„Wenn du willst, was du kannst, kannst du tun was du willst.“ Bent Branderup regte uns als Ausbilder unserer Pferde beim Seminar in Ainring am vergangenen Wochenende wieder ordentlich zum Nachdenken an.
Neben dem schönen Austausch mit vielen bekannten Gesichtern gratuliere ich zu den erfolgreichen Prüfungen, die am Kurswochenende abgelegt wurden.

Im heutigen Blogbeitrag gibt es ein Best of von Bent Branderups Zitaten – in großer Vorfreude auf den Kurs am 4. Und 5. Juli 2015 in Graz.

Über Sekundäre Hilfen:

Vor allem steht Kommunikation. Wir müssen dem Pferd beibringen, was wir mit einem inneren und äußeren Zügel, inneren und äußeren Schenkel meinen.

Über Gewicht, das wir in der Hand spüren:

Was wir in der Hand spüren ist bereits Vergangenheit. Wir können uns also nur bemühen, die Zukunft positiv zu beeinflussen. Das Leben muss vorwärts gelebt und rückwärts verstanden werden. Genauso ist es mit dem Reiten, wir müssen vorwärts reiten und Informationen an die Hand verstehen.

Über die Dehnungshaltung:

Ein Pferd steht 12 bis 14 Stunden täglich beim Grasen mit dem Kopf tief. In dieser Haltung läuft aber kein Pferd in einer Gangart. Was ist zu hoch, was ist zu tief? Je weiter die Hinterbeine nach vorne greifen, umso eher kann man das Pferd abwärts strecken. Dabei gilt aber immer zu beachten: Welche Pferde sollen sich in welcher Situation mehr oder weniger abwärts dehnen. Wir müssen das Pferd immer als Individuum betrachten.

Über unechten Schwung:

Als Reiten zum Luxus wurde, täuschten einige Bereiter das ungeschulte Auge. Mit einer mechanischen Einwirkung der Hand können die Vorderbeine gehoben werden. Man kennt hier die „stechende Art“ die Vorderbeine zu heben. Dabei wird das Hinterbein hinten rausgedrückt, die Wirbelsäule wird komprimiert. So konnte man Schwung vortäuschen. Aus dieser Zeit stammt dann auch das Zitat: Vorne wird getrommelt von hinten kommen aber keine Soldaten nach.

Über die Schulung des Gefühls:

Ihr müsst experimentieren. Wo sind Spannungen im Pferdekörper zu spüren. Das Auge beginnt in der Bodenarbeit beim Kiefer – ist dieser nach außen rotiert, wenn man eine korrekte Stellung verlangt? Ist der Kiefer nicht die Ursache, dann macht es wenig Sinn am Kiefer zu korrigieren. Dann liegt die Ursache weiter hinten!

Über das gute Maul:

Man darf ein ruhiges Maul nicht mit einem steifen Maul verwechseln.

Über den Innensitz:

Steinbrecht spricht hier von einem sanften Hang in der Hüfte nach innen. Guérinière sagt, das Pferd macht sich hohl um den inneren Schenkel und Newcastle sagt der Steigbügel erscheint 4 inches länger.

Über: Aller Anfang ist schwer (wenn man die Hinterbeine seines Pferdes sortiert):

Wir beginnen mit dem inneren Hinterfuß. Wir müssen irgendwo anfangen – erst später führen Gesamtheiten zur Korrektheit.

Über unsere Ziele:

Unser Ziel ist natürlich das Ideal, das wir anstreben. Dabei müssen wir uns selbst gestatten zu lernen und von den Pferden zu lernen. Der Mensch ist dabei verpflichtet sein Bestes zu tun. Es kann aber auch sein, dass der Idealismus zu Nihilismus führt. Wenn man die Flinte ins Korn schmeißt und aufgibt, weil man das Ziel in zu weiter Ferne sieht. Das kann dann weitere böse Auswirkungen haben, wenn man eine Einstellung entwickelt, die auch den anderen das Vorankommen nicht gönnt, weil man selbst gescheitert war.

Über die Ausbildung des Pferdes:

Mache lieber wenig richtig, als viel falsch. Akzeptiere Grenzen und arbeite an ihnen. So lange Ohren und Augen nicht bei dir sind, bist du nicht der Ausbilder deines Pferdes. Übe nur kurze leichte Lektionen, damit du das Pferd häufig loben kannst.

Über Bewegungsabläufe:

Eine korrekt gebaute Hinterhand nützt nichts, wenn das Pferd seine Gelenke falsch benutzt. Der Hufniederschlag gibt ebenso Aufschluss über die Qualität der Bewegung. Ein falscher Hufschniederschlag führt zu falscher Gelenksabnützung.

Über die Qualitäten als Ausbilder:

Wie heißt es so schön im Englischen? Handsome is, who handsome does.

Über die Parade:

Die Parade ist nicht das, was die Hand macht, sondern das was das Pferd macht!

Über Theorie:

Es gibt nur ein Pferd, das sich wie die Theorie verhält – das Pferd aus dem Lehrbuch.

Über eine Skala:

Balance ist die Voraussetzung für Losgelassenheit. Losgelassenheit ist die Voraussetzung für Formgebung. Formgebung ist die Voraussetzung für Balance. Es ist also ein Kreislauf, kein Treppchen.

Über die Reiterhand:

Abstoßen ist ein abstoßendes Wort. Besser – das Pferd löst sich zur nachgebenden Hand, die auch analysieren können muss.

Über die Hilfen:

Hilfen sind nur Hilfen, wenn sie helfen!

Über den Sitz:

Das Glück der Pferde sind die Reiter auf der Erde. Wenn wir den Pferden vom Boden aus einen Rahmen geben, ist die Basis fürs Reiten geschaffen.

Über Lastaufnahme:

Kann ich selbst einen schweren Eimer heben, wenn ich mit meinen Beinen nach hinten rausstehe? Man kann auch keinen Stuhl heben, auf dem man sitzt. Ähnlich ist es mit dem Pferd. Denn wenn wir drauf sitzen, drücken wir Gewicht über den Brustkorb auf die Schultern. Deswegen ist gutes Reiten, wenn man die Vorderbeine leicht machen kann, die Schulter beweglich halten. Nicht das Vorderbein in der Luft, sondern das stehende Vorderbein klärt uns über die Schulterfreiheit auf.

Über Kommunikation:

Es hiflt nichts wenn ich jetzt lauter auf dänisch spreche. Beim Pferd kann es bewusst helfen, wenn man weniger Hilfen einsetzt, um das Pferd aufmerksam auf sich zu machen.

Über den Reiterkörper:

Jede Gangart und Lektion muss in deinem Körper sein!

Über den gemeinsamen Tanz:

Jeder kennt die Situation aus der Tanzschule: mit dem Tanzlehrer konnte man sich entspannen und gut führen lassen. Reiten ist ein Paartanz, es geht nicht um Dominanz, sondern um zwei Geister und zwei Körper, die in Einklang kommen wollen.

Über die Ausbildung des Pferdes:

Die Frage ist nicht – für wessen menschliches Auge bilden wir aus? Die Ausbildung der Pferde muss in den Augen der Pferde gut sein. Wenn du also wissen willst, wie du reiten sollst – das sagte schon Xenophon im 4. Jahrhundert vor Christus, dann schau dir die Pferde an, wie sie sich zeigen, wenn sie sich schön und gut fühlen. Eile daher mit Weile. Je ruhiger es voran geht, desto sicherer geht es voran!

 

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