Akademische Reitkunst in Namibia

Akademische Reitkunst in Namibia

Was braucht man eigentlich für die Akademische Reitkunst? Das ist eine häufig gestellte Frage von interessierten Schülern. Nicht viel – Engagement, Wissbegiederde, Motivation von Pferd und Mensch und dann kann es schon losgehen. Auch in Namibia.

Christiane Köhler von Schmidt betreibt mit ihrer Familie in Namibia die Farm „Gross Osombahe“ – die Distanz zu Europa, dort wo es sich quasi „abspielt“ war für sie in Punkto Reitkunst kein Hindernis. Daher hat sie sich auch Verstärkung aus Österreich importiert – genauer gesagt – eine meiner liebsten Kolleginnen, wenn es ums Fachsimpeln und Tüfteln geht – Silke Linhart.

Wie kam die Akademische Reitkunst nach Namibia?

Christiane: Ich habe meine Friesenstute Lolo hier ganz konventionell in Beritt gegeben um sie, nach einer längeren Pause wegen meiner Schwangerschaft, wieder an den Reiter zu gewöhnen. Leider kam sie von diesem Beritt völlig unglücklich zurück. Sie war unwillig und dem Reiten gänzlich abgeneigt, sodass ich einfach nicht mehr weiter wusste. Restlos verzweifelt habe ich per Anzeige im Internet nach einem Reitlehrer, der uns weiterhelfen könne, gesucht, um mein Pferd bei der Arbeit wieder gut gelaunt und motiviert zu erleben. Daraufhin meldete sich eine Reitlehrerin, die an die Akademische Reitkunst angelehnt unterrichtete. Mit ihr konnte ich schon einige gute Fortschritte erzielen. Kurze Zeit später kam Ronja Ebbers als Praktikantin zu uns und brachte den Stein endgültig ins Rollen.

Mit welchen Pferden arbeitest du nun?

Christiane: Es mag erstaunlich sein, aber in Namibia beziehungsweise Südafrika erfreuen sich Friesen einer relativ großen Beliebtheit. So habe auch ich mir zu Beginn meiner Zeit hier gleich zwei davon zugelegt. Meine Stute Lolo kam als erste und später kam noch mein Friesenhengst Odin dazu. Die übrigen 18 Pferde, die bei mir auf der Farm leben, sind jedoch sogenannte „Namibische Farmpferde“. Diese „Rasse“ ist hier sehr häufig und entstand aus diversen importierten europäischen Pferden. Die meisten Pferde in Namibia leben mehr oder weniger wild. Unsere Pferde laufen beispielsweise auf 300 ha großen Weiden frei umher. Unsere Farm bietet insgesamt ein 10 000 ha großes Areal für die Pferde und zum Ausreiten. Durch diese naturnahe Lebensweise sind Farmpferde besonders robust und bewegungstalentiert, was aber nicht heißt, dass wir nicht auch viele Probleme beim Reiten zu lösen haben.

Wie kann man sich eine Ausbildung „ab vom Schuss“ vorstellen?

Christiane: Die Arbeit findet natürlich zu einem Teil auf selbständiger Basis statt. Freilich ist man aber auch auf Anleitung von außen angewiesen. Bücher und Videos können schon sehr viel Inspiration liefern, aber glücklicherweise steht mir nun seit ein paar Jahren Silke Linhart, Ritter der Akademischen Reitkunst, in regelmäßigen Abständen, immer über ein paar Wochen, zur Seite. Außerdem ist es in diesem Fall auch ein Vorteil mit vielen verschiedenen Pferden gleichzeitig zu arbeiten, weil man immer unterschiedliche Lösungsansätze suchen muss und dadurch schneller lernt.

Wie kamst du denn überhaupt zu Silke – oder umgekehrt – sie zu dir?

Silke: Christiane hat über eine Facebook Anzeige nach einem Trainer gesucht. Da dachte ich mir: „…coolste Reitweise der Welt, coolster Kontinent der Welt!“ Lass uns das zusammenbringen und es hat geklappt!

Wie sieht eine Zusammenarbeit in der Ferne aus? Was muss sich der Pädagoge hier vornehmen, was der Lernende?

Silke: Zusammenarbeit kann nur funktionieren, wenn die Beziehung stimmt. Das gilt für Reiter und Pferd, aber auch für den Trainer. Wenn das passt, wird schon einmal alles leichter, auch auf große Entfernung. Als Pädagoge gilt es bei der großen Distanz aber darauf zu achten, dass man, ob der vermeintlich kurzen Zeit nicht zu viel in eine Trainingseinheit, in die paar Wochen hineinpackt. Außerdem ist es meiner Meinung nach auch sinnvoll, sich gut zu besprechen was als nächstes zu beachten ist, wenn der Schüler wieder allein ist. Heutzutage tut natürlich auch das Internet sein Übriges. Man kann sich leicht erreichen und über Probleme austauschen und beraten, zumindest wenn gerade die Verbindung steht. Das ist mit Afrika ja nicht immer so leicht…

Christiane: Ist Silke wieder abgereist, wiederhole ich prinzipiell alles was wir erarbeitet haben so lange bis ich das Gefühl habe, es wird zur Routine. Hierbei sind wie gesagt viele Pferde ein Vorteil, aber gleichzeitig auch ein Nachteil, da sich immer wieder unterschiedliche Probleme und Schwierigkeiten auftun. Komme ich einmal gar nicht weiter, suche ich den Kontakt mit Silke und wir beraten uns. Wenn es sich organisatorische einrichten lässt, besuche ich natürlich auch Kurse und Trainer in Europa. Ich bin ja aus Deutschland und dann plane ich meinen Heimaturlaub auch immer entsprechend der AR- Termine in meiner Nähe.

 

Lernt man eigentlich besser, wenn man nicht sofort den Trainer neben sich hat?

Christiane: Das kann ich gar nicht beantworten, da ich es ja nicht anders kenne. In Deutschland, also bevor ich ausgewandert bin, war der Reitunterricht, den ich da konsumiert habe, immer eher ein Drill und ich hielt nie lange durch. Schade eigentlich, dass ich erst in Namibia zur AR gefunden habe. Dafür ist es jetzt aber umso schöner, weil ich Silke ja für mehrere Wochen für mich alleine habe und diese Zeit somit ganz intensiv nutzen kann.

Ihr habt ja auch einen Kurs mit Silke veranstaltet – wie war da die Resonanz? Wie kann man sich die Reiterei in Namibia vorstellen?

Silke: Die Resonanz der teilnehmenden Reiter war durchwegs positiv. Natürlich darf man nicht vergessen, dass in diesem Land ganz andere Strecken zurückgelegt werden müssen. Nicht jeder kann einmal schnell rund 2000 km mit seinem Pferd quer durch die Wüste fahren. Christiane bemüht sich freilich, möglichst viele andere Reiter zu erreichen, aber das gestaltet sich für unsere europäischen Gewohnheiten eben ein bisschen schwieriger. Bedenkt man beispielsweise, dass die Menschen hier ihre nächsten Nachbarn in durchschnittliche 10 km Entfernung besuchen müssen, kann man sich ungefähr vorstellen, was es bedeutete hier Reitunterricht zu geben. Umso mehr freuen wir uns natürlich über die fleißigen Wiederholungstäter, die wir bereits verzeichnen können.

Christiane: Generell ist die Reiterwelt Namibias sehr Turnier- und Erfolgsorientiert. Alternative Ausbildungen jedweder Art haben nur einen geringen Stellenwert. Andere größere Sparten, neben dem Dressur- und Springreiten, sind noch Westernreiten und Endurance, was aufgrund der stark vorherrschenden Rinderarbeit mit den Pferden auch naheliegend ist. Das heißt, neben jenen, die das als Hobby betreiben, gibt es auch sehr viele richtige Arbeitspferde, die aber leider über die Maßen schlecht behandelt und oft bis zum Umfallen geknechtet werden. Ich habe einmal selbst 2 solcher Pferde aufgekauft. Die hatte schreckliche Verletzungen und waren psychisch völlig am Ende. Das hat mich selbst auch extrem belastet. Generell muss man leider sagen, ist der Umgang mit Tieren in diesem Land vorherrschend noch ein sehr brutaler. Die Tiere werden eben einfach ausgebeutet. Dennoch gibt es auch Lichtblicke. Die positive Resonanz auf unsere Kursangebote beispielsweise. Es kommen auch Reiter zu mir auf die Farm, die sich dann das eine oder andere von mir abschauen. Da freue ich mich immer sehr.

Mehr über Christianes „akademische“ Farm in Namibia findet ihr auf ihrer Facebook Seite.

Reiten beginnt im Kopf

Reiten beginnt im Kopf

Ein unerfahrener Reiter kam ihnen nicht in den Sattel. Was würden Antoine de Pluvinel (1555-1620), François Robichon de la Guérinière (1688-1751) und Gustav Steinbrecht (1808-1885) uns heute im Interview für Feine Hilfen, Ausgabe Nr. 18 über das erste Anreiten erzählen?

Moderator: Nehmen wir an, unser junges Pferd hat die Grunderziehung absolviert, wie sollen wir nun mit dem Anreiten beginnen?

Pluvinel: Ich bedaure, dass wir uns hier sehr auf das Pferd fokussieren müssen. Wichtiger wäre mir zuallererst, den Reiter zu erwähnen beziehungsweise welche Qualität er mitbringen muss. Schließlich kann nur ein ausgebildeter Reiter unterscheiden, ob ein noch nicht ausgebildetes Pferd unter ihm etwas richtig oder falsch macht, um es entweder dafür zu belohnen oder korrigierend einzuwirken.

Steinbrecht: Der Reiter, der bei einem jungen Pferd zum ersten Mal in den Sattel steigt, muss über einen physischen und statischen Sitz verfügen. Die Qualität des physischen Sitzes liegt darin, dem Pferd in der Bewegung zu folgen und die Bewegung auch zu beeinflussen. Ein statischer Sitz bedeutet für mich nicht nur in der Bewegung, sondern auch im Gleichgewicht zu sitzen. Für das junge Pferd ist es wichtig, das Gewicht des Reiters möglichst leicht und angenehm zu empfinden. Das gelingt, indem der Reiter seinen Sitz mit dem Schwerpunkt des Pferdes in Übereinstimmung bringt. Der Reiter nehme seine Richtung vorwärts geneigt und fördere hierdurch nicht nur die Schubkraft der Hinterbeine, sondern mildere auch seine Einwirkung durch kräftigen Bügeltritt und leichten Spaltsitz.

Pluvinel: Einverstanden, aber wenn ich jemand auf ein Pferd setze, möchte ich zuvor, dass es mit Sattel und Zaum willig die ersten Übungen zwischen den Pilaren ausführt. Das kann es in 4 oder 5 Tagen lernen, vorausgesetzt der Ausbilder versteht seine Sache. Es kommt manchmal vor, dass Sattel oder Zäumung nicht ordentlich verpasst sind, das Pferd wird dann zurecht unwillig und bringt den Menschen möglicherweise in Gefahr. Die Steigbügel haben zuerst lose herunter zu hängen damit sich das Pferd an die Berührungen gewöhnt.

Es genügt dann, wenn das Pferd den Reiter auf sich fühlt und sich daran gewöhnt, ihn aus freien Stücken zu tragen. Die Übungen, die das Pferd bereits vom Boden kennt, werden in gleicher Weise über 5 bis 6 Tage fortgesetzt. So begreift das Pferd, dass der Reiter auf ihm weder Böses will noch unangenehm ist. Es lässt ihn dann auch williger an sich herantreten und wieder aufsteigen.

Guérinière: So ist es – und erst dann, wenn der Reiter im Sattel akzeptiert wird, versucht er dem Pferd das erste Verständnis der Hilfen mit Hand und Schenkel beizubringen. Er hält dazu die Trensenzügel geteilt in beiden Händen und wenn er sein Pferd in Gang setzen soll, werden beide Hände tiefer gestellt. Gleichzeitig nähern sich vorsichtig beide Waden dem Bauch des Pferdes, ohne dass der Reiter Sporen trägt.

Gehorcht das Pferd diesen ersten Hilfen nicht, womit ja fast zwangsläufig zu rechnen ist, da es sie noch nicht versteht, muss der Longeur mit den bereits bekannt gemachten Zügel- und Gertenhilfen vom Boden aus den Reiter unterstützen. Er ist ein Dolmetscher für das Pferd, wenn es um das erste Angehen unter dem Reiter und um Wendungen geht. So kann das Pferd in kurzer Zeit lernen, der Hand zu folgen und auf die Schenkelhilfe des Reiters zu reagieren.

Beginnt unser junges Pferd dann ohne die Nachhilfe mit Longe und Peitsche zu gehorchen lässt man die Longe weg und führt es auf einer geraden Linie weg vom Zirkel, um es geradeaus gehen zu lehren. Sobald es ohne Schwierigkeiten die 4 Ecken der Reitbahn korrekt absolviert, durchreitet man wechselweise im Schritt und im Trab die Bahn. Der Trab sollte auch das Ende der Arbeit einleiten, weil dieser Gang die erste Geschmeidigkeit ergibt.

Steinbrecht: Der Reiter fördere dann den Gang des Pferdes auf möglichst geraden Linien und nehme daher den Hufschlag an der Bande der Bahn, da dieser gleichzeitig als Leitlinie dient. Das Durchreiten der Ecken hat selbstverständlich zunächst abgerundet zu erfolgen. Das Vortreiben erfolgt durch den Schenkel oder die Gerte, ohne jedoch, wie schon von Reitmeister Guérinière erwähnt, den Einsatz von Sporen.

Steinbrecht: Zunächst handelt es sich dabei darum, die Schubkraft und die Gehlust eines Pferdes in seiner ganz natürlichen Richtung zu entwickeln. Jedes rohe Pferd wird unter dem Reiter verhaltener und gebundener treten als an der Hand, weil die Freiheit seiner Bewegungen durch das Tragen der Reiterlast eingeschränkt wird.

Pluvinel: Wie wahr! Aber wenn dann das Pferd hierbei willig zu gehorchen anfängt und ohne Stocken sowohl der Hand wie auch dem Schenkel zum Vorwärtsgehen folgt, dann muss man herausfinden, wie es veranlagt ist, um den Trab entsprechend seiner Anlagen und seinem Temperament für die Ausbildung zu nutzen.

Guérinière: Genau meine Erfahrung. Durch den Trab, der die natürlichste Gangart ist, macht man ein Pferd leicht in der Hand, ohne das Maul zu verderben, und seine Körperteile frei beweglich ohne ihnen zu schaden. Im Trab wird nämlich der Körper des Pferdes auf 2 Beinen im Gleichgewicht gehalten, auf einem Vorderbein und dem diagonal entgegen gesetzten Hinterbein. Dies verschafft den beiden anderen, die in der Luft sind, die Leichtigkeit, sich zu heben, gehoben zu bleiben sowie vorwärts zu greifen und ergibt dadurch den ersten Grad von Biegsamkeit in allen Teilen des Körpers. Der Trab ist somit die Grundlage aller Übungen, um ein Pferd gewandt und gehorsam zu machen. So gut jedoch eine Sache vom Grundsatz her sein kann, darf man trotzdem keinen Missbrauch damit treiben, indem man ein Pferd jahrelang traben lässt.

Moderator: Was, wenn unser Pferd aber nicht in den Trab zu bekommen ist?

Guérinière: In der Tat gibt es Pferde, die ihre Kräfte zurückhalten und dann sogar leicht in der Hand sind. Andere fallen auseinander oder schlendern nachlässig weg.

Pluvinel: Ist das Pferd schwerfällig und verhindert nur seine Schwerfälligkeit, dass es das Gewünschte richtig ausführt, muss man ihm die Aufgabe stark erleichtern, indem man die Übung länger fortsetzt und so lange wiederholt, bis sie dem Pferd leichter fällt.

Guérinière: Pferde, die von Natur aus ihre Kräfte sparen, muss man in gestreckten und beherzten Trab versetzen, um ihnen die Schultern und die Hanken zu lösen. Im Fall der anderen, die von Natur aus auf der Hand liegen, muss der Trab erhabener und verkürzter gearbeitet werden, damit man sie gut vorbereitet, sich versammelt zu halten.

Steinbrecht: Ich lasse verhaltene Pferde lieber einmal galoppieren, als ewig mühsame Trabübungen zu wiederholen. Allerdings halte ich es umgekehrt nicht für ratsam, junge Pferde in den Galopp zu zwingen.

Moderator: Was sind Ihre wichtigsten Leitsätze beim Anreiten?

Pluvinel: Ich halte es immer für gut, mit dem Pferd als erstes Dinge auszuführen, die ihm „gedanklich“ schwer fallen. Also nicht körperlich, sondern geistig. Es soll sich im Kopf anstrengen und nicht mit seinem Körper. Dabei muss man aber Acht geben, dem Pferd nicht den Arbeitseifer zu nehmen.

Guérinière: Wichtig ist auch, das Ziel vor Augen zu behalten. Wenn ich ein Pferd zum Spazierenreiten ausbilden möchte, muss man lange und geradeaus im Schritt ausreiten – auch im Gelände, weil eine Reitbahn zu begrenzt ist. Und selbstverständlich gilt auch Abwechslung für ein angehendes Schulpferd.

Steinbrecht: Die ersten Aufgaben für das rohe Pferd sind dann erfüllt, wenn es durch die besprochenen Übungen gelernt hat, sich unter dem Reiter in derselben Natürlichkeit zu bewegen und seine Gangart mit derselben Sicherheit auszuführen, wie es dies zuvor an der Longe ohne fremdes Gewicht vermochte.

Fragen wir Bent – Teil 2

Fragen wir Bent – Teil 2

Im Zirkel verlaufen?  

Aus der Serie – Dinge, die Sie schon immer über die Akademische Reitkunst – am besten persönlich von Bent Branderup wissen wollten – heute in meinem Blog Teil 2 in der deutschen Übersetzung.

Viele Leute sind der Ansicht, dass viel Arbeit auf dem Zirkel, sowie die verfrühte Arbeit mit lateraler Biegung dem Pferd die Fähigkeit nimmt unter dem Reiter auf einer geraden Linie zu laufen? Was ist hier die korrekte Antwort? 

Bent Branderup: Zunächst müssen wir darüber sprechen, was wir unter lateraler Bewegung überhaupt verstehen. Darunter wird häufig ein Passgang beschrieben – im Zusammenhang mit der oben gestellten Frage verstehen wir aber etwas Anderes darunter: ich denke wir sprechen hier von einer Seitwärtsbewegung – wobei ich auch hier beschlossen habe, unbedingt hinsichtlich der Bewegungsqualität zu unterscheiden: Beim Schenkelweichen etwa kommt es zu einer falschen Druckverteilung auf die Hufe und Gelenke des Pferdes, wenn das Pferd das Bein aufsetzt. Daher ist es von großer Bedeutung, dass das Pferd mit seinen Hinterbeinen korrekt in Richtung Schwerpunkt unter seine Masse tritt, so dass Knie- und Sprunggelenke so gebeugt werden, wie es ihrer Natur entspricht.

Seitengänge sind also nicht gleich Seitengänge – wir dürfen das nicht mit einfach seitlich laufen verwechseln – es kommt vor allem auf eine korrekte Ausführung an. Falsch ausgeführte Seitengänge stellen für das Pferd in körperlicher Hinsicht ein Problem dar – nicht nur wenn sie zu früh, also was das Alter des Pferdes angeht ausgeführt werden, sondern auch in der Ausführung mangelhaft sind. Daher ist es wichtig, dass wir den Unterschied zwischen Kruppeherein, Schulterherein und Schenkelweichen verstehen – das betrifft auch den Zirkel!

Alle Tiere sind von Natur aus schief – so auch das Pferd. Der Weg, um das Pferd gerade zu richten führt über die Biegung auf den Zirkel. Durch den Vergleich der beiden Zirkelgrößen auf der rechten oder linken Hand haben wir eine natürliche Weise beide Biegungen zu erarbeiten und sie dabei vergleichbar und messbar zu machen. Wenn wir auf beiden Händen einen gleich großen Zirkel reiten können, können wir allmählich von einer Begradigung der Schiefe sprechen.

Ohne all diese Übungen können wir nicht von Geraderichtung sprechen. Wenn wir beispielsweise mit dem Pferd galoppieren stellen wir fest, dass das Pferd auf der einen Seite gut galoppiert, auf der anderen Seite aber nicht. Es gibt keinen gerade-geraden Galopp – es gibt einen Rechtsgalopp oder einen Linksgalopp. Klappt beispielsweise nur Linksgalopp, dann müssen wir natürlich an der Qualität des Galopps auf der rechten Hand arbeiten.

Haben wir ein Kutschpferd, das zwar nicht galoppieren soll, aber geradegerichtet im Trab vorwärts laufen soll – dann stellen wir im Einspänner möglicherweise fest, dass das Pferd ständig zu einer Seite läuft. Ist es linksgebogen, dann wird es immer gerne nach links ausweichen und nicht geradeaus laufen.

Natürliche Schiefe ist etwas, womit wir uns auseinander setzen müssen – je früher, umso eher wird das Pferd durchlässig auf unsere Arbeit antworten – aber natürlich können gerade beim Geraderichten auch viele Fehler passieren.

Die nächste Antwort von Bent Branderup kommt in Kürze – zum einen gibt es nächste Woche wieder einen Kursbericht – diesmal aus Graz – zum anderen gib es die nächste Videoantwort Anfang des Monats!

Hier gibt es nochmal das aktuelle Video zum Nachschauen auf Englisch:

Und was würden Sie schon immer über die Akademische Reitkunst wissen? 

 

…und dann kam der Conversano Aquileja..

…und dann kam der Conversano Aquileja..

Sie nehmen jede Misshandlung sehr persönlich (wie alle Iberer) und erdulden keine Deppen im Sattel oder am Kutschbock. Wer sagt, er hätte einen Lipizzaner ausgebildet und der hätte nun diese oder jene Untugenden, der sollte zuerst über sich selber nachdenken. Mit einem Aristokraten muss man umzugehen lernen, wenn man selber keiner ist. Buchautor Martin Haller bringt es über die Lipizzaner auf den Punkt.

Ich zwar nicht blaublütig, aber blauäugig auch nicht. Und so kam es, dass ich mir in den letzten Jahren sehr viele Pferde angesehen habe. Da ich durch meine Schüler auch sehr viele unterschiedliche Pferderassen betreuen darf, hat sich in den letzten Jahren eine ganz klare Präferenz herauskristallisiert. Irgendwie haben sich die Lipizzaner mehr und mehr in mein Herz geschlichen. Ganz besonders einer – mein kleiner Conversano Aquileja – ein waschechter Steirer, so wie ich.

„Aqui“ wurde im Bundesgestüt Piber gezogen – dort wo die Lipizzaner für die spanische Hofreitschule in Wien gezüchtet werden. Diese Tatsache weckte bei vielen Interessierten doch einige Fragen – kann man tatsächlich ein Pferd in Piber kaufen? Ja, man kann 😉

Ich habe Ines Hubinger vom Lipizzanergestüt Piber nachgefragt:

Seit wann werden die Pferde in Piber zu Verkauf angeboten? Ist das ein Novum? 

Ines Hubinger: Nein, den Pferdeverkauf gibt es schon immer. Ich habe hier Unterlagen aus 1930 von Verkäufen. Wurden früher noch Briefe geschrieben und nur ein gewisser Kennerkreis wusste von der Möglichkeit einen Lipizzaner aus Piber zu erwerben, hat sich die Kommunikation durch das Internet und Soziale Medien sehr gewandelt. Pro Jahr bekommen wir rund 40 Fohlen und können eben nicht immer  alle Pferde behalten. Man findet bei uns ein liebes Familienpferd, aber natürlich auch sehr talentierte Pferde für Reit- und Fahrsport.

Warum sind Lipizzaner aus Piber etwas so Besonderes? 

Ines Hubinger: (Schmunzelt) Vermutlich weil sie auch für uns, die in Piber arbeiten so Besonders sind. Aber im Ernst: Wir können hier nur Gestüte mit ähnlichen Bestandszahlen vergleichen. In Italien beispielsweise wachsen die Lipizzaner im Staatsgestüt eher wild lebend (vorallem die Stuten) auf. Bei uns kommen sie aber zur Welt und lernen das gesamte Gestütsteam von der ersten Sekunde an kennen. Wir putzen die Fohlen ab dem ersten Tag, wir führen sie. Zwischen Fohlenstation und Absetzerstation herrscht ein reger Austausch, da wir während der Arbeit auch Zeit haben die Pferde zu beobachten und die Charaktere kennen zu lernen, wissen wir unheimlich viel über „unsere“ Schützlinge. Wir haben ein riesiges Archiv und eine Datenbank, wo wir viele Aufzeichnungen über unsere Pferde führen. So wissen wir bescheid, wann die Stute tatsächlich fohlen wird, wer im Laufstall von den Jährlingen sofort um Streicheleinheiten buhlt, oder wer frech wie Oskar ist. Und natürlich wissen wir auch über die Elterntiere so genau bescheid. Dieses Interessse für die Pferde, das genaue Beobachten – das ist auch etwas, was wir unseren Lehrlingen am Gestüt mitgeben wollen. Diese Aufzeichnungen sind auch bei den Musterungen für die Hofreitschule dienlich. Oft zeigt sich das Talent für die Schulquadrille oder für die Hohe Schule bereits in der Kindheit. .

Wie funktioniert denn die Aufzucht in Piber? 

Ines Hubinger: 

Am Hauptgestüt finden die Geburten statt, die Fohlen bleiben dann mit den Müttern vor Ort, ehe sie zwischen 6 bis 8 Monate alt von den Müttern getrennt und in die Aufzuchtstation gebracht werden. Am Aufzuchthof kommt die erste Gruppe gemeinsam mit den Müttern an. Wir haben also die Möglichkeit einige Tiere an die neue Umgebung im Beisein der Mütter zu gewöhnen, ehe die nächste Gruppe nachkommt. Die zweite Gruppe kommt ohne mütterlichen Begleitschutz, dafür aber mit einem großen Spieltrieb, der mit den neuen Freunden sofort ausgelebt wird, Zu diesem Zeitpunkt stehen Hengst- und Stutfohlen noch zusammen. Ich bin immer sehr erleichtert, wenn ich von den Kollegen höre, dass die Absetzer ohne ihre Mütter so gut zurecht kommen. Spätestens am Ende des Jahres müssen wir die Tiere aber nach Geschlecht trennen, denn die jungen Hengste fangen an die Geschlechterrollen wahrzunehmen. Die Stuten übersiedeln dann auf den Reinthalerhof und die Buben auf die Station Wilhelm. Dort leben immer drei Jahrgänge gemeinsam. Das ist quasi ein ewiger Kreislauf. Wenn heuer der nächste Jahrgang nachrückt, dann kommen die ältesten Stuten am Außenhof zu uns nach Piber zur Leistungsprüfung, das heißt sie werden angeritten und angefahren, die ältesten Buben von Wilhelm überstellen wir roh nach Wien bzw. ins Ausbildungszentrum am Heldenberg.

Davor gibt es aber noch den Sommer auf der Alm, das ist fixer Bestandteil unserer Aufzucht – Anfang Juni gehen wir mit beiden Gruppen auf zwei getrennte Almen – die Burschen bleiben bis Anfang September und die Mädchen dürfen sogar länger bleiben bis Mitte oder Ende September.

Sind die Pferde auf der Alm sich selbst überlassen oder weiterhin betreut? 

Ines Hubinger: Nein, unsere Betreuuer ziehen mit den Pferden auf die Alm. Sie sind rund um die Uhr für sie da und dokumentieren und überwachen weiterhin alles, was so passiert. Morgens werden die Pferde angehängt im Stall, geputzt und gefüttert, auf Verletzungen hin kontrolliert. Tagsüber gehen sie auf die Weiden bzw. auf die Hochalm, abends wieder in den Stall. Unsere Aufzucht bedeutet drei „Alpungen“während der Aufzuchtszeit. Das gilt auch für die jungen Verkaufspferde. Wenn es Zeit für den Almauftrieb ist, gehen auch diese mit auf die Alm. Sie kommen nicht etwa in eine Verkaufsbox, sondern dürfen weiterhin ihr normales „Piberaner“ Leben genießen. Für Interessenten heißt das: Rauf auf den Berg, in aller Hergottsfrüh, schließlich wollen wir die Almzeiten für unsere Pferde nicht unnötig abkürzen. Das gilt auch für Besichtigungen auf den Außenhöfen für die Stuten und Hengste. Zeitig in der Früh kann man die Verkaufspferde besichtigen, das Wohl der Pferde steht für uns an erster Stelle, daher wird von der Koppelzeit nichts abgezwackt – Besichtigungen der Verkaufspferde sind aber ausschließlich nach rechtzeitiger vorheriger Terminabsprache möglich, es soll ja alles reibungslos funktionieren.

In Piber wird vorrangig für Zuchterhalt und Spanische Hofreitschule gezüchtet. Bekommt man dann überhaupt ein gutes Pferd? 

Ines Hubinger: Natürlich haben wir eine klare Zuchtbuchordnung und es gibt ein Zuchtziel, wie denn der barocke Lipizzaner im Idealfall auszusehen hat. Das sind Vorgaben, an die wir uns halten müssen, schließlich wollen wir keinen 1,70 großen oder 1,40 kleinen Lipizzaner. Alles Extreme muss für die Zucht ausgeschlossen werden. Ramskopf ja, aber Hechtkopf – eher nein. Es stehen also durchaus tolle Pferde bei uns zum Verkauf, deren Ausscheidungskriterien einem größeren oder kleinerem Reiter überhaupt kein Dorn im Auge sind. Ein Pferd mit zum Beispiel einer Neigung zum Sommerekzem würden wir auch nicht in die Murauen verkaufen, sondern einen Käufer in Norddeutschland oder Holland dafür suchen. Uns ist schon auch wichtig, wo die Pferde hinkommen. Und Probleme wie eben beispielsweise Sommerekzem legen wir dem Kaufinteressenten auch klar auf den Tisch.

Wenn man sich für ein Pferd aus Piber interessiert – wie geht man dann vor? 

Ines Hubinger: Einfach anrufen/mailen, Termin ausmachen, herkommen und aber auch unsere Fragen über sich ergehen lassen. Manchmal kommen auch Leute mit falschen Vorstellungen, die einen Lipizzaner haben wollen – unsere Gestütsmeister und Mitarbeiter auf den Höfen haben auch ein Gespür dafür, ob Mensch und Pferd zusammenpassen können. Grundsätzlich kann natürlich jeder ein Pferd kaufen, aber wir befragen auch unsere Käufer, denn unser Hauptanliegen ist es, dass die Pferde ein zu Hause haben, wo sie auf einen langen Zeitraum (möglichst für immer) bleiben können.

Kann man sein Pferd in Piber zur Aufzucht einstellen? 

Ines Hubinger: Nein, das ist nicht möglich. Unsere drei Standorte Piber, Wien und Heldenberg sind ein geschlossener hygenischer Betrieb. Wenn uns ein Pferd verlässt, weil es verkauft ist, dann ist es örtlich gesehen weg. Es gibt auch kein externes Decken. Wir sind kein Zuchtbetrieb, wo man mit seiner Stute einfach vorbei fährt. Wenn Hengste aus Wien zum Decken kommen, dann stehen sie aus weiteren Vorsichtsmaßnahmen trotzdem zuerst in Quarantäne innerhalb des Betriebs, bevor sie mit den Vierbeinern in Piber in direkte Berührung kommen. Da passen wir sehr auf!

Warum die Stuten in Piber erst mit sechs Jahren gedeckt werden, das erzählt Gestütsleiter
Harald Neukamm in folgendem Clip:

Im Sommer gibt es übrigens Almführungen, wo man mehr über die „Alpung“ der jungen Lipizzaner sowie deren Herdenleben erfahren kann. Weitere Highlights: Die Herbstparade und der Almabtrieb im September. Mehr darüber auf der Homepage

Conversano Aquilejas Eingewöhnung am „Horse Resort am Sonnenhof“ war super unkompliziert. Kein Streit mit den anderen Buben auf der Koppel, sofort wurden Freunde gefunden. Ich bin sehr glücklich, dass ich dieses tolle Pferd weiterhin auf seinem Weg begleiten darf und werde natürlich laufend im Blog darüber berichten,

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Frag doch mal Bent

Frag doch mal Bent

Akademische Reitkunst? Reiten lernen? Wie geht es man es am besten an? Gibt es Pros und Contras? Bei uns sagt man, man fragt den Schmied und nicht den Schmiedl – da liegt es doch auf der Hand Bent Branderup persönlich zu befragen, wenn es um Allgemeines oder „Heiße Eisen“ geht.

Als ich 2007 zum ersten Mal mit der Akademischen Reitkunst in Berührung kam, gab es nicht eine, sondern viele Fragen. Ich hatte eigentlich die Suche nach Leichtigkeit aufgegeben und mich bereits mit dem Gedanken begnügt – wenn schon Reiten, dann halt irgendwie im Wald. Als ich die Leichtigkeit meiner lieben Freundin Eva mit ihrem Warmblüter Anton in einer Piaffe sah, war ich schlichtweg berührt, gleichzeitig aber verunsichert. Eine kunstvolle S-Kandare kannte ich bis dahin nur aus dem Museum und der Sattel erinnerte mich irgendwie an die Modelle aus der spanischen Hofreitschule.

Wenn wir schon bei Sprichwörtern sind, dann sagt man in Österreich: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. So ähnlich ging es mir also auch: Ich war durch das exotisch anmutende Equipment so erstaunt, dass ich die Frage nach dem Wesentlichen, nach der Leichtigkeit beinahe vergessen hätte.

Was, wer, wie, wo, warum?

Sicherlich geht es vielen Neulingen und Einsteigern auch so ähnlich. Schon der Name – Akademische Reitkunst? Das klingt kompliziert!
Braucht man einen Hochschulabschluss für die Reitkunst? Oder lernt man reiten nicht einfach, indem man reitet? 

Wäre doch klasse, wenn man diese oder andere Fragen direkt an Bent Branderup stellen könnte?

Man kann – im folgenden Video wird die oben gestellte Frage nach der Komplexität der Reitkunst von Bent persönlich – auf englisch beantwortet:

Klickt mal rein. Ich habe euch Bents Antwort übersetzt:

„Natürlich muss man reiten lernen, indem man reitet. Wir brauchen also gewisse körperliche Fähigkeiten, wir brauchen ein gutes Körpergefühl, um zielgerichtet mit dem Körper Mitteilungen geben zu können. Wir brauchen aber auch das Verständnis, was man da eigentlich mit seinem Körper tun soll. Es bringt also nichts, wenn man die körperlichen Fähigkeiten alleine besitzt.

Akademische Reitkunst – der Name stammt aus der Zeit der alten Reitakademien, einige von ihnen sind übrigens heute bekannte Universitäten. Reiten zu lernen bleibt natürlich in gewisser Weise kompliziert, es hilft also clever zu sein. Und es geht nicht nur ums Reiten selbst, sondern um das Training von Körper und Geist.“

Und wie ich heute 10 Jahre später weiß – es lohnt sich mit Köpfchen zu reiten und seinen Körper unter Kontrolle zu bringen.

Habt ihr auch Fragen? Dann stellt eure Fragen an Bent Branderup doch direkt!

Das englische Video ist auf Bents Facebook-Seite zu finden.

Postet eure Frage direkt unter das Video auf der Facebook Seite – jeden Monat wird eine Frage gezogen und von Bent per Video beantwortet. Die deutsche Übersetzung bekommt ihr von mir auf meiner Blogseite.

Die nächste Ziehung ist am 29. Mai 2017 , das nächste Video folgt dann am 31. Mai 2017 🙂

Viel Spaß mit den Videos und den vielen Antworten, die da noch auf uns zukommen!

 

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Reiten, wie damals..am Ponyhof

Reiten, wie damals..am Ponyhof

Der Traum vom eigenen Ponyhof – wer kennt ihn denn nicht? Während ich noch mit Steckenpferden im Wald herumtollte, war für sie der Traum bereits Realität. Während ich von Reitstunden träumte, absolvierte sie mit ihrem Shetty bereits das erste Geschicklichkeitsturnier. Die Rede ist von Yvonne Heynckes, die einen Ponyhof für Groß und Klein leitet.

Yvonne – Akademische Reitkunst und Ponyhof – wie kam es dazu und wie bist du zur Akademischen Reitkunst gekommen? 

Yvonne Heynckes: Ich hatte mir vor vielen Jahren eine Tinkerstute gekauft, mit dem Hintergedanken sie zu einem Voltigier- und Kutschpferd auszubilden. Mental war diese Stute jedoch nicht dazu in der Lage, die ihr gestellten Aufgaben zu lösen. Also musste ich eine andere Lösung für sie finden. Diese fand ich auch im Unterricht von Bent Branderup, bei dem wir im Gegensatz zum Unterricht in anderen Reitweisen sofort ernst genommen und willkommen waren.

Wie heißt es so schön: Wir denken im Stehen über den Schritt nach und im Schritt über den Trab usw. Einerseits ein Satz zum Schmunzeln, andererseits vielleicht auch eine Warnung, sich nicht zu sehr im Tüfteln zu verhaften. Wie passt dieser Satz aber zu Kindern und Jugendlichen, die vielleicht auch die Schnelligkeit und Geschwindigkeit von Galopp mögen? 

Yvonne Heynckes: Dieser Satz passt eigentlich zu Kindern viel besser, als man zunächst denken würde. Kinder wollen nämlich unbedingt verstehen WARUM wir WAS WIE machen. Erwachsene finden es meist viel schwerer, im Schritt über Galopp nachzudenken. Sie empfinden das als schwierig und kompliziert. Für Kinder ist es aber total logisch, einen Schritt nach dem anderen zu machen und sich in eine Aufgabe erstmal einzufühlen. Sie sehen einen Sinn dahinter und haben tatsächlich Spaß wenn sie fühlen und verstehen. Manchmal arbeiten die Kinder dann zu zweit. Ein Kind sitzt mit geschlossenen Augen am Pferd, während das andere Kind vom Boden aus das Pferd bewegt. Das Kind auf dem Pferd muss nun erraten, was passiert ist und so wird die Schulung des Reitergefühls zu einem Spiel, an dem die Kinder Freude haben.

Und was sagst du Eltern, die meinen: Zu meiner Zeit sind wir nach 5 Reitstunden schon galoppiert? 

Yvonne Heynckes: Alles zu seiner Seit und wir lassen den Galopp natürlich nicht aus. Der ist ein wichtiger Spaß- und Geschwindigkeitsfaktor für die Kids. Für Kinder ist ein Galopp ein Traum – eigentlich haben eher Erwachsene vor dem Galoppieren Angst. In der Ovalbahn arbeiten wir auch wieder ganz spielerisch am Galopp. Die Pferde galoppieren an und die Kinder erraten, ob das Pferd im Links- oder Rechtsgalopp unterwegs ist.

Wie beschreiben Kinder ihre Gefühle? 

Yvonne Heynckes: Da braucht es nicht immer ganz besonders „akademisches“ Vokabular. Es reicht oft ganz einfach zu sagen: Es geht mehr nach rechts oder nach links. Es fühlt sich etwas angenehm oder unangenehm an. Kinder finden meist wirklich erstaunlich viele Worte für Details. Sie müssen nicht danach suchen. Es sind eher die Erwachsenen, die alles komplizierter machen oder erleben 😉

Wie siehst du die heutige reiterliche Ausbildung von Kindern und Jugendlichen? Für mich war es als Kind das Schönste überhaupt einfach nur bei den Pferden zu sein und Stallarbeiten erledigen zu dürfen. Heute bekommen die meisten Kinder das fertig geputzte und gesattelte Pferd vor die Nase gestellt. Wie beurteilst du das? 

Yvonne Heynckes: Ich verstehe nicht, warum Reitschulbetreiber das machen. Die Stallarbeit lässt sich ja auch wunderbar in den Unterricht integrieren – und die Kinder wollen ja mit den Ponys zusammen sein. Kinder, die im Umgang mit dem Pferd zunehmend selbstständig werden, sind ja auch eine Erleichterung für den Reitbetrieb. Meine jüngste Lerngruppe bekommt natürlich noch viel Unterstützung, aber je weiter fortgeschritten die Gruppe ist, umso eher lernen sich die Kinder gegenseitig beim Satteln und Putzen beispielsweise zu unterstützen. Freilich begleitet durch unser wachsames Auge. Das Ziel sollte aber sein, nicht nur das Reiten zu schulen, sondern dass jedes Kind selbstständig ein Pferd versorgen kann. Das ist das Ziel unserer gesamten Ausbildung. Das wissen Eltern und Kinder – und genau so möchten sie es auch lernen.

Wie alt sind denn die Kleinsten bei dir in der Gruppe? 

Yvonne Heynckes: Ab 6 Jahren geht es mit dem Reitunterricht los, davor werden die meisten Kinder einfach mal geführt und ganz sanft mit dem Pony vertraut gemacht. Ich muss aber gestehen, dass wir das Alterslimit ab 4 festsetzen mussten – aus organisatorischen Gründen – denn es gäbe bereits für noch jüngere Ponybegeisterte eine große Nachfrage.

Wie alt warst du denn, als du das erste Mal am Pferd gesessen bist? 

Yvonne Heynckes: Das weiß ich nicht mehr so genau, aber mit vier Jahren habe ich das erste mal bei Ponyspiele mit meinem Shetty teilgenommen.

Warum sollten Kinder überhaupt etwas von Ponys und Pferden lernen? 

Yvonne Heynckes: Ich denke ganz elementare Dinge, wie Verantwortung zu übernehmen oder aktiv in der Gesellschaft zu werden – all das lernen Kinder durch den Umgang mit Pferden und Ponys. Wir leben in einer Gesellschaft, die Kinder zwingt viel inne zu halten. Vom Stillsitzen in der Schule, bei Tisch, vor dem Computer….da kommt freilich das Ausleben des Bewegungsdranges viel zu kurz. Wir geben den Kindern am Ponyhof Raum, um sich wieder zu bewegen und Spaß an Bewegung zu haben. Auch das Thema Geduld – da profitieren die Jugendlichen im Prozess des Erwachsenwerdens ebenso enorm. Denn in der Pubertät hat man wenig Geduld, am Ponyhof kommen die jungen Erwachsenen aber wieder zur Ausgeglichenheit und Ruhe.

Bei der Akademischen Reitkunst geht es um die Gymastizierung. Wie baust du dieses Thema bei den jüngeren Schülern ein? 

Yvonne Heynckes: Ich erkläre schon in groben Zügen, was wichtig ist. Das Interessante dabei ist aber: Ab einem gewissen Alter oder Ausbildungsstand kommen die Kinder zu mir und fragen ganz aktiv nach. Sobald einige Abläufe automatisiert sind und einfach von der Hand gehen, wollen die Kinder alles, was dahinter liegt verstehen. Oft kommen die Kinder sogar und fragen, ob sie beim Bent Kurs dabei sein dürfen. Die Teilnahme an der Theorie ist übrigens für unsere Kinder kostenlos. Nach dem Kurs wünschen sie sich oft Themenwochen oder Projektwochen zu Begriffen wie „über die Hand gehen“ oder „hinter dem Zügel gehen“, die ihnen im Kurs völlig neu waren. Dann arbeiten wir alles im Handumdrehen auf und später in der Praxis höre ich oft: „Ah, das hat er gemeint“! Learning by doing quasi. Wir veranschaulichen auch sehr viel. So lasse ich die Kinder einen Eimer heben – einmal mit rückständigen Beinen, einmal quasi im geschlossenen Stand. Oder wir spielen Vorhand und Nachhand. Ein Kind ist die Vorhand, ein weiteres Kind „hängt“ sich an die Hüften der Vorhand und spielt die Nachhand. Allerdings sind beide nicht wirklich ganz brav. Mal fällt die Vorhand aus, mal die Hinterhand. Die Kinder spüren, wie sich das in der Verbindung anfühlt – aber auch das Gefühl für Takt lässt sich so ganz prima schulen. So lernen wir, ohne dass es sich groß nach Theorie anfühlt! Auch für das Thema Galopp spüren die Kinder selbst in ihrem Körper wie sich das Angaloppieren in der inneren Hüfte anfühlt. So geht es vom lustigen Spiel mit der Reitstunde in die Realität auf dem Pony – und das mit viel Spaß und Freude.

Baust du solche Erlebnisse auch in den Unterricht mit Erwachsenen ein? 

Yvonne Heynckes: Ja, das mache ich auch sehr gerne, weil ja auch Erwachsene happy sind mit simplen Erklärungen. Manchen Leuten ist es manchmal zu theoretisch, dann können sie durch diese spielerische Theorie noch einmal alles besser verstehen.

Ältere Schüler mit Kinderaugen reiten lassen – das ist quasi die wahre Kunst. Wir dürfen einfach nicht aus den Augen verlieren, dass wir mit den Pferden ja gerne zusammen sein wollen. Den Kindern ist das in erster Linie wichtig. Sie haben gar nicht die Zielsetzung eines Kruppeherein. Wenn wir für uns als Erwachsene unsere Ziele kleiner stecken, dann kommt auch mehr Motivation und Sinnhaftigkeit in die Sache. Und es zahlt sich auch aus, als Erwachsener mit Kinderaugen in die Bodenarbeit zu blicken: Kinder möchten natürlich möglichst sanft mit den Ponies umgehen. Daher haben sie immer Furcht davor, zu stark am Zügel Zug auszuüben. In der Bodenarbeit neben dem Pferd können sie genau anschauen, was im Kopf des Ponys vorgeht. Die Ponys zeigen schließlich auch genau, wann es ihnen zuviel Einwirkung ist.

Wie motivierst du deine vierbeinigen Mitarbeiter? 

Yvonne Heynckes: Das ist ganz einfach: Wir haben sehr viele Projektwochen: Einmal steht Bogenschießen am Programm. Dann haben wir Bodenarbeitswochen. Wir widmen uns Themen auf unterschiedlichen reiterlichen Niveaus. Dadurch behalten die Pferde einen roten Faden in der Ausbildung zum Gebrauchspferd, aber es gibt eben auch sehr viel Abwechslung. Und jedes Pony bekommt die Aufgabe, in der es auch wirklich gut ist. Für die Pferde bedeutet das auch in der täglichen Arbeit viel Sinnhaftigkeit – wie bei einem Geschicklichkeitsparcours für die Kinder ebenso.
So bleiben Freude und Losgelassenheit immer erhalten. Alle vierbeinigen Mitglieder des Ponyhof Heynckes gehen übrigens zunächst mal zwei Jahre zu mir in die Ausbildung. Für mich ist es dann natürlich auch eine große Herausforderung, wenn ich meine Schützlinge meinen zweibeinigen Schützlingen übergebe.

Hattest du jemals Zweifel an der Kombination Ponyhof und Akademische Reitkunst? 

Yvonne Heynckes: Nein. Kinder empfinden diese Ausbildung nicht als kompliziert – denn Akademisch Reiten kann man auch überall – im Wald und im Feld.

Bei den Bildern vom Ponyhof Heynckes wird man tatsächlich an „Reiten wie damals“ erinnert – als Ferien, Spiel und Spaß mit Ponys jedes Kinderherz höher schlagen haben lassen. Damals gibt es im heute – nachzulesen auf Facebook

oder der Website des Ponyhofs

Reiten wir wie damals 😉 Dann reiten wir Einfach

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