Schubkraft versus Tragkraft

Schubkraft versus Tragkraft

Schubkraft versus Tragkraft – was brauchen wir für die Ausbildung unserer Reitpferde?
Um beide Begriffe ranken sich einige Mythen, Meinungen und Philosophien rund um die Ausbildung.
Die aufmerksame Lektüre von Mr. „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ Steinbrecht kann uns hier auf die Sprünge helfen.

Oder aber das kommende Themenseminar mit Bent Branderup am 3. und 4. Juni 2017, organisiert von Andrea Harrer in Ainring.
Weitere Infos für Kurzentschlossene gibt es unter diesem Link

Was sagt denn Herr Steinbrecht dazu?

Als Einstimmung auf das kommende Wochenendseminar gibt es ein „Best of Steinbrecht“ zum Thema:

Warum reiten wir eigentlich Dressur? 

Die richtige Dressur ist daher eine naturgemäße Gymnastik für das Pferd, durch die seine Kräfte gestählt, seine Glieder gelenkig gemacht werden. Durch sie werden die kräftigen Teile zugunsten der schwächeren zu größerer Tätigkeit angehalten, diese durch allmähliche Übung gestärkt, und verborgene Kräfte, die aus natürlichem Hang zur Bequemlichkeit vom Pferde zurückgehalten werden, hervorgerufen, wodurch endlich vollkommene Harmonie im Zusammenwirken der einzelnen Glieder mit ihren Kräften entsteht, die das Pferd befähigt, auf die leisesten Hilfen des Reiters solche geregelten und schönen Bewegungen andauernd und zwanglos auszuführen, die es aus eigenem Antrieb nur in Augenblicken der Erregung flüchtig zeigt.

Müssen wir Tragkraft oder Schubkraft ausbilden? 

Der Reiter hat die Aufgabe erfüllt und sein Pferd vollkommen ausgebildet, wenn er die beiden in der Hinterhand ruhenden Kräfte, die Schub- und Tragkraft, diese in Verbindung mit der Federkraft zur höchsten Entwicklung gebracht und in ihren Wirkungen wie in ihrem Verhältnis zueinander beliebig und genau abzuwägen vermag. Er kann dann den Schwerpunkt seines Pferdes bald von den Schultern auf die Hanke, bald von dieser zurück auf die Schultern verlegen, oder das Gleichgewicht aufrechterhalten, je nachdem er die Schub- oder die Tragkraft vorherrschen lässt oder beide in gleichmässige Wechselwirkung versetzt, eine Vollkommenheit der Ausbildung, die nur dem wahren Schulpferde eigen ist.

Es lohnt sich über den Sinn und Zweck nachzudenken, denn….

Der Trainer bildet beim Rennpferde nur die Schubkraft der Hinterbeine zu möglichster Vollkommenheit aus und kann dies nicht ohne Nachteil für die Vorderbeine tun, denen dadurch zu großes Gewicht aufgebürdet wird. Der Kampagnereiter, der sich das Gleichgewicht des Pferdes als Ziel setzt, braucht die Tragkraft der Hinterbeine nur so weit auszubilden, dass sie das auf den Schultern liegende Übergewicht übernehmen. Der Schulreiter hingegen bildet Schub- und Tragkraft gleichmässig zur möglichsten Vollkommenheit aus und gibt dadurch seine Pferde die höchste körperliche Gewandtheit.

Beim Anreiten sofort die Tragkraft fördern? 

Zunächst handelt es sich nun darum, die Schubkraft und damit die Gehlust des jungen Pferdes in seiner ganz natürlichen Richtung zu entwickeln. Jedes rohe Pferd wird unter dem Reiter verhaltener und gebundener treten als an der Hand, weil die Freiheit seiner Bewegung durch das Tragen der Reiterlast und die dadurch hervorgerufene ungewohnte Berührung mehr oder weniger eingeschränkt wird.

Verkürzte Gänge – ein Trugschluss für echte Tragkraft? 

Wir sehen oft Pferde, die in der Bahn in verkürzten Gangarten geritten, vortrefflich in ihrer Stellung von Hals und Kopf erscheinen, dennoch auf langen Linien zu freien Gängen aufgefordert, in vollkommene Unordnung geraten, weil die dadurch geweckte, aber nicht völlig beherrschte Schubkraft den gesamten Streckmuskeln zur Stütze ihres Widerstandes wird.

Über die Biegung des Halses 

Beim richtig gearbeiteten Pferd sind Hals und Kopf das Hauptgewicht, durch das der Reiter dessen Gewichtsverteilung überhaupt regelt. Er wird dadurch nicht nur die Hinterhand belasten und biegen, sondern auch die Schnelligkeit der Bewegung fördern können, indem die vorgestreckte Haltung das Übergewicht nach vorn vermehrt. In jeder Richtung aber muss der Hals eine sichere Leitkette für die Hand des Reiters bleiben, also durch richtige Verbindung der einzelnen Wirbel die Wirkung des Gebisses den Rückenwirbeln übermitteln.

Was bedeutet Biegung und Ausrichtung der Wirbelkörper zueinander? 

Die Stetigkeit des Halses, also die sichere Verbindung der einzelnen Halswirbel miteinander und ihre Richtung zueinander kann nur durch die ungeschwächte und wohlausgebildete Schubkraft, seine Biegsamkeit jedoch nur durch die Tragkraft der Hinterhand sichergestellt werden.

Wir freuen uns schon sehr auf Bent Branderups Vortrag zum Thema Schubkraft versus Tragkraft – nachzulesen in einer Woche, wie gewohnt in meinem Blog 😉

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Frag doch mal Bent

Frag doch mal Bent

Akademische Reitkunst? Reiten lernen? Wie geht es man es am besten an? Gibt es Pros und Contras? Bei uns sagt man, man fragt den Schmied und nicht den Schmiedl – da liegt es doch auf der Hand Bent Branderup persönlich zu befragen, wenn es um Allgemeines oder „Heiße Eisen“ geht.

Als ich 2007 zum ersten Mal mit der Akademischen Reitkunst in Berührung kam, gab es nicht eine, sondern viele Fragen. Ich hatte eigentlich die Suche nach Leichtigkeit aufgegeben und mich bereits mit dem Gedanken begnügt – wenn schon Reiten, dann halt irgendwie im Wald. Als ich die Leichtigkeit meiner lieben Freundin Eva mit ihrem Warmblüter Anton in einer Piaffe sah, war ich schlichtweg berührt, gleichzeitig aber verunsichert. Eine kunstvolle S-Kandare kannte ich bis dahin nur aus dem Museum und der Sattel erinnerte mich irgendwie an die Modelle aus der spanischen Hofreitschule.

Wenn wir schon bei Sprichwörtern sind, dann sagt man in Österreich: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. So ähnlich ging es mir also auch: Ich war durch das exotisch anmutende Equipment so erstaunt, dass ich die Frage nach dem Wesentlichen, nach der Leichtigkeit beinahe vergessen hätte.

Was, wer, wie, wo, warum?

Sicherlich geht es vielen Neulingen und Einsteigern auch so ähnlich. Schon der Name – Akademische Reitkunst? Das klingt kompliziert!
Braucht man einen Hochschulabschluss für die Reitkunst? Oder lernt man reiten nicht einfach, indem man reitet? 

Wäre doch klasse, wenn man diese oder andere Fragen direkt an Bent Branderup stellen könnte?

Man kann – im folgenden Video wird die oben gestellte Frage nach der Komplexität der Reitkunst von Bent persönlich – auf englisch beantwortet:

Klickt mal rein. Ich habe euch Bents Antwort übersetzt:

„Natürlich muss man reiten lernen, indem man reitet. Wir brauchen also gewisse körperliche Fähigkeiten, wir brauchen ein gutes Körpergefühl, um zielgerichtet mit dem Körper Mitteilungen geben zu können. Wir brauchen aber auch das Verständnis, was man da eigentlich mit seinem Körper tun soll. Es bringt also nichts, wenn man die körperlichen Fähigkeiten alleine besitzt.

Akademische Reitkunst – der Name stammt aus der Zeit der alten Reitakademien, einige von ihnen sind übrigens heute bekannte Universitäten. Reiten zu lernen bleibt natürlich in gewisser Weise kompliziert, es hilft also clever zu sein. Und es geht nicht nur ums Reiten selbst, sondern um das Training von Körper und Geist.“

Und wie ich heute 10 Jahre später weiß – es lohnt sich mit Köpfchen zu reiten und seinen Körper unter Kontrolle zu bringen.

Habt ihr auch Fragen? Dann stellt eure Fragen an Bent Branderup doch direkt!

Das englische Video ist auf Bents Facebook-Seite zu finden.

Postet eure Frage direkt unter das Video auf der Facebook Seite – jeden Monat wird eine Frage gezogen und von Bent per Video beantwortet. Die deutsche Übersetzung bekommt ihr von mir auf meiner Blogseite.

Die nächste Ziehung ist am 29. Mai 2017 , das nächste Video folgt dann am 31. Mai 2017 🙂

Viel Spaß mit den Videos und den vielen Antworten, die da noch auf uns zukommen!

 

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Der Aussenzügel

Der Aussenzügel

Du musst das Pferd an den Aussenzügel reiten! Gib dem Pferd doch am Aussenzügel eine Parade! Aussenzügel dran! Es gib so viele Mythen über den Aussenzügel, daher lohnt es sich, dem Außenzügel einmal einen eigenen Artikel zu widmen.

Die Sache mit den zwei Zirkeln

Alle Basis beginnt am Boden. Nachdem meine Schüler Bodenarbeit, Longenarbeit und Handarbeit kennen gelernt haben, geht es natürlich im Sattel weiter. Das Glück auf der Erde ward aber auf dem Rücken der Pferde nicht sofort wieder gefunden.

Dies liegt vor allem an der Sache mit den Zügeln.

Als Menschen sind wir in unserer täglichen Arbeit, generell im Alltag extrem „Handfixiert“. Was es da nicht zu hämmern, halten, reißen, fixieren, lenken, schreiben, tippen und streichen gibt. Das Vokabular für manuelle Tätigkeiten ist beinahe endlos.

Wenn wir in den Sattel steigen kennt unser Pferd bereits die Arbeit mit Paraden, es kann Informationen aus der Hand empfangen und der Hand auch wiederum wichtige Informationen weiter geben.

Wenn wir die Zügel aufnehmen, dann fallen Reiter gerne in alte Muster zurück – oft wird in den Reitschulen das Kommando: Außenzügel dran zum fixen Credo – und zur fixen Hand.

Viele Reiter haben schon mal gehört, dass man das Pferd an den Aussenzügel heranreitet. Richtig. Das impliziert aber, dass etwas in der Vergangenheit geschehen muss, um in der Zukunft die Verbindung an den Außenzügel zu bekommen – oder eben nicht. Diese gewünschte Verbindung und die Vorarbeit in der Vergangenheit wird allerdings gerne abgekürzt, indem man den äußeren Zügel einfach rasch kurz hält.

Wenn wir unser Pferd auf dem Zirkel arbeiten (und selbst auf der langen Geraden in Halle oder Viereck kommen wir mal durch eine „runde“ Ecke), dann haben wir eigentlich zwei Beinpaare: Ein inneres und ein äußeres Beinpaar, dazwischen mehr oder weniger Masse Pferd. Rein Mathematisch wäre es also unlogisch, den inneren Zügel ganz exakt gleich kurz zu fassen, wie den äußeren Zügel. Von einer Zirkelmitte mit Zirkel und Maßband nachgemessen ist der innere Zirkel der inneren Beinpaare schließlich enger als der äußere Zügel. Ein zu kurzes Fassen des äußeren Zügels bewirkt also ein Kurzmachen der äußeren Oberlinie. Dabei war es doch das Ziel bei der Biegung auf dem Zirkel gerade die äußere Oberlinie zu mehr Dehnung einzuladen.

Zurück auf den Boden: in den ersten Führübungen laufen wir rückwärts vor dem Pferd her. Beim so genannten „Following“ oder „Fokus“ lernt das Pferd unserem Körper zu folgen. Die Gerte kann als innerer oder äußerer Zügel angewandt dem Pferd zeigen mit der äußeren Schulter in den Zirkel zu wenden oder über den inneren Zügel den Zirkel zu vergrößern. Auch wenn das Pferd diese Hilfen kennt – der Fehler – leider die schlechte Nachricht sitzt immer im Sattel. Daher ist ein direkter Übergang von der Bodenarbeit in den Sattel auch nicht ratsam. In der Handarbeit schulen wir nicht nur das Verständnis des Pferdes für die indirekten Zügelhilfen – darunter verstehen wir die Führung zwischen den Schultern, sondern auch die direkten Zügelhilfen.

In der Bodenarbeit haben wir über den Kappzaum auf den Schädel des Pferdes eingewirkt. Stellung und Biegung wurde durch die Bewegung im Genick auf die Wirbelsäule übertragen. Wenn wir nun mit einem Gebiss arbeiten, kommt die Einwirkung der Hand zuerst im Unterkiefer an. Dieser muss unter den ersten Halswirbel, nach außen rotieren, somit kann sich eine Biegung auf die gesamte Wirbelsäule des Pferdes übertragen. Im besten Fall springt der Mähnenkamm des Pferdes nach innen über, die Biegung pflanzt sich vom Genick aus durch die gesamte Wirbelreihe fort. In der Bewegung kommt die innere Hüfte nach vorne-unten. Der äußere Brustkorb hebt sich, der innere Brustkorb senkt sich in Rotation. Somit wird ein freies Herausschwingen der Vordergliedmaßen möglich.

Soweit so gut. In der Praxis allerdings stoßen wir zu Beginn auf größere Hürden. Beispielsweise Steifheiten im Pferdekörper. Zunächst spüren wir diese in der Bodenarbeit auf und versuchen bestmöglich durch Gymnastizierung des inneren und äußeren Hinterbeins Balance und Durchlässigkeit, sowie Losgelassenheit zu erarbeiten.

Im Sattel hat der innere Zügel zunächst mal die Aufgabe bei der Erarbeitung von Stellung der primären Hilfe Sitz zu assistieren. Der äußere Zügel übernimmt die Aufgabe, die Biegung im Falle eines Überbiegens zu reduzieren. Gerade das Überbiegen kommt am Anfang gerne vor, allerdings wird der Reiter dann sein Pferd umso mehr auf die äußere Schulter werfen. Ein Festhalten am inneren Zügel (egal ob am Kappzaum oder am Gebiss) führt jedoch zum Festmachen der äußeren Halsmuskulatur bis hin zur gesamten äußeren Oberlinie. Diese Festigkeit wirkt sich wiederum negativ auf die gerade erarbeitete Biegung aus, wenn die innere Hüfte zum Ausfallen „gezwungen“ wird.

Ich wende das Pferd niemals mit dem Gebiss, denn dieses wirkt am Kopf und der hat bekanntlich keine Beine. (Bent Branderup) 

Der direkte Zügel kann das Pferd also sanft lösen und an der Stellung feilen, der indirekte Zügel ist für die Führung der Schultern verantwortlich. Die lösenden Hilfen des inneren Zügels sollen schließlich zu einer deutlicheren Verbindung an den äußeren Zügel führen. Dieser Prozess gelingt nicht so rasch, bedeutet Geduld und vor allem das Schwierigste: Immer wieder nachgeben. Aber ein kleiner Trost: Schon Guérinière schreibt 1733, dass es die größte Schwierigkeit für den Menschen nachzugeben ist. Willkommen also im Club 😉 

Der innere Zügel führt die Schultern des Pferdes nach außen, der äußere Zügel führt die Schultern nach innen. Eine der ersten Übungen ist daher auch das Verkleinern und Vergrößern einer Zirkellinie. Der äußere Zügel darf bei der Führung der Schultern eben nie so stark einwirken, dass er Einfluss auf das Gebiss bzw. den Unterkiefer nimmt.

Bereiten wir das Pferd also gut in der Bodenarbeit bzw. später in der Handarbeit auf den indirekten Zügel vor – dann haben wir es vom Sattel aus später leichter und Reiten Einfach 😉

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Total #Pfernetzt

Total #Pfernetzt

Pfernetzt – das heißt Pferde, Vernetzen, Austausch, Vorträge, Tüfteln, gemeinsame Leidenschaft….und das alles auf der „Fohlenweide“ in Fulda. 

Organisiert wurde dieser einzigartige Event von einem hinreißenden Team, das, genau wie ich über ein bestimmtes Pferdethema bloggt. Darunter Christina von Herzenspferd, Sarah von Verwandert, Petra von der Pferdeflüsterei, Miri von „Mein Faible“, Akki von Führpferd.de, Tanja von Tash Horse Experience und noch viele andere…

Übrigens: Ich glaube ich habe noch nie so viele Verlinkungen in einen Artikel gepackt – jedenfalls findet ihr alle Informationen zu den vorgestellten Personen direkt beim Namen verlinkt 😉 Schaut doch mal rein, es lohnt sich, denn in den Blogs steckt auch irrsinnig viel Herzblut und Leidenschaft.

Aber der Reihe nach….

Freitag ging es zunächst mit dem Zug nach Salzburg, wo ich bei Tanja Pöschl von „Tash Horse Experience“ zusteigen konnte. Gemeinsam ging es dann weiter nach Fulda. Schon die Reise brachte einen sehr wertschätzenden und offenen Austausch.

Und trotz mindestens sechs Stunden Fahrt gingen uns die Themen nicht aus (irgendwie logisch unter Pferdeleuten, oder)?

In Fulda angekommen wurden wir gleich herzlich von den restlichen Teammitgliedern begrüßt. 

Beim Abendessen habe ich mich auch gleich mit Ruth Katzenberger pfernetzt – oder ponynetzt…Ruth berichtete viel Spannendes aus dem Leben mit Shettys. Ihre Erfahrungen haben einmal mehr unterstrichen wie individuell man an das Training und Zusammensein mit den Vierbeinern gehen muss. Mehr über Ruth und ihre tolle Arbeit gibt es auf ihrer Blogseite

Samstag Morgen trudelten schön langsam an die 200 Zuseher ein, die sich ganz interessiert auf die einzelnen Vorträge aufteilten.

Nach einer Präsentation von Babette Teschens Longenkurs habe ich mir die Arbeit von Angelika Hutmacher angesehen. Angelika konzentriert sich auf Familienaufstellungen mit Pferden. Eine total spannende Sache – und ein Thema – das gänzlich neu- aber sehr spannend für mich war.  Vielleicht gelingt es mir ja auch durch Angelikas Tipps Erinnerungslücken an mein erstes Pferd „Kobold“ zu schließen, dessen für mich sehr tragischer Verlust einige Erinnerungen an ihn gänzlich ausgelöscht hat.

Im Anschluss hielt Kati Westendorf ihren Vortrag über gesunderhaltende Zusammenarbeit mit den Pferden. Ihr Saal war super gefüllt – ich habe auch über ihren Input ausschließlich positive Resonanz gehört. Kati war gleich nach ihrem Vortrag bei meiner Einheit mit dabei.

Ich war einigermaßen überrascht, als so ziemlich alle Hände in die Höhe schnellten, als ich in die Zuschauermenge fragte, wer denn schon mal Kontakt mit der Akademischen Reitkunst hatte. WOW!! Noch dazu gab es auch bei den anderen Referenten überall akademischen Einfluss. Angelika Hutmacher berichtete auch in ihrem Vortrag von Unterricht bei Marius Schneider, Kati Westendorf ist bekannte Wiederholungstäterin in Sachen „Dänemark Bildungsreisen“ und schreibt darüber ja auch auf ihrer Seite, Marc Lubetzki filmt zwar aktuell Wildpferde, früher jedoch zeichnete er sich für die Videokurse von Bent Branderup verantwortlich. Es gab also eine Menge bekannter Gesichter.

Kati jedenfalls war bei meinem Vortrag mit dabei – ich freue mich, da ich ein sehr schönes Feedback von ihr erhalten habe:

Da Anna und ich bereits im Vorfeld ein wenig über ihren Vortag gesprochen hatten, wusste ich bereits, dass es ein ganz besonderes Erlebnis werden würde.
Mit dem Virus der akademischen Reitkunst musste Anna mich persönlich nicht erst infizieren, jedoch fühlte sich die Energie im Raum für mich so an, als wäre jeder einzelne Mensch darin nun ein wenig angesteckt, ganz gleich welche Vorkenntnisse er mitgebracht hatte.
Anna hatte mit ihrer Einleitung über die akademische Reitkunst voll ins Schwarze getroffen und sicherlich einige skeptische Gedanken aus dem Raum gefegt.

Anschließend spielte ich Versuchskaninchen für Anna und durfte so am eigenen Körper erfahren wie detailliert sie die primäre Hilfe der Bodenarbeit unter die Lupe nimmt.
Unserer Körpersprache sind wir Menschen uns oft nicht mehr sehr bewusst, da wir selten achtsam in unseren Körper hineinspüren und die Auswirkungen auf unseren Gegenüber analysieren.
Genau dazu forderte Anna alle Teilnehmer auf, als sie uns auf zwei Zirkel schickte.
Welches Bein schiebt vermehrt?
Wo zeigen unsere Schultern dabei hin?
Wie verändert sich die Zirkelgröße, wenn das tragende Bein nicht mehr das Innere ist?
Welcher Seitengang könnte helfen, um die Schiefe auszugleichen?

Für mich war dieser Prozess außerordentlich aufschlussreich und ich denke, dass auch die anderen Teilnehmer das ein oder andere AHA-Erlebnis hatten.
Die Stimmung war so wunderbar locker und leicht, dass es mir besonders Spaß gemacht hat Pferd zu spielen und gemeinsam mit Anna zu demonstrieren, wie wichtig das Timing einer jeden treibenden Hilfe ist und welche Auswirkungen das widerrum auf das Pferd hat.
Gerne lasse ich mich wieder von dir durch den Raum schubsen, Anna. Danke für diese Erfahrung 🙂

Mein Highligh war das Hineinspüren in die Parade, da Anna mir hierbei ein fehlendes Puzzleteil mit auf meinen Weg gab. Mir kribbelte es direkt in den Fingern, meinen Pferden von dem neuen Input zu erzählen.
Die gute Stimmung im Raum schaffte eine unheimlich angenehme Lernatmosphäre – Spiele sind im Klassenzimmer manchmal eben doch erwünscht 🙂

Danke Anna, du hast uns mit deinen Ideen inspiriert, bereichert und natürlich auch #pfernetzt.

Einem so schönen Feedback kann ich mich nur anschließen: Sehr spannend war auch der Vortrag von Michaela Hempen. Die Tierärztin widmet sich nicht nur der Forschung, sondern auch der Kombination klassischer Dressur in Verbindung mit positiver Verstärkung mittels Clicker Training. Michaela hat einen äußerst spannenden Vortrag rund um diese Methode dargeboten – besonders spannend finde ich nun ihre Forschung zum Thema Koppen und die Auseinandersetzung mit besonderen Verhaltensweisen. Vielleicht kommt Michaela mit der Unterstützung von Mozarts „Alla Turca“ ja sogar auf eine Lösung oder Linderung für koppende Pferde. Ich halte ihr alle Daumen und bin super gespannt auf den Verlauf ihrer Forschung. 

Bei einem gemeinsamen Kinoabend mit Marc Lubetzki ließen wir den Abend ausklingen, bis sich Zusehr und Speaker übermüdet in die Betten fallen ließen.

Ich muss dem gesamten Organisationsteam ein riesiges Lob und Dankeschön aussprechen. Ich war sehr selten auf einer Veranstaltung, wo ein dermaßen positiver Austausch herrschte. Ich hatte auch das Gefühl, dass wir Speaker untereinander zu einem Thema völlig offen vor Publikum diskutieren hätten können. Und gerade das ist doch selten, schließlich will jeder in der Pferdewelt sehr gerne seine eigenen Überzeugungen an den Mann bringen. Der wertschätzende und offene Umgang unter Speakern, Organisationsteam und den vielen Zuschauern war einzigartig und ist auch in den zahlreichen Feedbacks auf der Facebook Seite spürbar. Dort findet ihr auch eine Foto Rückschau. 

Ich hoffe sehr, dass ein solches Event wieder zu Stande kommt. Ich bin stolz Teil dieser grandiosen Premiere gewesen zu sein!

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Rückwärtsrichten

Rückwärtsrichten

Rückwärts ist das neue Vorwärts. Zumindest wenn es um die Akademische Bodenarbeit geht. Für Neulinge oft ein seltsamer Anblick, wenn wir im Viereck rückwärts vor dem Pferd herlaufen. Nicht nur ein seltsamer Anblick, auch das Rückwärtslaufen ist für die meisten Menschen nach wenigen Minuten äußerst schweißtreibend.

Studien belegen dem Rückwärtslaufen aber einen großen Benefit für die Bewegungsqualität und Gesundheit des Menschen.

Rückwärtslaufen beansprucht die Gelenke weniger als Vorwärts zu laufen. Außerdem: Rückwärts unterwegs zu sein bedeutet einen höheren Sauerstoff- und Kalorienverbrauch. Somit lassen sich beim Rückwärtslaufen Herz und Kreislauf effizienter trainieren als beim Vorwärtslaufen.

Wer sich rückwärts bewegt, bewegt und belastet seinen Körper völlig anders, als in der Vorwärtsbewegung. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die menschliche Hüfte und Wirbelsäule, sowie die Muskulatur. Die Hüfte wird gekräftigt, das kommt natürlich auch der Stärkung der Wirbelsäule zu Gute.

Gerade Menschen, die viel im Büro sitzen (und das ist natürlich ein Großteil) leiden unter einer schwachen Rückenmuskulatur, sowie schwacher Hüfte. Ein wenig Rückwärts kann blockierte, oder verschobene Beckenschaufeln wieder frei legen. Einige Sportler schwören auf Rückwärts, vor allem mit steigendem Tempo sollen hier die Effekte umso größer werden.

Waden und Oberschenkelmuskulatur werden beim Rückwärtslaufen ebenso gestärkt. Die meisten Menschen, die das Vorwärts in Rückwärts umwandeln berichten von Muskelkater.

Was Rückwärts noch bringt? Auch die Arme werden gekräftigt und natürlich schulen wir unsere Balance und Körpergefühl.

Spitzensportler, vor allem Läufer nehmen die Rückwärtsbewegung in das Training dazu. Einerseits wird man durch das Rückwärtslaufen im Vorwärts schneller, andererseits dient das Rückwärts den Sportlern zum Koordinationstraining.

Wie sieht es aber mit dem rückwärts richten aus? Welchen Benefit haben denn unsere Vierbeiner?

Was ist Rückwärtsrichten eigentlich?

Beim Rückwärtsrichten bewegt sich das Pferd rückwärts, anstelle der Bewegung des Viertakts im Schritt bewegt sich das Pferd in einer diagonalen Bewegung rückwärts. Das diagonale Beinpaar rechts vorne und links hinten bewegen sich also beispielsweise gleichzeitig. Eine entsprechende Qualität im Rückwärtsrichten ist nur dann gegeben, wenn das Pferd die Beine vom Boden hebt und zurücksetzt, die Beine allerdings nicht am Boden schleifen lässt und Spuren im Sand hinterlässt.

Rückwärts wird heute in Prüfungen zur Überprüfungen von Gehorsam und Durchlässigkeit verlangt, die Schaukel, bei der das Pferd 6 Schritte vorwärts und 6 Schritte rückwärts geritten wird stellt in den Grand Prix Prüfungen den Prüfstein für den Bewegungsablauf und Durchlässigkeit.

Alois Podhajsky bemerkt in seinem Werk „Die klassische Reitkunst“ zum Rückwärtsrichten:

„Da das richtige Rückwärtstreten eine starke Hankenbiegung erfordert, sollen nie zu lange ausgedehnt werden. Beim Lehren der Übung wird der Ausbilder schon damit zufrieden sein, dass das Pferd, dem Zügelanzug folgend, ein bis zwei Tritte zurück geht. Zum Rückwärtsreten wird das korrekt auf allen vier Beinen stehende Pferd mit beiden Schenkeln an der Gurte zum Anreiten in den Schritt aufgefordert, wobei die Zügel nur mäßig nachgeben. Sobald es aber im Begriff ist die Bewegung anzutreten, wird es auf Grund der vermehrten Zügelanzüge die Beine nach hinten am Boden aufsetzen. Der Schenkeldruck lässt zwar in diesem Moment nach, hört aber nicht auf weil er nicht nur die Versammlung aufrecht zu erhalten hat, sondern auch sofort vermehrt werden muss, sobald das Pferd anfängt zurückzukriechen, anstatt zu treten.“

Waldemar Seunig beschreibt in „Von der Koppel zur Kapriole“ die Hilfen zum Rückwärtsrichten folgendermaßen:

„Zum Rückwärtsrichten gibt der Reiter dem in versammelter Haltung am Zügel stehenden Pferd dieselben Gewichts- und Schenkelhilfen wie zum Antreten der Bewegung nach vorwärts, die Zügel aber wirken in dem Augenblick, als sich ein Hinterbein erhebt, soweit verhaltend, dass dieses und das diagonale Vorderbein nach rückwärts statt nach vorwärts gesetzt werden. In diesem Moment muss der Anzug sofort leichter werden. Dies wiederholt sich so oft, wie die vom Reiter vorher bestimmte Trittzahl beträgt. Vermehrte Kreuzeinwirkung muss je nach dem Grade des Nachgeben der Hand sofortiges Halten oder durch kein Nebeneinandersetzen der Beine unterbrochenen flüssiges Vorwärtsgehen zur Folge haben. Der Oberkörper des Reiters soll dabei ohne Schwierigkeiten eine senkrechte Lage behalten können. Es darf nicht den Anschein haben, als ob die zurückgezerrte Vorhand die Hinterhand zurückschöbe. Bei richtiger Beugung der Hinterhand nimmt diese durch die Mitarbeit von Rücken- und Halsmuskeln die Vorhand nach rückwärts mit.“

Weiters betont Seunig, dass auch im rückwärts die Vorwärtstendenz sichtbar sein muss. Der Beobachter müsse das Gefühl haben, das Pferd laufe sogar im Rückwärts vorwärts.

„Bei einem Pferde, das gerade diese nach rückwärts gerichtete Bewegung in der beschriebenen korrekten Haltung und Form ausführt, können wir mit vollster Berechtigung sagen, es sei gut nach vorwärts geritten, denn just die Art und Weise, wie es an den Hilfen rückwärts tritt, gibt uns die weitgehendsten Aufschlüsse über den Grad seines „Nachvorwärtsgerittenseins“.

Fehlerquellen

Rückwärts braucht also eine Vorwärtstendenz. Dennoch sieht man oft unschöne Bilder von zuviel Zügelzug, weggedrückte Rücken und schleifende Beine, die eine tiefe Spur in den Sandboden ziehen. Das komplette Gegenteil bedeutet Rückwärts – aber zu schnell. Keine gesunde Sache für den Pferdekörper, schließlich kann sich das Pferd durch die zu rasche und starke Beugung im Iliosakralgelenk verletzen, auch Zerrungen an der Psoasmuskulatur sind möglich.

Korrektes Rückwärts ist aber nicht nur ein Prüfstein für Gehorsam und Durchlässigkeit. Gerne wird Rückwärtsrichten auch verwendet, auch in Kombination mit Antraben um die Hankenbeugung zu verbessern.

Rückwärts versus Schulhalt

In der Schulparade schulen wir die Biegsamkeit der Hanken, die Durchlässigkeit, wir empfangen eine Mitteilung vom Pferd in unserer Hand – umgekehrt spüren wir Widerstände im Pferdekörper auf.

Mehr zur Schulparade gibt es unter folgendem Link

Die Schulparade per se ist sicherlich keine Zirksulektion – darüber spricht auch der oben angefügte Artikel. Erst neulich beim Kurs mit Christofer Dahlgren wurde erneut am Unterschied zwischen Schulparade und Rückwärtsrichten gearbeitet. Unsere Pferde haben verstanden auf unseren Sitz zu hören. Verschieben wir die Balance etwas mehr in Richtung Hinterhand, bringen wir das Pferd etwas mehr auf die Hanken und erlauben dann den Hinterbeinen zu folgen – dann haben wir ein korrektes Rückwärts. Im Schulhalt oder in der Levante reiten wir die Hinterbeine vorwärts und geben dem Pferd eine Mittelung über den Sitz die Hanken im Stand vermehrt zu beugen.

Das Pferd sollte die Hilfen für Schulhalt und Rückwärtsrichten gut unterscheiden. Die oben angegeben Zitate von Podhajsky und Seunig gehen allerdings vom bereits gerittenen Pferd aus.

In der Bodenarbeit, Longen- und Handarbeit lernt das Pferd erstmals auf die Körpersprache des Pferdes zu reagieren, sowie ein erstes Verständnis für die Arbeit mit den Paraden.

Gehen wir quasi von der Grundschule – der Arbeit vom Boden aus in den Sattel über, wird dem Reiter ein Helfer zur Seite stehen – nun werden die Hilfen von Bodenpersonal und aus dem Sattel gemeinsam durchgeführt. Somit verhindern wir beim Rückwärtstreten ein Zerren an den Zügeln – auch hier ist die Verfeinerung der Sekundarhilfen, sowie das Verständnis für die Schwerpunktverlagerung beim Pferd zuerst durch sanfte Unterstützung von unten zu fördern, ehe der Reiter alleine die Hilfen abfragen kann.

So lassen sich auch unschöne Bilder, wie Gezerre und zu weites nach-hinten-lehnen vermeiden.

Man könnte nun fragen: Reicht die Schulung der Parade nicht aus, um das Pferd in Punkto Hankenbiegung auszubilden? Ja, vielleicht, allerdings bin ich persönlich mit meinen Pferden nicht nur im „Sandkasten“ unterwegs. Es kann schon vorkommen, dass man mal im Gelände kurz rückwärts muss, sei es vom Sattel wie vom Boden aus. Und hier möchte ich ein vielseitig, geschultes Pferd, dass seine Kenntnisse in der Praxis unweit eines Vierecks ebenso einsetzen kann.

 

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