Wir haben gute und wir haben schlechte Tage. Wir können Entdecker sein oder Pauschaltouristen…und wenn wir unsere Begeisterung fürs Lernen ad acta legen, dann bedeutet das Stillstand.

Noten mit Begeisterung

In wenigen Tagen ist es soweit und in ganz Europa werden die Schulzeugnisse verteilt. Während sich die einen freuen, heißt es für die anderen möglicherweise: Zurück an den Start. Was hat das Lernen und die Schule aber mit dem Reiten zu tun?

Sehr viel, denn wie wir lernen und wie unsere Haltung dem Lernen gegenüber ist, das beeinflusst natürlich auch unsere Arbeit mit dem Pferd.

Mach es zu deinem Projekt

Nein das ist jetzt kein Plädoyer einer Heimwerker-Werbung. Dieser Ansporn kam erst kürzlich von Bent Branderup bei seinem Seminar in Ainring bei Salzburg. Bent appellierte an unseren Entdeckergeist, an die Freude zu lernen und passend dazu hörte ich im Radio ein Interview mit Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie.

Seine zentralen Aussagen?

Der Mensch hat ein angeborenes Erkundungsbedürfnis, aber auch ein starkes Bindungsbedürfnis. Wir sehnen uns also nach Verbundenheit, brauchen aber Begeisterung, damit unser Hirn das nötige Brainfood auch aufnehmen und leicht verdauen kann.

Wir sind aber auch die Summe unserer Erfahrungen – und so ist es auch logisch, dass wir nicht immer einer Meinung sind. Das ist auch gut so, schließlich kann man ja auch viel voneinander lernen und von den Erfahrungen anderer wertvolles Wissen partizipieren. Wenn ich mir aber gerade in der Reiterwelt die Diskussionen im Internet und diversen Foren ansehe, dann habe ich weniger das Gefühl auf Entdecker mit Begeisterung zu stoßen. Nur die eigene Meinung zählt und ist beinahe schon in Stein gemeißelt. Wir reden oder besser gesagt tippen aufeinander ein. Wer anderer Meinung ist muss schnellstens von der eigenen Meinung überzeugt werden. Macht so das Teilen von Meinungen und Inhalten Spaß?

Wo ist die Begeisterung?

Jeder hat schon mal die Erfahrung gemacht, wenn etwas wirklich, wirklich wichtig ist, dann legt man sich dafür so richtig ins Zeug. Wir schmieden einen Plan, wir widmen unsere ganze Aufmerksam auf das angestrebte Ziel. Wir lassen uns nicht vom Weg abbringen. Oder doch? In meinem Studium der Kommunikationswissenschaft habe ich mich intensiv damit beschäftigt, warum sich Menschen welchen Medien zuwenden und wann.

Irgendwie habe ich das Gefühl in der Generation „Switch“ gelandet zu sein. Wir scannen Inhalte rasch und suchen uns die Inhalte die wir brauchen. Wir recherchieren und befragen auch das Internet. Aber wie lange bleiben wir dann wirklich dran? Ich habe zunehmend das Gefühl, das Inhalte rasch gescannt werden und so geht es uns auch in der Praxis.

Ein schneller Kick, ein schnelles Erfolgserlebnis muss her. Talente fallen nicht vom Himmel. Es heißt nicht umsonst: Übung macht den Meister. Die Talentforschung hat sich mit der Vita bedeutender Meister befasst – beispielsweise Leonardo da Vinci oder Wolfgang Amadeus Mozart. Was sie gemein haben? Sie haben früh begonnen, sie haben viele Stunden täglich mit ihrer Materie zugebracht – sie waren von „ihrem Thema“ und ihrem Ziel nicht abzubringen.

Wie sagt Bent Branderup in seinen Kursen so schön:

„Die Menschen wissen nicht, was sie wollen, aber sie wollen es jetzt!“

Ich kann diesem Satz nur zustimmen. Wir haben sicher alle schon mal den zunehmenden Medienkonsum verurteilt. Das Zappen, das switchen, die Zappelphilipps, die sich nicht mehr auf eine Sache konzentrieren können.

Vielleicht möchten wir deswegen so gerne Zeit schön mit unseren Pferden verbringen, um sich zu erden, um wieder auch ein wenig mehr in die eigene Balance zu kommen. Mit und in der Natur zu sein – das bringt uns auch ein Stückchen näher zu uns.

Entdecken wir wieder die Begeisterung für unser Projekt. Wie ist es uns als Kind gegangen, wenn wir etwas Neues ausprobiert haben? Und wie kommunizieren wir mit unserem Pferd? Können wir auch hier Begeisterung entfachen?

Jeder hat mal einen Tag, wo es nicht so gut läuft. Man war vielleicht zu vertieft, man hat dem Pferd zu wenig Feedback gegeben. Wir reagieren sehr unterschiedlich auf solche Ergebnisse. Während der eine grübelt und überlegt, was schief gelaufen ist und wie man es verbessern kann, sucht der nächste möglicherweise schon wieder nach einer neuen Methode. Wir neigen gerne dazu, sofort einer Sache den Rücken zu kehren, wenn sie nicht raschen Erfolg verspricht. Wir machen es uns einfach, in dem wir sämtliche äußerliche Komponenten bis ins Detail analysieren, weniger oft reflektieren wir über unsere eigenen Fähigkeiten als Pädagoge.

Sind wir mit Begeisterung dabei? Und können wir unser Pferd ebenso begeistern? Dann Reiten wir Einfach mit Begeisterung 🙂

 

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