Schubkraft versus Tragkraft

Schubkraft versus Tragkraft

Schubkraft versus Tragkraft – was brauchen wir für die Ausbildung unserer Reitpferde?
Um beide Begriffe ranken sich einige Mythen, Meinungen und Philosophien rund um die Ausbildung.
Die aufmerksame Lektüre von Mr. „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ Steinbrecht kann uns hier auf die Sprünge helfen.

Oder aber das kommende Themenseminar mit Bent Branderup am 3. und 4. Juni 2017, organisiert von Andrea Harrer in Ainring.
Weitere Infos für Kurzentschlossene gibt es unter diesem Link

Was sagt denn Herr Steinbrecht dazu?

Als Einstimmung auf das kommende Wochenendseminar gibt es ein „Best of Steinbrecht“ zum Thema:

Warum reiten wir eigentlich Dressur? 

Die richtige Dressur ist daher eine naturgemäße Gymnastik für das Pferd, durch die seine Kräfte gestählt, seine Glieder gelenkig gemacht werden. Durch sie werden die kräftigen Teile zugunsten der schwächeren zu größerer Tätigkeit angehalten, diese durch allmähliche Übung gestärkt, und verborgene Kräfte, die aus natürlichem Hang zur Bequemlichkeit vom Pferde zurückgehalten werden, hervorgerufen, wodurch endlich vollkommene Harmonie im Zusammenwirken der einzelnen Glieder mit ihren Kräften entsteht, die das Pferd befähigt, auf die leisesten Hilfen des Reiters solche geregelten und schönen Bewegungen andauernd und zwanglos auszuführen, die es aus eigenem Antrieb nur in Augenblicken der Erregung flüchtig zeigt.

Müssen wir Tragkraft oder Schubkraft ausbilden? 

Der Reiter hat die Aufgabe erfüllt und sein Pferd vollkommen ausgebildet, wenn er die beiden in der Hinterhand ruhenden Kräfte, die Schub- und Tragkraft, diese in Verbindung mit der Federkraft zur höchsten Entwicklung gebracht und in ihren Wirkungen wie in ihrem Verhältnis zueinander beliebig und genau abzuwägen vermag. Er kann dann den Schwerpunkt seines Pferdes bald von den Schultern auf die Hanke, bald von dieser zurück auf die Schultern verlegen, oder das Gleichgewicht aufrechterhalten, je nachdem er die Schub- oder die Tragkraft vorherrschen lässt oder beide in gleichmässige Wechselwirkung versetzt, eine Vollkommenheit der Ausbildung, die nur dem wahren Schulpferde eigen ist.

Es lohnt sich über den Sinn und Zweck nachzudenken, denn….

Der Trainer bildet beim Rennpferde nur die Schubkraft der Hinterbeine zu möglichster Vollkommenheit aus und kann dies nicht ohne Nachteil für die Vorderbeine tun, denen dadurch zu großes Gewicht aufgebürdet wird. Der Kampagnereiter, der sich das Gleichgewicht des Pferdes als Ziel setzt, braucht die Tragkraft der Hinterbeine nur so weit auszubilden, dass sie das auf den Schultern liegende Übergewicht übernehmen. Der Schulreiter hingegen bildet Schub- und Tragkraft gleichmässig zur möglichsten Vollkommenheit aus und gibt dadurch seine Pferde die höchste körperliche Gewandtheit.

Beim Anreiten sofort die Tragkraft fördern? 

Zunächst handelt es sich nun darum, die Schubkraft und damit die Gehlust des jungen Pferdes in seiner ganz natürlichen Richtung zu entwickeln. Jedes rohe Pferd wird unter dem Reiter verhaltener und gebundener treten als an der Hand, weil die Freiheit seiner Bewegung durch das Tragen der Reiterlast und die dadurch hervorgerufene ungewohnte Berührung mehr oder weniger eingeschränkt wird.

Verkürzte Gänge – ein Trugschluss für echte Tragkraft? 

Wir sehen oft Pferde, die in der Bahn in verkürzten Gangarten geritten, vortrefflich in ihrer Stellung von Hals und Kopf erscheinen, dennoch auf langen Linien zu freien Gängen aufgefordert, in vollkommene Unordnung geraten, weil die dadurch geweckte, aber nicht völlig beherrschte Schubkraft den gesamten Streckmuskeln zur Stütze ihres Widerstandes wird.

Über die Biegung des Halses 

Beim richtig gearbeiteten Pferd sind Hals und Kopf das Hauptgewicht, durch das der Reiter dessen Gewichtsverteilung überhaupt regelt. Er wird dadurch nicht nur die Hinterhand belasten und biegen, sondern auch die Schnelligkeit der Bewegung fördern können, indem die vorgestreckte Haltung das Übergewicht nach vorn vermehrt. In jeder Richtung aber muss der Hals eine sichere Leitkette für die Hand des Reiters bleiben, also durch richtige Verbindung der einzelnen Wirbel die Wirkung des Gebisses den Rückenwirbeln übermitteln.

Was bedeutet Biegung und Ausrichtung der Wirbelkörper zueinander? 

Die Stetigkeit des Halses, also die sichere Verbindung der einzelnen Halswirbel miteinander und ihre Richtung zueinander kann nur durch die ungeschwächte und wohlausgebildete Schubkraft, seine Biegsamkeit jedoch nur durch die Tragkraft der Hinterhand sichergestellt werden.

Wir freuen uns schon sehr auf Bent Branderups Vortrag zum Thema Schubkraft versus Tragkraft – nachzulesen in einer Woche, wie gewohnt in meinem Blog 😉

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Der Aussenzügel

Der Aussenzügel

Du musst das Pferd an den Aussenzügel reiten! Gib dem Pferd doch am Aussenzügel eine Parade! Aussenzügel dran! Es gib so viele Mythen über den Aussenzügel, daher lohnt es sich, dem Außenzügel einmal einen eigenen Artikel zu widmen.

Die Sache mit den zwei Zirkeln

Alle Basis beginnt am Boden. Nachdem meine Schüler Bodenarbeit, Longenarbeit und Handarbeit kennen gelernt haben, geht es natürlich im Sattel weiter. Das Glück auf der Erde ward aber auf dem Rücken der Pferde nicht sofort wieder gefunden.

Dies liegt vor allem an der Sache mit den Zügeln.

Als Menschen sind wir in unserer täglichen Arbeit, generell im Alltag extrem „Handfixiert“. Was es da nicht zu hämmern, halten, reißen, fixieren, lenken, schreiben, tippen und streichen gibt. Das Vokabular für manuelle Tätigkeiten ist beinahe endlos.

Wenn wir in den Sattel steigen kennt unser Pferd bereits die Arbeit mit Paraden, es kann Informationen aus der Hand empfangen und der Hand auch wiederum wichtige Informationen weiter geben.

Wenn wir die Zügel aufnehmen, dann fallen Reiter gerne in alte Muster zurück – oft wird in den Reitschulen das Kommando: Außenzügel dran zum fixen Credo – und zur fixen Hand.

Viele Reiter haben schon mal gehört, dass man das Pferd an den Aussenzügel heranreitet. Richtig. Das impliziert aber, dass etwas in der Vergangenheit geschehen muss, um in der Zukunft die Verbindung an den Außenzügel zu bekommen – oder eben nicht. Diese gewünschte Verbindung und die Vorarbeit in der Vergangenheit wird allerdings gerne abgekürzt, indem man den äußeren Zügel einfach rasch kurz hält.

Wenn wir unser Pferd auf dem Zirkel arbeiten (und selbst auf der langen Geraden in Halle oder Viereck kommen wir mal durch eine „runde“ Ecke), dann haben wir eigentlich zwei Beinpaare: Ein inneres und ein äußeres Beinpaar, dazwischen mehr oder weniger Masse Pferd. Rein Mathematisch wäre es also unlogisch, den inneren Zügel ganz exakt gleich kurz zu fassen, wie den äußeren Zügel. Von einer Zirkelmitte mit Zirkel und Maßband nachgemessen ist der innere Zirkel der inneren Beinpaare schließlich enger als der äußere Zügel. Ein zu kurzes Fassen des äußeren Zügels bewirkt also ein Kurzmachen der äußeren Oberlinie. Dabei war es doch das Ziel bei der Biegung auf dem Zirkel gerade die äußere Oberlinie zu mehr Dehnung einzuladen.

Zurück auf den Boden: in den ersten Führübungen laufen wir rückwärts vor dem Pferd her. Beim so genannten „Following“ oder „Fokus“ lernt das Pferd unserem Körper zu folgen. Die Gerte kann als innerer oder äußerer Zügel angewandt dem Pferd zeigen mit der äußeren Schulter in den Zirkel zu wenden oder über den inneren Zügel den Zirkel zu vergrößern. Auch wenn das Pferd diese Hilfen kennt – der Fehler – leider die schlechte Nachricht sitzt immer im Sattel. Daher ist ein direkter Übergang von der Bodenarbeit in den Sattel auch nicht ratsam. In der Handarbeit schulen wir nicht nur das Verständnis des Pferdes für die indirekten Zügelhilfen – darunter verstehen wir die Führung zwischen den Schultern, sondern auch die direkten Zügelhilfen.

In der Bodenarbeit haben wir über den Kappzaum auf den Schädel des Pferdes eingewirkt. Stellung und Biegung wurde durch die Bewegung im Genick auf die Wirbelsäule übertragen. Wenn wir nun mit einem Gebiss arbeiten, kommt die Einwirkung der Hand zuerst im Unterkiefer an. Dieser muss unter den ersten Halswirbel, nach außen rotieren, somit kann sich eine Biegung auf die gesamte Wirbelsäule des Pferdes übertragen. Im besten Fall springt der Mähnenkamm des Pferdes nach innen über, die Biegung pflanzt sich vom Genick aus durch die gesamte Wirbelreihe fort. In der Bewegung kommt die innere Hüfte nach vorne-unten. Der äußere Brustkorb hebt sich, der innere Brustkorb senkt sich in Rotation. Somit wird ein freies Herausschwingen der Vordergliedmaßen möglich.

Soweit so gut. In der Praxis allerdings stoßen wir zu Beginn auf größere Hürden. Beispielsweise Steifheiten im Pferdekörper. Zunächst spüren wir diese in der Bodenarbeit auf und versuchen bestmöglich durch Gymnastizierung des inneren und äußeren Hinterbeins Balance und Durchlässigkeit, sowie Losgelassenheit zu erarbeiten.

Im Sattel hat der innere Zügel zunächst mal die Aufgabe bei der Erarbeitung von Stellung der primären Hilfe Sitz zu assistieren. Der äußere Zügel übernimmt die Aufgabe, die Biegung im Falle eines Überbiegens zu reduzieren. Gerade das Überbiegen kommt am Anfang gerne vor, allerdings wird der Reiter dann sein Pferd umso mehr auf die äußere Schulter werfen. Ein Festhalten am inneren Zügel (egal ob am Kappzaum oder am Gebiss) führt jedoch zum Festmachen der äußeren Halsmuskulatur bis hin zur gesamten äußeren Oberlinie. Diese Festigkeit wirkt sich wiederum negativ auf die gerade erarbeitete Biegung aus, wenn die innere Hüfte zum Ausfallen „gezwungen“ wird.

Ich wende das Pferd niemals mit dem Gebiss, denn dieses wirkt am Kopf und der hat bekanntlich keine Beine. (Bent Branderup) 

Der direkte Zügel kann das Pferd also sanft lösen und an der Stellung feilen, der indirekte Zügel ist für die Führung der Schultern verantwortlich. Die lösenden Hilfen des inneren Zügels sollen schließlich zu einer deutlicheren Verbindung an den äußeren Zügel führen. Dieser Prozess gelingt nicht so rasch, bedeutet Geduld und vor allem das Schwierigste: Immer wieder nachgeben. Aber ein kleiner Trost: Schon Guérinière schreibt 1733, dass es die größte Schwierigkeit für den Menschen nachzugeben ist. Willkommen also im Club 😉 

Der innere Zügel führt die Schultern des Pferdes nach außen, der äußere Zügel führt die Schultern nach innen. Eine der ersten Übungen ist daher auch das Verkleinern und Vergrößern einer Zirkellinie. Der äußere Zügel darf bei der Führung der Schultern eben nie so stark einwirken, dass er Einfluss auf das Gebiss bzw. den Unterkiefer nimmt.

Bereiten wir das Pferd also gut in der Bodenarbeit bzw. später in der Handarbeit auf den indirekten Zügel vor – dann haben wir es vom Sattel aus später leichter und Reiten Einfach 😉

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Rückwärtsrichten

Rückwärtsrichten

Rückwärts ist das neue Vorwärts. Zumindest wenn es um die Akademische Bodenarbeit geht. Für Neulinge oft ein seltsamer Anblick, wenn wir im Viereck rückwärts vor dem Pferd herlaufen. Nicht nur ein seltsamer Anblick, auch das Rückwärtslaufen ist für die meisten Menschen nach wenigen Minuten äußerst schweißtreibend.

Studien belegen dem Rückwärtslaufen aber einen großen Benefit für die Bewegungsqualität und Gesundheit des Menschen.

Rückwärtslaufen beansprucht die Gelenke weniger als Vorwärts zu laufen. Außerdem: Rückwärts unterwegs zu sein bedeutet einen höheren Sauerstoff- und Kalorienverbrauch. Somit lassen sich beim Rückwärtslaufen Herz und Kreislauf effizienter trainieren als beim Vorwärtslaufen.

Wer sich rückwärts bewegt, bewegt und belastet seinen Körper völlig anders, als in der Vorwärtsbewegung. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die menschliche Hüfte und Wirbelsäule, sowie die Muskulatur. Die Hüfte wird gekräftigt, das kommt natürlich auch der Stärkung der Wirbelsäule zu Gute.

Gerade Menschen, die viel im Büro sitzen (und das ist natürlich ein Großteil) leiden unter einer schwachen Rückenmuskulatur, sowie schwacher Hüfte. Ein wenig Rückwärts kann blockierte, oder verschobene Beckenschaufeln wieder frei legen. Einige Sportler schwören auf Rückwärts, vor allem mit steigendem Tempo sollen hier die Effekte umso größer werden.

Waden und Oberschenkelmuskulatur werden beim Rückwärtslaufen ebenso gestärkt. Die meisten Menschen, die das Vorwärts in Rückwärts umwandeln berichten von Muskelkater.

Was Rückwärts noch bringt? Auch die Arme werden gekräftigt und natürlich schulen wir unsere Balance und Körpergefühl.

Spitzensportler, vor allem Läufer nehmen die Rückwärtsbewegung in das Training dazu. Einerseits wird man durch das Rückwärtslaufen im Vorwärts schneller, andererseits dient das Rückwärts den Sportlern zum Koordinationstraining.

Wie sieht es aber mit dem rückwärts richten aus? Welchen Benefit haben denn unsere Vierbeiner?

Was ist Rückwärtsrichten eigentlich?

Beim Rückwärtsrichten bewegt sich das Pferd rückwärts, anstelle der Bewegung des Viertakts im Schritt bewegt sich das Pferd in einer diagonalen Bewegung rückwärts. Das diagonale Beinpaar rechts vorne und links hinten bewegen sich also beispielsweise gleichzeitig. Eine entsprechende Qualität im Rückwärtsrichten ist nur dann gegeben, wenn das Pferd die Beine vom Boden hebt und zurücksetzt, die Beine allerdings nicht am Boden schleifen lässt und Spuren im Sand hinterlässt.

Rückwärts wird heute in Prüfungen zur Überprüfungen von Gehorsam und Durchlässigkeit verlangt, die Schaukel, bei der das Pferd 6 Schritte vorwärts und 6 Schritte rückwärts geritten wird stellt in den Grand Prix Prüfungen den Prüfstein für den Bewegungsablauf und Durchlässigkeit.

Alois Podhajsky bemerkt in seinem Werk „Die klassische Reitkunst“ zum Rückwärtsrichten:

„Da das richtige Rückwärtstreten eine starke Hankenbiegung erfordert, sollen nie zu lange ausgedehnt werden. Beim Lehren der Übung wird der Ausbilder schon damit zufrieden sein, dass das Pferd, dem Zügelanzug folgend, ein bis zwei Tritte zurück geht. Zum Rückwärtsreten wird das korrekt auf allen vier Beinen stehende Pferd mit beiden Schenkeln an der Gurte zum Anreiten in den Schritt aufgefordert, wobei die Zügel nur mäßig nachgeben. Sobald es aber im Begriff ist die Bewegung anzutreten, wird es auf Grund der vermehrten Zügelanzüge die Beine nach hinten am Boden aufsetzen. Der Schenkeldruck lässt zwar in diesem Moment nach, hört aber nicht auf weil er nicht nur die Versammlung aufrecht zu erhalten hat, sondern auch sofort vermehrt werden muss, sobald das Pferd anfängt zurückzukriechen, anstatt zu treten.“

Waldemar Seunig beschreibt in „Von der Koppel zur Kapriole“ die Hilfen zum Rückwärtsrichten folgendermaßen:

„Zum Rückwärtsrichten gibt der Reiter dem in versammelter Haltung am Zügel stehenden Pferd dieselben Gewichts- und Schenkelhilfen wie zum Antreten der Bewegung nach vorwärts, die Zügel aber wirken in dem Augenblick, als sich ein Hinterbein erhebt, soweit verhaltend, dass dieses und das diagonale Vorderbein nach rückwärts statt nach vorwärts gesetzt werden. In diesem Moment muss der Anzug sofort leichter werden. Dies wiederholt sich so oft, wie die vom Reiter vorher bestimmte Trittzahl beträgt. Vermehrte Kreuzeinwirkung muss je nach dem Grade des Nachgeben der Hand sofortiges Halten oder durch kein Nebeneinandersetzen der Beine unterbrochenen flüssiges Vorwärtsgehen zur Folge haben. Der Oberkörper des Reiters soll dabei ohne Schwierigkeiten eine senkrechte Lage behalten können. Es darf nicht den Anschein haben, als ob die zurückgezerrte Vorhand die Hinterhand zurückschöbe. Bei richtiger Beugung der Hinterhand nimmt diese durch die Mitarbeit von Rücken- und Halsmuskeln die Vorhand nach rückwärts mit.“

Weiters betont Seunig, dass auch im rückwärts die Vorwärtstendenz sichtbar sein muss. Der Beobachter müsse das Gefühl haben, das Pferd laufe sogar im Rückwärts vorwärts.

„Bei einem Pferde, das gerade diese nach rückwärts gerichtete Bewegung in der beschriebenen korrekten Haltung und Form ausführt, können wir mit vollster Berechtigung sagen, es sei gut nach vorwärts geritten, denn just die Art und Weise, wie es an den Hilfen rückwärts tritt, gibt uns die weitgehendsten Aufschlüsse über den Grad seines „Nachvorwärtsgerittenseins“.

Fehlerquellen

Rückwärts braucht also eine Vorwärtstendenz. Dennoch sieht man oft unschöne Bilder von zuviel Zügelzug, weggedrückte Rücken und schleifende Beine, die eine tiefe Spur in den Sandboden ziehen. Das komplette Gegenteil bedeutet Rückwärts – aber zu schnell. Keine gesunde Sache für den Pferdekörper, schließlich kann sich das Pferd durch die zu rasche und starke Beugung im Iliosakralgelenk verletzen, auch Zerrungen an der Psoasmuskulatur sind möglich.

Korrektes Rückwärts ist aber nicht nur ein Prüfstein für Gehorsam und Durchlässigkeit. Gerne wird Rückwärtsrichten auch verwendet, auch in Kombination mit Antraben um die Hankenbeugung zu verbessern.

Rückwärts versus Schulhalt

In der Schulparade schulen wir die Biegsamkeit der Hanken, die Durchlässigkeit, wir empfangen eine Mitteilung vom Pferd in unserer Hand – umgekehrt spüren wir Widerstände im Pferdekörper auf.

Mehr zur Schulparade gibt es unter folgendem Link

Die Schulparade per se ist sicherlich keine Zirksulektion – darüber spricht auch der oben angefügte Artikel. Erst neulich beim Kurs mit Christofer Dahlgren wurde erneut am Unterschied zwischen Schulparade und Rückwärtsrichten gearbeitet. Unsere Pferde haben verstanden auf unseren Sitz zu hören. Verschieben wir die Balance etwas mehr in Richtung Hinterhand, bringen wir das Pferd etwas mehr auf die Hanken und erlauben dann den Hinterbeinen zu folgen – dann haben wir ein korrektes Rückwärts. Im Schulhalt oder in der Levante reiten wir die Hinterbeine vorwärts und geben dem Pferd eine Mittelung über den Sitz die Hanken im Stand vermehrt zu beugen.

Das Pferd sollte die Hilfen für Schulhalt und Rückwärtsrichten gut unterscheiden. Die oben angegeben Zitate von Podhajsky und Seunig gehen allerdings vom bereits gerittenen Pferd aus.

In der Bodenarbeit, Longen- und Handarbeit lernt das Pferd erstmals auf die Körpersprache des Pferdes zu reagieren, sowie ein erstes Verständnis für die Arbeit mit den Paraden.

Gehen wir quasi von der Grundschule – der Arbeit vom Boden aus in den Sattel über, wird dem Reiter ein Helfer zur Seite stehen – nun werden die Hilfen von Bodenpersonal und aus dem Sattel gemeinsam durchgeführt. Somit verhindern wir beim Rückwärtstreten ein Zerren an den Zügeln – auch hier ist die Verfeinerung der Sekundarhilfen, sowie das Verständnis für die Schwerpunktverlagerung beim Pferd zuerst durch sanfte Unterstützung von unten zu fördern, ehe der Reiter alleine die Hilfen abfragen kann.

So lassen sich auch unschöne Bilder, wie Gezerre und zu weites nach-hinten-lehnen vermeiden.

Man könnte nun fragen: Reicht die Schulung der Parade nicht aus, um das Pferd in Punkto Hankenbiegung auszubilden? Ja, vielleicht, allerdings bin ich persönlich mit meinen Pferden nicht nur im „Sandkasten“ unterwegs. Es kann schon vorkommen, dass man mal im Gelände kurz rückwärts muss, sei es vom Sattel wie vom Boden aus. Und hier möchte ich ein vielseitig, geschultes Pferd, dass seine Kenntnisse in der Praxis unweit eines Vierecks ebenso einsetzen kann.

 

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Die Basis am Boden

Die Basis am Boden

Nach der Grunderziehung kommt das Pferd in die Grundschule. Bodenarbeit, Longieren, erste Gymnastik – welche Ideen hatten die alten Meister dazu? Und wie würden sich Antoine de Pluvinel (1555-1620), François Robichon de la Guérinière (1688-1751) und Gustav Steinbrecht (1808-1885) zu diesem Thema in einem heutigen Gespräch untereinander austauschen? Ein mögliches Gespräch habe ich für die Feinen Hilfen, Ausgabe Nr. 17 zusammengefasst.

Steinbrecht: Meine Herren, immer wieder werde ich gefragt, wie die Grundausbildung eines jungen Reitpferdes vonstattengeht. Dabei ziele ich in erster Linie auf die Erarbeitung einer gemeinsamen Kommunikation. Das junge Pferd muss die Art der Verständigung erst erlernen und mit den Hilfen bekannt gemacht werden, bevor man von ihm überhaupt Gehorsam fordern kann. Gewohnheit, Gewöhnung und Wiederholungen sind hier wichtige Maßeinheiten bei der Ausbildung, die sinnvollerweise zuerst als Bodenarbeit zu beginnen hat. Die Anforderungen müssen sich meiner Ansicht nach ganz deutlich in Grenzen halten und der Ausbilder sollte alles, was zum Widerstand und zu Widersetzlichkeiten führen könnten, vermeiden, bis das Pferd die Wünsche des Reiters verstanden hat.

Pluvinel: Ich sehe, wir sind uns in der Art der Ausbildung sehr ähnlich, mein lieber Steinbrecht, da wir den Kopf des Pferdes in allererster Linie ansprechen.

Steinbrecht: Genau, denn die gemeinsame Sprache, die wir in der Bodenarbeit erarbeiten, dient dazu, die Einwirkung auf das Pferd zuerst vom Boden und später vom Sattel aus zu verfeinern. Stärkere Hilfen sollten so möglichst selten werden.

Guérinière: Ebenso wie übertriebene Hilfsmittel und Strafen eingesetzt werden sollten. Für die gemeinsame Erarbeitung der Kommunikation sind Kappzaum, Longe und Peitsche die ersten und einzigen Hilfsmittel, die man auf einem ebenen Platz benutzen darf, um jungen Pferden, die noch nicht geritten werden, die Grundlagen beizubringen.

Steinbrecht: Ich stimme Ihnen zu, Monsieur. Man longiere das junge Pferd zunächst und lege ihm aber auch noch einen einfachen Gurt und eine Wassertrense an. Man lasse das Pferd auf beiden Seiten in Bewegung kommen. Dabei bin ich aber nachsichtig, was das Einhalten einer genauen Gangart oder die Linie des Zirkels anbelangt. Noch an keine Biegung seines Körpers gewöhnt, wird es stets das Bestreben haben, in gerader Linie den Zirkel zu verlassen und daher bald nach innen, bald nach außen abweichen. Diesem Bestreben muss die übereinstimmende Arbeit von Longe und Peitsche in ruhiger Weise entgegen wirken, bis es gelernt hat, sichere Anlehnung an die Leine zu nehmen und deren Führung Folge zu leisten.

Guérinière: Ich erinnere mich, dass Sie auch hier zwei Personen für die Arbeit mit dem jungen Pferd empfehlen. Einer davon hält die Longe, die andere die Peitsche. Derjenige, der die Longe hält, muss im Mittelpunkt des Kreises stehen, auf dem er das Pferd schließlich traben lässt. Der Peitschenführer folgt dem Pferd von hinten und treibt es durch leichte Schläge auf die Kruppe – besser aber auf den Boden – vorwärts. Ist ein Pferd drei- bis viermal auf einer Hand herumgelaufen und gehorsam gewesen, so lässt man es anhalten und lobt es. Nachdem man es hat verschnaufen lassen, lässt man es auf der anderen Hand traben und verfährt genauso.

Pluvinel: Sie wählen hier sofort den Trab, werter Guérinière?

Guérinière: Ja, denn der Trab ist ohne Zweifel die Grundlage aller Übungen, um ein Pferd gewandt und gehorsam zu machen. Dabei wird der Körper des Pferdes im Gleichgewicht gehalten, da zwei Beine in der Luft sich beugen, zwei Beine währenddessen auf dem Boden ruhen und damit den Körper stützen. Dadurch bekommen die Beine in der Luft Leichtigkeit und somit ergibt sich der erste Grad von Biegsamkeit in allen Teilen des Körpers.

So gut jedoch eine Sache vom Grundsatz her sein kann, warne ich vor Übertreibungen, denn man darf trotzdem keinen Missbrauch damit treiben, indem man ein Pferd bis zur Ewigkeit traben lässt.

Steinbrecht: Drängt nun unser junges Pferd nach innen, so muss die Peitsche gegen die innere Schulter gerichtet werden, um es hinaus zu schicken. Drängt es aber auf der anderen Hand gearbeitet nach außen, so hat sich der Longenführer passiv zu verhalten und nur darüber zu wachen, dass es nicht ins Stocken gerät. Die Arbeit an der Longe ist als Vorbereitung für die Übungen unter dem Reiter sehr zweckmäßig und in vielen Fällen unentbehrlich. Das rohe Pferd wird dadurch zunächst vertrauter mit dem Menschen gemacht, in der leichtesten Weise an Arbeit, Aufmerksamkeit und Gehorsam gewöhnt und gewinnt an Biegsamkeit und Gewandtheit, insoweit dies seiner natürlichen Schiefe entsprechend möglich ist. Für das Einhalten der korrekten Kreislinie wird dem Pferd bereits einiges abverlangt.

Guérinière: Da gebe ich Ihnen recht. Damit der Trab an der Longe noch nützlicher für Balance und Formgebung wird, muss man sich als Longenführer stets bemühen, den Kopf des Pferdes mit der Longe nach innen zu stellen und gleichzeitig mit der Peitsche die Kruppe hinauszutreiben und sie einen größeren Kreis beschreiben lassen als die Schultern. Ich werde nicht müde zu betonen, welch hohen Stellenwert somit ein leichtes Schulterherein bereits in der frühen Ausbildung des Pferdes einnehmen kann.

Pluvinel: Ich lasse das rohe Pferd als erstes diese Übung machen. Zuvor habe ich ihm zur Gewöhnung bereits ein Gebiss ins Maul gelegt. Außerdem trägt das Pferd einen Kappzaum, der von mir entwickelt wurde. Er ist aus zwei verschiedenen Seilen hergestellt, die sich gut an die Pferdenase anpassen lassen. Beide Seile sind gleich lang und werden von einem Mann gehalten. Ein zweiter Ausbilder geht seitlich vom Pferd mit einer Peitsche, um damit das Pferd vorwärts zu treiben. Es soll sich am Seil mit nach außen gestellter Kruppe bewegen. Dabei achte ich penibel auf das innere Hinterbein, das wir auf dieser Kreislinie vermehrt unter den Leib des Pferdes zum Schwerpunkt hintreten lassen. Auf diese Weise zeigt der Kopf des Pferdes immer nach innen in die Volte hinein, das Pferd ist nach innen gestellt. Durch diese Ausbildung wird dem Pferd die gute Gewohnheit gelehrt, auf den vor ihm liegenden Hufschlag zu schauen. Ich betone, dass diese ersten Übungen immer um den einzelnen Pilaren ausgeübt werden.

Steinbrecht: Ich bin ein großer Bewunderer Ihrer Pilarenarbeit. Erzählen Sie mehr, Monsieur…

Pluvinel: Nach den ersten Übungen um den einzelnen Pilaren binde ich das Pferd nun zwischen zwei Pilaren an. Ich stelle mich hinter das Pferd und bringe ihm bei, sich ruhig seitwärts hin und her zu bewegen. Zwischen zwei Pilaren ausgebunden lernt unser junges Pferd nun, sich auf Aufforderungen von Gerte und/oder Peitsche in Schritt, Trab und später Galopp zu bewegen und auch seitwärts hin und her zu treten. Der besondere Vorteil liegt in der Korrektur: Wenn das Pferd dabei ausweichen möchte, korrigiert es sich durch den aushaltenden Kappzaum selbst und geht dabei präziser und genauer vor, als es ein menschlicher Ausbilder je könnte.

Guérinière: Stellen Sie als Pädagoge schwierige oder leichtere Aufgaben voran?

Pluvinel: Ich, mein geschätzter Guérinière, halte es für sehr gut, mit dem Pferd als Erstes Dinge zu üben, die ihm sehr schwerfallen. So finde ich es wichtig, vorwiegend mit dem Kopf, also mit dem Geist des Pferdes, zu arbeiten. Der Körper wird somit nicht überfordert. Der Ausbilder muss dabei den Arbeitseifer hüten, denn die Gutwilligkeit des Pferdes darf unter keinen Umständen erstickt werden.

 

 

 

 

Komm doch aus dir raus!

Komm doch aus dir raus!

Mentale Profiler würde man vielleicht heute sagen. Die Alten Meister haben diesbezüglich von „Reitertakt“ gesprochen. Die Rede ist von Reitern, die das Zeug dazu haben, ihre Pferde einer mentalen Stärken-Schwächen Analyse zu unterziehen.

In der Akademischen Reitkunst heißt es oft: Wir müssen nicht reiten, wir dürfen. Und in erster Linie geht es darum, mit seinem Pferd eine gute Zeit zu verbringen. Was, aber wenn das Pferd nicht dieser Ansicht ist?

Wer als Reiter sein Pferd „auf die Couch legt“, hat folgenden Vorteil: der „Reitertakt“ legt offen, ob sich unser Pferd bei uns wohl fühlt, mit den gestellten Anforderungen zurecht kommt, oder überfordert ist. Und die wichtigste Frage: Hat mein Pferd überhaupt Spaß an der Sache?

Pferdepersönlichkeiten

Wie kann ich nun die Persönlichkeit meines Pferdes entdecken? Christofer Dahlgren, Meister der akademischen Reitkunst aus Schweden etwa teilt Pferde grob in vier Persönlichkeiten ein: Persönlichkeit „Glücklich“, Persönlichkeit „Schnell“, Persönlichkeit „Sicher“ und Persönlichkeit „Liebenswürdig“.
Jossy Reynvoet nimmt die Elemente Wasser, Luft, Feuer, Erde, Metall und Holz zur Hilfe, um die Persönlichkeit des Pferdes einzuschätzen.
Muss man nun ein hippologischer Sigmund Freud sein, um die Persönlichkeit des Pferdes richtig einzuschätzen?

Nein, denn oft reicht auch das Bauchgefühl. Aber der Vergleich mit Comicfiguren oder Elementen kann helfen, weiter in die Persönlichkeit zu blicken.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“,

heißt es im Kleinen Prinzen.
und gleich zu Beginn des Buches, da stellt sich die Problematik mit einer Kinderzeichnung.

Der Erzähler der Geschichte ist fasziniert von den Tieren des Dschungels. Besonders angetan hat es ihm eine Riesenschlange, die einen Elefanten verspeist. Für die „großen Leute“ ist die Zeichnung jedoch eindeutig:

„Das ist ein Hut“.

Wir sehen manchmal genau das, was wir sehen wollen. Also sehen wir nur das widerspenstige Pferd, das nicht durch die Wasserpfütze laufen mag, oder im Genick nicht nachgeben möchte, oder, oder, oder….

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar – ja vielleicht – aber für das Herz nicht. Sehen wir also öfter mit dem Herzen hin. Warum möchte das Pferd nicht so, wie wir wollen. Läuft es aus Angst davon, oder fühlt es sich von uns bedrängt, wenn wir etwas einfordern?

Der introvertierte Typ

Vor einiger Zeit gab es wieder einen Blog-Leserwunsch. Die Frage war: Wie würde ich introvertierte Pferde trainieren.

Wenn ich nach der Definition von Christofer Dahlgren gehe, dann darf ich einen introvertierten Typ zu meinen allerbesten Teamplayern zählen – meine Stute Pina.

Profiling Pina

Pina und introvertiert? Auf den ersten Blick wirkt Pina sehr ruhig, ein wenig in sich gekehrt, nachdenklich. Wenn ich zu ihr auf die Weide gehe, bleibt sie stehen und sieht mich freundlich an. Sie wartet ab, was nun passiert.
Zum Stall geht sie sehr brav, aber langsam mit. In der Box ist sie nicht gerne eingesperrt. Vor unserem Umzug zum Horse Resort „am Sonnenhof“ hat Pina wirklich viel gekoppt. Auf dem Paddock Trail denkt sie nicht mal dran, in der Box kann es schon nochmal „passieren“, wurde aber viel seltener.
Introvertierte Pferde neigen laut Christofer zum Koppen oder Weben, sie wirken ruhig, innerlich haben sie aber dann doch Stress. Daher sind auch häufig solche Pferde anfällig für Magen- oder Verdauungsprobleme, was auch eine Erklärung für Empfindlichkeit in der Gurtlage und Sattelzwang sein kann.

Dies kann ich für Pina auch bestätigen, allerdings veränderte sich die Anfälligkeit für Koliken ebenso rapide nach unserem Umzug 2015. Seit Veränderung des „Hauptwohnsitzes“ hatten wir keine Kolik mehr.

Beim Reiten ist Pina grundsätzlich sehr brav. Sie ist sehr intelligent und versteht sofort. Viele Wiederholungen sind für diesen Typ nicht notwendig. Einmal erklärt und es sitzt. Viele Wiederholungen führen daher nur zu mehr Frustration. Ich habe mit der Zeit festgestellt, dass Pina immer unsicherer wurde, je mehr ich „zur Sicherheit“ wiederholt habe. Mittlerweile gebe ich mich bei neuen Herausforderungen mit einem vermeintlichen Zufallstreffer zufrieden – wohl wissend, dass mein kluges Pferd die Aufgabe auch am nächsten Tag oder zwei Wochen später meistern wird. Hier hat sich für mich gezeigt: Ich gebe umso mehr Sicherheit, je weniger ich gerade bei neuen Themen „drauf rum reite“.

Ist es echt?

Wie oft geht es uns im Alltag so?
Man trifft einen Bekannten und fragt nach dem Befinden. „Gut“, lautet die Antwort. Aber der Inhalt es Gesagten und die Mimik passen einfach nicht zueinander.
Die Pferde wissen es besser – introvertierte Pferde meiner Meinung nach ganz besonders. Wenn mein Lob nicht wirklich ehrlich war, dann kam es auch nicht rüber.
Pina bemüht sich sehr, ist gleichzeitig aber hypermobil. Mit ihr lerne ich daher zum aufrichtigen und ehrlichen Pädagogen zu werden.

Wiederholung?

Wie trainiert man nun introvertierte Pferde. Für Pina ist es wie gesagt die eine Wiederholung, bzw. der „Zufallstreffer“, der langsam ausbaufähig wird – für ein anderes – aber ebenso introvertiertes Pferd mag die Sicherheit in einer gewohnten Reihenfolge und Gliederung liegen (auch das mag Pina recht gerne). Aber auch eine ganz feste Reihenfolge kann ihre Tücken haben: Eine Zeit lang habe ich nach dem Reiten noch vom Boden aus in die Arbeit mit der Schulparade geschaut: Pina konnte meine Hilfengebung nicht abwarten und hat einfach mal „von selbst“ gemacht. Das sieht zwar von außen lustig aus, aber es geht mir ja doch um die Schulung der Hilfen. Was nun? Lob oder Tadel? Für Pina wäre es frustrierend gewesen, wenn sie von sich aus brav etwas anbietet, ich es aber nie lobe, daher habe ich diese fixe Struktur dann doch wieder rausgenommen.

Gerade da introvertierte Pferde ihren Stress nicht so sichtbar nach außen zeigen ist die Gefahr groß, Warnsignale zu übersehen. Es gibt Situationen, wo ich bereits gelobt habe und abgestiegen bin und gefragt wurde: „Warum hast du aufgehört, jetzt wurde es doch erst so richtig gut?“

Ja mag sein, dass es gut ausgesehen hat, aber Pina war definitiv nicht entspannt. Ein kleiner „Wischer“ mit dem Schweif. Eine Verspanntheit rund ums Maul. Auch wenn Pina brav ihre Übungen absolviert – ich bin mir dann nicht mehr sicher, mit wie viel Freude.

Partnerschaft

Ich könnte nun wirklich kein Generalrezept für diese und jene Persönlichkeit ausstellen. Wie sagt Bent Branderup so schön in seinen Theorievorträgen:

„Das einzige Pferd, das sich nach dem Lehrbuch verhält, das steht im Lehrbuch drin“.

Da jedes Pferd einzigartig ist – und ebenso auch jeder Mensch – können wir keine Patentrezepte ausstellen.

Bei Pina etwa hat es schon für mich ein Weilchen gedauert, bis ich herausgefunden habe, was ihr wirklich gefällt und wo sie auch eine gute Zeit verbringt. Ab und zu sehr gerne mit meinem Vater im Wald. Beim Ausreiten müssen aber glitzernde und silbrige Gegenstände gerne aus Distanz unter die Lupe genommen werden. Dies kommt sehr selten vor, aber wehe man drängt Pina dann zur Eile. Dann kann es auch Rückwärts-Galopp geben. Wartet man auf ein zufriedenes Seufzen, dann ist alles wieder gut.
Ich denke gerade bei diesen Pferden kann das Seufzen und Ausatmen ein ganz eindeutiges Zeichen auch für die korrekte Dauer von Pausen sein. Manchmal „werfen“ wir ein Keks ins Pferd und reiten sofort weiter. Hier kann ich nur empfehlen genau auf das Timing des Individuums zu warten. Kann mein Pferd still stehen, dabei kauen und entspannen und richtig durchatmen, bevor es weiter geht?

Nur im Wald bummeln? Das ist Pina aber auch zu wenig. Sie wächst mit steigenden Aufgaben wirklich über sich hinaus – hier ist es aber ein schmaler Grat zwischen einem glücklichen und einem überforderten Pferd.

Ich habe mich über einen kreativen Einfall von Pina mal wirklich laut lachend gefreut. Die Antwort kam promt mit einem zufriedenen Brummeln meiner Stute. Mit steigenden Aufgaben wurde Pina auch zunehmend selbstsicher. Mittlerweile braucht sie keine Beschützerin mehr. Sie meistert auch Rangeleien oder Streitereien rund um eine Heuraufe am Paddock-Trail ohne ihre Freundin Tabby.

Nur Tabby ist mit dieser Situation nicht ganz zufrieden. Vielleicht weil sie extrovertierter ist als Pina. Das ist aber eine andere Geschichte.

Lernen wir also die Persönlichkeit unseres Pferdes kennen und lassen wir uns von dessen Entwicklung überraschen!

Am 25. und 26. März 2017 kommt übrigens Christofer Dahlgren zu uns nach Graz. Dann steht auch als Thema das individuelle und maßgeschneiderte Trainingsprogramm für glückliche Pferde im Fokus. Mehr Infos zu diesem Themenseminar gibt es hier.

Jahresrückblick 2016

Jahresrückblick 2016

2016 ist Geschichte. Wir lassen ein sehr bewegtes Jahr hinter uns. Wöchentlich gab es einen Blogbeitrag auf dieser Seite zum Nachlesen, grübeln und Tüfteln. In Graz haben wir erfolgreich 4 Kurse organisiert – und aufgrund der großen Nachfrage gibt es auch heuer wieder ein „Revival“ mit Christofer Dahlgren, Bent Branderup, Jossy Reynvoet und Annika Keller.

Ich möchte an dieser Stelle Danke sagen:
Danke an meine lieben Schüler, die meinen Alltag so gar nicht grau werden lassen! Ich freue mich sehr euren Einsatz, eure Wissbegier und euer Vertrauen!

Danke an das gesamte Organisationsteam – besonders an Eva Stix, die 2008 begonnen hat, in Graz Kurse mit Bent Branderup und Sabine Oettel zu organisieren. Ohne Eva wäre vermutlich vieles in meinem Reiterleben anders gelaufen. Danke für Alles 🙂

2017 werde ich die Kursorganisation der Bent Branderup Kurse von Eva übernehmen – die Kurse ziehen nun vom Lässerhof auf das Horse Resort „am Sonnenhof“ in Hart bei Graz.

Danke an meine vielen und sehr treuen Leserinnen und Leser des „Einfach Reiten“-Blogs. Durch euer Feedback, eure Artikelwünsche und vielen Nachfragen wird mein Blog immer interaktiver, was mich besonders freut. Auch im heurigen Jahr schreibe ich gerne auf Wunsch Artikel – immer her mit den Anregungen – ganz einfach per Mail.

Katharina Gerletz hat unser Jahr wie immer mit ihrer Kamera begleitet – daher gibt es heute anstelle vieler Worte ein Best-Of an Bildern. Viel Spaß beim Durchklicken!

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