Pferdebeurteilung mit Xenophon

Pferdebeurteilung mit Xenophon

Vor nicht allzu langer Zeit war ich im Lipizzanergestüt Piber zu Gast, um einige zweijährige Pferde zu besichtigen. Keine leichte Sache, vor allem, wenn es sich bei der Rasse um Spätenentwickler handelt. Um die Pferde in jungen Jahren ausreichend zu beurteilen braucht es schon einen Kennerblick – oder das Wissen des griechischen Meisters Xenophon. Nicht nur sein Wissen über die Reitkunst ist für uns heute noch interessant – auch sein Wissen über die Pferdebeurteilung kann noch heute herangezogen werden.

Vielleicht würden wir ihm ja heute folgende Fragen stellen:

Worauf kommt es bei der Beurteilung von Fohlen und jungen Pferden an?

Xenophon: Bei einem jungen Pferd sollte man zunächst den Körper genau mit den Augen, aber auch mit den Händen untersuchen, weil das Jungpferd, das ja auch noch nicht vorgeritten werden kann, noch keine klare Vorstellung zulässt. Auch über sein Temperament können wir noch keine präzisen Angaben machen. Das Fundament des Pferdes ist das Wichtigste, daher analysieren wir mit kritischem Blick zunächst die Beine des Pferdes.

Denn wie ein Haus wertlos und ohne Nutzen ist, wenn zwar die oberen Teile ganz schön gebaut sind, aber nicht auf einem festen Baugrund stehen, so ist auch ein Kriegspferd zu nichts nutze, wenn sonst alles an ihm gut und wohlgestaltet ist.

Dies galt zu meiner Zeit und gilt natürlich auch für den heutigen Freizeitpartner Pferd.

Wir fangen also praktisch beim Fundament mit der Pferdebeurteilung an?

Xenophon: Ja genau, denn wenn es Probleme mit Hufen und Pferdebeinen gibt, dann können die übrigen Vorzüge des Pferdes eigentlich gar nicht zur Geltung kommen.

Bei der Prüfung der Pferdehufe sollte man sehr aufmerksam die Hufwände untersuchen. Hier reicht das bloße Auge nicht, die Hufe sind auch gekonnt abzutasten. Dicke Hufwände übertreffen die dünnen in jeder Beziehung. Man achte auch auf die Hufform, also darauf ob die Hufe sowohl vorne wie von hinten flach oder hoch sind. Hohe Hufe halten den sogenannten Strahl weit vom Boden ab, während flache Hufe beim Auffußen so wirken, dass sie mit dem stärksten Teil ebenso wie mit dem weichsten auftreten, genauso wie beim Menschen mit Plattfüßen.

Neben dem Tastsinn und dem geschulten Auge brauchen wir auch unser Gehör: denn auch durch den Klang sind Pferde mit gutem Hufmaterial und gutem Fundament genau zu erkennen.

Vom Pferdehuf geht es also weiter in den Pferdekörper?

Xenophon: Richtig, dabei dürfen wir uns aber ebenso wenig „nur“ auf unser Auge verlassen, ratsam ist es natürlich auch das Pferdebein behutsam abzutasten. Kron- und Fesselbein dürfen nicht zu steil gestellt sein. Eine solche Steilstellung würde der geschulte Reiter auch an einem harten Gang entlarven. Umgekehrt können weiche Fesseln den Reiter bequemer sitzen lassen, allerdings darf das Fesselgelenk auch nicht zu niedrig liegen. Die Knochen der Hinterbeine sollen stark sein, denn sie sind die wichtigsten Stützen des Körpers und sorgen für die notwendige Tragkraft. Sie dürfen aber dennoch nicht dickfleischig sein. Muskulatur ist von Fettgewebe deutlich zu unterscheiden.

Die Hüften müssen breit und fleischig sein, damit sie mit den Seiten und der Brust im rechten Verhältnis stehen. Wenn sie recht muskulös sind, so werden sie im Laufe der Ausbildung förderlich sein und das Pferd noch rascher machen.

Wenn das Fohlen beim Gehen die Knie geschmeidig beugt, ist damit zu rechnen, dass es auch unter dem Reiter dieses Geschick zeigt. Denn alle Pferde mit guter Ausbildung beugen im Laufe der Zeit die Beine gelenkiger in den Knien. Guter Kniegbung, bzw. Hankenbeugung generell ist aber mit Recht sehr geschätzt, denn sie bewirkt, dass das Pferd weniger stolpert und auch weniger stößt als bei steifen Schenkeln. Stößt das Pferd, dann kann die Kraft von der Hinterhand nicht korrekt in die Vorhand übertragen werden. Wir spüren dann die Stöße der Vorderbeine.

Wie soll denn die Halsung eines guten Reitpferdes aussehen?

Xenophon: Hier rufe ich mir einen sehr bildhaften Vergleich in den Sinn. Von der Brust aus darf der Hals nicht schlaff nach abwärts sinken, wie bei einem Schwein, sondern soll wie bei einem Hahn gerade zum Genick aufsteigen und in der Ganaschengegend muss er schmal sein. Der Kopf sei knochig und mit kleinen schmalen Kinnbacken.

Was macht einen hübschen Pferdekopf aus?

Xenophon: Stehen die Augen etwas vor, sieht das beim Pferde munterer aus, als wenn sie tief liegen. Ein solches Pferd wird wohl auch weiter sehen können. Weit geöffnete Nüstern sind zum Atmen besser geeignet als eingefallene, geben auch ein edleres Aussehen. Eine breite Stirn und kleine Ohren geben dem Kopf ein gefälliges Äußeres.

Lesen wir immer wieder in den Alten Meistern – ich fand vor allem die doch sehr intensive Auseinandersetzung Xenophons mit den Hufen und ihrer Biomechanik sehr aufschlussreich.

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Gestatten, das Morgan

Gestatten, das Morgan

In der Akademischen Reitkunst beschäftigen wir uns mit Lehren aus vergangenen Tagen, die wir mit modernen Kenntnissen aus Lernpsychologie, Biomechanik, Pädagogik uvm. kombinieren.

Interessierte fragen sich oft: Kann man denn nur die klassische Reitkunst praktizieren und lernen, wenn man einen Spanier, oder einen Lipizzaner zu Hause im Stall stehen hat?

Nach dem Motto: Die Dressur ist für das Pferd da – kann natürlich jedes Pferd in der Akademischen Reitkunst – seinen individuellen Fähigkeiten entsprechend gefördert werden.

Ich bitte künftig Freunde der Akademischen Reitkunst zum Interview, die mit einer speziellen oder ganz besonderen Pferderasse Zeit schön verbringt.

Den Anfang macht Stefanie Niggemeier, die mir über ihre Morgan Horses etwas erzählen wird:

Stefanie, wie bist du auf diese Rasse gekommen und warum ziehen dich Morgan Horses bis heute in den Bann?

Stefanie Niggemeier: Ich bin durch Zufall in einem Buch über verschiedene Pferderassen, es hieß „Charakterpferde“ ( von der Leyen) auf die Beschreibung der Morgan Horses gestoßen. Neben Andalusiern, Berbern, Knabstruppern und etlichen weiteren, zum Teil auch nicht so bekannten Rassen sprach mich besonders der Ausdruck des Pferdes auf dem Foto, aber vor allem der Text an:

„ Das Morgan Horse kann alles und sieht dazu noch aus wie das Pferd, das kleine Mädchen sich malen, sobald sie selbstständig einen Stift halten können.  Es gibt fast nichts, was der Morgan nicht kann…er ist hochintelligent und liebt die Abwechslung…hat viel Stolz und Temperament …gleichzeitig aber fabelhafte Nerven, weshalb er etwa im Gelände oder bei Hallenumbauarbeiten immer zuverlässig bleibt- Hauptsache, sein Mensch ist dabei.“

Diese Pferde wollte ich unbedingt in natura kennenlernen! Ich begab mich also auf die Suche im Internet und war über die Maßen erfreut, auch in Deutschland Züchter dieser hier noch eher seltenen Rasse zu finden. Ich begann also, mich zu informieren und schnell war klar: ich möchte ein Morgan Horse besitzen!

Was sind die Besonderheiten bei der Rasse „Morgan Horse“?

Stefanie Niggemeier: Morgans, das sei hier mal verraten, sind eigentlich gar keine Pferde- zumindest dann, wenn man sie fragt. Sie sind an allem interessiert, lernen extrem schnell und sind ihrem Menschen so zugetan, dass sie, wie ein Hund, lieber mit auf das Sofa kämen, als im Stall zu bleiben. Sie sind aufmerksam, sehr sanft im Umgang mit dem Menschen, eigentlich kann man schon sagen: liebevoll. „The horse, that chooses you“- so heißt der Slogan des amerikanischen Dachverbandes. Wenn ein Morgan sein Herz einmal verschenkt hat, dann gibt es nichts, was zusammen nicht geht.

Warum eignet sich das „Morgan Horse“ für die Akademische Reitkunst? 

Stefanie Niggemeier: Morgans sind ausgesprochen intelligente Pferde mit von Natur aus guter Balance in den Grundgangarten. Sie lernen Neues atemberaubend schnell und haben ein überragendes Gedächtnis. Selbst Dinge, die man mehrere Jahre nicht mehr mit dem Morgan geübt hat, sind, einmal verstanden, ein Leben lang abrufbar. Das entspricht ganz dem Gedanken Pluvinels, immer den Geist es Pferdes schulen zu wollen, der Körper folgt dann. Genau das beobachte ich auch bei meinen Morgans Finn und Nyx: beide haben unfallbedingt zum Teil große körperliche Schwierigkeiten, die ihnen immer wieder Probleme bereiten. Sie verstehen jedoch, dass ihnen mit der Arbeit geholfen werden soll und überwinden wieder und wieder Grenzen, eben weil sie es wollen.

Man darf sie um alles bitten, aber zwingen lassen sie sich nicht. Gerade Finn, der sehr ehrgeizig ist, reagiert auf Druck ausgesprochen empfindlich; er möchte alles selber können und zeigt mir genau, wo es mir erlaubt ist, Hilfen zu geben, ich mich nicht konkret ausdrücke oder anders formulieren muss. Das ist für mich unendlich wertvoll, denn schließlich kann man als Mensch über Pferde nur lernen, indem man ihr Feedback bekommt und sich selber reflektieren lernt. Da sind Morgans sehr ehrlich: sie sind kommunikativ und wollen, dass man sie versteht. Immer sind sie absolut sicher im Umgang, wenn sie jemanden mögen; dann sind sie ein Leben lang echte Partner.

Wir beschäftigen uns ja auch mit der Geschichte der Reitkunst, kannst du uns etwas über die Geschichte des Morgan Horse erzählen?

Stefanie Niggemeier: Alle Morgans gehen auf einen einzigen Hengst zurück, der um 1790 in Massachusetts bei seinem Besitzer Justin Morgan geboren wurde. Kurze Zeit später zog Morgan nach Vermont um, sein Pferd im Gepäck. „Figure“- so hieß der nur 1,42cm große, dunkelbraune , kräftige Hengst , wurde schnell regional bekannt, weil er unermüdlich auf dem Feld und im Wald arbeitete, schwerste Lasten zog , in Trab-und Galopprennen nahezu unschlagbar war- noch heute gibt es die berühmte „Morgan Mile“ in Vermont- dabei aber immer ausgesprochen angenehm im Umgang , leichtfuttrig und gesund . Schnell avancierte „Morgan`s Horse“ zum begehrten Deckhengst. Nach einem arbeitsreichen Leben, in dem er durch mehrere Hände ging, starb er 42-jährig an einer unversorgten Weideverletzung.

Die Besonderheit an ihm: er vererbte seinen Charakter, wie auch seine körperlichen Vorzüge ausgesprochen durchschlagend an seine Nachkommen weiter und wurde so Gründervater einer eigenen Rasse. Auch sie zeichnen sich bis heute durch Leitungsbereitschaft bei einem gleichzeitig sehr dem Menschen zugewandten Wesen aus: „Willing to please“ nennt man das in der Morgan Horse Gemeinschaft.

Um 1820 beherrschten Morgans die amerikanische Galopp-und Trabrennszene, machten Land urbar, waren mit den Siedlertrecks gen Westen aufgebrochen und halfen, Farmen zu bestellen, waren geschätzte Soldatenpferde- der einzige Überlebende der Schlacht am Little Big Horn war ein Morgan namens Comanche- vor allem aber waren sie immer geliebte Familienmitglieder, die auch von Damen und Kindern zu reiten und zu fahren waren.

Morgans gelten heute noch als Kulturgut in den USA, sie sind die einzige Pferderasse, deren Zucht staatlich gefördert wurde und wird: „The pride and product of America“. Alle nordamerikanischen Pferderassen gehen auf den Morgan zurück oder sind mit seinem Blut veredelt, er gilt als erste rein amerikanische Pferderasse und ihm wurde nicht nur von Künstlern wie Nicholas Evans ( „ Der Pferdeflüsterer“) und Robert Vavra ein Denkmal gesetzt.

Gerade die Blutline, aus der meine Morgans stammen, sind von einem Reitkünstler für die Reitkunst gezogen: als die Wiener Hofreitschule 1963/64 unter Oberst Podhajsky durch die USA tourte, begleitete Dr. Brad Starr , durch mehrere Besuche in Europa zwecks Unterricht bei Nuno Oliviera und in der Wiener Hofreitschule mit der Reitkunst bekannt, die Tour. Als er sah, dass der Morgan Horse Hengst „Parade“ und sein Sohn „Broadwall Drum Major“ eingeladen wurden , die Tour als „farbiges Maskottchen“ zu ergänzen, war ihm schnell klar, als er sah, wie angetan die „Wiener“ von den beiden Amerikanern waren: das sind genau die Pferde, die er züchten wollte! So gründete er seine Morgan Horse –Zucht und über Susen Fischer-Henkel, Ritterin der Akademischen Reitkunst, kamen genau diese Pferde dann vor fast 30 Jahren nach Deutschland. Ihrer Zucht entstammen auch meine Pferde, erkennbar am sogenannten „Prefix“, dem Farmnamen: „Glenmorgan“.

Die Begeisterung für Morgan Horses ist bei dir deutlich zu spüren. Logisch, dass man etwas gerne weitersagt oder empfiehlt, was man selbst sehr gern hat. Aber ist denn das Morgan Horse ein Allrounder, der für JEDEN geeignet wäre? Oder gibt es da Ausnahmen?

Stefanie Niggemeier: Tatsächlich gib es kaum so ein vielseitiges Pferd wie den Morgan. Sie können sich für alles begeistern und freuen sich immer über neue Ideen und Abwechslung. Man muss kein Profi sein für solch ein Pferd, was es aber unbedingt braucht ist Sensibilität und Gefühl im Umgang und der Wille, den Morgan als das wahrzunehmen, was er ist: eine echte Persönlichkeit. Wenn man mit Respekt und Zuneigung auf diese Pferde zugeht, dann erhält man das, wovon jeder Pferdebesitzer träumt: ein Pferd, das nach völliger Einheit mit dem Menschen sucht, wenn man es lässt. Das mit den Morgans ist wie mit einem Virus: einmal diesen Pferden verfallen, lässt es einen nie mehr los.

Gibt es ein Erlebnis, oder eine Geschichte, wo du sagen würdest: das war typisch Morgan Horse?

Stefanie Niggemeier: Ich glaube, da könnte ich hunderte Geschichten erzählen: vom Einfallsreichtum meiner Pferde, die sich zum Beispiel für alle Arten von menschlichem Werkzeug begeistern können , gerne mit Feuer und Krach, oder bei der Stallarbeit „helfen wollen“, indem sie Mistboy und Besen an sich nehmen und „benutzen“. Oder vom Nachhausekommen nach einem Arbeitswochenende, wenn meine Pferde auf Zuruf angaloppiert kommen und sich zwischen mich und die Tür stellen und mich gar nicht gehen lassen mögen, weil sie noch mehr Streicheleinheiten haben wollen- immerhin haben wir uns ja mindestens einen Tag nicht gesehen! Von Nasen, die aus Versehen enthaart wurden, von meinen Morgans noch schnell zwischen Zettel und Klebeband gesteckt , wenn ich meinem Stallteam Infos an die Boxentür kleben wollte. Wie sie ihre leere Futterschüssel zum nochmaligen Befüllen hinter mir hertragen, wie sie schon an die Seite gehen, wenn ich hinter oder unter ihnen fegen möchte, damit meine Arbeit erleichtert wird, wie eifrig sie sind, wenn es gilt, Neues herauszufinden. Kleine Kinder, die einen Deckhengst reiten, Fohlen, die an Menschen mehr interessiert sind als an Artgenossen, Stuten, die so viel Vertrauen zum Menschen haben, dass der gerade geboren Nachwuchs dem Menschen noch vor den anderen Herdenmitgliedern stolz präsentiert wird, ihre Lust an Bewegung, ihre Freude an sich selbst, ihre Schönheit, ihr Herz: für mich sind sie ganz besonders und ich habe unzählige einmalige Momente mit ihnen erlebt.

Wer weiterlesen mag, ist herzlich willkommen unter www.germanmorganhorse.de oder Stefanie Niggemeiers Webseite www.barocke-pferdeausbildung.de Interessantes rund um das Thema Morgan Horse zu erfahren. Ein Facebook Album zu den Morgans findet ihr unter diesem Link.

 

Vielen Dank an Stefanie Niggemeier für diese Einblicke in die Welt der Morgans. 🙂

Was ist Grundausbildung, Herr Steinbrecht?

Was ist Grundausbildung, Herr Steinbrecht?

Den Begriff des „Horsemanship“ kannten sie nicht. Für sie bedeutete Grundausbildung eine Selbstverständlichkeit. Was würden Sie heute wohl zu diesem Thema sagen? Antoine de Pluvinel (1555-1620), François Robichon de la Guérinière (1688-1751) und Gustav Steinbrecht (1808-1885) versammelten sich für die Ausgabe der Feinen Hilfen Nr. 16 zu einem fiktiven Gespräch:

Moderator: Meine Herren, was gehört für Sie zur Grundausbildung eines Pferdes?

Steinbrecht: Die Grundausbildung des Pferdes beginnt für mich beim Menschen, bei seiner Einstellung zum Pferde. Das Pferd ist in meinen Augen nicht bloß Reittier, sondern das vielseitig begabteste Geschöpf der Tierwelt und wir müssen uns ihm gegenüber stets dankbar zeigen. Diese Dankbarkeit soll sich in der Sorgfalt und Forschung rund um Züchtung, Erziehung und Ausbildung dieses Geschöpfes zeigen. Durch verkehrte Anschauungen und das kleinliche Verfolgen von einseitigen Zielen und Vorurteilen passieren heute die meisten Fehler. Wer die Natur des Pferdes achtet, findet heraus, dass die Grundgesetze zur Erzielung und Erziehung eines guten Pferdes nur der Natur abzulauschen sind. Die logische Konsequenz? Eine Haltung, die sich an der Natur des Pferdes orientiert, macht auch die Grunderziehung leichter.

Guérinière: Richtig, denn es gibt Pferde, denen alles Angst einjagt, wenn sie zu lange im Stall gestanden haben und das erste Mal wieder herauskommen. Diese Schreckhaftigkeit hält sicherlich nicht lange an, wenn Bewegungsmangel hierfür die Ursache ist. Man führe das Pferd also mit Geduld an die unheimlichen Gegenstände heran und überlege, ob es künftig nicht besser wäre, der Bewegungsfreude des jungen Pferdes in der Haltung entgegen zu kommen.

Pluvinel: Geduld ist überhaupt am Wichtigsten: bei der Grundausbildung ist besonderes Augenmerk darauf zu legen, dem Pferde nicht durch ungerechte Strafen den Arbeitseifer zu nehmen und seine Gutwilligkeit zu ersticken, denn die Anmut eines jungen Pferdes ist wie der Duft einer Blüte, der – einmal verflogen – nie wiederkehrt.

Moderator: Sie alle beschreiben in Ihren Werken eigentlich nur vage, was vor der Reitausbildung kommen soll. Warum?

Steinbrecht: Ich denke ich kann für uns alle sprechen, wenn ich meine, dass die Erziehung des Pferdes vor der Reitausbildung zur Selbstverständlichkeit gehörte. Stillstehen, Hufe geben, das Pferd an schreckhafte Gegenstände heranführen, das waren Notwendigkeiten, die vor dem Eintritt in eine Reitakademie selbstverständlich zur Ausbildung gehörten und weniger Worte bedurften.

Moderator: Warum ist Hilfe bei der Erziehung heute so notwendig geworden?

Steinbrecht: Wer früher ein Pferd in die Ausbildung gab, für den kam nur ein kundiger Fachmann in Frage. Denn wie jeder Vater es doch vorzieht, seinen Kindern den ersten Elementarunterricht lieber durch einen wissenschaftlich gebildeten Mann erteilen zu lassen, als durch einen beschränkten Schulmeister, so sollte doch auch heute jeder Pferdebesitzer ein junges Pferd von Beginn an einem gebildeten, kunstsinnigen Reiter übergeben.

Guérinière: Früher hatte man für den ersten Umgang mit Jungpferden, die in wildem Zustand von der Weide kamen, besondere Fachleute, die sich durch besondere Geduld, Geschicklichkeit, Unerschrockenheit und Fleiß auszeichneten. Ihre Arbeit lag darin, die jungen Tiere an den Stall zu gewöhnen, an Berührungen, an das Heben der Füße, sowie auch an Zaumzeug, Sattel und Schweifriemen. Auch die Gewöhnung an den Gurte und das erste zwanglose Aufsteigen gehörte zu ihren Aufgaben.

Pluvinel: Ich werde daher nicht müde zu betonen, dass ein rohes Pferd am besten durch einen Könner ausgebildet wird statt durch jemanden, der keine, oder sehr wenig Ahnung davon hat. Derjenige, der Pferde ausbildet muss sehr viel Geduld und Durchsetzungsvermögen haben.

Moderator: Verraten Sie uns doch, worauf Sie bei der Grundausbildung Wert legten?

Steinbrecht: Die erste Sorge des Bereiters war darauf gerichtet, das Gemüt des jungen, bis dahin in Freiheit aufgewachsenen Pferdes ruhig zu halten und vor Misstrauen und Furcht zu bewahren. Im Stall soll das Pferd daher sanft, freundlich und mit großer Geduld behandelt werden. Zum Zeitvertreib ausgeführte Liebkosungen, Spielereien und Verhätschelungen durch Zucker oder Brot taugen nichts bei jungen Pferden. Gleichmäßige ruhige Behandlung wird das gutmütige Pferd gemütlich erhalten und das schüchterne, nervöse Pferd beruhigen. Bei Beginn der Arbeit bleibe man diesem Grundsatz treu und tue dem jungen Pferd so wenig wie möglich Zwang an.

Pluvinel: Man muss schon auch den Charakter des Pferdes lesen können. Daher gilt: sobald mit der Erziehung begonnen wird, richte man sich nach Stärke, Gutwilligkeit und Veranlagung des Pferdes. Von einem jungen Pferd verlange ich nicht mehr als die Hälfte von dem, was es gerade leisten kann. Das Pferd lernt schließlich jede Aufgabe nicht anders als durch gute Gewöhnung. Ich gebe gerne den Leitsatz weiter „mehr mit dem Hirn und Geist des Körpers zu arbeiten, als mit den Beinen“ und damit mit Gefühl und Einschätzungsvermögen vorzugehen.

Steinbrecht: Da gehört für mich auch unbedingt die Motivation des Geistes dazu: denn da unser Jungpferd so viel zu lernen hat und auch in Zukunft angehalten wird, dem leisesten Wink des Reiters Folge zu leisten, sind die geistigen Fähigkeiten des Pferdes ebenso zu trainieren. Dadurch wird es auch anhänglicher und zutraulicher zu seinem Menschen.

Guérinière: Man arbeite des Pferd quasi mit allen Sinnen, dem Gehör, dem Gefühl und mit dem Gesichtssinn. Dieser wird angesprochen, wenn man dem Pferd beibringt, sich Gegenständen zu nähern, die sein Misstrauen erregen. Zu meiner Zeit richtete man Pferde vornehmlich auf den Sinn des Gehörs ab, wenn man es an das Geräusch der Waffen, Trommeln und anderen kriegerischen Lärm gewöhnte. Dies sehe ich heute vernachlässigt, denn ein unerschütterliches Gemüt hat auch mit der unaufgeregten Wahrnehmung von Geräuschen zu tun.
Der Sinn des Gefühls ist jedoch der Notwendigste, denn durch diesen lehrt man ein Pferd der geringsten Bewegung von Hand und Schenkeln zu gehorchen. Wenn wir also von der Reitkunst sprechen, trifft dies auch auf elementare Dinge wie Füße heben, dem Menschen überall hin zu folgen, auf Fingerzeig zu weichen oder stillzustehen, zu.

Moderator: Ist Grunderziehung ist auch der Moment, um Grenzen zu setzen?

Guérinière: Man muss den Charakter eines Pferdes gut kennen, wenn man Strafen richtig setzen will. Sie müssen immer der Größe des Fehlers entsprechen, allerdings darf man nicht sämtliche Fehler, die ein Pferd macht, wiederholt für Widersetzlichkeiten halten, denn größtenteils entstehen sie aus Unwissenheit oder oft auch aus einer Schwäche des Pferdes.

Pluvinel: Wenn ein Pferd sich weigert zu gehorchen, wird der kluge Ausbilder überlegen, warum das so ist. Wenn das Pferd ungeduldig, bösartig oder sogar jähzornig ist, muss man sich davor hüten, es zu schlagen. Bei einem langsam lernenden Pferd muss man die Aufgabe stark erleichtern, indem man diese genauso wie die folgenden einfach durch mehrere Wiederholungen fortsetzt.

Guérinière: Die Mehrzahl aller Widersetzlichkeiten bei Pferden ist nicht auf schlechte Veranlagung zurück zu führen. Mich wundert der heute so geläufige Begriff des „Problempferdes“. Warum sprechen wir nicht vom „Problemreiter“, der häufig Dinge von den Pferden verlangt, die sie noch nicht leisten können. Man strengt die Pferde zu sehr an. Derartig großer Zwang macht ihnen sodann die Arbeit verhasst, ermüdet sie und verschleißt ihren Körper, Sehnen und Nerven, deren Leistungsfähigkeit doch erst ihre Biegsamkeit ermöglichen.

Für Mangel an Folgsamkeit bei Pferden gibt es zwei Ursachen, nämlich äußere und innere Mängel: äußere Mängel sind Schwächen von Körperteilen, die entweder von Geburt an vorhanden oder durch Krankheit oder Unfall entstanden sind. Diese betreffen den Rücken, die Hinterhand, Gelenke, Beine oder manchmal sogar den Gesichtssinn. Innerliche Mängel, die den Charakter eines Pferdes betreffen, sind Furchtsamkeit, Weichlichkeit, Faulheit, Ungeduld, Zorn und Bosheit. Viele dieser Mängel, sind allerdings erst durch den Menschen verursacht. Zornige Pferde sind somit zu Unrecht geschlagen worden, denn die Unvernunft und üble Laune mancher Reiter macht mehr Problempferde als die Natur.

Moderator: Wann würden Sie denn überhaupt mit der Grundausbildung beginnen?

Guérinière: Das richtige Alter um ein Pferd abzurichten ist je nach klimatischen Aufzuchtbedingungen sechs, sieben oder acht Jahre. Vor dem Anreiten gehe ich nun von einem Pferd aus, das in diesem Alter ist und das man daran gewöhnt hat, die Annäherung des Menschen sowie das Auflegen des Sattels und die Zäumung zu dulden.

Moderator: Durch den Mangel an Reitakademien müssen Pferdebesitzer heute zum Ausbilder ihrer Pferde werden. Welchen Grundsatz geben sie diesen Menschen mit?

Guérinière: Halten Sie sich an die kluge Vorgehensweise der Pferdefreunde aus vergangenen Tagen, holen Sie sich fachkundige Unterstützung, dann wären weit weniger Pferde lahm, verdorben, widersetzlich und falsch.

Pluvinel: Die Pferde müssen Freude daran haben, geritten zu werden. Reiter und Pferd kann ohne diese Freude nichts mit wirklicher Eleganz und Ausstrahlung gelingen.

Steinbrecht: Und bedenken Sie stets: Es kommt nicht auf die Lektionen an, die sich das Pferd erwirbt, sondern auf deren Inhalte.

Moderator: Vielen Dank meine Herren! Hoffen wir, dass sich viele Menschen bei der Ausbildung ihrer Pferde an Ihre Worte erinnern.

2017 – das Ende der Hufeisen?

2017 – das Ende der Hufeisen?

Das „eiserne Zeitalter“ hat ein Ende- so prägnant wird es im folgenden Videoclip über ein neues Projekt rund um einen Hufschutz formuliert. Sabine Walters vom „Team Megasus“, wie kam es zu dem Wunsch einen Hufschutz zu entwickeln, der ohne Eisen und Nägel auskommt?

 

 

Sabine Walters: Stell dir vor, du hättest die Wahl zwischen Eisenschuhen und Sportschuhen – welche würdest du wählen, um eine Runde zu joggen?

Seit Jahren hören wir von Fachleuten aus Wissenschaft und Veterinärmedizin, dass Hufeisen wohl ein „notwendiges Übel“ seien. Das wollen wir ändern. Denn während es für uns Menschen selbstverständlich ist, moderne Technologien für die Entwicklung unsere eigenen Sportschuhe zu nutzen, laufen Pferde seit über zweitausend Jahren mit starren, unbeweglichen Eisen an den Hufen. Und das, obwohl das Material „Eisen“ als Hufschutz zweifelsohne ungeeignet ist.
Der natürliche Huf kann Unebenheiten des Bodens durch seine vertikale Beweglichkeit ausgleichen, ohne dass sich die darüber liegenden Gelenke anpassen müssen. Fixiert man den Huf durch ein starres Hufeisen, wird der Huf quasi eingegipst. Die Beweglichkeit und damit die Durchblutung des Hufs werden eingeschränkt und Sehnen, Bänder und Knochen belastet.

Jedoch haben Pferde dieselben Knochen, Bänder und Sehnen wie wir Menschen und mit Megasus Horserunners geben wir ihnen die Möglichkeit eines nicht permanenten Hufschutzes, der immer dann zu Einsatz kommt, wenn sie ihn brauchen. Denn Megasus können jederzeit an- und auszogen werden – wie Sportschuhe. Sie sind stoßdämpfend, flexibel an jede Hufform anpassbar und erlauben alle natürlichen Hufbewegungen.

Ist Megasus für jedes Pferd und jede Sparte geeignet?

Sabine Walters: Megasus Horserunners sind ein „allround“ Hufschutz, entwickelt für Freizeitreiter, die gerne ins Gelände ausreiten gehen und bei kleinen Wettbewerben mitmachen möchten.

So können Reiter ihre Pferde größtenteils barhuf gehen lassen und Megasus als Hufschutz bei längeren Ausritten oder Wanderritten, im Turniereinsatz oder bei saisonal bedingtem vermehrtem Abrieb verwenden.

Bei Bedarf ist medizinische oder orthopädische Versorgung dabei jederzeit möglich, denn Megasus können einfach ausgezogen und nach der Versorgung wieder angeklippt werden.

Es gibt noch viel zu tun. Wir tüfteln ständig an neuen Ideen und sehen die starke positive Resonanz der letzten Wochen und Monate auch als Auftrag! Deshalb planen wir, neben den Megasus Horserunners auch noch weitere Produkte zu entwickeln, die speziell auf die Bedürfnisse einzelner Sportarten zugeschnitten sind. Megasus RACE und Megasus SLIDE hört sich doch gut an, oder?

Was wenn dem Pferdebesitzer zu einem Korrekturbeschlag geraten wird?

Sabine Walters: Megasus Horserunners sind ein leichter, stoßdämpfender Hufschutz, der den Huf vor zu viel Abrieb schützt. Zudem können sie noch wie Turnschuhe an- und ausgezogen werden, so dass das Pferd Barhuf gehen und damit das Hufhorn, Sehnen und Bänder trainieren kann. Das fördert die Durchblutung und die Gesundheit. Orthopädische oder krankheitsbedingte Korrekturen werden von Tierarzt, Hufschmied/ -orthopäde angeraten und durchgeführt, d. h. die Fachfrau/ der Fachmann bestimmen die Korrektur erstmal unabhängig vom Hufschutz. Inwieweit Megasus Horserunners für Korrekturen verwendet werden kann, muss sich im Einzelfall von der Fachfrau/-mann angeschaut werden.

Was ist der besondere Unterschied zwischen Megasus, Klebebeschlag oder einem Hufschuh?

Sabine Walters: Im Grunde haben wir alle das gleiche Ziel: Wir wollen, dass es unseren Pferden gut geht und dass sie gesund sind. Das Einzigartige an Megasus ist, dass sie dank der verschiebbaren Side Clips individuell an den Huf angepasst werden können. Das Mega-Lock Verschlusssystem sorgt für felsenfesten Halt, ohne am Huf zu scheuern oder zu drücken. Und damit ihr mit Megasus auch auf nasser Wiese Gas geben könnt, verwenden wir eine harte und eine weiche Kunststoffkomponente, die für Stabilität, guten Grip und Abriebfestigkeit sorgen.

Wie funktioniert Megasus in der Praxis? Von der „Montage“ bis zur täglichen Nutzung?

  • Größe messen (Hufbreite) und Megasus Größe auswählen. http://horserunners.com/hufformen-groessen/?lang=de
  • Erstmontage in vier einfachen Schritten:
  • Markiere die Position der Mega Lock Tapes am Huf sowie den Hufumriss am Megasus.
  • Klebe die Mega Lock Tapes auf den Huf
  • Schneide den Megasus mit einer Stichsäge außerhalb der Markierung.
  • Klippe die Side Clips an das Mega Lock Tape.

Nach dem ersten Anpassen der Side Clips können Megasus jederzeit und ganz einfach an- und ausgezogen werden. Megasus Horserunners können je nach Bedarf auch 24/7 am Pferdehuf bleiben. In diesem Fall empfehlen wir, sie nach ca. 1-2 Wochen runterzunehmen, um die Hufe etwas zu bearbeiten und die Megasus danach wieder aufzustecken. So behalten die Hufe immer die gleiche Form und werden nicht zu lang.

Ist der Kleber schädlich für das Pferd und wird der Klebestreifen durch Hufbearbeitung und natürlichen Abrieb nicht Stück für Stück abgenommen?

Sabine Walters: Die Mega-Lock Tapes sind mit einem Klebeband ausgestattet wo die Klebeschicht erst durch abziehen einer Schutzfolie aktiviert wird. Dieser Kleber ähnelt den wasserfesten Klebern aus der Humanmedizin, die als Wundpflaster bekannt sind. Diese Klebebänder werden eigens für unsere Anwendung entwickelt. Das Ziel ist eine so wenig wie möglich und so viel wie nötige Klebekraft zu erzielen. Wenig invasiv, damit nie das Hufhorn beschädigt wird und doch so stark und wasserfest, dass die Mega-Lock Tapes in der praktischen Anwendung bis zu 4 Wochen am Huf verbleiben können.

In 3 Wochen wächst der Huf etwas mehr als 0,5 cm. Das auf dem Huf befindliche Mega-Lock Tape wächst mit. Geht das Pferd immer wieder Barhuf oder wird der Huf in den 3 Wochen bearbeitet, dann wird der Abstand von dem einen Zentimeter nicht beklebter Hufwand (bis zum Boden) geringer. Nach 2-3 Wochen Abrieb des Hufhorns ist also nur mehr ein Abstand von ca. 0,5cm vom Mega-Lock Tape zum Boden zu messen. Eine Verringerung des Abstands des Mega-Lock Tapes zum Boden um 0,5cm hat keinen Einfluss auf die Haltbarkeit des Megasus am Huf. Nach ca. 3 Wochen wird das alte Mega-Lock Tape entfernt und ein neues aufgeklebt. Auch ein Kürzen des Mega-Lock Tapes in der Höhe ist mit einer Huffeile möglich.

Wie lange kann der Hufschutz vom Pferd getragen werden? Also wie lange ist die Haltbarkeit insgesamt? 

Sabine Walters: Wir entwickeln die Megasus Horserunners vor allem um eines zu erreichen: mehr Bewegung! Reiten soll richtig Spaß machen, egal welche Wege oder Untergründe man zur Verfügung hat. Harter Boden oder Schotter? Hört sich erst mal gruselig an, wenn man an das klassische Hufeisen oder an barhuf denkt. Aber mit den Megasus Horserunners? Da wird es so sein wie bei uns Menschen auch: wir ziehen Sportschuhe an und rennen kilometerlang auf befestigten Straßen, Schotter oder gar Asphalt. Obwohl wir persönlich weicheren Untergrund bevorzugen, auch beim Joggen, wird ein Reiten auch auf diesen Untergründen zum Genuss mit den Megasus Horserunners. Deshalb hoffen wir, dass ihr viel mehr reiten werdet als früher! Denn Bewegung ist das halbe Leben! Und vielleicht für Pferde sogar das Ganze :-).

Je nachdem wo und wie viel ihr reiten werdet, haben wir zum Ziel, dass die Megasus Horserunners 3-6 Monate halten. Für 8-12 Wochen sind Mega-Lock Tapes im Set enthalten.

Kann der Megasus auch während einer Hängerfahrt am Huf bleiben?

Sabine Walters: Ja.

 Wie sicher ist der Megasus auf Schnee und Eis?

Megasus Horserunners können mit Stollen oder Spikes ausgestattet werden: Dazu gibt es hier ein kleines Demo-Video:

Zubehör wie diesen wird ab April 2017 in unserem Online Shop zur Vorbestellung geben.

 

Wie kann man den Megasus Hufschutz bestellen? 

Sabine Walters: Die Megasus kommen im August 2017 auf den Markt.

Derzeit kann man sie jedoch schon zu einem günstigen Vorverkaufspreis vorbestellen. Dieser Preis gilt noch bis 07.01.2017.

Der günstige Vorverkaufspreis ist ein großes DANKESCHÖN von uns an alle Vorreiter, die uns schon jetzt unterstützen. 🙂

 

Wer jetzt vorbestellt, bekommt seine Megasus im Juli 2017 nach Hause geliefert – noch bevor sie am Markt erhältlich sind. 🙂

Wird der Megasus dann vom Hufbearbeiter angepasst oder ist es eine „Do it yourself“ Möglichkeit?

Sabine Walters: Beides ist möglich!
Wer kann Megasus montieren? Natürlich jeder Hufspezialist der sich solcher neuen Techniken nicht verwehrt. Das ist kein zu unterschätzender Faktor. Man muss Spaß und Freude daran haben solch einen Hufschutz zu montieren. Dann wird das Ergebnis gut sein. Geht jemand mit Widerwillen an eine solche Sache, ist es besser er lässt die Finger davon. Widerwillen ist ein Garant für Misslingen!

Unser Gedanke war das es heute schon einige Pferdebesitzer gibt, die sich ein solches System selbst montieren können. Andere wieder werden sich coachen lassen und mit der Zeit immer mehr Handgriffe selbst übernehmen.  Und wieder andere werden wie auch jetzt schon von Spezialistinnen betreut werden.

Liebe Sabine Walters, danke für das Interview. Ich freue mich sehr, dass eine solche Innovation aus meiner steirischen Heimat kommt.

Mehr über Megasus und die Aktionen bis 7.1. gibt es auf der Website des Teams.

Meine Pferde laufen übrigens seit Jahren barhuf – im Gelände bei hartem Untergrund mit Hufschuhen. Den Megasus werden wir sicherlich auch mal testen!

 

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Process versus Product

Process versus Product

Why do we love horses? Why do we want to reach a special goal with our equine friend? Marion van de Klundert is one of my licensed Branderup Trainer colleagues. During Summer Academy I had a nice chat with her about the differences between Process and Product in training horses?

Marion, why is it important to separate between Process and Product?

Marion: There are many differences between horses and humans. A horse lives much more in the ‘now’ and is not interested in any end product. On the contrary, we humans are especially interested in the end product, that is in our nature. A horse as a prey animal has to feel comfortable in the moment – for the now, a human plans for tomorrow as well. When you start working with a horse and you are only thinking about the goal, you are too much focused on the end product and you only think about the future. That does not really help the horse to learn. For example, how to teach the horse to go four steps backwards; he first has to understand what he should do. We need to build up communication. Let’s say you start from the ground, standing in front of your horse. You touch his nose with your finger and start to push a little. As soon as he moves only his body backwards at your request, you should reward him immediately and take away all pressure, don’t forget to exhale. If you repeat this a couple of times, the horse knows what you mean, and will start to offer you more. He can do one step, later two and if you practice enough he can do as many steps backwards as you like. But if you forget about the first rewards, and keep on asking him to go more backwards because you want FOUR steps immediately, he will not understand how to get the reward and will be stiff, angry, against you or he will freeze. These are states of mind where he can not learn. If you want your horse to be sensitive to your thoughts and energy you need to be aware of this. You will need a Process -oriented way of training.

Does this mean you should not have a goal?

Marion: You need to make a plan of course. It is necessary to have a long-term vision, then you can sort of visualize the road towards the goal. Instead of the Product you can focus on the Process. But you have to let go of any time schedule. You do not want to reach your goal tomorrow or next year, the horse will tell you when you are both ready.

Bent often says during his clinics: People do not know what they want but they want it now…

Marion: That is a beautiful and truthful quotation, but in the sentence it is hidden, that people have a goal and a time schedule. Having a goal is good, but having a time schedule, especially when people do not know what it is they really want does not help the horse to learn.

Wanting things is good but wanting it now in horse training is not the way to get there. And another thing is, for example: if you teach a horse a transition from walk to trot, you best do it whenever the walk feels right. Only when the horse understands what you mean (e.g process), you make it on a certain place, like the letter “A” (e.g. product). The letters in the riding arena are not the points the horse needs, if you want it on the special place too soon, the horse can not learn. It must understand already before you set it on a special place. People get sometimes too focused, and that does not really help the learning process.

That is an example from practice. We always speak about the two spirits and the two bodies. As a human we need to start to get into the horses spirit, before the horse can come into ours. We have to cross the border into the horses mind. The horse needs to get on the same road we want to travel.

So better spending just a good time together without exercising?

Marion: Of course you can just go into the forest and be together with your horse. But maybe you will walk in circles and always come to the same place again where you started from. The most important thing is harmony of course and that you experience things together. Is the forest a good experience? Yes! But one day you know the forest and you know it all, so you do not make any progress. So you need the combination of the forest with bad weather, for example. Make experience together and share things. If you get as many positive feelings together as possible, you will grow together. A human being is happy to develop.

And the horse?

Marion: A Horse is a horse, of course. It does not need to develop compared to the human development. But it feels the emotion of its rider. It will feel when his rider is happy and positive.

What do you recommend pupils that are very ambitious?

Marion: It might be a good idea to think about what the horse needs. If you want to win prizes you need a horse that wants to work with you. You have to consider the goal: Is it the process or is it the product, that is mainly the difference again. If you see the competition as a product and not see it as a thing on the road, you will get stressed and stiff. So I think that is also an explanation for an academic rider: A lot of academic riders do not want to do a test, because they do not want the feeling of a competition and the stress a test brings. But if you see the test as a check on your road, like am I still on the right track, so then it is more a check. You will find out what works and then you can pay attention to your homework.

Does learning make us happy?

Marion: Sometimes it occurs that you as a trainer know the road but your pupil is not happy about it in the moment. For example we are working on a circle in trot. The pupil is unsatisfied with the circle, so I come over and check: I ask about the rider’s feelings? What made you feel in trouble? I often get the answer; Nothing works! Ok, but what did still work? Did he have control over the speed? Yes, that was ok. What about the direction? That was ok too. And how about the circle form? That was not so bad. So what was difficult? I lost the bending of the horses spine. Ok, when did it still work? In walk, to the left. Ok, let’s go back there and see how we can build up again.

So if you sum up you will see: there where so many things that worked nice with the horse and so little that did not. We have to reflect about the success, afterwards we go into details, fix them and let go about the thoughts of the end product. Cut up the process into pieces and work about the little pieces and then check if the process is fine again. Work as if you were in a factory constructing four-legged chairs: There you might accidentally have a chair with three legs in end production. For the end product the correction comes too late but if you check the process you can stop the machine and find the missing link to the lost leg. Then you are happy after fixing the leg.

Do you have any rules working with progress and process?

Marion: Simplify everything and split it up into small steps. Take one step after another.

Can you give me an example like working with the shoulder-in?

Marion: A new student will get more guidance while practicing on little things and steps. Sometimes it helps not to talk about the name of the exercise, we talk instead about communication.

Then you come to the level of side movements. We talk about what it should look like and what it should feel like. Learning a shoulder in is no different from learning the circle. You need to split up the exercise in, for example, speed, direction, stellning, bending and collection. There are then five points to pay attention to. And in the weeks after that we add some points, we add them piece by piece so it is really simple. Keeping 1 to 20 points in balance, and then you know where the priority is. Make sure the student focuses on the process, then you’re all fine.

I always tell my students to focus on what to do, because if I teach them “Do not think about the pink elephant” that advice gives the opposite picture in the human mind. A horses mind can melt together with the humans mind. They both think then about “the pink elephant”. This example is funny, but what if we think about: “My horse should not spook and fall on the outside shoulder?” I tell my students what to do and to focus on what is going right.

What do you think about writing plans?

Marion: With a new pupil I always sit together and make a plan, kind of a roadmap. Of course the pupil will have to find it is own way and also his horse and I can be their navigator, or process manager.

If you know it is all about process than you can let go of all the tension, in a process there is always something that goes the right way. It gets easier being happy and spending a good time with the horse, than forcing the horse to be an end product. That is always nicer for a hobby. Remember we are allowed to ride, we do not have to.

Thank you Marion for the Interview. More about Marion’s work you will find on her website!

 

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Von Pferden lernen

Von Pferden lernen

Für viele Kinder und Jugendliche heißt es jetzt: Zurück an die Schulbank. Tausche den Sommer draußen, die Natur gegen Schule? Muss nicht komplett sein. Lernen kann man auch mit Pferden – vor allem, wenn es darum geht ein paar Hürden zu überwinden.

Meine Schülerin Sandra Tiefengraber hat sich auf das Lernen von und mit Pferden spezialisiert – aber wie funktioniert das genau und wie können uns Pferde eigentlich mental stärken? 

Sandra Tiefengraber: Indem sie uns ein ehrliches Feedback von uns selbst geben. Pferde verstellen sich nicht, sie reagieren spontan auf uns und unsere Emotionen. Unsere Schwächen und Stärken werden unverfälscht aufgezeigt. Es liegt an uns, diese Informationen zu verarbeiten. Pferde schaffen es fast im selben Atemzug, uns auf den Boden der Tatsachen zurückholen um uns im nächsten Moment Flügel wachsen zu lassen – sofern wir uns darauf einlassen 😉

Beim easy riding – easy learning Lerntraining (EREL) verlegen wir den Schreibtisch in die Natur. Mit unseren Pferden, Bewegung in der Natur und ganz viel Spaß geht alles viel leichter. So werden Rahmenbedingungen für das Lernen geschaffen, die das Gehirn mit allen Sinnen und Freude trainieren. Gelerntes kann dauerhaft gespeichert werden und ist so auch unter Stress wieder abrufbar.

Kinder lernen grundsätzlich sehr gerne, manchmal braucht es jedoch zusätzliche Unterstützung in Form eines Lerntrainings oder im Speziellen ein Legasthenie- und/oder Dyskalkulie-Training.

Eine Lernschwäche ist meist vorübergehend, die Ursachen können physische oder psychische sein, das familiäre Umfeld, Unterrichtsmethoden, Lerndefizite etc.

Spezielle Lernschwächen, wie Legasthenie (Lesen, Schreiben) und Dyskalkulie (Rechnen) – sind genbedingt schon bei der Geburt als Anlage vorhanden.

Kinder bzw. Menschen mit Lernstörungen (Legasthenie, Dyskalkulie) sind normal bis überdurchschnittlich Intelligent, oft sehr kreativ und hochbegabt – aber keineswegs faul oder dumm! Es handelt sich auch um keine Krankheit oder Behinderung. Durch ihre differenzierten Teilleistungen empfinden sie anders und nehmen ihre Umwelt einfach anders wahr. Dadurch ergibt sich beim Erlernen von Lesen/Schreiben/Rechnen ein individueller Zugang. Wichtig ist, die Anzeichen so früh wie möglich zu erkennen, so ist z.B. die Krabbelphase ein sehr wichtiger Abschnitt für die Entwicklung der Schreib- und Lesekoordination. Oft wird diese Krabbelphase bei Legasthenikern kaum ausgelebt oder sogar ausgelassen.

Wie sieht ein Lerntraining konkret aus?

Sandra Tiefengraber: Abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer findet das gezielte Lese-, Rechtschreib- und Rechentraining (unter anderem mit Symptrain© – Technik zur Zahlen-, Buchstaben- und Wortbildspeicherung) sowie das spezifische EREL-Teilleistungstraining statt. Bei den Teilleistungsbereichen geht es um Sinnesleistungen/Wahrnehmungsbereiche, die man beim Lesen, Schreiben und Rechnen braucht:

  • optische Differenzierung: Gleiches und Ungleiches erkennen und auseinander halten
  • optisches Gedächtnis: Gesehenes merken und gegebenenfalls wiedergeben
  • optische Serialität: Gesehenes der Reihe nach ordnen zu können
  • akustische Differenzierung: die Fähigkeit, Unterschiede zu hören
  • akustisches Gedächtnis: Gehörtes abspeichern und gegebenenfalls wiedergeben
  • akustische Serialität: die Reihenfolge des Gehörten merken und wiedergeben
  • Raumorientierung: räumliche Beziehungen richtig wahrnehmen
  • Körperschema: Basis für die Raumorientierung, vorne/hinten, unten/oben, rechts/links

 

Bereits beim Putzen der Pferde werden spielerisch Teilleistungsbereiche trainiert. Dazu eignen sich, um eines von vielen Beispielen zu nennen, verschiedenfarbige Bürsten. Die Kinder suchen nach Anweisung das richtige Putzzeug, gehen zum Pferd und fangen an der ihnen zugewiesenen Seite zu putzen an (optische Differenzierung, Raumlage, Körperschema).

Bunte Schwimmnudeln sind eine tolle Hilfe für das optische Gedächtnis, akustische/optische Serialität und die Raumlage. Es wird eine Farbreihe vorgegeben, und die Kids erhalten die Aufgabe, diese mit dem Pferd in der richtigen Reihenfolge zu überqueren. Es ist äußerst spannend zu beobachten, dass sich Kinder zu Beginn des Trainings oft nur 2 bis max. 3 Farben merken können, sich die Merkfähigkeit und Konzentration im fortgeschrittenen Trainingsstand jedoch deutlich steigern!

Der Schritt der Pferde eignet sich toll für Übungen im akustischen Bereich.

Es bereitet den Kindern sehr viel Freude, auf dem Pferd den Takt des Pferdeschritts mit zu trommeln.

Für welche Kinder ist das Lerntraining mit Pferden geeignet?

Sandra Tiefengraber: Für alle Kinder! Im Speziellen profitieren natürlich besonders Kinder mit Lernblockaden, Teilleistungsschwächen, Legasthenie, Dyskalkulie, Schulangst, Prüfungsangst, Stress etc.

Das Training mit Pferden fördert die Motorik und Feinmotorik, löst Spannungen und stärkt das Selbstbewusstsein. Konzentration und Ausdauer werden gesteigert. Es verbessert das Körpergefühl, Kinder müssen oft erst lernen, sich im Raum zu orientieren und ihren Körper kennenlernen. Das klappt mit den Pferden natürlich wunderbar. Aber auch die Integration von rechter und linker Gehirnhälfte, vorne/hinten, unten/oben.

Gerade im Bereich der Motorik/des Körpergefühls kann es auch bei Kindern ohne nachgewiesene Lernstörungen/Lernschwächen Defizite geben.

Die Kids verbringen heutzutage leider sehr viel (oft zu viel) Zeit vor TV-Computer-Handy. Kombiniert mit einer ungesunden Ernährung steigert sich der negative Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns weiter.

Wie erlebst du deine Pferde in solch einer Situation?

Sandra Tiefengraber: Erstmal von Pferd zu Pferd Grund verschieden 😉 Ich bin meinen Pferden unendlich dankbar, dass sie so einen großartigen Job leisten.

Santos ist ja bereits 22 Jahre und bringt entsprechend viel Erfahrung mit. Für ihn ist es ein toller Herzensjob und seine Berufung. Er ist sich seiner wichtigen Aufgabe sehr bewusst und spiegelt die Kinder auf charmante Weise J Am liebsten arbeitet er mit Kindern, die sehr wenig bis gar kein Selbstvertrauen mitbringen. Durch seine riesige Erscheinung und seine liebenswerte Art ist er unser „Selbstwert-Pusher“. Nach nur wenigen Einheiten auf ihm scheint es für viele Kids, dass die Sterne greifbar sind. Santos wird dadurch natürlich zum Held, und er genießt es, betüddelt und geliebt zu werden 🙂

Stellato steht mit seinen 8 Jahren noch am Beginn seiner Ausbildung zum Co-Trainer bei den Lerntrainings. Er geht irrsinnig offen auf Kinder zu und passt auch entsprechend gut auf. Er schafft es, schüchterne Kinder aus ihrem Schneckenhaus zu holen da er einfach ein Prinz-Charming ist.

Amigo, 11 Jahre alt, ist anders als alle anderen 😉 Er leistet bei nervösen oder hyperaktiven Kindern seinen wertvollen Beitrag. Ist jemand auf seinem Rücken angespannt und nervös, beginnt auch er flach zu atmen und verliert den Takt. Den Kindern fällt dies sehr rasch auf und sie fragen sich natürlich warum… Hier kommen Atem- und Ruheübungen – verpackt in einer netten Geschichte um Amigo – zum Einsatz. Binnen kürzester Zeit geht Amigo wieder ruhig im Takt, senkt den Kopf und beginnt abzuschnauben wie eine alte Dampflok – die Kids finden das lustig und absolvieren die restliche Einheit meist ohne dass ein weiteres Zeichen von Amigo nötig wäre.

Wohin der Weg von Amor führt, wird die Zeit zeigen 😉

Welche Veränderungen sind bei den Kindern festzustellen?

Sandra Tiefengraber: Vorweg muss hier erwähnt werden, dass jede Art von Lernstörung Stress verursacht. Betroffene Kinder kämpfen quasi vom Stammhirn aus ums Überleben!

Stress ist zwar überlebensnotwendig, wenn z.B. ein großer Felsbrocken auf uns zurollt und wir ausweichen müssen. Er kann uns in alltäglichen Situationen jedoch auch behindern und uns krankmachen – wo wir doch eigentlich nur lernen wollen!

Stress ist das, was uns antreibt – aber auch das, was uns blockiert!

Die Veränderung der Kinder durch das Lerntraining ist enorm! Sie finden wieder Freude am Lernen und brechen aus alten Mustern aus. Das Tolle ist, dass es sehr viele Übungen – speziell im mentalen Bereich – gibt, die sie eben auch in Stress-Situationen abrufen können. Sei es im „normalen“ Schulalltag oder in besonderen Situationen wie Prüfungen, Schularbeiten etc. Und selbstverständlich auch im Alltag und ihr restliches Leben.

Was hast du von deinen Pferden gelernt?

Sandra Tiefengraber: Bei weitem noch nicht alles 😉 Die wichtigsten Lehren erteilen sie mir Tag für Tag aufs Neue: ehrlich zu mir selbst zu sein und zu meinen Gefühlen zu stehen. Santos läuft in Windeseile von mir weg, wenn er merkt, dass es mir eigentlich nicht gut geht und ich dies in mich hineinfresse oder vertuschen möchte.

Charakterliche Grundzüge des anderen zu akzeptieren und einfach anzunehmen lehrt mich Amigo. Vieles geht seit dieser Erkenntnis wie von selbst. Wir sind wahrscheinlich beide manchmal nicht so einfach, seit wir uns jedoch so annehmen wie wir sind, vor allem ich ihn, haben wir eine sehr harmonische und ausgeglichene Pferd-Mensch-Beziehung.

Amor lehrt mich wie kein anderes Pferd Geduld, Ruhe und auch ein kleines bisschen Nachsicht.

Stellato wohnt erst ein halbes Jahr bei uns, derzeit genieße ich einfach die gemeinsame Zeit mit ihm, seine Lehren werden bestimmt noch kommen 😉

Das Tolle ist, dass mir alle 4 Pferde tagtäglich unterschiedliche Spiegel vors Gesicht halten. Die Erkenntnisse sind manchmal belustigend, dann aber auch wieder traurig und schmerzvoll. Wichtig ist, nicht still zu stehen, ein Leben lang die Freude am Lernen zu bewahren (oder wiederzufinden) und immer weiter an sich selbst arbeiten zu wollen – auch einmal das eigene Ego zu verdrängen und bewusster im Hier und Jetzt zu leben.

Gibt es Einschränkungen beim Alter bei den Kindern in Bezug auf die Teilnahme?

Sandra Tiefengraber: Es gibt keine Alterseinschränkungen bei den Kindern. Kindergartenkinder profitieren ebenso von einem EREL-Training – z.B. in Hinblick auf eine frühzeitige Erkennung von Teilleistungsschwächen – wie Volksschulkinder oder Kinder höherer Schulstufen.

Was können Erwachsene für ihren Alltag mitnehmen?

Sandra Tiefengraber: Erwachsene lernen im besten Fall, dass es nie zu spät ist zu beginnen! Manchmal braucht es besondere Wege, um sich seiner Probleme zu stellen. Was für Kinder gilt, verliert auch im Erwachsenenalter nicht seine Gültigkeit – aus alten Mustern auszubrechen, wieder Freude am Lernen zu erfahren und im Hier und Jetzt zu leben stehen auch hier im Vordergrund.

Gehen die Pferde unterschiedlich mit ihren Schülern um – also gibt es Unterschiede zwischen Kind oder Erwachsener?

Sandra Tiefengraber: Nicht immer, aber doch sehr oft. Meine Pferde sind mit Kindern viel nachsichtiger und geduldiger. Kinder leben für den Moment und zerdenken Dinge nicht ständig, sie lassen sich viel offener und aufrichtiger auf die Pferde ein, das spiegelt sich natürlich auch im Training wider.

Santos ist der einzige, der mit Kindern besser kann. Kinder sind einfach sein Ein und Alles.

 

Lernen wir mit Pferden, dann Lernen wir Einfach 😉

Vielen Dank an Sandra Tiefengraber für dieses herzliche und motivierende Interview. Mehr über Sandras Arbeit gibt es auf Ihrer Website

 

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