Ritterschaft – Was ist das?

Ritterschaft – Was ist das?

Ritterschaft der Akademischen Reitkunst, oder Knighthood – als ich das erste Mal davon hörte dachte ich: Bitte nicht schon wieder so eine Kostümreitgruppe. Die Ideale und Zwecke der Ritterschaft machen aber klar – hier geht’s um viel mehr!

2007 kam ich das erste Mal mit der Akademischen Reitkunst in Verbindung. Eine Freundin von mir brachte die Akademische Reitkunst aus Salzburg zu uns nach Graz. Ich erzählte ihr von den gesundheitlichen Problemen meiner Stute Barilla, die gerade ein Jahr Pause auf der  Koppel verbrachte. Eva schwärmte von der Akademischen Reitkunst und lud mich ein, es einmal auszuprobieren. Gerade für Barillas Probleme mit den Gelenken sei diese Arbeit ideal. Ich habe es ihr nicht geglaubt und freundlich genickt.

Ich bin sehr froh, dass Eva mich damals doch überzeugen konnte, sie und ihren Anton beim Training zu besuchen. Zehn Minuten entspanntes Reiten zu sehen, ohne Zug und Zwang am Zügel und die Sache hatte mich überzeugt.

Je tiefer ich  in die Akademische Reitkunst eintauchte, je besser verstand ich, warum ich was reite, umso eher verstand ich auch die Ideale und Ziele der Ritterschaft. 

„In 1997 Bent Branderup founded the Knighthood of the Academic Art of Riding. The members of this new Knighthood are meant to spread the old knowledge and to always keep on investigating for new knowledge. The new knighthood wants to protect the European cultural inheritance combined with the modern esthetic values for the interaction between horse and rider. The old Knighthood’s level of skill of acceptance was equal to the level of piaffe, passage, pirouette plus an air above the ground. It was necessary to lower the level of skill of acceptance, so that the Knighthood could again accept Members. That is why the level is now equal to that of a working rider, creating a basis for the Art of Riding.“ Zitiert aus: www.knighthoodoftheacademicartofriding.eu/knighthood/

Warum Ritterschaft?

Ritter kommt von Reiter. Der Reiter wird zum Pädagogen und Ausbilder für sein Pferd. Unter Ritterschaft oder Knighthood versteht man also eine „Reiterzunft“ oder eine „Gilde“ an Professionisten, die ihr Handwerk verstehen. Im nachfolgenden Video erzählt Bent Branderup mehr darüber:

 

Die Reitkunst wird durch die Ritterschaft wiederbelebt, gemeinsam studieren die internationalen Mitglieder die Werke von Xenophon, Pluvinel, Newcastle, Gueriniere, Steinbrecht, Weyrother und Holleuffer. Das alte Wissen der Reitkunst trifft dabei auf neue Erkenntnis, die in der täglichen Arbeit mit dem Pferd gesammelt wird. Bei der Sommerakademie der Ritterschaft gibt es jährlich ein spezielles Thema. So wurde im letzten Jahr über den Schulschritt diskutiert.

Wir Reiter wissen – kein Pferd gleicht dem Anderen (und jeder Reiter hat grundsätzlich das komplexeste Problem unterm Hintern. Vielleicht würdens die Pferde aber genau umgekehrt sehen? ;-)). Jetzt aber wieder ganz im Ernst: Gerade diese Unterschiedlichkeit macht einen lebendigen und vor allem sehr praktischen Austausch möglich.

Wie sagt Bent im Video: Es geht darum, Zeit mit seinem Pferd schön zu verbringen. Als Pferdebesitzer haben wir die Pflicht unser Pferd körperlich und geistig fit zu halten. Das steht auch in den Idealen der Ritterschaft so festgeschrieben. Vor allem der Leitsatz: Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur wird hier gerne herausgestrichen.

Warum wir dabei sein wollen?

Vier Mitglieder der Ritterschaft kommen derzeit aus Graz. Und was gefällt uns an der Ritterschaft?

„Mir gefällt vor allem der große internationale Austausch. Es gibt Mitglieder der Ritterschaft, die sich auf

Pina und Anna

Pina und Anna

gebissloses Reiten spezialisiert haben, andere sind Experten was den Sitz anbelangt. Es gibt Reiter, die sind beruflich als Physiotherapeuten für Mensch und Pferd, Veterinäre, Osteopathen, Huforthopäden, Pädagogen, Psychologen – oder wie ich im Bereich Kommunikation tätig. Und Andere wiederum kombinieren die Reitkunst mit Horsemanship. Unterschiedliches Wissen – eine große Bereicherung und alle teilen ein Ziel: Das Pferd vom Sitz aus zu reiten, es in der Hand leicht und in den Hanken gesetzt zu bekommen. Ein Pferd, das vertrauensvoll, die fühlende Hand seines Reiters sucht. Die Prüfungen sind Meilensteine. Hier habe ich vor allem mit Tabby das wichtigste gelernt: Reite den Inhalt und nicht die Lektion!“ Anna

Verena und Lusitano Sagitario:

„Als ich mit Sagi die Ritterprüfung erfolgreich ablegen konnte, und damit endlich in den Kreis der Ritterschaft aufgenommen wurde, war das eines meiner schönsten Erfolgserlebnisse meines Lebens. Ich hatte das Gefühl, dass wir-Sagi und ich-uns gemeinsam etwas erarbeitet haben, was es wert ist, in eine Gemeinschaft wie der Ritterschaft aufgenommen zu werden.

Das ist jetzt schon einige Jahre her, und die Akademische Reitkunst und die Ritterschaft entwickeln sich ständig

Sagitario und Verena in der Galopp-Pirouette

Sagitario und Verena in der Galopp-Pirouette

weiter. Was mir an der Mitgliedschaft in der Ritterschaft besonders gut gefällt, ist das man jede Menge gleichgesinnter Leute kennenlernt. Man hat einmal im Jahr die Möglichkeit zur Sommerakademie nach Dänemark zu fahren, den Meister persönlich bei der Arbeit zu beobachten und jede Menge dazuzulernen und Wissensaustausch zu betreiben.

Ich bin bei der Ritterschaft, weil ich dazugehören will, weil ich dazulernen will, und das Dazugelernte mit einer erfolgreich abgelegten Prüfung unter Beweis stellen will. “ Verena

Sie brachte den Stein ins Rollen – oder eigentlich ihr Anton, der die Akademische Reitkunst für sich entdeckte:

„Die Ritterschaft ist wie ein Motor für ständige Weiterentwicklung. Ich glaube voll und ganz an das Konzept der

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Eva und Anton bei der Handarbeit im Galopp

Akademischen Reitkunst. Was mir hier besonders gefällt ist die ständige Weiterentwicklung, die auf dem Hintergedanken basiert, alles zu hinterfragen. Es ist also kein statisches Konzept, wo man nicht Pauschaltourist, sondern ständiger Entdecker ist – und da ich mich persönlich auch ständig verbessern und weiter entwickeln möchte, bin ich hier sehr gerne ein Teil dieses Ganzen!“ Eva.

Und Silke hat mich schließlich für meine erste Prüfung vorgeschlagen:
„Ich möchte dazu beitragen die Kultur der Reitkunst ein kleines Stückchen weit zu bewahren. Als Österreicherin hat man da mit der Wiener Hofreitschule einen gewissen Nationalstolz. Ich war lange Jahre ein Fan dieses Instituts und auch viele Unstimmigkeiten konnten mich zunächst nicht gleich davon abbringen. Nun erscheint mir der Erhalt der Geschichte und Kultur aber eher in den Hintergrund gedrängt. Ich als Reiterin, die ein klares Bild von einem Ideal hat, das zu erreichen mir als größtes und schönstes Ziel erscheint, habe daher meinen eigenen Weg gefunden die reiterliche Kulturgeschichte zu

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Lurko und Silke in der Traversale

erhalten, zu tüfteln und mich mit Menschen auszutauschen, die eben genau dieses Ziel verfolgen. Die Ritterschaft ist hierbei ausgesprochen wertvoll. Menschen, die ebenfalls nach harmonischer Verschmelzung streben, die auf unterschiedlichste Art und Weise ihre Erfahrungen und Eindrücke einbringen und weitergeben. Sei es bei unserem jährlichen Treffen, der Sommerakademie, über das Internet, oder über Kurse. Wenn aus Reitkunst Reitsport wird, gibt es oft auch unschöne Bilder. Da tut es gut sich in einer Gruppe aufgefangen zu fühlen, die sich genau dem verschrieben hat, was die Aufgabe der Dressur ist. Das Pferd von seiner Nähe zum Menschen auch profitieren zu lassen, zu erhalten, was schon erarbeitet wurde und eigene Gedanken hinzuzufügen.“

Durch den internationalen Austausch ist es uns gelungen, im heurigen Jahr auch spannende Kurse und Referenten mit unterschiedlichem Fokus nach Graz zu holen. Fortsetzung für 2015 bereits in Planung!

Ich bin froh, dass Eva diese Art zu Reiten aus Salzburg nach Graz importierte!

Wer mehr über die Ritterschaft wissen möchte, erfährt hier mehr.

Bleiben wir im Austausch, dann reiten wir Einfach 🙂

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Warum die Schulparade keine Zirkuslektion ist!

Warum die Schulparade keine Zirkuslektion ist!

Seit der Wiederentdeckung der „Schulparade“ durch Bent Branderup und die Ritterschaft der Akademischen Reitkunst erfährt die Schulparade einen wahren Hype. Jedoch gerade hier gilt umso mehr: Arbeite am Inhalt und nicht an der Lektion.

Setzen Sie sich, nehmen Sie Platz!

Ein Großteil von Gustav Steinbrechts Gymnasium des Pferdes ist der Biegearbeit gewidmet. Warum? Weil das Beugen der Hanken unweigerlich zu einer Stärkung der Hinterhand, sowie der Tragkraft des Pferdes führt. Schauen wir uns das rechte Bild von Silke Linhart und ihrem Lurko in der Schulparade an, dann weiß man, woher der Ausdruck des „Setzens“ kommt, wenn man von Versammlung spricht.

Das Pferd beugt sich in der Lende, in der Hüfte, im Knie und Sprunggelenk bis hin zu den Fesselgelenken. Was dann passiert: Der Brustkorb wird gehoben, in weiterer Folge dann auch die Vorhand.

Was die Schulparade daher sicherlich nicht ist – ein Kunststückchen zum Heben eines Vorderbeins. 

Ziel ist es, dem Pferd die Hilfen im Stehen beizubringen und so nach und nach durch stetige Verbesserung mehr und mehr Biegsamkeit in den Hanken zu bekommen.

Wie man seinem Pferd den Stuhl zurecht rückt…

Wer die Schulparade üben möchte, sollte daher die Formgebung im Stehen „aus dem FF“ beherrschen. Stellung und Biegung, sowie das Vorholen der inneren Hüfte sind absolute Voraussetzung.

Der nächste Schritt ist  dann das Suchen der Reiterhand im Vorwärts abwärts bis hin zu einem Schulterherein-dehnen-lassen im Stehen. Der Schwerpunkt kann dann im nächsten Schritt aus dem Schulterherein in eine Kruppeherein – Parade nach hinten verschoben werden. Erst wenn sich das Pferd zwischen den Schultern, dabei auch in Balance führen lässt, ist der Zeitpunkt gekommen bei der  Parade in Richtung der Hinterbeine zu denken.

P – wie Paraden…

„Jede Parade soll in der Bewegungsrichtung und ohne Aufgabe des Gleichgewichts erfolgen, dann wird das Pferd im Halten sein Gewicht und das des Reiters auf allen vier Beinen tragen, weil die Hinterhand genügend untergetreten sein wird…..Richtig ausgeführte Paraden fördern ganz wesentlich die Hankenbiegung des Pferdes und können als Prüfstein für den erreichten Grad an Gleichgewicht, Durchlässigkeit und Geschmeidigkeit dienen. Die halben Paraden auch halbe Arrêts genannt dienen zum Verkürzen der Gänge, Verbessern der Anlehnung und Versammlung, sowie schließlich als Vorbereitung für alle Übungen des Pferdes, die vermehrte Geschicklichkeit erfordern“. (Alois Podhaisky)

Ganze Paraden: Parade ist bei unterschiedlicher Interpretation nicht gleich Parade. Eine ganze Parade soll das Pferd anhalten bzw. auf die Hanken bringen. Die Campagne-Parade geht von einer Änderung des Tempos aus, eine Schulparade führt zu vermehrter Hankenbeugung. Durch eine Ganze Parade kann außerdem Bewegung auf der Stelle eingeleitet werden. Das wäre dann bei einem Übergang zur Piaffe der Fall.

Halbe Parade: Die halbe Parade wird  in der Bewegung, aber auch im Stehen angewendet. Ziel ist es, die Hinterbeine vermehrt zum Schwerpunkt zu bekommen und die Hanken vermehrt zu biegen. Bei Pferden, die sich gerne auf den Zügel legen sind halbe Paraden ebenso eine Empfehlung, beispielsweise von Oberst Podhajsky:

„Halbe Paraden werden das Pferd auch zur größeren Selbsthaltung erziehen und daher eine leichtere Anlehnung zur Folge haben. Daher werden die halben Paraden vor allem bei Pferden empfohlen, die sich auf den Zügel legen“.

Ganz oder gar nicht?

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Verena Harum und Sagitario in der Schulparade links gestellt

Bei der Dreiviertelparade wird das Pferd langsamer, der Takt soll aber erhalten bleiben.

Bei der Viertelparade wird für den Reiter einiges vorausgesetzt, denn nur der fühlende Reiter kann entdecken, wo es in der Formgebung hakt. Die Viertelparade führt also dazu, dass kein Wirbel in der Biegearbeit „aus der Reihe tanzt“ und folgende Parade über die Wirbelreihen bis zur Hinterhand durchgelassen werden können.

Die vorangegangenen Definitionen machen eines klar – die Schulparade fördert – gerade durch die Arbeit im Stehen die Geschmeidigkeit der gesamten Hinterhand. Viele Pferde mit gesundheitlichen Problemen konnte durch die Arbeit an der Schulparade eine deutliche Verbesserung der Beweglichkeit erreichen.

Warum gerade jetzt der Hype?

Nun, die Schulparade ist mit Sicherheit keine „geheimgehaltene“ oder neu erfundene Lektion. Wer mit offenen Augen durch historische Stadtkerne, Museen etc. geht, findet immer wieder Skulpturen, Bilder, Statuen von Reiter und Pferd in der Schulparade.

Wie so oft in der Geschichte galt auch hier – als sich Zweck und Ziele der Militärreiterei wandelten, wandelte sich natürlich auch das Ausbildungssystem. Aus der Schulreiterei wurde die heutige Campagnereiterei und viele verschiedene Lektionen wurden nicht mehr abgefragt.

Bent Branderup verdeutlicht auf seiner Facebook Seite den Unterschied zwischen dem Show-Pferd und dem Schul-Pferd:

„The difference between the show-horse and the school-horse ist hat the show-horse remebers the exercise and the school horse remebers the aid“.

Dieses Zitat verdeutlicht auch einmal mehr den Fokus auf die korrekte Schulung der Hilfen zu legen. Vor allen in vielen Internet-Foren rund ums Pferd bin ich auf Fragen nach der Schulparade und wie man sie denn dem Pferd beibringen würde gestoßen – ebenso umgekehrt auf Unverständnis warum man dies seinem Pferd beibringen sollte. Nun – zunächst müssen tut man gar nichts in der Ausbildung.

Wer aber sein Pferd gesund und prächtig reiten möchte, wird nicht umhin kommen, an der korrekten Hankenbiegung zu feilen. Beim Reiten geht es ja auch gerade darum, die Tragkraft zu entwickeln, um die Schubkraft zu beherrschen – mit dem Ziel – das Pferd für die Reitkunst zu stärken. Siehe weiter oben: Nicht umsonst hatte sich Steinbrecht über so viele Seiten hinweg ausschließlich mit dem Thema der Biegung beschäftigt!

Die Schulparade ist in dem Sinne keine Zirkuslektion, sondern eine Übung die einen echten Mehrwert für das Pferd hat! Dabei sollte aber auch nicht vergessen werden, was im Wörtchen Parade steckt – der Beweis auch der Durchlässigkeit der Hilfengebung durch den ganzen Körper bis hin zu den Fesselgelenken.

Verstehen unsere Pferde die Hilfen, dann reiten wir tatsächlich Einfach.:-)

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Schau nicht auf dein Pferd – fühle es! Kursbericht Jossy Reynvoet

Schau nicht auf dein Pferd – fühle es! Kursbericht Jossy Reynvoet

Die Fortsetzung hat alle Erwartungen erfüllt. Am vergangenen Wochenende beim Kurs mit Jossy Reynvoet kamen wir mit unseren Pferden so richtig ins Gespräch: Und zwar ganz still: Mit Körpersprache und ohne das Maul voll zu haben. Eine weitere Fortsetzung? Wird es aufgrund großer Begeisterung garantiert 2015 geben!

Nicht nur der Sommer gab letztes Wochenende ein Comeback in Graz – Jossy und Pascale Reynvoet kamen erneut nach Graz und brachten neben sommerlichen Temperaturen Cavesal, Cavemore und „The Moveable Core“ – das Ausbildungsprogramm von Jossy – mit nach Graz.

Jossy lässt sich zwar mittels Fragebogen über alle Praxisteilnehmer, deren Wünsche, Ziele und Anregungen vorab informieren, in der ersten Theorieeinheit fühlt er aber jedem Reiter noch einmal auf den Zahn und stellte fest, was es in diesem Kurs nicht geben würde: Einen quick win oder quick fix zur Beseitigung aller reiterlichen Probleme (Den Magischen Knopf gibt es halt leider wirklich nicht). Seiner Meinung liegt die Ursache für viele Probleme im Sattel an der Kommunikation:

„We want to explain too many things in one lesson to the horse. So it would be better to seperate the BIG explanation into small steps!“

Abgesehen davon sei nicht jedes Problem auf das Verhalten des Pferdes zurück zu führen. Viele Probleme wären leichter zu lösen, wenn man sich mit der Biomechanik des Pferdes auseinandersetze und mit der richtigen Gymnastik arbeite.

Von der Krabbelstube bis zum Gymnasium

MG_0938bcJossy hat für die Pferde ein Schulprogramm erarbeitet. Das Fohlen lernt bis zu seinem fünften Lebensjahr die Arbeit am Boden und an der Longe. Die Körpersprache wird bereits hier geschult, wenn es darum geht, dem Menschen zu folgen und auf den Körper des Menschens achtend anzuhalten lernt. Mit steigendem Alter steigen auch die Herausforderungen am Boden. Beim „Basic Riding“ käme es bereits sehr auf die Körpersprache an. Ein einfacher Test: Wie leicht lässt sich das Pferd am durchhängenden Zügel in Schritt, Trab und Galopp reiten?  So kommt dann die Arbeit in Biegung und Stellung dazu, sowie die lateralen Bewegungen, die Arbeit mit dem inneren und äußeren Hinterbein, bis hin zu Traversalen und Pirouetten. Mit Fünf Jahren sollte der Nachwuchs quasi den Longen und Groundwork Test der Akademischen Reitkunst bestehen. Zwischen 5 und 7,5 Jahren wird dann an den Anforderungen für den „Squire Test“ gearbeitet. Wenn das Pferd 10 Jahre halt ist, sollte es das „Knight-Level“ erreicht haben.

Von der Theorie zur Praxis…

9 Reiterpaare stellten sich Jossys Augen. Ich war wieder mit Tabby und Pina dabei. In der ersten Einheit arbeiteten wir mit Tabby am Boden – Stichwort Schulterkontrolle. Jossy zeigte mir deutlich, wie ich Tabbys innere und äußere Schulter noch besser mit Hilfe meines Körpers, der Gerte bzw. der Longe unter Kontrolle halten kann.

MG_9618bcJossy mahnte davor, sich ausschließlich auf das Vorschwingen des inneren Hinterbeines zu konzentrieren. Wenn die innere Schulter nach innen fällt, wird die innere Hüfte blockiert und die Biegung kann nicht mehr bis zum Schweif durchschwingen. Daher übten wir vor allem mit Tabby die innere Hüfte mehr und mehr nach vorne zu holen!

Je besser sich Tabby zwischen den Schultern führen ließ, umso besser kam sie in Balance und auch ihr breitbeiniges Auffußen sah am Ende der Einheit schon viel besser aus. Durch meine verbesserte Körpersprache konnte ich die Biegung vom ersten Halswirbel bis hin zum Schweif korrigieren. Ein großes AHA-Erlebnis, wie man das nur mit dem Körper und feinen Gertensignalen umsetzen kann!

Auch für Tabbys Körpersprache hatte Jossy jede Menge Hinweise parat. So konnte ich besser zwischen der zornigen und der unsicheren Tabby unterscheiden lernen. Da Jossy nicht mit Lob und motivierenden Worten geizte, ließ sich diese Stimmung schnell auf  Tabby übertragen und auch in die zweite Einheit gut mitnehmen. Mit Pina übte ich mich in der seitlichen Führposition und in der Handarbeit. Dafür gab es gleich wieder eine „Tanzeinheit“ mit Jossy, um meine Körpersprache für das Schulterherein noch deutlicher zu fühlen. In Schritt und Trab arbeiteten wir am Zirkel im Schulterherein und Kruppeherein, sowie in Richtung Versammlung. Der Mensch denkt, aber der Körper will nicht. Wie sehr man sich selbst manchmal im Wege steht, wurde für mich im Schulterherein auf der rechten Hand deutlich spürbar. Hier mahnte Jossy zu mehr Achtsamkeit und Bewusstseinsbildung über den eigenen Körper.

10 basic steps of gymnastic work

In der zweiten Theorieeinheit erklärte uns Jossy seine „10 basic steps of gymnastik work“:

  1. Das Pferd auf dem Zirkel führen und die innere Schulter von sich weg senden!
  2. Das Pferd wird an der Bande mit ein wenig Stellung geführt, die Kontrolle der inneren Schulter soll beibehalten werden. Das Innere Hinterbein, sowie die innere Hüfte wird nach vorne geschickt. Fällt die innere Schulter vermehrt nach innen, wird das Vorkommen der inneren Hüfte erschwert!
  3. Schulterherein entlang der Bande
  4. Wechsel zwischen Schulterherein und Geraderichten abwechselnd reiten
  5. Kruppeherein
  6. Wechsel zwischen Kruppeherein und Geraderichten abwechselnd reiten
  7. Abwechselnde Wechsel zwischen Kruppeherein – Geraderichten – Schulterherein und umgekehrt
  8. Traversale auf der Diagonalen
  9. Renvers
  10. Pirouette

Jossy zufolge ist die Schulter der Anker für Biegung und Stellung. Wir müssen daher unbedingt die äußere und die innere Schulter des Pferdes kontrollieren, um das Pferd später auch zwischen den Schultern führen zu können.

Ein weiteres Credo des belgischen Trainers, dessen Englisch im Kurs übrigens leicht zu verstehen ist:

„Use the natural gates for the horse. Wee need the natural forward of the horse“

Neben dem natürlichen Vorwärts stehen Charakter und Temperament bei Jossy ebenso im Vordergrund. Am Temperament lässt sich arbeiten, der Charakter dürfe aber nicht beeinflusst werden. In der täglichen Arbeit solle man stets „strikt, relaxed and consequent“ sein, so Jossy Reynvoet.

Das gute an vielen Problemen

Was uns Reitern an Jossy besonders gut gefallen hat? Seine positive Einstellung, gekoppelt mit ständiger Motivation für unsere Arbeit. Während einige beim Finden und Lösen von Problemen in Verzweiflung verfallen, sieht Jossy stets das Positive:

„…so we have to solve a Problem. The more difficult it is, the more possibilities you have to solve the problem“.

Kommt in der Ausbildung ein Problem auf uns zu, gibt es also möglicherweise mehrere Wege, die Sache zu lösen.

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Jossys Ausbildungsweg lässt sich als Waage darstellen, deren zwei Arme Respekt und Sympathie in ständiger Balance sein sollen.

Während man Respekt durch Kommunikation und Konzentration gewinnt, arbeitet man an Sympathie durch Verbindung mit seinem Pferd und indem man eine „Wohlfühl“-Atmosphäre für sein Pferd schafft.

 

Das Fundament der Waage nennt sich Konsequenz, Entspannung ist der Ast, auf dem die beiden Arme Sympathie und Respekt ruhen.

„Expect nothing, repeat much and reward as much as possible“
Jossy Reynvoet

Jossys Hausübung für Reiter und Zuschauer: Wir sollen insgesamt mehr auf unser Gefühl beim Reiten und beim Sein mit dem Pferd vertrauen. Auch das Gefühl für den eigenen Körper gilt es zu schulen. Denn wer selbst nicht in Balance ist, wird auch das Pferd nicht in Balance bringen können!

The Moveable Core…

Jossy kombiniert das Wissen der Alten Meister und der Akademischen Reitkunst mit dem gebisslosen Reiten. Die zwei Tools dazu: Cavesal und Cavemore sollen dabei auf dem Weg bis zur Versammlung unterstützen.Dabei teilt er sein Konzept auf dem Weg zur Reitkunst in einzelne Meilensteine:

  1. Eine IntentionMG_9630bc_fb
  2. Zwei Wege der Kommunikation: Physische Kommunikation und Optische Kommunikation.
    bei der physischen Kommunikation soll das Pferd durch die Reiterhilfen. also durch beispielsweise eine Berührung mit dem Bein bewegt werden. Bei der optischen Kommunikation geht es um die Bewegung oder durch die Haltparade durch die Körperhilfen – also die Körpersprache. So kann auch der Reiter vom Boden wie vom Sattel aus die Schultern bewegen oder den Schwerpunkt mal nach vorne, mal nach hinten verschieben.
  3. Drei Techniken:
    1. Fokus Technik (Das Pferd soll den Reiter beachten, wenn dieser rückwärts vor dem Pferd hergeht, soll es dem Reiter folgen)
    2. Führungs-Technik: Der Reiter steht nun am Boden mit seinen Schultern auf Köpfhöhe des Pferdes. Das Pferd soll auf die Körpersprache des Reiters achten, sich in Bewegung setzen, bzw. zum Halten kommen, je nachdem was der Körper des Reiters erzählt.
    3. Zirkel Technik: Der Reiter ist nun mit etwas Distanz zum Pferd nach wie vor am Boden unterwegs. Er befindet sich nun auf Höhe des Sattels. Dies ist auch die Position zum Longieren.
  4. Vier Positionen. Die ersten drei Positionen findet man bei den drei Techniken erklärt. Die vierte Position ist vom Sattel aus.
  5. Fünf Handlungen (3 plus 1 plus 1) Die ersten drei Handlungen sind vorwärts, halten und rückwärts. Diese Handlungen lassen sich aus den oben genannten Führpositionen erarbeiten. Mit plus 1 sind einerseits die Handwechsel  gemeint, um das Pferd auf jeder Hand in Richtung Durchlässigkeit und vor allem Losgelassenheit zu arbeiten.
  6. Sechs Laterale Bewegungen
    1. Geradegerichtet
    2. Inneres Hinterbein zum Schwerpunkt
    3. Äußeres Hinterbein zum Schwerpunkt
    4. Diagonale
    5. Renvers
    6. Pirouette
  7. Sieben Reiterhilfen
    1. Ganze Parade
    2. Stellung
    3. Biegung
    4. Innere Zügel
    5. Äußerer Zügel
    6. Inneres Bein
    7. Äußeres Bein
  8. Acht Übungen für das Pferd (Anti-Schrecktraining usw)
  9. Neun Übungen um das Leben mit dem Pferd leichter zu machen (Verladeübungen usw.)
  10. Zehn Übungen für den Reiter, um geschmeidig und losgelassen zu werden und sein Pferd in eine gute Form zu bringen

Do not watch your horse…

MG_1734bcMein persönliches Fazit: es gibt wieder viel Hausübung zum Spüren und Fühlen – und vor allem für die Arbeit mit dem eigenen Körper. Wieder einmal hat mich sehr erstaunt, wie fein und klar die Reaktionen meiner Pferde werden, je feiner und klarer ich mit meinem Körper reagiere. Die von Jossy entwickelten Produkte Cavesal und Cavemore sind bei mir nicht mehr aus der Ausrüstung zu streichen. Vor allem das Cavesal hat mich nun restlos überzeugt, da man sich quasi selbst Longieren kann, gleichzeitig aber auch die Schultern unter Kontrolle behält.

Eine Fortsetzung für 2015 ist daher auf jeden Fall geplant. Interessierte, die einmal gerne in Graz mitmachen wollen, sollten sich daher rasch melden. Die Reiterplätze sind erfahrungsgemäß sehr schnell vergeben!

Heuer ist Jossy noch in Deutschland und in der Schweiz unterwegs: Auf Jossys Website findet ihr alle Termine!

Sagen wir es mal mit dem Körper – dann Reiten wir Einfach 🙂

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PS: Hier gibt es mehr Infos zu Cavesal und Cavemore!

Ein riesiges Dankeschön wieder an Katharina Gerletz für den Foto-Support!

Reiterliche Analyse im Paartanz – Kursbericht Bent Branderup

Reiterliche Analyse im Paartanz – Kursbericht Bent Branderup

Herbstliches Wetter, motivierte Reiter und wissbegierige Zuschauer. Sabine Oettel lud vergangenes Wochenende Bent Branderup zu einem Kurs in die „Akademie für barocke Reitkunst“ ins bayrische Wendlmuth. Was Reiten mit Paartanz gemeinsam hat und wie man ein besser Analytiker für sein Pferd wird – diese Fragen klärte Bent Branderup in Praxis und Theorie

Das Auge schulen – und das Pferd dabei nicht in „Salamischeiben“ zerlegen

Wer ein Pferd schulen möchte, muss vor allem sich selbst (und sein Auge) schulen. So das Credo des dänischen Reitmeisters. In seinem ersten Theorievortrag betonte Branderup, das Pferd immer als Ganzes zu betrachten und sich nicht allzu sehr auf ein einzelnes Problem oder eine bestimmte Körperregion zu versteifen. Mit einem Schmunzeln fügte Branderup hinzu:

„Man darf das Pferd also nicht in „Salamischeiben“ zerlegen!“

So könne man natürlich durch Betrachtung der Hinterbeine selbst ein Urteil über die Qualität des Vorgriffs aus der Hinterhand fällen, allerdings schadet es hier auch nicht, einen Blick auf das stehende Vorderbein zu werfen. In welchem Winkel steht das Bein? Ist das Bein senkrecht am Boden, wenn der nächste Schritt gemacht wird oder schiebt es sich weit unter die Körpermasse des Pferdes nach hinten?
Zum Analysieren gibt es am Pferdekörper ja freilich genug. Was die meisten Reiter wollen: Der Kopf des Pferdes muss bitteschön „unten“ oder „tief“ sein. Hier betonte Bent Branderup einmal mehr die Schulung der Reiterhand – denn nur wenn der Reiter selbst die Ziele und Einwirkungen versteht, kann er sie auch dem Pferd beibringen.

„Das ist so ein Problem mit vielen Reitern. Die wissen eigentlich nicht, was sie wollen, aber sie wollen es jetzt“.

Ist das Pferd also steif und möchte nicht im Genick nachgeben, dann hilft es nichts weder vom Boden, noch vom Sattel aus am Kopf herumzuzerren. Viel besser ist es da schon zu hinterfragen!

Wo kommt die Steifheit her?

Für den guten Analytiker gibt es nicht nur eine Problemzone (Viele Frauen kennen das Problem ;-)). Oft wird hier das Genick als Hauptfehlerquelle für mangelndes Nachgeben herangezogen. Bent Branderup ging hier in seinem Vortrag Stück für Stück auf Analyse: Liegt das Problem bei den Halswirbeln – ist ein Wirbel versteift, möglicherweise gar aus der Reihe gesprungen, oder lassen sich entlang der Halswirbel Verhärtungen des Gewebes feststellen? Gibt das Pferd nicht nach, weil in der Schulter eine Steifheit begründet liegt? Oder ist es gar ein Problem aus der Hinterhand?

„Die Hergabe des Genicks kommt dann, wenn das Pferd aus der Hinterhand gut trägt!“

Und was bei allen biomechanischen Detailverliebtheit nicht verloren gehen darf – die Psyche des Pferdes. So betonte Bent Branderup, dass Losgelassenheit, die Hergabe des Genicks und das Senken des Kopfes für das Pferd auch viel mit mentaler Entspannung zu tun habe. Gerade in den ersten Praxisstunden am Samstag, wobei die meisten Reiter am Boden arbeiteten war dieser Mix aus –  Konzentration auf den Körper, bei gleichzeitig wachsamer Beachtung der Psyche schön zu beobachten.

Erst die Erstsprache „Pferd“ – denn die Zweitsprache „Reiten“

Ein wichtiger pädagogischer Grundsatz, der sich auch aufs Pferd übertragen lässt: Kinder müssen zuerst ihre Muttersprache lernen, dann kann eine Zweitsprache gelernt werden.  Pferde müssen also auch zuerst die „Pferdesprache“ untereinander lernen. Das heißt es ist ungemein wichtig, dass junge Pferdekinder im Herdenverband aufwachsen, um einerseits soziales Verhalten zu entwickeln, andererseits eben die Sprache Pferd zu lernen. Erst dann kann der Reiter (wir setzen an dieser Stelle eine Schulung der Körpersprache und ein Verständnis für die Sprache Pferd voraus) dem Pferd die Sprache „Reiten“ beibringen. Wir als Ausbilder müssen also zuerst die Fremdsprache Pferd erlernen und vor allem verstehen.

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Meister der Akademischen Reitkunst: Sabine Oettel auf ihrem Jarl

Ist uns das gelungen können wir einen Rahmen um das Pferd legen, so wie unsere vierbeinigen Freunde diesen Rahmen auch aus dem Laufen in der Herde kennen. Beim Aufbau des pädagogischen Konzepts an der Schulparade bedeutet das also auch: Zuerst wird dem Pferd mit Hilfe der Körpersprache beigebracht, die Gelenke ein wenig zu beugen, erst dann wird die Hilfe der Hand hinzugefügt.

Stichwort Hand – ein wichtiges Tool bei der Arbeit ist und bleibt der Kappzaum. Bent Branderup betonte hier bei der Boden und Longenarbeit nicht auf Halfter oder Trensenzaum zurückzugreifen. Der Grund dafür: Wenn man das Genick für eine Innenstellung bewegt, muss sich der Unterkiefer des Pferdes nach außen bewegen können. Dies gelingt aber nur mit dem Kappzaum. Wird beispielsweise mit Trense longiert, rotiert der Unterkiefer nach innen, was ein weiteres Arbeiten an Stellung und Biegung deutlich erschwert.

Vorwärts und Seitengänge zum Geraderichten

Was besonders schön an Bent Branderups Vorträgen ist? Er hat immer ein gutes Beispiel aus Geschichte und Literatur. So fragte der französische König, Ludwig XIII. seinen Lehrmeister Pluvinel nach dem Grund der Seitengänge. Pluvinels Antwort: „Sire, wir reiten die Seitengänge, um gerade reiten zu können„. Das Vorwärts (aber nicht mit Schnell verwechseln!) ist dabei laut Bent Branderup das erste Element in der Ausbildung. Beide Hinterbeine des Pferdes müssen lernen nach vorne zum Schwerpunkt zu greifen. Ziel sei es daher zunächst, dem Pferd den inneren und äußeren Reiterschenkel zu erklären. Dies wurde mit Hilfe der Gerte und Körpersprache bei den anschließenden Boden- und Longenarbeiten in der Praxis demonstriert. Ein essentieller Tipp von Bent Branderup für das Kruppeherein am Boden – rückwärts gehend geführt: Wenn man sich dabei mit seinem Körper zu sehr gegen das Pferd lehnt, dann wirkt man zu verwahrend ein. Wer seinen eigenen Brustkorb ein wenig nach hinten nimmt, lädt das Pferd vermehrt dazu ein, dem Reiter zu folgen.

Zwischen den Schenkeln – zwischen den Zügeln. Damit das Pferd die Zügelhilfen versteht, empfahl Bent Branderup in seinem Theorievortrag ebenso am Boden zu beginnen. Eine wichtige Übung sei hier die Bewegung der Schultern zwischen den Zügeln. Ganz am Anfang dürfe man ruhig den eigenen Ellenbogen oder die Gerte zur Hilfe nehmen. Umso weiter die Ausbildung, umso minimaler werden dann die Hilfen, bis alle 4 Zügel (Kandare und Kappzaumzügel) mittig über dem Wiederrist in einer Hand geführt werden können. Eine Drehbewegung der Hand könne dann mehr oder weniger Stellung beim Pferd abfragen.

Zügeleinwirkung bedeute die Einwirkung am Hals, niemals am Maul, betonte Bent Branderup.

Ein Reiter, der sich am Sattel festhalten muss ist kein Reiter, sondern Gepäck

Im zweiten Theorievortrag befasst sich Bent Branderup hauptsächlich mit der Primärhilfe der Akademischen Reitkunst – dem Reitersitz. Kritisch konstatierte der dänische Reitmeister, dass ein Reiter, der sich am Sattel festhalten müsse, sicherlich kein Reiter sei, sondern für das Pferd eher ein lästiges Gepäckstück.

„Aus diesem Grund kann man auch sagen: Die Kniepauschen hat wohl der Teufel erfunden, damit niemand mehr reiten lernen muss“.

Im Grunde gibt es nach Bent Branderup drei Schritte beim Erlernen des Sitzes:

  1. Oben bleiben
  2. In der Bewegung des Pferdes mitgehen zu lernen und Analysieren lernen, was sich unter dem Reiter gerade bewegt (sprich: welches Hinterbein gerade in der Luft ist)
  3. Mitteilungen über Schwerpunktverlagerungen an das Pferd weiter geben können. Ziel muss es sein, das Pferd lediglich aus der Hüfte heraus über den Sitz zu führen. Aber so lange das Pferd uns noch nicht versteht, brauchen wir Sekundarhilfen, wie Gerte, Hand oder Reiterbein.

Alle diese Hilfen können dem Pferd zuerst vom Boden aus beigebracht werden, dabei betonte Bent Branderup logische Konsequenz und Kontinuität:

„Die Hilfen müssen immer die gleichen sein, nur aus verschiedenen Positionen heraus ausgeführt. Hat das Pferd die Hilfen verstanden, gibt es keinen Unterschied, ob ich die Hilfen vor, neben, hinter oder auf dem Pferd ausführe“.

Ein guter Pädagoge geht dabei beständig auf sein Pferd ein – lernt ein Pferd daher lieber in Bewegung gibt uns Bent Branderup folgenden Merksatz mit:

„Tu ich das was das Pferd will, dann bekomme ich auch das, was ich will!“

Paartanz zur Reitkunst

Wie leicht es gehen kann, demonstrierten auch Gastgeberin Sabine Oettel auf ihrem Frederiksborger Jarl. Bent Branderup verglich in seinem Vortrag die Reitkunst auch mit einem Paartanz.

Hier gab es in den Praxisstunden jede Menge Unterstützung für mehr Harmonie, Balance und Losgelassenheit. Wichtigster Merksatz: Wir reiten Lektionen bzw. deren Inhalt immer aus einem Grund! Reite daher nicht die Lektion, reite den Inhalt.

Damit uns der Einsatz dieser Inhalte vom Sattel auch besser gelingt, gab es ein paar Ratschläge für den Reitersitz: In der Versalbewegung soll der Reiter das Gewicht gedanklich mehr in Richtung Schweif bringen, bei der Traversalbewegung in Richtung innerer Pferdehüfte denken.

Reiten heißt somit: Der Seitengang muss zuerst in meinem Sitz stattfinden, dann kann ich die Hilfen auf mein Pferd übertragen.

Bügeltritte dienen der Schwerpunktverlagerung. Beim Bügeltritt weg vom Pferd wird der Schwerpunkt verlagert, beim senkrechten Bügeltritt kann die Brustkorbrotation (der inner Brustkorb soll nach unten rotieren, damit sich die äußere Oberlinie in der Biegung und Stellung heben kann) unterstützt werden.

Schreib`s dir hinter die Ohren

Für die Blickschulung vom Sattel gab es noch ein paar Tipps des Meisters. Federn die Ohren des Pferdes nach hinten, dann fehlt es an Rückenschwung. Kann der Reiter ein Senken des Kopfes verbunden mit einem Abkippen der Ohren nach vorne/unten entdecken, dann hat der Rücken gut mitgearbeitet. Somit kann ein geschultes Auge von einem Körperteil des Pferdes auf den Rest schließen. Trotzdem sollte aber immer das ganze Pferde im Auge behalten werden.

Das Kursfazit: Es gibt so viel zu entdecken, sehen spüren. Ein gutes Pferd ist nicht käuflich – wer aber ein guter Lehrer für sein Pferd sein kann, bekommt auch ein gutes Pferd!

Ich freue mich schon riesig auf unseren nächsten Kurs mit Bent Branderup in Graz 2015! Bis dahin gehts an die Hausübungen.

Wenn die Hilfen nicht helfen, sind sie keine Hilfen. In diesem Sinne: Arbeiten wir beständig und konsequent an unseren Hilfen, dann Reiten wir Einfach 😉

Ein großes Dankeschön an Sabine Oettel und ihr Team für den tollen Kurs und Fotos. Weitere Bilder findet ihr auf Sabines Facebookseite!

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PS: Nächstes Wochenende gibt es den letzten Kurs im heurigen Jahr in Graz. Diesmal mit Jossy Reynvoet. Schwerpunkt dabei: Pädagogik, Gebisslose Reitkunst und Körpersprache. Wer sich noch Last Minute anmelden möchte, erhält hier alle Kursinformationen!

The mouth is full – Interview Jossy Reynvoet

The mouth is full – Interview Jossy Reynvoet

Wenn es um Pferdeausbildung mittels Körpersprache geht, nimmt er den Mund nicht zu voll. Einfach Happy lautet sein Erfolgskonzept. Und weil die Teilnehmer des ersten Kurses „einfach happy“ waren, gibt es in zwei Wochen am 11. und 12. Oktober eine Wiederholung mit dem lizensierten Branderup Trainer Jossy Reynvoet aus Belgien. Was ihm noch wichtig ist – dass Pferde das Maul in der Ausbildung nicht voll haben.

We are very happy to welcome you again for the second clinic this year in Graz. Especially your work with body language was inspiring to the audience. How did you develop this kind of body language?

When I made the change from bit to bitless, I automatically noticed that my relationship with my horses was different. I felt more connection. I had to take more time to make them understand what I expected from them without the pressure of the bit. Since more than 20 years my groundwork is always evolving. I made my groundwork fit to my riding. What is happening on the ground will also happen on the top of your horse. My body language is like a dance. It is clear for the human and that makes it easier for the horse.

I was really surprised how easy it was to move my horse just with the body – why can horses understand this language?

When horses are together in a herd, they are aware of the smallest intention and physical sign of other horses. My body language, the movable core, is based on working with your own intention, with your primary aids. That is why horses react immediately on this body language.

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Das neue Cavesal überzeugt im Test

Is it possible to use the body language also from the saddle?

Yes, that is my goal. That is why I refine the movable core constantly. The horse will understand it because you did the same on the ground. The most important is that we get the natural concentration. Than we get a better connection in all positions on the ground and on the saddle.

In our first clinic you wanted us riders to focus more on our feeling. Is there a secret to develop a fine feeling for the horse?

Yes, there is a secret. The key is “do not look at your horse all the time”. Learn to feel what is going on through your longe, leadrope, reins, body. When you sit on your horse you can’t look to his legs etc…. So learn to know by theory what the horse should do, look to other riders, listen to other lessons and than try to feel it from the groundwork yourself. Than it will be easier when you sit on your horse.

At Summer Academy in Denmark horse dental expert Torbjörn Lundström gave a very interesting speech about the horse`s mouth. Did his speech influence your opinion about bitless riding in any way?

This was a very interesting lecture. It did not influence my opinion. It confirmed the feeling that I have since more than 20 years. The mouth of the horse is full when it is closed. So the pressure of the bit will always be there, even if you don’t touch the reins.

You will bring a new tool for bitless art of riding with you – the cavesal. I was able to test it for a while and I really love it for the groundwork – can you explain the use and advantage of the cavesal in comparison to the cavemore?

The cavesal is a complete different tool for another level of education, for a complete other purpose. It is a combination of the cavesson and the bosal.

The cavemore you need when you are working in collection to keep the neck long and free.
The cavesal is for the younger horse or less educated horse.
The advantage of the cavesal compared with a regular cavesson is that you can do groundwork, you can lead and tie your horse, ride with 2 reins and longe yourself. Another advantage is that inexperienced hands can’t make so many mistakes with the cavesal compared with the cavemore.

 

Vielen Dank an Jossy und Pascale Reynvoet für das Interview. Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen in Graz und einen lehrreichen Kurs!

 

Sind wir präzise in unserer Körpersprache, dann Reiten wir Einfach 😉

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PS: Für Interessierte gibt es noch ein paar Zuschauerplätze beim letzten Kurs in diesem Jahr. Alle Informationen dazu, sowie Anmeldebedingungen findet ihr hier…

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