Ein guter Start

Ein guter Start

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…so schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“.

Wahrlich, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. So zauberhaft zufällig ich doch über meinen kleinen Conversano Aquileja (sagen wir der Einfachheit halber doch „Konrad“) gestolpert bin, so zauberhaft werde ich immer wieder überrascht – vor allem wenn ich über die Stufen der Ausbildung nachdenke.

Überraschungen

Ich habe schon viele kitschige Pferdegeschichten gehört und als eher pragmatischer Typ wollte ich hier nicht dazu gehören.
Nun gut, ich gehöre dazu….Was soll ich sagen, es fühlt sich an, als würde ich meinen kleinen Lipizzaner (der übrigens beschlossen hat noch ganz ordentlich zu wachsen) schon ewig kennen.

Die Inputs der Alten Meister, was das Thema Jungpferdeausbildung anbelangt habe ich noch ganz im Gedächtnis. Sehr deutlich den Herrn de la Guérinière, der überhaupt rät, ein Pferd recht spät „abzurichten“ – nämlich „je nach den klimatischen Aufzuchtbedingungen sollten die Pferde zwischen sechs und acht Jahre alt sein“. Konrad ist nun im Juli 2017 drei Jahre und ein paar Monate.

Daher war zu Beginn unserer gemeinsamen Reise mein vorläufiger Plan: Wir machen ein paar Führübungen, somit sollte ein gemeinsames Angehen, Stehenbleiben und Wenden doch bis Herbst möglich sein. Am besten von vorne und in parallel, seitlicher Position geführt.

Ich war nicht vorbereitet auf einen sehr motivierten jungen Mann. Nur sechs Wochen nach seinem Einzug hat mein kleiner Bub bereits einen Kurzbesuch bei unserem Bent Branderup Seminar absolviert. Ob von vorne oder von der Seite geführt, mit ausreichend Abstand und sanften Paraden zum Halten. Alles kein Problem. Am zweiten Tag war mein „junger Hupfer“ zur Beruhigung für einen Kurswiederholungstäter in der Halle mit dabei. Publikum? Ganz egal. Hauptsache ich kratze die richtigen Stellen, dann wirft sich der kleine Nasenbär, äh Lipizzaner sofort in Pose. Geübt hatten wir dafür nicht. Konrad achtet so fein auf mich und ist so neugierig – einfach vorzeigen und er weiß worum es geht.

Ein guter Start beginnt im Kopf

…und natürlich mit einer guten Aufzucht. Wer dazu noch einmal gerne nachlesen möchte, findet hier den Link zum ersten Bericht über meinen Youngster.

Abgesehen von einer guten Aufzucht liegt es an uns, als Ausbilder unserer Pferde Inhalte wohl überlegt und ordentlich zu formulieren. Vermutlich die wichtigste Sache, die ich von Bent Branderup gelernt habe. Es ist eine Sache zu sagen, dass man gerne formuliert, eine andere, wenn man merkt, dass die Sätze und Ideen, die man da so genau ausgearbeitet hat, beim Gegenüber nicht ankommen. Meine beiden Stuten Pina und Tabby haben mich in Punkto Formulierungen doch so einiges gelehrt.

Wenn es nun darum geht, Konrad neue Sachen zu zeigen, hilft mir meine klare Vorstellung der zu erarbeitenden Inhalte enorm. Im Dezember 2009 kam „Tabby“ zu mir. Sie war zwar erst vier Jahre alt, hatte jedoch schon ein paar Erfahrungen mit Reitern „auf dem Buckel“. Und sie hatte bereits eine Meinung. Nicht immer konnte ich sie umstimmen, wenn sie weder an mich, geschweige denn an sich selbst geglaubt hätte. Durch Tabby wurde ich definitiv ein besserer Reiter und Ausbilder, schließlich hat sie mir auch klar und deutlich einen Spiegel vors Gesicht gehalten. Und zwar immer im richtigen Moment.

„Pina“ ist eigentlich immer motiviert aber sie möchte häufig gerne mit einer „über das Ziel hinausschießenden“ Eigeninterpretation auf meine Frage antworten. Es wäre durchaus oft reizvoll, sich mit ihrem Ergebnis zufrieden zu geben – will man allerdings dann später die Hilfen verfeinern, um der ursprünglichen Anfrage wieder gerecht zu werden, erntet man sehr vorwurfsvolle Blicke. Und wenn Pina mal vorwurfsvoll schaut….

Jungpferdeausbildung bedeutet also nicht nur Jungpferdeausbildung. Wir sind die Summe aller unserer Erfahrungen. Konrad lernt also eigentlich auch von Tabby und Pina, die ja auch mich ausgebildet haben. Darum lohnt es sich auch immer wieder darüber nachzudenken welche Stärken man durch den bereits gegangenen Weg erlangt hat. Welche Themen haben uns auf dem Weg geprägt, welche Inhalte können wir besonders gut formulieren und wo brauchen wir möglicherweise auch noch externe Unterstützung?

Dieses Prinzip hat Konrad schon übernommen. Er hat bereits verstanden, dass ein Zeigen und Berühren der Gerte in Position des inneren Schenkels bedeutet: Kopf senken und entspannen.
Vice versa hat er mich auch schon ganz gut ausgebildet – ein Blick reicht und ich kratze die besagte Lieblingsstelle. Man könnte sagen: Ich habe klar formuliert – und er auch.

Wir werden in den nächsten Wochen, wenn es nicht mehr so heiß ist viel spazieren gehen und blödeln. Dualgassen auf dem Rücken herumschleppen, raschelnde Tüten und fliegende Bälle, sowie Teppichmatten und Planen, die über den Rücken gelegt werden. Kein Problem. Suchen wir uns also ein paar Drachen im Wald. 🙂

 

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Reiten beginnt im Kopf

Reiten beginnt im Kopf

Ein unerfahrener Reiter kam ihnen nicht in den Sattel. Was würden Antoine de Pluvinel (1555-1620), François Robichon de la Guérinière (1688-1751) und Gustav Steinbrecht (1808-1885) uns heute im Interview für Feine Hilfen, Ausgabe Nr. 18 über das erste Anreiten erzählen?

Moderator: Nehmen wir an, unser junges Pferd hat die Grunderziehung absolviert, wie sollen wir nun mit dem Anreiten beginnen?

Pluvinel: Ich bedaure, dass wir uns hier sehr auf das Pferd fokussieren müssen. Wichtiger wäre mir zuallererst, den Reiter zu erwähnen beziehungsweise welche Qualität er mitbringen muss. Schließlich kann nur ein ausgebildeter Reiter unterscheiden, ob ein noch nicht ausgebildetes Pferd unter ihm etwas richtig oder falsch macht, um es entweder dafür zu belohnen oder korrigierend einzuwirken.

Steinbrecht: Der Reiter, der bei einem jungen Pferd zum ersten Mal in den Sattel steigt, muss über einen physischen und statischen Sitz verfügen. Die Qualität des physischen Sitzes liegt darin, dem Pferd in der Bewegung zu folgen und die Bewegung auch zu beeinflussen. Ein statischer Sitz bedeutet für mich nicht nur in der Bewegung, sondern auch im Gleichgewicht zu sitzen. Für das junge Pferd ist es wichtig, das Gewicht des Reiters möglichst leicht und angenehm zu empfinden. Das gelingt, indem der Reiter seinen Sitz mit dem Schwerpunkt des Pferdes in Übereinstimmung bringt. Der Reiter nehme seine Richtung vorwärts geneigt und fördere hierdurch nicht nur die Schubkraft der Hinterbeine, sondern mildere auch seine Einwirkung durch kräftigen Bügeltritt und leichten Spaltsitz.

Pluvinel: Einverstanden, aber wenn ich jemand auf ein Pferd setze, möchte ich zuvor, dass es mit Sattel und Zaum willig die ersten Übungen zwischen den Pilaren ausführt. Das kann es in 4 oder 5 Tagen lernen, vorausgesetzt der Ausbilder versteht seine Sache. Es kommt manchmal vor, dass Sattel oder Zäumung nicht ordentlich verpasst sind, das Pferd wird dann zurecht unwillig und bringt den Menschen möglicherweise in Gefahr. Die Steigbügel haben zuerst lose herunter zu hängen damit sich das Pferd an die Berührungen gewöhnt.

Es genügt dann, wenn das Pferd den Reiter auf sich fühlt und sich daran gewöhnt, ihn aus freien Stücken zu tragen. Die Übungen, die das Pferd bereits vom Boden kennt, werden in gleicher Weise über 5 bis 6 Tage fortgesetzt. So begreift das Pferd, dass der Reiter auf ihm weder Böses will noch unangenehm ist. Es lässt ihn dann auch williger an sich herantreten und wieder aufsteigen.

Guérinière: So ist es – und erst dann, wenn der Reiter im Sattel akzeptiert wird, versucht er dem Pferd das erste Verständnis der Hilfen mit Hand und Schenkel beizubringen. Er hält dazu die Trensenzügel geteilt in beiden Händen und wenn er sein Pferd in Gang setzen soll, werden beide Hände tiefer gestellt. Gleichzeitig nähern sich vorsichtig beide Waden dem Bauch des Pferdes, ohne dass der Reiter Sporen trägt.

Gehorcht das Pferd diesen ersten Hilfen nicht, womit ja fast zwangsläufig zu rechnen ist, da es sie noch nicht versteht, muss der Longeur mit den bereits bekannt gemachten Zügel- und Gertenhilfen vom Boden aus den Reiter unterstützen. Er ist ein Dolmetscher für das Pferd, wenn es um das erste Angehen unter dem Reiter und um Wendungen geht. So kann das Pferd in kurzer Zeit lernen, der Hand zu folgen und auf die Schenkelhilfe des Reiters zu reagieren.

Beginnt unser junges Pferd dann ohne die Nachhilfe mit Longe und Peitsche zu gehorchen lässt man die Longe weg und führt es auf einer geraden Linie weg vom Zirkel, um es geradeaus gehen zu lehren. Sobald es ohne Schwierigkeiten die 4 Ecken der Reitbahn korrekt absolviert, durchreitet man wechselweise im Schritt und im Trab die Bahn. Der Trab sollte auch das Ende der Arbeit einleiten, weil dieser Gang die erste Geschmeidigkeit ergibt.

Steinbrecht: Der Reiter fördere dann den Gang des Pferdes auf möglichst geraden Linien und nehme daher den Hufschlag an der Bande der Bahn, da dieser gleichzeitig als Leitlinie dient. Das Durchreiten der Ecken hat selbstverständlich zunächst abgerundet zu erfolgen. Das Vortreiben erfolgt durch den Schenkel oder die Gerte, ohne jedoch, wie schon von Reitmeister Guérinière erwähnt, den Einsatz von Sporen.

Steinbrecht: Zunächst handelt es sich dabei darum, die Schubkraft und die Gehlust eines Pferdes in seiner ganz natürlichen Richtung zu entwickeln. Jedes rohe Pferd wird unter dem Reiter verhaltener und gebundener treten als an der Hand, weil die Freiheit seiner Bewegungen durch das Tragen der Reiterlast eingeschränkt wird.

Pluvinel: Wie wahr! Aber wenn dann das Pferd hierbei willig zu gehorchen anfängt und ohne Stocken sowohl der Hand wie auch dem Schenkel zum Vorwärtsgehen folgt, dann muss man herausfinden, wie es veranlagt ist, um den Trab entsprechend seiner Anlagen und seinem Temperament für die Ausbildung zu nutzen.

Guérinière: Genau meine Erfahrung. Durch den Trab, der die natürlichste Gangart ist, macht man ein Pferd leicht in der Hand, ohne das Maul zu verderben, und seine Körperteile frei beweglich ohne ihnen zu schaden. Im Trab wird nämlich der Körper des Pferdes auf 2 Beinen im Gleichgewicht gehalten, auf einem Vorderbein und dem diagonal entgegen gesetzten Hinterbein. Dies verschafft den beiden anderen, die in der Luft sind, die Leichtigkeit, sich zu heben, gehoben zu bleiben sowie vorwärts zu greifen und ergibt dadurch den ersten Grad von Biegsamkeit in allen Teilen des Körpers. Der Trab ist somit die Grundlage aller Übungen, um ein Pferd gewandt und gehorsam zu machen. So gut jedoch eine Sache vom Grundsatz her sein kann, darf man trotzdem keinen Missbrauch damit treiben, indem man ein Pferd jahrelang traben lässt.

Moderator: Was, wenn unser Pferd aber nicht in den Trab zu bekommen ist?

Guérinière: In der Tat gibt es Pferde, die ihre Kräfte zurückhalten und dann sogar leicht in der Hand sind. Andere fallen auseinander oder schlendern nachlässig weg.

Pluvinel: Ist das Pferd schwerfällig und verhindert nur seine Schwerfälligkeit, dass es das Gewünschte richtig ausführt, muss man ihm die Aufgabe stark erleichtern, indem man die Übung länger fortsetzt und so lange wiederholt, bis sie dem Pferd leichter fällt.

Guérinière: Pferde, die von Natur aus ihre Kräfte sparen, muss man in gestreckten und beherzten Trab versetzen, um ihnen die Schultern und die Hanken zu lösen. Im Fall der anderen, die von Natur aus auf der Hand liegen, muss der Trab erhabener und verkürzter gearbeitet werden, damit man sie gut vorbereitet, sich versammelt zu halten.

Steinbrecht: Ich lasse verhaltene Pferde lieber einmal galoppieren, als ewig mühsame Trabübungen zu wiederholen. Allerdings halte ich es umgekehrt nicht für ratsam, junge Pferde in den Galopp zu zwingen.

Moderator: Was sind Ihre wichtigsten Leitsätze beim Anreiten?

Pluvinel: Ich halte es immer für gut, mit dem Pferd als erstes Dinge auszuführen, die ihm „gedanklich“ schwer fallen. Also nicht körperlich, sondern geistig. Es soll sich im Kopf anstrengen und nicht mit seinem Körper. Dabei muss man aber Acht geben, dem Pferd nicht den Arbeitseifer zu nehmen.

Guérinière: Wichtig ist auch, das Ziel vor Augen zu behalten. Wenn ich ein Pferd zum Spazierenreiten ausbilden möchte, muss man lange und geradeaus im Schritt ausreiten – auch im Gelände, weil eine Reitbahn zu begrenzt ist. Und selbstverständlich gilt auch Abwechslung für ein angehendes Schulpferd.

Steinbrecht: Die ersten Aufgaben für das rohe Pferd sind dann erfüllt, wenn es durch die besprochenen Übungen gelernt hat, sich unter dem Reiter in derselben Natürlichkeit zu bewegen und seine Gangart mit derselben Sicherheit auszuführen, wie es dies zuvor an der Longe ohne fremdes Gewicht vermochte.

Kursbericht Bent Branderup 2017

Kursbericht Bent Branderup 2017

Das ideale Pferd – Nur eine Illusion?

Kursbericht

Bent Branderup

Graz, 01./02. Juli 2017

Sommertage, Sonnenhof, sonnige Gemüter und 120 rauchende Köpfe. Der südlichste Bent Branderup Kurs steckte wie immer voller Inspiration und Motivation. Diesmal gab es auch das erste Themenseminar mit der Frage: „Welches individuelle Training für das individuelle Pferd?“.

Wie sieht es aus, das ideale Pferd?

Bent Branderup führte uns erneut auf eine Reise durch den Pferdekörper – und zwar von hinten nach vorne. Der Motor sitzt ja bekanntlich in der Hinterhand, also haben wir genau analysiert, wie die Hinterhand der Pferde aussehen muss. Bei einem idealen Körperbau spricht man im Spanischen von einer „Melonenkruppe“. Für Bent die nicht ganz korrekte Übersetzung, er zieht wegen der „Rinne“ in der Hinterhand eine Pfirsichkruppe vor. Es bleibt also nicht nur bei den Früchten sommerlich.

Der Schweifansatz ist am besten tief. Direkt unter der Hüfte sollte sich das Kniegelenk befinden, mit dem Sitzbein auf halber Höhe entsteht im Idealfall ein Dreieck mit gleich langen Seiten. Dieses Bild entspricht einer guten Fähigkeit zur Versammlung, welche durch die Positionierung der Sprunggelenke und Röhrbeine direkt unter dem Sitzbein komplettiert wird.

Kursfotos von Katharina Gerletz

Über Schubkraft und Hufabnützung

Was, wenn aber die Schubkräfte und damit der Rückschub aus der Hinterhand dominieren? Bent skizzierte vielerlei Möglichkeiten: das Pferd wird in der Hinterhand breit, der Brustkorb wird nach vorne gedrückt. Auch bei den Kutschpferden lernten wir, wie stark sich eine zu hohe Belastung auf beispielsweise nicht gerade gestellte Gelenke auswirkt, wenn der Hinterfuß nicht mehr gerade nach hinten schieben kann.

Weiter ging es in der Theorie um die Frage der Hufabnutzung, sowie die Auswirkung von weichen Fesseln und einer säbelbeinigen Stellung. Bent Branderup wurde hier kritisch:

Umwelteinflüsse wirken sich stark auf die Hufe aus. Es ist sehr wichtig, dass das Pferd gesunde Hufe hat, daher ist es für mich ein großes Problem, dass man Hengste bei der Körung vorstellen darf, die Hufeisen tragen. Meiner Meinung nach müsste man auf einer Betonfläche ein paar Kieselsteine rausschmeißen und dann müsste das Pferd barhuf drüber laufen können.

 

 

 

 

Kann der Hengst das nicht, raus aus der Zucht. Wir haben Pferde gezüchtet, die Hufe wie Dachpappe haben.

Ganz schlimm ist es bei bei den Vollblütern, 80 Prozent werden keine zwei Jahre alt. Aus einem sehr taffen Pferd wurde ein Porzellanpüppchen gemacht. Früher waren die Rennen „point to point“, das waren 11 km, heute werden nur noch 3.00 Meter zurückgelegt – das kann eine Omi mit einer Einkaufstasche laufen. Die Oma kommt aber die gleiche Strecke auch wieder zurück. Das schnellste Pferd der Welt muss sich nach einer solche Distanz aber erst erholen.

Über die Aufzucht

Was sollen unsere Reitpferde bringen – früher als die Vollbluter für mehr Kraft gezüchtet wurden und größeren Belastung ausgesetzt waren, waren sie interessante Veredler für die Reitpferdezucht. Ausgangspunkt waren landwirtschaftliche Stuten mit dem Ziel Kavalleriepferde zu züchten. Dabei ist es logisch, dass man etwas Leichteres brauchte. Besonders in Deutschland, wo man sehr viele Kavalleriepferde benötigte, war der Vollblüter der nahe liegende Gedanke, um ein solches Pferd zu züchten.

Prüfen Sie immer, ob die Hufe in Ordnung sind. Wir können viele Dinge ändern, aber schlechte Hufe per se sind ein Problem. Die Hufqualität kann natürlich auch mit der Fütterung zusammen hängen. Man sollte aber kein Pferd kaufen, das mit schlechter Fütterung aufgewachsen ist – das bedeutet immer Mangelerscheinungen und die kann man zum Teil auch am Huf erkennen. Hat man den Verdacht, dass die Hufe nicht in Ordnung sind, könnte auch die Darmkultur betroffen sein. Das Pferd kann keine Darmkultur bei schlechter Fütterung entwickeln. Durch einen aufgegasten Bauch scheint das Pferd gesund – sobald man die Fütterung ändert kommt es zu Problemen mit Koliken.

Ich sehe besonders in Spanien sieht man zwei bis dreijährige Pferde, die schauen aus wie 12jährige Schulhengste. Es geht nicht dass ein dreijähriges Pferd aussieht wie ein Schulhengst, dann sehen die Knochen aus wie Schweizer Käse, dann haben die Pferde mit großer Wahrscheinlichkeit Osteoporose. Ein Blender sieht dann aus, wie ein tolles Pferd.

Ein Beispiel aus Hollywood gab es auch über die Aufzucht:

Kennt ihr den Film Hidalgo? Da gewinnt der Mustang in der Wüste gegen arabische Pferde, die ja eigentlich in der Wüste aufgewachsen sind. Die Geschichte ist wahr und kein Hollywood Stoff. Der Grund warum der Reiter siegreich war – er ritt einen Mustang, der in der Wüste Nevadas aufgewachsen war. Gleich wie die Araber, aber diese Pferde wurden im Zelt gehalten, die Kamele haben ihnen außerdem noch das Wasser nachgetragen. Daher konnte der Held mit dem Mustang den Arabern davon laufen.

„Ein Forscherteam wollte die Hufe von Mustangs studieren. Die angefütterten Pferde bewegten sich aber nicht mehr, der Hufabrieb war nicht mehr gegeben. Das war keine logische Forschung.“

Von der Aufzucht zur Bewegungsqualität

In Österreich brauche ich die Lipizzaner ja eigentlich gar nicht zu erwähnen. Bessere Aufzuchtbedingungen kann ich ja gar nicht kriegen. Es spielt bei einem jungen Pferd doch eine relativ große Rolle, wie sich die Hufe und Knochen, Sehnen und Bänder entwickelt haben. Wir besprechen im Kurs eine ideale Winkelung der Gelenke. Wir können aber auch durch Röntgen nur begrenzt in die Gelenke schauen – eine gute Aufzucht ist in jedem Fall maßgeblich.

Von den Mängeln im Gebäude ging es in Bents Vortrag weiter zur Bewegungsqualität und zur Analyse, wie Hinterbeine korrekt ab- und auffußen. Dabei stellte der dänische Ausbilder zur Diskussion, ob man die einzelnen Kräfte, die auf die Gelenke und den Körper des Pferdes wirken nicht besser nach ihrer Effizienz benennen müsse. Das unterstreicht, warum wir an einer guten Tragkraft interessiert sind.

Die Hinterhand soll eine bestimmte Tätigkeit haben, betrachten wir nun Knie- und Sprunggelenk.  Diese beiden sind bei Pferden aneinander gekoppelt. Sie können sich nicht separat voneinander bewegen. Das ist beim Menschen so, dass wir beispielsweise Knie- und Fußgelenk separat bewegen können.

Pferde können das Knie schließen, um im Stehen zu dösen und daran ist auch das Sprunggelenk beteiligt.  Knie- und Sprunggelenk sind für das Heben des Fußes am meisten beteiligt. Auch das Hüftgelenk –  sprechen wir aber vom Heben des Beins, dann sind Knie und Sprunggelenk von besonderer Bedeutung. Haben wir ein Pferd, das die Zehe schleppt, dann brauchen wir für lange Strecken auf Asphalt bestimmt Eisen.

Wie sieht ein ideales Abfußen, Heben und Vorgreifen des Fußes aus? Wie sieht ein ideales Auffußen aus? Bei diesen Gedanken geht es nicht nur um die Abnützung der Hufe, sondern auch um die Abnützung der Gelenke darüber.

Wie bewegt sich das Pferd? 

Wir müssen uns genau fragen, wie Gelenke unterschiedlich belastet sind – auch die natürliche Form ist zu betrachten. Es kann sein, dass ein Gelenk von Natur aus schief ist. Wenn das Hüftgelenk die Zehe nach außen dreht, dann sind möglicherweise Probleme in Knie- und Sprunggelenk vorprogrammiert. Über die Arbeit mit den Muskeln schulen wir das Hüftgelenk zu einem geraderen Fußen. So wollen wir ein sauberes Ab- und Auffußen über den Boden erarbeiten. Der Vorgriff soll das Bein unter die Masse des Pferdes heben, dabei wird das Becken des beweglichen Hinterbeins gesenkt, alle Gelenke der Hinterhand sind in der Bewegung gebeugt.

Bewegt die Hinterhand den Huf nach vorne, wollen wir wie gesagt ein Auffußen unter der Masse des Pferdes haben. Gehen wir von Xenophon aus, dann reiten wir die Hinterfüße des Pferdes nach vorne und geben ihm eine Parade, so dass es in den Gelenken der Hinterhand beugt. Wenn das Pferd die Hilfen aber nicht versteht und die Hinterhand nicht beugt, dann helfen unsere Paraden nicht viel. Auch wenn die Hinterhand nicht nach vorne unter den Bauch gebracht wird, sind unsere Paraden zwecklos.

Hier sind wir beim mentalen Punkt, denn ich kann versuchen, dem Pferd zu erklären, was ich von ihm will, aber das Pferd muss schließlich seine Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder bewegen. Ich kann das Pferd also nur auffordern, ausführen muss es das Pferd selbst.

Würde ich ein Kutschpferd haben, dann kann der Fuß hinten raus schieben, um den Brustkorb ins Geschirr zu drücken. Das Reitpferd soll mit dem Hinterbein aber unter die Masse greifen, die es tragen soll. Wenn das Pferd auf dem exakt richtigen Punkt auffußt, hab ich aber noch keine Garantie, dass es mit dem Fuß die gewünschte Kraft erzeugt. Leider nennen wir das Schubkraft. Das ist für mich eine falsche Beizeichnung, denn Schubkräfte sind Kräfte, die den Brustkorbs ins Geschirr drücken. Wir müssen also Kräfte so definieren, wie wir uns auch ihre korrekte Ausführung wünschen.

Wird der Brustkorb nach vorne geschoben, dann können wir also nicht von Tragkraft sprechen. Wenn ich die Wirbelsäule nun aufzeichne – von hinten nach vorne – dann sieht man, dass die Wirbeln eigentlich nach vorne unten verlaufen. Ein „gerader Rücken“ wird erst durch die Dornfortsätze gebildet, zumindest unsere Idee eines geraden Rückens.Wir wünschen uns einen kurzen geraden Rücken.

„Der Grund ist erklärbar mit folgendem Beispiel. Nehmen wir an, Sie setzen sich auf einen Ast eines Baumes. Wo wird der Baum besser tragen? Nahe am Stamm trägt der Ast Sie besser als ganz weit vom Stamm entfernt. Je weiter man vom Stamm entfernt sitzt, umso eher drückt man den Ast herunter. Daher möchten wir auch einen kurzen Rücken haben, damit es dem Pferd leichter fällt, den Brustkorb zu heben.“

Kursfotos von Katharina Gerletz

Rücken und Schulter

Für das ideale Pferd wünschten wir uns einen kurzen, geraden Rücken. Dass Bents Frederiksborger Tysson nicht unbedingt das ideale Fundament aufweist überraschte dann bei Bents Schilderungen doch viele Hörer aus dem Publikum, die den Rappen lediglich aus Bents Buch „Akademischer Reitkunst“ in perfekter Formgebung (beispielsweise in einer Levade) kennen.

Tysson sieht aus wie ein Dackel; wir hätten gerne ein kurzes Pferd mit geraden Vorderbeinen. Der Nachteil beim kurzen Pferd: die Vorderbeine sind relativ nahe an den Hinterbeinen. So kann der Hinterfuß das Vorderbein möglicherweise verletzen. Ein Pferd, das quasi zu kurz ist, greift mit dem Hinterbein extrem nach vorne, der Vorgriff wird durch das Vorderbein begrenzt und so kommt es zu Verletzungen oder Überbeinen, die sich das Pferd selbst schlägt. Diese Probleme haben wir auch bei Pferden, die auf die Vorhand geritten werden.

Die Rechnung: Je kürzer das Pferd und umso langbeiniger kann auch nicht stimmen, je kürzer und langbeiniger umso besser, aber trotzdem nicht ganz wahr. Wir müssen alles genau im Verhältnis miteinander betrachten.

Gehen wir mit unserem Blick zur Schulter weiter – dann fangen wir mit unserer Analyse am Schulterblatt an. In der modernen Zucht ist eine lange, schräge Schulter erwünscht. Wir können fast sagen, wir wünschen eine horizontale Schulter mit Schräge nach oben. Warum dies ein Zuchtziel ist?

Im Grunde liegt dies an der Art und Weise wie wir heute reiten – nämlich wesentlich mehr auf der Vorhand. Der Brustkorb hat keine knöcherne Verbindung zur Wirbelsäule, Pferden fehlt das Schlüsselbein. Der Brustkorb ist relativ frei im Gewebe aufgehängt – je größer die Schultern sind, dann gibt es umso mehr Gewebe für die Aufhängung. Bei einem kleinen Schulterblatt ist das Gewebe entsprechend weniger. Die Größe eines Knochens ist für die Menge an Muskulatur ausschlaggebend. Wenn man also ein großes Jochbein hat, dann liegt viel Kaumuskulatur darüber. So kann man in der Kriminalmedizin auch an Skeletten die Muskeln nachzeichnen.

Wir brauchen heute viel Aufhängung, da wir die Pferdeschultern stark belasten. Daher brauchen wir die langen Schultern; wenn wir diese mit den alten Barockpferderassen vergleichen, die mehr auf die Hanken geritten waren, da sahen die Schultern noch anders aus.

Dass den Schultern nicht so viel Beachtung geschenkt wurde, lag früher daran, dass man die Pferde korrekt auf die Hanken gesetzt hatte – wichtig wäre heute daher die korrekte Lage bei guter Bemuskelung des Brustkorbs, vor allem rund um den Widerrist. Aber auch die beste Hinterhand nutze nichts, wenn man lediglich auf der Vorhand reite und die Hinterhand quasi „mitschleppe“.

Kursfotos von Katharina Gerletz

Sind wir in der Reitkunst taktlos?

Ja, kam es sehr kritisch von Bent:

„Es ist keine Reitkunst, wenn man dem Pferd die Natur nimmt. Wir brauchen saubere Schwungbilder in allen Gängen des Pferdes. Es lohnt sich daher auch den Takt in der Ausbildung voranzustellen. Dabei müssen wir das Pferd innerhalb seiner natürlichen Fähigkeiten fördern“.

Für viele Reiter zählt einzig die Kopfposition des Pferdes. Gerade bei Fohlen mahnte der dänsiche Ausbilder zur Vorsicht, denn durch unsachgemäßes Führen könne ein Halfter bereits Schäden an der Halswirbelsäule oder sogar am Kiefergelenk anrichten. So können erste Schädigungen bereits an das spätere Reitpferd weitergegeben werden. Kommt es dann in der weiteren Ausbildung zu einer erzwungenen Kopfposition verspannt sich die Oberlinie, dies zeigt sich dann auch in einer mangelhaften Hinterhandaktivität.

„Die Reiterhände können das Gleichgewicht des Pferdes nicht halten“.

Der Pferdehals ist im Idealfall hoch aufgesetzt, mit ausreichender Ganaschefreiheit. Der Pferdekopf muss ausreichend Platz für die Zähne haben, was bei einem Hechtkopf im Extremfall nicht möglich ist. Der Unterkiefer muss ausreichend beweglich bleiben.

„Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur“

Vom Schulterblatt ausgehend analysieren wir den Oberarm, und auch hier haben wir einen Belastungsbereich zu beobachten, indem wir sehen, wie die Oberarme an sich in Relation zum Schulterblatt bewegen. So manche Pferde haben „kniehohe Bewegungen“, wobei damit das Karpalgelenk gemeint ist. Darunter wird fälschlicherweise oft Schulterfreiheit verstanden, echte Schulterfreiheit zeigt sich aber wie der Brustkorb aus der Hinterhand getragen wird.

Die Schulter ist nur dann frei, wenn sie frei ist von der Last des Brustkorbs und von der Last des Reiters, der den Brustkorb ja zwischen den Schultern des Pferdes nach unten drückt.

Die gute Ausbildung besteht also darin, dem Pferd beizubringen, den Brustkorb erneut zu entlasten.

Nur weil die Vorderbeine von Natur aus bei manchen Rassen stark nach oben gehen hat das Pferd noch keine Schulterfreiheit.

Die Position von Ellenbogen und Schulter hat eine größere Bedeutung als man denkt. Wenn der Brustkorb zwischen den Schultern absackt, sieht man wie der Ellenbogen in den Pferdekörper „hinweinwächst“  – scheint es so, asl würde der Ellenbogen quasi auf dem Bauch sitzen, dann wird die Beweglichkeit der Vorderbeine stark eingeschränkt, das kann auch beim Wenden ein Problem sein.

Der Brustkorb ist beim jungen Pferd erst ausgewachsen, wenn der Zahnwechsel vollzogen ist.

Das dauert meist bis zum sechsten Lebensjahr.

Wenn wir die Vorderbeine betrachten ist es bei einem jungen Pferd noch nicht so schlimm, wenn die Zehenspitzen nach außen zeigen. Der Brustkorb wird noch die Ellenbogen bewgen, die Zehen stehen dann beim ausgewachsen Pferd meist gerade. Zeigen die Zehen aber nach innen, dann wird dieses Problem nochmal verstärkt.

In der Praxis wurden die verschiedenen Pferde dann auch hinsichtlich ihres Gebäudes analysiert, die Einheiten auf die Pferde abgestimmt. Am Kurs mit dabei waren Vollblüter, Spanier, Lipizzaner, Warmblüter, ein Mix aus Kaltblut und Spanier.

Besonders freue ich mich auch über drei bestandene Boden- und Longenarbeitsprüfungen meiner Schülerinnen Viktoria Portugal und Amira, Jana Fuchsberger und Picasso und Sonja Grätz und Stormy. Gratuliere Mädels – ihr habt alles ganz wunderbar gemeistert! Danke auch an Silke Linhart und Lurko für ihren Besuch am Sonnenhof – schön, dass unser Austausch der Distanz trotzt. Auch Petra Lintner und Milo – Danke, dass ihr da ward! Ein Bravo auch an Jaana Freitag und ihre Serenade, die auch die Kurspremiere gemeistert haben! 

Vor dem Kurs ist bekanntlich nach dem Kurs. Das nächste Treffen mit Bent gib es im Oktober 2017 bei Andrea Harrer in Ainring bei Salzburg. Alle Infos für Interessierte gibt es unter folgendem Link

Der nächste Kurs in Graz wird auch langsam vorbereitet – nachdem wir uns mit dem maßgeschneiderten physischen Programm beschäftigt haben, wird uns Jossy Reynvoet mit Freiarbeit, Basisarbeit und Jungpferdearbeit im Oktober begeistern. 

Mehr Infos zu weiteren Kursen im heurigen Jahr bekommt ihr unter folgendem Links:

Fragen wir Bent – Teil III

Fragen wir Bent – Teil III

In der Serie: Fragen wir Bent geht es heute um den korrekten Reitersitz.
Diesmal wurde aus den zahlreichen Postings auf Bents Seite das Thema Sitz gezogen:

Wie kann man denn den Reitersitz ausbilden, welche Methoden ergeben hier einen Sinn?

Bent Branderup: Früher wurde die Akademische Reitkunst in den Reitakademien Europas weitergegeben. Ein junger Mann, der die Schule besuchte hatte bereits viele tausende Kilometer auf dem Pferderücken abgespult. Er konnte nicht wie heute mit dem Flugzeug reisen und er kam auch nicht zu Fuß. Er wurde vom Pferd transportiert. Das bedeutete aber noch lange nicht, dass er über viel Erfahrung verfügte, sondern über viele Kilometer.

Wir sehen heute viele Reiter mit starkem Hand- und Beineinsatz. In der Akademischen Reitkunst haben wir aber unser Ideal von Reitmeister Antoine de Pluvinel abgeleitet, der bereits das Ziel hatte, das Pferd lediglich aus der Hüfte, also mit dem Sitz zu dirigieren. Wenn ein junger Mann in die Reitakademien kam, dann wurde er auf ein gut ausgebildetes Schulpferd zwischen die Pilaren gesetzt. Er musste dann plötzlich feststellen, dass das feinfühlige Pferd auf sämtliche Bewegungen aus seinem Sitz reagierte und ein bloßes Stillstehen bereits eine Herausforderung war, da das Pferd auf alles reagierte. Egal was der Reiter mit seinem Körper tat, das Pferd hat ihn gespiegelt. Daher versuchen wir in der Akademischen Reitkunst ein tatsächliches Verständnis des Pferdes für den Sitz zu erarbeiten.

Daher macht eine Ausbildung des Pferdes im Stand durchaus Sinn, nicht nur um Hankenbiegung auszubilden. Wenn wir einen Reiter mit einem unausgebildeten Sitz auf ein galoppierendes Pferd setzen, wird er die Kontrolle über Hand und Beine verlieren – es hilft also nicht nur steif und „schön“ zu sitzen.

In meiner Ausbildung wurde ich bei verschiedenen Ausbildern nur daraufhin getrimmt, eine bestimmte Form einzunehmen und sie zu wahren. Unterschiedliche Ausbilder wollten aber auch einen unterschiedlichen Sitz sehen.

So zu tun, als ob man tatsächlich einen funktionalen Sitz hätte – das hat nur wenig Sinn. Nur wenn das Pferd ein Verständnis für den Sitz entwickelt, dann können wir von einem funktionalen Sitz sprechen.

Wir wollen das Pferd also durch den Sitz formen. Bei der Arbeit im Stand erfühlen wir eine erste Rotation des Brustkorbs, wir arbeiten an Stellung und Biegung sowie an der Verschiebung des Schwerpunkts im Schulterherein mit einer vorwärts-abwärts Tendenz, sowie im Kruppeherein mit einer leichten Parade.

Auch in den Reitakademien wurde so ausgebildet – zuerst mal im Stand zwischen den Pilaren, später mit Bewegung auf der Stelle. Wir haben aber heute nicht mehr die entsprechend ausgebildeten Pferde. Daher müssen wir im vorwärts arbeiten – am besten an der Longe. Ist das Pferd aber ungenügend ausgebildet, oder ist es der Longeur, dann kommen wir auch hier in eine Sackgasse.

Unsere Praktikanten sind eine große Hilfe beim Anreiten meiner jungen Pferde, denn sie haben bereits die Bodenarbeits- und Longenprüfung und können mich so als Longeur unterstützen. Gemeinsam erklären wir dem Pferd dann die unterschiedlichen Hilfen und Botschaften. Für das Pferd entsteht so ein logischer Aufbau in der Ausbildung zwischen Bodenarbeit, Longieren und erstem Reiten.

Ist das Pferd sehr gut ausgebildet und reagiert es auf kleinste Signale – der Reiter verfügt aber noch nicht über einen ausgebildeten Sitz, dann ist das fast schon ein Luxusproblem. Wir haben Schüler, die sehr gute Arbeit vom Boden machen und die nun ihre Defizite vom Sitz erkennen. Sie müssen nun an ihrem Körper arbeiten, ein Bewusstsein für den Körper entwickeln. Dabei ist es auch ganz egal was hilft – ob Ballett, Kung Fu oder Achtsamkeitsarbeit.

Es kann kontraproduktiv sein, wenn der Sitz andere Botschaften erzählt, die sich von der Kommunikation unterscheiden, die das Pferd bereits vom Boden aus gelernt hat – manche Sitzprogramme schulen einen „Look-a-like“ Sitz, der zwar gut aussieht, aber nicht funktional ist.

Am besten wir fragen das Pferd, wie sich der gute Sitz anfühlt.

Zuerst arbeiten wir im Stand mit Form und Balance, aber wir können dabei keinen Schwung ausbilden. Wir brauchen diesen aber im Körper – das bedeutet Schritt-, Trab,- Galopp- und Töltschwingungen. Das Problem ist, dass viele Reiter die einzelnen Schwingungen nicht in ihrem Körper spüren oder finden, wenn sie sich in Bewegung setzen. So frage ich Schüler immer, wie der Tölt in ihrem Körper aussieht – nämlich tatsächlich Tölt, oder findet sich in Reiterkörper mehr Passbewegung? Wie schaut dann der Trab aus? Plötzlich spüren wir – da gibt es gar keinen Trab im Körper des Reiters. Kein Wunder, dass das Pferd nicht traben kann, wenn der Schwung im Pferdekörper durch den Reiter blockiert wird.

Wenn wir ein Pferd ausbilden, dann müssen wir führen können – gleichsam einem Tanz. Der führende Herr muss es ja auch der Dame vermitteln können. Das Pferd soll künftig unseren Körper spiegeln. Alle anderen Hilfen sind sekundär.
Aber was bedeutet sekundär in diesem Zusammenhang? Nach und nach wollen wir Sekundarhilfen wie Hand, Bein, Gerte usw. aussetzen, um das Pferd nur noch mit dem Sitz zu dirigieren. Das ist schon sehr fortgeschritten und die wenigsten Reiter kommen so weit, alle Sekundarhilfen auslassen zu können. Wenn wir die Sekundarhilfen jedoch reduzieren können, dann wissen wir – der Sitz ist gut.

Fragen wir also unser Pferd, denn das menschliche Auge wird nur beurteilen wie korrekt der Sitz hinsichtlich der Optik sein wird. Das Pferd wird uns Feedback geben, ob die Botschaften aus dem Sitz ankommen und verständlich sind. Vielleicht erzählen wir aber auch kompletten Nonsense mit unserem Sitz, dann zahlt es sich freilich auch aus, ständig auf das Feedback des Pferdes zu hören.

Das komplette Video mit der Frage an Bent findet ihr nochmal im Original hier:

Weitere Fragen könnt ihr gerne auf Bents Facebook Seite kommentieren! Wir freuen uns drauf! 🙂

 

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