Bayrische Festivals und Schulterherein

Bayrische Festivals und Schulterherein

Reiten hat viel mit Denken zu tun. Gerade in der Akademischen Reitkunst heißt es oft:
Im Stehen über den Schritt und im Schritt über den Trab nachdenken. Im Kollektiv denkt es sich bekanntlich besser. In zwei Wochen treffen sich die Reitkunst-Tüftler in Toreby, wenn Bent Branderup zur Sommerakademie der Akademischen Reitkunst lädt.

Im heurigen Jahr wird auf der Sommerakademie im „Brainpool“ über das Schulterherein diskutiert. Die einen sagen „Aspirin der Reitkunst“, die anderen bräuchten öfter mal ein Aspirin wenn das Schulterherein großes Kopfzerbrechen bereitet.

In Ingolstadt hat man sich seit der letzten Sommerakademie den Kopf über das Schulterherein zerbrochen.
Im heutigen Bloginterview erzählen mir Kati Siewerth und Bent Branderup Trainerin Claudia Strauß über den Ingolstädter Brainpool.

Ihr habt euch ja mehrmals zum Thema Schulterherein getroffen. Wie viele seid ihr denn und worüber genau wurde gefachsimpelt?

Kati: Zum AcademicRidingTeam (ART) gehören alle in unserer Region, die sich für die Akademische Reitkunst begeistern. Es gibt einen „festen Stamm“ von 10 Leuten – aber es sind grundsätzlich alle eingeladen sich zu beteiligen und einzubringen.
Erklärtes Ziel unseres ART ist es, die Ideale der Ritterschaft zu leben: Wir stehen für die Akademische Reitkunst und wollen uns gegenseitig freundschaftlich unterstützen und vor allem motivieren.
Darüber hinaus geht es um die persönliche Weiterentwicklung, durch Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Reflexion, Demut usw. Das sind ja auch Aspekte der Akademischen Reitkunst, die wir in unserem Team leben wollen.
Interessierte finden Infos zu unseren Treffen auf Facebook in den Gruppen „Freunde der Akademischen Reitkunst nach Bent Branderup“ und „Akademische Reitkunst“.

Auf diesen Seiten war ja immer über euren regen Austausch über das Schulterherein zu lesen?

Kati: Zunächst haben wir uns Gedankendarüber gemacht, weshalb Bent der Ritterschaft dieses Thema als Aufgabe mitgegeben hat – im Vergleich zu den Themen aus 2013 und 2014 (Schulhalt, Schulschritt) ist es ja sozusagen eine „Routineaufgabe“.
Wir begannen unsere Diskussion und Analyse mit dem rein fachlichen Aspekt der Hilfengebung, dann über die biomechanischen Zusammenhänge weiter zur Kraftübertragungsrichtung bis hin zu der Frage, wie ich „absichtslos mein Ziel verfolge“. Es sollten eben nicht nur zwei Körper, sondern auch zwei Geister zusammen verschmelzen.

Das klingt ja spannend – wie seid ihr vom Schulterherein auf das Ziel ohne Absicht gekommen? Und noch viel wichtiger – wie setzt man das um?

Claudia: Auch hier haben wir die Erfahrungen mit unseren eigenen Körpern herangezogen, die wir bereits regelmässig beim Yoga gesammelt haben. Das Gespräch unter uns Reitern kreiste dann um Möglichkeiten, wie wir uns selbst optimal mobilisieren können. Wir sind uns noch nicht sicher, wie wir diese Erkenntnisse und Techniken auf unsere Arbeit mit den Pferden zuverlässig übertragen können, aber wir forschen fleissig weiter. Einerseits hat diese Übertragung wohl mit der inneren Haltung zu tun sowie mit individuellem Arbeiten ohne Erwartungsdruck. Wir wollen zulassen und nicht erzeugen!

Ist das Schulterherein wirklich ein Aspirin der Reitkunst?

Kati: Grundsätzlich haben wir das Schulterherein nicht als Lektion isoliert betrachtet. Aber es hat sich bestätigt, dass es eine ideale Möglichkeit ist, das Pferd in eine Form zu bringen
um es zum Reitpferd auszubilden.

Was sind denn die Vorteile des gut gerittenen Schulterherein?

Claudia: Durch das Schulterherein erreichen wir das innere Hinterbein und können eine effektive Kraftübertragungsenergie hin zu freien Schultern erfühlen. Das funktioniert nur, wenn der
Reiter sich mit dem Pferd synchronisiert.

Kannst du diese Synchronisation genauer beschreiben?

Claudia: Bekannt ist Bent Branderups Merksatz: Kopf parallel zu Kopf, Schulter zu Schulter, Hüfte zu Hüfte.

Wir gehen weiter und sprechen vom Spiegeln der Bewegung(srichtungen) des Pferdes in unseren Körpern.

Wo liegen die meisten Probleme eurer Meinung nach beim Schulterherein?

Kati: Worüber wir immer wieder stolpern ist die mangelhafte Bewegungskompetenz von Pferd und Reiter. Aus verschiedenen Gründen ist diese dem Mensch und Vierbeiner abhandengekommen.
Zum anderen liegt die Herausforderung darin, für das jeweilige Pferd zum jeweiligen Zeitpunkt das Maß zu finden – sprich wahrzunehmen und entsprechend einzufordern.
Oft ist weniger mehr, aber manchmal ist es eben auch nicht ausreichend. Hier spielt das Wesen des Pferdes genauso wie die Ausbildung des Reiters eine Rolle:
je mehr wir mit der primären Hilfe arbeiten können, desto leichter kann das Pferd der Formgebung bei maximaler Effektivität folgen.

Man könnte meinen über das Schulterherein wurde schon genug geschrieben – ich wette, euch gingen die Ideen nicht aus – was waren denn die Meilensteine oder großen Erkenntnisse in eurer Diskussion?

Kati und Claudia: Letztlich hat uns die Diskussion dahin gebracht, das wir uns Gedanken darüber machten wie wir Lernprozesse für Pferd und Reiter optimieren können. Aufschlussreich waren Erfahrungen, die wir mit unseren eigenen Körpern gemacht haben. Wir experimentieren mit verschiedenen Techniken wie beispielsweise Savasana aus unseren Yogasessions.
Die Frage war dabei unter anderem wie wir bei maximaler Losgelassenheit maximale Effizienz erreichen können. Wir stellten fest das wie bei allen Lektionen gilt “ Die Form folgt der Funktion“ – es geht also darum, über eine gesunde Funktionalität zur Formvollendung zu gelangen.

Ihr habt euch aber nicht nur mit der Theorie auseinander gesetzt. Ganz schön praktisch und vor allem bewegend war euer Festival, das leider zeitgleich mit unserem Bent Branderup Kurs stattfand. Für alle, die es wie ich verpasst haben – kannst du nochmal erzählen worum es dabei ging?

Kati:Es drehte sich bei unserem Festival alles um Bewegungskompetenz von Pferd & Reiter. Wir wollten die Schnittstellen von Akademischer Reitkunst, Biomechanik und Körperwahrnehmung aufzeigen und auch vor allem die gemeinsame Zeit schön verbringen.
Claudia Strauß gab uns als Bent Branderup Trainerin zur Einführung Aufschluss über die Ideale der Akademischen Reitkunst um anschließend auf die Systematik der Ausbildung des Pferdes zum Reitpferd überzugehen.
Sie vermittelte den Teilnehmern den „roten Faden“ in der Ausbildung an der Longe, der Hand und ging am lebenden „Modell“ auf den Reitersitz als primäre Hilfe ein.
Katja Eser machte als Humanphysiotherapeutin und Pferdeostheopathin die Biomechanik und Physiologie von Pferd und Mensch sichtbar. In der Reitergymnastik durften wir unsere unterschiedlichen Bewegungskompetenzen erspüren.
Bent Branderup Trainerin Kristina Winholz reiste mit den Bent Branderup by Stübben Sätteln und bester Laune an; eindrucksvoll schilderte sie die Unterschiede zu „normalen“ Sätteln in Theorie und Praxis und wurde nicht müde viele Fragen zu beantworten.
Doris Bark -Greil war unsere Diskussionsmoderatorin und leitete mit Eddy Gonzales die Yoga Sessions am Samstagabend und Sonntagmorgen. Deren unterschiedlichen Stile begeisterten unsere lieben Gäste!
Nicole von Hagmann von barocko.de brachte schönes, sinnvolles und nützliches Zubehör, das gepaart mit ihrer herzlichen Art zum Verweilen und stöbern verleitete.
Die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten in einer wohlwollenden, lockeren Atmosphäre eines Festivals zu verbringen war für alle Beteiligten wunderschön, das Feedback war überwältigend ; zumal wir Gäste mit weiter Anreise (von Hamburg bis Wien) hatten!

Wird es wieder ein ähnliches Festival geben?

Claudia: Voraussichtlich werden wir in 2 Jahren wieder ein ähnliches Festival veranstalten, Infos hierzu werden in den Gruppen „Freunde der Akademischen Reitkunst nach Bent Branderup“ und „Akademische Reitkunst“ gegeben!

Viele sagen – man muss eigentlich nur die Alten Meister lesen. Ihr kombiniert aber auch Pilates, Yoga usw. mit der Akademischen Reitkunst. Was hätten sich die Alten Meister denn von eurem Festival mitnehmen können?

Kati: Es ging uns wie immer darum, Zeit gemeinsam schön zu verbringen, Pferd und Reiter sollen sich in ihren Körpern wohl fühlen….die wohlwollende Atmosphäre, das gute Essen und die vielen wunderschönen Frauen hätten den alten Meistern sicherlich zugesagt! Und unser Motto „the happiest girls are the prettiest“ – das unserer Meinung nach im Übrigen auch für alle Pferde gilt – hätte ihnen bestimmt auch gefallen 😉

Ich bedanke mich bei Kati und Claudia für die Infos! Freue mich alle Mädels aus Ingolstadt bei der Sommerakademie wieder zu treffen. Wer ebenso wie ich das Festival in Ingolstadt verpasst hat, kann sich hier einen Eindruck und eine Vorfreude auf Folgetermine verschaffen!

 

Tauschen wir uns regelmässig aus, dann Reiten wir Einfach 😉

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Auf leisen und auf leichten Sohlen…

Auf leisen und auf leichten Sohlen…

In der Akademischen Reitkunst ist Balance eines der wichtigsten Elemente. Balance ist aber nicht nur ein physischer, sondern auch ein psychischer Zustand. Wie betont Bent Branderup so gerne in seinen Theorievorträgen: Als Mensch sind wir verpflichtet unser bestes zu geben und von den Pferden zu lernen. Diese bezieht sich nicht nur auf die Ausbildung unserer Pferde, sondern auch um die Verpflichtung in Pflege und Haltung sorgsam und achtsam mit unseren Vierbeinern umzugehen. Ein wichtiger Punkt für Balance ist auch die Hufbalance.

Ich vertraue meine Pferde in dieser Hinsicht seit rund einem Jahr Ursula Sündermann an. Die Hufbearbeiterin hat bei beiden Damen ganze Arbeit geleistet. Beide sind nicht mit dem optimalen „Schuhwerk“ ausgestattet, einiges konnte jedoch im letzten Jahr deutlich verbessert werden.

Warum ist Hufbalance so wichtig für unsere Reitpferde?

Uschi Sündermann: Sind die Hufe nicht in Balance, kann das Pferd seinen Körper nicht entsprechend bewegen und einsetzen. Es kommt zu Fehl- und Überbelastungen und dadurch zu Schon- und Ausgleichsbewegungen. Muskelverspannungen, Schmerzen und Schäden an Sehnen, Bändern und Knochen können die Folge sein.
Natürlich kann auch eine durch einen schlecht sitzenden Sattel verursachte Verspannung das Bewegungsmuster verändern, was sich auf den Hornabrieb auswirkt und umgekehrt den Huf aus dem Gleichgewicht bringt.

Knochen und Knorpel im inneren der Hufkapsel bestimmen die von außen sichtbare Hufform. Da das Pferd mit nur einem Satz Knochen und Gelenken geboren wird und der Huf zu ganz unterst die Statik im Pferdkörper mitbeeinflusst, kann der Huf nicht nur für sich betrachtet und bearbeitet werden. Fehler setzen sich in die darübergelegenen Strukturen fort und können so zu Folgeschäden führen– dies muss man bei der Korrektur von Hufen immer mitbedenken.

Sollte man denn überhaupt korrigeren?

Uschi Sündermann: Ja, darüber wird viel diskutiert. Die Gelenke geben wie gesagt die Hufstellung vor und der Huf muss eben zu den Gelenken passen. Das Alter des Pferdes spielt hier eine große Rolle. Bei Pferden im Wachstum finde ich das ganz besonders wichtig. Bei ausgewachsenen Pferden geht es oft auch nur mehr um Schadensbegrenzung und ich versuche eine Verschlechterung zu verhindern. Manchmal haben sich aber auch die inneren Strukturen der Fehlbelastung so angepasst, dass eine tatsächliche Korrektur nicht nötig ist und sogar eher schaden würde, da über die veränderte Hufform eine Problematik weiter oben ausgeglichen wird. Eine Korrektur im Sinne einer optischen Aufwertung wäre in einem solchen Fall kontraproduktiv und würde dem Pferd eher schaden als nutzen. In anderen Fällen wiederum ist sie sehr wichtig. Die Entscheidung fällt bei der Betrachtung des Bewegungsablaufes und unter Miteinbeziehung vorliegender tierärztlicher Diagnosen

Wie kommt es denn zu den meisten Stellungsfehlern?

Uschi Sündermann: Manche Stellungsfehler sind angeboren und durchaus auch rassebezogen, andere sind Folgen von Unfällen, Krankheiten oder schlichtweg zu wenig Bewegung in den ersten Lebensjahren. So stehen Noriker und Haflinger vorne gerne zeheneng. Quarter Horses tendieren häufig dazu an der Hinterhand lange Zehen zu entwickeln. Spanische Pferde neigen oft zu höheren Trachten. Auch die Aufzucht bestimmt ganz wesentlich mit, wie sich Hufe und Hufform entwickeln. Sehr oft bewegen sich Jungpferde viel zu wenig. Dazu kommt mangelnde und zu seltene Hufpflege. – Alles zusammen keine guten Voraussetzungen für die Entwicklung gesunder Hufe.

In der Akademischen Reitkunst beschäftigen wir uns ja auch sehr intensiv mit der natürlichen Schiefe und dem Geraderichten. Immer wieder höre ich von Schülern, dass sie vor allem ihr Auge in der Hinsicht schulen möchte, die Schiefe zu sehen. Auf dem Pferd spürt man diesen Effekt ja ganz deutlich. Wie erkennt man die natürliche Schiefe am Huf?

Uschi Sündermann: Ist mein Pferd rechts hohl, dann habe ich rechts einen flacheren Huf. Die Pferde belasten dann die innere Schulter mehr und nehmen daher auch links vorne mehr Last auf. Das Pferd auf dem Zirkel wird sich leichter nach rechts biegen und kann auch die Tendenz zum Überbiegen entwickeln – das führt zur Mehrbelastung vorne links.

Ich weise auch meine Kunden daher auf die Notwendigkeit hin, das Pferd richtig zu gymnasitzieren. Der Hufbearbeiter alleine kann Schiefen nicht ausgleichen, dazu gehört auch ein durchdachtes Bewegungskonzept. Mit der Zeit können so unterschiedliche Winkelung an den Hufen angeglichen werden.

Viele PferdebesitzerInnen sehen in unterschiedlich hohen oder gewinkelten Hufen tatsächlich auch kein großes Problem, wundern sich aber dennoch, dass die Pferde auf der einen Hand soviel schlechter laufen als auf der anderen. Ob erst die Hufe unterschiedlich hoch waren und dadurch das Pferd schief wurde oder umgekehrt spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, dass an den Hufen und an der Geraderichtung gleichzeitig gearbeitet wird.

Der natürliche Abrieb kann hier von Termin zu Termin auch Aufschluss geben, ob die Arbeit mit dem Pferd Früchte trägt.

Was bei der Bearbeitung mit Eisen natürlich schwer nachzuweisen ist?

Uschi Sündermann: Ja richtig. Aber da kommen ja noch weitere Probleme dazu. Der Hufmechanismus wird durch Eisen deutlich eingeschränkt und kann seiner Funktion als Blutpumpe nicht mehr so gut nachkommen. Unterhalb des Karpal- bzw. Sprunggelenks hat das Pferd keine Muskeln mehr, die quasi Blut pumpen und die Nährstoffversorgung für Sehnen, Bänder, Knorpel und Gelenke sicherstellen würden. Der Huf übernimmt diese Arbeit. Kann er allerdings nicht so funktionieren wie ursprünglich angedacht wird der Sehnen- und Bänderapparat nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, was zu Sehnenproblemen führen kann.

Die meisten beschlagenen Hufe werden auch tendenziell enger, was sich zusätzlich negativ auswirkt. Zum einen wird der Hufmechanismus noch weiter eingeschränkt zum anderen die inneren Strukturen gequetscht, was schmerzhaft für das Pferd ist. Außerdem wiegt ein Hufeisen ja etwas. Hier kann man etwas mehr Aktion vortäuschen, weil Pferde die Beine deutlicher heben. Je länger der Huf, desto mehr Gewicht hängt unten am Pferdebein. Auch bei Gangpferden wird so das Gangbild durch die Eisen beeinflusst, dabei wird aber bei vor allem langen Hufen mit Eisen die Muskulatur unphysiologisch belastet, was sich ja auch wieder schlecht auf Bänder und Sehnen auswirkt. Die Durchblutung des Hufes selbst ist natürlich ebenfalls mit Eisen geringer. Beschlagene Hufe fühlen sich in der Regel kälter an als Barhufe.

Gute Bewegung findet auf leisen Sohlen statt.

Wer sich also für den leisen Schuh des Pferdes entscheidet, sollte einen geeigneten Zeitpunkt wählen?

Uschi Sündermann: Ich beginne die Umstellung immer mit einem ausführlichen Gespräch. Es ist manchmal ein mühsamer Weg, denn in den seltensten Fällen sind die Pferde sofort nach Eisenabnahme voll einsatzfähig. Hufschuhe leisten da gute Dienste. Manche Pferde können auch dauerhaft nur mit Hufschutz über steinigen Boden laufen – ohne konnten sie das zu Beschlagszeiten ja auch nicht.

Viel freie Bewegung über unterschiedlichste Böden und eine dem Pferd entsprechende Fütterung sind die wichtigsten Faktoren für gesunde und leistungsfähige Hufe.

Die meisten Freizeitpferde sind mit Heu und einer passenden Mineralstoffmischung gut versorgt und benötigen kein zusätzliches Kraftfutter. Tatsächlich sind die meisten Hufprobleme im Zusammenhang mit falscher Fütterung zu sehen.
Der Zeitpunkt für eine Umstellung ist an sich egal. Frühling, Herbst, Sommer, Winter – das spielt keine Rolle.

Somit schließt sich der Kreislauf, wenn es heißt, wir Pferdehalter sind in die Pflicht zu nehmen. Bent sagt auch immer gerne, wir haben die Verantwortung: Nicht der Stallbesitzer, der Hufpfleger oder der Tierarzt – wir müssen uns selbst auch ein geeignetes Wissen aneignen…

Uschi Sündermann: …das uns helfen kann auch die richtigen Fragen zu stellen. Man muss nicht alles selbst wissen, aber es ist gut soviel Ahnung zu haben um seinem Hufbearbeiter ein bisschen auf den Zahn fühlen zu können. Ein guter Hufbearbeiter muss plausibel erklären können, was er tut und warum.

Das Internet ist eine gute Möglichkeit um sich Wissen anzueigenen und sein Auge zu schulen. Oft sind wir überrascht wie kurz ein gesunder Barhuf eigentlich ist. Eine gute und seriöse deutschsprachige Quelle ist www.pro-barhuf.de
Tina Gottwald stellt hier dankenswerter Weise ihr Buch zum gratis Download zur Verfügung. Das ist eine ganz gute Einsteiger Lektüre, wenn man mehr über Barhufbearbeitung wissen möchte. Hufkurse sind ebenfalls eine großartige Möglichkeit mehr über den Pferdehuf zu erfahren und mal unter Anleitung selbst Hand anzulegen.

Geschulte Kunden bergen natürlich auch eine gewisse Gefahr, da sie die Qualität meiner Arbeit zu beurteilen wissen. Die Pferde profitieren davon jedoch und daher freue ich mich über das steigende Interesse am Thema Huf und die kritischen Fragen meiner KundInnen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wer sein Pferd in Balance bringen will, sollte unbedingt auch die Hufbalance ins Auge fassen, dann reiten wir Einfach.

Mehr über Uschi Sündermann gibt es unter www.working-hooves.at.

Bleib mal im Stand!

Bleib mal im Stand!

Wußten Sie, dass es einen Reitmeister gab, der auf seinen Pferden die große Sonntagszeitung las? Auf seinen Kursen erzählt Bent Branderup gerne Anekdoten von Reitmeistern vergangener Tage – darunter auch die Geschichte von Oskar Maria Stensbeck (1858 -1939). Stensbeck, der selbst ausgebildete Pfede noch mit 80 Jahren unter dem Sattel vorstellte griff mit zunehmendem Alter und Bewegungs-einschränkung auf ein einfaches Konzept zurück. Weil er nicht mehr so beweglich war, mussten die Pferde eben im Stehen alle Reiterhilfen erlernen. So präzise vorbereitet war es für die jungen Bereiter kein Problem, sich in den Sattel der von Stensbeck geschulten Pferde zu schwingen und auch vorwärts zu reiten.

7 Gründe, warum es sich lohnt mit dem Pferd mal im Stand zu arbeiten!

  1. Die Arbeit im Stehen ist einerseits wichtige Basis, andererseits Messlatte für die vorangegangene Schulung.
    Bent Branderup
    sagt „Ein Zirkuspferd kennt die Übung, ein geschultes Pferd versteht die Hilfe“. Und: Egal ob wir im Stehen oder in der Vorwärtsbewegung arbeiten, es sind die gleichen Muskeln, Sehnen, Gelenke und Knochen, die wir beanspruchen – allerdings – man denke an die Physiotherapie – beugen langsame Bewegungen einer falschen Belastung vor.
    Im geschulten Halt können wir überprüfen, ob unser Pferd alle Hilfen annimmt. Lässt es sich im Linkssitz biegen, so dass der Rippenbogen innen nach unten sinkt? Korrespondieren Stellung im Genick und Biegung, sowie das Vornehmen der inneren Hüfte miteinander? Reagiert mein Pferd wenn ich am inneren Steigbügel leicht vibriere und biegt sich um den inneren Sitzknochen? Kann ich es vom äußeren Schenkel, der etwas nach hinten verlagert hinter der Gurte liegt auch wegbiegen?
  2. Gustav Steinbrechts Leitsatz „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ lässt sich auch auf die Arbeit im Stand umlegen!„Die allmählich gewonnen Biegung im Gange ist vielmehr die Vorbereitung für die Übung auf der Stelle, indem das richtige Biegen im Steillstehen stets eine gesteigerte Aufgabe für das Pferd ist und als ein Prüfstein für den Gehorsam auf Hand und Schenkel gelten kann. Der Reiter hat daher sein Pferd ganz nach den Regeln, wie er es im Gange mit Hand, Schenkel und Gewichtsverteilung arbeitet, auch auf der Stelle zu biegen, nur mit doppelter Aufmerksamkeit und Energie, da ihm hier die Unterstützung von Schubkraft und Balance fehlt, die er im Gange hat.“ (Gustav Steinbrecht)
  3. Vertrauen, Blickschulung und Schulung des Gefühls! Wenn wir beginnen mit unserem Pferd zu arbeiten, beginnen wir unseren Blick, unser Gefühl, unsere Hand vor allem bei der Arbeit im Stehen zu schulen. Zwingen sollte man ein Pferd jedoch nicht stillzustehen. Einige Pferde entspannen besser in der Bewegung, andere im Stehen. Wie die Einheit der gemeinsamen Arbeit beginnt, sollte der Ausbilder mit Bedacht wählen. Wenn wir mit etwas Abstand vor dem Pferd stehen (so weit, dass wir den Arm nicht über Gebühr ausstrecken müssen und so nah, dass wir das ganze Pferd gut im Überblick haben), können wir ein erstes Abwärtssenken des Halses und des Kopfes abfragen. Pferde die verspannen, sollten nicht zum Nachgeben mit dem Kappzaum gezwungen werden. Oft hilft ein Leckerli. Kann das Pferd Gras oder Heu vom Boden fressen, sollte es sich auch abwärts strecken können. Verspannungen oder Gegendruck haben auch oftmals psychische Ursachen. Auch das Vertrauen muss stimmen, schließlich legt das Pferd ja vertrauensvoll den Kopf in die Hände des Ausbilders.
  4. Sei ein Detektiv! Klappt`s mit der Stellung? Nein? Dann ist Ursachenforschung angesagt. Der Blick kann vom Pferdekopf bis zu den Hinterhufen den Grund erkunden. Möglicherweise ist eine falsche Rotation des Unterkiefers eine Ursache. Im Stehen kann der Reiter bequem vom Boden aus den Kiefer lösen. Die Beweglichkeit zwischen 1. und 2. Halswirbel kann überprüft werden. Die Hände können weiter auf Erkundungstour wandern und die Halswirbeln einzeln auf Verspannungsknoten abtasten. Lässt sich eine Parade durch den Pferdekörper schicken, oder stößt man auf einen Widerstand? Kommt das Pferd auf die Schultern, ist der Kopf möglicherweise zu tief gedehnt, in welcher Halshaltung fühlt sich mein Pferd wohl. Lernen wir unser Pferd ausführlich vom Boden kennen, dann wissen wir besser, wie es um seine Beweglichkeit gestellt ist!
  5. Täglicher Bewegungscheck: Tägliche Bewegung ist schon ein Must have geworden. Aber sowohl beim Menschen, wie beim Pferd gilt: die Bewegungsqualität muss stimmen. Als Menschen kennen wir das. Es gibt auch Tage, da ist man mal weniger beweglich. Wer sein Pferd vor dem Reiten im Stand löst und dies entweder vom Boden, oder vom Sattel tut, wird auch die kleinen feinen Unterschiede bemerken. Streckt sich das Pferd ohne Probleme abwärts, oder bleibt es mitten in der Dehnung ruckartig stecken? Muss es einen Schritt nach vorne machen, kommt es auf die Schulter und aus der Balance? Bereits das Aufwärmen verrät so einiges über die Qualität der Arbeit in der Vergangenheit!
  6. Schulung der Körpersprache: Wenn wir vom Boden aus arbeiten, schlagen wir quasi zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits können wir unsere Körpersprache verbessern. Wer das Pferd mit dem eigenen Brustkorb blockiert und sich zu weit nach vorne lehnt, wird beispielsweise weniger erfolgreich im Kruppeherein sein. Wer sein eigenes Gewicht ausbalanciert und ausgeglichen verlagert, der kann das Pferd zwischen den Schultern lösen und für die Schulung der Parade etwas Gewicht in Richtung Hinterhand verlagern. Der positive Nebeneffekt: Wir bringen unser Pferd in Balance!
  7. Schulung des Sitzes: Die gleichen Übungen können auch vom Sattel aus überprüft werden. So können wir den Zirkel im Stand von den inneren Hilfen vergrößern und von den äußeren Hilfen verkleinern. Bent Branderup empfiehlt immer wieder den Seitengang im eigenen Körper zu verinnerlichen. Soll heißen: Im Stehen kann der Schulterhereinsitz geübt werden. Dabei bleibt das Pferd um den inneren Sitzknochen, inneren Schenkel gebogen. Außenzügel und innerer Schenkel sekundieren dem Sitz, die äußere Schulter zu bewegen. Der Schwerpunkt des Reiters wandert ein wenig in die gedachte Bewegungsrichtung, also außen an der Schulter vorbei, der Nabel und damit der Bauch geben die seitliche Bewegung vor. Im Stehen kann so in aller Ruhe „behirnt“ werden in welche Richtung der Schwerpunkt wandert und wie der eigene Körper aus dem Bauch heraus die Schultern bewegt.

 

Ein Sprichwort über die „Akademische Reitkunst“ lässt mich immer wieder Schmunzeln: Akademische Reitkunst heißt: Im Stehen über den Schritt und im Schritt über den Trab nachdenken. Wer im Stehen arbeitet, sollte die Arbeit im Stehen auch für die Schulung des Vorwärtsgefühls nutzen! Wer den Halt gründlisch schult, reitet Einfach 😉

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ERP 010: Blinder Gehorsam?

ERP 010: Blinder Gehorsam?

Warum reiten wir eigentlich Dressur? Einerseits geht es um die Entwicklung der Tragkraft, um physische Balance damit unser Pferd uns tragen kann, ohne einen Schaden zu nehmen.  Andererseits geht es auch um die mentale Balance.

Wenn wir ins Gelände reiten, dann wünschen wir uns natürlich ein sicheres Pferd, das immer auf unsere Hilfen reagiert – damit ein Notfall nicht zum Ernstfall wird. Aber wo liegen da die Grenzen? Zwischen Gehorsam und Willenlosigkeit, was verlangen wir tatsächlich von unserem Pferd?

Meine Schülerin Maria hat mir diese Frage erst neulich via Facebook gestellt. Ich habe mir einige Gedanken dazu gemacht und versucht die Frage des Gehorsams aus meiner Sicht in der aktuellen Podcastfolge zu beantworten.

Als MP3 herunterladen (Rechtsklick auf den Link und Speichern Unter):

Einfach Reiten Episode 10 – Blinder Gehorsam?

Hier auf ITunes abonnieren:

 

PS: Anregungen für weitere Podcast-Folgen nehme ich sehr gerne entgegen. Entweder als Kommentar, oder via persönliche Nachricht über Kontaktformular oder Facebook!

Nutzt du deine Möglichkeiten? Kursbericht Bent Branderup

Nutzt du deine Möglichkeiten? Kursbericht Bent Branderup

Kommunikation, Sympathie, Respekt und Pädagogik mit Inhalt. Bent Branderup war am 4. und 5. Juli 2015 zu Gast in Graz und referierte über primäre und sekundäre Hilfen. Und über das Ziel ein besserer Pädagoge für sein Pferd zu werden. Wir haben die Möglichkeiten in der Hand. Eine Zusammenfassung über den Vortrag zur „Pädagogik“:

Kommunikation einseitig oder zweiseitig

5_smallZwei Individuen, zwei Botschaften und eine Leitung. Die perfekte Einstimmung auf misslingende Kommunikation zwischen Pferd und Mensch brachte uns noch im Vorfeld die Fluglinie. Quasi „Last Minute“ wurde Kursorganisatorin Eva mit einigen Hiobsbotschaften auf Trab gehalten. Eva bewahrte Nerven und einen kühlen Kopf. 🙂 An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön für die perfekte Kursorganisation!

Kommunikation lernen

Wenn ein Kind isoliert aufwächst und das Sprachzentrum erst spät entwickelt wird, dann nennt man das den Mogli Effekt. (Bent Branderup)

Bents Appell in seinem Vortrag rund um die Pädagogik richtete sich in erster Linie an unsere Verantwortung zur Natürlichkeit des Pferdes. Daher müsse ein Pferd zuallererst lernen, ein Pferd zu sein und die Sprache der Pferde zu beherrschen. 1_smallDies wäre aber nur in einer möglichst artgerechten Haltung und Aufzucht möglich. Pferde lernen ihre Sprache nur durch Artgenossen. In einer artgerechten Aufzucht werden die Fohlen nach dem Absetzen nicht nur unter Gleichaltrigen bleiben. Erfahrungen lassen sich – und das lässt sich auch auf Menschen münzen – besser machen, wenn man von Älteren lernt, die diese Erfahrungen bereits hinter sich haben. Nur wenn die Erstsprache, oder Muttersprache gelernt ist, kann eine weitere Kommunikationsform erlernt werden. Wir als Menschen würden – so Bent Branderup – auch die homogene Bewegung, die innerhalb der Herde stattfindet nutzen, um mit den Pferden zu kommunizieren.

Man muss das Pferd lesen können. Wir müssen also vorhersagen können, wie es reagieren wird. Schließlich muss ich auch deuten können, wenn mein Input vom Pferd gänzlich falsch verstanden wird. Sonst verstärke ich möglicherweise eine falsche Handlung ganz unabsichtlich. (Bent Branderup)

Wo fangen wir mit der Kommunikation an? Meist geht es darum, dass wir unserem Pferd etwas verständlich machen wollen. Aber bei der Frage des Wollens ist es falsch nur das eigene Wollen zu forcieren und dem Pferd keine Chance zu geben sich ebenso mitzuteilen.

Hat mein Pferd denn überhaupt Interesse an mir? Ein Pferd muss lernen, zu lernen. Wenn ein Trainer keine gute Struktur hat, kann auch das beste Pferd mit den besten Voraussetzungen nichts lernen. Und noch vor der Struktur steht das Interesse. Das Pferd muss interessiert sein an seinem Lehrer. Daher müsst ihr die Aufmerksamkeit eurer Pferde auf euch ziehen. (Bent Branderup)

Ist mir der Lehrer sympathisch? Und habe ich Respekt?

An erster Stelle steht die Sympathie. Wir müssen dem Pferd als unserem Schüler eine große Portion Sympathie entgegen bringen. Von wem möchte man gerne etwas lernen. Heißt also umgekehrt auch: Wir müssen für das Pferd sympathisch genug sein, um sein Interesse zu wecken. Hier brachte Bent einige Anekdoten aus der eigenen Schülerzeit:

Wenn wir wen mögen, dann lernen wir einfach. Ich hatte einen Mathelehrer, der war sympathisch, der konnte mir auch die ungeliebten Zahlen verständlich machen. Dann war da eine Lehrerin, die war so sympathisch, dass sie am Ende der Stunde immer ganz aufgelöst unser Klassenzimmer verlassen hat. Für diese Lehrerin gab es einfach keinen Respekt.

Respekt, so Bent Branderup habe auch den Beigeschmack von Disziplin. Der Beigeschmack kann schal oder angenehm sein. Wir brauchen Regeln, schließlich geht es in den meisten Fällen darum, ein Pferd von mindestens 600 Kilo zu handeln. Pferde verstehen unsere Körper nicht gut, daher geht es auch um unsere Sicherheit.

Wir haben in unserer Welt auch ein großes Portfolio an Umgangsformen. Wenn man die Regeln nicht kennt, kann man sie auch nicht brechen. Umgangsformen sollen es allen Beteiligten aber in der Regel angenehmer und leichter machen. Das Pferd muss also lernen, was es darf und was es vor allem im Zusammensein mit dem Menschen nicht tun darf. Wenn ein 600 Kilo Hengst antiautoritär erzogen wurde, dann hat der Mensch das Pferd geformt und zu dem gemacht, was es ist. Man hat die Pferde, die man verdient, weil man sie ja selbst zu dem macht, was sie sind. (Bent Branderup)

Horsemanship bedeute also gefährliche Situationen vorauszusagen und zu durchschauen. Als Pferdeverstand bezeichnete Bent Branderup das ständige Hinterfragen. Wer Pferde gut kenne müsse also laufend Situationen analysieren.

Da unsere Pferde nicht mehr so natürlich aufwachsen können wie einst haben wir heute schwierigere Pferde und Menschen, die es nicht mehr gewohnt sind mit Tieren zusammen zu leben. Wir schaffen uns somit gefühlsmässige Monokulturen. Man muss aber alles um das Pferd herum verstehen. Da gibt es entweder den Super Protektionisten, der gerne alle Pferde im Winter eindeckt und den Super Naturalist, der kein Pferd eindecken möchte. Der Pferdemensch liegt dazwischen und entscheidet, welches Pferd welche Behandlung benötigt. (Bent Branderup)

Du trägst Verantwortung…

Ok, grundsätzlich arbeiten2 wir an der Tragkraft des Pferdes. Aber wie sieht es mit unserer eigenen Tragkraft aus, wenn es um Verantwortung geht. Schon mal die gängigsten Stallgespräche belauscht? Das Pferd bekommt nicht das beste Futter. Der Stallbesitzer hat Schuld. Der Schmied hat das Pferd vernagelt. Natürlich ist er Schuld. Ist das wirklich so?

Als Pferdebesitzer sind wir für das Wohl unserer Pferde verantwortlich und verpflichtet unser Bestes zu geben. Wir wollen so gerne ständig die Verantwortung abgeben. Sobald wir uns ein Pferd kaufen, sind wir verantwortlich- wenn das Pferd also sicher die Hufe für die Hufbearbeitung geben, oder sich überall anfassen lassen soll – dann sind wir dafür verantwortlich unsere Pferde für den sicheren Umgang mit Hufschmied und Tierarzt zu machen. Wenn sich der Schmied vernagelt, weil das Pferd diesen sicheren Umgang nie gelernt hat, dann sind wir in der Verantwortung! (Bent Branderup)

..für die Pädagogik deines Pferdes!

3Wenn wir also mit unserem jungen Pferd zu arbeiten beginnen, empfiehlt Bent Branderup mit Inhalten zu beginnen, die wir selbst gut visualisieren können. Der Weg fängt nämlich nicht immer mit dem Endprodukt an. Die meisten Menschen können sich nur ein Pferd leisten. Somit gehen unsere Pferde alle in eine „Einzelstunde“ – hier ist der Faktor zeit nicht wichtig. Wir haben also ein Pferd und können uns zu 100 Prozent nach dem Pferd richten.

Aber auch hier steht die Motivation an erster Stelle. Unser Pferd soll das Gefühl haben gerne in die Schule gehen zu dürfen und nicht zu müssen. (Bent Branderup)

Wir haben also ausreichend Zeit. Denn was wäre denn schlimm, wenn man für die Ausbildung länger braucht? Geht es nach Bent Branderup kann man nicht zu alt sein, um zu lernen, oder umzulernen.

Die Frage ist nur, für welche Augen bilden wir aus. Hier mahnte der dänische Ausbilder zur Vorsicht. Natürlich sei es ganz natürlich, dass wir Menschen untereinander um Feedback heischen. Allerdings sollten wir vor allem in den Augen unserer Pferde um Anerkennung suchen.

Wir geben den Pferden durch die Ausbildung eine bessere Körpersprache durch die verbesserte Biomechanik. So wie das Pferd aussieht, wenn es sich stolz fühlt, so sollte unser pädagogisches Ziel definiert sein (Bent Branderup)

Unsere gemeinsame Zeit mit dem Pferd braucht also einen gemeinsamen Nenner – oder wie Branderup sagt – einen Inhalt.

Dabei geht es darum einen Prozess in Gang zu setzen, für den ich euch begeistern möchte. Manchmal schaut es so aus, als ob die Leute ihre Pferde gar nicht mögen würden. Wenn wir aber Lehrer von Tieren sind, dann müssen wir in deren Augen gut sein. Das heißt wir haben auch die Verpflichtung immer mit einem guten Gefühl die Stunde zu beenden. Bedient euch hier einer Lektion, die das Pferd ganz sicher beherrscht und wo es ein Lob erwarten kann. Manche Reiter sind wie Rotwein. Sie werden mit der Zeit besser. Jeder Mensch besteht aus so vielen Möglichkeiten. Ob ich auf ein Rockkonzert, oder ein Klassikkonzert gehe – ich bin noch immer der gleiche Mensch, ich bestehe nur aus vielen Möglichkeiten. Wer verliebt ist, der kehrt sein bestes Ich zum Vorschein. Bleibe ich aber mein Bestes ICH, wenn ich in eine heikle Situation gerate? Die Pferde fordern uns heraus, sie kennen unsere guten und schlechten Seiten. Daher frage dich immer, wer du sein willst in den Augen deines Pferdes. (Bent Branderup)

Bent Branderup brachte uns wieder zum Nachdenken, Philosphieren, Spüren, Fühlen. Wie immer freuen wir uns sehr auf seine Rückkehr im nächsten Jahr!

Nutzen wir unsere vielen Möglichkeiten, dann reiten wir Einfach 🙂

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PS: Katharina Gerletz hat wieder viele schöne Momente auf Fotos eingefangen. Eine Zusammenfassung gibt es in Kürze auf ihrer Facebook Seite.

 

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