Der magische Knopf zur Lösung aller reiterlichen Probleme!

Der magische Knopf zur Lösung aller reiterlichen Probleme!

Heute geht es um den „Magic Button“ der alle Probleme beim Dressurreiten beseitigt. Dieser liegt – Überraschung – im Kopf des Reiters. Man kann die Dinge beschönigen, man kann die Dinge aber auch auf den Punkt bringen: Das Problem sitzt immer im Sattel. Zur Problembeseitigung kann man also absteigen, oder sich fragen, warum man denn eigentlich überhaupt Dressur reiten will!

Warum reiten wir Dressur?

Der gibt nicht nach, der ist so steif und sitzen kann ich ihn auch nicht mehr“. Wenn man sich die Klagen mancher Reiter, verbunden mit dem Anspruch – das Pferd MUSS doch können – anhört, fragt man sich unweigerlich: Wenn es nicht schön ist und sich nicht schön anfühlt – warum tut man sich das dann überhaupt an?

Im Grunde ist das Reiten heute keine Notwendigkeit. Es ist unser Vergnügen und unsere Freizeit. Allerdings haben die Äußerungen einiger Reiter mit Vergnügen nicht mehr viel zu tun.

Es ist leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Daher erzähle ich die Geschichte einfach mal aus meiner Sicht. Ich wollte vor zehn Jahren auch einmal etwas „Können“. Ich wollte fliegende Galoppwechsel reiten oder eine Piaffe. Das Pferd in einer schönen Haltung präsentieren und mit meinem Können ernst genommen werden. Mein Können habe ich mir aufgrund der Tatsache zugeschrieben, bereits mehr als zehn Jahre lang (irgendwas) mit Pferden erlebt und getan zu haben.

Wenn ich „Dressur“ ritt, dann war die Bestätigung von Seiten der Bande enorm wichtig. Aber für wen reite ich eigentlich Dressur? Irgendwie ging es eher um die anderen, als um das Pferd.

Die Dressur ist für das Pferd da….

Wie sagt Bent Branderup so schön:

„Die Dressur ist für das Pferd da – nicht das Pferd für die Dressur“

Heute können wir Zeit mit unseren Pferden schön verbringen – und als pflichtbewusster Reiter reiten wir die Dressur FÜR unser Pferd! Denn selbst wer einfach Ausreiten möchte, der braucht eine sinnvolle Gymnastizierung für sein Pferd – denn einfach nur „oben sitzen“ und am langen Zügel dahinspazieren ist ebenso wenig sinnvoll!

Ohne ausreichendes Training, das den gesamten Körper des Pferdes kräftigt und das Pferd ins Gleichgewicht bringt, kann kein Pferd einen Reiter ohne Schaden tragen. Hier ist vor allem die Geraderichtung des Pferdes zu nennen, sowie die gleichmäßige Arbeit mit dem Pferd auf beiden Seiten.

Darf man heute nicht mehr üben?

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Neulich beim Christofer Dahlgren Kurs: Schulterkontrolle in Bodenarbeit: Erst muss ICH verstehen, dann kann ich es dem Pferd erklären!

Der Weg ist das Ziel – das sagt sich so leicht. In der Realität erlebe ich aber häufig Ungeduld und manchmal auch Unverständnis für das Pferd. Über gewisse Dinge lässt sich ja ganz einfach „drüber reiten“, oder nicht?

Für François Robichon de la Guérinière, der bis 1751 den königlichen Stall in Paris leitete, war das Ziel seiner Ausbildung, durch systematische Arbeit ein Reitpferd zu erziehen, das ruhig, gewandt und gehorsam ist, angenehm in seinen Bewegungen und bequem für den Reiter. Alois Podhajsky kritisierte 1965 diesbezüglich:

„Leider ist aber in den letzten Jahrzenten eine bedauerliche Vernachlässigung des theoretischen Wissens festzustellen; in allen Sparten des Reitsports nimmt die Oberflächlichkeit in erschreckendem Maße zu“.

Im Gegensatz zu  Guérinière haben viele Reiter heute ganz andere Ziele: Mit Wendigkeit war Versammlung gemeint und das hatte durchaus Sinn! Ruhe ist scheinbar egal. Heutzutage werden sogar im Turniersport erfolgreiche Pferde entweder von zwei Pflegern zur Siegerehrung geführt, oder man reitet gleich auf einem ruhigeren Pferd ein, das die Ehrenrunde ruhig packt. Und auf Bequemlichkeit wird ebenso verzichtet. Man macht es sich gerne sogar schwerer, weil größere Bewegungen zählen, die das menschliche Becken aber nicht mehr sitzen kann. Wir wissen weniger von der Reitkunst, gleichzeitig haben wir Bilder im Kopf, die wir zunehmend JETZT, SOFORT und ohne den Weg zu kennen reproduzieren wollen.

Und besonders traurig: Manchmal hab ich das Gefühl, dass viele den Weg gar nicht kennen lernen wollen und sich lieber auf ein paar Erklärungen verlassen, ohne diese zu hinterfragen.

Wenn eine Übung mal nicht gelingt, wird pausenlos wiederholt. Nuno Oliveira empfahl zwar ebenso viele Wiederholungen, allerdings folgte er dabei dem Credo „Weniger ist mehr, lobe viel“! 

Das Können eines Pferdes kann durch täglich weniges, aber gezieltes Training verbessert werden.  Für Bent Branderup stehen Freude und Motivation an erster Stelle:

„Ich habe nur Freude am Reiten, wenn sich die Pferde mit mir über ihre Fähigkeiten freuen können. Deswegen versuche ich von Anfang an, das Pferd für unsere Arbeit zu interessieren, denn diese wird von jetzt an sein Lebensinhalt sein. Sie sollte niemals aus den Augen verlieren, ob Ihr Pferd Freude an der Zusammenarbeit hat“.

Wenn der Reiter keine Freude hat?

Vielleicht steckt man sich die falschen Ziele? Vielleicht will man zuviel?

Ein paar Grundsätze können die Freude wieder zurück bringen:

  1. Beharrlichkeit: Was heute nicht funktioniert, klappt vielleicht morgen. Man darf sich selbst gegenüber ebenso nicht zu ungeduldig sein!
  2. Offenheit: Vielleicht hilft der Blick über den Tellerrand, oder am besten eine Recherche in der Vergangenheit. Ich lese beispielsweise bei Problemstellungen immer wieder mal gerne bei Gustav Steinbrecht im „Gymnasium des Pferdes“ nach, wenn mir Ideen ausgehen!
  3. Geduld!
  4. Schlussmachen: Manchmal ist es am besten, aufzuhören wenn`s am schönsten ist! Gerade dann haben Reiter und Pferd wohl das Meiste gelernt!
  5. Vorbilder: Reiterliche Vorbilder prägen und schulen!

Wir reiten Dressur also für unser Pferd. Wenn`s nicht Spaß macht, dann läuft etwas schief. Die magische Lösung durch einen „geheimen Knopf“, Hilfszügel etc. gibt es NICHT. Wer hier einen leichteren Umweg gehen will, liegt schlichtweg falsch.

Bent Branderup betont, dass wir den Pferden nichts beibringen müssen. Wir können aber abrufen, was Pferde von Natur aus in sich tragen und auch mitbringen können!

Wenn wir Einfach Reiten wollen, müssen wir also in erster Linie uns selbst schulen und den Rollentausch vollziehen: Nicht wir sind die Lehrmeister, sondern unsere Pferde!  🙂

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Haben Sie ein gutes Händchen für Ihr Pferd?

Haben Sie ein gutes Händchen für Ihr Pferd?

Wie heißt es so schön? Der Mensch ist ein Raubtier. Das heißt er möchte alles anfassen und primär alles mit den Händen erkunden. Blöd nur, dass in der Akademischen Reitkunst der Sitz die primäre Hilfe ist. Die Hand gehört zu den sekundären Hilfen. Ihre Hauptaufgabe: Informationen an das Pferd geben, umgekehrt aber auch Informationen aufnehmen.

Das klappt doch ganz sicher mit Links…

Wenn wir beim Reiten von der Reiterhand im Singular sprechen, dann meinten vor allem die alten Meister die linke Hand. Sie ritten ihre Pferde auf Kandare gezäumt nicht nur bildlich gesprochen mit Links. Wie Bent Branderup in seinem letzten Kurs in Graz erzählte, liegt hier auch der Grund, warum man Kindern beibringt, die Fäuste mit den Zügeln über dem Widerrist aufzustellen.
Auf vielen Alten Stichen sieht man die unterschiedlichsten Kandarenzäumungen. Ein Schelm wer sich dabei denkt, die alten Meister verließen sich in ihrer Kunst lediglich auf die Qualität der Gebisse. Bereits Guérinière warnt hier in Anlehnung an den italienischen Reitmeister Pignatelli, der im 16. Jahrhundert in Neapel tätig war vor diesem Trugschluss:

„Eigene Erfahrungen hatten ihn überzeugt, dass die Zähmung mehr den Zweck haben muss, dem Pferd den Willen des Reiters bekannt zu machen, als es zu zwingen. Er sagte, dass wenn die Stange selbst die wundertätige Eigenschaft hätte, ein Pferd gehorsam und gut im Maul zu machen, dann kämen aus der Werkstätte des Kandarenbauers nur gute Reiter und Pferde heraus“.

Bent Branderup betont daher die Bedeutung der Pädagogik. „Das Pferd muss die Hilfen bzw. die Handeinwirkung verstehen“. Seiner Meinung nach ist es Pflicht des Reiters ein guter Pädagoge für sein Pferd zu sein:

„Denn was man selbst nicht verstanden hat, kann man wohl kaum seinem Pferd erklären“.

Daher ist es zuerst für den Reiter notwendig ein „gutes Händchen“  und damit auch viel Gefühl zu entwickeln. Dass es keine gute Reiterhand ohne guten Reitersitz geben kann, betonte auch schon Steinbrecht:

„Wir hören im gemeinen Leben oft behaupten, dass jemand nicht besonders gut reite, aber eine sehr gute Hand habe, oder umgekehrt, dass er ein sehr guter Reiter sei, aber einen Fehler besitze, nämlich eine zu harte Hand. Dies ist ein offenbarer Widerspruch, denn wer als Reiter eine wirklich gute Hand besitzt, ist ein Meister der Reitkunst, wenn er auch durch seine Haltung und sein Benehmen zu Pferde dem Laien noch so sehr als mangelhafter Reiter erscheinen mag, wohingegen ein Reiter mit einer wirklich schlechten Hand niemals im wahren Sinne des Wortes ein Reiter sein kann, mag er auch durch Festigkeit des Sitzes, Schneid und Eleganz der Erscheinung noch so sehr bestechen, weil sein Fehler nur aus Mangel an Gefühl und Verständnis für das Pferd hervorgehen kann“.

Steinbrecht betont daher, dass eine gute Hand nur das Ergebnis „vollkommenen Sitzes und feinen Reitergefühls“ sein kann.

Nehmen Sie Platz und lernen Sie zu sitzen…

Da wir heute nicht mehr auf den Luxus früherer Reitakademien zurückgreifen können, wobei der Reitschüler den Sitz zwischen den Pilaren auf einem geschulten Pferd in allen Gangarten schulen und fühlen durfte, müssen wir uns anderer Methoden bedienen.
Wer sich und sein Pferd bezüglich der Handeinwirkung vom Boden aus schult, hat hier nicht nur sprichwörtlich die Nase vorne. Der Vorteil: Das Info-Aufnahmezentrum der Hand kann mit Hilfe der Bodenarbeit und dem Kappzaum exakt geschult werden. Fragt man das Pferd, ob es sich vorwärts-abwärts im Stehen dehnen würde, schult man vor allem das eigene Gefühl.
Wo stecken Hindernisse? Hält das Pferd im Genick fest, ist vielleicht der Unterkiefer angespannt? Liegt die Spannung in der Halswirbelsäule? Wenn ja wo? Hilft es, das Pferd zwischen den Schultern zu bewegen? Und in weiterer Folge wird auch das Info-Abgabezentrum geschult. Wie kann ich ein guter Pädagoge sein, wie kann meine Hand dem Pferd erklären, sich abwärts zu strecken?

Der Kopf hat keine Beine..

Stellen wir uns vor wir haben das Pferd in einer Links-Stellung und Biegung unter uns. Der linke Zügel als der innere Zügel führt die Schultern nach außen. Dabei wirkt der Zügel nicht am Maul, sondern mit leichtem Druck am Hals. Der rechte, also der äußere Zügel muss in seiner Einwirkung aufpassen, dass Stellung und Biegung nicht verloren gehen, am Hals eingesetzt bewirkt er, die Führung der Schulter nach innen. Niemals darf das Pferd mit den Zügeln direkt am Maul gewendet werden. Bent Branderup trifft die Sache wieder mal auf den Punkt: „Denn der Kopf hat ja schließlich keine Beine“. Inneren und äußeren Zügel kann man dem Pferd somit in aller Ruhe ohne Sitz auch vom Boden aus erklären. Die Gerte kann durch Berührungen die Hilfen verstärken, wenn das Pferd die Zügeleinwirkungen nicht gleich verstehen sollte.

Aufgesessen…

In der Bewegung heißt es dann volle Konzentration auf die Hinterhand. Denn was sich hinten im „Motor“ des Pferdes abspielt, zeigt sich genau „vorne“ in aller Deutlichkeit. Was die Hinterbeine tun, pflanzt sich über die Wirbelsäule bis zum Genick des Pferdes fort. Schiebt das Pferd beispielsweise mit einem Hinterbein zu viel, dann spürt man den Druck auch durch deutliche Gewichtszunahme in der Hand. Hier mahnt Steinbrecht aber auch vor der Einwirkung einer zu harten Hand:

„…so wird ein zu starker Druck des Gebisses dazu führen, dass ein Pferd entweder sich dem dadurch erzeugten Schmerz entzieht oder das Gefühl für die Gebisseinwirkung verliert, indem die Nerven der gedrückten Teile unempfindlich werden. Entweder kommt das Pferd „hinter den Zügel“, indem es sich der Anlehnung und somit der Zugeinwirkung durch falsche Stellungen oder willkürliche Bewegung von Hals und Kopf entzieht, oder es hat das „Maul verloren“, also ein „totes Maul“. Es benutzt dann die Hand des Reiters als Stützpunkt für das Gewicht seiner Vorhand, gleichsam als fünften Fuß“.

Wie schwierig es ist den richtigen Zeitpunkt des „Gebens“ zu erfühlen, beschrieb bereits schon Guérinière. Auch das Suchen nach Vorwärts-abwärts ist durchaus schwer zu vermitteln. So schreibt Bent Branderup in der aktuellen Auflage der „Akademischen Reitkunst“:

“ Die Hilfe, die zu diesem Suchen führen kann, wird mit dem inneren Sitz und Schenkel gegeben, welche die innere Hüfte und den inneren Hinterfuß nach vorne holen. Reagiert das Pferd richtig auf diese Hilfen wird die Wirbelsäule auf ihrer ganzen Länge rotieren und die äußere Oberlinienmuskulatur wird gedehnt. So kann das Pferd in Stellung und Biegung vorwärts-abwärts die nachgiebige Hand suchen“.

Steinbrecht kennzeichnet die gute Reiterhand durch Leichtigkeit und Stetigkeit. Nur wenn der Körper des Reiters der Bewegung des Pferdes folgen kann, kann es auch die Hand. Diese ist dann in der Lage durch ein leichtes Heben sämtliche Paraden auszuführen, zu geben, indem die Hand gesenkt wird und das Pferd zwischen den Schultern zu bewegen.

„Die leichte und stete Hand hängt daher von der leichten und steten Haltung des Oberkörpers ab, und diese wiederum teilweise von der richtigen Haltung und den daraus entspringenden richtigen Gangarten des Pferdes“.

Schulen wir also unser Gefühl und verbessern wir Tag für Tag unseren Sitz, dann haben wir bald ein „gutes Händchen“ für unser Pferd und Reiten Einfach. 🙂

 

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Vom Rollentausch und guten Antworten – Kurs mit Christofer Dahlgren

Vom Rollentausch und guten Antworten – Kurs mit Christofer Dahlgren

Play, smile and practice. Die Vorfreude auf den „Smile“-Teil des Seminars mit Christofer Dahlgren war natürlich groß – und wurde nicht enttäuscht.

Samstag, der Kurs mit Christofer startet mit Theorie und gleich vielen Fragen. Christofer lässt sich von den Praxisteilnehmern ihre Pferde, alle Hintergründe und Ziele vorstellen. Danach geht’s mal theoretisch auf die Couch. Nicht für uns – sondern für unsere Pferde.

Der sympathische Schwede lobt die zunehmende Auseinandersetzung mit der Biomechanik der Pferde, kritisiert allerdings, dass viele Reiter sich nicht den Kopf über den Kopf zerbrechen – sprich sich zu wenig mit der Psyche befassen.

„Wir glauben vier Beine bewegen einen Körper. Aber ist es nicht das Mindset, das die Pferdebeine in Bewegung setzt“?

Die goldene Regel des lizensierten Bent Branderup Trainers? Man muss dem Pferd immer etwas anbieten, ganz nach dem Motto: Komm und verteil Geschenke. Aber welche Geschenke braucht welches Pferd? Das eine lässt sich vielleicht durch eine kurze Pause bei der Arbeit am besten belohnen, das andere braucht sein Leckerli.

Von linken und rechten Gehirnhälften

Christofer möchte den Pferden keinen Stempel aufdrücken, aber er weiß – die Beschäftigung mit der Psyche macht es dem Reiter einfach leichter:

“Because you will know how to approach the horse for the daily work.“

In seinem Vortrag griff Christofer somit auf das Konzept der “Horsenality” von Pat Parelli zurück.

Demnach sind „left brain“ Pferde selbstsicher, mutig, vertrauensvoll, ruhig und tolerant. Die Beschreibung „dominant“ lehnt Dahlgren aber ab. Seiner Meinung nach gibt es keine dominanten Pferde – wenn, dann hat meist der Mensch das Übrige dazu getan.

„Right brains“ sind genau das Gegenteil. Sie sind zurückhaltend, ängstlich und misstrauisch. Sie neigen auch zu Überreaktionen, können aber sehr folgsam sein.

Introvertiert vs. Extrovertiert

Introvertierte Pferde bleiben oft stehen, sie werden oft als stur abgeschrieben, allerdings denken diese Pferde sehr viel.

Extrovertierte Pferde lieben es zu rennen, sind sehr an ihre Herde gebunden und haben ein enormes Potenzial an Energie.

Left brain extrovert

Ein verspielter Charakter, ein neugieriges Wesen. Ein Pferd, das schnell lernt und rasch eigene Ideen entwickelt. Der Reiter muss aufpassen, keine Langeweile im Training aufkommen zu lassen. Angenommen der Reiter hat 6 Aufgaben bzw. Übungen am Stundenplan, dann lassen sich diese leicht umsetzen – aber auch hier gilt: VIEL Abwechslung. Denn einem solchen Pferd muss man die Aufgaben in einem Spiel bieten.

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Tabby ist left brain introvert

Left brain introvert

Wie bereits oben beschrieben: Left brains denken viel nach. Sie wissen, was sie wollen und brauchen einen Reiter, der sie gut motivieren kann. Kann man einem solchen Pferd die gleichen 6 Aufgaben stellen, wie dem Left Brain extrovert? Christofers Empfehlung: „Arbeite langsam und beginne mit etwas Leichtem“. Das Pferd muss hier unbedingt mitmachen wollen und sich für ein gutes Gelingen verantwortlich fühlen können. Daher: Viel Lob, viele Pausen und viele Wiederholungen.

Right brain extrovert

Diese Pferde bewegen sich gerne. Daher geht Christofer mit einem solchen Pferd gerne vor dem Training zum „auslüften“ ins Gelände – erst wenn das Pferd relaxed ist kann die Arbeit beginnen. Aber: Man darf das Pferd nicht zur Bewegung zwingen! Ein sensibler Reiter versucht die Trainingseinheiten so leicht wie möglich zu gestalten, denn right brain extroverts fühlen sich schnell überfordert. Anstelle der 6 Übungen für den left brain extrovert sollte man auf drei Übungen reduzieren.

Right brain introvert

Der schüchterne Typ, der nicht gerne berührt werden möchte. Das Pferd scheint oft sehr ruhig und in sich gekehrt – plötzliche Gefühlsexplosion bei zu viel Druck nicht ausgeschlossen. Christofer empfiehlt mit diesem Pferdetyp sehr langsam und mit vielen Wiederholungen zu arbeiten. Wichtig wäre es dem Pferd auch ausreichend Zeit zum Nachdenken zu geben. Gibt man diesen Pferden genug Sicherheit bieten sie rasch von sich aus auch mehr an. Beim Beispiel mit den 6 Übungen pro Trainingseinheit heißt die Zauberformel Reduktion: Eine Aufgabe und dafür viel mehr Wiederholungen.

 

Natürlich waren wir dann schon mitten in der Diskussion: Und welcher Typ ist mein Pferd. Hier warnte Christofer aber davor, das Pferd von seiner Psyche her in eine fixe Kategorie zu stecken.

„Viele Menschen kennen nicht die Persönlichkeit ihres Pferdes. Dabei kann gerade dieses Wissen den Unterschied beim Training ausmachen und den Fortschritt positiv beeinflussen“.

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Christofer driftet nach draußen, ich überlege noch wie ich korrigieren soll..

Do not focus too much on the aid

Weiter ging es mit der ersten Praxisstunde. Von Christofers Advanced Lunging inspiriert, indem Seitengänge und Versammlung, sowie Pirouetten an der Longe arbeitet werden, lag der große Fokus bei vielen Praxisteilnehmern auf der Boden- bzw. Longenarbeit. Für viele gab es dann das große Aha-Erlebnis bei der grundlegenden Basis. So habe auch ich mit Tabby erst mal am „folgen“ gearbeitet.
In der bereits gewohnten Führposition (der Reiter geht rückwärts und achtet bei seinem Pferd auf Biegung und Stellung, das Pferd folgt vorwärts) gab es schon die ersten feinen und später beim Reiten spürbaren, nachhaltigen Korrekturen. Christofer korrigierte uns, da wir oft zu nahe am Kappzaum mit unseren Pferden kommunizieren. Ein wenig mehr Distanz und exakte Kontrolle der inneren und äußeren Schulter – und schon folgten die Pferde – wie von Christofer als Ziel definiert – dem Bauchnabel des Reiters mit respektvoller Distanz.
Tabby wurde hier etwas flott – aber kein Problem – mit vielen Richtungswechseln und Schlangenlinien kamen wir dank Christofers Tipps in einen angenehmen, ruhigen Rhythmus im Schritt. Immer wieder demonstrierte Christofer an den Pferden für das Publikum alle Übungen. Die Pferde waren bei ihm sofort entspannt – eine Freude zum Zusehen.

Die wichtigsten Punkte in Christofers Training:

–       Entspannung

–       Leichtigkeit zwischen den Hilfen

–       Balance – „More roundness“

–       Mehr Energie bis hin zur Versammlung

Und wie geht man in Schweden seitwärts?

Schulterherein, Kruppeherein, Traversale – auch hier gab es viele nützliche Hinweise aus dem täglichen Training von Christofer Dahlgren. So legt der Schwede zuerst den Fokus auf ein sehr gute Kruppenerhein, um später im Schulterherein die Biegung zu erhalten bzw. leichter korrigieren zu können, wenn die Hüfte ausfällt. Christofer warnte den Sinn und Zweck der Seitengänge im Sinne der Geraderichtung nicht aus den Augen zu verlieren:

„We teach the side movememts to teach the horse NOT to go sidewards. We need the side movements to tell the horse to do less.”

Folge mir und entspanne…

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Es folgt die „follow me“ Übung mit dem Pferd. Pferdestirn soll in Richtung meines Bauchnabels zeigen.

Im zweiten Teil der Theorie ging Christofer auf die Bodenarbeit, das forgeschrittene Longieren und die häufigsten Fehler am Boden ein. Beim Untertreten im Schritt warnte Christofer vor dem Hauptfehler, das Pferd auf die äußere Schulter fallen zu lassen. Oft würde man dem Pferd so auch beibringen vom Reiter weg zu treten, als dem Reiter zu folgen und seine Beine in Balance zum Schwerpunkt zu bringen. Seine erste Basisübung sei daher, dem jungen Pferd beizubringen dem Reiter zu folgen. Dann setzt er seine Arbeit mit Basislongieren und der Arbeit im Stehen fort. Erst wenn der Reiter in der Lage ist, vom Boden aus die äußere und innere Schulter, sowie die Hinterhand des Pferdes zu kontrollieren wäre das fortgeschrittene Longieren möglich. Und über allem steht: Entspannung. Keine Übung ohne Entspannung!

Für das Pferd gibt es folgende Schritte:

1)    Zuerst soll die Hilfe verstanden werden

2)    Kontinuität in der Entspannung

3)    Regulierte und gleichmäßige Grundgangarten

Der häufigste Fehler im Schulterherein: Die innere Hüfte „geht flöten“. Daher wird aus einer guten Biegung zuerst das Kruppeherein erarbeitet, um in weiterer Folge mit den „Schultern zu spielen“. Christofer warnte aus dem Kruppeherein sogleich ein Schulterherein vom Pferd zu verlangen.

In der Versammlung gilt laut Christofer folgende Faustregel:

„Do not judge the horse by how it is going to collection. But do judge what is coming after the collection.”

Weniger ist mehr – oft reicht es schon, vom Pferd Weniger zu verlangen (egal ob Seitengang oder Versammlung). Und noch ein Satz, der für mich am Kurs sehr einprägsam war:

„We often accept REACTIONS oft the horse, but we should aim for a good RESPONSE when using our aids”.

Dazu gab es wieder ein Beispiel von Christofer: Zwei Pferde lernen einen Seitengang zum ersten Mal. Das eine reagiert spontan toll und geht tatsächlich seitwärts, das andere reagiert schlecht mit wenig Reaktion. Für beide Pferde gilt: Wiederholen, wiederholen, wiederholen – denn wir wollen ein Pferd, das die Hilfe versteht und auf die Hilfe antwortet und nicht bloß reagiert!

In den übrigen Reiteinheiten legte Christofer ebenso viel Wert auf Entspannung und feine Hilfengebung – obwohl ich den Großteil des Kurses am Boden verbrachte und nur in der letzten Einheit meine Tabby sattelte, war ich erstaunt, wie viele Punkte Christofer sofort bei uns schonungslos aufdeckte und wie viele Tipps er uns zur Hausübung mitgab. Ich habe nun einen sehr roten Faden und freue mich schon auf die Arbeit mit Tabby. Schließlich gibt es nach der verletzungsbedingten Pause wieder zurück zu finden!

In der letzten Theorieeinheit gab es einen kleinen Rollentausch: in 2er Gruppen sollten wir als Pferd erfühlen, wie es sich anfühlt, wenn man von einem Menschen in Balance geführt wird. Hier gab es natürlich auch viel zu Lachen und in drei Führpositionen viel zu spüren. Ein spannendes Erlebnis, vor allem beim Erfühlen die Zügelhilfen. Selbst wenn man sich „vornimmt“ nicht auf die innere Schulter zu fallen – es passiert einfach mal. Mein Fazit – ich hoffe ich kann mir immer wieder mal eine meiner Stallkolleginnen schnappen, um mal wieder in die Rolle des Pferdes zu schlüpfen und zu fühlen!

Ich hoffe, wir können den tollen Kurs mit Christofer im nächsten Jahr wiederholen!

Ein großes Dankeschön an Verena Harum für die Organisation und an Katharina Gerletz für den Foto Support! Weitere Fotos folgen in Kürze auf Facebook!

Und wie Reiten wir nach Christofer Dahlgren Einfach?

„Focus on good relaxation and good response.“  🙂
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