Erklär mir mal die Knochen

Erklär mir mal die Knochen

Rund 205 Einzelteile erledigen quasi einen „Knochenjob“ wenn wichtige Funktionen rund um den Pferdekörper geht. Was gibt es für Reiter über Knochen und das Pferdeskelett zu entdecken?

Zahlen, Daten und Fakten über Pferdeknochen

Knochen gehören zu den härtesten Substanzen im Pferdekörper. Immer wieder wird mal von Bindegewebe gesprochen – dieser Begriff bezieht sich auch auf die Pferdeknochen. Das knöcherne Skelett besteht aus rund 250 Knochen, alleine in der Wirbelsäule zählen wir mehr als 50 Knochen.

Das Skelett des Pferdes setzt sich aus verschiedenen Knochen zusammen, die entweder beweglich oder unbeweglich miteinander verbunden sind. Knorpel bilden somit so genannte Pufferzonen, die ein reibungsloses Gleiten dieser Verbindungen oder eine elastische Verbindung ermöglichen.

Neben dem Kopfskelett wird noch das Rumpfskelett und das Skelett der Gliedmaßen unterschieden.

Kopfskelett

Das Kopfskelett besteht aus 37 Knochen. Zackige Ränder verbinden die Knochen miteinander. Ober- und Unterkiefer sind durch das Kiefergelenk miteinander verbunden. Schädelhöhle, Stirnhöhle, Kieferhöhle und Nasenhöhle sind ebenso charakteristisch für das Kopfskelett.

Rumpfskelett

Das Rumpfskelett des Pferdes wird durch die Wirbelsäule, die Rippen und das Brustbein gebildet. Die Wirbelsäule des Pferdes besteht aus 7 Halswirbeln, 18 Brustwirbeln, 6 Lendenwirbeln, 5 Kreuzwirbel und etwa 20 Schwanzwirbel.

Aus Wirbelsäule, Rippen und Brustbein setzt sich also der Brustkorb zusammen. Dieser wird auf beiden Seiten von jeweils 18 gebogenen Rippen gebildet. Die 8 vorderen Rippen sind knorpelig-gelenkig mit dem Brustbein verbunden. Die restlichen 10 Rippen haben keine Verbindung zum Brustbein und werden daher oft als falsche Rippen bezeichnet. Sie bilden den beweglichen Rippenbogen. Ganz charakteristisch für das Pferd: Im Gegensatz zu uns Menschen fehlt im Brustkorb das Schlüsselbein.

Das Skelett der Gliedmaßen

Hier wird unterschieden zwischen dem Skelett der Vordergliedmaße und dem Skelett der Hintergliedmaße.

Das Skelett der Vordergliedmaße beste aus Schulterblatt, Oberarmbein, Unterarmbein, Vorderfußwurzelgelenk, Röhrbein, Fesselbein, Kronbein und Hufbein. Pferde haben im Unterschied zu uns Menschen wie gesagt kein Schlüsselbein.

Das Skelett der Hintergliedmaße besteht aus dem Becken, das fest mit dem Kreuzbein verwachsen ist, dem Oberschenkelbein mit der Kniescheibe, dem Unterschenkelbein, dem Sprunggelenk und der Zehengliedmaße.

Knochentypen und Aufgaben?

Die wichtigste Unterscheidung treffen wir zwischen:

  • Lange Röhrenknochen
  • Kurze würfelige Knochen
  • Platte Knochen

Das Skelett übernimmt einige wichtige Aufgaben:

  • Das Skelett schützt die wichtigsten inneren Organe des Pferdes
  • Das Skelett bildet aus einzelnen Knochen Gelenke, die wiederum für den Bewegungsapparat von großer Bedeutung sind.
  • Die Knochen übernehmen Tragefunktion
  • Die Knochen sind quasi ein „Hafen“ , also eine Ankerstelle für Muskulatur und Bänder.

Warum sind die Alten Meister ihre Pferde früher so spät erst angeritten?

Francoise Robichon de la Guérinière schreibt zu diesem Thema:

„Das richtige Alter, um ein Pferd abzurichten, ist je nach den klimatischen Aufzuchtbedingungen sechs, sieben oder acht Jahre. Die Ursache der Mehrzahl aller Widersetzlichkeiten bei Pferden ist aber nicht auf schlechte Veranlagungen zurück zuführen. Vielmehr verlangt man häufig Dinge von ihnen, die sie noch nicht leisten können. Man strengt sie zu sehr an und will sie zu geschickt machen. Derartig großer Zwang macht ihnen die Arbeit verhasst, er ermüdet und verdirbt Sehnen und Nerven, deren Leistungsfähigkeit doch die Biegsamkeit bewirken, und oft sind sie zugrunde gerichtet, wenn man gerade glaubt, sie gut zugeritten zu haben“.

Die meisten Pferde werden heute bereits dreijährig auf Auktionen oder Zuchtschauen vorgestellt. So dürfen wir uns nicht wundern, wenn Probleme im Bewegungsapparat, in der Wirbelsäule und an Sehnen und Bändern zunehmen.

Das Längenwachstums des Skeletts ist mit dem fünften Lebensjahr erst abgeschlossen. Einige Wachstumsfugen schließen sich bereits mit 6 Monaten, andere sogar noch viel später. Jüngste Studien sprechen sogar davon, dass bei Pferde erst im siebten Lebensjahr die letzten Wachstumsfugen geschlossen werden.

In Relation zu diesen Studien mutet es schon seltsam an, wenn Pferde bereits mit 9 Jahren bei Großereignissen wie den Olympischen Spielen Leistungen auf den Punkt zeigen müssen.

Überbeine können durch falsche Belastung entstehen – dabei wird Knochengewebe aktiviert, welches zur Bildung von Überbeinen beiträgt, um eine Mehrbelastung abzufangen. Bei meiner Fuchsstute Tabby haben sich durch die Umstellung auf barhuf und die Veränderung der täglichen Arbeit Überbeine unterhalt der Karpalgelenke sogar wieder zurück gebildet. Heute ist davon nichts mehr zu spüren.

Ein korrektes Training ist für die Knochen des Pferdes von Bedeutung, da auch die Knochen von Belastungsreizen abhängig sind – daher ist auch ein gesundes Maß an Ausdauertraining für gesunde Knochen im Pferdekörper wichtig.

 

Gestatten, die Murgesen

Gestatten, die Murgesen

Barockpferde findet man nur in Spanien, Portugal oder Österreich? Nein – auch in bella Italia ist eine ganz spezielle Rasse beheimatet, die wir im heutigen Rasseportrait vorstellen. Gina Rowley aus Deutschland hat sich in die rassigen Italiener verliebt und stellt „ihre“ Murgesen im heutigen Interview vor:

Italia – Pizza, Pasta e Murgese….

 

Gina, wie bist du auf die Rasse gekommen und warum ziehen dich Murgesen bis heute in den Bann?

Gina: Als Pferdemenschen kann man im Urlaub ja auch nicht ohne Pferde. Daher haben wir im Italienurlaub einen alten Freund meiner Mutter besucht, der dort mehrere Pferde besitzt und einen Reitstall betreibt. Für mich – damals 5 Jahre alt – war das natürlich eine wundervolle Sache. Erkundungstour auf dem Bauernhof. Als mich meine Mutter in der Stallgasse suchte, fand sie Milo.  Milo, ein achtjähriger, schwarzer Murgesenhengst, stand alleine in einer dunklen Box, ohne Koppelgang und ohne Sozialkontakt, weil sein Besitzer seit zwei Jahren nicht mehr gekommen war. Für meine Mutter war es Liebe auf den ersten Blick und für mich war es der Anfang eines wunderbaren Reiterlebens mit einem unglaublichen Pferd – der beste Lehrer übrigens, den ich mir nur wünschen konnte.

Was sind die Besonderheiten der Rasse „Murgesen“? 

Gina: Das Außergewöhnliche am Murgesen ist sein Kopf. In jeder Beziehung. Er ist meistens sehr groß und ein wenig ramsig, mit ruhigen, tiefgründigen Augen. Aber das, was in diesem Kopf vorgeht, macht den Murgesen  in der Tat einzigartig. Er ist ausdauernd, und kann sich ewig konzentrieren. Er ist absolut nicht nachtragend und unglaublich geduldig. Außerdem habe ich bei Pferden selten so eine charakterliche Tiefe erlebt, was sie außerhalb der Arbeit zu sehr interessanten ‚Gesprächspartnern‘ macht. Murgesen sind außerdem unglaublich anpassungsfähig und robust. Sie sind nie zickig oder launisch und wenn sie eine Beziehung aufgebaut haben, werden sie diese nie wieder in Frage stellen. Man ist mit einem Murgesen auch immer dazu gezwungen genau hinzuspüren, denn wenn es ihm nicht gut geht, beißt er die Zähne zusammen und stellt sich seiner Aufgaben, ohne zu meckern. Man muss ein gutes Fingerspitzengefühl entwickeln, um das zu erkennen.

Warum eignet sich der „Murgese“ für die Akademische Reitkunst? 

Gina: Der Murgese bringt auch körperlich gute Voraussetzungen für die akademische Arbeit mit. Insbesondere aber macht er es dem Menschen durch seine Lernbereitschaft und Intelligenz leicht. Nun ist ja die Dressur für das Pferd da und nicht umgekehrt. Für den Murgesen aber  ganz besonders, da ihm die gymnastizierenden Übungen zu einem neuen Körpergefühl verhelfen, das ihm vielleicht nicht immer natürlich gegeben ist. Durch seine unglaubliche Ruhe ist es ihm möglich, seinen ganzen Fokus auf den Moment zu legen. 30 Minuten in der Halle stehen und konzentriert auf die nächste Aufgabe warten, ist für den Murgesen ein Kinderspiel. Da kann zeitgleich die Welt untergehen. Er behält den Fokus.

Wir beschäftigen uns ja auch mit der Geschichte der Reitkunst, kannst du uns etwas über die Geschichte des Murgesen erzählen? 

Gina: Das Murgesenpferd, wie wir es heute kennen, ist erst Anfang dieses Jahrhunderts wieder neu entstanden. Die einzigartige und karge Landschaft im Süden Italiens brachte eine extrem robuste Pferderasse hervor, die einst eine Variante des Neapolitaners war. Diese war in ganz Europa berühmt für ihre Schönheit, Robustheit und Vielseitigkeit. 1872 schrieb der Tierarzt Giuseppe Carelli, dass es in Apulien noch Pferde gab, die dem Idealbild des Neapolitaners entsprachen und der Familienzucht des Herzogs von Conversano entstammen würden. 1923 gab es dann nur noch drei Blutslinien. Nerone, Granduca da Martina und Araldo delle Murge. Die Nachkommen dieser Pferde waren so vielseitig einsetzbar im Zusammensein mit dem Menschen, dass sie neben den Maremmapferden zu den beliebtesten Pferderassen zählten. Jedoch führte ihre besondere Belastbarkeit und ihre hervorragende Eignung in alpinem Gelände beinahe zu ihrer vollständigen Ausrottung während des zweiten Weltkrieges. Die Pferde, die den Krieg überlebt hatten, fanden ein trauriges Ende in der Fleischproduktion. Erst in den 70-er Jahren hat man es geschafft, die Zucht wieder zu regulieren und zu kontrollieren.

Du sagst, die Vielseitigkeit der Murgesen machte sie besonders beliebt. Ist dann der Murgese ein Allrounder, der quasi für Jeden geeignet ist? 

Gina: Der Murgese ist ein Pferd, das schnell plump und schwer aussieht, wenn es falsch geritten wird. Der Murgese ist für mich ein Rohdiamant-  und nur wer bereit ist, viel Zeit in das Studium seines Wesens zu investieren, wird ihn zum Glänzen bringen. Anfangs könnte ein ambitionierter, ehrgeiziger Reiter schnell verzweifeln, weil man den Murgesen oft zweimal bitten muss, vor allem, wenn die Beziehung zwischen Reiter und Pferd noch nicht gefestigt ist. Denn der Murgese ist ein Pferd, dass sich nicht auf jeden einlassen kann und einen Langzeitpartner braucht. Viele scheitern auch an der Energie, die der Murgese oft sehr sparsam einsetzt. Wird diese dann  vehement eingefordert, hat man schnell ein Pferd, das sich komplett verweigert und jeglichen Zugang blockiert. Da der Murgese dies aber nie durch Aggression zeigt, ist er natürlich auch dafür prädestiniert, in die falschen Hände zu geraten. Hier resigniert er einfach und macht dicht. Wenn man es aber geschafft hat, den Murgesen von sich zu überzeugen, ist ihm der Spaß an der Arbeit deutlich anzusehen, und man kann mit einem täglich motivierten Pferd rechnen.

Gibt es ein Erlebnis, oder eine Geschichte, wo du sagen würdest: das war Typisch Murgese? 

Gina: Ja, da gibt es viele. Spontan muss ich da sofort an ein Erlebnis aus meiner Kindheit denken. Es ist mitten im Winter und frischer Schnee bedeckt die Wege. Milo war zu dem Zeitpunkt schon gelegt, hatte in seiner Zeit in Italien allerdings wenig an Ausbildung genossen. Dennoch war er durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Für uns Kinder damals super. Kurzerhand wurden zwei Kinderschlitten angespannt, mit jeweils zwei Kindern darauf, und nochmal zwei Kinder, die auf seinem Rücken saßen. Und meine Mama hat geführt. Da kam uns ein Traktor entgegen, der Baumstämme geladen hatte. Diese Baumstämme fielen uns praktisch vor die Füße und der Lärm war enorm. Milo zuckte nicht einmal. So war es immer mit ihm. Insbesondere wenn wir Kinder auf ihm saßen.

Mehr Infos über Gina und die Murgesen in Deutschland gibt es auf dieser Facebookseite.

 

Vielen Dank an  Gina für das besondere Rasseportrait der Murgesen. 🙂 

 

 

Total Extrovertiert

Total Extrovertiert

Introvertiert oder Extrovertiert? Selbstsicher oder unsicher? Es lohnt sich, über den Charakter seines Pferdes nachzudenken – vor allem, da wir ja auch gemeinsam an Aufgaben arbeiten. Für Introvertierte Typen ist es besonders wichtig zu motivieren und zu wiederholen – vielleicht sogar weniger Aufgaben, dafür mehr Wiederholungen. Wie sieht es jedoch mit extrovertierten Pferdetypen aus?

Glücklich und schnell!

Was bei Parelli ein „left brain extrovert“ Typ wäre, wäre bei Christofer Dahlgren, Meister der akademischen Reitkunst aus Schweden der Typ „Happy“ – oder eben glücklich. „Right brain extrovert“ bei Parelli – wäre bei Christofer der „schnelle Typ“.

Christofer möchte den Pferden grundsätzlich keinen Stempel aufdrücken, aber er weiß – die Beschäftigung mit der Psyche des Pferdes macht es dem Reiter leichter, den Zugang für die tägliche Arbeit und das tägliche Zusammensein mit dem Pferden gut zu wählen.

Schauen wir uns die verschiedenen Konzepte von Pferdebeurteilung an:

Parelli teilt seine „Horsenalitys“ in „left brain“ und „right brain“, sowie introvertiert und extrovertiert ein.

Demnach sind „left brain“ Pferde selbstsicher, mutig, vertrauensvoll, ruhig und tolerant. Die Beschreibung „dominant“ lehnt Dahlgren aber ab. Seiner Meinung nach gibt es keine dominanten Pferde – wenn, dann hat meist der Mensch das Übrige dazu getan.

„Right brains“ sind genau das Gegenteil. Sie sind zurückhaltend, ängstlich und misstrauisch. Sie neigen auch zu Überreaktionen, können aber sehr folgsam sein.

Extrovertiert

Extrovertierte Pferde lieben es zu rennen, sind sehr an ihre Herde gebunden und haben ein enormes Potenzial an Energie.

Left brain extrovert

Ein verspielter Charakter, ein neugieriges Wesen. Ein Pferd, das schnell lernt und rasch eigene Ideen entwickelt. Der Reiter muss aufpassen, keine Langeweile im Training aufkommen zu lassen. Angenommen der Reiter hat 6 Aufgaben bzw. Übungen am Stundenplan, dann lassen sich diese leicht umsetzen – aber auch hier gilt: VIEL Abwechslung. Denn einem solchen Pferd muss man die Aufgaben in einem Spiel bieten.

Right brain extrovert

Diese Pferde bewegen sich gerne. Daher geht Christofer mit einem solchen Pferd gerne vor dem Training zum „auslüften“ ins Gelände – erst wenn das Pferd relaxed ist kann die Arbeit beginnen. Aber: Man darf das Pferd nicht zur Bewegung zwingen! Ein sensibler Reiter versucht die Trainingseinheiten so leicht wie möglich zu gestalten, denn right brain extroverts fühlen sich schnell überfordert. Anstelle der 6 Übungen für den left brain extrovert sollte man auf drei Übungen reduzieren.

Der extrovertierte Kobold

Mein erstes Pferd Kobold gehörte eindeutig zu den extrovertierten Typen. Er war super freundlich, immer zu Scherzen aufgelegt und immens verspielt. Im Zahnwechsel spielte er sich mit den wackelnden Schneidezähnen am Glasfenster – bis es zerbrach. Beim Ausreiten rannte er vergnügt hinter jedem Reh her, das den Weg kreuzte. Ich habe ihn nie unmotiviert oder schlecht gelaunt erlebt – weder zum Menschen, noch zum Pferd. Bewegung war für ihn alles. Heute würde ich bei dem Experiment: 14-jährige plus 3-jähriger Wallach die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Damals muss ich sagen hatte ich es dem gutmütigen und aufgeschlossenem Wesen meines Pferdes zu verdanken, dass ich es ziemlich ohne Unterstützung geschafft hatte „Kobus“ anzureiten und vergnügt viel Zeit mit ihm im Gelände zu verbringen. Was die Dressur anbelangt hatte ich natürlich nicht die Pädagogik von heute und habe mich oft widersprochen. Einzig diese Widersprüchlichkeiten quittierte Kobold mit Unverständnis.

Ich vermisse meinen extrovertierten, vergnügten Kobold bis heute.

In zwei Wochen legen wir gemeinsam mit Christofer Dahlgren unsere Pferde auf die „Couch“ und fragen uns, wie wir das Training möglichst motivierend und freudvoll für das jeweilige Pferd gestalten können. Alle Infos zu den letzten Zuschauerplätzen gibt es hier

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Introvertiert und gar nicht schüchtern?

Introvertiert und gar nicht schüchtern?

Left brain, right brain, introvertiert, extrovertiert, Holzpferd, Metallpferd oder happy, schnell, sicher und liebevoll? Es gibt so viele Definitionen und Skalen, die uns helfen sollen ein Pferd zu beurteilen.

Christofer Dahlgren, Meister der Akademischen Reitkunst aus Schweden benutzt selbst die Einordnung in:

  • Happy
  • Schnell
  • Sicher und
  • Liebevoll

– warnt allerdings davor Pferde in feste Schubladen zu stecken. Die Charakteristik KANN helfen, das Training des Pferdes zu gestalten. Aber – wir wissen bereits – das einzige Pferd, das sich wie im Lehrbuch verhält, das steht im Lehrbuch drin.

Vor einiger Zeit haben wir bereits einen introvertierten Typ besprochen – Christofer nennt ihn den „liebevollen“ Typen. Wer mein persönliches Profiling meiner Stute „Pina“ nachlesen möchte, kann das hier nochmal tun.

Darf ich vorstellen…Tabby…..

Ja, bevor die Sache zu verkopft wird, kann es wirklich hilfreich sein, sich aus dem Hause Disney ein wenig Unterstützung zu holen. Hier komme ich auch wieder auf Christofer Dahlgren zu sprechen, der seinen wunderbaren Vortrag bei der Sommerakademie 2016 über die verschiedenen Persönlichkeiten von Pferden mit Hilfe einiger bekannter Filmhelden untermauerte.

Und wer ist das Pendant zu meiner Stute Tabby?
Maximus, das Pferd aus Rapunzel

Moment…steht im heutigen Titel nicht auch das Wort „introvertiert“?

Ja!

Der introvertierte, aber nicht so schüchterne Typ

Wo findet man diese Pferde? Oftmals handelt es sich dabei um Arbeitspferde, Ranch-Pferde, Kutschpferde, zuverlässige Pferde in der Reitschule, Pferde, die im Wald bei der Arbeit helfen.

Bei Parelli würde man diese Pferde zu „left brain introvert“ zählen. Demnach sind „left brain“ Pferde selbstsicher, mutig, vertrauensvoll, ruhig und tolerant. Introvertierte Pferde würden oft stehen bleiben, sie würden als stur abgeschrieben, allerdings denken gerade diese Pferde sehr viel nach.

Diese Pferde wissen, was sie wollen und brauchen einen Reiter, der sie gut motivieren kann. Gut? Ich meine so richtig gut motivieren! Denn wenn dieser Typ Pferd wirklich mitmachen will und sich für ein gutes Gelingen verantwortlich fühlen kann, dann gewinnt man einen sehr zuverlässigen Partner, der die gemeinsame Zeit mit dem Menschen auch genießen kann. Für dieses Pferd zählen: Viel Lob, viele Pausen und viele Wiederholungen in der Arbeit miteinander.

Profiling Tabby

Tabby und introvertiert? Ruft man Tabby auf der Weide schnellt der Kopf in die Höhe, die Ohren sind gespitzt, die Augen aufmerksam und intelligent. Eigentlich wirkt Tabby immer sehr fröhlich und unbeschwert. Wenn ich zu ihr auf die Weide gehe, bleibt sie stehen und sieht mich erwartungsvoll an. Sehr gerne verlässt sie ihre Freundin Pina nicht, daher muss ich sie meistens direkt bei Pina „abholen“.
Als wir 2015 zum Sonnenhof gezogen sind, dachte ich immer Pina (ebenso introvertiert, aber kein left brain, sondern right brain) würde mehr an Tabby hängen als Tabby an ihr.
Mitnichten.
Kaum in neuem Terrain fing Tabby an „ihre“ Pina zu verteidigen. Anfangs mag das für Pina noch ganz bequem gewesen sein, mittlerweile geht ihr Tabbys Verhalten aber sichtlich auf die Nerven. Tabby spielt sich da sehr auf wie die „Glucke“, die befunden hat: „Pina darf nur mit mir befreundet sein“.
Wenn Pina mit einem anderen Pferd Fellpflege betreibt, geht Tabby eifersüchtig dazwischen.

Trotzdem sind beide nach wie vor sehr befreundet. In der Herde wirkt Tabby eher „dominant“. Sie zählt vermeintlich zu den ranghöheren Pferden. Dabei geht Tabbys dominantes Verhalten auch eher auf Unsicherheit zurück    – sie braucht die Unterstützung von Freundin Pina vor allem für ihre emotionale Sicherheit, daher verteidigt sie diese auch unentwegt. Diese „Aufgabe“ gibt Tabby ebenso wieder sehr viel Sicherheit.

Tabby ist zwar riesig neugierig, aber nicht unbedingt die Mutigste. Gruselige Dinge muss man sich in aller Ruhe anschauen dürfen – dann ist es okay.
Und wenns drauf ankommt? Dann kann ich mich aber absolut auf Tabby verlassen.

Das war aber nicht immer so

Im Vergleich zu Pina wirkt Tabby zwar immer aufgeweckt und fröhlich – es hat aber auch bei ihr fast ein Jahr gedauert, bis wir wirklich ein Team geworden sind. Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit war Tabby eher am Explodieren, denn am Zuhören – den Zaubertrick zum Erreichen dieses Pferdes gab es nicht – aber je selbstsicherer Tabby in der gemeinsamen Arbeit wurde, umso stolzer und gelassener wurde sie. Auch heute reagiert sie aber auf neue Aufgaben eher mal misstrauisch und abwartend. Ihr muss man alles sehr genau erklären und sie IMMER motivieren, sich auch mit der Aufgabe auseinander zu setzen.

Christofers Warnung vor allzu starker „Schubladisierung“ zeigt sich bei Tabby sehr stark. Beispielsweise vor Publikum wird der kleine Fuchs zur – man verzeihe mir den Ausdruck – „Rampensau“. Je mehr Publikum umso besser – Tabby ganz in ihrem Element und absolut extrovertiert!

Wenn ich heute eine Woche von meinen Pferden getrennt bin zeigt sich folgendes Bild. Tabby kann – wenn „ihr“ Tagesablauf nun anders abläuft recht ungehalten werden. Dann wird der Futtertrog als WC „missbraucht“ um unmissverständlich zu unterstreichen, dass dem Fuchs etwas nicht passt. Wenn ich dann zurück bin merke ich von alledem nichts. Tabby und ich sind sofort wieder ein Team – im Gegensatz zu Pina. Ihre „Gunst“ muss ich mir wieder verdienen, wir müssen einen Teambuilding Prozess durchlaufen, dann klappt wieder alles.

Lernen wir unsere Pferde genau kennen, dann entwickeln wir uns als Pädagogen, Motivations-Coaches und verlässliche Partner.

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