Was braucht man eigentlich für die Akademische Reitkunst? Das ist eine häufig gestellte Frage von interessierten Schülern. Nicht viel – Engagement, Wissbegiederde, Motivation von Pferd und Mensch und dann kann es schon losgehen. Auch in Namibia.

Christiane Köhler von Schmidt betreibt mit ihrer Familie in Namibia die Farm „Gross Osombahe“ – die Distanz zu Europa, dort wo es sich quasi „abspielt“ war für sie in Punkto Reitkunst kein Hindernis. Daher hat sie sich auch Verstärkung aus Österreich importiert – genauer gesagt – eine meiner liebsten Kolleginnen, wenn es ums Fachsimpeln und Tüfteln geht – Silke Linhart.

Wie kam die Akademische Reitkunst nach Namibia?

Christiane: Ich habe meine Friesenstute Lolo hier ganz konventionell in Beritt gegeben um sie, nach einer längeren Pause wegen meiner Schwangerschaft, wieder an den Reiter zu gewöhnen. Leider kam sie von diesem Beritt völlig unglücklich zurück. Sie war unwillig und dem Reiten gänzlich abgeneigt, sodass ich einfach nicht mehr weiter wusste. Restlos verzweifelt habe ich per Anzeige im Internet nach einem Reitlehrer, der uns weiterhelfen könne, gesucht, um mein Pferd bei der Arbeit wieder gut gelaunt und motiviert zu erleben. Daraufhin meldete sich eine Reitlehrerin, die an die Akademische Reitkunst angelehnt unterrichtete. Mit ihr konnte ich schon einige gute Fortschritte erzielen. Kurze Zeit später kam Ronja Ebbers als Praktikantin zu uns und brachte den Stein endgültig ins Rollen.

Mit welchen Pferden arbeitest du nun?

Christiane: Es mag erstaunlich sein, aber in Namibia beziehungsweise Südafrika erfreuen sich Friesen einer relativ großen Beliebtheit. So habe auch ich mir zu Beginn meiner Zeit hier gleich zwei davon zugelegt. Meine Stute Lolo kam als erste und später kam noch mein Friesenhengst Odin dazu. Die übrigen 18 Pferde, die bei mir auf der Farm leben, sind jedoch sogenannte „Namibische Farmpferde“. Diese „Rasse“ ist hier sehr häufig und entstand aus diversen importierten europäischen Pferden. Die meisten Pferde in Namibia leben mehr oder weniger wild. Unsere Pferde laufen beispielsweise auf 300 ha großen Weiden frei umher. Unsere Farm bietet insgesamt ein 10 000 ha großes Areal für die Pferde und zum Ausreiten. Durch diese naturnahe Lebensweise sind Farmpferde besonders robust und bewegungstalentiert, was aber nicht heißt, dass wir nicht auch viele Probleme beim Reiten zu lösen haben.

Wie kann man sich eine Ausbildung „ab vom Schuss“ vorstellen?

Christiane: Die Arbeit findet natürlich zu einem Teil auf selbständiger Basis statt. Freilich ist man aber auch auf Anleitung von außen angewiesen. Bücher und Videos können schon sehr viel Inspiration liefern, aber glücklicherweise steht mir nun seit ein paar Jahren Silke Linhart, Ritter der Akademischen Reitkunst, in regelmäßigen Abständen, immer über ein paar Wochen, zur Seite. Außerdem ist es in diesem Fall auch ein Vorteil mit vielen verschiedenen Pferden gleichzeitig zu arbeiten, weil man immer unterschiedliche Lösungsansätze suchen muss und dadurch schneller lernt.

Wie kamst du denn überhaupt zu Silke – oder umgekehrt – sie zu dir?

Silke: Christiane hat über eine Facebook Anzeige nach einem Trainer gesucht. Da dachte ich mir: „…coolste Reitweise der Welt, coolster Kontinent der Welt!“ Lass uns das zusammenbringen und es hat geklappt!

Wie sieht eine Zusammenarbeit in der Ferne aus? Was muss sich der Pädagoge hier vornehmen, was der Lernende?

Silke: Zusammenarbeit kann nur funktionieren, wenn die Beziehung stimmt. Das gilt für Reiter und Pferd, aber auch für den Trainer. Wenn das passt, wird schon einmal alles leichter, auch auf große Entfernung. Als Pädagoge gilt es bei der großen Distanz aber darauf zu achten, dass man, ob der vermeintlich kurzen Zeit nicht zu viel in eine Trainingseinheit, in die paar Wochen hineinpackt. Außerdem ist es meiner Meinung nach auch sinnvoll, sich gut zu besprechen was als nächstes zu beachten ist, wenn der Schüler wieder allein ist. Heutzutage tut natürlich auch das Internet sein Übriges. Man kann sich leicht erreichen und über Probleme austauschen und beraten, zumindest wenn gerade die Verbindung steht. Das ist mit Afrika ja nicht immer so leicht…

Christiane: Ist Silke wieder abgereist, wiederhole ich prinzipiell alles was wir erarbeitet haben so lange bis ich das Gefühl habe, es wird zur Routine. Hierbei sind wie gesagt viele Pferde ein Vorteil, aber gleichzeitig auch ein Nachteil, da sich immer wieder unterschiedliche Probleme und Schwierigkeiten auftun. Komme ich einmal gar nicht weiter, suche ich den Kontakt mit Silke und wir beraten uns. Wenn es sich organisatorische einrichten lässt, besuche ich natürlich auch Kurse und Trainer in Europa. Ich bin ja aus Deutschland und dann plane ich meinen Heimaturlaub auch immer entsprechend der AR- Termine in meiner Nähe.

 

Lernt man eigentlich besser, wenn man nicht sofort den Trainer neben sich hat?

Christiane: Das kann ich gar nicht beantworten, da ich es ja nicht anders kenne. In Deutschland, also bevor ich ausgewandert bin, war der Reitunterricht, den ich da konsumiert habe, immer eher ein Drill und ich hielt nie lange durch. Schade eigentlich, dass ich erst in Namibia zur AR gefunden habe. Dafür ist es jetzt aber umso schöner, weil ich Silke ja für mehrere Wochen für mich alleine habe und diese Zeit somit ganz intensiv nutzen kann.

Ihr habt ja auch einen Kurs mit Silke veranstaltet – wie war da die Resonanz? Wie kann man sich die Reiterei in Namibia vorstellen?

Silke: Die Resonanz der teilnehmenden Reiter war durchwegs positiv. Natürlich darf man nicht vergessen, dass in diesem Land ganz andere Strecken zurückgelegt werden müssen. Nicht jeder kann einmal schnell rund 2000 km mit seinem Pferd quer durch die Wüste fahren. Christiane bemüht sich freilich, möglichst viele andere Reiter zu erreichen, aber das gestaltet sich für unsere europäischen Gewohnheiten eben ein bisschen schwieriger. Bedenkt man beispielsweise, dass die Menschen hier ihre nächsten Nachbarn in durchschnittliche 10 km Entfernung besuchen müssen, kann man sich ungefähr vorstellen, was es bedeutete hier Reitunterricht zu geben. Umso mehr freuen wir uns natürlich über die fleißigen Wiederholungstäter, die wir bereits verzeichnen können.

Christiane: Generell ist die Reiterwelt Namibias sehr Turnier- und Erfolgsorientiert. Alternative Ausbildungen jedweder Art haben nur einen geringen Stellenwert. Andere größere Sparten, neben dem Dressur- und Springreiten, sind noch Westernreiten und Endurance, was aufgrund der stark vorherrschenden Rinderarbeit mit den Pferden auch naheliegend ist. Das heißt, neben jenen, die das als Hobby betreiben, gibt es auch sehr viele richtige Arbeitspferde, die aber leider über die Maßen schlecht behandelt und oft bis zum Umfallen geknechtet werden. Ich habe einmal selbst 2 solcher Pferde aufgekauft. Die hatte schreckliche Verletzungen und waren psychisch völlig am Ende. Das hat mich selbst auch extrem belastet. Generell muss man leider sagen, ist der Umgang mit Tieren in diesem Land vorherrschend noch ein sehr brutaler. Die Tiere werden eben einfach ausgebeutet. Dennoch gibt es auch Lichtblicke. Die positive Resonanz auf unsere Kursangebote beispielsweise. Es kommen auch Reiter zu mir auf die Farm, die sich dann das eine oder andere von mir abschauen. Da freue ich mich immer sehr.

Mehr über Christianes „akademische“ Farm in Namibia findet ihr auf ihrer Facebook Seite.

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