Einfach nachgefragt bei Annika Keller

Einfach nachgefragt bei Annika Keller

„Das könnte jetzt eine ganz blöde Frage sein – aber ich trau mich mal“….beim Kurs mit Annika Keller vor zwei Wochen gab es viele Fragen rund ums Biegen, Gymnastizieren, Geraderichten und vorwärts Reiten. Im Dialog mit Annika fanden wir schnell heraus: es gibt keine blöden Fragen.

Manchmal scheint es mir, als ob sich Reiter oder Pferdebesitzer schon gar nicht mehr trauen, Fragen zu formulieren. Schließlich reitet man x Jahre und sollte es ja wissen. Auf der anderen Seite heißt es so schön: Reiten und der Umgang mit Pferden bringt uns auch menschlich weiter. Dafür müssen wir aber auch immer Lernende sein dürfen. In einer herzlichen Atmosphäre wurde daher jede Frage von Annika ausführlich beantwortet – und wie heißt es so schön – ein Leben reicht nicht aus um Reiten zu lernen – aber vielleicht kommen wir ganz gut hin, wenn wir uns trauen viele Fragen zu stellen, in einer wertfreien und wertschätzenden Atmosphäre.

Die wichtigsten Fragen an Annika habe ich heute – tatkräftig unterstützt von Simone Garnreiter noch mal für alle in diesem Blogeintrag zusammengefasst:

Vorwärts ja, aber wenn man nicht zum Treiben kommt?

Annika referierte beispielsweise über „vorwärts Reiten“. Dabei kam die Frage auf: Was tun, mit Pferden, die immer zu schnell unterwegs sind und der Reiter dadurch gar nicht zum Treiben kommt?

Pferde, die immer zu schnell sind und vor den treibenden Hilfen förmlich weglaufen sind laut Annika am Schwierigsten auszubilden. Das Problem kann man sich quasi in Zeitlupe genau ansehen – die Pferde machen hektische kurze Tritte, der Reiter hätte aber eigentlich ja lieber große Schritte. Das ist die Ursache für das „nicht zum Treiben kommen“, da das Pferd auf treibende Hilfen mit „Gas geben“ anstelle einer ruhigen Dehnung der Oberlinie reagiert. Auf diese Weise würde auch die Gesamtbewegungsamplitude aus der faszialen Sicht nicht ausgenutzt.

Faszien sind eine bindegewebsartige Struktur, die den ganzen Körper umfassen und somit jeden Muskel, jedes Organ, Sehnen und Bänder an „ihrem Platz“ halten aber auch für die Gleitfähigkeit untereinander sorgen.

Annika riet dazu bei „hektischen Pferden“ das Tempo zu reduzieren, um dann viel großen Schritt zu reiten oder in der Bodenarbeit zu erarbeiten. Zunächst wird die Qualität des Vorgriffs nicht unmittelbar verbessert werden – was bei den kurzen, hektischen Tritten aber auch nicht der Fall ist. Unter dem Reiter oder in der Bodenarbeit streben wir also zunächst ein mittleres Tempo an, wobei das Pferd nun zunehmend zur Dehnungshaltung eingeladen wird, ohne erneut schneller zu werden.

Das Lernziel für das Pferd ist wie folgt formuliert: Es soll lernen, sich selbst mit einem vorgreifenden Hinterbein aufzufangen, um längere Schritte zu machen, ohne vorwärts zu fallen. Das Ziel ist die Erarbeitung einer Dehnungsbereitschaft.

In der Akademischen Reitkunst gibt es einen großen Werkzeugkoffer, der dem Pferd hilft das Gleichgewicht zu finden, allerdings darf uns bei dieser Arbeit die „Eigenverantwortung des Pferdes“ nicht verloren gehen. Ein Pferd, das also quasi permanent nur durch Einrahmung durch Hilfen in Balance bleibt, ist nicht reell in Balance. Unser „Trippelpferd“ wird in vielen Etappen und einer längeren Ausbildungsperiode das Vorgreifen der Hinterbeine erlernen, um in einen guten Zustand von Balance zu kommen.

Gemütlich und faul?

Analog dazu gibt es natürlich auch die Problemzone der gemütlicheren, oder „faulen“ Pferde?

Auch bei diesen Pferden legte Annika für die Ausbildung die Schulung des Gleichgewichts ans Herz. Natürlich muss auch das gemütlichere Pferd ein fleißiges Grundtempo erarbeiten. Es gibt dabei aber immer ein momentanes ideales Tempo – das mittlere Tempo, in dem der Vorgriff der Gliedmaßen nicht kürzer ist als der Rückschub. Das Tempo wird sich allerdings mit zunehmender Balance und Geschmeidigkeit auch ändern können. Genau wie das eilige Pferd sollte das zu erarbeitende Ziel mit einer Dehnungshaltung, in der ein korrektes Durchschwingen der Hinterbeine möglich ist formuliert werden.

Die Sache mit dem Sitz

Es gib Grundregeln wie: Kopf parallel zu Kopf, Schultern parallel zu Schultern, Hüfte parallel zu Hüfte…aber lernen wir durch diese Regeln tatsächlich korrekt zu sitzen?

Zunächst ging Annika auf die Wünsche der Reiter ein: Salopp gesagt heißt das: Wer das Sitzgefühl eines Spaniers möchte, darf sich nicht wundern, wenn es sich am Warmblüter anders anfühlt.

Wir können durch einen funktionalen Sitz natürlich das Pferd unterstützen – oder andernfalls behindern. In jedem Fall werden wir Menschen vom Pferd bewegt. Im Idealfall – und da waren wir schon wieder bei Steinbrecht sollte der Mensch den Sitz auf einem ausgebildeten Pferd spüren lernen.

Dabei gilt es aber auch pferdegerechte Grundsätze zu beachten: Das Pferd ist kein Gymnastikball und sollte auch nicht in diesem Sinne „benutzt“ werden. Da schon Steinbrecht den Mangel an gut geschulten Schulpferden zur Ausbildung der Reiter kritisierte bleibt uns auch heute die Möglichkeit Bewegungskompetenz erstmal ohne das Pferd zu erarbeiten. Das heißt: Der Reiter kann seine Geschmeidigkeit und Balance außerhalb des Sattels schulen. Da gibt es viele Möglichkeiten wie Feldenkrais, Yoga, Pilates, auch Joggen oder gezieltes Beckenbodentraining, um den Sitz für das Reiten zu schulen.

Unser Hauptmanko bleibt heute aber: Wir müssen durch den (meist ungeschulten) Reiter das Pferd ausbilden und durch das (ungeschulte) Pferd den Reiter. Lektionen lernen ist eine schwierige Sache, wenn der Reiter eigentlich noch nicht weiß, wie wie sich der Sitz korrekt beispielsweise im Schulterherein anfühlen soll.

Das geht am besten mit einem guten Trainer, der im richtigen Moment vermitteln muss. Beim Erarbeiten des Schulterhereins lernen wir also nur in Sekundenbruchteilen, wenn Reiter und Pferd sich dem korrekten Ergebnis nähern. Es heißt also nicht umsonst: Wir müssen fühlen lernen!

Trageerschöpfung

Von Fragen rund um den korrekten Sitz ging es gleich weiter zur Trageerschöpfung:

Das Wort Trageerschöpfung ist ein Begriff der Moderne, die Symptomatik des trageerschöpften Pferdes gibt es aber schon immer – so Annika Keller.

Die Trageerschöpfung ist eine Art Kettenreaktion, d.h. man kann nicht sagen welcher der betroffenen Bereiche im Pferdekörper die Ursache gewesen ist.

Die sichtbar betroffenen Körperteile der Trageerschöpfung sind der Hals-, Schulter-Brustbereich, das Genick und der lumbosakrale Übergang bzw. der Übergang vom letzten Lendenwirbel zum Sakrum.

Wie die Trageerschöpfung entsteht hat mehrere Faktoren:

Das Pferd ist nicht in Balance und trägt sich nicht selbst. Wie soll es dann den Reiter korrekt tragen, der nahe der Vorhand sitzt und den Brustkorb zwischen den Schultern nun noch vermehrt nach unten drückt. Möglicherweise ist in dieser Variante auch noch ein unpassender Sattel beteiligt, der den Reiter stark nach vorne setzt. Die Schwerkraft sorgt dafür, dass der Brustkorb runterfedert und der Schulterbereich der nur muskulär aufgehängt ist nun als Stoßdämpfer wirken muss. Dieser wird aber bei jedem Schritt noch mehr gestaucht, wenn die Hinterhand „ihren Job“, als das Tragen nicht übernimmt.

Druck auf den Brustkorb bedeutet unweigerlich auch Druck auf das Brustbein und weiter in der Kette auf das Zungenbein. Dieses ist mit dem Unterkiefer verbunden. Man kann ein Pferd nicht in Einzelscheiben betrachten, denn ist ein Bereich betroffen, dann leidet ein verbundener Bereich natürlich mit. Blockaden können sich also quasi wie eine Kettenreaktion auf mehrere Bereiche im Pferdekörper auswirken.

Wege aus der Trageerschöpfung führen immer über das vermehrte Vorschwingen der Hinterbeine. Wenn das Hinterbein weit nach vorne schwingt, stützt es den Rumpf oder die Hängebrückenkonstruktion auf positive Art und Weise.

So kann das Pferd lernen mit der Arbeit der Hinterhand den Brustkorb anzuheben und korrekt über den Rücken zu gehen.

Koppen kann die oben genannten Problemzonen ebenso in Mitleidenschaft ziehen. Dabei unterscheidet man zwischen Luft- oder Aufsetzkoppern. Das Koppen verspannt den Genick-Hals-Brust-Widerrist-Bereich und somit natürlich auch den Rücken.

Es ist unbedingt Physiotherapeutische Unterstützung nötig, um die Verspannungen einigermaßen im Griff zu bekommen. Für den Reiter ist es immer wichtig zu wissen: Eine negativ genutzte Muskulatur ist nur sehr schwer zu trainieren – hier braucht es eben auch professionelle Unterstützung, um vor dem Training Verspannungen zu lösen. Eine Verbesserung der Bewegungsqualität wieder zur korrekten Tätigkeit der Muskulatur gebracht werden können.

Es gab noch viele weitere Fragen an Annika…aber zum Glück wird es auch eine Fortsetzung geben. Und da werden wir auch garantiert wieder nachfragen! Denn durchs Fragen, reiten wir Einfach 🙂

PS: Wer den Kursbericht von Annika verpasst hat findet die Zusammenfassung hier.

Die Logik hinter den Biegungen mit Annika Keller

Die Logik hinter den Biegungen mit Annika Keller

Annika Keller hat im heurigen Jahr gemeinsam mit Bent Branderup „Die Logik hinter den Biegungen“ – Gustav Steinbrechts Gymnasium des Pferdes – neu übersetzt. Nachdem uns Annika mit ihrer sympathischen und kompetenten Art bereits letztes Jahr zum Thema „Geraderichten“ begeisterte, wollten wir nun auch etwas tiefer in das Thema „Biegungen“ eintauchen.

Biegen oder Schieben?

Viel Schub hatte es wohl auch auf Annikas Anreise gegeben, aber trotz turbulenter Flugreise führte uns Annika sogleich geschickt in das Thema Biegungen ein. Wichtig ist der Ostheopathin und Physiotherapeutin für Pferde immer die Gesunderhaltung des Tieres im Fokus zu behalten. So müsse der Reiter nicht nur die Möglichkeiten des Bewegungsspektrums analysieren, sondern auch hinsichtlich der Gesunderhaltung überprüfen. Bewegungen können zwar durchführbar, aber nicht zwingend gesund sein. Daher ist es für Reiter wichtig überhaupt zu wissen, wie eine gesunde Biegung aussieht.

Dabei unterschied Annika deutlich zwischen dem „Privatleben“ des Pferdes und der Biegung des gerittenen Pferdes.

Wenn ein Pferd ohne Reiter durch eine Kurve läuft, dann wird es seine innere Schulter vermehrt belasten und den Kopf nach außen nehmen. Also das komplette Gegenteil von dem tun, was wir Reiter überhaupt wollen. Ohne Reiter und ohne zusätzliches Gewicht, das den Brustkorb des Pferdes belastet – kein Problem – mit Reiter sieht das ganze aber dann schon anders aus. Wenn Pferde sich stundenlang grasend vorwärts bewegen, trägt die Vorhand die Hauptlast, die Hinterhand ist quasi „Anhängsel“- dabei schiebt oder rollt das Pferd seine Gesamtlast über die beiden Vorderbeine. Auch hier – für das Pferdeleben ohne Reiter kein Problem – mit Reiter wäre die Kopf-Halsposition viel zu tief, das Pferd kann so keinen Reiter tragen.

Annika erläuterte ausführlich eine gesunde Dehnungshaltung mit einem positiven Spannungsbogen und zeichnete wichtige Eckpfeiler, die bei der Blickschulung ebenso eine große Rolle spielen. Dabei ließ sie auch die Zusammenarbeit zwischen Brustbein, Zungenbein und Genick nicht außer Acht. Bei Stellung und Biegung ist zunächst für eine gute Dehnungsbereitschaft, sowie eine gute Ganaschenfreiheit zu sorgen. Weiter ging es in eine Reise durch die Wirbelsäule des Pferdes. Dabei erklärte Annika wo viel Biegung (Halswirbelsäule) und weniger Biegung (Brustwirbelsäule) im Pferdekörper stattfindet.

Gerade der sehr bewegliche Hals lade zum Verbiegen ein. Die lizensierte Bent Branderup Trainerin empfahl bei übermäßiger Biegung im Hals mit gleichzeitig fehlender Biegung im restlichen Pferdekörper den Hals wieder soweit gerade zu stellen, bis die Biegung des Halses zur Körperbiegung passe. Da wir sehr auf die Arbeit mit unseren Händen fixiert sind – gerade auch in unserem Alltag müssten wir auch aufpassen, da der Reiter gerne ein stärkeres Einwirken am Pferdekopf als ultimative Lösung empfindet.

Die Sache mit der Schubkraft

Gustav Steinbrecht riet in seinem Gymnasium des Pferdes: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“, warnte zugleich aber vor einem zu schnellen Tempo.

Zunächst wanderten wir wieder zum „Privaten Pferd“ auf der Koppel im Vergleich zur gewünschten Bewegung des Reitpferdes. Ein Pferd, dass sich beispielsweise schreckt und auf der Flucht ist, wird den Kopf heben, den Unterhals herausdrücken und seine Wirbelsäule in Extension bringen. Der Rücken wird also nicht aufgewölbt, die Hinterhand drückt sich kräftig ab und schiebt nach hinten hinaus. Natürlich kein Verhalten, das wir von einem Pferd, das über den Rücken geht haben wollen.

Annika erzählte nun aus ihrer eigenen Erfahrung, was gutes Vorwärts sein kann. Hier zeigte sich einmal mehr die Bedeutung der Akademischen Reitkunst. Akademische Reitkunst bedeutet für mich ganz persönlich, wo ich diese Zeilen verfasse: Teil einer Gemeinschaft sein, die laufend über Prozesse nachdenkt. Hypothesen aufstellt und diese in der Praxis auch überprüft. So hat sich Annika vermehrt auch mit dem Thema „Schub“ befasst.

Natürlich braucht ein Pferd eine gute Tragkraft, um seinen Reiter ohne Schaden zu tragen. Wie schaut es aber mit der Schubkraft aus, wo prinzipiell die gleichen Muskelpartien angesprochen werden können?

Annika zeichnete uns verschiedene Möglichkeiten auf – mal genügend Vorgriff und überwiegend Rückschub, mal wenig Vorgriff bei zuviel Rückschub – und mal genügend Vorgriff ohne viel Rückschub.

Und aus Steinbrechts Empfehlung erarbeiteten wir im Dialog eine spannende Conclusio. Wir müssen dem Pferd ein gutes Vorwärts beibringen, das aber das „Schnellwerden“ unterbindet. Wir müssen zum Treiben der Hinterhand kommen, damit wir dem Pferd auch Mitteilung geben können, wo wir diese Hinterhand im Idealfall platzieren wollen. Erst wenn wir den Vorgriff aus der Hinterhand nicht verlieren und dem Pferd eine Formgebung durch die Wirbelsäule beigebracht haben, wird auch eine Beugung der Hanken möglich – in Zusammenarbeit mit Durchlässigkeit und Losgelassenheit.

Das Fazit: Biegen ist gesund, aber der Reiter muss in erster Linie Bescheid wissen, wie gesunde Biegung auszusehen hat damit er dem Pferd nicht schadet. Und: an einem Wochenende hat man noch lange nicht über das Thema ausgelernt. Eine Wiederholung beispielsweise zum Thema Schubkraft ist bereits in Planung.

Auch bei den Praxiseinheiten konnten wir uns viel Inspiration aus Annikas Wissen mitnehmen.

Diesmal habe ich mit Tarabaya teilgenommen. Dabei arbeiteten wir an der Qualität der Versammlung im Schritt, sowie Übergänge zwischen Schulparade, Schulschritt und gelöstem Vorwärts-Abwärts, wobei Annika stets großen Wert auf das „Suchen zur gebenden Hand hin“ legte. Auch im Trab haben wir an den Übergänge zwischen Versammlung und Dehnungshaltung, ohne dabei schneller zu werden, gearbeitet. Und auch der Galopp kam in der Arbeit nicht zu kurz – hier war ich besonders über den (uns beide) geraderichtenden Input am ersten Tag dankbar, der uns in der fortsetzenden Arbeit bestimmt weiterhelfen wird. Am zweiten Tag konnte ich noch einige Möglichkeiten in Richtung Piaffe für Tabby mitnehmen.

Für Pina hatte Annika am zweiten Tag noch ein wenig Wellness parat. Wie bereits im Vorjahr konnte uns Annika ein paar Griffe zeigen, die die Halsmuskulatur lösen und entspannen.

Für die Winter-Kurspause hat uns Annika einen ordentlichen (Motivations-)Schub dagelassen. Wir freuen uns bereits auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

 

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Mach den Weg zur Kunst

Mach den Weg zur Kunst

Reitkunst ist Lebenskunst heißt es so schön. Aber wo liegt im Lernen wirklich die Kunst? Der Weg ist das Ziel. Aber kann die Kunst nicht schon im Lernen auf dem Weg entstehen?

10 Gesetze, wie wir das Lernen zur Kunst machen

  1. Leidenschaft
  2. Glaube an dich
  3. Liebe das Lernen
  4. Akzeptiere Phasen des Lernens
  5. Der Unterschied zwischen Vortrag und Diskussion
  6. Minimalismus
  7. Das Spiel mit Wissen, Intuition und Kreativität
  8. Die Sache mit dem Test und dem Wissen
  9. Relax
  10. Am Anfang ist der Anfang

Leidenschaft

Am Anfang ist der Antrieb, die Motivation. Wir brauchen diese Leidenschaft als inneren Motor, wenn es um das Lernen geht. Die Frage ist jedoch: Leidenschaft und Technik? Verträgt sich das? Natürlich müssen wir ein Handwerk lernen – egal ob es um das Reiten geht, oder eine völlig andere Sache. Wir lernen sämtliche Positionen (Groundwork, Longework, Handarbeit, Langer Zügel, Crossover) rund um das Pferd in der Bodenarbeit. Wir begreifen die Funktion eines inneren und äußeren Schenkels und wie wir mit einem inneren oder äußeren Zügel dem Pferd eine Mitteilung geben können. Dazu braucht es ein gewisses Maß an Technik.

Reite den Inhalt und nicht die Lektion (Bent Branderup).

Man könnte es auch so formulieren:

Werde ein guter Techniker, aber einer, der die Leidenschaft für Entwicklung und Fortschritt niemals aus den Augen verliert

Glaube an dich!

Stellen wir uns zwei Lernende vor. Der eine sagt: das lerne ich nie, der andere ist von sich überzeugt.
Wer wird wohl mehr Erfolg haben?

Denken wir nun weiter: wenn wir sagen: ich kann diese Aufgabe bewältigen, weil ich die dafür erforderlichen Fähigkeiten mitbringe – dann schreiben wir das Maß an Erfolg und Misserfolg unseren Fähigkeiten zu. Wer seinen Erfolg aber auf seine Leistung münzt – nach dem Motto: ich kann diese Aufgabe bewältigen, schließlich habe ich gewisse Skills erlernt und lerne weiter – der lässt sich bei Misserfolg nicht so leicht aus dem Konzept bringen. Wir betrachten unsere Fähigkeiten nämlich gerne als etwas Statisches – unsere Leistungen aber als einen dynamischen Prozess, an dem wir wachsen. Glauben wir also an unsere Leistung!

Liebe das Lernen

Ja, manchmal ist Lernen frustrierend. Ich glaube jeder war schon mal in der Straße, wo man das Gefühl hat wie Sisyphos immer wieder den gleichen Stein auf den gleichen Berg rollen zu müssen.

Wir bleiben aber Lernende. Und ohne Versuch und Irrtum kommen wir nicht weiter. Wir brauchen also den Irrtum, um auch zu wissen: das fühlt sich jetzt nicht gut in meiner Hand an. Hier läuft etwas unter mir schief. Unser Pferd gibt uns Feedback.

Und – falls die Liebe zum Lernen manchmal schwerfällt:

Verstehe die Phasen des Lernens

Egal ob in der Reitkunst, beim Erlernen eines Musikinstruments oder einem anderen Prozess. Es gibt Phasen, da sind wir quasi wie bei einem Filmdreh: ready for action – bereit den Anweisungen des Regisseurs mühelos Folge zu leisten. Aber es gibt eben auch Phasen im Leben, wo wir uns mitten im Wachstum befinden. Manchmal sind und fühlen wir uns da besonders verletzlich. Und darum müssen wir uns auch ganz geschützte Phasen und Zonen des Wachstums erlauben. Wir brauchen schließlich auch Zeit, um ganz neu Erlerntes überhaupt aufzunehmen und zu verdauen. Mitten im Prozess sagen wir vielleicht: momentan läuft es überhaupt nicht gut. Ich komme gerade nicht weiter. Wir sind aber gerade mitten im Prozess. Ist der Inhalt verdaut, schaut die Sache vielleicht schon anders aus. Das Problem, das wir in der Arbeit mit unserem Pferd hatten, war vielleicht der Schlüssel, eine neue Lösung zu finden, etwas noch besser zu spüren – oder einen Denkfehler, der einige Schritte weiter vorne auf der Reise lag, aufzudecken.

Berieseln lassen oder aktiv mit dran sein?

Akademische Reitkunst – der Name stammt aus jener Zeit, als es in ganz Europa noch Reitakademien, vorwiegend für den Adel, gab. Soweit, so gut. Ein Hort des Lernens also – und auch des Wissensaustauschs.

Und wie ist das heute? Viel zu gerne lassen wir uns berieseln. Wir nicken während des Vortrags eifrig mit, denn ja klar, ist ja alles logisch. Beim Lernen zeigt sich, je aktiver wir an die Sache rangehen, umso mehr bleibt hängen.

Daher: scheuen wir doch nicht die Diskussion. Und damit meine ich nicht das Streitgespräch, wie wir es im Internet in Hülle und Fülle vorfinden können.

Der Lernende sammelt Erfahrungen – manchmal teilt er sie aber nur ungern. Schließlich ist die Geschichte vom Weg in die Sackgasse unangenehm. Geben wir dem Lernen einen Rahmen, der frei von Bewertungen ist. Gerade aus der Sackgasse können wir eine Menge lernen. Und hören wir aufmerksam zu!

Minimalismus

In der heutigen Welt müssen wir schneller, weiter, höher, besser usw. werden. Wir leben in einer Welt der Maximalisten. Gerade mit Pferden müssen wir aber zum Minimalisten werden. Wenn etwas nicht klappt, dann ist eine Lernstrategie, den Weg zum Mikrokosmos des Problems zu finden. Unser Fokus liegt also auf den kleinen Dingen. Wenn wir beispielsweise in kleinen Bewegungen arbeiten, uns auf die kleinsten Verspannungen in unserem Körper konzentrieren, wird uns auch klarer wo wir Spannung ins Pferd übertragen. Wo überträgt sich gar unsere eigene Schiefe auf das Pferd? Und wenn wir mitten in dieser Schiefe sind: macht es dann Sinn mit einer eher maximalen Hilfe gegen zu steuern?

Ein Beispiel: wir befinden uns im Schulterherein auf der linken Hand geradeaus, parallel zur Wand aber mit genügend Abstand. Wir reiten aus der Ecke, fühlen das Pferd ausbalanciert unter uns und fragen nach einem Schulterherein. Wir fragen mit dem äußeren Zügel so deutlich, dass das Pferd viel zu stark nach innen kommt. Der innere Schenkel hat alle „Hände“ voll zu tun, das Pferd auf der geraden Linie zu halten. Die vermeintliche Lösung: der innere Zügel könnte das „Zuviel“ an Schulterherein ja auch korrigieren. Irgendwie landen wir ja doch immer wieder beim „Zuviel des Guten“. Anstelle die Einwirkung des äußeren Zügels zu minimieren fügen wir lieber eine weitere Hilfe maximal dazu. Lernen wir minimalistisch zu arbeiten und minimalistisch zu fühlen. Wir erfassen so viel leichter die Wurzel.

 Das Spiel mit dem Wissen, der Intuition und der Kreativität

Welche Bausteine brauchen wir für die Reitkunst? Wir haben schon eine Menge von Technik gehört. Reitkunst bedeutet nicht alleine einen Hammer und einen Nagel zur Verfügung zu haben. Reitkunst ist ein erlerntes Handwerk, was bedeutet, wir haben einen großen Werkzeugkoffer zur Verfügung.

Das heißt, der erste Schritt ist die Aneignung von Wissen. In der Theorie lernen wir die Basics. Wie sollen Stellung und Biegung aussehen? Warum ist eine Rotation des Unterkiefers wichtig? Wie pflanzt sich die Einwirkung auf den Schädel in der Bodenarbeit weiter in den Pferdekörper fort usw.

Wir haben uns nun mit der Theorie auseinandergesetzt, wissen um die Positionen unseres Körpers in der Bodenarbeit bescheid und haben uns für die heutige Trainingseinheit das Ziel gesetzt Paraden durch den Körper des Pferdes zu geben.

Wir stehen vor dem Pferd, fühlen mit der Hand hinein und versuchen die Hinterhandgelenke zu erreichen. Doch die Parade bleibt stecken.

Jetzt ist auch unsere Intuition gefragt: wo ist die Parade stecken geblieben? Die Stellung sieht korrekt aus, der Hals des Pferdes ist scheinbar nicht überbogen. Zum einen können wir also visuell analysieren. Was, wenn das Pferd aber durch den Versuch der Parade so aus der Balance geworfen wurde, so dass es einen Schritt zu Seite machen musste. Das Pferd hat seine ursprüngliche Position verlassen, wir müssen nun also unserer Intuition vertrauen. Vielleicht sagt uns das Gefühl, die Parade ist beim Übergang zwischen Hals- und Brustwirbelsäule stecken geblieben. Dort war das Problem. Mit dem intuitiven Wissen – gepaart mit der geballten Ladung an Theorie – werden wir nun versuchen das Gleichgewicht des Pferdes zwischen den Vorderbeinen besser zu positionieren.

Die Parade bleibt nun wieder stecken. Stur dranbleiben? Was stand noch im Lehrbuch? Mein Pferd war es jedenfalls nicht, die Stute ist braun und im Lehrbuch war ein Schimmel abgebildet….

Nun heißt es: Mut, denn der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Vielleicht sollte das Spiel zwischen „Schulterherein-dehnen lassen“ und „Kruppeherein-Parade“ etwas langsamer ablaufen? Oder man verlangt weniger, wechselt aber etwas schneller? Brauchen wir mehr Dehnung im Schulterherein oder sackt das Pferd gerne im Brustkorb nach unten ab und verliert so die Balance? Wir haben so viele Möglichkeiten – seien wir kreativ!

Die Sache mit dem Test und dem Wissen

Vor einigen Jahren habe ich mit dem Gedanken gespielt berufsbegleitend ein zweites Studium zu beginnen. Zuerst hatte ich ein Studium der Publizisitik- und Kommunikationswissenschaften mit einer Fächerkombination aus Psychologie, Ethnologie und Theaterwissenschaften abgeschlossen. Mein zweiter Studienweg sollte sich nun erneut mit der Psychologie befassen und zum Glück konnte ich mir vor der Aufnahme einige Zeugnisse aus der Vergangenheit bereits anrechnen lassen.

Auf der Suche nach meinen alten Zeugnissen bin ich auf einige interessante Dokumente gestoßen. Ich habe da Prüfungen absolviert – wohlgemerkt mit „sehr gut“, ich kann mich jedoch weder an den Vortragenden noch die Lehrveranstaltungen selbst erinnern. Als ob ich gar nicht „da gewesen“ wäre.

Ich denke jeder kennt das Phänomen, schnell Wissen aufzusaugen, dauerhaft gespeichert bleibt es jedoch nicht. Die Reitkunst hat aber den Luxus, dass wir prinzipiell keinen Test bestehen müssen.

Wir machen aber ständig einen Test, der Prüfer ist das Pferd. Wir haben nur das Glück, dass uns das Pferd nicht durchfallen lässt sondern uns immer und immer wieder den Fehler zeigt und wir uns dann überlegen müssen wie es richtig sein könnte/sollte und dies auch ausprobieren dürfen. Dieser Vorgang wiederholt sich, wenn man das Reiten ernst nimmt auch immer und immer wieder und dafür müssen wir uns bei unseren Pferden bedanken, dass sie uns immer und immer wieder zuhören und mit uns die Fehler suchen und uns Tipps für deren Beseitigung zukommen lassen: wenn wir aufmerksam genug sind!

Relax

Relaxation“, so nennt Christofer Dahlgren seinen Schlüssel zum Erfolg in der Ausbildung von Pferden.

Nicht umsonst kommt der Losgelassenheit von Pferden eine so immense Bedeutung zu. Aber nicht nur für die Pferde gilt dieses Prinzip. Auch für uns ist Losgelassenheit eine entscheidende Komponente beim Lernerfolg. Erst wenn wir wirklich relaxed sind können wir uns auf unseren Körper konzentrieren und werden so feststellen, wo sich Körper und Geist auf dem Pferd nicht unbedingt einig waren.

Wenn wir ständig unter Anspannung stehen, dann stoppt diese Anspannung auch den Denkprozess, der Fluss zwischen Gedanken und Tun ist unterbrochen.

Am Anfang ist der Anfang

Wie schon weiter oben beschrieben: am Anfang steht die Theorie. Wir brauchen ein stabiles Fundament, auf dem unser weiteres Wissen sich stützen kann.

Wie sagt Bent Branderup so schön:

„Basis ist nur Basis, wenn sie für irgendetwas Basis ist“.

Das heißt, wir müssen die Reitkunst ganz in ihrer Basis verstehen lernen. Warum sind die Alten Meister so geritten und nicht anders? Was bedeutet eigentlich Gebrauchsreiterei und warum hat sich die Reiterei im Wandel ihrer Zeit so oft „neu erfunden“. Und was wurde vielleicht neu formuliert, ist aber altes Wissen.

Suchen wir auch in der Geschichte nach Zusammenhängen, dann verstehen wir die Praxis auch später einfacher!

Und machen wir schon unseren Weg zur Kunst, dann lernt und reitet es sich Einfach 😉

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Aller Anfang ist schwer…

Aller Anfang ist schwer…

Faszination Akademische Reitkunst. Immer mehr Menschen sehnen sich nach einer durchdachten Gymnastizierung für das Pferd, an ein Zusammensein ohne Spannung, an eine gute Zeit mit dem Pferd. Aber wie fängt man an? Wie kommt man zur Akademischen Reitkunst?

Wer beginnt?

Am Anfang stellt sich schon öfter die Frage nach der Ausgangsbasis. In einem meiner letzten Blogeinträge habe ich über das Lernen geschrieben. Dabei sind wir alle persönlich ja ganz unterschiedliche Lerntypen: wir sind geprägt durch die Summe unserer Erfahrungen.

Ein Reiter also, der sich und sein junges Pferd auf einen neuen Pfad begeben möchte, wird ganz anderes an die Sache herangehen als ein „Umsteiger“, dem es vielleicht auch schwerer fällt alte Muster und Angewohnheiten zu durchbrechen.

Meine ersten Schritte…

Oft wird man nach seinen ersten Schritten in der Akademischen Reitkunst befragt oder warum man dazu gekommen war. Meine Kurfassung: ich war mit den gängigen Methoden nicht mehr zufrieden und meine Stute „Barilla“ auch nicht. Wir hatten vorne gegenhalten und hinten kräftig treiben nicht nur mental satt – auch körperlich war es so weit gekommen, dass mein gerade 10-jähriges Pferd für ein Jahr auf die Koppel zur Reha geschickt wurde.

Als ich meine Freundin Eva zum ersten Mal auf ihrem „Anton“ am durchhängenden Zügel in einer Piaffe sah, wusste ich: das will ich auch. Dabei ging es viel weniger um die Piaffe. Ich sah die Leichtigkeit, diese wunderbare Selbsthaltung und eben kein Gewicht auf der Hand. Meine Hände sehnten sich nach Leichtigkeit und einer guten Verbindung ohne eine gefühlte „Tonne“ in der Hand zu haben.

Alles aufgeben was bisher war?

Was danach kam? 20 Jahre Reiterfahrung über den Haufen werfen? Und so ging es nicht nur mir. Diese Worte habe ich mehrmals im Gespräch über den Weg zur Reitkunst gehört. Alles Wissen galt es nun zu überdenken und zu hinterfragen. Ich kam dahinter, dass Reiten und „Die Stille Post“ sehr zusammenhängen.

Prinzipiell sind viele Informationen, die uns Reitlehrer gegeben haben, die wir gelesen oder gesehen haben nicht falsch. Aber voller Lücken.

Wenn also wieder in einem Forum oder einer Diskussion auf Facebook die Frage aufkommt, was denn das Besondere an der Akademischen Reitkunst ist, dann würde ich gerne sagen:

Die Akademische Reitkunst ist etwas Besonderes, da sie uns erklärt wie wir Pferde reiten müssen und warum. Wir lernen Lektionen, aber in allererster Linie lernen wir deren Inhalt und warum wir diese Inhalte unseren Pferden näher bringen sollen. Wir lernen Kommunikation.

Das Interesse ist geweckt…

Nun geht es also an die Praxis. Wenn Kinder eine Zweitsprache lernen sollen, dann müssen sie ihre Muttersprache oder Erstsprache gut beherrschen. So ähnlich ist das auch mit uns Reitern. Unser Interesse, unsere Begeisterung für Neues ist entfacht. Bevor wir an die praktische Umsetzung gehen ist die theoretische Grundlage Voraussetzung. Die Vokabel also für den praktischen Unterricht.

Die Vokabeleinführung gibt es in Bent Branderups Buch „Akademische Reitkunst“.

Weiteren Theorieunterricht kann man online erwerben:

http://www.bentbranderupshop.com/videos

Hier gibt es auch immer wieder Fragen nach der perfekten Reihenfolge:

ich würde sagen, sehr schön zu verfolgen ist die Entwicklung von Bents Hengst „Swan“ in dessen „Diary“ wir die gesamte Grundausbildung verfolgen können.

Für den Anfang sehr zu empfehlen sind dann die Videos über „Stellning and bending“, „Longework“ und „Groundwork“.

Es geht nichts über die Praxis

Theoretisches Wissen ist die eine Sache. Wir kommen aber nicht ohne die Praxis aus, ohne das Spüren und Analysieren des Gefühlten. Am besten also sucht man sich Hilfe und Unterstützung direkt vor Ort.

Um ein qualitativ hochwertiges Ausbildungsniveau zu gewährleisten, wurde von Bent Branderup der Lizenzierte Branderup ® Trainer eingeführt. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der Unterricht dem neuesten Stand im Entwicklungsprozess der Akademischen Reitkunst entspricht.

Als lizenzierter Bent Branderup ® Trainer investiere ich daher neben meinem eigenen reiterlichen Fortkommen auch sehr viel Zeit in meine weitere Entwicklung als Lehrer und Trainer. Meine Schüler profitieren damit von einem lebhaften Diskurs und dem laufenden Wissensaustausch einer speziellen Gemeinschaft innerhalb der Ritterschaft.

Eine Liste aller lizenzierten Branderup ® Trainer gibt es unter folgendem Link.

Die Sache mit dem Tellerrand…

In keiner Sache sind wir so sprunghaft wie beim Reiten. Ich habe viele Jahre lang Geige gespielt. Ich habe dabei folgende Erfahrung gemacht: wer sich für das Musikinstrument entschieden hat, der hat es auch durchgezogen. Beim Reiten steht uns oftmals der eigene Ehrgeiz möglicherweise im Weg. Wir sagen offen heraus, dass wir nicht an einen magischen Knopf beim Reiten glauben. Aber unterbewusst? Unterbewusst werden wir manchmal auch gerne zu Methodenhoppern, wenn sich nicht schnell ein gutes Ergebnis einstellt.

Wie lange dauert die Akademische Reitkunst?

Wie lange lernen dauert? Nun, es hört nie auf – aber die ersten Erfolge stellen sich rasch ein, wenn mit Konsequenz geübt wird. Wir können das Ergebnis mit einer Diät vergleichen. Wer zwischendurch immer wieder nascht, der wird keinen sichtbaren Erfolg feststellen können.

Daher macht es das Lernen der Akademischen Reitkunst als „Umsteiger“ oft schwer. Wir fallen gerne in alte Muster zurück oder haben das notwendige Vertrauen auch einfach noch nicht gefunden.

Ich will nicht sagen, dass es nur den EINEN Weg gibt. Aber ich will sagen, dass wir als Lernende alle die Demut aufbringen müssen um uns als das zu sehen, was wir sind. In erster Linie eben Lernende. Und als Lernender muss man Inhalte aufnehmen, verdauen, analysieren und abwägen.

Ich glaube, dass man für den Blick über den Tellerrand nach dem Motto: „Ich pick mal hier, ich pick mal da“, die Erfahrung haben muss ein gesamtes System zu kennen, um es tatsächlich bewerten zu können.

Wir würden nie zwei Bücher zusammenwerfen und einfach Zitate da und dort für ein neues Werk rauspicken – vor allem nicht ohne den Zusammenhang zu kennen. Wer die Akademische Reitkunst kennen lernen möchte, sollte also offen für Neues sein und gleichzeitig auch ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen mitbringen. Vor allem da wir viele Schritte ganz minimalistisch erarbeiten und oft das Große Ganze nicht gleich sichtbar sein kann.

Bleib offen

Was den Reiter dann weiter ausmacht? Offen zu bleiben. Ich bin sehr von der Akademischen Reitkunst überzeugt, ich bin so froh über den gelebten Austausch mit meinen Trainerkollegen – jeder hat ein offenes Ohr und am meisten lernen wir durch unsere „Versuch und Irrtum“ – Wege. Und hier wird Wissen auf eine sehr wertschätzende Art geteilt, die ich anderswo nur selten gefunden habe.

Trotzdem heißt es: Wachsam bleiben, auch andere machen nicht alles falsch! „Akademisch“ heißt schließlich Forschen und Hinterfragen. Und eine Reitkunst, die sich ganz polemisch als Religion versteht, kann keine Wissenschaft mehr sein.

Wir sollten also immer Lernend und Hinterfragend bleiben – und diesen schönen und wertschätzenden Umgang miteinander auch in der Diskussion mit anderen Reitkulturen mitbringen.

Dafür brauchen wir aber zunächst eine gesunde Basis und das Eingeständnis: es geht nicht darum ständig Recht zu haben!

Suchtfaktor

Achtung! Reitkunst macht süchtig. Ich sage das nur so als Warnung. Aber ich glaube keine Sucht ist für unsere geistige und körperliche Entwicklung so gesund wie die Reitkunst.
Werden wir also süchtig, dann Reiten wir Einfach 😉

5 Herzschläge zur Hufbearbeitung..

5 Herzschläge zur Hufbearbeitung..

„Hufe? Da muss ich mich nicht auskennen, das macht mein Experte für Hufbearbeitung“. Gut, dass es Experten gibt. Noch besser aber, wenn wir ein paar Fragen parat haben, um unsere Experten zu löchern oder den richtigen Experten zu finden.

Als Reiter haben wir die Verantwortung für unsere Pferde übernommen. Das heißt, dass wir uns nicht nur mit dem Thema „Reiten“ beschäftigen müssen. Rund ums Pferd gibt es so viel zu wissen und zu entdecken. Müssen wir also für alles Experte werden? Nein. Aber wir können uns mit einem geeigneten Repertoire an Fragen ausstatten. Viele Fragen und Antworten rund um die Hufgesundheit, Barhufbearbeitung, Barhufpflege, Hufschutz, Ernährung und Haltung gab es vergangenes Wochenende beim zweitägigen Hufkurs auf dem „Horse Resort am Sonnenhof“ mit Ursula Sündermann.

Vier Hufe – was nun?

Uschi startete mit viel Elan und guter Energie in den Hufkurs. Im beheizten Stüberl legten wir mit der Theorie los. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sammelte Uschi von allen Teilnehmern sämtliche Fragen rund ums Thema ein. Der Platz auf dem Flipchart wurde rasch rar, als Uschi die von uns gewünschten Themengebiete einsammelte.

„Vor einigen Jahren begann unser Interesse an der Hufthematik zu wachsen, weil eben NICHT alles optimal war. Unsere Pferde waren unbeschlagen. Sie liefen „okay“, aber so richtig toll war es nicht. Als sich schließlich eine deutliche Lahmheit auf harten Böden und in engen Wendungen abzeichnete, wurde uns von allen Seiten empfohlen, die Pferde beschlagen zu lassen. Wir wollten aber wissen, warum sie lahmten. Mögliche Ursachen wurden tierärztlich abgeklärt. Eine befriedigende Antwort gab es nicht. Es gäbe eben Pferde, die einfach nicht barhuf laufen könnten“. Eine Kursteilnehmerin

Gibt es wirklich Pferde, die nicht barhuf laufen können?

Ein Patentrezept, wie Uschi sagt, gibt es wohl nicht, denn jedes Pferd ist individuell und so sollte es auch die Hufbearbeitung sein.

Fünf Herzen

Ein Pferd hat nicht nur ein Herzen, sondern fünf, glaubt man einem indianischen Sprichwort. Das ist aber auch durchaus plausibel, wenn man sich die vielfältigen Aufgaben, die ein Huf für das Pferd übernehmen muss vor Augen führt.

So leicht ließe sich die Formel umlegen: Gesunder Hufmechanismus – gesundes Pferd. Neben dem Schutz der inneren Strukturen, bieten Hufe Halt auf unterschiedlichen Untergründen, arbeiten als Stoßdämpfer und sorgen über den Hufmechanismus für eine ausreichende Durchblutung des gesamten Hufes.

Außen und innen?

Wo ist was am Huf, was bezeichnet man als äußere Strukturen und was sind die inneren Strukturen. Mit einer großen Bandbreite an Bildern lernten die Theorieteilnehmer den Huf zu lesen, was vor allem wichtig ist, wenn man für die Bearbeitung später auch Fragen formulieren möchte.

Hufmechanismus und das richtige Fußen

Was passiert nun, wenn sich das Pferd bewegt? Ein Pferdehuf soll sich bei jedem Schritt auseinander dehnen und wieder zusammenziehen können. Durch diese Bewegungen kann der Huf auch als Stoßdämpfer fungieren, was wiederum wichtig ist für die Gesundheit von Gelenken, Sehnen und Bändern. Außerdem erleichtert ein funktionierender Hufmechanismus dem Herz seine Arbeit. Wir kommen also zurück auf das Sprichwort der fünf Herzen. Bewegung mit Herz – so das Motto. Was aber, wenn das Pferd Fehlstellungen am Huf aufweist? Auch hier konnte Uschi sämtliche Fragen kompetent und ausreichend beantworten. Uschi erklärt die unterschiedlichen Arten des Pferdes zu Fußen, sowie Vor- und Nachteile, die damit verbunden sind.

Wenn Pferde nicht korrekt fußen, kann das auch verschiedene Ursachen haben. Dazu können Schmerzen im hinteren Bereich des Hufes zählen, wie zu schwach ausgebildete Strukturen, zu hohe Trachten, zu hohe Zehen. Und natürlich gab es sofort auch viele Fragen aus dem Publikum über unterschiedliche Bearbeitung der Eckstreben…

Bis es allerdings an die Eckstreben – oder besser gesagt an die Praxis ging, wurden wir in der korrekten Werkzeugkunde geschult. Welche Werkzeuge brauchen wir tatsächlich für die Hufbearbeitung, wie setzt man sie korrekt ein und wie prüfen wir hier die Qualität. Zum Abschluss des ersten Seminartages präsentierte Uschi eine Palette an Hufschuhen, wobei natürlich auch die Pro und Contra Diskussion nicht zu kurz kam.

Ernährung – Haltung – und Bearbeitung

Am zweiten Tag ging es zunächst weiter mit Theorie rund um Haltung und Fütterung. Das kurze Fazit: Den ersten Schritt zum gesunden Huf macht das Heu! Als Pferdebesitezr sollten wir also Wert legen auf qualitativ hochwertige Heufütterung. Zusätzlich gibt es eine Menge an Mineralfuttern, die nicht nur qualitativ sondern auch preislich hohe Unterschiede ausmachen.

Und hier muss nicht immer das teuerste Produkt das Beste sein. Ein Blutbild oder eine Haaranalyse macht deutlich, welche Mineralstoffe und Spurenelemente dem Pferd fehlen könnten – auch eine Heuanalyse ist ebenso möglich, wenn es um die Recherche des richtigen Mineralstoffes geht. Optimale Ernährung geht aber nur Huf in Huf mit der Pferdehaltung. Stichwort „Gehen“. Wer für viel Bewegung und „Outdoor“-Momente im Beisein von Herdenfreunden sorgt, hat ebenso wichtige Punkte zum gesunden Barhuf gesammelt.

Und wenn das Pferd dann doch einen Hufschutz braucht?

Hier hatten wir das Glück eine exklusive Vorstellung des neuen „Megasus-Horse-Runners“ zu bekommen. Klaudia vom Megasus Team stellte uns die Produktentwicklung vor und beantwortete alle Frage rund um Handhabe, Anpassung, Wetterfestigkeit, Verformbarkeit, Nutzbarkeit, Haltbarkeit und und und…

Die Einfache Hufbearbeitung

Wir hatten Glück mit dem Wetter. Die letzten Oktobersonnenstrahlen nutzten wir dann im Freien bei der Hufbearbeitung. Unter der fachkundigen Anleitung von Uschi und Klaudia machten sich die Teilnehmer ans Werk und setzten das in der Theorie gehörte (teilweise) erstmalig in die Praxis um – natürlich nicht gleich am lebenden Pferd. 😉

Das Fazit aller Teilnehmer: Es gab viele: „Das hatten wir noch nicht gewusst“-Momente. Die Faszination für die Welt der Hufe ist jedenfalls ordentlich gewachsen.

Der Besuch eines Hufbearbeitungsseminars ist für jeden Pferdebesitzer eine große Empfehlung wert. Ich bin sicher beim nächsten Termin wieder mit dabei !

Ein riesiges Dankeschön an Ursula Sündermann, die das Thema Hufe an zwei Tagen sehr spannend und lebendig referierte und praktisch begleitete!

Alle Informationen rund um Ursula Sündermann, sowie ihre Seminare findet ihr auf ihrer Website.

Lassen wir fünf Herzen schlagen, dann reiten wir Einfach 😉

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