2017 – das Ende der Hufeisen?

2017 – das Ende der Hufeisen?

Das „eiserne Zeitalter“ hat ein Ende- so prägnant wird es im folgenden Videoclip über ein neues Projekt rund um einen Hufschutz formuliert. Sabine Walters vom „Team Megasus“, wie kam es zu dem Wunsch einen Hufschutz zu entwickeln, der ohne Eisen und Nägel auskommt?

 

 

Sabine Walters: Stell dir vor, du hättest die Wahl zwischen Eisenschuhen und Sportschuhen – welche würdest du wählen, um eine Runde zu joggen?

Seit Jahren hören wir von Fachleuten aus Wissenschaft und Veterinärmedizin, dass Hufeisen wohl ein „notwendiges Übel“ seien. Das wollen wir ändern. Denn während es für uns Menschen selbstverständlich ist, moderne Technologien für die Entwicklung unsere eigenen Sportschuhe zu nutzen, laufen Pferde seit über zweitausend Jahren mit starren, unbeweglichen Eisen an den Hufen. Und das, obwohl das Material „Eisen“ als Hufschutz zweifelsohne ungeeignet ist.
Der natürliche Huf kann Unebenheiten des Bodens durch seine vertikale Beweglichkeit ausgleichen, ohne dass sich die darüber liegenden Gelenke anpassen müssen. Fixiert man den Huf durch ein starres Hufeisen, wird der Huf quasi eingegipst. Die Beweglichkeit und damit die Durchblutung des Hufs werden eingeschränkt und Sehnen, Bänder und Knochen belastet.

Jedoch haben Pferde dieselben Knochen, Bänder und Sehnen wie wir Menschen und mit Megasus Horserunners geben wir ihnen die Möglichkeit eines nicht permanenten Hufschutzes, der immer dann zu Einsatz kommt, wenn sie ihn brauchen. Denn Megasus können jederzeit an- und auszogen werden – wie Sportschuhe. Sie sind stoßdämpfend, flexibel an jede Hufform anpassbar und erlauben alle natürlichen Hufbewegungen.

Ist Megasus für jedes Pferd und jede Sparte geeignet?

Sabine Walters: Megasus Horserunners sind ein „allround“ Hufschutz, entwickelt für Freizeitreiter, die gerne ins Gelände ausreiten gehen und bei kleinen Wettbewerben mitmachen möchten.

So können Reiter ihre Pferde größtenteils barhuf gehen lassen und Megasus als Hufschutz bei längeren Ausritten oder Wanderritten, im Turniereinsatz oder bei saisonal bedingtem vermehrtem Abrieb verwenden.

Bei Bedarf ist medizinische oder orthopädische Versorgung dabei jederzeit möglich, denn Megasus können einfach ausgezogen und nach der Versorgung wieder angeklippt werden.

Es gibt noch viel zu tun. Wir tüfteln ständig an neuen Ideen und sehen die starke positive Resonanz der letzten Wochen und Monate auch als Auftrag! Deshalb planen wir, neben den Megasus Horserunners auch noch weitere Produkte zu entwickeln, die speziell auf die Bedürfnisse einzelner Sportarten zugeschnitten sind. Megasus RACE und Megasus SLIDE hört sich doch gut an, oder?

Was wenn dem Pferdebesitzer zu einem Korrekturbeschlag geraten wird?

Sabine Walters: Megasus Horserunners sind ein leichter, stoßdämpfender Hufschutz, der den Huf vor zu viel Abrieb schützt. Zudem können sie noch wie Turnschuhe an- und ausgezogen werden, so dass das Pferd Barhuf gehen und damit das Hufhorn, Sehnen und Bänder trainieren kann. Das fördert die Durchblutung und die Gesundheit. Orthopädische oder krankheitsbedingte Korrekturen werden von Tierarzt, Hufschmied/ -orthopäde angeraten und durchgeführt, d. h. die Fachfrau/ der Fachmann bestimmen die Korrektur erstmal unabhängig vom Hufschutz. Inwieweit Megasus Horserunners für Korrekturen verwendet werden kann, muss sich im Einzelfall von der Fachfrau/-mann angeschaut werden.

Was ist der besondere Unterschied zwischen Megasus, Klebebeschlag oder einem Hufschuh?

Sabine Walters: Im Grunde haben wir alle das gleiche Ziel: Wir wollen, dass es unseren Pferden gut geht und dass sie gesund sind. Das Einzigartige an Megasus ist, dass sie dank der verschiebbaren Side Clips individuell an den Huf angepasst werden können. Das Mega-Lock Verschlusssystem sorgt für felsenfesten Halt, ohne am Huf zu scheuern oder zu drücken. Und damit ihr mit Megasus auch auf nasser Wiese Gas geben könnt, verwenden wir eine harte und eine weiche Kunststoffkomponente, die für Stabilität, guten Grip und Abriebfestigkeit sorgen.

Wie funktioniert Megasus in der Praxis? Von der „Montage“ bis zur täglichen Nutzung?

  • Größe messen (Hufbreite) und Megasus Größe auswählen. http://horserunners.com/hufformen-groessen/?lang=de
  • Erstmontage in vier einfachen Schritten:
  • Markiere die Position der Mega Lock Tapes am Huf sowie den Hufumriss am Megasus.
  • Klebe die Mega Lock Tapes auf den Huf
  • Schneide den Megasus mit einer Stichsäge außerhalb der Markierung.
  • Klippe die Side Clips an das Mega Lock Tape.

Nach dem ersten Anpassen der Side Clips können Megasus jederzeit und ganz einfach an- und ausgezogen werden. Megasus Horserunners können je nach Bedarf auch 24/7 am Pferdehuf bleiben. In diesem Fall empfehlen wir, sie nach ca. 1-2 Wochen runterzunehmen, um die Hufe etwas zu bearbeiten und die Megasus danach wieder aufzustecken. So behalten die Hufe immer die gleiche Form und werden nicht zu lang.

Ist der Kleber schädlich für das Pferd und wird der Klebestreifen durch Hufbearbeitung und natürlichen Abrieb nicht Stück für Stück abgenommen?

Sabine Walters: Die Mega-Lock Tapes sind mit einem Klebeband ausgestattet wo die Klebeschicht erst durch abziehen einer Schutzfolie aktiviert wird. Dieser Kleber ähnelt den wasserfesten Klebern aus der Humanmedizin, die als Wundpflaster bekannt sind. Diese Klebebänder werden eigens für unsere Anwendung entwickelt. Das Ziel ist eine so wenig wie möglich und so viel wie nötige Klebekraft zu erzielen. Wenig invasiv, damit nie das Hufhorn beschädigt wird und doch so stark und wasserfest, dass die Mega-Lock Tapes in der praktischen Anwendung bis zu 4 Wochen am Huf verbleiben können.

In 3 Wochen wächst der Huf etwas mehr als 0,5 cm. Das auf dem Huf befindliche Mega-Lock Tape wächst mit. Geht das Pferd immer wieder Barhuf oder wird der Huf in den 3 Wochen bearbeitet, dann wird der Abstand von dem einen Zentimeter nicht beklebter Hufwand (bis zum Boden) geringer. Nach 2-3 Wochen Abrieb des Hufhorns ist also nur mehr ein Abstand von ca. 0,5cm vom Mega-Lock Tape zum Boden zu messen. Eine Verringerung des Abstands des Mega-Lock Tapes zum Boden um 0,5cm hat keinen Einfluss auf die Haltbarkeit des Megasus am Huf. Nach ca. 3 Wochen wird das alte Mega-Lock Tape entfernt und ein neues aufgeklebt. Auch ein Kürzen des Mega-Lock Tapes in der Höhe ist mit einer Huffeile möglich.

Wie lange kann der Hufschutz vom Pferd getragen werden? Also wie lange ist die Haltbarkeit insgesamt? 

Sabine Walters: Wir entwickeln die Megasus Horserunners vor allem um eines zu erreichen: mehr Bewegung! Reiten soll richtig Spaß machen, egal welche Wege oder Untergründe man zur Verfügung hat. Harter Boden oder Schotter? Hört sich erst mal gruselig an, wenn man an das klassische Hufeisen oder an barhuf denkt. Aber mit den Megasus Horserunners? Da wird es so sein wie bei uns Menschen auch: wir ziehen Sportschuhe an und rennen kilometerlang auf befestigten Straßen, Schotter oder gar Asphalt. Obwohl wir persönlich weicheren Untergrund bevorzugen, auch beim Joggen, wird ein Reiten auch auf diesen Untergründen zum Genuss mit den Megasus Horserunners. Deshalb hoffen wir, dass ihr viel mehr reiten werdet als früher! Denn Bewegung ist das halbe Leben! Und vielleicht für Pferde sogar das Ganze :-).

Je nachdem wo und wie viel ihr reiten werdet, haben wir zum Ziel, dass die Megasus Horserunners 3-6 Monate halten. Für 8-12 Wochen sind Mega-Lock Tapes im Set enthalten.

Kann der Megasus auch während einer Hängerfahrt am Huf bleiben?

Sabine Walters: Ja.

 Wie sicher ist der Megasus auf Schnee und Eis?

Megasus Horserunners können mit Stollen oder Spikes ausgestattet werden: Dazu gibt es hier ein kleines Demo-Video:

Zubehör wie diesen wird ab April 2017 in unserem Online Shop zur Vorbestellung geben.

 

Wie kann man den Megasus Hufschutz bestellen? 

Sabine Walters: Die Megasus kommen im August 2017 auf den Markt.

Derzeit kann man sie jedoch schon zu einem günstigen Vorverkaufspreis vorbestellen. Dieser Preis gilt noch bis 07.01.2017.

Der günstige Vorverkaufspreis ist ein großes DANKESCHÖN von uns an alle Vorreiter, die uns schon jetzt unterstützen. 🙂

 

Wer jetzt vorbestellt, bekommt seine Megasus im Juli 2017 nach Hause geliefert – noch bevor sie am Markt erhältlich sind. 🙂

Wird der Megasus dann vom Hufbearbeiter angepasst oder ist es eine „Do it yourself“ Möglichkeit?

Sabine Walters: Beides ist möglich!
Wer kann Megasus montieren? Natürlich jeder Hufspezialist der sich solcher neuen Techniken nicht verwehrt. Das ist kein zu unterschätzender Faktor. Man muss Spaß und Freude daran haben solch einen Hufschutz zu montieren. Dann wird das Ergebnis gut sein. Geht jemand mit Widerwillen an eine solche Sache, ist es besser er lässt die Finger davon. Widerwillen ist ein Garant für Misslingen!

Unser Gedanke war das es heute schon einige Pferdebesitzer gibt, die sich ein solches System selbst montieren können. Andere wieder werden sich coachen lassen und mit der Zeit immer mehr Handgriffe selbst übernehmen.  Und wieder andere werden wie auch jetzt schon von Spezialistinnen betreut werden.

Liebe Sabine Walters, danke für das Interview. Ich freue mich sehr, dass eine solche Innovation aus meiner steirischen Heimat kommt.

Mehr über Megasus und die Aktionen bis 7.1. gibt es auf der Website des Teams.

Meine Pferde laufen übrigens seit Jahren barhuf – im Gelände bei hartem Untergrund mit Hufschuhen. Den Megasus werden wir sicherlich auch mal testen!

 

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Process versus Product

Process versus Product

Why do we love horses? Why do we want to reach a special goal with our equine friend? Marion van de Klundert is one of my licensed Branderup Trainer colleagues. During Summer Academy I had a nice chat with her about the differences between Process and Product in training horses?

Marion, why is it important to separate between Process and Product?

Marion: There are many differences between horses and humans. A horse lives much more in the ‘now’ and is not interested in any end product. On the contrary, we humans are especially interested in the end product, that is in our nature. A horse as a prey animal has to feel comfortable in the moment – for the now, a human plans for tomorrow as well. When you start working with a horse and you are only thinking about the goal, you are too much focused on the end product and you only think about the future. That does not really help the horse to learn. For example, how to teach the horse to go four steps backwards; he first has to understand what he should do. We need to build up communication. Let’s say you start from the ground, standing in front of your horse. You touch his nose with your finger and start to push a little. As soon as he moves only his body backwards at your request, you should reward him immediately and take away all pressure, don’t forget to exhale. If you repeat this a couple of times, the horse knows what you mean, and will start to offer you more. He can do one step, later two and if you practice enough he can do as many steps backwards as you like. But if you forget about the first rewards, and keep on asking him to go more backwards because you want FOUR steps immediately, he will not understand how to get the reward and will be stiff, angry, against you or he will freeze. These are states of mind where he can not learn. If you want your horse to be sensitive to your thoughts and energy you need to be aware of this. You will need a Process -oriented way of training.

Does this mean you should not have a goal?

Marion: You need to make a plan of course. It is necessary to have a long-term vision, then you can sort of visualize the road towards the goal. Instead of the Product you can focus on the Process. But you have to let go of any time schedule. You do not want to reach your goal tomorrow or next year, the horse will tell you when you are both ready.

Bent often says during his clinics: People do not know what they want but they want it now…

Marion: That is a beautiful and truthful quotation, but in the sentence it is hidden, that people have a goal and a time schedule. Having a goal is good, but having a time schedule, especially when people do not know what it is they really want does not help the horse to learn.

Wanting things is good but wanting it now in horse training is not the way to get there. And another thing is, for example: if you teach a horse a transition from walk to trot, you best do it whenever the walk feels right. Only when the horse understands what you mean (e.g process), you make it on a certain place, like the letter “A” (e.g. product). The letters in the riding arena are not the points the horse needs, if you want it on the special place too soon, the horse can not learn. It must understand already before you set it on a special place. People get sometimes too focused, and that does not really help the learning process.

That is an example from practice. We always speak about the two spirits and the two bodies. As a human we need to start to get into the horses spirit, before the horse can come into ours. We have to cross the border into the horses mind. The horse needs to get on the same road we want to travel.

So better spending just a good time together without exercising?

Marion: Of course you can just go into the forest and be together with your horse. But maybe you will walk in circles and always come to the same place again where you started from. The most important thing is harmony of course and that you experience things together. Is the forest a good experience? Yes! But one day you know the forest and you know it all, so you do not make any progress. So you need the combination of the forest with bad weather, for example. Make experience together and share things. If you get as many positive feelings together as possible, you will grow together. A human being is happy to develop.

And the horse?

Marion: A Horse is a horse, of course. It does not need to develop compared to the human development. But it feels the emotion of its rider. It will feel when his rider is happy and positive.

What do you recommend pupils that are very ambitious?

Marion: It might be a good idea to think about what the horse needs. If you want to win prizes you need a horse that wants to work with you. You have to consider the goal: Is it the process or is it the product, that is mainly the difference again. If you see the competition as a product and not see it as a thing on the road, you will get stressed and stiff. So I think that is also an explanation for an academic rider: A lot of academic riders do not want to do a test, because they do not want the feeling of a competition and the stress a test brings. But if you see the test as a check on your road, like am I still on the right track, so then it is more a check. You will find out what works and then you can pay attention to your homework.

Does learning make us happy?

Marion: Sometimes it occurs that you as a trainer know the road but your pupil is not happy about it in the moment. For example we are working on a circle in trot. The pupil is unsatisfied with the circle, so I come over and check: I ask about the rider’s feelings? What made you feel in trouble? I often get the answer; Nothing works! Ok, but what did still work? Did he have control over the speed? Yes, that was ok. What about the direction? That was ok too. And how about the circle form? That was not so bad. So what was difficult? I lost the bending of the horses spine. Ok, when did it still work? In walk, to the left. Ok, let’s go back there and see how we can build up again.

So if you sum up you will see: there where so many things that worked nice with the horse and so little that did not. We have to reflect about the success, afterwards we go into details, fix them and let go about the thoughts of the end product. Cut up the process into pieces and work about the little pieces and then check if the process is fine again. Work as if you were in a factory constructing four-legged chairs: There you might accidentally have a chair with three legs in end production. For the end product the correction comes too late but if you check the process you can stop the machine and find the missing link to the lost leg. Then you are happy after fixing the leg.

Do you have any rules working with progress and process?

Marion: Simplify everything and split it up into small steps. Take one step after another.

Can you give me an example like working with the shoulder-in?

Marion: A new student will get more guidance while practicing on little things and steps. Sometimes it helps not to talk about the name of the exercise, we talk instead about communication.

Then you come to the level of side movements. We talk about what it should look like and what it should feel like. Learning a shoulder in is no different from learning the circle. You need to split up the exercise in, for example, speed, direction, stellning, bending and collection. There are then five points to pay attention to. And in the weeks after that we add some points, we add them piece by piece so it is really simple. Keeping 1 to 20 points in balance, and then you know where the priority is. Make sure the student focuses on the process, then you’re all fine.

I always tell my students to focus on what to do, because if I teach them “Do not think about the pink elephant” that advice gives the opposite picture in the human mind. A horses mind can melt together with the humans mind. They both think then about “the pink elephant”. This example is funny, but what if we think about: “My horse should not spook and fall on the outside shoulder?” I tell my students what to do and to focus on what is going right.

What do you think about writing plans?

Marion: With a new pupil I always sit together and make a plan, kind of a roadmap. Of course the pupil will have to find it is own way and also his horse and I can be their navigator, or process manager.

If you know it is all about process than you can let go of all the tension, in a process there is always something that goes the right way. It gets easier being happy and spending a good time with the horse, than forcing the horse to be an end product. That is always nicer for a hobby. Remember we are allowed to ride, we do not have to.

Thank you Marion for the Interview. More about Marion’s work you will find on her website!

 

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Von Pferden lernen

Von Pferden lernen

Für viele Kinder und Jugendliche heißt es jetzt: Zurück an die Schulbank. Tausche den Sommer draußen, die Natur gegen Schule? Muss nicht komplett sein. Lernen kann man auch mit Pferden – vor allem, wenn es darum geht ein paar Hürden zu überwinden.

Meine Schülerin Sandra Tiefengraber hat sich auf das Lernen von und mit Pferden spezialisiert – aber wie funktioniert das genau und wie können uns Pferde eigentlich mental stärken? 

Sandra Tiefengraber: Indem sie uns ein ehrliches Feedback von uns selbst geben. Pferde verstellen sich nicht, sie reagieren spontan auf uns und unsere Emotionen. Unsere Schwächen und Stärken werden unverfälscht aufgezeigt. Es liegt an uns, diese Informationen zu verarbeiten. Pferde schaffen es fast im selben Atemzug, uns auf den Boden der Tatsachen zurückholen um uns im nächsten Moment Flügel wachsen zu lassen – sofern wir uns darauf einlassen 😉

Beim easy riding – easy learning Lerntraining (EREL) verlegen wir den Schreibtisch in die Natur. Mit unseren Pferden, Bewegung in der Natur und ganz viel Spaß geht alles viel leichter. So werden Rahmenbedingungen für das Lernen geschaffen, die das Gehirn mit allen Sinnen und Freude trainieren. Gelerntes kann dauerhaft gespeichert werden und ist so auch unter Stress wieder abrufbar.

Kinder lernen grundsätzlich sehr gerne, manchmal braucht es jedoch zusätzliche Unterstützung in Form eines Lerntrainings oder im Speziellen ein Legasthenie- und/oder Dyskalkulie-Training.

Eine Lernschwäche ist meist vorübergehend, die Ursachen können physische oder psychische sein, das familiäre Umfeld, Unterrichtsmethoden, Lerndefizite etc.

Spezielle Lernschwächen, wie Legasthenie (Lesen, Schreiben) und Dyskalkulie (Rechnen) – sind genbedingt schon bei der Geburt als Anlage vorhanden.

Kinder bzw. Menschen mit Lernstörungen (Legasthenie, Dyskalkulie) sind normal bis überdurchschnittlich Intelligent, oft sehr kreativ und hochbegabt – aber keineswegs faul oder dumm! Es handelt sich auch um keine Krankheit oder Behinderung. Durch ihre differenzierten Teilleistungen empfinden sie anders und nehmen ihre Umwelt einfach anders wahr. Dadurch ergibt sich beim Erlernen von Lesen/Schreiben/Rechnen ein individueller Zugang. Wichtig ist, die Anzeichen so früh wie möglich zu erkennen, so ist z.B. die Krabbelphase ein sehr wichtiger Abschnitt für die Entwicklung der Schreib- und Lesekoordination. Oft wird diese Krabbelphase bei Legasthenikern kaum ausgelebt oder sogar ausgelassen.

Wie sieht ein Lerntraining konkret aus?

Sandra Tiefengraber: Abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer findet das gezielte Lese-, Rechtschreib- und Rechentraining (unter anderem mit Symptrain© – Technik zur Zahlen-, Buchstaben- und Wortbildspeicherung) sowie das spezifische EREL-Teilleistungstraining statt. Bei den Teilleistungsbereichen geht es um Sinnesleistungen/Wahrnehmungsbereiche, die man beim Lesen, Schreiben und Rechnen braucht:

  • optische Differenzierung: Gleiches und Ungleiches erkennen und auseinander halten
  • optisches Gedächtnis: Gesehenes merken und gegebenenfalls wiedergeben
  • optische Serialität: Gesehenes der Reihe nach ordnen zu können
  • akustische Differenzierung: die Fähigkeit, Unterschiede zu hören
  • akustisches Gedächtnis: Gehörtes abspeichern und gegebenenfalls wiedergeben
  • akustische Serialität: die Reihenfolge des Gehörten merken und wiedergeben
  • Raumorientierung: räumliche Beziehungen richtig wahrnehmen
  • Körperschema: Basis für die Raumorientierung, vorne/hinten, unten/oben, rechts/links

 

Bereits beim Putzen der Pferde werden spielerisch Teilleistungsbereiche trainiert. Dazu eignen sich, um eines von vielen Beispielen zu nennen, verschiedenfarbige Bürsten. Die Kinder suchen nach Anweisung das richtige Putzzeug, gehen zum Pferd und fangen an der ihnen zugewiesenen Seite zu putzen an (optische Differenzierung, Raumlage, Körperschema).

Bunte Schwimmnudeln sind eine tolle Hilfe für das optische Gedächtnis, akustische/optische Serialität und die Raumlage. Es wird eine Farbreihe vorgegeben, und die Kids erhalten die Aufgabe, diese mit dem Pferd in der richtigen Reihenfolge zu überqueren. Es ist äußerst spannend zu beobachten, dass sich Kinder zu Beginn des Trainings oft nur 2 bis max. 3 Farben merken können, sich die Merkfähigkeit und Konzentration im fortgeschrittenen Trainingsstand jedoch deutlich steigern!

Der Schritt der Pferde eignet sich toll für Übungen im akustischen Bereich.

Es bereitet den Kindern sehr viel Freude, auf dem Pferd den Takt des Pferdeschritts mit zu trommeln.

Für welche Kinder ist das Lerntraining mit Pferden geeignet?

Sandra Tiefengraber: Für alle Kinder! Im Speziellen profitieren natürlich besonders Kinder mit Lernblockaden, Teilleistungsschwächen, Legasthenie, Dyskalkulie, Schulangst, Prüfungsangst, Stress etc.

Das Training mit Pferden fördert die Motorik und Feinmotorik, löst Spannungen und stärkt das Selbstbewusstsein. Konzentration und Ausdauer werden gesteigert. Es verbessert das Körpergefühl, Kinder müssen oft erst lernen, sich im Raum zu orientieren und ihren Körper kennenlernen. Das klappt mit den Pferden natürlich wunderbar. Aber auch die Integration von rechter und linker Gehirnhälfte, vorne/hinten, unten/oben.

Gerade im Bereich der Motorik/des Körpergefühls kann es auch bei Kindern ohne nachgewiesene Lernstörungen/Lernschwächen Defizite geben.

Die Kids verbringen heutzutage leider sehr viel (oft zu viel) Zeit vor TV-Computer-Handy. Kombiniert mit einer ungesunden Ernährung steigert sich der negative Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns weiter.

Wie erlebst du deine Pferde in solch einer Situation?

Sandra Tiefengraber: Erstmal von Pferd zu Pferd Grund verschieden 😉 Ich bin meinen Pferden unendlich dankbar, dass sie so einen großartigen Job leisten.

Santos ist ja bereits 22 Jahre und bringt entsprechend viel Erfahrung mit. Für ihn ist es ein toller Herzensjob und seine Berufung. Er ist sich seiner wichtigen Aufgabe sehr bewusst und spiegelt die Kinder auf charmante Weise J Am liebsten arbeitet er mit Kindern, die sehr wenig bis gar kein Selbstvertrauen mitbringen. Durch seine riesige Erscheinung und seine liebenswerte Art ist er unser „Selbstwert-Pusher“. Nach nur wenigen Einheiten auf ihm scheint es für viele Kids, dass die Sterne greifbar sind. Santos wird dadurch natürlich zum Held, und er genießt es, betüddelt und geliebt zu werden 🙂

Stellato steht mit seinen 8 Jahren noch am Beginn seiner Ausbildung zum Co-Trainer bei den Lerntrainings. Er geht irrsinnig offen auf Kinder zu und passt auch entsprechend gut auf. Er schafft es, schüchterne Kinder aus ihrem Schneckenhaus zu holen da er einfach ein Prinz-Charming ist.

Amigo, 11 Jahre alt, ist anders als alle anderen 😉 Er leistet bei nervösen oder hyperaktiven Kindern seinen wertvollen Beitrag. Ist jemand auf seinem Rücken angespannt und nervös, beginnt auch er flach zu atmen und verliert den Takt. Den Kindern fällt dies sehr rasch auf und sie fragen sich natürlich warum… Hier kommen Atem- und Ruheübungen – verpackt in einer netten Geschichte um Amigo – zum Einsatz. Binnen kürzester Zeit geht Amigo wieder ruhig im Takt, senkt den Kopf und beginnt abzuschnauben wie eine alte Dampflok – die Kids finden das lustig und absolvieren die restliche Einheit meist ohne dass ein weiteres Zeichen von Amigo nötig wäre.

Wohin der Weg von Amor führt, wird die Zeit zeigen 😉

Welche Veränderungen sind bei den Kindern festzustellen?

Sandra Tiefengraber: Vorweg muss hier erwähnt werden, dass jede Art von Lernstörung Stress verursacht. Betroffene Kinder kämpfen quasi vom Stammhirn aus ums Überleben!

Stress ist zwar überlebensnotwendig, wenn z.B. ein großer Felsbrocken auf uns zurollt und wir ausweichen müssen. Er kann uns in alltäglichen Situationen jedoch auch behindern und uns krankmachen – wo wir doch eigentlich nur lernen wollen!

Stress ist das, was uns antreibt – aber auch das, was uns blockiert!

Die Veränderung der Kinder durch das Lerntraining ist enorm! Sie finden wieder Freude am Lernen und brechen aus alten Mustern aus. Das Tolle ist, dass es sehr viele Übungen – speziell im mentalen Bereich – gibt, die sie eben auch in Stress-Situationen abrufen können. Sei es im „normalen“ Schulalltag oder in besonderen Situationen wie Prüfungen, Schularbeiten etc. Und selbstverständlich auch im Alltag und ihr restliches Leben.

Was hast du von deinen Pferden gelernt?

Sandra Tiefengraber: Bei weitem noch nicht alles 😉 Die wichtigsten Lehren erteilen sie mir Tag für Tag aufs Neue: ehrlich zu mir selbst zu sein und zu meinen Gefühlen zu stehen. Santos läuft in Windeseile von mir weg, wenn er merkt, dass es mir eigentlich nicht gut geht und ich dies in mich hineinfresse oder vertuschen möchte.

Charakterliche Grundzüge des anderen zu akzeptieren und einfach anzunehmen lehrt mich Amigo. Vieles geht seit dieser Erkenntnis wie von selbst. Wir sind wahrscheinlich beide manchmal nicht so einfach, seit wir uns jedoch so annehmen wie wir sind, vor allem ich ihn, haben wir eine sehr harmonische und ausgeglichene Pferd-Mensch-Beziehung.

Amor lehrt mich wie kein anderes Pferd Geduld, Ruhe und auch ein kleines bisschen Nachsicht.

Stellato wohnt erst ein halbes Jahr bei uns, derzeit genieße ich einfach die gemeinsame Zeit mit ihm, seine Lehren werden bestimmt noch kommen 😉

Das Tolle ist, dass mir alle 4 Pferde tagtäglich unterschiedliche Spiegel vors Gesicht halten. Die Erkenntnisse sind manchmal belustigend, dann aber auch wieder traurig und schmerzvoll. Wichtig ist, nicht still zu stehen, ein Leben lang die Freude am Lernen zu bewahren (oder wiederzufinden) und immer weiter an sich selbst arbeiten zu wollen – auch einmal das eigene Ego zu verdrängen und bewusster im Hier und Jetzt zu leben.

Gibt es Einschränkungen beim Alter bei den Kindern in Bezug auf die Teilnahme?

Sandra Tiefengraber: Es gibt keine Alterseinschränkungen bei den Kindern. Kindergartenkinder profitieren ebenso von einem EREL-Training – z.B. in Hinblick auf eine frühzeitige Erkennung von Teilleistungsschwächen – wie Volksschulkinder oder Kinder höherer Schulstufen.

Was können Erwachsene für ihren Alltag mitnehmen?

Sandra Tiefengraber: Erwachsene lernen im besten Fall, dass es nie zu spät ist zu beginnen! Manchmal braucht es besondere Wege, um sich seiner Probleme zu stellen. Was für Kinder gilt, verliert auch im Erwachsenenalter nicht seine Gültigkeit – aus alten Mustern auszubrechen, wieder Freude am Lernen zu erfahren und im Hier und Jetzt zu leben stehen auch hier im Vordergrund.

Gehen die Pferde unterschiedlich mit ihren Schülern um – also gibt es Unterschiede zwischen Kind oder Erwachsener?

Sandra Tiefengraber: Nicht immer, aber doch sehr oft. Meine Pferde sind mit Kindern viel nachsichtiger und geduldiger. Kinder leben für den Moment und zerdenken Dinge nicht ständig, sie lassen sich viel offener und aufrichtiger auf die Pferde ein, das spiegelt sich natürlich auch im Training wider.

Santos ist der einzige, der mit Kindern besser kann. Kinder sind einfach sein Ein und Alles.

 

Lernen wir mit Pferden, dann Lernen wir Einfach 😉

Vielen Dank an Sandra Tiefengraber für dieses herzliche und motivierende Interview. Mehr über Sandras Arbeit gibt es auf Ihrer Website

 

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Galoppieren mit den Alten Meistern

Galoppieren mit den Alten Meistern

Der eine ist bekannt für seine Pädagogik. Der andere wird gerne als Vater des Schulterherein auf der Geraden genannt. Und der Leitsatz des Dritten prägte die gesamte Reiterei bis heute. Antoine de Pluvinel (1555-1620), François Robichon de la Guérinière (1688-1751) und Gustav Steinbrecht (1808-1885) würden sich im Hier und Jetzt vielleicht so über die Galopparbeit unterhalten – für die Ausgabe der Feinen Hilfen Nummer 14 habe ich die Alten Meister „interviewt“:

Moderator: Meine Herren, warum ist es so wichtig gesondert über den Galopp zu diskutieren?

Steinbrecht: Über jede Gangart lohnt es sich gesondert zu sprechen. Die Kenntnis, dass sich die Tätigkeiten der Gliedmaßen im Galopp ja ganz wesentlich von jenen im Schritt und Trab unterscheiden ist ganz wichtig, wenn man bei der Entwicklung des Galopps keine nachteiligen Folgen befürchten möchte.

Guérinière: Ich denke wir sind uns einig, dass wir hier vom Bahngalopp oder Schulgalopp sprechen, wenn wir über Reitkunst reden. Dabei ist die Bewegung der Vorhand abgekürzt und die der Hinterhand schnell. Die Hinterhand darf nicht geschleppt werden, dann begeistern die schönen Bewegungen sowohl Zuschauer wie auch den Reiter selbst.

Pluvinel: Wobei die Begeisterung erst entfacht werden kann, wenn das Pferd gelernt hat sich zu tragen. Wird das Pferd zu stark angetrieben, bevor es vorne leicht geworden ist und gelernt hat sich auf die Hanken zu setzen, wird es sich wohl auf die Vorhand legen. In solch einem Falle ist es schwer, die Aufrichtung wieder herzustellen.

Moderator: Ist der Galopp sehr fehleranfällig?

Steinbrecht: Absolut. Ich kritisiere den „verkürzten Lauf-Galopp“, dem das Sprungartige fehlt. Der Rücken bleibt starr und leblos. Der Reiter bemerkt den Fehler durch ein drehendes Gefühl unter dem Gesäß. Der Fehler passiert häufig, wenn die Verkürzung der Sprünge durch falsche Aufrichtung mit der Hand und ohne durchlässiges Genick erzwungen wurde. Auch phlegmatische Pferde neigen zu einem schwerfälligen, schleppenden kurzen Galopp, dem die Lebhaftigkeit und der Schwung fehlen. Das Qualitätsmerkmal bleibt also der Schwung und nicht verkürzte Tritte.

Guérinière: Vergessen wir nicht den Kreuzgalopp oder den Tralopp – eine wahrlich hässliche Gangart, die man bei Pferden mit schwachen Hanken und verdorbenen Hinterbeinen oft findet. Auch junge Pferde, die man zu früh zum Galopp zwingen will, zeigen diese Gangart, wie Jagdpferde mit verbrauchter Hinterhand.

Moderator: Sie sprechen vom Jungen Pferd. Wann sollte die Arbeit mit dem Galopp beginnen?

Pluvinel: Lassen Sie es galoppieren, wenn es Ihnen den Galopp anbietet. Es wird nämlich alles sehr gut gelingen, wenn der Reiter nur seine gute Haltung bewahrt, das heißt in der Bewegung im Gleichgewicht bleibt.

Guérinière: Ich galoppiere erst dann, wenn das Pferd durch seine Vorbildung in der Lage ist den Schulgalopp auszuführen. Die hohe Versammlung ermöglicht dem Pferd dann alle zuvor gelernten Lektionen prompt auszuführen. Eine Regel, die von allen erfahrenen Reitern stets beachtet wird, ist, das Pferd niemals im Galopp zu reiten, bevor es nicht durch den Trab so geschmeidig ist, dass es von selbst, ohne in die Hand zu drücken oder zu ziehen den Galopp anbietet.

Steinbrecht: Bau und Temperament des Pferdes geben über den Beginn der Galopparbeit Aufschluss. Bei den ersten Galoppübungen sind enge Wendungen zu vermeiden und daher gerade Linien oder einen großen Kreis zu benutzen.

Pluvinel: Ich bevorzuge hier die Arbeit am Pilar. Zuerst lernen die Pferde im Schritt die Kreisbewegung kennen, es folgen 6 bis 12 Tage um den Pilar im Trab. Das Pferd zeigt uns dann in seinem Wesen, welche Kraft und Neigung es besitzt. Erst wenn es mühelos im Schritt und Trab herum gehen kann, kann man es auffordern sich in den Galopp zu setzen. Wenn es das gut kann, muss man ihm mehr Schwung geben, damit es gezwungen ist, sich stärker auf die Hanken zu setzen, sich gut zu tragen und vielleicht sogar einige Sprünge Terre à Terre zu machen.

Guérinière: Ich meine auch, dass man Pferde mit festem Rücken nicht immer nur auf geraden Linien reiten, sondern häufig auf dem Zirkel galoppieren soll. In den Wendungen sind sie zur Versammlung angehalten und werden dadurch stärker gymnastiziert. Auch werden sie geistig gefordert, wodurch sie ihre Neigung in die Hand zu drücken verlieren.

Steinbrecht: Ruhe, Zwanglosigkeit und Gleichmäßigkeit im Galopp – all das erreicht der Reiter nur durch wiederholtes ruhiges Angaloppieren. Durch häufiges Nachgeben der Zügel, Überstreichen und Abklopfen des Pferdes überzeugt sich der Reiter, ob die erforderliche Selbsthaltung fest begründet ist.

Moderator: Und wie arbeiten Sie dann weiter an der Versammlung?

Pluvinel: Zwischen zwei Pilaren lernt das Pferd sich auf Aufforderung des Ausbilders in Schritt, Trab und dann auch im Galopp, manchmal auch Terre à Terre zu setzen und seitwärts hin und her zu treten. Die Arbeit an Courbetten und Terre à Terre setzt das Pferd noch zuverlässiger auf die Hanken und lässt weitere Sprünge sicherer werden.

Guérinière: Pferde, die ihre Kräfte zurückhalten, müssen auf langen geraden Linien geführt und gestreckt geritten werden, hitzige Pferde müssen aber in einem langsamen und kurzen Galopp gehalten werden. Das verbessert auch ihre Atemtechnik. Beinahe alle Pferde haben die Neigung mit dem inneren Bein am Schwerpunkt vorbei zu greifen. Daher muss man auf der rechten Hand Schulterhereinstellung galoppieren, auf der linken Hand arbeite man für die Geraderichtung vermehrt am Kruppeherein.

Steinbrecht: Die Traversstellung wird durch die Galoppbewegung sehr begünstigt und deshalb von den Pferden gerne auf der rechten Hand bevorzugt. Ich verwende gerne den Kontergalopp, weil wir auf der inwendigen Seite die Bande haben, die der Neigung des Pferdes, das inwendige Hinterbein durch Seitwärtstreten der Biegung zu entziehen, eine Schranke setzt. Der Kontergalopp gestattet mir die Arbeit des auswendigen Hinterbeins, dessen vermehrte Tätigkeit auch das inwendige Hinterbein fördert und kräftigt.

Guérinière: Abschließend möchte ich noch sagen, dass es für die Reiter wichtig ist, zu lernen, den Gang zu erfühlen. Man setze daher den Schüler auf ein Pferd mit raumgreifendem Schritt und lasse ihn das Aufsetzen der Vorderfüße erfühlen und in weiterer Folge auch laut aufzählen. Dieses Gefühl muss in die Schenkel übergehen und später im Trab und letztlich im Galopp gefestigt werden. Kein Reiter, der den Galopp seines Pferdes nicht fühlt, kann als richtiger Reiter gelten.

Pluvinel: Und ein Reiter, der viel Mühsal im Sitz zeigt auch nicht. Daher rate ich jedem, der sein Pferd sicher angaloppieren will , mit der Zügelhand drei Fingerbreiten nachzugeben und mit den Waden dort anzudrücken, wo sie geschmeidig liegen ohne weitere Umstände im Sitz zu machen!

Moderator: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

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Seniorengymnastik – Interview mit Claudia Strauß

Seniorengymnastik – Interview mit Claudia Strauß

Wie heißt es so schön, wir geben den Pferden eine Gymnastik, dabei denken wir vielleicht vorwiegend daran, das Pferd überhaupt zur Tragfähigkeit zu trainieren.
Meine eigenen Pferde sind jetzt 11 u 13, also im besten Alter, wie man so schön sagt. Was ich heute mit ihnen erarbeite, tue ich aber für das Morgen.

Bei einer sinnvollen Gymnastizierung geht es aber auch darum, dem alten Pferd, das vielleicht gar nicht mehr geritten werden kann Lebensqualität zu geben. Für ältere Pferde ist es beispielsweise wichtig, sich ohne Probleme hinlegen, aber auch wieder aufstehen zu können. Darüber spreche ich heute mit Claudia Strauss, meiner lieben Trainerkollegin aus Ingolstadt.

Wir sprechen heute über alte Pferde, warum ist es überhaupt wichtig diese zu gymnastizieren?

Claudia: Mein ältestes Pferd „Willow“ ist eigentlich mein Ausbilder, der mich seit dem ersten Tag auf den akademischen Weg begleitet hat. Er ist jetzt schon ein Senior und leider auch von Melanomen stark beeinträchtigt. Aber ich möchte ihn trotz seines Alters jetzt nicht aus dem Training nehmen, für uns beide ist es wichtig, dass wir weiterhin Zeit miteinander schön verbringen. Willow hat ja bereits eine gute Ausbildung genossen. Er bringt mich dazu, jeden Tag mit ihm bewusst zu genießen und im Hier und Jetzt zu sein. Und da wir über eine sehr gute Kommunikation verfügen, können wir heute auch noch (angepasst an die Tagesform) ein Gymnastikprogramm absolvieren.

An manchen Tagen gehen wir nicht ins Gelände, sondern ich beschließe ihn in der Halle zu bewegen. Dort signalisiert er mir meist deutlich, daß ich aufsteigen soll: er parkt bei der Aufsteighilfe ein. Er genießt er das geritten werden! Auch wenn ich diese Entscheidung für ihn an diesem Tag möglicherweise nicht getroffen hätte, lasse ich mich dann gerne darauf ein. Ich denke wir lernen durch unsere „Oldies“ sehr gut zuzuhören und Bedürfnisse der Pferde wahrzunehmen.

Durch die vorangegangene Ausbildung ist es für Willow also möglich, ein rüstiger Rentner zu bleiben? Wie schaut das bei anderen Pferden ohne diese vorangegangene Ausbildung aus?

Claudia: Solche Beispiele habe ich natürlich auch in meiner täglichen Arbeit.

In erster Linie geht es darum, dem Pferd neue Ideen und Bewegungsmuster zu geben. Das Ziel ist natürlich durch sinnvolle Gymnastizierung das Pferd beweglich zu halten, es gleichzeitig zu stärken und zu schützen. Es ist natürlich etwas schwieriger, wenn wir erst eine gemeinsame Sprache entwickeln müssen, was freilich vor der Gymnastik steht. Bei älteren Pferden, die in ihrem Leben möglicherweise auch viele nicht so schöne Erfahrungen gemacht haben, geht es dann auch darum zuerst den Geist zu gewinnen. Wir müssen uns also geistig bewegen, um den Körper in Bewegung zu bringen.

 Ist es für ältere Pferde also schwerer, aus festgefahrenen Mustern auszubrechen?

Claudia: Ich denke schon. Es gibt zum einen festgefahrene Bewegungsmuster – dann haben wir wie schon oben gesagt den Geist, der möglicherweise aufgrund von körperlicher Einschränkung, Schmerzerfahrung, Demütigung und Resignation sehr verschlossen ist. Hier hilft eine positive, kreative Herangehensweise und Arbeit in kleinen Schritten.

 Wenn wir Kommunikation auf den Menschen übertragen. Jüngere Menschen neigen dazu in Gegenwart von alten Menschen lauter zu sprechen. Ist das bei älteren Pferden auch so?

Claudia: Das ist zwar ein lustiger Gedanke, aber nein, natürlich muss man – egal ob Mensch oder Pferd gerade im Alter noch viel respektvoller miteinander umgehen. Das ist ja schon eine reife Persönlichkeit, der man da gegenübersteht. Und bei jeder Persönlichkeit muss ich einen individuellen Zugang finden.

Wie schaut es da mit den körperlichen Voraussetzungen aus?

Claudia: Ich muss natürlich Rücksicht nehmen in Bezug auf sämtliche Widerstände, die mir bei der Arbeit begegnen. Das können eben körperliche oder mentale Grenzen sein, negative Erfahrungen, die sich erst lösen müssen. Aber: Zum Glück gibt uns unsere Arbeit so viele Möglichkeiten in die Hand. Wir können ja auch sehr viel im Stand erarbeiten ohne große Belastung für die Gelenke in Kauf nehmen zu müssen. Außerdem werden wir ältere Pferde hauptsächlich in ruhigerem Tempo arbeiten. Und über allem steht die Geraderichtung. Junge Pferde bilden wir natürlich auch schonend aus mit dem Ziel spätere Schäden von vornherein auszuschließen. Beim alten Pferd kann ich etwaige Verletzungen und Schäden nicht mehr reparieren – diese Handicaps muss ich natürlich ständig in der Arbeit observieren und berücksichtigen.

Du hast bereist erwähnt die Gelenke nicht zu überlasten. Wie sieht das mit den Muskeln aus?

Claudia: Hier gelten natürlich ähnliche Prinzipien. Ältere Pferde müssen mit ihren Kräften viel mehr haushalten. Wir müssen die Pferde also dahingehend fördern, damit sie sich kraftschonend – oder anderes gesagt – möglichst effizient bewegen. So lehrt es uns auch die Natur. Hier kommt das große Thema der Fazien ins Spiel.

Tatsächlich lieben Faszien vorwiegend Losgelassenheit, Entspannung und Abwechslung – sowohl auf körperlicher, wie auch auf geistiger Ebene.

Grundsätzlich zähle ich die Arbeit am Schulhalt oder am Schulschritt zu den positiven Übungen für den Senior. Ich lege den Fokus vermehrt auf das Geraderichten – dafür benötigt das Pferd bereits ein Verständnis von Schulterherein und Kruppeherein. Natürlich kann ich vom älteren Pferd nicht die gleiche Symmetrie erwarten, wie von einem jungen Pferd. Es sollte aber trotzdem ein zentrales Anliegen sein, die Kräfte, die innerhalb des Pferdes wirken maximal gleichmässig zu verteilen.

Kann man deiner Meinung nach noch mit einem alten Pferd beginnen nach der Akademischen Reitkunst zu arbeiten?

Claudia: Ja freilich, das geht. Jede kleine Veränderung zum Positiven ist Wichtig und nützlich für das Pferd. Ich arbeite ein paar Senioren nur einmal in der Woche und konnte nach kürzester Zeit schon erstaunliche Fortschritte feststellen.

Schüler mit älteren Pferden fragen sich häufig: Kann man sich dann noch überhaupt Fehler erlauben?

Claudia: Das ist relativ. Wenn ich nicht den ersten Schritt wage, kann ich nichts bewegen. Und natürlich können Fehler passieren! Mein Rat: Geht respektvoll, kreativ und wohlwollend vor, dann ist alles gut!

Gibt es vielleicht Übungen, die für das ältere Pferd nicht mehr so geeignet sind?

Claudia: Wir sollten nicht zu lang und nicht in hohem Tempo arbeiten. Hier ist auch die schonende Gelenkstätigkeit als Grund dafür zu nennen. Ich habe ja eine Bewegungsrichtung, in der die Kraft auf ein Gelenk einwirkt, sowohl in der Schwung-, Trage- und Schubphase. Je weniger Beschleunigung umso weniger Verschleiß also.

Auch sollte ich die Arbeit vom Boden aus dem Reiten vorziehen.

Was müssen wir abseits des Trainings noch beachten?

Claudia: Unser Ziel muss sein, die Senioren bestmöglich zu versorgen. Daher müssen wir auch in der Haltung ständig überprüfen und hinterfragen, ob Futterangebot, Herdendynamik, Hufpflege usw. noch stimmen. Bei meinem Willow ist nach wie vor die Haltung im Offenstall mit viel Bewegung möglich, allerdings muss er, um in Ruhe fressen und schlafen zu können doch von seiner Herde eine „Auszeit“ nehmen. Mittlerweile muss ich auch die Hufbearbeitung auf zwei Termine verteilen, weil er nicht mehr so lange belasten kann. In Punkto Fütterung empfehle ich durch ein Blutbild zu recherchieren, ob das Pferd einen Mangel hat und ob man eventuell ein Zusatzfutter supplementiert. Regelmässige Zahnkontrolle sollte selbstverständlich sein.

Wie alt ist dein Senior Willow derzeit?

 Claudia: Er ist jetzt 25 Jahre alt.

Wann ist denn ein Pferd überhaupt in deinen Augen alt?

Claudia: Auch in dieser Hinsicht schaue ich mir Körper und Geist an. Ich achte darauf ob der Körper steif und der Geist eine gewisse Starrheit aufweisen. Gibt es altersbedingten Verschleiß – dann würde ich das Pferd schon bei den Senioren zuordnen.

Meinst du junge Pferde können sich vom Oldie noch etwas abschauen und lernen?

Claudia: Ja ganz sicher – so hat Willow beispielsweise so einigen jüngeren Pferden die ich als Handpferd geführt habe das Gelände gezeigt. Er war beim gemeinsamen Spazierenreiten ein souveränes Vorbild. Ich bin davon überzeugt, dass sich Pferde etwas voneinander abgucken. Wir Menschen müssen für eine vertrauensvolle Atmosphäre sorgen, so kann das junge Pferd offen lernen.

Wer sich von Claudia Strauß etwas abschauen möchte, kann dies auf ihrer Website tun. Ich danke meiner lieben Kollegin aus Ingolstadt für diese Gespräch und wünsche ihrem Willow weiterhin einen so schönen Lebensabend.

 

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Do you speak with your body?

Do you speak with your body?

If your horse keeps saying no, you are either asking the wrong question or you are asking the question in the wrong way

Jossy Reynvoet, lizensed Bent Branderup Trainer from Belgiums know how to communicate with horses – especially by using body language. We speak “human” and horses speak “horse” – how can horses still understand us?

The perfect understanding…

Jossy: I am not sure if it is that easy for a horse to understand us. The first step for us riders is to build up a good connection to the horse and to learn more about their language. The more we focus on the horse`s communication the more we learn how to develop a body language. This way humans and equine start “talking” to each other and develop a better connection. If you want to really bond with your horse, learn how to “bodytalk”.

And why do we have so many difficulties to understand our horses?

Jossy: Our nature is different from the horses. We are predators, they are flight animals. We are used to walk or resolve problems in direct lines, we want quick answers and quick reactions. Horses are quick indeed, but quick on their flight from us. When we need protection, we gather together and come closer, but horses would run away to save themselves. We really need to understand the nature of the horse otherwhise we will never be able to interpret the horse’s behavour correctly. And that is why horses have so many difficulties to understand us as well.

Our main problem is humanity. Of course we think and act like humans, which is different for a horse. For horses it is that simple: They like you or they don’t. The way they show it among themselves is very simple.

We are the complete opposite: We spend much time on focusing and reflecting about our own feelings. But our own feelings do not represent the horse’s needs and feelings. It is often a circle of misinterpretation.

So we should focus more on body language. What are the most important elements of body language?

Jossy: That is a good question. I have been working on this subject for many years. I already mentioned that the horse is a flight animal – so the first thing we do is to make it stop.

If you can do a full halt with your body language, the first step of a good connection to the horse is achieved. If you can tell the horse to stand still it will learn to focus on you and listen to what you have to say.

Sounds easy but it isn’t if you are not really aware of your body. We always “do” something. We are intelligent, we have feelings and instincts but sometimes we are not aware what we are really doing and what we really are. If you talk to a horse it is important that you are “really there” in the moment. The horse is like a mirror. You might think you stand still but the horse still moves. The reason? You were not present in the now and you were not really relaxed enough.

After those first steps – or better said halts – we can start focusing on our aids. We have a direct hand and an indirect hand. The direct hand is in contact with the horse’s head, holding a rope for example.

The direct hand can support your body core and your body language. You can communicate with the hind legs by using the direct hand for example.

Another important point in body language is the intention line: It is the parallel line between horse and human and it is your point of weight that “gives information” to the horse. Intention line for example means: You made up your decision about your walk through the riding arena. The horse shall not pass or cross your intention line. Watch two horses of the herd – one stopping the other when walking to the hey. Intention line means to stop the horse and to “save your path”. Parallel line means walking together with the horse. Of course you can look once at the horse, but I advice my pupils to feel the horse and to work on their awareness.

If you are always looking at your horse you are always in its personal space. Horses feel more comfortable when you are not so focused on them.

The point of weight is another important element. If you move your stomach forward, your horse should mirror the same movement. So on the parallel line, mirroring each other we can turn by using our body. We can go backwards, we can collect and ask for more forward down, control rhythm and tempo. I can ask my horses to do a piaffe or to canter as well. Show the movement with your own body and explain to the horse how to do it. If I show trot to my horses, I do the trot myself.If my steps are more on the place and my point of weight is more backwards, trot will become collected till we have a nice piaffe.

You should learn all these things first on the ground. This way it will be easier with the riding too. It feels wonderful to be together and to watch the horse following your ideas without any physical connection.

You said: without physical connection. Why do we need ropes, whips or other materials to communicate with the horse?

Jossy: The whip is important to touch body parts and to explain movement. It is more like a longer arm for me. Reins and whips are more important for optical communication. There are optical and physical aids and of course there is your voice. The better all three aids work together and the better you can separate them, the better is the communication between rider and horse.

If we talk about optical aids I really need to mention the importance of your legs. Our heels mirror the hindlegs of the horse, our toes mirror the frontlegs. On the Parallel line we can ask for canter, transistions to trot and collection or sidemovements only by using heels and toes.

Physical aids are the connection from groundwork to riding.

Halter, bridle, rope we seldom work our horses freely. How can we get better at this?

Jossy: Of course I never start to ride my horses freely. First we have to develop a good connection on the ground. Later I ride the horses bitless. Also in this training we need a full halt and a horse that can stand still. It is necessary that I can ride all gates in a relaxed shape. If I need reins in the basic to keep my horse with me, I have no real connection to the flight animal. After getting used to the bitless bridle – the cavesal – I would use a neckrope and combine them. I do a lot of work in standing and I walk when I explain the riding aids to a horse. Progressing in time you use less an less aids and then you can ride without anything.

And when you work liberty on the ground?

Jossy: The first connection is build up in the roundpen with the horse. The horse gets direction from the outside and also for the human pupil it is easier to be aware of your own body in the roundpen. And again: the first thing we teach is the halt by using our intention line. Then we start to use our point of weight.

How do you start training the young horse? With liberty work, or do you work with cavesal or cavceon right from the beginning?

Jossy: I like to use the cavesal for the young horse. But I am not too busy to place the horses head. Relaxation and feeling comfortable is the first goal. Later in the groundwork I teach the horse to use its body. Groundwork should prepare the horse to become a riding horse. Therefore we need some gymnastic like side movements and the rider must be able to feel the reactions of the spine with his hand.

There are three steps in the beginning. First I move the horse’s head without moving the shoulders or hindquarters. The horse has to know that moving the skull is something separate. Then we move only the horse’s shoulders and then the hindquarter. This way I can prevent the horse from moving shoulders and hindquarter together.

What are the most important aids you can give with your body?

Jossy: The parallel line is one of the best tools. When you and your horse are moving next to a wall and your body turns away from the wall – you will get a shoulder in. If you turn towards the wall again: quarter in. You also need to use heels and toes to give direction of movement.

And when you want to leave the wall?

Jossy: The aids are exactly the same. Just go on the diagonal with your horse and turn to the horse’s neck – you will get a quarter in again.

And when we are lunging?

Jossy: You use the body language as well. By improving your level of body language you will improve the level of communication and you will raise the level of fun you have.

How can you play with energy?

Jossy: It is quite easy. Play with your horse. Run with it in freedom. Be enthusiastic and happy. When you do this often, the horse will be more outgoing with its energy. You can click with your tongue or send a kiss…then you will get trot and canter. Use your voice for transitions. When you stand still and do not speak the horse will be more focused on you.

But do you stay still or do you mirror the horse?

Jossy: When I really train voice communication I stand still. The horse has to learn one sign of my voice and it has to continue for example to do trot. It is a good way to train energy. You feel the connection which is really great. When you want to raise the energy up to collection, you can also use the voice but then you must add your body language and play with your point of weight. For more collection you go more backwards.

When the horse reacts, what feedback do you give?

Jossy: I become neutral with my body language. It is also important to give the horse comfort while it is moving. Get neutral and then give him a goodie.

The problem with communication is: You cannot stop. You always communicate through your body. And horses will always react to it. Always.

 

I know your lessons are loaded with energy You seem to never become tired of teaching. In September you will come back to Graz and I am happy to welcome you on the 24th and 25th of September. Everybody who is interested in the clinic with jossy can find the information on my website.

Jossy: I am really looking forward too 🙂

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