Erst mal besser machen…

Erst mal besser machen…

..oder warum wir ständig aneinander vorbei reden. „Erst mal besser machen“ ist das Totschlagargument bei Diskussionen rund ums Pferd. Diskussionen unter Reitern bewegen und machen manchmal sogar sprachlos…

Es gibt da eine Geschichte, die sich immer und immer wiederholt. Den Anfang macht ein gepostetes Video und zwei Möglichkeiten der Betrachtung. Da gibt es die einen, die von der gezeigten Arbeit bereits angetan sind und die Begeisterung gerne „teilen“ möchten. Und auf der anderen Seite jene, denen die „Grausbirne“ aufsteigt und nun auf der Suche nach Bestätigung sind, dass das Gezeigte nicht den klassischen Lehren entspricht, keinesfalls biomechanisch korrekt, also unterm Strich – komplett falsch ist.

Wer hat nun recht?

Es gibt unterschiedliche Lager und unterschiedliche Strömungen und damit verbundene Befindlichkeiten in der klassischen Reitkunst (Lustigerweise gibt es aber ein gemeinsames Ziel. Leichtigkeit und Harmonie). Gerade wenn man sich für eine Lehre entschieden hat, neigen viele dazu, den „Rest“ zu verunglimpfen. Gleichzeitig gibt man über sich selbst aber an, ständigen den Blick über den Tellerrand zu wagen.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Man könnte nun sagen, mit der Entscheidung für eine Reitweise, sei man natürlich nicht mehr neutral. Die anderen sagen man bekäme einen Tunnelblick.

Und jetzt ganz ehrlich gefragt? Wie offen sind wir Reiter wirklich?

Und warum sind wir so schnell beleidigt?

Inspektor Columbo-Syndrom

Jeder kennt und viele lieben den Inspektor Columbo. Noch bevor alle Beweismittel eingesammelt sind und der Täter überführt werden kann, kennt er den Schuldigen. Nervt durch ständiges Nachfragen schon fast bis zum freiwilligen Geständnis. So ähnlich sind wir Reiter auch. Wir wollen unbedingt recht haben. Und deswegen suchen wir uns – praktisch, dass es das Netz gibt Gleichgesinnte. Jeder hat seine eigene Weltanschauung, jeder seine eigene Interpretation über die Reiterei. Kehren wir zu oben genanntem Video-Post zurück. User A findet das Video toll. User B ist komplett anderer Meinung. Anstelle des gegenseitigen Austauschs gibt es nun zwei Möglichkeiten. Entweder sucht sich unser User A möglichst viele Verbündete, also Zeugen, die bei der Beweisführung ganz ähnlicher Meinung sind und Bestärkung bieten. Eine zweite Möglichkeit wäre, Profilbild und weiteres Fotomaterial von User B zu analysieren, um dem Kontrahenten jegliche Fachkompetenz abzusprechen. Mögen die Spiele beginnen…. Applaus von Gleichgesinnten wird meist mit der Aussage quittiert: „Endlich diskutieren wir sachlich…“. Und das, obwohl es in einer Diskussion ja wohl um das Abwägen der verschiedenen Meinungen ginge, nicht um die Bestätigung.

Erst mal besser machen….

Eine weitere Möglichkeit für User A besteht aber auch im Totschlagargument und der weisen Empfehlung an User B „es doch erst mal besser zu machen und dann wieder in die Diskussion einzusteigen“. Nun ja, zweifelsohne kann der, der praktisches und theoretisches Wissen vereint, im sprachlichen Duell den gekonnten Stich setzen. Umgekehrt betrachtet könnte man aber auch gleich eine „Ausweispflicht“ oder gleich „Befähigungsnachweise“ verlangen, um überhaupt an einer Diskussion partizipieren zu dürfen.

Es gibt so viele Gesichtspunkte, die man bei der Analyse einer korrekten Piaffe beispielsweise beachten kann. Darf Reiter B nicht mitdiskutieren, wenn er selbst noch keine Piaffe geritten ist, trotzdem aber über eine deutliche Wahrnehmung bezüglich Hankenbiegung, relativer Aufrichtung etc. verfügt? Darf man seine Meinung äußern – auch wenn man über kein praktisches Hintergrundwissen verfügt? „Erst mal besser machen“ oder schnell im Thema in eine völlig neue Richtung schwanken, sind auch Möglichkeiten, um der Diskussion den Garaus zu verleihen. Eine tolle Sache, wenn man dann später sagen möchte: Mein Kontrahent hatte nichts mehr zu sagen, weil er keine Argumente mehr hatte. Im stillen Kämmerlein könnte man sich fragen, ob man hier nicht der Philosophie gefolgt ist: „Wie ich den Wald rufe, so kommt es zurück?“

Die Skala der Ausbildung…

Fast schon gebetsmühlenartig wird die „Skala der Ausbildung“ bemüht, wenn es keine neuen Argumente gibt. Die gute, alte Skala, oder die Frage, was war zuerst da, die Henne oder das Ei?

Das Problem an der Sache ist, dass wir uns gerne überall das „Beste“ rausholen. Da wird einerseits gerne mal ein Xenophon zitiert, dann wieder der gute Steinbrecht, um am Ende festzustellen, dass die Skala das Nonplusultra ist. Reiten ist keine statische Sache. Heute reiten wir, weil wir Freude daran haben. Wir müssen grundsätzlich nicht aufs Pferd steigen.

W I R dürfen.

Als Xenophon, Pluvinel oder Newcastle  ihre Lehren niederschrieben, mussten sie sich aber auf den blanken Pferderücken oder in den Sattel schwingen. Jede Lektion, jeder Schritt in der Ausbildung hatte ein Ziel und das war im Grunde: Überleben.

Wir lieben, was wir sehen – darum sehen wir Dressur und Klassik heute mit den Augen unserer Gegenwart. Das Fremde ist uns fremd. Ungewohnt. Bei uns sagt man: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. Und nun ganz ehrlich gefragt: Wollen wir das Reiten, was wir nicht kennen? Sagen wir pauschal „Nein“, oder begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise? Um noch einmal auf die Skala zurück zu kommen. Die Skala hat sich durchgesetzt. Aber warum? Und wie waren die Interpretationen früher? Es kann durchaus spannend sein, herauszufinden, wann welche Lektionen geritten wurden und warum? Wann fanden Erweiterungen statt und warum sind einige Lektionen von der Bildfläche verschwunden, andere jedoch hinzugekommen?

Gab es in der Schulreiterei eine andere Ausbildungsskala als in der Campagne-Reiterei?

Gibt es den Blick über den Tellerrand nun wirklich?

Oft bemüht und viel zitiert – der Blick über den Tellerrand. Oder: Der Wimpernschlag. Wir sind oft so überzeugt von unserem Weg, dass die wenigsten einen Blick, länger als 10 Sekunden riskieren. Und schon hat man eine Meinung gefällt.

Reiten heißt Leidenschaft. Wir leben für eine gemeinsame Sache – reden so oft aber so deutlich aneinander vorbei.

Vielleicht sollten wir öfter gemeinsam den Blick über den Tellerrand tatsächlich wagen. Nach über 20 Jahren Reiterfahrung war es auch für mich nicht immer einfach den Stolz hinunterzuschlucken und meine Augen wirklich erneut zu öffnen.
Aber – es zahlt sich aus! In Österreich sagt man: Beim Reden kommen die Leute zam.

Bleiben wir doch reiterlich verbunden und lernen wir voneinander, dann Reiten wir Einfach 🙂

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Die Spannung steigt – Interview mit Laura Haitzmann

Die Spannung steigt – Interview mit Laura Haitzmann

Wer reiten will muss sich mit dem Körper des Pferdes, aber auch mit dem eigenen Körper auseinandersetzen. Zwei Themen – eine Expertin. Daher gibt es eine Interview Fortsetzung  mit der für Mensch und Pferd diplomierten Physiotherapeutin Laura Haitzmann. Im Fokus: die „positive Spannung“.

Auf der einen Seite gibt es die Kritiker, die zuviel Spannung im Pferd sehen, auf der anderen Seite Kontrahenten, die sich vor allem bei Pferden, die am durchhängenden Zügel piaffieren, eine „positive Grundspannung“ vermissen. Ist „positive“ Spannung eine „Beschönigung“? Brauchen wir tatsächlich Spannung für Versammlung?

Laura: Ja, positive Spannung die man im Pferd und im Reiter sieht, ist tatsächlich eine „Beschönigung“. Darunter verstehe ich durchtrainierte Bizepsmuskulatur des Reiters, starre Handeinwirkung, offene Mäuler beim Pferd oder angespannte Kiefermuskulatur (bei Reiter und Pferd).

Eine positve Rumpfspannung braucht jedoch sowohl das Pferd als auch der Reiter . Das Pferd benötigt die Rumpfspannung damit der Rücken dem Reitergewicht etwas entgegenwirken und in einer neutralen Null Position bleiben kann. Die Rumpfspannung steht beim Reiter in enger Verbindung mit schöner aufrechter Haltung.
Allerdings gibt es für mich bei Pferden die am durchhängenden Zügel piaffieren nichts zu kritisieren. Es sollte doch das Ziel jedes Reiters sein, wenn sein Pferd so sehr auf die Sitzhilfen hört, dass alle anderen Hilfen wie beispielsweise Zügelhilfen überflüssig werden. Dieses Argument kann ich also im Hinblick auf die Piaffe nicht verstehen. Allerdings gibt es auch in der Akademischen Reitkunst Reiter,  die ihre Pferde unter Tempo reiten und denken es sei Versammlung.  Schwarze Schafe gibt es überall und Lehren werden und wurden auch immer unterschiedlich ausgelegt.

Es ist wie immer eine Gratwanderung zwischen wann ist die Spannung noch positiv und wann wird sie negativ und wirkt sich kontraproduktiv aus! Die Gratwanderung zwischen Rumpfspannung(=Stabilität) und Beweglichkeit ist für den Reiter genauso schwer wie für das Pferd! Deshalb sollte man bei sich selbst beginnen! In diesem Sinn arbeiten wir härter an uns selbst als an unseren Pferden!)

Abgesehen von der Rumpfspannung die das Pferd braucht, um den Reiter ohne gesundheitliche Schäden zu tragen wird die Spannung in der Muskulatur natürlich gesteigert (Gehen Sie mal in die Knie und bewegen Sie sich nun in der Hocke bleibend vorwärts, natürlich werden Sie in der Oberschenkelmuskulatur mehr Spannung spüren, als wenn Sie nicht die „Hanken“ beugen).

Deshalb muss aber noch lange keine Spannung im Maul des Pferdes spürbar bzw. von außen sichtbar sein und ich denke darauf läuft es manchmal hinaus, dass viele Leute solche Reitbilder mit „positiver Spannung „beschönigen“, die die Pferde brauchen, um überhaupt in die Versammlung zu kommen.

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird – warum wird in der Akademischen Reitkunst kein Mitteltrab, oder starker Trab geritten? Für die alten Meister ging es ja in erster Linie darum, die Tragkraft zu besitzen, um das Pferd wendig, gesetzt in den Hanken usw. zu bekommen. Den starken Trab nannte man früher auch fliegende Passage. Wie siehst du es aus physiotherapeutischer Sicht – schadet der starke Trab? Und wenn ja, warum?

Laura: Ich dennke nicht, dass er schadet, wenn ein Pferd in freier Natur passagartigen Trab zeigt, besonders dann wenn der Hengst die Stute beeindrucken will.

Die Frage ist eher, was wird heute unter starkem Trab verstanden und wie sieht er in natura aus. Hier gibt es haushohe Unterschiede! Wenn ich behaupte es schadet nicht, dann beziehe ich mich lediglich auf die natürliche Bewegung, wobei das Pferd über den Rücken geht.

Wenn ich meinem Pferd folglich verstärkt Tragkraft beibringen will, macht es natürlich Sinn Lektionen wie diese wegzulassen oder den Fokus auf Übungen zu legen, die die Tragkraft fördern. Denn auf Dauer führen Verstärkungen (so wie die meisten Reiter heute Zulegen reiten) zu einem weggedrückten Rücken. Das heißt in meinen Augen ist es schwer eine korrekte Verstärkung zu reiten ohne dabei den Rücken zu verlieren.

Vor kurzer Zeit habe ich einen Artikel über die Anlehnung verfasst. Ein  Beschreibung, mit der ich mich so gar nicht zufrieden geben mag ist: In die Hand ziehen. Was passiert denn deiner Meinung nach biomechanisch, wenn Pferde in die Hand ziehen?

Laura: Zusammengefasst lässt sich sagen, die kurzen Nackenmuskeln sind verspannt, das Kiefer verspannt sich, der Unterhals wird fest und somit wird auch der Rücken fest.

Physiotherapie beim Menschen soll oft helfen Beweglichkeit (nach einem Unfall, Operation etc.) wiederzuerlangen.  Eigentlich wollen wir die Beweglichkeit des Pferdes ebenso verbessern, wenn es darum geht den Reiter zu tragen – ist Anlehnung dann nicht ein falscher Begriff, wenn man Anlehnung als „Stütze“ betrachtet?

Laura: Ja, weil man Anlehnung meist mit etwas Starrem in Verbindung bringt. An etwas anlehnen, also eine Stütze suchen. Die Anlehnung ist aber erstens relativ (sie steht also immer in Relation zur Hinterhand) und sie ist niemals starr, denn man fühlt entweder bei zu viel Schub ein Maul, das bei jedem Schritt gegen die Hand zieht oder bei ausgeprägter Tragkraft ein Maul, das sich in die Hand bewegt.

Bleiben wir beim Thema Spannung – immer wieder höre oder lese ich, dass wir Reiter zum Aussitzen hauptsächlich unsere Bauchmuskeln benötigen. Richtig oder falsch?

Laura: Die Bauchmuskulatur kippt unser Becken nach hinten. So wie die meisten Reiter aussitzen wird das Becken nur nach vorne und hinten bewegt (Stichwort: das schiebende Becken). Allerdings stimmt diese Bewegung nicht mit dem physiologischen Rückenschwung des Pferdes überein, denn dieser ist dreidimensional. Folglich muss sich das Reiterbecken auch dreidimensional bewegen. Man kann dabei eher an eine liegende Acht denken und somit ist es nicht korrekt, dass nur die Bauchmuskulatur an der Aussitzbewegung beteiligt ist.

Es heißt jalaura immer, das Pferd spiegelt seinen Reiter. Wenn der Reiter sehr angespannt am Pferd sitzt, muss sich das ja auch übertragen. Kannst du hier vielleicht „vorher nachher“ aus deiner täglichen Praxis schildern? Was veränderte sich im Pferd, wenn der Reiter loslassen konnte?

Laura: Frei nach dem Motto „Das Problem sitzt im Sattel“ wird die Anspannung mehr und mehr verschwinden wenn auch der Reiter zum Loslassen kommt. Allerdings reicht es nicht immer nur entspannt oben zu sitzen und sich bewegen zu lassen (sonst wäre Reiten ja ziemlich leicht).

Pferde mit körperlichen Problemen sind oft auf die Hilfengebung des Reiters angewiesen um überhaupt wieder oder erstmals zu lernen, wie man sich frei und losgelassen mit einem Reiter bewegt.

Wie fühlt sich aber ein angespannter Reiter für das Pferd an?

Probieren sie es selbst aus, begeben sie sich in den Vierfüßler und lassen sie jemanden mit viel Knieschluss auf Ihrem Rücken Platz nehmen.

Wie fühlt es sich an zu atmen?
Möchten sie sich so gerne bewegen?
Wundern sie sich jetzt noch warum viele Pferde ungern vorwärts gehen?

Mit einer reitenden Wäscheklammer am Rücken würde mir persönlich auch der Spass vergehen. Überall wo zu viel Spannung ist, nimmt die Beweglichkeit ab, das heißt wenn der Reiter zu angespannt sitzt, kann er den Bewegungen des Pferderückens nicht mehr geschmeidig folgen, geschweige denn sie beeinflussen. Der Reiter fühlt sich dann für das Pferd an wie ein schwerer Rucksack auf unserem Rücken, der sich entgegengesetzt zu uns oder langsamer als wir bewegt, wenn wir dem Bus hinterherrennen.

Ich kann ein Beispiel bringen von einer Kundschaft mit ihrem Spanier, sie wurde von ihrer damaligen Reitlehrerin immer dazu angehalten: „Bleib mit dem Kreuz dran“, woraus sich ein kompletter Schiebesitz entwickelte. Das Ganze ging soweit, dass man im Pferderücken schon Einbuchtungen sehen konnte. Jetzt ca 1,5 Jahre nach Änderung der Sitz- und Reitweise, sind die Löcher fast verschwunden.

Ein anderes Beispiel: Eine Kundschaft von mir hatte Probleme, das Pferd zu lösen. Soll heißen, der Kopf war in der Luft. Das Pferd war auch durch den nicht optimalen Sitz der Reiterin total verspannt im Rücken, hatte viel zu ausgeprägte Schubmuskulatur und keine Tragemuskulatur. Das Pferd wurde behandelt und am Boden gearbeitet, allerdings ging es der Besitzerin nicht schnell genug, weshalb sie auf englischen Unterricht umgestiegen ist. Sie sitzt jetzt mit schiebendem Sitz am Pferd, das Pferd wird übermäßig vorwärts geritten und vorne in Anlehung gehalten mit ihrer Muskelkraft weshalb sie auch nach jeder Reitstunde Muskelkater hat und jetzt ins Fitnessstudio geht um kräftiger zu werden, damit sie dem Pferd besser gegenhalten kann. Ich wurde vor einer Woche zur Sattelanalyse mittels Impression Pad gerufen und konnte sehen wie das Pferd gearbeitet wird. Das Pferd klemmt jetzt während der gesamten Trabeinheit den Schweif ein, die Unterhalsmuskulatur ist angespannt wegen der übermässigen Handeinwirkung.
Loslassen ist nicht so einfach wie man denkt. Loslassen ist eines der schwierigsten Dinge in der Reiterei (oder im Leben überhaupt?)

Die Sache mit dem Fitnessstudio kann ich bestätigen. So ging es mir früher auch einmal 🙂 An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Laura Haitzmann für das spannende Interview. Teil 1 unseres Interviews könnt ihr hier nachlesen.

Mehr über Laura gibts auf ihrer Homepage und auf Facebook.

Daher: Lassen wir los, den Losgelassenheit kann uns ein vielfalches an „Spannung“ bringen, wenn wir Einfach Reiten 🙂

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PS: Newsletterabonennten haben eine neue Version des Trainingstagebuchs erhalten. Wer noch keines hat – im Downloadbereich bei der Anmeldung gibt es den Link. Im neuen Trainingstagebuch ist es jetzt möglich, Änderungen direkt im PDF zu speichern – wenn man nicht will, muss man es also nicht mehr ausdrucken. Vielen Dank fürs Feedback!

Das seitliche Intensiv-Workout

Das seitliche Intensiv-Workout

Letzte Woche haben wir zur Gymnastizierung des Pferdes die Bahnfiguren auf einfachem Hufschlag besprochen. Heute bauen wir in diese Bahnfiguren die Seitengänge ein.

Warum wir Schulterherein bzw. Versal reiten?

  • Durch das Schulterherein werden die Hanken mehr gebogen und eine verbesserte Tragkraft der Hinterbeine erzielt.
  • Schulterherein unterstützt Geraderichtung und hilft Schiefheit auszugleichen.
  • Schulterherein im Schritt und Trab hilft ein gerades Angaloppieren zu erarbeiten.
  • Schulterherein kann Unregelmäßigkeiten des Tempos im Trab verbessern.
  • Das Herandehnen und die Anlehnung an den äußeren Zügel werden durch Schulterherein verbessert.
  • Das Schulterherein führt zu einem lockeren Genick und entspanntem Kiefergelenk
  • Verspannungen werden gelöst, Dehnungshaltung im Schritt wird verbessert.
  • Schulterherein bzw. Schultervorstellung verbessert auch die Piaffe.
  • Schulterherein verbessert die Grundgangarten, auf 4 Hufschlägen ausgeführt kann es auch Pferden, die im Schritt zum Pass neigen helfen wieder in den Schritt zu finden.

Warum wir Kruppeherein bzw. Travers reiten…

  • Auch durch das Kruppeherein kommt es zu einer vermehrten Hankenbiegung, womit eine verbesserte Tragkraft der Hinterbeine – vor allem des äußeren Hinterbeins erarbeitet wird.
  • Kruppeherein mit einem korrekten Schulterherein als Basis unterstützt Geraderichtung und hilft Schiefheit auszugleichen.
  • Kruppeherein im Schritt und Trab hilft ein gerades Angaloppieren zu erarbeiten.
  • Kruppeherein aktiviert das äußere Hinterbein zum Tragen und macht die innere Schulter leichter.
  • Kruppeherein ist eine gute Vorbereitung für Pirouetten, Traversalen und Galoppwechsel.
  • Kruppeherein am Zirkel geritten verbessert die Versammlungsfähigkeit.
  • Das abwechselnde Reiten von Schulterherein und Kruppeherein verbessert die Durchlässigkeit und Losgelassenheit

Und der Renvers?

  • Renvers und Kruppeherein mit einer korrekten Schulterherein als Basis unterstützt Geraderichtung und hilft Schiefheit auszugleichen.
  • Nur ein geschmeidiges Pferd kann die Vorhand auf dem Zirkel im Renvers tragen.
  • Renvers unterstützt eine klare Hilfengebung im Außengalopp.
  • Renvers ist eine gute Vorbereitung für Galoppwechsel
  • Das abwechselnde Reiten von Schulterherein, Kruppeherein und Renvers verbessert die Geraderichtung, Durchlässigkeit und Losgelassenheit.

Kombipaket Schulterherein, Kruppeherein Volten und Touren..

seitengaenge_volten_sh_khMit dem Schulterherein ist es eine Krux. Einerseits wird es Aspirin der Reitkunst genannt, andererseits, ist das Erlernen des korrekten Schulterhereins wohl eine der schwierigsten Hürden, die vor allem beim Erlernen der Reitkunst immer wieder (manchmal wie aus dem Nichts heraus) auf uns zukommt!

Die große Tour eignet sich zur Schulung des Schulterherein hervorragend. Der Außenzügel führt die Schulter nach innen, während der innere Schenkel das innere Hinterbein aktiviert und gleichzeitig die Bewegungsrichtung auf dem Zirkel beibehält.
Beim Kruppeherein auf dem Zirkel aktiviert der äußere Schenkel das äußere Hinterbein vermehrt zum Schwerpunkt zu fußen. Der Außenzügel muss dafür sorgen, dass das Pferd nicht auf die äußere Schulter fällt.
Auf dem Zirkel lassen sich die beiden Seitengänge immer wieder abwechselnd in allen Gangarten üben.

An der langen Seite lassen sich die Seitengänge lässig kombinieren. Beispielsweise beginnt man auf der rechten Hand aus der Ecke heraus mit dem Schulterherein. An der Mitte der langen Seite folgt eine kleine Volte, daraus ein Übergang ins Kruppeherein. Vor der Ecke wird mit Hilfe von Außenzügel und Innenschenkel gerade gerichtet, damit die Vorhand, die den weiteren Weg durch die Ecke hat, ohne auf das innere Vorderbein zu fallen, gut durch die enge Wendung geführt werden kann.

seitengaenge_mitte_smAus der Mitte: Auch auf der Mittellinie können die Seitengänge geübt werden. Für die Einhaltung der geraden Linie ein kleiner Tipp: Gedanklich den Nabel in Bewegungsrichtung nach vorne schicken – falls ein Spiegel vorhanden kann man diesen Gedanken auch – auf sein Spiegelbild zureitend überprüfen. Wer hier schon ein bisschen Übung hat kann die Seitengänge auch abwechselnd auf der Mittellinie üben.

Aus der Mitte kann auch ein Halber Travers eingeleitet werden. Zunächst wird das Pferd auf die Mittellinie geführt, beispielsweise mit einer links Biegung und Stellung. Erster Schritt: Auf der Mittellinie nach vorne in Links Biegung und Stellung, danach ein paar Tritte Schulterherein nach Links und daraus Übergang in einen halben Travers in Richtung Bande.

Beim Ankommen an die Bande kann man Stellung und Biegung entweder nach rechts wechseln, oder aber man reitet im Renvers weiter. Die Vorhand kommt im Gegensatz zur Hinterhand somit nicht am ersten Hufschlag an der Bande an.
Eine weitere, sehr gute Übung sind Übergänge zwischen Schulterherein und Renvers. Diese Übergänge können entweder auf der langen Seite, auf der Mittellinie, am 2. Oder 3. Hufschlag, sowie auf dem Zirkel geritten werden!

Übungen mit Traversalen

seitengaenge_traversaleseitengaenge_diagonale_traversaleEine meiner Lieblingsübungen ist die Abwechslung zwischen Traversale und Schulterherein. Stellen wir uns vor, wir wären auf der linken Hand. Linke Stellung und Biegung sind sicher, nach dem Durchreiten der zweiten Ecke auf der kurzen Seite beginne ich auf der langen Seite mit ein paar Tritten Schulterherein, gefolgt von ein paar Tritten Traversale auf der Diagonalen. Hier reichen wirklich ein paar wenige Tritte aus – danach wieder Übergang ins Schulterherein (man ist dann beispielsweise am 4. oder 5. Hufschlag angekommen) nach vorne. Es folgt erneut ein Übergang zur Traversale usw.
Die Übung kann mit einer  ganzen Pirouette kurz vor Erreichen der gegenüberliegenden Bahnseite fortgesetzt werden. Zwei weitere Möglichkeiten wären das Durchreiten der gegenüberliegenden Ecke in Renversstellung nach rechts oder mit Biegung und Stellung wie in der „Ausgangslage“ nach links.

Übungen mit Schlangenlinien

seitengaenge_schlangenlinienEine knifflige Übung sind Schlangenlinien im Schulterherein bzw. Kruppeherein (in der Grafik im Kruppeherein dargestellt). Dabei wird beim Überschreiten der Mittellinie auch Biegung und Stellung, gewechselt. Ein Beispiel: Ich beginne im Kruppeherein auf der linken Hand mit der Schlangenlinie. Beim Überschreiten der Mittellinie stelle ich nach rechts um, sichere mir neue Biegung und Stellung und hole dann das neue äußere Hinterbein in Richtung Schwerpunkt. Durch das Reiten von Wendungen im Kruppeherein können somit auch die Pirouetten geübt werden (in der Grafik der kleine Kreis beim Überschreiten der Mittellinie).

Übungen mit Pirouetten

Pirouetten lassen sich entweder aus der Traversale auf der Diagonale einleiten, oder aber aus geraden und gebogenen Linien. Auch beim Zirkel verkleinern im Kruppeherein kann man den Durchmesser des Zirkels so lange verkleinern bis man bei einer ersten Pirouette angelangt ist. Wichtig ist allerdings den Fokus auf die Schulterkontrolle des Pferdes nicht zu verlieren – Leichtigkeit aus der Vorderhand heraus ist ebenso ein wichtiges Ziel und Nutzen beim Üben der Seitengänge.

Der Kreativität sind auch hier kaum Grenzen gesetzt.

Reiten wir Seitengänge auf gebogenen Linien – dann Reiten wir Einfach 🙂

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Zur Traumfigur in 30 Minuten

Zur Traumfigur in 30 Minuten

Warum reiten wir Dressur – diese Frage habe ich  vor wenigen Wochen gestellt. Das Fazit in einem Satz: Wir reiten Dressur, weil unser Pferd – dem wir viele schöne Stunden verdanken – es verdient behutsam und verantwortungsvoll gymnastiziert zu werden. Schließlich wollen wir auch in Zukunft viele schöne Stunden mit unserem vierbeinigen Freund verbringen. Das Warum ist also geklärt – fehlt noch das Wie.

Geraderichtung, Losgelassenheit, Entspannung, Balance, Versammlung, Durchlässigkeit, Tempo, Takt und Schwung sind nur einige Ziele, die wir erreichen möchten. Der Fitness—„Brownie“ für Pferde: Seitengänge Schulterherein, Kruppeherein oder Travers, bzw. Renvers.

Auf dem Weg zum Schulpferd sind auch die Wendungen und Touren der so genannten Campagneschule nicht zu vernachlässigen. Alois Podhajsky meint dazu:

„Diese fördert die Gehlust des Pferdes, bildet dessen natürliche Anlagen in Haltung und Gang aus, kräftigt das Pferd in allen seinen Glieder und macht es biegsam und geschmeidig in den Bändern, Sehnen und Gelenken. Dadurch wird die Geschicklichkeit und Ausdauer des Pferdes erhöht, sein Intellekt und Begriffsvermögen geweckt und zugleich dem Reiter der Maßstab für die Arbeit wie für den methodischen Vorgang in der Dressur gegeben“.

Damit Pferd und Reiter sich der Kunst nähern können und eine gute Figur machen, sind die guten alten Bahnfiguren ein hilfreiches Mittel. Aber welche gibt es und wie lassen sich diese gut kombinieren?

Aus der Mitte

bahnfiguren_mitte…ist eine einfache Wendung, die von der Mitte der kurzen Bahnseite aus eingeleitet wird. Man kann die gesamte Mitte entweder gerade-gerade gestellt durchreiten, in Links-Stellung und Biegung, oder eben nach rechts gestellt und gebogen. Auf der Mittellinie lassen sich gerne zwei bzw. vier Volten einbauen. Mögliche Übungen sind: Tempounterschiede, Handwechsel oder ganze Paraden können eingebaut werden. Die Mittellinie zeigt uns auf, wie gut es um die Geraderichtung steht, wie sehr das Pferd zwischen den Hilfen geführt werden kann, ohne mit Vorder- oder Hinterhand auszufallen. Ein Prüfstein für vorangegangenes Arbeiten also!

 

Diagonale wechseln

bahnfiguren_diagonale….Je nach Größe des Vierecks kann durch die gesamte Länge, durch die halbe oder durch die Viertel- Bahn gewechselt werden. In der Spanischen Hofreitschule gab es die Vorgabe sechs Schritte von der Ecke entfernt die Reitbahn diagonal zu durchreiten und genau sechs Schritte vor der nächsten Ecke anzukommen. Viel Spaß beim Schritte zählen. 😉 Der Teufel schlummert wie das Sprichwort schon sagt im Detail: Exaktheit kann hier förderlich sein, allerdings auch ein Nachteil. Bei jeder Übung gilt: Zuerst die Form (also Stellung, Biegung, Durchlässigkeit und Losgelassenheit des Pferdes erarbeiten, dann erst an der Exaktheit der Bahnfiguren feilen. Wenn dieses Ziel erreicht ist, kann die korrekte Ausführung der Bahnfiguren wieder Rückschlüsse auf die Qualität der vorangegangenen Arbeit bieten.

 

Große Tour, Zirkel

bahnfiguren_zirkel…die Größe der Tour, Zirkel oder später der Volte gibt das Maß der Biegung des Pferdes vor. Der innere Zügel überwacht dabei die Stellung, der Sitz gibt das Maß der Biegung vor, der äußere Zügel begrenzt die Stellung. Während der innere Schenkel für den Vorschwung des inneren Hinterbeins sorgt, begrenzt der äußere Schenkel, der verwahrend hinter der Gurte liegt, das äußere Hinterbein und verhindert somit ein Ausfallen mit der Kruppe. Der innere Schenkel und der äußere Zügel sind die vorherrschenden Hilfen in der Wendung – niemals darf das Pferd über den Innenzügel in die Wendung gebracht werden. Wichtig bei der Arbeit auf der Tour: Abwechslung. Schulterherein und Kruppeherein können ebenso auf dem Zirkel gearbeitet werden, der Zirkel kann für die Erarbeitung von Übergängen eingeteilt werden und nicht vergessen: Häufige Handwechsel fördern eine gleichmäßige Ausbildung auf beiden Seiten.

 

Volte

…Die kleinere Variante des Zirkels. Volten können praktisch überall eingebaut werden. Eine meiner Lieblingsübungen: Große Tour beispielsweise auf der linken Hand mit einer kleinen Volte bei X nach rechts und anschließenden Wechsel wieder auf die linke Hand. Aber auch an der langen Bahnseite, kombiniert mit Seitengängen (Schulterherein nach der Ecke, daraus in die Volte und daraus wieder Schulterherein oder Kruppeherein) dienen der Gymnastizierung, Tempo, Takt und Schwung und verbessern die Anlehnung.

 

Umkehrt-Wechseln oder „Aus der Ecke kehrt“

bahnfiguren_kehrt…auf eine halbe Volte folgt eine Diagonale zur langen Bahnseite. Erst wenn das Pferd an der langen Seite angekommen ist, wird die neue Stellung und Biegung verlangt (im Bild rechts).

 

In die Ecke-Umekehrt-Wechseln

…beschreibt genau das Gegenteil von „aus der Ecke kehrt“ – das heißt zuerst wird die Bande in Richtung Mittel-Linie verlassen, vor der Ecke werden neue Stellung und Biegung korrigiert und eine halbe Volte durch die Ecke geritten (im Bild links).

 

Schlangenlinien

bahnfiguren_schlangenlinienSchlangentouren können entweder in drei oder mehreren Bögen geritten werden. Dabei beginnt man an der Mitte der kurzen Wand – auf der Mittellinie folgen dann drei gleich große Halbkreise mit je einem Handwechsel. Reitet man die Schlangentouren in fünf Bögen werden die Radien der Kreise kleiner, der Reiter reitet wieder bis fast an den Hufschlag heran. Wenn der Reiter beim Überschreiten der Mittellinie nicht zur neuen Stellung und Biegung wechselt, können die Schlangentouren auch in Renversstellung geritten werden.

 

Der Kreativität sind, was Tempowechsel, Handwechsel, den Einbau von halben oder ganzen Paraden anbelangt keine Grenzen gesetzt. Eine einmal ausgearbeitete Choreographie kann durch Wiederholungen zum Prüfstein und Vergleichswert herangezogen werden.

 

Von der schlechten zur guten Figur!

Bei den Bahnfiguren geht es nicht darum, sture Kringel zu reiten oder ein Programm abzuspulen. Auch hier gilt: Reiten wir mit Köpfchen, dann reiten wir Einfach! Ein Beispiel aus meiner täglichen Praxis: Meine Fuchsstute Tarabaya hat es durch ihr breitbeiniges Gangmuster (Hinterbeine zeigen in Richtung Schwerpunkt, scheren dann aber gerne mit großem Hüftschwung wieder nach außen, am Vorderbein vorbei) oft nicht leicht. Auf einer Tour gelingt es uns gut, beide Hinterbeine unter den Schwerpunkt zu bringen. Schließe ich eine Volte mit Handwechsel an die Tour, muss ich im Schritt damit rechnen, dass ich zwar das innere Hinterbein zum Schwerpunkt bekomme, das äußere aber sehr gerne nach außen – und damit sehr vom Schwerpunkt wegtritt. Die Lösung: Ich verlange nicht überfallsartig prompte Volten, hier ist es hilfreich und quasi unser „täglich Brot“ den Zirkel von den äußeren Hilfen zu verkleinern. Eine tägliche Überprüfung im Verkleinern verrät mir auch, ob wir einen guten Tag haben, die Breitbeinigkeit also weniger Probleme macht oder in diesem Moment wieder stärker wurde. Diese Überprüfung bestimmt mein weiteres Trainingsprogramm.

Reiten wir also die guten alten Bahnfiguren, dann Reiten wir Einfach 🙂

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