205 Einzelteile erledigen quasi einen „Knochenjob“ wenn wichtige Funktionen rund um den Pferdekörper geht. Was gibt es für Reiter über Knochen und das Pferdeskelett zu entdecken?

Zahlen, Daten und Fakten über Pferdeknochen

Knochen gehören zu den härtesten Substanzen im Pferdekörper. Immer wieder wird mal von Bindegewebe gesprochen – dieser Begriff bezieht sich auch auf die Pferdeknochen. Das knöcherne Skelett besteht aus rund 250 Knochen, alleine in der Wirbelsäule zählen wir mehr als 50 Knochen.

Das Skelett des Pferdes setzt sich aus verschiedenen Knochen zusammen, die entweder beweglich oder unbeweglich miteinander verbunden sind. Knorpel bilden somit so genannte Pufferzonen, die ein reibungsloses Gleiten dieser Verbindungen oder eine elastische Verbindung ermöglichen.

Neben dem Kopfskelett wird noch das Rumpfskelett und das Skelett der Gliedmaßen unterschieden.

Kopfskelett

Das Kopfskelett besteht aus 37 Knochen. Zackige Ränder verbinden die Knochen miteinander. Ober- und Unterkiefer sind durch das Kiefergelenk miteinander verbunden. Schädelhöhle, Stirnhöhle, Kieferhöhle und Nasenhöhle sind ebenso charakteristisch für das Kopfskelett.

Rumpfskelett

Das Rumpfskelett des Pferdes wird durch die Wirbelsäule, die Rippen und das Brustbein gebildet. Die Wirbelsäule des Pferdes besteht aus 7 Halswirbeln, 18 Brustwirbeln, 6 Lendenwirbeln, 5 Kreuzwirbel und etwa 20 Schwanzwirbel.

Aus Wirbelsäule, Rippen und Brustbein setzt sich also der Brustkorb zusammen. Dieser wird auf beiden Seiten von jeweils 18 gebogenen Rippen gebildet. Die 8 vorderen Rippen sind knorpelig-gelenkig mit dem Brustbein verbunden. Die restlichen 10 Rippen haben keine Verbindung zum Brustbein und werden daher oft als falsche Rippen bezeichnet. Sie bilden den beweglichen Rippenbogen. Ganz charakteristisch für das Pferd: Im Gegensatz zu uns Menschen fehlt im Brustkorb das Schlüsselbein.

Das Skelett der Gliedmaßen

Hier wird unterschieden zwischen dem Skelett der Vordergliedmaße und dem Skelett der Hintergliedmaße.

Das Skelett der Vordergliedmaße beste aus Schulterblatt, Oberarmbein, Unterarmbein, Vorderfußwurzelgelenk, Röhrbein, Fesselbein, Kronbein und Hufbein. Pferde haben im Unterschied zu uns Menschen wie gesagt kein Schlüsselbein.

Das Skelett der Hintergliedmaße besteht aus dem Becken, das fest mit dem Kreuzbein verwachsen ist, dem Oberschenkelbein mit der Kniescheibe, dem Unterschenkelbein, dem Sprunggelenk und der Zehengliedmaße.

Knochentypen und Aufgaben?

Die wichtigste Unterscheidung treffen wir zwischen:

  • Lange Röhrenknochen
  • Kurze würfelige Knochen
  • Platte Knochen

Das Skelett übernimmt einige wichtige Aufgaben:

  • Das Skelett schützt die wichtigsten inneren Organe des Pferdes
  • Das Skelett bildet aus einzelnen Knochen Gelenke, die wiederum für den Bewegungsapparat von großer Bedeutung sind.
  • Die Knochen übernehmen Tragefunktion
  • Die Knochen sind quasi ein „Hafen“ , also eine Ankerstelle für Muskulatur und Bänder.

Warum sind die Alten Meister ihre Pferde früher so spät erst angeritten?

Francoise Robichon de la Guérinière schreibt zu diesem Thema:

„Das richtige Alter, um ein Pferd abzurichten, ist je nach den klimatischen Aufzuchtbedingungen sechs, sieben oder acht Jahre. Die Ursache der Mehrzahl aller Widersetzlichkeiten bei Pferden ist aber nicht auf schlechte Veranlagungen zurück zuführen. Vielmehr verlangt man häufig Dinge von ihnen, die sie noch nicht leisten können. Man strengt sie zu sehr an und will sie zu geschickt machen. Derartig großer Zwang macht ihnen die Arbeit verhasst, er ermüdet und verdirbt Sehnen und Nerven, deren Leistungsfähigkeit doch die Biegsamkeit bewirken, und oft sind sie zugrunde gerichtet, wenn man gerade glaubt, sie gut zugeritten zu haben“.

Die meisten Pferde werden heute bereits dreijährig auf Auktionen oder Zuchtschauen vorgestellt. So dürfen wir uns nicht wundern, wenn Probleme im Bewegungsapparat, in der Wirbelsäule und an Sehnen und Bändern zunehmen.

Das Längenwachstums des Skeletts ist mit dem fünften Lebensjahr erst abgeschlossen. Einige Wachstumsfugen schließen sich bereits mit 6 Monaten, andere sogar noch viel später. Jüngste Studien sprechen sogar davon, dass bei Pferde erst im siebten Lebensjahr die letzten Wachstumsfugen geschlossen werden.

In Relation zu diesen Studien mutet es schon seltsam an, wenn Pferde bereits mit 9 Jahren bei Großereignissen wie den Olympischen Spielen Leistungen auf den Punkt zeigen müssen.

Überbeine können durch falsche Belastung entstehen – dabei wird Knochengewebe aktiviert, welches zur Bildung von Überbeinen beiträgt, um eine Mehrbelastung abzufangen. Bei meiner Fuchsstute Tabby haben sich durch die Umstellung auf barhuf und die Veränderung der täglichen Arbeit Überbeine unterhalt der Karpalgelenke sogar wieder zurück gebildet. Heute ist davon nichts mehr zu spüren.

Ein korrektes Training ist für die Knochen des Pferdes von Bedeutung, da auch die Knochen von Belastungsreizen abhängig sind – daher ist auch ein gesundes Maß an Ausdauertraining für gesunde Knochen im Pferdekörper wichtig.

 

Total Extrovertiert

Total Extrovertiert

Introvertiert oder Extrovertiert? Selbstsicher oder unsicher? Es lohnt sich, über den Charakter seines Pferdes nachzudenken – vor allem, da wir ja auch gemeinsam an Aufgaben arbeiten. Für Introvertierte Typen ist es besonders wichtig zu motivieren und zu wiederholen – vielleicht sogar weniger Aufgaben, dafür mehr Wiederholungen. Wie sieht es jedoch mit extrovertierten Pferdetypen aus?

Glücklich und schnell!

Was bei Parelli ein „left brain extrovert“ Typ wäre, wäre bei Christofer Dahlgren, Meister der akademischen Reitkunst aus Schweden der Typ „Happy“ – oder eben glücklich. „Right brain extrovert“ bei Parelli – wäre bei Christofer der „schnelle Typ“.

Christofer möchte den Pferden grundsätzlich keinen Stempel aufdrücken, aber er weiß – die Beschäftigung mit der Psyche des Pferdes macht es dem Reiter leichter, den Zugang für die tägliche Arbeit und das tägliche Zusammensein mit dem Pferden gut zu wählen.

Schauen wir uns die verschiedenen Konzepte von Pferdebeurteilung an:

Parelli teilt seine „Horsenalitys“ in „left brain“ und „right brain“, sowie introvertiert und extrovertiert ein.

Demnach sind „left brain“ Pferde selbstsicher, mutig, vertrauensvoll, ruhig und tolerant. Die Beschreibung „dominant“ lehnt Dahlgren aber ab. Seiner Meinung nach gibt es keine dominanten Pferde – wenn, dann hat meist der Mensch das Übrige dazu getan.

„Right brains“ sind genau das Gegenteil. Sie sind zurückhaltend, ängstlich und misstrauisch. Sie neigen auch zu Überreaktionen, können aber sehr folgsam sein.

Extrovertiert

Extrovertierte Pferde lieben es zu rennen, sind sehr an ihre Herde gebunden und haben ein enormes Potenzial an Energie.

Left brain extrovert

Ein verspielter Charakter, ein neugieriges Wesen. Ein Pferd, das schnell lernt und rasch eigene Ideen entwickelt. Der Reiter muss aufpassen, keine Langeweile im Training aufkommen zu lassen. Angenommen der Reiter hat 6 Aufgaben bzw. Übungen am Stundenplan, dann lassen sich diese leicht umsetzen – aber auch hier gilt: VIEL Abwechslung. Denn einem solchen Pferd muss man die Aufgaben in einem Spiel bieten.

Right brain extrovert

Diese Pferde bewegen sich gerne. Daher geht Christofer mit einem solchen Pferd gerne vor dem Training zum „auslüften“ ins Gelände – erst wenn das Pferd relaxed ist kann die Arbeit beginnen. Aber: Man darf das Pferd nicht zur Bewegung zwingen! Ein sensibler Reiter versucht die Trainingseinheiten so leicht wie möglich zu gestalten, denn right brain extroverts fühlen sich schnell überfordert. Anstelle der 6 Übungen für den left brain extrovert sollte man auf drei Übungen reduzieren.

Der extrovertierte Kobold

Mein erstes Pferd Kobold gehörte eindeutig zu den extrovertierten Typen. Er war super freundlich, immer zu Scherzen aufgelegt und immens verspielt. Im Zahnwechsel spielte er sich mit den wackelnden Schneidezähnen am Glasfenster – bis es zerbrach. Beim Ausreiten rannte er vergnügt hinter jedem Reh her, das den Weg kreuzte. Ich habe ihn nie unmotiviert oder schlecht gelaunt erlebt – weder zum Menschen, noch zum Pferd. Bewegung war für ihn alles. Heute würde ich bei dem Experiment: 14-jährige plus 3-jähriger Wallach die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Damals muss ich sagen hatte ich es dem gutmütigen und aufgeschlossenem Wesen meines Pferdes zu verdanken, dass ich es ziemlich ohne Unterstützung geschafft hatte „Kobus“ anzureiten und vergnügt viel Zeit mit ihm im Gelände zu verbringen. Was die Dressur anbelangt hatte ich natürlich nicht die Pädagogik von heute und habe mich oft widersprochen. Einzig diese Widersprüchlichkeiten quittierte Kobold mit Unverständnis.

Ich vermisse meinen extrovertierten, vergnügten Kobold bis heute.

In zwei Wochen legen wir gemeinsam mit Christofer Dahlgren unsere Pferde auf die „Couch“ und fragen uns, wie wir das Training möglichst motivierend und freudvoll für das jeweilige Pferd gestalten können. Alle Infos zu den letzten Zuschauerplätzen gibt es hier

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Introvertiert und gar nicht schüchtern?

Introvertiert und gar nicht schüchtern?

Left brain, right brain, introvertiert, extrovertiert, Holzpferd, Metallpferd oder happy, schnell, sicher und liebevoll? Es gibt so viele Definitionen und Skalen, die uns helfen sollen ein Pferd zu beurteilen.

Christofer Dahlgren, Meister der Akademischen Reitkunst aus Schweden benutzt selbst die Einordnung in:

  • Happy
  • Schnell
  • Sicher und
  • Liebevoll

– warnt allerdings davor Pferde in feste Schubladen zu stecken. Die Charakteristik KANN helfen, das Training des Pferdes zu gestalten. Aber – wir wissen bereits – das einzige Pferd, das sich wie im Lehrbuch verhält, das steht im Lehrbuch drin.

Vor einiger Zeit haben wir bereits einen introvertierten Typ besprochen – Christofer nennt ihn den „liebevollen“ Typen. Wer mein persönliches Profiling meiner Stute „Pina“ nachlesen möchte, kann das hier nochmal tun.

Darf ich vorstellen…Tabby…..

Ja, bevor die Sache zu verkopft wird, kann es wirklich hilfreich sein, sich aus dem Hause Disney ein wenig Unterstützung zu holen. Hier komme ich auch wieder auf Christofer Dahlgren zu sprechen, der seinen wunderbaren Vortrag bei der Sommerakademie 2016 über die verschiedenen Persönlichkeiten von Pferden mit Hilfe einiger bekannter Filmhelden untermauerte.

Und wer ist das Pendant zu meiner Stute Tabby?
Maximus, das Pferd aus Rapunzel

Moment…steht im heutigen Titel nicht auch das Wort „introvertiert“?

Ja!

Der introvertierte, aber nicht so schüchterne Typ

Wo findet man diese Pferde? Oftmals handelt es sich dabei um Arbeitspferde, Ranch-Pferde, Kutschpferde, zuverlässige Pferde in der Reitschule, Pferde, die im Wald bei der Arbeit helfen.

Bei Parelli würde man diese Pferde zu „left brain introvert“ zählen. Demnach sind „left brain“ Pferde selbstsicher, mutig, vertrauensvoll, ruhig und tolerant. Introvertierte Pferde würden oft stehen bleiben, sie würden als stur abgeschrieben, allerdings denken gerade diese Pferde sehr viel nach.

Diese Pferde wissen, was sie wollen und brauchen einen Reiter, der sie gut motivieren kann. Gut? Ich meine so richtig gut motivieren! Denn wenn dieser Typ Pferd wirklich mitmachen will und sich für ein gutes Gelingen verantwortlich fühlen kann, dann gewinnt man einen sehr zuverlässigen Partner, der die gemeinsame Zeit mit dem Menschen auch genießen kann. Für dieses Pferd zählen: Viel Lob, viele Pausen und viele Wiederholungen in der Arbeit miteinander.

Profiling Tabby

Tabby und introvertiert? Ruft man Tabby auf der Weide schnellt der Kopf in die Höhe, die Ohren sind gespitzt, die Augen aufmerksam und intelligent. Eigentlich wirkt Tabby immer sehr fröhlich und unbeschwert. Wenn ich zu ihr auf die Weide gehe, bleibt sie stehen und sieht mich erwartungsvoll an. Sehr gerne verlässt sie ihre Freundin Pina nicht, daher muss ich sie meistens direkt bei Pina „abholen“.
Als wir 2015 zum Sonnenhof gezogen sind, dachte ich immer Pina (ebenso introvertiert, aber kein left brain, sondern right brain) würde mehr an Tabby hängen als Tabby an ihr.
Mitnichten.
Kaum in neuem Terrain fing Tabby an „ihre“ Pina zu verteidigen. Anfangs mag das für Pina noch ganz bequem gewesen sein, mittlerweile geht ihr Tabbys Verhalten aber sichtlich auf die Nerven. Tabby spielt sich da sehr auf wie die „Glucke“, die befunden hat: „Pina darf nur mit mir befreundet sein“.
Wenn Pina mit einem anderen Pferd Fellpflege betreibt, geht Tabby eifersüchtig dazwischen.

Trotzdem sind beide nach wie vor sehr befreundet. In der Herde wirkt Tabby eher „dominant“. Sie zählt vermeintlich zu den ranghöheren Pferden. Dabei geht Tabbys dominantes Verhalten auch eher auf Unsicherheit zurück    – sie braucht die Unterstützung von Freundin Pina vor allem für ihre emotionale Sicherheit, daher verteidigt sie diese auch unentwegt. Diese „Aufgabe“ gibt Tabby ebenso wieder sehr viel Sicherheit.

Tabby ist zwar riesig neugierig, aber nicht unbedingt die Mutigste. Gruselige Dinge muss man sich in aller Ruhe anschauen dürfen – dann ist es okay.
Und wenns drauf ankommt? Dann kann ich mich aber absolut auf Tabby verlassen.

Das war aber nicht immer so

Im Vergleich zu Pina wirkt Tabby zwar immer aufgeweckt und fröhlich – es hat aber auch bei ihr fast ein Jahr gedauert, bis wir wirklich ein Team geworden sind. Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit war Tabby eher am Explodieren, denn am Zuhören – den Zaubertrick zum Erreichen dieses Pferdes gab es nicht – aber je selbstsicherer Tabby in der gemeinsamen Arbeit wurde, umso stolzer und gelassener wurde sie. Auch heute reagiert sie aber auf neue Aufgaben eher mal misstrauisch und abwartend. Ihr muss man alles sehr genau erklären und sie IMMER motivieren, sich auch mit der Aufgabe auseinander zu setzen.

Christofers Warnung vor allzu starker „Schubladisierung“ zeigt sich bei Tabby sehr stark. Beispielsweise vor Publikum wird der kleine Fuchs zur – man verzeihe mir den Ausdruck – „Rampensau“. Je mehr Publikum umso besser – Tabby ganz in ihrem Element und absolut extrovertiert!

Wenn ich heute eine Woche von meinen Pferden getrennt bin zeigt sich folgendes Bild. Tabby kann – wenn „ihr“ Tagesablauf nun anders abläuft recht ungehalten werden. Dann wird der Futtertrog als WC „missbraucht“ um unmissverständlich zu unterstreichen, dass dem Fuchs etwas nicht passt. Wenn ich dann zurück bin merke ich von alledem nichts. Tabby und ich sind sofort wieder ein Team – im Gegensatz zu Pina. Ihre „Gunst“ muss ich mir wieder verdienen, wir müssen einen Teambuilding Prozess durchlaufen, dann klappt wieder alles.

Lernen wir unsere Pferde genau kennen, dann entwickeln wir uns als Pädagogen, Motivations-Coaches und verlässliche Partner.

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