Vorwärts-abwärts! Ja oder Nein?

Vorwärts-abwärts! Ja oder Nein?

Vorwärts-abwärts oder Aufrichtung? Vor- und Nachteile, was kommt zuerst? Was braucht mein Pferd? Und was ist richtig? Zu diesem Thema hatte Marius Schneider, Meister der Akademischen Reitkunst am 21. und 22. Mai 2016 zu einem spannenden Themenseminar auf sein Gestüt Moorhof in Lüdinghausen auf Burg Kakesbeck geladen. Vortragende waren Bent Branderup und Christin Krischke von der Hofreitschule Bückeburg. Kursteilnehmerin Stefanie Niggemeier hat den Kurs für meine Blogleser zusammengefasst:

Der individuelle Fokus…

Am Samstag wurden bereits alle Teilnehmer mit einem ersten Theorievortrag und anschließender Praxis in das Thema rund um „Vorwärts-Abwärts“ eingestimmt. Dabei kamen schon einige Fragen auf, die mit der Verschiedenheit und den Besonderheiten der einzelnen Pferde korrelierten.

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Besonders schön war hier der individuelle Fokus. So wurde nicht nur auf die Auswahl des richtigen Werkzeugs wie beispielsweise Zäumung (Kappzaum oder Gebiss, oder sogar Halsring) Rücksicht genommen. Die richtige Technik (Bodenarbeit, Longenarbeit, Handarbeit oder Reiten), aber auch das Hinzufügen von geometrischen Figuren in der Bahn ( Zirkel, Volte, Schlangenlinien) konnte jedem Pferd somit helfen, die richtige horizontale Balance zu finden.

Diese Balance, das wurde schnell klar, ist so verschieden wie das Individuum selber. Bent Branderup führte hier immer wieder an,…

dass die Ausbildung des Pferdes stets eine ewige Suche bleiben müsse, dass niemals eine Perfektion erreicht werden könne und gerade die Akademische Reitkunst keine generellen Lösungen biete, sondern verschiedene, auf den jeweiligen Menschen und sein Pferd in diesem Moment passende Möglichkeiten gesucht werden müssen.

Am Sonntag dann reiste das Team der Hofreitschule Bückeburg an und der Tag begann mit einem spannenden Vortrag von Christin Krischke, die in ihrem im letzten Jahr erschienen Buch „Du entscheidest“ eindeutig das dauerhafte zu tiefe Reiten des Pferdes in der Bahn kritisiert und Alternativen im Sinne der Lehren der Alten Meister aufzeigen will.

Was ist denn der Punkt der Kritik?

Christin Krischke führte in ihrem mit entsprechenden Bildern untermalten Vortrag aus, dass ein grundsätzlich zu tiefes Reiten des Pferdes keinen Muskelaufbau im aktiven Trageapparat bringen kann und erklärte anhand von verschiedenen, in der Hofreitschule durchgeführten Experimenten, dass Pferde bei einem zu tiefen Reiten schnell auf die Vorhand geraten können. Die Vorhand, so führte sie weiter aus, sei aber nicht dazu geschaffen, zusätzlich zum Gewicht des Pferdes auch noch ein Reitergewicht, noch dazu in schneller Bewegung zu tragen.  Dadurch würden viele Pferde schon vor ihrer Zeit verschlissen und große gesundheitliche Probleme bekommen.

Die einzige Lösung, so die Referentin, sei es, dem Pferd als Reiter aktiv zu helfen, sich selber zu tragen- und das sei anatomisch gesehen nur mit Hilfe der aktiven, tragfähigen Hinterhand und Rumpfmuskulatur möglich. Vor allem in der Versammlung, die immer wieder nur kurz gearbeitet würde, sei dies der Fall und ein stundenlanges Reiten im großen Rahmen mit Reiter auf dem Rücken sei nicht im Sinne der Gesundheit des Pferdes. Anschließend beantwortete Christin Krischke einige Fragen des interessierten Publikums.

Wie sieht Bent Branderup dieses Problem?


Bent Branderup
stimmte in seinem anschließenden Vortrag seiner Vorrednerin in vielen Dingen zu. Auch er hielt es für fatal, die Vorhand oder auch nur ein Vorderbein als Stütze unter den Bauch des Pferdes zu bringen; die Begriffe der „Tragkraft“ im Gegensatz zur „Schubkraft“ definierte er hier ausführlich. So sei das so oft von Gustav Steinbrecht zitierte :„Reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ auf keinen Fall so zu verstehen, dass das Pferd bei immer schnellerem Laufen die Hinterbeine immer besser zur Tragkraft nutzen könne.

Ganz im Gegenteil würde auf diese Weise dann die Schubkraft überwiegen. Er bezog sich hier auch auf sein gerade erschienenes Buch „Die Logik hinter den Biegungen“, in dem er Steinbrecht modern interpretiert, und erklärte, was Steinbrecht mit „Vorwärts“ eigentlich meine:

Beide Hinterfüße müssen, um die Vorhand entlasten zu können, immer weiter unter den Bauch nach vorne gearbeitet werden, als dass sie „hinten herausschieben“ können. Nur das Bein, so erklärte er, das unter der Masse sei, könne Gewicht aufnehmen und zum Tragen kommen.

Dazu zeigte auch Bilder verschiedener Pferd in verschiedenen Balancezuständen, so dass das Publikum genau sehen konnte, worum es ihm in seinen Ausführungen ging.

Wie ging es dann weiter?

Im Anschluss kamen einige hochinteressante Fragen aus dem Publikum zu den gehörten Vorträgen.13271663_250720991954776_1781856768_o

So ging es zum Beispiel darum, ob nicht ein Blick in den Pferdekörper mittels Röntgen beispielsweise zeigen könne, wo für dieses Pferd nun die ideale Kopf-Hals-Haltung sei, in der es sich am besten stabilisieren könne. Beide Referenten, teilweise unterstützt von Hofreitmeister Wolfgang Krischke und Diana Krischke, die medizinisch in diesem Bereich an der Universität Witzenhausen forscht, freuten sich über die Inspiration zu diesem Austausch und gaben ihre Meinungen zu diesem und weiteren Themen kund. Schnell waren sich alle einig: ein bestimmtes Ziel in der Ausbildung des Pferdes, beispielsweise die Ausbildung des Pferdes als ein Reitpferd in der Bahn, erfordert auch einen bestimmten Weg. Diesen Weg haben die Alten Meister bereits gefunden, wir müssen nun sehen, wie unsere modernen Pferde von dem in vergangenen Zeiten Formulierten den größten Benefit haben, ohne dass wir dogmatisch in der Vergangenheit festgefahren sind.

Wie sah das in der Praxis aus?

Nach den Vorträgen und anschließender Diskussion wurden die Praxisteilnehmer des Seminars mit ihren Pferden in die Reithalle gebeten und an jedem Pferd wurde, begleitet von Bent Branderup demonstriert, in wieweit dieser Körper vom Ideal abweicht, das die Alten Meister als Optimum des Reitpferdes beschrieben hatten. Natürlich ging es dabei nicht um eine Fehlersuche bzw. Zurschaustellung der jeweiligen Defizite, sondern an eine logische Anpassung der weiteren Ausbildung, wie man helfen könne, was notwendig sei, damit das Pferd lange gesund sowohl sich selbst tragen, als auch mit zusätzlichem Gewicht des Reiters belastet werden könne.

Dadurch konnte man schnell sehen, dass es niemals eine strikte Abfolge von Ausbildungsstufen, wie man heute in der Skala der Ausbildung vermuten könnte geben kann, da die Individualität des Lebewesens Pferd nicht außer Acht gelassen werden darf.

Das, was dem einen Pferd helfe, verschlechtere die Balance des anderen Pferdes – das war aus den vielen Praxisbeispielen für das Publikum sehr gut zu beobachten. Balance, Form und Losgelassenheit seien Dinge, die sich nicht trennen ließen, so Bent Branderup. Gerade auf Letzteres legte er mit den scherzhaft hervorgebrachten Worten „Entspannung, Marsch!“ größten Wert, denn:

„ Nur ein Pferd, dessen Geist seinem Ausbilder zugewandt ist und dessen Körper dadurch weich ist, wird sich formen lassen wollen. Die Abwesenheit von Spannung ist das Ziel, das wir suchen: Harmonie mit dem Familienmitglied Pferd“

betonte Bent Branderup immer wieder. Diese Untrennbarkeit von Geist und Körper ist ihm elementar wichtig, daher solle die Hilfengebung des Menschen immer ein Vorschlag sein, den das Pferd annehme oder sich zuerst in Lösungsansätzen ausprobiere – so, wie es ihm vom Verständnis und der Umsetzung her möglich sei. Hier sei die Akademische Reitkunst eine gute Möglichkeit, mit dem Pferd gemeinsam Zeit schö
n zu verbringen- man könnte sagen „l´art pour l´art“- die Kunst als Kunst ist sich genug.

Dann zeigte das Team Bückeburg den mitgebrachten Schulhengst Raisuli unter Elevin Patrizia Schneider in der angewandten Reitkunst, begleitet von Christin und Wolfgang Krischke. Der Hengst zeigte zuerst die Basisarbeit, wie sie in der Hofreitschule täglich mit den Pferden geübt werde: Seitengänge und Biegungen, zuerst im Schritt, dann auch in Trab und Galopp in einer für das Pferd eingeübten Routine, die es ihm leichter mache, sich in der Arbeit zurechtzufinden. „Übungsabfolge“ nannte Wolfgang Krischke die Arbeit in Schulterherein, Travers uns Renvers. Dann folgte die stärkere Gymnastizierung , nach Vorbild der Alten Meister auch mal in Nachahmung der Arbeit um einen Pilaren herum auf einem sehr kleinen Zirkel.

13282590_251508245209384_874291841_oDass dabei deutlich mehr Seitwärts als unter der Anweisung von Bent Branderup gefordert würde, fällt Christin Krischke sofort auf:

„Wir wollen den Pferden in der angewandten Reitkunst beibringen, dass sie auch dann nicht fallen, wenn sie sich nicht in völliger Balance befinden. Das vermittelt ihnen, so denken wir, ein gutes Körpergefühl.“

Die Motivation der Pferde, mit dem Menschen zusammenzuarbeiten sieht die Hofreitschule in dem gemeinsamen Erreichen von konkreten Zielen, wie wir im anschließenden Waffengarten vorgeführt bekommen. So freue sich das Pferd ebenso wie der Mensch, wenn die Lanze den winzig kleinen Ring vom Galgen steche. Die Reitkunst in ihrer konkreten Anwendung bekäme eine Zweckmäßigkeit, die Reiter und Pferd erfreuten. Wie eindrucksvoll solch eine Praxis sein kann, zeigt der Hengst Raisuli: hier und auch beim anschließenden Demonstrieren von Lektionen der Hohen Schule konnte man sehen, welche Kräfte unseren Pferden innewohnen.

Das Fazit

Die Diskussion, wie auch die anschließende Arbeit in der Praxis haben alle Teilnehmer beflügelt und inspiriert. Ein Gedankenaustausch auf so hohem Niveau, in einer so freundlichen, konstruktiven Atmosphäre war ein absoluter Genuss und immer wieder wurde klar, dass es niemandem darum ging, „Recht zu haben“. Es ging um Meinungen, die ausgetauscht wurden, darum zu zeigen, dass verschiedene Ziele verschiedene Wege erfordern und darum, dass eine Meinung, so betont Bent Branderup in Konsens mit Christin Krischke immer wieder, niemals eine Religion werden dürfe.

Nicht nur die rhetorisch gelungenen und natürlich fachlich ausgesprochen fundierten Vorträge haben das Dabeisein zum echten Erlebnis gemacht, sondern auch das Gefüh, dass in der Verschiedenheit Gemeinsamkeit und in der Gemeinsamkeit Verschiedenheit liegen kann und darf – all diese Faktoren haben das Seminar zum unvergesslichen Event werden lassen.

Ich freue mich nun schon und bin gespannt auf die kommenden Themenseminare am 11./12.Juli zum Thema „Hankenbeugung“ und am 17./18. September zum Thema „ Facetten der Bodenarbeit“

Stefanie Niggemeier, Barocke Pferdeausbildung


Vielen Dank an die Kurszusammenfassung, liebe Stefanie Niggemeier, sowie die Fotos! Mehr über die Autorin des heutigen Gastbeitrags gibt es auf ihrer Website!

Finden wir also unsere Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten, dann Reiten wir Einfach 😉

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Was Sie über Lipizzaner wissen sollten …

Was Sie über Lipizzaner wissen sollten …

Wer sich mit der Reitkunst auseinandersetzt, setzt sich mit den Lehren Alter Meister, der Geschichte der Pferde und der Geschichte alter Rassen auseinander. So stellt sich vor allem für die österreichischen Leser die Frage: Was ist dran am Phänomen der Lipizzaner.

Martin Haller hat nicht nur ein fabelhaftes Buch über die korrekte Pferdebeurteilung geschrieben, sondern auch ein Werk über die Lipizzaner verfasst:

Martin, wie alt ist die Rasse wirklich?

Martin Haller: Die offizielle Gründung des Gestüts Lipica/Lippiza/Lipizza geht auf das Jahr 1580 zurück, als Erzherzog Karl, der Regent Innerösterreichs, für seinen Hof in Graz (nicht Wien) ein Gestüt für iberische Edelpferde schuf. Die ersten Pferde wurden von Baron Khevenhüller aus Spanien geholt, und mit ihnen diese Gestütszucht begonnen; es waren also Spanier (auch: Andalusier), somit eigentlich ein viel älterer Typus.

Was kannst du uns über die Geschichte der Lipizzaner erzählen?

Martin Haller: Die iberischen Pferde sind mit den Berbern stammverwandt. Berber, nordiberische Kleinpferde (Asturcons, Galicenos, Garranos), indigene Ramskopf-Pferde (Sorraias) und eventuell fränkische Kriegspferde haben sich vermischt. Der Spanier war in seinen Varianten das berühmteste Kampf- und Paradeross bis zum Aufkommen der englischen Vollblüter. Es war klar, dass alle europäischen Hofhaltungen – und Armeen – solche Pferde haben wollten. Also gründete man viele Gestüte, von denen aber nur wenige bestehen sollten: Halbthurn, Mönchhof, Lipizza, Kladrub, Frederiksborg, Knabstrup, Lippe/Senne, Rief – ungeordnet und nicht nach ihrer Bedeutung aufgezählt. Spanische Pferde waren bei allen Armeen, an allen Fürstenhöfen und in jeder Reitakademie zu finden –besonders auch in Italien, wo sie im Murgese noch existieren. Die Rasse aus Lipica – später Lipizza geschrieben – erlangte durch ihre Verbindung zum Wiener Kaiserhof und die Spanische Hofreitschule weltweite Berühmtheit. Es ist aber wenig bekannt, dass diese Pferde auch in der Landeszucht der österreich-ungarischen Monarchie weit verbreitet waren. Es sind hervorragende Wagenpferde, harte Arbeitspferde und gute Truppenpferde. Ihre Verbreitung ging und geht weit über die bekannten Gestüte Piber (Österreich) und Lipizza (Slowenien) hinaus.

Wie würdest du das Exterieur der Lipizzaner beurteilen?

Martin Haller: Der Lipizzaner ist uneinheitlich, denn es gibt ihn je nach Zuchtgebiet in einigen Varianten. Ungarn besitzt einen großen, kalibrigen Typ, der ideal zum Fahren oder als Gewichtsträger geeignet ist. Die Slowakei züchtet einen eher sportlichen, modernen Typ mit schönen Gängen; Rumänien hat einen sehr harten, praktischen Typ; Kroatien züchtet ebenfalls einen Wirtschafts-Typ. Österreich und Slowenien scheinen noch am Ehesten am klassisch-barocken Typ festzuhalten. Allgemein ist der Lipizzaner dem modernen Sportpferd in vielem überlegen, in manchem aber unterlegen. Die versammelten Lektionen fallen ihm leicht, in den „Postkutschen-Lektionen“ plagt er sich eher. Starker Trab war nie ein Kriterium, ehe man den Sport erfand. Es sind allgemein harte, trockene Pferde von praktischer Größe. Ihr nostalgischer Charme und ihre antiquierte Schönheit sind von großer Noblesse. Der barocke Typ ist für die heutige Reiterjugend gewöhnungsbedürftig – wiewohl diese Mädchen /und die wenigen Burschen) oft technisch ganz gut reiten könnten. Ein Barockpferd hat aber aufgrund seines Gebäudes andere Gänge, bietet ein anderes Reitgefühl und hat andere „Schwachstellen“, z. B. den Rücken oder das Genick.

Wie würdest du das Interieur der Lipizzaner beurteilen?

Martin Haller: Es gibt, wie in jeder Rasse, keine allgemeine Regel, denn Aufzucht und Ausbildung machen viel aus. Darum nur ein Pferd aus einer erstklassigen Zucht, ohne Aufzuchtmängel! Gescheite Pferde lernen sehr schnell – Gutes und Schlechtes!

Meine Erfahrung sagt mir: Nicht immer einfache Pferde, die einen tiefen Bezug zu ihrem Ausbilder entwickeln. Sie nehmen jede Misshandlung sehr persönlich (wie alle Iberer) und erdulden keine Deppen im Sattel oder am Kutschbock. Wer sagt, er hätte einen Lipizzaner ausgebildet und der hätte nun diese oder jene Untugenden, der sollte zuerst über sich selber nachdenken. Mit einem Aristokraten muss man umzugehen lernen, wenn man selber keiner ist. Aber nochmal – bei korrekter Behandlung ist der Lipizzaner ein leistungsfrohes und intelligentes Pferd mit vielseitigen Talenten. Am besten zeigt er sich bei geduldiger, fairer Behandlung und großer Konsequenz.

Gerade bei den Lipizzanern sind die Stammväter präsent – vor allem durch die Namensgebung. Kannst du diese erklären und uns etwas über die Stammesväter erzählen?

Martin Haller: Diese Stammhengste – Conversano, Favory, Neapolitano, Maestoso, Pluto und Siglavi – hatten früher in der so genannten Stammzucht eine gewisse Bedeutung. Da konnte man ihre Merkmale innerhalb der Stämme erkennen; heute ist das weitgehend verwischt. Bis auf den Siglavi waren es barocke, iberisch geprägte Hengste der großen europäischen Gestütstradition. Der Araber Siglavi begründete einen orientalisch geprägten Stamm, aber siehe oben… Es gibt noch zwei unbekannte Stämme, Tulipan und Incitato, die hervorragende Pferde ergeben, aber bei uns nicht anerkannt, weil nicht klassisch sind.

Die Namensgebung folgt bis heute der alten Methode und ist bei Hengsten eine Kombination aus Vaterstamm und Muttername, also z. B. Maestoso Austria. Da war der Vater ein Hengst des Maestoso-Stammes und die Mutter hieß Austria. Fachleute rufen auch die Hengste nach dem Mutternamen; man sagt also „Ich reite heute den Austria“. Jeder Stamm hat einen eigenen Brand; mit Gestüts- und Fohlenbrand ergibt sich ein recht präzises Identifikations-System. Die 15 originalen (klassischen) Stutenfamilien und ein paar nicht klassische haben iberische und orientalische Gene.

Warum eignet sich der Lipizzaner so gut für die klassische Dressur?

Martin Haller: Die Frage ist für mich ungenau gestellt; sie sollte heißen „Eignet sich der Lipizzaner ideal für die klassische Dressur?“. Meine Antwort darauf wäre „Weil man ihn dazu verwendet und manche Populationen noch nicht weg-selektiert hat“. Hier muss ich wieder auf die obigen Aussagen der unterschiedlichen Typen verweisen. Die ungarischen Pferde werden als Wagen-Typ empfunden; die slowakischen als wenig „barock“ – aber alle versammeln sich eher leicht und sind feinfühlig. Für mich ist „klassische Dressur“ eine innere Haltung und ein Reitgefühl, kein Stil oder eine Technik, schon gar keine Reitweise. Sie ist ein Charaktermerkmal, nicht-klassisches Reiten ist hingegen ein Charaktermangel. Der Tanz zweier aristokratischer Lebewesen (Reiter und Pferd, beide nicht gegendert) ist es, worauf es ankommt. Kann man sich bei einer WM der Standard-Tänze in seinen Tanzpartner verlieben und einen romantischen Abend verbringen? Ich sage nein! Kann man das auf einem Ball in der Wiener Hofburg erleben? Ich sage ja, weil es mir schon passiert ist. So verhält es sich mit klassischem Reiten und dem Turnier-Dressursport. Er heißt ja auch „Dressur“ – was soll man von Menschen halten, die ihre Partner dressieren wollen? Dafür ist der Lipizzaner vermutlich nicht geschaffen…

Wer sich wirklich für einen Lipizzaner interessiert – worauf sollte beim Kauf geachtet werden, wenn man sich ein Reitpferd und kein Kutschpferd aussuchen möchte?

Martin Haller: Es kommt nicht auf die Hose an, sondern auf das Herz, das in ihr schlägt! Mein größter Wunsch diesbezüglich ist, dass jemand einen korrekt gebauten, ungarischen „Fahr-Lipizzaner“ aus Szilvásvárad kauft und in der Hohen Schule perfekt ausbildet. Um endlich zu beweisen, dass es weniger um den Typ geht, sondern um die Herangehensweise. Die Anlage zur Versammlung, der hohe Kniebug, die guten Hanken, der hoch aufgesetzte Hals und das noble Gesicht sind ja vorhanden! Es probiert halt keiner, weil man glaubt, mit dem gesicherten Talent der Pferde aus Piber oder Lipica einfacher zum Ziel zu kommen. Da kauft man ein bisserl Spanische Hofreitschule mit… die genetische Piaffe. Wer`s glaubt, wird selig.

Gibt es Geheimtipps, wo man einen guten Lipizzaner findet?

Martin Haller: In allen Staatsgestüten der ehemaligen Monarchie Österreich-Ungarn und der Kronländer – und das ist zum Glück nicht geheim. Die Preise schwanken, die Zuchtziele sind etwas unterschiedlich, aber gute Pferde sind dort überall zu bekommen. Leider sind Lipizzaner aus Piber etwas teurer als die aus dem „Osten“. Über die Zuchtorganisationen der einzelnen Länder oder die Lipizzan International Federation (LIF) kommt man auch zu Privatzüchtern, für die alles gilt, was man über Pferdekauf erzählt; es gibt gute und weniger gute.

Ich würde in einem Gestüt des Ostens Urlaub machen und mir ein paar Tage lang die Pferde, die Elterntiere und die Haltung anschauen. Es sind herrliche Anlagen mit tollem Flair, wo man auch billig urlauben kann – und mitunter auch reiten oder fahren. Die Auswahl in solchen Betrieben ist vergleichsweise groß und die Aufzucht meist relativ gut. Unsere k.u.k. Gestütstradition ist für mich einfach herrlich!

 

Wieder einmal hat mich Martin Haller mit seinem Fachwissen begeistert. Wer mehr von Martin Haller lesen möchte, findet eine Auswahl seiner literarischen Werke bei Amazon.

 

 

Eine Reitkunst für alle Rassen?

Eine Reitkunst für alle Rassen?

Themen, die bewegen. Marius Schneider präsentiert am deutschen Zentrum für Akademische Reitkunst in Lüdinghausen spannende Themenseminare mit Bent Branderup und weiteren Referenten. Das erste Themenseminar habe ich leider knapp verpasst – dabei ging es am Osterwochenende ja um Rasseunterschiede.

Ich selbst habe eine Trakehnerstute und eine Altösterreicherin- was meinst du zu diesen Rassen? Geeignet für die Reitkunst?

Marius: Die Akademische Reitkunst ist dafür bekannt, dass sie sich jeder Rasse öffnet und auch jede Rasse innerhalb ihrer individuellen Möglichkeiten fördern möchte. Wenn wir über einen Trakehner sprechen, dann ist dies eine der ältesten Reitpferderassen Deutschlands. So verwundert es also nicht, dass ein reinblütig gezüchtetes Pferd, welches bewusst dem Ideal des modernen Reitpferdes entsprechen soll, auch für die Arbeit in der akademischen Reitkunst geeignet sein wird. Dennoch wird der Trakehner aufgrund seines Temperamentes und seines Mutes oftmals in der Vielseitigkeit oder im Springen eingesetzt und weniger in der Reitkunst.

Als Ausbilder kommt man viel herum und lernt viele unterschiedliche Pferderassen kennen. Stimmt es wirklich, dass sich PRE, Lusitanos oder Lipizzaner leichter tun, beim Erlernen der Reitkunst?

Marius: Wie auch beim Menschen, gibt es eben auch bei Pferden körperliche Voraussetzungen, die es ermöglichen ein „Sportler“ zu sein. Natürlich kann man davon ausgehen, dass sich einige Pferderassen, im Hinblick auf die Versammlungsfähigkeit, Tragkraft oder eben die Balance, leichter tun als andere Rassen. Dazu gehören sicherlich die iberischen Rassen wie z.B. das spanische oder portugiesische Pferd aber natürlich auch andere Pferderassen, die dahingehend gezüchtet wurden. Man darf jedoch das deutsche Warmblut nicht verkennen. Die moderne Zucht geht immer mehr dahin, dass der moderne Warmbluttyp viel Versammlungsfähigkeit und gleichzeitig Schwungentwicklung mitbringt. Hier hat sich die Zucht in den letzten Jahren stark verändert.

Als Fazit möchte ich sagen, dass nicht jedes Pferd – als Reitkunstpferd- geboren wird, aber ein jedes Pferd kann die Reitkunst bestens gebrauchen, um ein gutes Reitpferd zu werden.

Meinst du der Weideunfall kann zum Reitkunstpferd werden? Hast du so etwas schon mal erlebt?

Das Kind der Liebe….

Marius: Ich bin der festen Überzeugung, dass ein „Weideunfall“ auch Potenzial zum Reitkunstpferd hat. Seit jeher stand bei züchterischen Entscheidungen die Verwendbarkeit des Pferdes für bestimmte Einsatzgebiete im Vordergrund. So ist auch heute Spezialisierung in der Zucht ein großes Thema, um möglichst gute Reitpferdequalität zu erhalten. Doch die Laune der Natur schafft manchmal auch völlig ungeplante Überraschungen!

Ich besitze selber so eine Überraschung oder wie ich immer gerne sage „Ein Kind der Liebe“. Das Schwierigste an der ganzen Sache ist es, die Qualitäten des vermeintlich untalentierten Zuchtproduktes zu erkennen. Kaufe ich ein rein gezüchtetes Pferd, welches sein z.B. Spring- oder Dressurtalent bereits in seinem Papier verbrieft hat, so wird dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch vorhanden sein. Bei unseren Weideunfällen gibt es keine „Planung mit Vorhersagen“. Hier hilft nur das genaue Beobachten auf der Wiese, im Umgang und beim Training.

So war es auch bei meinem Aramis. Denn auch ich besitze eine ungeplante Rasse und das mit sehr viel Freude jeden Tag aufs Neue. Aramis ist ein Scheck – Wallach. Mehr gibt es auch nicht bezüglich seiner Abstammung über ihn zu erzählen. Er kam mit 2 Jahren eher zufällig zu uns und hat uns vom ersten Augenblick an mit seinem Charme um den Finger gewickelt. Er war und ist immer mit ganzem Herzen und vollem Geist beim Menschen. Der Umgang mit ihm macht unglaublich viel Spaß. Im Training ist er immer bemüht und aufmerksam in den Lektionen. Selbst auf der Wiese macht es Freude, ihm in der Herde zuzuschauen, weil er dort ständig für Abwechslung sorgt.

Einst gekauft über einen Tierhändler, bei dem er als zweijähriges Pferd verschüchtert und abgemagert in der Ecke stand, hat er sich heute zu einem meiner besten Bodenarbeitspferde und Schulspringer entwickelt. Sein Geist und Wille stehen über jedem Papier und machen ihn für mich zu einem ganz besonderen Pferd.

Und es gibt noch ein Beispiel:

Brydee ist zwar kein Weideunfall, sondern das Ergebnis einer ganz besonderen Liebesgeschichte, auf einem Schiffstransport von Irland nach Deutschland. Bei uns geboren, wurde sie speziell für den Einsatz als Lehrpferd in der Schule für Reitkunst eingesetzt.

Die Schule der Reitkunst hat sich zum Ziel gesetzt zu zeigen, dass jede Rasse in der Lage ist gut ausgebildet zu werden und fein an den Hilfen zu stehen. Somit kann auch ein Tinker bis in die Hohen Schulen hinein gefördert werden.

Das nächste Themenseminar findet am 21. und 22. Mai 2016 statt und widmet sich der Frage: Vorwärts Abwärts oder Aufrichtung. Was können sich die Teilnehmer hier erwarten? 

Marius: Vorwärts- Abwärts – wer hat diesen Begriff aus der Reitlehre nicht schon oft gehört, wenn es um das korrekte Gymnastizieren des Pferdes geht. Entweder während des eigenen Unterrichtes, in Zeitschriften, bei Fortbildungsseminaren oder beim Plausch mit der Stallgemeinschaft.

Das angestrebte Ziel ist, eine korrekte Dehnungshaltung zu erreichen, bei der sich das Pferd vertrauensvoll an die Reiterhand nach vorwärts-abwärts herandehnt. Dabei soll jedoch ein positiver Spannungsbogen erhalten bleiben. Um das zu erreichen ist Grundvoraussetzung, dass der Reiter das Pferd gefühlvoll vor seinen treibenden Hilfen haben sollte. Ohne eine aktive Hinterhand kann das Pferd, die vom Reiter gewünschte Dehnungshaltung, nicht erreichen. Unser Ziel, das korrekte Aufwölben des Rückens wäre dann verfehlt.

Im Unterschied wird  Aufrichtung? 

Marius: …..als Ziel jeder Dressurarbeit gerne genannt. Dabei trägt das Pferd seinen Kopf und Hals in einer wesentlich höheren Position, als es bei der Dehnungshaltung möglich ist. Für viele eine erstrebenswerte Haltung, die nur durch eine lange Vorarbeit möglich ist. Für andere eine absolute Voraussetzung für pferdegerechte Ausbildung und somit ständige Arbeitshaltung bei täglichem Training.

Doch wie soll „mein“ Pferd seinen Kopf und Hals denn nun genau tragen?

Vorwärts-Abwärts contra/ versus Aufrichtung…

Marius: Das ist eine oft gestellte Frage in Seminaren, die vom Publikum oder den Praxisteilnehmern gestellt wird. Mit gutem Recht, denn kaum ein anderes Thema kann wohl so heiß diskutiert werden, wie die Frage nach der richtigen Anlehnung! Es spaltet komplette Ausbildungsphilosophien. Es schafft Verwirrung oder ist einfach nur die Lösung vieler Probleme! Doch wer hat denn nun eigentlich Recht?

Und was braucht vor allem mein Pferd, damit ich es nicht ungerecht behandele? Vorwärts- Abwärts gilt als unanfechtbare Haltung zu Beginn der Ausbildung und die Aufrichtung ist erklärtes Ziel.
Doch ist es wirklich das Ziel der Ausbildung oder notwendige Grundvoraussetzung, um eine perfekte Selbsthaltung zu erarbeiten? Benötige ich überhaupt ein Vorwärts- Abwärts um Aufzurichten oder mache ich es meinem Pferd nur unnötig schwer, wenn es zuerst den Weg in die Tiefe lernt, um am Ende doch bei der Aufrichtung zu enden?

Auf viele dieser Fragen versuchen wir in unserem kommenden Themenseminar eine befriedigende Antwort zu erhalten und damit etwas mehr Klarheit in unsere Arbeit zu bringen. Dazu haben wir zwei Dozenten aus den verschiedenen Fachrichtungen eingeladen, die ein absolut interessantes Wochenende versprechen.

Christin Krischke. Sie ist die Stimme der Fürstlichen Hofreitschule, als Moderatorin in den Vorführungen und Seminaren. „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“ wird der preußische Universalgelehrte Wilhelm von Humboldt gerne von der Fürstlichen Hofreitschule in Bückeburg zitiert. Als Referentin, Buchautorin und internationale Ausbilderin trägt sie die Erkenntnisse, aus 25 Jahren Historienforschung und experimenteller Archäologie im Sattel, in die Reiterwelt.

Bent Branderup.  Gründer und Großmeister der Akademischen Reitkunst. Der mehrfach Buchautor und internationale Ausbilder ist in Dänemark geboren. Seine große Leidenschaft von Kindesbeinen an ist die Erforschung und das Verständnis der alten Reitmeister. Auslandsaufenthalte in Island, Ungarn, Spanien, Portugal und Deutschland prägten seine frühe reiterliche Entwicklung. Er war Schüler der Escuela Andaluza del Arte Equestre in Jerez de la Frontera und lernte dort die Reitkunst bei Don Javier Gracia Romero. Nach Ausbildung/Examen suchte er noch weitere große Meister der klassischen Reitkunst auf, wie z.B. Salvador Sanchez, Nuno Oliveira und Egon von Neindorff.

 Marius, vielen Dank für dieses spannende Gespräch und einen kleinen Vorgeschmack auf euer nächstes Themenseminar – ich bin mir sicher, nicht nur ich habe riesig „Hunger“ oder besser gesagt Vorfreude darauf bekommen!

 

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„Da sprechen wir noch mal drüber“ – Kursbericht Marius Schneider

„Da sprechen wir noch mal drüber“ – Kursbericht Marius Schneider

Marius Schneider, Meister der Akademischen Reitkunst war bereits zum dritten Mal zu Gast bei Petra Grünleitner in Simbach am Inn. Warum es sich lohnt von der Blickschulung in die Gefühlsschulung und am Formulieren von Inhalten zu arbeiten – darüber ein kleiner Nachbericht in meinem Blog.

„Der Friese steht meist über den Dingen“….

Wieder einmal waren acht unterschiedliche Paare mit dabei. Vom Warmblut, Paso Fino, Vollblut, Berber, Traber bis zum Friesen.

Marius strich die Besonderheiten der einzelnen Rassen hervor und passte die Arbeit an der Gymnastik sowohl an die physischen, wie auch die psychischen Begebenheiten der Pferde an. Den Anfang machte ein junger Friese mit rassetypischer Halsung und Aufmachung.

Marius erklärte sämtliche Führpositionen, von der Führarbeit, Fokusarbeit, bis zur Biegearbeit und dem Spiel mit unterschiedlichen Tempi im Schritt, konnte man gut beobachten, wie sich die Konzentration des jungen Pferdes mehr und mehr auf seinen Menschen fokussierte. Theorie und Praxis wurden anschaulich kombiniert, Fragen aus dem Publikum, wie „Lohnt es sich das Pferd vor der Arbeit abzulongieren“ beantwortete Marius ebenso ausführlich. So riet er in diesem Falle davon ab, wenn sich das Pferd durch das gesteigerte Tempo in Rage läuft.

In der zweiten Einheit wurde der Unterschied zwischen Bodenarbeit und Handarbeit durchgenommen. Beim Übergang zur Handarbeit soll die Hilfengebung feiner und exakter werden. Marius legte viel Wert auf unauffällig und unaufwändige Hilfengebung. Dabei bekamen die Zuschauer auch zahlreiche Hinweise für die biomechanische Blickschulung geboten.

„Kruppeherein ist etwas, was durch die Form entsteht, die wir uns erarbeiten“.

Marius betonte die Freiheit der Kopfgelenke nicht einzuschränken, ansonsten wäre ein korrektes Mitschwingen des Pferdes nicht mehr möglich. Bei aller Technik legte er den Teilnehmern ans Herz nie aufzuhören, mit dem Pferd zu kommunizieren, besonders, wenn sich das Pferd beispielsweise in fremder Umgebung verspannt.

Weniger ist mehr

Mehr Seitwärts ist besser? Hier führte Marius die Praxisteilnehmer, wie aber auch die Theorieteilnehmer weg von der optischen Kontrolle. Auch wenn das Seitwärts nach mehr aussieht – fühlt es sich dann gut an? Wenn das Pferd schwer in der Hand wird, war es dann wohl doch zuviel. Lektionen wie Traversalen wurden in der Handarbeitseinheit hinzugefügt, um auch die Linienführung für das „Bodenpersonal“ zu verbessern.

Manchmal ist das Pferd optisch in einem Seitengang – beispielsweise im Kruppeherein und arbeitet aber mit einem Hinterfuß nicht mit. Hier wurde wieder der Blick geschult, das äußere Hinterbein hinsichtlich des Vorgriffs zu analysieren. Greift es etwa neben, oder in die Spur des äußeren Vorderfußes?

Die Sache mit der Hinterhand

Wenn die Hinterhand gut folgt, dann verbessern sich auch Stellung und Biegung beim Pferd. Mit Petras junger Berberstute wurde daher am Thema gearbeitet, die Hinterhand herbeizuweisen, um gezielt die Hinterfüße noch besser nach vorne zu arbeiten. Bei der Arbeit im Stand kam nicht nur eine gymnastische Komponente dazu, sondern auch eine geistige. Wer seinem Pferd beispielsweise einen breiteren Stand ermöglicht, könne somit auch etwas Gutes für das Selbstbewusstsein des Pferdes tun, so Marius.

Marius unterschied in Pferde, die Lektionen ausführen, aber psychisch nicht anwesend sind und Pferde, die mental und körperlich in ausgeglichener Balance sind.

Mangelnde Geschmeidigkeit sei auch oft auf das Nichtwissen des Pferdes zurückzuführen – etwa wenn das Pferd noch nicht gelernt hat, wie es auf die Reiterhand reagieren soll.

Wenn das Pferd jedoch seine Aufgabe gut kennt, muss der Reiter physische Blockaden oder Verletzungen aufspüren können. Gemeinsam wurde beim nächsten Teilnehmer der gesamte Pferdeschädel analysiert und abgetastet, um etwaige Verletzungen auszuschließen. Das Pferd war natürlich gesund – für die Zuschauer war aber gerade die Kombination aus Theorie und Praxis äußerst spannend.

Es folgten mobilisierende Übungen, wie vergrößern und verkleinern des Zirkels, kombiniert mit der Arbeit an der Qualität der Schulterkontrolle.

„Die Nachhand heißt Nachhand, weil sie ja nachkommen muss. Nur wenn ein Pferd durch den Körper loslassen kann, dann kann die Nachhand in der Bewegung korrekt folgen“.

Touchierpunkte

Geht es um Touchierpunkte, denken die meisten Reiter unweigerlich an Versammlung. Dass es aber noch Punkte gibt, die für eine Verbesserung der Nachgiebigkeit, der Stellung, zum Vergrößern und Verkleinern des Zirkels, sowie verstärkte Biegung sorgen, brachte viele Aha-Effekte bei den Teilnehmern.

Diese Aha-Momente sollten von den Teilnehmern auch unmittelbar kommentiert werden.

„Da sprechen wir noch mal drüber“ – war quasi ein Mehrfachzitat von Marius, der immer wieder zwischen den Einheiten Praxis und Theorie gekonnt kombinierte, aber auch die Praxisteilnehmer dazu aufforderte, da Gefühlte in Worte zu fassen. Wer mit dem Pferd arbeite, sollte die Zeit sinnvoll nutzen und die Dinge unbedingt beim Namen nennen.

Manchmal lohne es sich aber auch weg von den gewünschten Zielen zu denken und Fehler auch mal bewusst zuzulassen. Wer ständig korrigiert, merkt nämlich Überkorrekturen oder falsche Körperhaltungen gar nicht mehr.

In den nächsten Einheiten am Vormittag wurde viel an der Longe gearbeitet. Dabei erklärte Marius die einzelnen Möglichkeiten des fortgeschrittenen Longierens und legte viel Wert auf korrekte Übergänge. So wurden beim Traber die Hufe etwas länger am Boden gehalten, um auch das Fußen zum Schwerpunkt hin zu verbessern, Beim Araber wurde an Verbindung und Leichtigkeit, sowie saubere Übergänge von Trab in den Schritt und Galopp getüftelt. Dabei gab Marius den Tipp beim Übergang vom Galopp in den Trab nicht aufzuhören zu galoppieren, sondern gedanklich mehr ans antraben zu denken.

In den Einheiten am Nachmittag wurde zwischen Bodenarbeit und Reiten abgewechselt. Mit großem Applaus endete die Stunde von Andrea Harrer und „Wellness“ genannt Willi, die sich im Terre a Terre übten und das Publikum charmant in den Bann zogen.

Marius Analysen schlagen eine gekonnte Kombination aus Gefühls- und Augenschulung. Eine Fortsetzung findet am 10. und 11. September 2016 in Bayern statt. Anmeldung und Info bei Petra Grünleitner, am besten gleich direkt per Mail

Eine tolle Foto Zusammenfassung vom Kurs gibt es auch bei Katharina Gerletz!

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